Gedenktage 21.-27. Januar
Sonntag 22.1.
Viele Fußballer wurden am 26.1. geboren. Was war sonst?
L&Poe berichtete vergangene Woche, daß die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, Literaturnobelpreisträgerin, das russische PEN-Zentrum verlassen hat. Einer Organisation, die der Staatsmacht die Stiefel lecke, schrieb sie, wolle sie nicht mehr angehören. Inzwischen behauptet der russische PEN in einer Antwort auf amerikanische Kollegen, Alexijewitsch sei nie Mitglied in ihrem Club gewesen. Und erklärt, sich für Oleh Senzow einzusetzen sei sehr schwierig, weil er wegen „terroristischer Akte“ verurteilt wurde. Gegenüber dem Spiegel sagte die Autorin, die auf Russisch schreibt und dem PEN schon zu Sowjetzeiten angehörte:
Und nun wurde sogar erklärt, ich sei gar kein Mitglied des PEN gewesen, weil ich Weißrussin und Russophobin sei.
SPIEGEL ONLINE: Kein Mitglied?
Alexijewitsch: Ja, einfach lächerlich.
SPIEGEL ONLINE: Wie lange waren Sie dabei?
Alexijewitsch: Genau weiß ich es nicht mehr, aber seit den Perestroika-Jahren. Aus irgendwelchen Gründe bin ich vor vier oder fünf Jahren aus der Mitgliederliste verschwunden. Erst, als später jemand nachgefragt hat, wo ist Alexijewitsch geblieben, wurde ich wieder in die Liste aufgenommen – mit der Begründung, dass jemand mich zufällig gestrichen habe. Bizarr ist das.
Hier gibt es screenshots mit verschiedenen Stadien der Mitgliederliste. Orwell, übernehmen Sie!
Außer Alexijewitsch sind etwa 30 Autoren aus dem PEN ausgetreten. In dem Brief an die „lieben amerikanischen Freunde“ weist die Leitung darauf hin, daß nur 10% der Mitglieder protestierten – 90% hätten Vertrauen in die Politik des Clubs.
Sinn und Form verkörpert Gediegenheit und akademische Weihen. Insofern ist Johannes R. Bechers, des Gründers, Plan wohl aufgegangen. Maß und Wert sollte seine Zeitschrift heißen (man wies ihn darauf hin, daß es bereits eine Zeitschrift mit diesem Titel gab). Sinn und Form paßte auch. – Meine Rede ist ganz unironisch. Becher kannte seine Genossen und wußte schon vor Gründung der DDR, wohin die Reise geht. Er wollte eine weitgehend unabhängige, international konkurrenzfähige Zeitschrift und hat sie bekommen. Er setzte Peter Huchel als Chefredakteur ein, der bis 1962 ohne Vorzensur arbeiten durfte. Noch jeder seiner Nachfolger in der DDR, mochte der Kurs auch schwanken, war sich der Tradition bewußt.
Prominente Namen zieren jede Ausgabe. In der ersten des 69. Jahrgangs u.a. Yves Bonnefoy, Elisabeth Borchers, Giorgos Seferis, Helmut Heißenbüttel und Norman Manea. Elisabeth Borchers erinnert sich in Tagebuchnotizen an Marie Luise Kaschnitz, Jurek Becker, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski (sie nennt ihn Hannes), Thea Sternheim, Pierre Jean Jouve, Georges Bataille, sie kannte und besuchte sie alle, sie erzählt von Besuchen in Ostberlin und vergißt auch ihre Zeit in BDM-Uniform („Wir sangen: Eh der Fremde dir deine Krone raubt, Deutschland, fallen wir Haupt bei Haupt.“) und den fälschlich vermeldeten „Heldentod“ des Vaters nicht.
Giorgos Seferis erinnert sich in Paris 1942 an eine riskante und strapaziöse Reise durch den Suezkanal nach Jerusalem. Erzählt von der Fahrt eines Seelenverkäufers unter Panama-Flagge von irgendeinem rumänischen Hafen mit 1000 Juden an Bord nach Haifa. Die (britischen) Behörden in Palästina wollen sie nicht haben aus Furcht vor den Arabern, sie fahren zurück nach Istanbul, wo die Türken sie nicht einmal stundenweise an Land lassen, nicht einmal eine Leiter darf das Schiff auswerfen, so daß Lebensmittel in Körben an Bord hochgeseilt werden müssen. Notgedrungen geht die Fahrt ins Schwarze Meer zurück: „Im offenen Meer dringt bei schwerer See Wasser ins Schiff, es sinkt. Gerettet wurden, wie man hört, nur vierzig. Was ist das für eine Kultur, unsere Kultur, daß so etwas geschehen darf.“
Tagebuchaufzeichnungen von Mopsa Sternheim über das Frauen-KZ Ravensbrück, von ihr im Mai-Juni 1945 in Schweden und dann bis 1954 in Frankreich und Deutschland verfaßt, schwer erträgliche Szenen, ergänzen die Zeitzeugenberichte.
