173. für Oskar

– so heißt ein Collagegedicht Herta Müllers, das bei FAZ.net als Faksimile zu sehen ist.

172. Nabokov als Puschkinist

In keines seiner grossen Erzählwerke hat Vladimir Nabokov so viel Arbeitszeit investiert wie in die Übersetzung, Annotation und Exegese von Alexander Puschkins Versroman «Eugen Onegin» (1823 bis 1830). Fast ein Jahrzehnt nahmen ab 1948 seine diesbezüglichen Recherchen in Anspruch, und weitere Jahre vergingen mit Korrekturen, Sponsorensuche, Verlagsquerelen, bis Text und Kommentar 1964 endlich in Buchform erscheinen konnten. Nabokovs philologischer Kraftakt wurde schlecht belohnt. Sowohl das Feuilleton wie auch die Fachkritik reagierten mehrheitlich negativ, es kam zu heftigen öffentlichen und privaten Auseinandersetzungen, die dem Werk zwar kurzfristig zu skandalösem Aufsehen verhalfen, dem Herausgeber als einem Puschkinisten von höchstem Rang jedoch in keiner Weise gerecht wurden..

.Dass sich daran bis heute kaum etwas geändert hat, ist wohl auf die nicht eindeutig bestimmbare Funktion des Nabokovschen Kommentars zurückzuführen, auf die Unklarheit also, wie und wozu das gewaltige Konvolut – ursprünglich vier Bände im Gesamtumfang von rund 2000 Seiten − überhaupt genutzt werden sollte: Als akademische Textedition? Als Lesehilfe für Studierende? Als Anleitung für Übersetzer? Als Einführung in die russische Prosodie? Als Vademecum zu Puschkins Leben und Werk? Als Handbuch zur russischen Romantik? All diese Funktionen vermag der kritische Apparat durchaus zu erfüllen, und doch bietet er, darüber hinaus, noch weit mehr. Denn nebst einer Fülle von Werkzitaten, Textvarianten, Literaturangaben, Kalenderdaten, Querverweisen und vielfältigen Referenzen lässt Nabokov in seinem Zeilenkommentar immer wieder auch eigene Deutungen, Vermutungen, Fragen, Hypothesen, Einschätzungen mitlaufen, und oft fügt er polemische Exkurse, knappe Anekdoten, selbständige Mikroessays hinzu, die sich insgesamt zu einem polyfonen Text verbinden, der auch unabhängig von Puschkins «Eugen Onegin» mit Gewinn und Spass zu lesen ist. / Felix Philipp Ingold, NZZ 24.12.

171. Neuer Skandal um arabischen Booker-Preis

Es hiess, einer geheimen Übereinkunft zwischen vier wichtigen Beteiligten zufolge solle der Preis in diesem Jahr der libanesischen Schriftstellerin Alawiya Sobh verliehen werden. Pate dieses Paktes soll der bekannte ägyptische Literaturkritiker Dr. Jaber Asfour, Vorsitzender des Nationalen Rates für Übersetzung und früherer Vorsitzender des ägyptischen Obersten Kulturrates, gewesen sein.

Laut Presseberichten handelte es sich bei dem Deal um eine Art Gegengeschäft, durch das Sobh und Asfour für ihre Begünstigung der Dichterin Joumana Haddad bei der Vergabe des Preises Beirut39 entschädigt werden sollten – denn Haddad hat als administrative Leiterin des Booker-Preises dort ihrerseits Einfluss auf die Zusammenstellung der Jury und auf die Auswahllisten. Der in diesem Jahr erstmals verliehene Preis Beirut39, in dessen Jury Sobh und Asfour amtierten, stand von Anfang an insofern unter einem unguten Stern, als der ursprüngliche Juryvorsitzende, der bekannte ägyptische Romancier Alaa al-Aswani, und mit ihm zwei weitere namhafte Jurymitglieder – der libanesische Autor Elias Khoury und seine Landsmännin Huda Barakat – zurücktraten. Alle drei erklärten, sie lehnten es ab, sich eine Kandidatin aufzwingen zu lassen. Joumana Haddad hat die verbliebenen Juroren von Beirut39 dann fürstlich entschädigt: Einige ernannte sie zu Jurymitgliedern des Booker-Preises, Asfour gar zum Vorsitzenden, Alawiya Sobh erhielt anscheinend die Zusicherung des Preises oder zumindest für einen Platz in der Endrunde. / Najem Wali, NZZ 28.12.

