Kategorie: Australien

37. Poetry and science

Most pre-scientific cultures used poetry to express ideas about the creation of the earth, and many of them are surprisingly similar. From the chants of the Maori Io tradition to Hesiod’s Theogony, poets have propounded theories and told stories of the creation of something from nothing, stories that still inform the work of modern poets like Billy Marshall-Stoneking, who draws on Aboriginal Australian legends for his poem Tjukurrpa (Creation Times).

In the 19th century, advances in geology began to make more fact-based scientific explanations of the genesis of the earth more achievable, and a key landmark was the 1830-31 publication of Charles Lyell’s Principles of Geology: being an attempt to explain the former changes of the earth’s surface by reference to causes now in operation. Lyell’s driving principle was that “the present is the key to the past”, and this clearly struck a chord with Kenneth Rexroth, who links geology, the formation of the earth, and present human love in his poem Lyell’s Hypothesis Again.

If anything, Hugh MacDiarmid’s magisterial On A Raised Beach makes this link even more explicit right from the opening lines ‘All is lithogenesis – or lochia,/ Carpolite fruit of the forbidden tree’. The birth of stones and childbirth are balanced one against the other as the source of ‘all’, and the forbidden tree whose fossil fruit they are recalls one of the most famous genesis tales of all.

Most people will know the story of Eve from the outside, as it were, but in Paradise Lost Milton has her describe her creation from her perspective, starting with her awakening to wonder ‘where/ And what I was, whence thither brought, and how.’ It’s a typically daring conceit, giving a new twist to a familiar narrative. / Guardian

22. Lyrik auf die Straßen

Beim diesjährigen Sydney Writers’ Festival vom 18.-26. Mai werden die Müllautos zu Poesieträgern. Auf 11 Fahrzeuge werden Verse berühmter Dichter aufgesprüht, darunter W.B. Yeats, Judith Wright und Rainer Maria Rilke.

Hier die Liste der Titel:

  1. Rainer Maria Rilke (from “Archaic Torso of Apollo”) (tr: Stephen Mitchell)
  2. Gig Ryan (from “When I Consider”)
  3. Peter Porter (from “The Unicorn in Love”)
  4. Jessy Randall (“Why I had Children”)
  5. Martin Harrison (from “Walking Back from the Dam”)
  6. David Campbell (“Mothers and Daughters”)
  7. John Berryman (from “Eleven Addresses to the Lord”)
  8. W. B. Yeats (from “Vacillation”)
  9. Kevin Hart (from “Dark Bird”)
  10. Judith Wright (from “Sonnet”)
  11. Kay Ryan (“Fool’s Errands”)
  12. John Berryman (from “Op. posth. no. 13”)
  13. Laurie Duggan (from “Letter to John Forbes”)
  14. joanne burns (“revisionism”)
  15. John Berryman (from “Overseas Prayer”)
  16. Marilyn Hacker (“Villanelle for D.G.B.”)
  17. L. K. Holt (from “From Inside the MRI Scanner”)
  18. Judith Wright (from “Woman to Child”)
  19. S. K. Kelen (from “Reality Check”)

City of Sydney

Sydney Writers’ Festival

Sydney Poetry

38. Selbstinspektion

Bei seiner Selbstinspektion muss sich Les Murray auch der eigenen Vergangenheit stellen, dem Gefühl, schuld zu sein am Tod der Mutter, den erduldeten Demütigungen und schulischen Schikanen, den selbstzerstörerischen Impulsen, den Unzulänglichkeiten als Erzieher und Ehemann.

Neben familiärem Zuspruch war die Poesie das Instrumentarium, den Ursachen der Depression auf den Grund zu gehen. Murray gesteht, es seien einige «verkrampfte, unklare Gedichte» gewesen, die dabei entstanden, und erst die «Übersetzungen aus der Natur» von 1992, in denen er den Tieren und Pflanzen eine Stimme verleiht, hätten ihm geholfen, Abstand vom eigenen Selbst zu gewinnen. In diese Zeit fällt auch der Beginn des ungeheuren Versromans «Fredy Neptune», doch anders als dessen mit übermenschlichen Kräften ausgestatteter Protagonist muss Murray sein nicht früh genug diagnostiziertes Asperger-Syndrom, den daraus resultierenden Mangel an sozialer Kompetenz und die sexuelle Frustration ganz allein mit den Mitteln der Dichtung verarbeiten. Murray spart an diesen Stellen nicht mit bissigen Seitenhieben auf die ungesunde Prüderie seiner Jugendtage und das gehässige Verhalten seiner Umwelt. (…)

Bei aller persönlichen Betroffenheit bleibt Les Murray auch hier stets ein Seismograf gesellschaftlicher Phänomene. / Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung 29.1.

Les Murray: Der Schwarze Hund. Eine Denkschrift über die Depression. Aus dem Englischen von Margitt Lehbert. Edition Rugerup, Berlin u. Hörby/Schweden 2012. 92 S., Fr. 28.90.