Es folgt ein Block über Poésie bzw. Littérature Noire, wozu man neben afrikanischen Autoren auch lateinamerikanische zählen kann, wie Aimé
Césaire (Martinique), der zusammen mit Léopold Sédar Senghor (Senegal), Léon-Gontran Damas (Französisch Guyana), Guy Tirolien (Guadelupe), Birago Diop (Senegal) und René Depestre (Haiti) das Konzept der Négritude entwickelte. Ernstpeter Ruhe schreibt über Aimé Césaires Wirkung „in den deutschsprachigen Ländern“, hauptsächlich ist es die Bundesrepublik, mit einem kurzen Anhang zur DDR. Wieder einmal zeigt sich, daß die Rezeption fremdsprachiger Literatur jenseits staatlicher Förderprogramme hauptsächlich an der Person engagierter Übersetzer hängt. In der Bundesrepublik war das Janheinz Jahn, „für den das
erste Auftreten Léopold Sedar Senghors 1951 in Frankfurt zum Schlüsselerlebnis wurde“. Die neoafrikanische Dichtung wurde sein Lebensthema. 1954 erschien die Anthologie Schwarzer Orpheus, ein Buch mit afrikanischer Poesie als Bestseller. In für eine erste Bestandsaufnahme äußerst beeindruckender Fülle gibt es dort (die Entkolonialisierung hatte noch kaum begonnen, Ländernamen und -grenzen weichen z.T. beträchtlich von den heutigen ab) Texte von Autoren aus: Senegal, Liberia, Ghana, Nigeria, Benin, Kongo (Kinshasa), Südafrika, Lesotho, Malawi, Sambia, Ruanda, Kenia, Madagaskar, Kuba, Jamaika, Haiti, Puerto Rico, Guadelupe, Martinique, St. Lucia, Barbados, Trinidad und Tobago (beiden Landesteilen), Guyana (Cayenne), Guyana (Georgetown), Kolumbien, Ekuador,
Peru, Brasilien und Uruguay. 1954! Die Pionierarbeit Jahns kann gar nicht genug gewürdigt werden. Jahn starb früh schon 1973. Jetzt kommt laut Ruhe der andere deutsche Staat ins Spiel. Aimé Césaire war 1956 aus der Französischen Kommunistischen Partei ausgetreten und damit für die DDR zur Unperson geworden. Der Übersetzer Klaus Laabs übernimmt die Staffette und veröffentlicht 1989 eine erste Auswahl in der Weißen Lyrikreihe des DDR-Verlages Volk und Welt. (Zuvor, 1986, hatte es schon ein Heft der Poesiealbum-Reihe gegeben.) „Nach vielen Einzelpublikationen von Gedichten steht nun eine weit umfassendere,
wiederum zweisprachige Edition kurz vor dem Erscheinen. Sie läßt hoffen, daß den deutschsprachigen Lesern eines Tages Césaires gesamte Lyrik zugänglich sein wird.“
Spannend(er) und Jahrzehnte voraus die Rezeption in der französischen Literatur (für die er nicht übersetzt, aber doch einmal entdeckt werden mußte). André Breton floh 1941 vor den Nazis nach Amerika via Martinique. Dort fand er in einem Kurzwarenladen ein lokales Zeitschriftenheft mit Gedichten Césaires, die ihn elektrisierten. Sie lernten sich dann kennen und beeinflußten einander – ein
beidseitiger Vorgang. Der eurozentrische Blick sieht gern den (zeitweiligen) surrealistischen Einfluß auf Césaire. Ruhe schreibt: „Breton dagegen wurde nachhaltig durch die Begegnung mit der kämpferischen Lyrik Césaires geprägt und ließ fortan ein Thema in Gedichten zu. Seine »Ode an Charles Fourier« macht den Konzeptionswandel schon im Titel offensichtlich.“ Césaire wiederum: „Paßt Ihr Euch an mich an. Ich passe mich nicht an Euch an.“
In Jahns Sammlung von 1954 erhält Césaire 14 Seiten, mehr als jeder andere Dichter. Schon 1956 veröffentlichte er einen ersten zweisprachigen Lyrikband des Autors, mit dem er intensive Arbeitskontakte pflegte. 1960 veranstaltete die
Akademie der Schönen Künste in München das erste deutsch-afrikanische Dichtertreffen. Ruhe urteilt, Césaires Eröffnungsrede habe bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. 1961 wurden Césaire und Senghor Mitglieder der Bayerischen Akademie und hielten ihre Antrittsreden über Poesie. Während Senghors Rede in der Akademiereihe gedruckt wurde, ist die Césaires verlorengegangen. Das Politische überwog offensichtlich (Senghor war Präsident des nun unabhängigen Senegal).
Der zweite Beitrag zum Thema Afrika kommt von dem französisch-
kongolesischen Autor Alain Mabanckou, es ist seine Antrittsvorlesung am Collège de France. Ich stelle die Titel der beiden Beiträge zusammen: Die Vitalität der Poésie noire (Ruhe). / „Lettres noires“. Afrikanische Literaturen heute (Mabanckou). Der Afrikaschwerpunkt in Sinn und Form ist nicht allein informativ, er bietet viel Stoff zum Nachdenken über bewußtes Benennen und Unterscheiden. Eine Liste der von ihm verwendeten Begriffe beim Schreiben der Literaturgeschichte der kolonialen und postkolonialen Zeit in ihrer Verschränktheit mit der europäischen Politik (in zwei thematisch-chronologischen Kreisen):
untrennbar miteinander verbunden. Diese Kolonialliteratur hat eine Littérature nègre gezeugt, „der es gelang, den vom Okzident verbotenen oder konfiszierten eigenen Ausdruck durchzusetzen“, wenn auch vielfach unter Bevormundung oder unter Entfremdung, bis es mit der Négritude zum offenen Bruch kam.Man muß das Klischee überwinden, wonach die Kolonialliteratur im wesentlichen von den Kolonisatoren verfaßt wurde. Einheimische sprachen mit, um es den anderen nicht zu überlassen. Dadurch werde der afrikanische Roman der Zeit nicht dem französischen Diskurs eingegliedert, im Gegenteil.
Die französische Literatur der Kolonien oder über die Kolonien grenzte sich von der exotischen Literatur ab, sie setzte das genaue Kennen, Erlebthaben voraus. Robert Randau, wie Kipling in den Kolonien geboren. Anders als die kurz Durchreisenden. Manche Reisende prangerten das Kolonialsystem an (André Gide, Michel Leiris), die Kolonialliteratur verteidigte es. Gide provozierte sowohl die kolonialistische Linke wie die kolonialistische Rechte.
