69. Poesiealbum

In der traditionsreichen Lyrikreihe „Poesiealbum“ neu erschienen:

Heft 313: Ingolf Brökel

Heft 314: Monika Rinck

Jeweils 32 Seiten, 4 €

Neu bei Lyrikwiki:

Poesiealbum

ist eine Lyrikreihe in Heftform, die 1967 von Bernd Jentzsch gegründet wurde. Bis August 1990 erschien monatlich ein Heft von 32 Seiten Umfang, das bis Anfang 1990 90 Pfennig kostete und in den ersten Jahren auch von der Post im Abonnement und an Kiosken vertrieben wurde. Trotz schmalen Umfangs war es sorgfältig ediert – stets von Kennern des Gesamtwerks ausgewählt und mit Titelvignette und doppelseitiger Grafik im Innern ausgestattet (Grafiken von Werner Klemke, Horst Hussel, Rolf Münzner, Hans Ticha, Wolfgang Mattheuer, Gerhard Altenbourg, Nuria Quevedo, Günter Horlbeck, Hannelore Teutsch, Carlfriedrich Claus, Willy Wolff, Robert Rehfeldt, Horst Antes, Einar Schleef, Hermann Glöckner, Werner Tübke, Uwe Pfeifer, Dagmar Ranft-Schinke, Baldwin Zettl u.v.a.). Als Bernd Jentzsch in einem Brief an die DDR-Führung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und den Ausschluß Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband protestierte, wurde er abgesetzt. Ein paar Jahre später wurde auch sein Nachfolger Richard Pietraß aus politischen Gründen abgesetzt.

Neben klassischen deutschen und internationalen Autoren war die Reihe ein Ort für Lyrikdebüts (Wulf Kirsten, Kurt Bartsch, Harald Gerlach, Jürgen Rennert, Gabriele Eckart, Thomas Brasch, Richard Leising, Brigitte Struzyk, Steffen Mensching, Uta Mauersberger, Christa Kozik, Hans Brinkmann, Klaus-Peter Schwarz, Kathrin Schmidt, Hans-Eckardt Wenzel, Wilhelm Bartsch, Udo Degener, Johannes Jansen u.v.a.) sowie zahlreiche DDR-Erstveröffentlichungen (u.a. Allen Ginsberg, Octavio Paz, René Char, W.H. Auden, Dylan Thomas, Welimir Chlebnikow, César Vallejo, Julian Przyboś, Arthur Rimbaud, Bob Dylan, Claes Andersson, Jannis Ritsos, Itzik Manger, Charles Bukowski, Anna Achmatowa, Aimé Césaire, Arsenij Tarkowski, Konrad Bayer, Boris Vian).

Die Reihe konnte die Währungsunion nicht überleben. Das letzte Heft, Nr. 275: August von Platen, wurde vom Staatlichen Buchhandel der DDR nicht mehr ausgeliefert und zum größten Teil als Müll entsorgt. Nur private Buchhandlungen lieferten das Heft noch an ihre Kunden aus. [1] 1991 erschien noch ein Heft zu Ehren des Gründers Bernd Jentzsch im BrennGlas Verlag Assenheim.

Die letzte Herausgeberin Dorothea Oehme startete 1992 in der »Unabhängigen Verlagsbuchhandlung Ackerstraße« in Berlin die Lyrikreihe »Poet´s Corner« nach ähnlichem Konzept, Herausgeber war „Orplid & Co., Gesellschaft zur Pflege und Förderung der Poesie“ (Hefte von Elke Erb, Ossip Mandelstam, Frank-Wolf Matthies, Quirinus Kuhlmann u.a.).

1996 wurde ein Verein „Poesiealbum“ gegründet, der die Reihe fortsetzen wollte. Bert Papenfuß und Sascha Anderson sollten die Hefte herausgeben – wegen der Stasimitarbeit Andersons verweigerte Bernd Jentzsch die Zustimmung. Daher gründeten sie eine Heftreihe „Poetische Bögen“, von der 12 Hefte in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung Leipzig erschienen.

Seit Herbst 2007 erscheint das Heft wieder im Märkischen Verlag Wilhelmshorst, Verleger ist Klaus-Peter Schwarz. Anfangs erschienen Hefte, die in der DDR aus politischen Gründen oder aus Gründen der Ignoranz der Entscheider nicht erscheinen durften, wie Peter Huchel, Ernst Jandl und Ezra Pound. Derzeit erscheinen 4 Hefte im Jahr im originalen Format. Gleichzeitig (seit März 2007) gibt Ralph Grüneberger für die Leipziger „Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik“ unter dem Titel „Poesiealbum neu“ ebenfalls eine Heftreihe im Originalformat mit thematischen Anthologien heraus.

Anmerkung

[1] Der Autor dieses Artikels hatte ein Abonnement bei der Greifswalder Buchhandlung Paul und Wilhelmine Singelnstein und wurde bis zum Schluß zuverlässig beliefert.

Herausgeber

  • Bernd Jentzsch (1967-1976)
  • Richard Pietraß (1976-1979
  • Dorothea Oehme (1980-1990)

Weblink

Poesiealbum.info mit vollständiger Bibliographie

ISSN 1865-5874

4 Comments on “69. Poesiealbum

  1. Zweifellos hat mein Zweidrittelnamensvetter Klaus-Peter Schwarz unendlich viele Talente und Verdienste – nur eines nicht: der Verleger des jetzigen Poesiealbums zu sein. Was eigentlich auch der Kommentator (und Kandidat für ein eigenes Heft) Jan Kuhlbrodt wissen könnte …

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  2. was ich irgendwie bemrkenswert finde ist, dass ich einen text aus dem poesiealbum des jetzigen verlegers klaus-peter schwarz nach dreißig jahren immer noch auswendig kann. „ist es zu früh …“

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  3. Gegenwärtig erscheinen sechs Hefte im Jahr. Um Porto zu sparen, werden im Abonnement immer zwei Nummern zugleich ausgeliefert.

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