Arabischer Booker-Preis

170. Kurt Beck mag Gedichte

Kurt Beck, rheinland-pfälzischer SPD-Ministerpräsident (60), liebt Gedichte. „Ich lese sie laut. Dann wirken sie ganz anders“, sagte er. „Wenn ich einen Roman lese, schweife ich nach 20 Seiten ab und denke an den Alltag. Wenn ich dagegen Gedichte laut lese, bin ich gezwungen, mich zu konzentrieren“, erklärte Beck. „Wenn nicht, klingt es furchtbar, dann geht kein Reim auf und der Rhythmus stimmt nicht.“ Sein Job als Regierungschef beanspruche ihn Tag und Nacht. „Da ist es eine schöne Entspannung, wenn ich mal eine Stunde Gedichte lese.“ / infranken.de 27.12.

169. „Mögen Sie denn Gedichte?“

Mögen Sie denn Gedichte?

Jetzt schon. Aber vor dem Film? Da lehnte ich sie ab, wie alles, was ich nicht verstehe. Blöd, aber es ist so. Ich bin nicht über Keats‘ Gedichte zum Filmstoff gekommen, sondern über seine Lebensgeschichte.

Was hat Sie daran interessiert?

Es ist die Geschichte eines Mannes, der sein Leben genau in dem Moment findet, in dem er es verliert. Und eine romantische Liebesgeschichte durchlebt. Dabei war er gar nicht romantisch, bevor er diese Frau traf. Im Gegenteil, er hat sich darüber lustig gemacht, wenn einer seiner Freunde sich verliebte. Er fand das idiotisch, dachte, in seinem Leben dürfe nichts anderes Platz haben als Poesie. Und sagte, Poesie ist wie nackt in einen See springen.

Ist das wirklich so?

Manchmal schon. Natürlich gibt es auch Gedichte, die einen kalt lassen. Es ist wie bei einem Gespräch. Manchmal kommt man gemeinsam irgendwo hin. Manchmal bleibt man stecken.

Und manchmal versteht man einfach nicht, was gemeint ist.

Ich habe in meinem Leben akzeptieren gelernt, dass es Geheimnisse gibt. Und Gedichte können einige davon beantworten. Es ist wie mit dem Lächeln von Da Vincis Mona Lisa. Das fasziniert auch immer wieder neu. Aber wenn man aufschreiben will, wieso das so ist, zerfallen die Worte. Man müsste vielleicht ein Gedicht darüber schreiben.

Die Gedichte von Keats kamen zu seiner Lebenszeit nicht an, sie wurden ständig verrissen.

Ja, das ist interessant. Richtig gut wurde er erst, als er nicht mehr um jeden Preis ein grosser Dichter werden wollte. Sondern ohne Ambitionen für sich schrieb. Erst da entstanden wunderbare Gedichte wie die «Ode an die Melancholie», die er wie einen Kurzfilm konzipierte. Als jemand, der auch um Ansehen und Beachtung kämpft, verstehe ich das gut.

/ Die Filmregisseurin Jane Campion über den Dichter John Keats, romantische Liebe und den Ritt auf einem kleinen Pferd. Gespräch mit Matthias Lerf, SonntagsZeitung 27.12.

168. „Organisch“ vs. „arbiträr“. Anmerkungen zu einer Anthologie und einer mittleren Leseweise

Essay von Bertram Reinecke (Teil I von II)

[Anmerkungen siehe unten]

„Der gelbe Akrobat“ ist von mehreren Rezensenten bereits beschrieben worden. Es mag angebracht sein, diesen kursorischen Lektüren einen Text an die Seite zu stellen, der einige Tiefenstiche versucht. Will man dem kritischen Anspruch des Buches gerecht werden, lohnt sich ein genauer Blick. Dieser wird punktuell bleiben müssen und sich nicht der ganzen Fülle des im Buch gebotenen Materials widmen können.