Die Kolonisierung hat eine afrikanische Literatur in französischer Sprache hervorgebracht, aber die profitierte auch vom frischen Wind aus Amerika, wo Schwarze für ihre Rechte kämpften. In den 20er/30er Jahren kamen viele wegen der Rassentrennung ins Exil nach Europa. Die nach Paris verlegte Harlem Renaissance stärkte das schwarze Denken in den USA und beförderte die Emanzipation der schwarzen Studenten in Frankreich. Um 1956 knüpften manche an die Kolonialliteratur an, indem sie die Kolonialherrschaft beschrieben, dekonstruierten, aber auch einen neuen Blick auf den kolonisierten Raum warfen. Beispiel Bernard Dadié „Un nègre à Paris“, worin ein Afrikaner in „umgekehrtem Exotismus“ die westliche Kultur seziert.
Soweit das Skelett dieses Teils der Rede. In der zweiten wird eine neue Chronik aufgemacht, von den senegalesischen Mestizen Léopold Panet und David Boilat 1850/53 über die Négritude mit der Interaktion: „André Breton schreibt ein Vorwort für Aimé Césaire, Jean-Paul Sartre für Senghor – später auch für Frantz Fanon – und Robert Desnos für Damas.“ – bis heute. Wegen seiner Kolonialgeschichte hat Frankreich da einen Vorteil, zumindest im idealen Raum geistiger Beziehungen. Wir aber haben viel nachzuholen. (Während populistische Politiker und Richter von aufgezwungener Völkermischung faseln.)
Diese Umschau ist so lang geworden, daß ich in der nächsten Ausgabe eine Fortsetzung bringen werde. Da ist noch mehr drin!
Michael Gratz
Russischer Dichter wird erneut wegen eines Gedichts zur Unterstützung der Ukraine angeklagt.
Am 17.1.2017 wurde das Haus von Alexander Byvshev in Komy (Oblast Oryol, Südwestrussland) durchsucht, und sein Computer zusammen mit zahlreichen Speichermedien beschlagnahmt.
Der Dichter war bereits 2015 wegen eines ähnlichen Gedichts zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden und verlor darauf hin seinen Job.
Eine bei der lokalen Universität bestellte „linguistische Analyse“ seines Gedichtes hatte damals ergeben, dass sich der „feindliche Charakter des Werks in Äußerungen zu russischen staatlichen Organen und Präsident Putin“ zeigen würde, so hieß es dort: „Keinen Fußbreit der Krim an Putins Tschekisten“. Außerdem würde das Gedicht Russen herabwürdigen, weil in diesem die auf die Krim einmarschierenden Soldaten als „Bande von Moskalen“ bezeichnet wurden.
Das angesehene russische Antirassismus-Zentrum „SOWA“ widersprach der Analyse, und wies darauf hin, dass sich das Schimpfwort in diesem Fall nicht gegen Russen als Ethnie, sondern gegen eine konkrete Aktivität richtete. Dieser Einwand wurde vom Richter jedoch mit dem Hinweis abgetan, die Analyse der Universität würde genügen.
Auch die Umstände des Verfahrens erinnerten an sowjetische Prozesse: Es wurden 40 Zeugen befragt, die sich durch das Gedicht angeblich beleidigt fühlten – sich aber auf Nachfrage an nicht eine einzige Zeile des Gedichts erinnern konnten.
Ein bedenklicher Nebenaspekt der Strafverfolgung zeigte sich daran, dass der russische Wikipedia-Eintrag des Dichters noch vor dem eigentlichen Urteil gelöscht, und bisher nicht wiederhergestellt wurde.
— Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe (KhPG)
Deutsch: Berliner Osteuropaexperten
Ausführlichere Meldung mit weiteren Linbks auf Englisch hier
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In den nächsten Wochen werde ich Logo und Leitbegriffe und -motive der alten und neuen Lyrikzeitung erörtern: Digest, Poe, Pound, die tödliche Dosis und die Flöte. In der heutigen Ausgabe: Sanjosé, Kandinsky, Rilke, Rinck, Rumi, Shakespeare, Ingold, Jandl, Landt, Papenfuß, Zoff im russischen PEN-Club und manches andere. Lesen!
Die Themen in dieser Ausgabe
Àxel Sanjosé
Die Zungen zucken
von den nichtgesagten Flüchen,
den vergessenen Lauten,
den Sümpfen der Vorfahren,
den Tälern, Buchten, Geröllwüsten.
Was für Chöre,
wie Natur aber mit Splittern,
hineingerufen in die Abende
oder das Rauschen,
Narben und Scherben,
ein Glossar der Herkunft:
Funde und Verluste.
Beim Zurückblicken Krümel für Vögel,
in unserem früheren Dialekt
bildeten wir die Vergangenheitsform
durch Halbieren der Wörter.
Dieses unveröffentlichte Gedicht stellte Àxel Sanjosé freundlicherweise zur Verfügung (Initialtext für ein Kooperationsprojekt mit Ayna Steigerwald).
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… steht nicht nur zur Debatte, wie Bürger noch einem Staat zugehörig sein können, der seine eigenen Städte bombardiert und damit an seinem eigenen Verfall arbeitet. / Über den syrischen Dichter Ra’id Wahsh hier
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Mit dem Band „Vergessenes Oval“ wird Kandinskys absurdistische Dichtung nun vollständig zugänglich gemacht. Das ist verdienstvoll und sollte Anlass zu einer umfassenden Würdigung des Malers als Wortkünstler sein. (…) So sehr diese gravierenden Defizite zu bedauern sind, sie sollten das Interesse und das Vernügen an Kandinskys fabulösen Dichtwerken gleichwohl nicht trüben. Mehr
In der NZZ empfiehlt Felix Philipp Ingold die Lyrik Kandinskys, aber nicht unbedingt die Ausgabe, in der sie präsentiert wird.
