81. Österreichischst

Diese Eigenschaft (mit einem „vielleicht“ davor) schreibt Wieland Schmied dem Künstler Attersee zu. Wie sehr im ostmittelsüddeutschen Raum die Grenzen verschwimmen, zeigt auch dies Zitat aus der Siebenbürgischen Zeitung (#80):

In die Düsseldorfer Ausstellung „Bild-Zeichen“ des renommierten Malers und Grafikers Franz Kumher, eines Banater Berglanddeutschen, führt Walter Engel ein, während Paul Tischler anlässlich des 65. Geburtstages von Christian Ludwig Attersee über den in Pressburg/Slowakei geborenen, europaweit bekannten Allround-Künstler schreibt.

Ein Bild von Attersee schmückt das neueste Heft der immer spannenden Wiener Zeitschrift „Freibord“, die Gerhard Jaschke im 30. Jahrgang herausgibt: die Zeichnung einer Frau, die ein Buch nicht nur in der Hand, sondern über den diversen erotischen Zonen trägt (Lippen, Brüste, Scham und Füße). Das Heft 134 erscheint in Gedenken an gleich 13 verstorbene Weggefährten (darunter Wolfgang Bauer, Istvan Eörsi, Gerhard Kofler und Milo Dor). Vorangestellt ein kleines Gedicht von Günter Brus, Faksimile als Briefgruß:

Guten Morgen,
es ist halb 11.
Robert Walser
macht im Grab Gebelf.
Dein GB

Im Heft der Zyklus „Buchsport“ von Attersee und zwei Reden von Schmied auf den Künstler. In einer davon erklärt er den Superlativ auf das rot-weiß-rote Land u.a. mit Hinweis auf seine erste Arbeit von 1964/65:

Sie heißt „Komm mit nach Österreich“ und erklärt sich als Fremdenführer für außerirdische Wesen, die sich in den neun Blättern (Collagen mit Mischtechnik auf Karton, die jeweils durch das Zitat markanter Sehenswürdigkeiten eines unserer Bundesländer zu ihrem Besuch aufrufen und von Textmontagen von Gerhard Rühm begleitet werden) … in den Bildern selbst niedergelassen haben und in ihnen heimisch geworden sind.“

Außerdem im Heft: „denk krümel“ von Elfriede Gerstl, eine Art Comic von Ilse Kilic und Gedichte von Margret Kreidl, Petra Ganglbauer, Marietta Böning, herbert j. wimmer und Walter Pilar.

Nachsatz für Greifswald und Umgebung: Im Falladahaus in der Steinstraße (Heimstatt des Vereins pom-lit.de) gibt es viele Bücher und Zeitschriften – nicht nur aber auch „pommerscher“ Provenienz. Es gibt eine Teilnachlaßbibliothek des 1988 gestorbenen Stralsunder Lyrikers Uwe Lummitsch, eine größere Auswahl polnischer Literatur (auch in polnischer Sprache, eingeschlossen Zeitungen und Zeitschriften aus der Aufbruchszeit 1980-81), etwa 80 Prozent der Zeitschriften „Sinn und Form“ und „Neue Deutsche Literatur“ von den Anfängen in der frühen DDR bis zur Bundesrepublik, rumäniendeutsche Zeitschriften der 70er/ 80er Jahre, aber auch etliche Jahrgänge der österreichischen Zeitschriften „Manuskripte“ und „Freibord“. Der Verein kann sich keinen Bibliothekar leisten. Wenn Sie etwas davon benutzen wollen: schreiben Sie mir eine Mail oder besuchen Sie mich auf einer unserer Veranstaltungen.

 

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