Michael Braun und Michael Buselmeier haben die kaum zu leistende Aufgabe, eine repräsentative Anthologie zur Gegenwartslyrik vorzulegen, ausgeschlagen und eher ein persönliches Buch vorgelegt: „Die Auswahl geschah oft spontan, nach enthusiasmierenden Leseerfahrungen mit einzelnen Gedichten.“[1] Eine solche subjektive Vorgehensweise kommt sicher auch der Mentalität der Sammler entgegen, die ihre Vorlieben haben und sie dankenswerter Weise manchmal auch offenlegen.[2]

Daß 100 Gedichte zusammengetragen wurden, von denen es viele verdient haben, näher vorgestellt zu werden, durfte bei der Belesenheit und Umsicht der Kritiker erwartet werden.

Zu Grunde gelegt wird dabei ein erweiterter Gegenwartsbegriff, der bis vor den zweiten Weltkrieg zurückreicht. (Es kann also einem heutigen Literaturstudenten ohne weiteres passieren, dass er darin auf Gegenwartsgedichte stößt, die entstanden, bevor sein Großvater geboren wurde.)

Der Kanon endet ungefähr im Jahr 2005. Einerseits mag es eine weise Entscheidung sein, sich in einem so dauerhaften Buch nicht zur jüngsten lyrischen Tagespolitik zu äußern. („Der gelbe Akrobat“ ist gebunden und fadengeheftet, auf schwerem Papier gedruckt und so für langen Gebrauch eingerichtet, alles zu einem derart wohlfeilen Preis, dass man denjenigen, der das kalkuliert hat, einen unverbesserlichen Idealisten nennen muss.) Es ist aber auch der Tatsache geschuldet, dass den Texten eine Serie von Artikeln in der Wochenzeitung Freitag von 1991 bis 2005 zu Grunde lag.

Dass man den Artikeln dies Alter hie und da anmerkt, dass sie etwa oft durch eine Frontstellung gegen einen damals scheinbar raumgreifenden Experimentalfetischismus geprägt sind, muss dabei kein Nachteil sein. Den Nachgeborenen mutet eine solche Zeit trotz eifrigen Zurücklesens recht unwirklich an und er meint das Raunen der Geschichte zu vernehmen. Auch die Erschütterungen des zusammenbrechenden Blockdenkens durchwehen das Buch und öfters schaut Benjamins „Engel der Geschichte“ vorbei.

Die Auswahl der Gedichte ist sozusagen trichterförmig. Während in der näheren Gegenwart von Verfahren, Herkunft und Bekanntheitsgrad her ein breiter Kreis von Texten einbezogen wird, es kommen z.B. Schweizer, rumänien- und ostdeutsche, experimentelle, politische ebenso wie gemäßigte, bekannte und unbekannte Dichter vor, verengt sich bei den älteren Dichtern die Auswahl zusehends auf gemäßigte Dichter der zweiten Reihe aus der alten Bundesrepublik.[3] Dem ehrenwerten Furor des Wiederentdeckens wenig bekannter und unterschätzter Stimmen steht so leider keines in Bezug auf  die Vielfalt möglicherweise unterschätzter lyrischer Verfahren gegenüber. Der kleinste gemeinsame Nenner des lyrischen Diskurses wird so überrepräsentiert und dem Anspruch des Vorwortes „Diskutiert wird schließlich, was Dichtung heute noch [Hervorhebung von mir] leistet oder doch leisten könnte …“ wird das Buch nicht immer gerecht.

Dies Problem sei zunächst anhand von Michael Brauns Beiträgen beleuchtet.

Das Verhältnis zwischen Trakls Verklärtem Herbst und Beyers Verklirrtem Herbst schildert Braun etwa so: Während das Traklgedicht noch eine geschlossene Form hat, habe Trakl mit Grodek angesichts von Schreckenserfahrung und Kriegsleid den Schritt in den gebrochenen Ton vollzogen. Beyer seinerseits sei von dort aus weiter zu einer objektiven Sprache vorgedrungen, die diese Verhältnisse herstellt, ohne sich noch durch eigene biografische Erfahrung rechtfertigen zu wollen.