Schreibt Perlentaucher. Aber stimmt das? Empfiehlt er etwa eine nichtvorhandene ideale Ausgabe? Stehen die Großverlage Schlange, um uns nach 90 und mehr Jahren unverzüglich das lyrische Werk des großen Malers zu präsentieren? Tun sie leider nicht. Alexander Graeff, Alexander Filyuta und das Verlagshaus Berlin haben uns dieses Werk zugänglich gemacht. Bitte unbedingt diese Ausgabe lesen. (Lesen Sie in der vorigen Nachricht, was Ingold wirklich gesagt hat).
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Kai Bleifuß erhält für seinen Text „Fünf Variationen auf das Unsagbare“ den Autorenpreis Irseer Pegasus. Der Jurypreis Irseer Pegasus geht an David Krause für Auszüge aus „Eine andere Brechung des Lichts“. Mehr
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Marion Poschmann erhält den Deutschen Preis für Nature Writing. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird zum ersten Mal vom Verlag Matthes & Seitz Berlin in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) vergeben. Die Begründung der Jury hat es in sich. / Schreibt das Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
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ist für mich der ganze Husserl, Heidegger, die frühe Existenzphilosophie drin. Rilke entwickelt hier eine Ontologie, die man auf das erste Hören hin nicht verstehen kann, aber auch nicht verstehen muss. Deshalb ist die Musik so wichtig. Es ist ja heute fast ein Zwang, alles verstehen zu müssen. Wir gehen einen anderen Weg. / Mehr
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… in Köln spricht Michael Köhler mit Kuratorin Monika Rinck: „Ich würde sowohl einem uninformierten Gefühl wie auch einem komplett gefühllosen Gedanken misstrauen. Und das, was ein Gedicht eben zu einem Objekt von Interesse macht, ist, dass es beides verbindet, dass es eben die Relationen in den Blick rückt, mit denen man es zu tun hat.“ Mehr
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His books are also riddled with footnotes. Reading them requires some effort, and perhaps a desire to see beyond one’s preconceptions. That, after all, is the point of translation: to understand the foreign. As Keshavarz put it, translation is a reminder that “everything has a form, everything has culture and history. A Muslim can be like that, too.” / Mehr
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geht weiter mit Sonett #20: A Womans face with natures owne hand painted, deutsch von Stefan George: Ein frauenantlitz das Natur selbsthändig Gemalt. Aus dem Kommentar:
„Quaint“ war damals ein Slangausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan: „thou hast a womans heart but not a quaint“. Das Wortspiel erscheint nicht so fernliegend, da das Sonett ab V. 11 auf die Pointe des „hinzugefügten“ Teils hinausläuft. Nicht einmal George konnte das mitübersetzen. – Wer keine Fußnoten liest, liefert sich den Entscheidungen irgendwelcher Vordenker aus.
Dieser Dichter, der größte unserer Zeit, ein literarischer Nachfahre Puschkins in der Linie Tjutschews, wird der Stolz der russischen Dichtung bleiben… Mehr
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Inzwischen traten der Dichter Lew Rubinstein und die Autoren Aleksandr Ilitschewski und Boris Akunin aus der Organisation aus, vorgestern auch die Nobelpreisträgerin von 2015, Swetlana Alexijewitsch. Akunin warf dem PEN vor, daß er sich nicht für verfolgte Autoren einsetze und deshalb nichts mit der internationalen PEN-Organisation gemein habe. Mehr
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Warum zwei Wikis besser sind als ein Wiki (und drei besser als zwei) am Fallbeispiel hier erörtert.
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Ernst Jandl macht einen Vorschlag wider die Hetzerei gegen Ausländer. Thomas Kling lebt und bringt den Müll runter. Horaz und Pound sind tot. Kontroverse Gedichte sind lebensgefährlich und die Schweizer kein poetisches Volk. Dies und viel mehr hier. Alle bisherigen Rückblenden hier.
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des Berliner Schriftstellers Hansjürgen Bulkowski.
eine Zeitung verrät mehr Wirklichkeit als sie selbst mitteilen will
Seit 2013 versendet der Berliner Autor wöchentlich einen Aphorismus als Poetopie per eMail, 2013-16 sonntags in der Lyrikzeitung und von nun an jeden Freitag im L&Poe-Digest.
Prominente russischsprachige Autoren verlassen den PEN-Club aus Protest gegen den Ausschluß des Journalisten und Aktivisten Sergej Parchomenko. Parchomenko wurde ausgeschlossen wegen „provokativer Handlungen“. Er selber schrieb auf der Website des Senders Echo Moskwy, man habe ihn dafür bestrafen wollen, daß er das Russische PEN-Zentrum kritisiert habe, weil es sich nicht für den ukrainischen Filmemacher Oleh Senzow eingesetzt habe. Senzow, der von der Krim stammt, sitzt in einem russischen Gefängnis eine 20jährige Haftstrafe wegen „Vorbereitung terroristischer Akte“ ab. Senzow hatte gegen den Anschluß der Krim an Rußland protestiert, bestreitet aber die Vorwürfe. Die USA, die EU und Amnesty International hatten gegen Verhaftung, Prozeß und Verurteilung Senzows protestiert.
Am 10. Januar bestritt der russische PEN-Präsident Jewgeni Popow, daß es eine Spaltung der Organisation gebe. Es gebe 400 Mitglieder, aber „nur einen Parchomenko“.
