Kategorie: Europa

Fühllos auf Fühllosem

Oder willst du geduldig warten auf unser vergehendes Fleisch,
auf unseren vieljährigen Tod? Unser Vorsprung in den Staub ist
nur knapp.

Wie gut es mir gefällt

Wie gut es mir gefällt, in einer Sprache zu schreiben,
von der es heißt, sie sterbe aus.

Da ich weiß, dass man küsst

Es betet ein Mädchen auf meinem Schiff
Unter den Segeln werde ich sie halten

Diese tote Sprache

Ich höre sie behaupten, meine Sprache sei tot
Doch das ist mir egal
Die begreifen den eigenen Mangel nicht mal,
sind blind für solche quicklebendigen Momente

Denn Furcht

DENN Furcht beherrscht seit langem eure Tage,
Furcht vor der Wahrheit. Eure Züge
sind fahl von Heuchelei und Lüge.

Krzysztof Kamil Baczyński (1921-1944)

Sie trennten dich, mein Sohn, von Träumen, die wie Falter zittern,
sie malten dir ein Landschaftsbild aus Bränden und Gewittern,
sie strickten feuchte Augen dir, mein Sohn, die rot verbluten,
und mit Gehängten säumten sie den Fluß der grünen Fluten.

Joseph Conrad

Das Schiff
aber ist da. Hier steh ich. Ich hab in den Lungen
die unaufhörliche Ferne.
Und sag deinen Namen,
mein Schiff.

Hier im Nichts

Alle Liebesgedichte sind geschrieben,
keine Übertreibung war übertrieben.

Uwe Hübner (1951-2024)

Heimat

Dann ist man angekommen. In jenem herrlichen Terrain. Das auch mit Gosse und Rinnstein benannt wird.

August Stramm 150

(Ich leb und bin ein Toter)
ein Toter lebe ich
Ich war!
und jeder Blick stiehlt mir etwas
Und jedes Wort schüttelt eine neue Schaufel auf mein Grab
Das Herz wandert *verstellt *in *den

Ein guter Mensch

Ein dunkler Mensch in seinem guten Drange
Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.

Rainer M. Gerhardt (1927-1954)

ich habe die wimper mit grün gefärbt
auch habe ich in den schmelztiegel rot getan
ich will einen pinsel nehmen
und mit diesem die monde auf meinen brüsten malen

Nachts um elf

Dies sind die Kniee der Nacht.
Noch wissen wir nichts von ihren Augen.
Die Stirn, die Frühe, die hellen Haare
folgen später.

Heischesatz

Ach fiele doch ein Schnee, ein Schneien,
ein feines Schlichten über uns herein

Die Vierzeiler vom 24. Juli

Die Nacht
am Abend,
Mond-hell
wie am Tag.