Nun scheint mir „Verklärter Herbst“ allerdings mehr eine Art ironische Synthese zu sein („wie schön sich Bild an Bildchen reiht“) und damit auch eher distanziert objektiv zu sprechen und  wie von Braun in Bezug auf Beyers Text dargestellt recht unabhängig von der Leidens- (oder Glücks-)biografie des Autors.

Man sollte vielleicht die Geschichte der Traklschen Dichtung andersherum erzählen als Braun dies tut: Auch in Trakls früheren Versen steht die Geschlossenheit der äußeren Form und lautlichen Durchbildung häufig in krassem Widerspruch zu den teilweise zerpflügten Inhalten seiner Texte. (Und von den Zeitgenossen ist dieser Widerspruch ja durchaus so empfunden worden, wenn auch meist unter kritischem Vorzeichen.) Diese Mittel sind also eher nichts Organisches, sondern etwas arbiträr Hinzukommendes, nähren sich, wenn nicht gar der Benseschen Forderung nach Sprache in einem unwahrscheinlichen Zustand, so doch der in Bezug auf Rühmkorf von Braun beschriebenen „Kollision von Inhalt und Form“ und haben damit mehr untergründige Gemeinsamkeiten mit Beyers Cut up- Techniken als Braun ihnen zugesteht.

Unabhängig davon, dass Grodek ein herausragendes Beispiel für die Darstellung anonymen Leids sein mag, wäre dieser Text dann allenfalls ein Ausstellen des durch Zerrüttung und objektiv erlebten Schrecken hervorgerufenen Verlusts an Spannfähigkeit und so poetologisch biografisch eher eine Rohform und eher ein Schritt in die Moderne in Richtung etwa der Beatniks oder der Parlandolyrik der Siebziger als im Sinne eines Überbietens innegehabter Positionen der Moderne, wie sie Braun aufreiht.

Nur vom relativ äußerlichen Aspekt der Material- und Themenwahl wäre Grodek also ein  Vorläufer von Beyers Verklirrtem Herbst, ansonsten nehmen andere Traklgedichte moderne ästhetische Positionen, wie Braun sie erst Beyer attestiert, in stärkerem Maße ein.

Brauns Deutung läuft kurz gesagt darauf hinaus, dass dem Beyerschen Text ein Witz zu Grunde liege, den Trakl schon unterm Kaiser feinsinniger erzählt hat. Die Reinszenierung alter poetischer Spiele unter neuen Geschmacksbedingungen schon für den ganzen Fortschritt der Poesie zu nehmen hieße, Lyrik mit einem unaufgeräumten Kulturbeutel zu verwechseln, der mit ein wenig gesundem (Kritiker-)Verstand leicht in Ordnung zu bringen ist.[4]

Dass Braun es tatsächlich so sieht, dafür lassen sich symptomatische Formulierungen finden. Beyers Text setze: „ … Bilder des Soldatenalltags und des anonymen Todes frei, die sich in keine traditionelle Gedichtform mehr einfügen lassen.“ Wieso? Es käme doch auf einen Versuch an und wer sollte dann nach welchen Kriterien dekretieren, ob er gelungen sei?[5]

Plausibilität gewinnt diese Stelle weniger aufgrund tieferer Einsichten in die Mechanismen der Poesie als dadurch, dass Braun sich darauf verlassen kann, dass ein Großteil seines Publikums Reim und Metrum ebenso allenfalls in Bezug auf traditionelle Gegenstände als geschmackvoll empfände, also durch den status quo.[6]

Nur ein paar Sätze weiter unten spielt er mit dem Gedanken, dass „solche Exerzitien einer ‚Literatur der Zersplitterung‘ (F. Mayröcker) die einzig legitime poetische Verfahrensweise [sind]“, „mit der man sich als literarischer Nachgeborener dem Terror des permanenten Kriegszustands noch nähern kann.“ Wer legitimiert? Bleibt der Satz nicht unverständlich, wenn man nicht unterschwellig „angemessene“ unter dem Wort versteht?

