Kategorie: Europa

79. Unnötiger Respekt

Gersheim. Mit Gedichten verbinden viele Leute unverständliche Zeilen, deren Sinn sich beim besten Willen nicht erschließen will, oder ellenlange Aneinanderreihungen von Versen, die man auswendig lernen und aufsagen muss. Dass dies nicht die einzigen Merkmale von Gedichten sind und dass man an ihnen sogar Vergnügen… Continue Reading „79. Unnötiger Respekt“

78. Leben in Absetzbewegung

Sarah Kirsch bezieht Position nicht nur im platt politischen Sinne, sondern in einem mimetischen, das heißt, sie verleiht dem, was sie bewahren will, Stimme und Form. Die Natur findet sich auf der einen Seite in ihrem Hervorbringen des Lebens und die menschliche Gesellschaft im… Continue Reading „78. Leben in Absetzbewegung“

76. Klagruf

Sarah Kirsch (1935-2013 ) Zwei Gedichte Klagruf Weh mein schneeweißer Traber Mit den Steinkohlenaugen Der perlendurchflochtenen Mähne Den sehr weichen Nüstern Dem schöngewaltigen Schatten Ging durch! Lief Drei Abende weit war nicht zu bewegen Heimzukehren. Nahm das Heu nicht Wahllos fraß er die Spreu… Continue Reading „76. Klagruf“

74. Literaturfest Salzburg

Sie sei nicht verrückt geworden, sie habe Reime gemacht, sagt die in den USA lebende Klüger, die mit der Literatur, speziell mit Gedichten, gelebt und überlebt hat. Um die Sprache als analytisches, zuweilen verstörendes, auf Nuancen pochendes, Erinnerungen speicherndes Lebenselixier dreht sich auch beim… Continue Reading „74. Literaturfest Salzburg“

72. Walter Höllerer 1922-2003

Nach seinem Debüt 1952 mit dem Gedicht-Band „Der andere Gast“ setzte sich Walter Höllerer auch für die Lyrik anderer Autoren ein, gab zum Beispiel 1956 die laut Untertitel als „Lyrikbuch der Jahrhundertmitte“ angelegte Anthologie „Transit“ heraus. Warum Lyrik? „Ich versuche mit meinen Gedichten das… Continue Reading „72. Walter Höllerer 1922-2003“

71. Luft und Worte

In der Arbeit von Gabrielle Hattensen löst sich das Gedicht des englischen Lyrikers Percy Bysshe Shelley (1792-1822) beinahe auf, der Druck auf Japanpapier und die Präsentation auf transparenten Ebenen machen es „durchsichtig“, es wird zu Luft und Worten. Von dort ist es nur ein… Continue Reading „71. Luft und Worte“

70. Poetopie

als unsere Katze starb, geschah uns, wozu sie nicht fähig war – wir haben geweint Hansjürgen Bulkowski

69. Vorteil der Lyrik

Ich verließ mich auf die Wiederholung im Unterricht. Zwei Wochen vor meiner ersten Abi-Klausur begann ich, alles Nötige zusammenzufassen. Das war schnell erledigt, was auch daran lag, dass ich „auf Lücke“ lernte. Das heißt, für meinen Deutsch-Leistungskurs beschränkte ich mich nur auf eins von… Continue Reading „69. Vorteil der Lyrik“

67. Theo Breuer

Hellmuth Opitz schreibt auf Fixpoetry über den Essayisten Es sind wertvolle Bestandsaufnahmen, die nicht nur die Beletage der feuilletongeherzten und preisgekrönten Dichter und Dichterinnen im Auge haben, sondern vor allem den „lyrischen Mittelstand“ (nicht zu verwechseln mit Mittelmaß!) mit seinen versteckten und unterschätzten Qualitäten… Continue Reading „67. Theo Breuer“

65. Fantasma poetico

Als literarischer Cicerone führt Hans Raimund durch das lyrische Werk von Virgilio Giotti (1885-1957): Der zeitlebens arme Poet zählt zur „Letteratura triestina“ (als deren prominentestes Mitglied Italo Svevo gilt) und schrieb seine Gedichte in „triestino“, genau sagt: in seinem triestino. Er entwickelte den lokalen… Continue Reading „65. Fantasma poetico“

64. Auch Hitler mochte die Winterreise

So gewinnen gerade die Passagen an Farbe, wo Privates und Intimes in den Fokus geraten: Wenn der Leser Stötzer beim Nachspionieren der rätselhaften Barbara aus Halle-Neustadt zuschauen darf oder der Dichter beim Dichten von diversen Störungen heimgesucht wird. „Und meine jüngere Tochter wirft der… Continue Reading „64. Auch Hitler mochte die Winterreise“

63. Kneipenverse

Mit dem gleichen Mut zur Provokation, mit dem er am Beginn seiner Dichterlaufbahn die Krebsbaracken und Sektionssäle inspiziert hatte, wandte er sich nun den »kleinen Leuten« zu: »Sein Leben fließt dahin – ein Gast wird jäher –/er schleift den kranken Fuß, er ballt den… Continue Reading „63. Kneipenverse“

62. »Kulturbolschewist«

Dabei verband den Dichterarzt Benn mehr mit seinen Lieblingsfeinden Johannes R. Becher, Egon Erwin Kisch und Werner Hegemann, als ihnen lieb sein konnte. Als Mann vom Fach hatte er sich u. a. für die elenden Opfer des Abtreibungsparagraphen 218 eingesetzt: »Arme Kreise sind es,… Continue Reading „62. »Kulturbolschewist«“

61. Gedicht zeigen

Jahre später, im Frühjahr 2013, sah ich Plakate von »Gesicht zeigen«, die mich seltsam berührten. Unter einer Fotografie des Gesichts von Ulrich Wickert war zu lesen: »Ich bin Jude, wenn du was gegen Juden hast.« Und der Regierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, einer der… Continue Reading „61. Gedicht zeigen“

60. Bücherbord

Ab und zu muß man abräumen. Logischerweise von oben nach unten. Paul Bogaert: Der Soft-Slalom, übersetzt von Christian Filips, roughbook 027. Elke Erb, Das Hündle kam weiter auf drein. roughbook 028. Horst Samson: Kein  Schweigen bleibt ungehört. Ludwigsburg: Pop, 2013. Volker Herre: Fragmente. Naturschau mit der… Continue Reading „60. Bücherbord“