Inzwischen traten der Dichter Lew Rubinstein und die Autoren Aleksandr Ilitschewski und Boris Akunin aus der Organisation aus, vorgestern auch die Nobelpreisträgerin von 2015, Swetlana Alexijewitsch. Akunin warf dem PEN vor, daß er sich nicht für verfolgte Autoren einsetze und deshalb nichts mit der internationalen PEN-Organisation gemein habe. / Radio Free Europe / Radio Liberty
Außerdem veröffentlichten die PEN-Mitglieder Maksim Amelin, Aleksandr Archangelski, Denis Dragunski, Timur Kibirow, Nikolai Kononow, Maija Kutscherskaja und andere eine Erklärung, in welcher die Entscheidung des Vorstands beschämend genannt und eine außerordentliche Dringlichkeitssitzung des PEN in Moskau gefordert wird. Eine Reihe anderer Autoren, darunter Wladimir Sorokin und Olga Romanowa, schlossen sich der Erklärung an. / Colta.ru
Leseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 15-21 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
20
A Womans face with natures owne hand painted, Haste thou the Master Mistris of my passion, A womans gentle hart but not acquainted With shifting change as is false womens fashion, An eye more bright then theirs, lesse false in rowling: Gilding the obiect where-vpon it gazeth, A man in hew all Hews in his controwling, Which steales mens eyes and womens soules amaseth. And for a woman wert thou first created, Till nature as she wrought thee fell a dotinge, And by addition me of thee defeated, By adding one thing to my purpose nothing. But since she prickt thee out for womens pleasure, Mine be thy loue and thy loues vse their treasure.
Einige Anmerkungen zum Text:
1 painted a) gemalt b) geschminkt
2 Master Mistris Malone 1780 verbessert master-mistress
3 acquainted: „Quaint“ war damals ein Slangausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan: „thou hast a womans heart but not a quaint“. Das Wortspiel erscheint nicht so fernliegend, da das Sonett ab V. 11 auf die Pointe des „hinzugefügten“ Teils hinausläuft. Nicht einmal George konnte das mitübersetzen. – Wer keine Fußnoten liest, liefert sich den Entscheidungen irgendwelcher Vordenker aus.
4 shifting change: weiblicher Wankelmut ist ein Gemeinplatz der Zeit.
5 Dein Auge ist heller als ihrs und weniger bereit, nach anderen „zu rollen“.
6 Gilding, vergolden ist bei Shakespeare selten eindeutig positiv
7 man in kleiner Blick in die Welt der Konjekturen und Emendationen: Beeching 1904 verbessert: maiden. Mackail verbessert: native. Kommentar in einer modernen Ausgabe (Signet Classic Shakespeare Serie 2001):
7 hue … controwling: hue bedeutete ursprünglich Form, Gestalt, dann Gesichtsfarbe, dann Farbe generell. a) ein Mann, dessen Schönheit alle anderen bezaubert b) ein Mann in Form, der fähig ist, jede Farbe anzunehmen, auch die einer Frau c) daß er alle Gesichtsfarben (erröten, erbleichen) annehmen kann.
8 Which entweder maskulin, also a man who oder Neutrum: a hue which…
10 fell a dotinge begann sich zu verlieben
11 addition zunächst auf das zusätzliche Teil, Penis, bezogen; kann vielleicht auch hinzugefügten sozialen Status mitbedeuten. (Burrow)
13 prickt thee out a) dich auswählte b) dich mit einem prick, Penis ausstattete
14 In der hier verwendeten Originalschreibweise steckt grammatische Mehrfachlesbarkeit a) thy loves (do) use their treasure b) thy love’s use (is) their treasure. Burrow kommentiert: „Strained? Maybe. But Shakespeare is in the Sonnets still the poet of Venus and Adonis, urging his readers to make it lewd, to stray towards the ‚bottom grass‘. Local mobilities of sense shift the reality from which the poems seem to spring. The only way to grasp the circumambient reality is to grasp hold of the totality of the poem’s possible senses.“ A.a.O. S. 130. Deshalb greift die Frage zu kurz, ob Shakespeare homosexuell war. Es geht um das Spiel der Möglichkeiten. In Sonett 136 wird es auf die Spitze getrieben, indem der Name des Dichters, „Will“, spielerisch eingeführt wird in der Mehrfachbedeutung a) und b) der Geschlechtsorgane beider Geschlechter, c) des sexuellen Begehrens und d) der Person namens Will. In diesem Sonett (wird lange dauern, bis wir dahin kommen) kommt Will in Klein- und Großschreibung sowie im Plural insgesamt siebenmal vor, sechsmal allein im ersten Satz und am Schluß eingesammelt in der Phrase „for my name is Will“. Moderne „Normalisierung“ in Orthographie, Grammatik und Interpunktion beschneidet eben die Deutungsmöglichkeiten, auf die es den Sonetten ankommt. (Man sieht unschwer, daß die erst 1904 vorgenommene „Konjektur“ maiden hue für man in hue in Vers 7 dem bewußten oder vielleicht auch unbewußten Bestreben nach Verkürzung der nun als heikel empfundenen Ambiguität dient. Bloß nicht fragen, ob gleichgeschlechtliche Liebe mitgemeint sein könnte!). Philologie ist Politik!
„20 beschreibt seine weiblichen Züge (Master Mistris of my passion) und unterstreicht das durch weibliche Reime“ (Plessow). „Weibliche Reime treten oft in sexuell suggestiven Momenten auf, wie in Hero and Leander II. 555-8.“ (Burrow 2002)
Deutsche Fassung von Stefan George:
Ein frauenantlitz das Natur selbsthändig Gemalt – hast du · Herr-Herrin meiner minne · Ein zartes frauenherz · doch das nicht ständig Den wechsel sucht nach falscher frauen sinne. Ein aug so hell wie ihrs doch nicht so hehlend · Jed ding vergoldend worauf es sich wendet · Ein mann in form · den formen all befehlend · Der mannes aug und weibes seele blendet. Du warst als frau gedacht als erst dich schaffte Natur · doch sie verliebte sich beim werke · lndem durch zutat sie dich mir entraffte Tat sie ein ding bei – nicht für meine zwecke. Doch da sie dich erlas zu weibes labe · Sei mein dein lieben · ihnen liebes-gabe-
Quellen
Am Sonntagabend der neue Tatort, einerseits ein Krimi mit Leiche und Ermittlern, andererseits,
der Titel „Land in dieser Zeit“ sagt es schon, versucht der gestrige „Tatort“ ein Kurzporträt Deutschlands des Jahres 2016 zu sein. Eine Art subjektive Momentaufnahme dessen, was gerade alles Deutschland ausmacht.