Noch jede Anspannung, die über den Status quo des lyrischen Sprechens hinausgeht, lässt sich, wo man sie nicht in Bausch und Bogen ablehnen mag, auf das Prokrustesbett der Angemessenheit spannen und schon mancher Neuerer der Poesie wurde zunächst aus solchen geschmacklichen Gründen angefeindet.

Unangemessen ist über weite Strecken laut Braun nicht nur etwa Rühmkorfs Ton (während es sich bei dem von ihm vorgestellten Text ausnahmsweise? um ein „makelloses Wortkunstwerk“ handele). Auch an Stolterfoht sieht er sich bemüßigt, einen Lustigkeits-Überschwang, ironische Überanstrengung und Redundanzenüberschwemmung kritisch anzumerken. Das dreifache „über-“ macht deutlich, dass es Braun hier um Grade von Angemessenheit geht. Diese sich schnuppe sein zu lassen, macht aber sicher einen großen Teil des Reizes der Stolterfohtschen Verfahren aus (und Braun weiß das!)[7]

Der Prenzlauer Berg wird ausschließlich durch Anderson und Schedlinski vorgestellt. Beiden wird grundsätzlich das Talent zum Dichten abgesprochen. Warum sind sie in dies Buch gelangt, könnte man fragen: Vielleicht, um Anlass dazu zu geben, mit der Reihe der gängigen Vorwürfe gegen diese beiden auch die gegen die Prenzlauer-Berg-Lyrik überhaupt einzuschmuggeln, was in der Behauptung gipfelt, mit der Entlarvung Andersons als Stasispitzel sei „die Legitimation einer ganzen Dichtergeneration zerbrochen“. (Wieder ist nicht unmittelbar klar, was das Wort Legitimation hier heißen soll.)

Über die dichterischen Bemühungen von Faktor, Döring, Papenfuß oder meinetwegen Adolf Endler und Elke Erb ließe sich sicher mehr und Adäquateres sagen. Sie kommen im Buch nicht vor.

Ähnlich zum bloßen Stichwortgeber wird der Text von Birgit Kempker. Hier wird lediglich die Argumentation der Gutachter des einschlägigen Gerichtsprozesses nachvollzogen.

Erst wenn auf solche, nun ja, Eigenwilligkeiten des Braunschen Zugriffes hingewiesen ist, kann man feststellen, dass es seiner schlanken Prosa oft ausgezeichnet gelingt, Wesentliches unaufgeregt zusammenzutragen. Ja manche Texte sind geradezu Musterbeispiele dessen, was sich auf so engem Raum an analytischer Einsicht zusammendrängen lässt, ohne dass die Sprache dazu in wissenschaftlichen Jargon verfallen müsste.

Und dass ich die oben genannten Einwände hier in dieser Schärfe vorbringen konnte, liegt natürlich ebenfalls an dieser Transparenz.[8]

Hier soll nicht verschwiegen werden, dass die meisten sich als dezidiert modern verstehenden Dichter von Michael Braun eingebracht wurden. Wenn die Gedichte des Bandes auch Jahre nach ihrer Auswahl manchem Rezensenten noch wie ein exemplarischer Querschnitt der lyrischen Gegenwart vorkommen, ist dies also vor allem sein Verdienst.

________________

[1] Etwas schade jedoch, dass die einzelnen Beiträge nicht persönlich unterzeichnet sind. Will man wissen wer im Einzelfalle spricht, muss man sich das erst etwas mühsam aus dem Register herausklauben. So gerät ihr kritischer Diskurs in den Ruch, eine Objektivität zu erheischen, die er eigentlich nicht für sich in Anspruch nimmt.

