61. Gedicht zeigen

Jahre später, im Frühjahr 2013, sah ich Plakate von »Gesicht zeigen«, die mich seltsam berührten. Unter einer Fotografie des Gesichts von Ulrich Wickert war zu lesen: »Ich bin Jude, wenn du was gegen Juden hast.« Und der Regierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, einer der übelsten Böcke, die auf dieser Welt geschossen wurden, behauptete: »Ich bin Migrant, wenn du was gegen Migranten hast.« Andere »Gesicht zeigen!«-Models gaben sich als Schwule aus, als Muslime oder Schwarze, es war die Ausstellung reiner Gratisgesinnung und Schmiere.

Statt Gesicht, Gewicht oder Gemächt kann man aber auch Gedicht zeigen. Und damit jene Mitmenschen, die immerzu »ein Zeichen setzen wollen«, sowohl an die Buchstaben des Alphabets und an die Zeichensetzung erinnen, an das Sprechen und Schreiben mit Punkt und Komma, das sich von Punk und Koma so wohltuend unterscheidet.

.., –
fertig ist das Mondgedicht,

reimte Robert Gernhardt. Und da ist das herrliche Semikolon noch gar nicht mit dabei!

Ab heute heißt es jeden Samstag »Gedicht zeigen« – F.W. Bernstein (worldwide Berlin-Steglitz), Rayk Wieland (Tüschow, Leipzig, Shanghai) und ich (Berlin, Leipzig, Zürich) werden uns mit dem Dichter Fritz Eckenga (Dortmund, Wembley) abwechseln, der als Anfangsläufer dieser Staffel antritt. Alsdann! / Wiglaf Droste, junge Welt

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