Das kann natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit haben, aber für die Autoren zählen dazu: deutsches Liedgut, Geflohene, hessisches Lokalkolorit, die Neue Rechte, Chormusik, Drogendealer, Molotow-Cocktails, Kakao aus Offenbach, defekte Autos und ein Gedichte rezitierender Chef-Ermittler. / web.de (mit den üblichen Anti-Merkel-und-Medien-Kommentaren professioneller WirrsinddasVolk-Kommentarposter)
Man weiß, daß Fernsehkommentare Opern mögen und arrogante Kunstprofessoren verachten. Den Gedichte rezitierenden Chef würde ich freilich aus der Bestandsaufnahme Deutschland 2016 herausnehmen, wo gibts denn sowas? Vielmehr bilden Gedichte eine dritte dramaturgische Ebene, nicht „aristotelisch“-abbildend sondern brechtisch verfremdend. Alle paar Minuten unterbrechen Gedichte die Handlung und zeigen einen Jandl rezitierenden Chefermittler, der seinen verdutzten Kollegen nahtlos mitten in der Besprechung aus einem Büchlein ziemlich gekonnt Sprechgedichte vorträgt. „Glotzt nicht so romantisch!“
Dann gibt es die Volkslieder, die die volksfrohen Maiden im Chor mitsingen. Und noch ein Gedicht.
Die Stunde kommt da man dich braucht
Dann sei du ganz bereit
und in das Feuer das verraucht
wirf dich als letztes Scheit
Ein Lied von Friedrich Gundolf – etwas das Joseph Goebbels und Sophie Scholl gefällt. Und den „Identitären“ von heute. Deutschland eben.
Abwärts! Nr. 17. 3. Jahrgang. November 2016. 5 €
Eine Art Sonderausgabe zum Tod, überschrieben mit der Heiner Müller variierenden Zeile: Der Tod bleibt ein Irrtum. Beiträge zum Tod von Norbert „Knofo“ Kröcher (Bert Papenfuß, Knobi, Silka Teichert, Jürgen Schneider), Brigitte Schulz (Annette Gröschner), Klaus M. Rarisch (Robert Wohlleben), Frank Hörnigk (Kristin Schulz).
Robert Wohllebens Nachruf auf Klaus M. Rarisch, der bereits am 20. Juli vorigen Jahres in Berlin im Alter von 80 Jahren starb, ist überschrieben „5,85 Sonette per annum“ und beginnt so:
Ein unruhiger Geist mußte Ruhe geben. Klaus M. Rarisch war in erster Linie Lyriker, im Lauf der Zeit mehr und mehr bis schließlich einzig auf die Gedichtform Sonett spezialisiert. Seine Gedichte waren oft ebenso kämpferisch scharf in der Diktion wie seine Rezensionen und Stellungnahmen. Zelebritäten wie Heinrich Böll, Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki, Wolf Biermann, Ulla Hahn flickte er am Zeuge. Mit dem als Substrat, was Marcel Reich-Ranicki in seinem FAZ-Artikel Das Ende der Gruppe 47über deren Abschiedstreffen in Saulgau schrieb, verfaßte Rarisch die nach Cefalù verlegte Kontrafaktur Das Ende der Mafia — Sizilien 1977, Namen des Personals der Lokalität angepaßt: Giovanni Giudice, Grasso, Gioacchino Imperatore, Federico Radezza, Marcello Ricco-Randellone. Das Ganze im Stil der späten Phantasus-Dichtung von Arme Holz, also mit reichlich Fiorituren. So müssen dem als früherem Treffensort erwähnten Gasthaus „Pulvermühle“ erst noch „Explosivklause“ und „Dynamitbaude“ vorangehen. (Ich machte 1981 nur allzugern — und grinsend — den Meiendorfer Druck Nr. 8 daraus: alle Buchstaben einzeln mit meinen „Signier-Stempeln“ aufs Papier gebracht, klebstoffliche Mittelachsmontage auf einem ausgehängten Stallfenster als Lichttisch.)
Andrerseits ging es ihm darum — ich zitiere mich: –, „mit blanker Schreibmaschine gefährdete Posten literarischer Rechtlichkeit freizukämpfen (zu entsetzen, im militärischen Verstande), — vorzugsweise, wenn Arno Holz tangiert ist“. Die Beziehung zu diesem Dichter begann, als Rarisch — wie er mir erzählte — als Junge beim Durchstreifen Berliner Ruinenkeller auf dessen Gesamtausgabe von 1924/25 stieß. Mithin nur konsequent, daß er später, nach dem Tod der Dichterwitwe, für eine Weile mit der Verwaltung des literarischen Nachlasses von Arno Holz betraut war und dessen ungefüges, zweibändiges Verstheater Die Blechschmiede zu einem Hörspiel kondensierte, von Heinz von Cramer für den Bayerischen Rundfunk inszeniert und von der Akademie der Darstellenden Künste (Frankfurt) als „Hörspiel des Monats“ Oktober 1979 ausgezeichnet. Auch für andre trat er ein: etwa für die ins Exil getriebenen Dadaisten Richard Huelsenbeck und Walter Mehring wie für vergessene Sonettdichter.
Bert Papenfuß versieht sein Gedicht oddech & orewoet, ursprünglich aus dem Konvolut der Rumbalotte-Rockoper (für die sich aus mir unverständlichen Gründen kein Theaterschwein interessiert), mit so poetischen wie philologischen sowie ausgreifenden Kommentaren und Fußnoten mit Bezügen auf polnisch-tschechische, alt-, mittel- und neuniederländische und russische Wörter. Ein Zitat:
Was hat mich an den religiösen Schwärmern der frühen Neuzeit gereizt? Ich habe in ihnen – z.B. Quirinus Kuhlmann (…) – ein Äquivalent zu heutigen (gestrigen) Punks, Autonomen und sonstigen Sozialrebellen gesehen. Mich hat nie ihre Religiosität interessiert, Spiritualität ist mir brenne – sondern ihre Abgefahrenheit. (…) Kuhlmanns Kühlpsalter ist purer Rock’n’Roll.
