Leseecke 8

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde in den nächsten 154 Tagen* mir jeden Tag eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und von Fall zu Fall zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts).
Sonette 8-14 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

*) Oder ein paar mehr; weil es Tage geben wird, wo die Zeit fehlt.

8

MVsick to heare, why hear'st thou musick sadly,
Sweets with sweets warre not, ioy delights in ioy:
Why lou'st thou that which thou receaust not gladly,
Or else receau'st with pleasure thine annoy?
If the true concord of well tuned sounds,
By vnions married do offend thine eare,
They do but sweetly chide thee, who confounds
In singlenesse the parts that thou should'st beare:
Marke how one string sweet husband to an other,
Strikes each in each by mutuall ordering;
Resembling sier, and child, and happy mother,
Who all in one, one pleasing note do sing:
    Whose speechlesse song being many, seeming one,
    Sings this to thee thou single wilt proue none.

Einige Anmerkungen zum Text:

MVsick to heare a) when there is music to hear b) you, who are music to listen to

2 warre to war kämpfen

lou’st lovest receaust receivest (hörst, empfängst)

annoy Ärger (ennui)

true concord perfekte Harmonie tunèd (zweisilbig)

vnions married verheiratete Einheiten, also diese Harmonien (Musik /Ehe)

sweetly chide sanft tadeln confounds zunichtemacht 

in singlenesse a) vernichtest durch dein Singlesein b) indem du deine Stimme dem Wohlklang entziehst parts entsprechend dem Doppelsinn a) musikalische Stimmen b) Rollen als Ehemann und Vater

9 nach string (Saite) ist ein Komma zu denken

10 mutuall ordering die Saiten der Laute werden auf einen Ton gestimmt, um harmonisch zu klingen

11 sier sire (Vater) – so wie Vater Kind und Mutter denselben Ton „singen“

14 thou … none in Anführungsstrichen zu denken als musikalische Mahnung an dich

 

Deutsche Fassung von Dorothea Tieck:

Musik, wie hörst du sie mit trüben Blicken?
Kämpft Süß mit Süß? Freut sich nicht Lust der Lust?
Wie liebst du das, was doch nicht kann beglücken?
Und drückst den Schmerz mit Freud‘ an deine Brust?

Kann wohlgestimmter Saiten Harmonie,
Vermählt im Dreiklang, nicht dein Ohr ergötzen?
Nein, denn den Einzeln steh’nden schelten sie,
Der so den Ton des Ganzen darf verletzen.

Merk‘, wie die Saiten zart vermählet sind,
Durch Wechselwirkung in einander klingen,
Wie Vater, Mutter und das holde Kind,
Die, eins in Lieb‘, ein süßes Lied nur singen.

Wortloser Sang von Vielen scheint nur Einer,
Und spricht zu dir: Du Einzelner wirst Keiner.

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