52. Anarchist im Kanon

Sam Hunt (66) ist Dichter. Er ist sogar so etwas wie Neuseelands inoffizieller Nationaldichter. Kein anderer Poet erreicht mit seinen Gedichten eine derartige Popularität in dem südpazifischen Inselstaat. Das liegt vor allem an diesen Dingen: In Hunts Zeilen schwingt immer die Sehnsucht mit, die ein Neuseeländer im ständigen Angesicht der Natur verspürt. Es ist die Poesie des vagabundierenden Provinzneuseeländers, der ständig “on the road” ist. Auf der Suche nach dem Meer, nach der Einsamkeit, nach der Liebe oder nach sich selbst. Hunts Gedichte, die eher Songs gleichen als üblichen Gedichten, sind eng verwoben mit der neuseeländischen Landschaft und Seele. “A man can only find himself when lost. Such country, this, where all men are lonely: plateau, hawk and rivermist.”

Dass manche Kritiker sein Dichtwerk als “zu pathetisch” oder “kitschig” beschreiben, passt ins Hunt’sche Gefühlsprogramm. Zudem: Hunts schweißtreibende Auftritte sind legendär. Er zelebriert seine Gedichte, vor allem in den kleinen Pubs, die sich überall im Land finden. Wie ein schamanenhafter Bluessänger, der die Seele der Poesie mit seiner whiskyrauen Stimme gekonnt hervorkitzelt. “Tell the story, tell it true – charm it crazy”, ist sein Motto. (…)

Hunt ist ein Troubadour, ein Hippie, und vor allem ein Anarchist, der heute anerkannt ist, der sich aber in den puritanisch-konservativen Zeiten der neuseeländischen 1960er- und Siebzigerjahre an der Gesellschaft und an der akademischen Poesie abrieb, die ihn erst in den vergangenen Jahren in ihren Kanon aufgenommen hat. / Ingo Petz, Der Standard

40. Bei den Maori

Im Gegensatz zur europäischen Tradition sagen die Maori, dass die Geschichte vor ihnen und die – ungewisse – Zukunft noch hinter ihnen liege. Aus ihrer Sicht kann man die Zukunft nur mit Kenntnis der Vergangenheit meistern, gestützt nicht zuletzt auf die Kraft und das Mana der Vorfahren. Die Aufforderung seitens des Staates und seiner Institutionen, endlich die Vergangenheit ruhen zu lassen und sich der Zukunft zuzuwenden, widerspricht grundlegenden Prämissen der Maori-Kultur und ist eigentlich nur aus der Geschichte der Kolonisierung verständlich: Als Maori-Häuptlinge 1840 den Vertrag von Waitangi unterschrieben, unterstellten sie sich dem internationalen Schutz der britischen Krone, was ihnen ermöglichen sollte, ihr Land weiterhin in eigener Regie zu nutzen und zu verwalten. Die englische Seite sah im gleichen Vertrag den Beginn der Kolonisierung, die zu grossem Landhunger einer wachsenden Zahl an Siedlern führte. / Ingrid Heermann, NZZ 6.10.

39. 300 Menschen

Wenn man in hier in Wellington den Buchladen „Unity Books“ betritt, wird man von einem recht eindrucksvollen Angebot neuseeländischer Lyrik begrüßt. Wer liest Gedichte in Neuseeland?
Schaut man sich die Buchverkäufe an, könnte man denken: so um die 300 Menschen. Lyrik hat in Neuseeland, wie in vielen westlichen Ländern, überhaupt keinen Warenwert. Man könnte sie nicht auf der Straße verkaufen. Ganz anders als Bananen, wahrscheinlich. Aber wenn man zu diesen großen Übergangsritualen kommt, Hochzeiten, Beerdigungen, wenn sich sehr primitive, tiefe menschliche Gefühle ihren Weg bahnen, dann kommen die Gedichte zum Vorschein.

(…)

Stiftet das auch Freiheit zu wissen, dass man kaum beachtet wird?
Ja, ich glaube, der Fakt, dass Poeten weitgehend ignoriert werden, gibt ihnen die Freiheit, die Grenzen auszuloten und sich Themen zu widmen, die bisher vernachlässigt wurden. In den USA der frühen 1960er sprach niemand öffentlich über Depression, psychische Erkrankungen, Abtreibung oder Selbstmord. Und dann schrieben Robert Lowell und Sylvia Plath Gedichte über diese Tabuthemen und machten sie für alle sichtbar. Plath hätte damals sicher keinen Artikel über Suizid in der New York Times veröffentlichen können.

/ Die Frankfurter Rundschau sprach mit dem neuseeländischen Dichter Bill Manhire

25. Tokotoko

«The good poem is something we may in time come to recognize New Zealand by.» Mit der programmatischen Forderung, dass gute Lyrik zu einem bestimmenden Merkmal seines Landes werden solle, beschwor der Dichter Allen Curnow in der Einleitung seiner Anthologie «A Book of New Zealand Verse» im Jahr 1945 die Einheit von Lyrik und Nation. Mittlerweile gilt Curnows Buch als wegweisende Publikation, die die Bildung eines neuseeländischen Dichtungskanons massgeblich beeinflusste.