Zwei Wikis sind besser als ein Wiki. Und manchmal reichen sie nicht aus.
Über den dänischen Schriftsteller Leif Panduro (1923-1977) lese ich in der deutschen Wiki:
Bis 1976 war er Mitglied der Dänischen Akademie (Det Danske Akademi).
In der englischen:
In 1971 he was awarded with the Grand Prize of the Danish Academy and five years later he became a member of the Danish Academy.
Rein oder raus? Oder haben beide recht? Lassen wir die dänische Fassung entscheiden:
Leif Panduro modtog bl.a. Herman Bangs Mindelegat i 1966, De Gyldne Laurbær i 1970 og Det Danske Akademis Store Pris i 1971, han blev i 1976 medlem af Det Danske Akademi.
Auf Deutsch
Leif Panduro erhielt unter anderem den Herman-Bang-Gedächtnispreis 1966, den Goldenen Lorbeer 1970 und den Großen Preis der Dänischen Akademie 1971; 1976 wurde er Mitglied der Dänischen Akademie.
Ach, verstehe. Vermutlich ein Fehler der automatischen Übersetzung. Jede Sprache sucht sich andere Seme aus der gemeinsamen Wurzel aus. Das Wort bleiben stammt von einem untergegangenen germanischen Verb līban „haften, klebrig sein“. Aus dieser Familie stammen auch leben, Leim sowie die Zahlwörter elf und zwölf und die Namen Detlev und Olaf. Olaf bleibt, aber im Dänischen heißt bliver „werden“. 1976 ist er Mitglied geworden*, schon 1977 starb er.
*) werden ist etymologisch auch interessant. Verwandt mit altindisch vártati (dreht), lateinisch vertere (kehren, wenden, drehen, „Vers“ ist ein Verwandter). Nur wer sich wandelt „bleibt“.
Der Internationale Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma verleiht in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Sparkasse Muldental 2017 den Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis. Das Preisgeld, das von der Stiftung der Sparkasse Muldental gestiftet wird, beträgt 3.000,- €. Der Preis hat den Charakter einer Zuwendung. Ein Rechtsanspruch auf den Preis besteht nicht.
Die Preisverleihung findet im Rahmen einer festlichen Veranstaltung am 3. Dezember 2017 statt, in Erinnerung an den 6. Dezember 1801, jenem Tag, an dem Johann Gottfried Seume seinen Spaziergang nach Syrakus von Grimma aus begann.
Berücksichtigt werden nur literarische Arbeiten, die in deutscher Sprache verfasst wurden und dem Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma spätestens am 30. Juni 2017 übermittelt werden (es gilt der Poststempel).
Elektronische Textformen können nicht berücksichtigt werden!
Die eingereichten Texte dürfen in ihrer Entstehung höchstens fünf Jahre zurückliegen, somit sind nur Texte ab 2013 zugelassen. Das Stichjahr ist 2017. Bei Textzusammenstellungen ist glaubhaft zu versichern, dass die Texte tatsächlich nicht älter als fünf Jahre sind; fehlt dies, gilt der Text als nicht eingereicht.
Die Texte können bereits publiziert worden sein; die Ausstattung bereits publizierter Bücher findet aber bei der Bewertung durch die Jury keine Berücksichtigung.
Dem eingereichten Text ist ein kurzer Lebenslauf der Verfasserin / des Verfassers beizulegen. Auf bereits erhaltene Auszeichnungen soll im Lebenslauf verzichtet werden.
Der Text hat folgende Anforderungen zu erfüllen:
a) Gesellschafts- und kulturkritischer Ansatz, dem Geiste Seumes folgend
und
b) inhaltliche und sprachliche Qualität.
Nur vollständige Vorschläge [Text und Lebenslauf] können berücksichtigt werden. Anonyme Eingaben werden nicht berücksichtigt.
Die Vorschläge sind einzureichen beim
Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma
Vereinssitz:
Museum Göschenhaus
Schillerstraße 25
04668 Grimma
Die Satzung und weitere Informationen zum Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis können unter www.seumeverein-arethusa.de eingesehen werden.
Grimma, im Januar 2017
Für den Vorstand
Thorsten Bolte (Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma – Mitglied des Vorstandes)
Internationaler Johann-Gottfried-Seume-Verein
„ARETHUSA“ e. V. Grimma
Vereinssitz:
Göschenhaus Grimma-Hohnstädt
– Seume-Gedenkstätte –
Schillerstraße 25 • 04668 Grimma
Tel. / Fax 0 34 37 – 91 11 18
(Unter den Siegertiteln waren Gedichte von Andreas Reimann und Helga M. Novak)
In Großbritannien eine kleine Kritikerschlacht um die Krimiserie Sherlock – in Versen. Mark Gatiss —Mitautor von Sherlock, – antwortet einem Kritiker auf der Leserbriefseite des Guardian in einem Gedicht, dessen 1. Strophe lautet:
To an undiscerning critic
Here is a critic who says with low blow
Sherlock’s no brain-box but become double-O.*
Says the Baker St boy is no man of action –
whilst ignoring the stories that could have put him in traction.
Die gleichfalls gereimte Antwort des Kritikers Ralph Jones erschien nicht beim Guardian (wo man vielleicht genug davon hatte), sondern bei Shortlist. Hier die letzte Strophe:
I’m saying that Holmes and his love of a mystery
Look terribly close to being BBC history.
Enough on this point though, I think I might bore you.
It’s time I unveiled the code I wrote for you.
Why not go back and check the first word on each line?
Using the title, tell me what you divine.
Lesen Sie die komplette bisherige Debatte mit Kommentar hier.
