Leseecke 23

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

23

AS an vnperfect actor on the stage,
Who with his feare is put besides his part,
Or some fierce thing repleat with too much rage,
Whose strengths abondance weakens his owne heart;
So I for feare of trust, forget to say,
The perfect ceremony of loues right,
And in mine owne loues strength seeme to decay,
Ore-charg’d with burthen of mine owne loues might
O let my books be then the eloquence,
And domb presagers of my speaking brest,
Who pleade for loue, and look for recompence,
More then that tonge that more hath more exprest.
    O learne to read what silent loue hath writ,
    To heare with eies belongs to loues fine wit.

Einige Anmerkungen zum Text:

Who with his feare … part der vor Lampenfieber seinen Text vergißt

repleat voll von

for feare of trust a) fearing to trust b) fearing to be trusted

6 loues right manche Herausgeber lesen loves rite (wobei die Mehrdeutigkeit verlorengeht)

9 books Sewell 1725 liest: looks

10 presagers Boten

Deutsche Fassung von Eduard Saenger:

23
Dem schlechten Spieler auf der Bühne gleich,
Der ängstlich in der Rolle stockt und irrt,
Oder dem Rasenden, der zornesbleich
Aus überspannter Kraft zum Schwächling wird:
Also vergeß auch ich im Liebeswerben,
Von Zweifeln bang, der Liebesbräuche Pflicht;
Im Rausch der Liebe glaub ich hinzusterben,
Erdrückt von meiner Liebe Vollgewicht.
Laß meine Bücher für mich Rede stehen,
Die stummen Künder der bewegten Brust,
Die Liebe flehn und nach Belohnung sehen,
Mehr als die Zunge, die sonst zielbewußt.
Entsiegle nur, was Liebe stumm geschrieben:
Mit Augen hören, das ist feinstes Lieben.

Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

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