Kein Netz. Keine Laternen. Kein Gott.

Slata Roschal

(O. T.)

Auf den Straßen herrschen neurodermitische Verhältnisse 
Der Navigator hat kein Netz Laternen sind in Planung Gott ist tot 
Bei Vollmond dürfen Mädchen sich nicht waschen
Sich nicht die Augenbrauen färben 
Sich nicht beim Namen nennen lassen
Anhand ergrauter Haare von Rosettenmeerschweinchen
Prognostiziere ich ein Feld an Sonnenblumen 
Zwei Erkältungen und einen toten Hund
Wie viel hat nochmal dieses Teleskop gekostet 
Wie lange hält der Lippenstift als Augenringkaschierer 
Im Pflegeheim im zweiten Stock im überheizten Zimmer 
Hat Großmutter Gabeln nach dem Fernseher geworfen 
Die Bäckerei ist zu
Im Gasthaus Fink wohnen zehn Gastarbeiter
Am Sonntagabend habe ich gesehen 
Wie sie in schwarzer Erde wühlen

Aus: Slata Roschal: Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus. Hochroth München 2021, S. 7

Metadaten

Autorin: Slata Roschal
Gedichtanfang: Auf den Straßen herrschen neurodermitische Verhältnisse
Band: Wir tauschen Ansichten und Ängste wie weiche warme Tiere aus
Verlag: hochroth München
Erscheinungsjahr: 2021
Seite: 7
Gattung: Gedicht, Gegenwartslyrik
Themen: Gegenwart, Wahrnehmung, Orientierung, Aberglaube, Alltag, Alter, Migration, Angst, Tod
Motive: Straße, Navigator, Laternen, Gott, Vollmond, Rosettenmeerschweinchen, Sonnenblumen, Teleskop, Lippenstift, Pflegeheim, Fernseher, Bäckerei, Gastarbeiter, schwarze Erde
Formale Merkmale: freie Verse, Montage, Reihung, weitgehender Verzicht auf Interpunktion, abrupte Bildwechsel, lakonischer Ton

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