*) OO: 007 (der Kritiker hatte der Serie vorgeworfen, in Richtung James Bond zu driften)
Sprache im technischen Zeitalter
Ausgabe 220, Dezember 2016.
Titelthema: Die DDR in der Literatur nach 1989
Spritz fragte 3 Autoren, die in der „ehemaligen“ DDR aufgewachsen sind und einen aus der „ehemaligen“ kleineren Bundesrepublik. Kathrin Gerloff hatte in den 80er Jahren in Leipzig Journalistik studiert. Nicht dabei, sondern danach sei sie in eine Denkblockade geraten. Es habe 1986 „eine spürbare Aufbruchsstimmung“ gegeben, eine kurze „Zeit der Euphorie dank Gorbatschow“, „die aber sehr schnell wieder zusammengebrochen war“. Von da an habe „eine fürchterliche Lähmung und Verzweiflung“ geherrscht. Von „außen“, ob räumlich oder zeitlich, mag das verwundern. 1986, war das nicht der Zeitpunkt, an dem Gorbatschows Perestroika allmählich Fahrt aufnahm? Wie ich mich erinnere, steigerte sich die (nicht Euphorie sondern) Hoffnung von Jahr zu Jahr. Honeckers DDR verfiel in Winterstarre, um so unabweislicher schien mir, daß dieses System nicht mehr viel Zeit hatte.
Andere Frage: „Hatten Sie Zugriff auf Westliteratur?“ Antwort: „Ich hatte keinen Zugriff.“ Wie bitte? Fuhren nicht andere zum Beispiel aus Rostock oder Greifswald nach Leipzig, weil die Deutsche Bücherei alle deutschsprachigen Bücher sammelte? Nur ein Teil davon stand im Lesesaal, sogar ein paar Zeitschriften wie „Akzente“ oder „Sprache im technischen Zeitalter“, das meiste stand im Depot und mußte in einem speziellen Lesesaal gelesen werden, wenn man ein Papier vorweisen konnte, auf dem stand, daß man zu wissenschaftlichen Zwecken Zugang zu „spezieller Forschungsliteratur“ benötigte. Mein Dozent in Rostock schrieb dem Studenten auf Wunsch gern einen solchen Giftschein (auf Kopfbogen bitte). Vielleicht ist das der Schlüssel, „auf Wunsch“. Vielleicht waren Journalistikstudenten ideologisch so „gefestigt“, daß sie den Wunsch nicht hatten? Ich staune. Sie spricht selbst davon: „Wir hätten wissen können, ich hätte wissen können. Ich habe es nicht gewusst, weil ich mich verweigert habe, weil ich nichts in mein rundes Weltbild hineinlassen wollte. Ich hatte alle Voraussetzungen. Ich war alt genug, ich war klug genug, ich glaube sogar, mein Umfeld hätte mir nicht allzu viele Steine in den Weg gelegt. Ich habe es trotzdem nicht getan.“ – Die Autorin erzählt später, wie sie nach der Wiedervereinigung mit einem „klassischen westdeutschen 68er“ zusammengezogen ist. Er hatte 12000 Bücher, sie etwa 2500. Sie hätten beschlossen, Dubletten auszusondern, aber es gab keine. Da begann das große Nachholen.
Nadja Küchenmeister wird mehr nach Literatur befragt. Sie warnt: „Doch sollte man den autobiographischen Signalen [in ihren Gedichten] nicht auf den Leim gehen.“ Und spricht über die Rolle von Zitaten, „Fremdsprache“ im eigenen Gedicht.
Ingo Schulze zum Thema Westlektüre: „Die Bibliotheken waren ziemlich gut. Wer sich für etwas interessierte, konnte sich schon belesen, auch jenseits des Offiziellen.“
Und auch ein Satz von Thomas Lehr sei zitiert: „Als ich Westdeutscher war – so märchenhaft muss man das jetzt sagen – hat mich einfach gute Literatur interessiert und es war für mich gleich, woher die kam.“ Märchenhaft trifft es schon.
Hans Christoph Buch gibt Proben aus frühen Briefen von und an Nicolas Born. Buch an Born: „Ich habe ein Gedicht geschrieben: ‚Gib das Rauchen auf, Mao! / Geh aufs Land, / Bau Dämme, züchte Vieh, / Schreib Gedichte, schwimm ein bisschen. / Du brauchst die Bombe nicht, Mao. / Marx war ein Westler: / Schieß nicht auf mich! / Komm, wir trinken ein Bier‘ (…) Vielleicht kannst Du’s als Loseblattlyrik verkaufen.“
Born an Buch: „Liebe Buchs, es ist hier alles sehr groß und erstaunlich. Der arme amerika-unkundige Born steht am Empire State Building und sagt zu jedem Passanten Guten Tag. Wo ist die unselige Rothaut, die Manhattan für 24 $ verkaufte? Ich suche nach Spuren von Frank O’Hara. Euer Born.“
Die Gedichte im Heft (von Urweider) habe ich ebenso überblättert (später, später!) wie die in der aktuellen Ausgabe von „Sinn und Form“ (dazu nächste Ausgabe L&Poe). Bis ich zum Schluß kam. Matthias Göritz stellt ein Langgedicht von Chigozie Obioma aus Nigeria vor und zitiert in der Einleitung Hendrik Rost: „Ein politisches Gedicht ist auf jeden Fall ein Gedicht, das ich verstanden habe, wenn ich es lese.“ Vielleicht ist es das. Ich kam mir ein bißchen wie Brecht vor, als er die Gedichte von 400 feinsinnigen (bürgerlichen) Dichtern verwarf und stattdessen ein Gedicht aus einer Sportzeitung auszeichnete. Ich habe das Gedicht aus Nigeria, aus Biafra, 1968 und heute, auf einen Ritt durchgelesen und es hat mir etwas mitgeteilt, das mir wichtig war.
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