Zumindest aus eurozentrischer Perspektive hat sich des Poeten Hoffnung auf eine synonymische Verschmelzung der Begriffe «Neuseeland» und «Lyrik» allerdings bisher nicht erfüllt. (…)

In Internet-Portalen wie nzepc (New Zealand Electronic Poetry Centre) und Best New Zealand Poems werden aktuelle Gedichte präsentiert. Journale wie «Poetry New Zealand» und «Landfall» publizieren Gegenwartslyrik, Autorinnen und Autoren werden porträtiert und literaturkritische Diskussionen geführt. Die Institution der New Zealand Poetry Society, der alljährlich stattfindende National Poetry Day sowie die Position des New Zealand Poet Laureate, des Nationaldichters, zeugen vom Stellenwert, den man Dichtung in Aotearoa, dem «Land der langen, weissen Wolke», wie Neuseeland auf Maori heisst, zuschreibt.

Bereits die Position des Nationaldichters, die Einheit schaffen will mit der Idee eines das ganze Land repräsentierenden Poeten, macht diese Differenzen deutlich. Einerseits stammt der Tokotoko, ein mit reichen Schnitzereien verzierter zeremonieller Stab, der dem Poet Laureate als Zeichen seiner Würde verliehen wird, aus der Maori-Kultur und symbolisiert somit die Dichtungstradition der polynesischstämmigen Ureinwohner des Landes. Anderseits knüpft das vor weniger als zwei Dekaden ins Leben gerufene Amt an ein europäisches Verständnis von Lyrik an, verweist es doch auf den poetischen Kanon der ehemaligen Kolonialmacht Grossbritannien, wo die angelsächsische Institution des Nationaldichters ihren Ursprung hat. / Lena Steveker, NZZ

23. Experimentierfreudige Lyrik

Die Zeitung (NZZ mit NZ-Beilage) ist noch nicht in Greifswald, aber die Ankündigung:

Neuseeland ist der Ehrengast der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die am kommenden Dienstag eröffnet wird. Damit tritt eine Literatur ins Rampenlicht, die vom Klassisch-Vertrauten – den Erzählungen der gebürtigen Neuseeländerin Katherine Mansfield – bis in die skurrilen Welten von Keri Hulmes Kurzgeschichten reicht, die mit der mündlichen Dichtungstradition der Maori einsetzt und in eine lebendige, experimentierfreudige Gegenwartslyrik mündet.

27. Murray in Lana

Im kleinen Lana las am 15. Mai ein ganz Großer aus seinem neuen Buch: Les Murray. Der Lyriker, der 1937 in New South Wales geboren wurde, wird immer wieder als Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Seine deutsche Verlegerin Margitt Lehbert übersetzte „Killing the Black Dog“, das in Australien, der Heimatstadt des Poeten zum Bestseller wurde, behutsam ins Deutsche. Im Rahmen der Veröffentlichung der deutschen Neuerscheinung unternahm Murray mit seiner Verlegerin eine Lesereise – und der Verein der Bücherwürmer holte den Dichter, der vor allem mit seiner Naturlyrik beeindruckt, nach Lana.

(…)

Die deutsche Presse, beispielsweise “Die Zeit”, lobt Ihren Sprachfuror und Ihre Originalität bei jedem neuen Buch das erscheint, immer wieder in höchsten Tönen. Sie schreiben in „Der schwarze Hund“, dass Sie von den Intellektuellenkreisen in Australien regelrecht gehasst wurden. Der Chefredakteur der einzigen überregionalen Tageszeitung ließ von den eigenen Mitarbeitern Leserbriefe gegen Sie schreiben. Warum?

Les Murray: Ja, praktisch, nicht? Wenn man das gleich selbst macht. In Australien wollte man meine Gedichte dem großen marxistischen Epos unterordnen. Die Eitelkeiten einer neuen Elite wollten befriedigt werden. Die linke, weiße Aristokratie sah sich als legitime Nachfolger der weißen Siedler und nahmen für sich das alleinige Wort in Anspruch. Mir gefiel das nicht.

/ Christine Kofler, Franz

109. Verfilmt

Das bekannteste Gedicht bzw. Volkslied Australiens – und inoffizielle Nationalhymne – wird auf die große Kinoleinwand gebracht.

Für alle, die den Song von Banjo Paterson noch nicht kennen, hier ein Auszug:

Oh there once was a swagman camped in the billabong,
Under the shade of a Coolobah tree,
And he sang as looked at the old billy boiling,
Who´ll come a-waltzing Matilda with me.

Man muss längere Zeit in Australien gewesen sein, um zu verstehen, von was Paterson hier eigentlich singt. Ein kurzer Crash-Kurs: “Waltzing Matilda” ist das Herumwandern im Busch, ein “billy” ist eine Blechbüchse und ein “billabong” ist nichts weiter als ein Wasserloch. Der Text wurde unzählige Male gecovert und abgeändert. / reisebine.de

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