Kategorie: Deutsch

Herkunft

Heinz Czechowski (* 7. Februar 1935 in Dresden; † 21. Oktober 2009 in Frankfurt am Main) HERKUNFT Die Schützenhofstraße. Die steile Treppe. Die Polizeikaserne. Die Häuser Auf der Neuländerstraße. Der Birkenweg, Der zur Baumwiese führt. Dort Ging ich an der Hand meines Vaters. Der… Continue Reading „Herkunft“

Pastior Petrarca

Oskar Pastior (* 20. Oktober 1927 in Hermannstadt, Siebenbürgen; † 4. Oktober 2006 in Frankfurt am Main) Heute aus einem alten Greifswalder Vortrag von mir: Der folgende Text stammt von dem aus Siebenbürgen stammenden, seit den 60er Jahren in der Bundesrepublik lebenden Oskar Pastior.… Continue Reading „Pastior Petrarca“

Irrsinniger Herbst

Roland Erb DIE OKTOBERFRÜHE Irrsinniger Herbst, du gehst Straßen voll Laub und Blut: Dunstiges Weichbild, du siehst Dämmerung ringsum in Glut. Einsame Taube, die hüpft über Fliesen, knirschender Schrei. Henkersmahlzeit, das Korn bricht wie Dornen entzwei. Nahender Winter, Tauben hocken versteckt im Haus. Irrsinniger… Continue Reading „Irrsinniger Herbst“

100 Jahre Menschheitsdämmerung

Am 2. Januar 2018 beschloss ich, in der hauptsächlich dem Kalender verpflichteten L&Poe-Anthologie im ganzen Jahr vorwiegend Gedichte von Frauen zu veröffentlichen. Das ist nicht leicht, wenn man den Lyrikkalender (s. hier und hier) verfolgt, der fast jeden Tag bedeutende Männer verzeichnet, aber meist… Continue Reading „100 Jahre Menschheitsdämmerung“

Des Herzens dunkle Stille

Miquel Costa i Llobera (* 10. März 1854; † 16. Oktober 1922) DINS UN JARDÍ SENYORIAL Plau-me avançar per un jardí desert quan creix l’ombra dels arbres gegantina, vegent sota el ramatge que s’inclina com lluny blaveja l’horitzó entrobert, vegent muntanyes de contorn incert,… Continue Reading „Des Herzens dunkle Stille“

Schläfrig beide, Hirt und Schaf

Friedrich Nietzsche (* 15. Oktober 1844 – † 25. August 1900)

Solang

Garcilaso de la Vega (* 6. Februar 1503; † 14. Oktober 1536) Soneto XXIII En tanto que de rosa y de azucena se muestra la color en vuestro gesto y que vuestro mirar ardiente, honesto, con clara luz la tempestad serena, y en tanto… Continue Reading „Solang“

Gott gibt die Stimmgabel ab

Paul Celan ICH TRINK WEIN aus zwei Gläsern und zackere an der Königszäsur wie Jener am Pindar, Gott gibt die Stimmgabel ab als einer der kleinen Gerechten, aus der Lostrommel fällt unser Deut. »Das Verb zackern des Gedichts, vom mittelhochdeutschen ›zacker (zi achere/ze acker)… Continue Reading „Gott gibt die Stimmgabel ab“

Tantalussisch

Anna Louisa Karsch (* 1. Dezember 1722 in Hammer bei Schwiebus; † 12. Oktober 1791 in Berlin) An eine Freundin Dies Tantalussische Verlangen, Der heiße Fieberdurst in mir Ist nun, dem Himmel Dank! vergangen. Nun, meine Freundin! kann ichs Dir Wohl sagen froh und… Continue Reading „Tantalussisch“

ein reiches

Konrad Bayer (* 17. Dezember 1932 in Wien; † 10. Oktober 1964 ebenda) dann bin ich gestorben ich wurde geboren am 17. august bald wurde ich grösser doch war’s mir nicht bewusst ich lernte auch sprechen und bausteine brechen dann bin ich gestorben am… Continue Reading „ein reiches“

Aus: Bulletin D

Johannes Theodor Baargeld (Zentrodada, * 9. Oktober 1892 als Alfred Ferdinand Gruenwald in Stettin; † 18. August 1927 am Mont Blanc) Ahehe: Cezanne ist chewing-gum. Der Grunewald verdaut van Goghs gelbes Gebiss. Van Gogh roch aus dem Mund und ist tot. Eljen dada! Behehe:… Continue Reading „Aus: Bulletin D“

Fragt uns aus

Hans Sahl (* 20. Mai 1902 in Dresden; † 27. April 1993 in Tübingen) Die Letzten Wir sind die Letzten. Fragt uns aus. Wir sind zuständig. Wir tragen den Zettelkasten mit den Steckbriefen unserer Freunde wie einen Bauchladen vor uns her. Forschungsinstitute bewerben sich… Continue Reading „Fragt uns aus“

An mich

Else Lasker-Schüler (geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld, heute Stadtteil von Wuppertal; gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) AN MICH Meine Dichtungen, deklamiert, verstimmen die Klaviatür meines Herzens. Wenn es noch Kinder wären, die auf meinen Reimen tastend meinetwegen klimperten. (Bitte nicht… Continue Reading „An mich“

Fremd bin ich / eingezogen fremd

Wilhelm Müller (* 7. Oktober 1794 in Dessau; † 1. Oktober 1827 ebenda) Gute Nacht Fremd bin ich eingezogen, Fremd zieh‘ ich wieder aus. Der Mai war mir gewogen Mit manchem Blumenstrauß. Das Mädchen sprach von Liebe, Die Mutter gar von Eh‘ – Nun… Continue Reading „Fremd bin ich / eingezogen fremd“

Mit dir

Rumi (*30. September 1207, Balch, Afghanistan, † 17. Dezember 1273, Konya, Türkei) Mit dir möcht‘ Worte ohne Zungen sprechen ich, Möcht‘, was zu Ohren nie gedrungen, sprechen ich, Nur dein Ohr soll vernehmen, was ich sag, soviel Auch mag inmitt‘ von Alt und Jungen… Continue Reading „Mit dir“