[2] So sieht etwa Michael Buselmeier „In Deutschland […] seltsamer Weise intellektuelle und experimentelle Dichter bevorzugt.“ oder meint „Eine vermeintlich altmodische Sprachgeste kann poetisch widerstandfähiger sein als der fragmentierte Gedichtschrei von heute.“ (Hervorhebung von mir)

[3] Auch wo sie älter sind als diese, bleiben es gemäßigte Meister der zweiten Reihe.

[4] Als wäre der Kontinent der Lyrik nicht zu groß, als dass ein Augenpaar ihn überblicken könnte.

[5] Richard Dove etwa redet in seinem Text „Pantum“ zwar nicht über anonymen Tod aber immerhin über gewaltförmige abstrakte gesellschaftliche Verhältnisse, ohne dass er in Gefahr gerät, irgendwie kunstgewerblich oder was immer zu werden. Ja mehr noch: die ergreifende Präsenz des (nicht selbst erlebten) Leides, speist sich gerade aus dem Wiederholschema der Gattung. Das überzeugt mich davon, dass dies auch mit den Beyerschen Inhalten möglich sein sollte.

[6] Von hier aus macht sich die in Bezug auf Rühmkorf gebrauchte Formulierung von der „Kollision von Inhalt und Form“ dann allerdings auch gleich mit verdächtig. Braun weist übrigens in diesem Kapitel auf die eigentlich doch frischeren metrisch freieren Montagetexte Rühmkorfs nicht eigens hin, sondern bespricht ein Gedicht aus Rühmkorfs Debütband, das ihn als „begabtesten Schüler Gottfried Benns“ ausweisen soll. Um die Jahrhundertwende, zur Entstehungszeit der Braunschen Kritik, als Benn eine Zeit lang als der bedeutendste deutsche Dichter gehandelt wurde, mag dies eine legitime List der Aufklärung gewesen sein. Zehn Jahre später setzt es den sehr eigenständigen Rühmkorf doch in ein etwas seltsames Licht.

[7] Wohlgemerkt: Es geht mir hier natürlich nicht darum, grundsätzlich gegen das Werten zu Felde zu ziehen. Bei Dichtern wie Enzensberger, denen an einer gewissen Gefälligkeit ihres Tons gelegen ist, hat das seine Berechtigung, selbst da, wo man seine Urteile im Einzelnen nicht teilt.

[8] Opake Stellen finden sich gleichwohl auch anderswo bei ihm. Etwa zu Koneffke: „Wenn sich Gedichte den Anmaßungen des Realitätsprinzips nicht beugen wollen, arbeiten sie systematisch gegen die Schwerkraft.“ Es ist nicht recht klar, was der Satz hieße, wenn er wahr wäre und ist er denn wahr? Und warum „systematisch“? Oder zu Draesner: „Es ist kein unantastbarer Haltepunkt der Innerlichkeit mehr, der die Einheit des Subjekts garantieren würde.“ Was ein Haltepunkt der Innerlichkeit ist, ist schon schwer verständlich wie manche Grünbeinmetapher, wie so ein Haltepunkt garantieren kann, kann ich mir kaum vorstellen, ebenso wie ein Haltepunkt dann zusätzlich noch unantastbar sein sollte. Ist es der selbe Punkt oder ein anderer, über den wenig später gesagt wird: „Es ist kein Markierungspunkt mehr zu erkennen, an dem das Subjekt die Zumutung des Todes zurückweisen könnte.“ In einem Zeitungsartikel, dem man Eile beim Zustandekommen unterstellt, würde man über solche Stellen hinwegsehen, in einem Buch, für das diese Artikel laut Vorwort noch einmal überarbeitet wurden, hätte man Bilder, die dunkler sind als die zu erklärenden Gedichte, besser getilgt.

[Teil II morgen]

Der gelbe Akrobat: 100 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert / von Michael Braun und Michael Buselmeier. Leipzig: Verlag des Poetenladen 2009. 360 S. ISBN 978-3-940691-08-8. 19,95 Euro.

Die Anthologie in L&Poe:

2009 Aug 038. Fachgeschäft für Lyrik

2009 Sep 90. Heidelberger Ästhetik in Leipziger Verlag

2009 Sep 119. Pflichtlektüre

2009 Okt 48. Trampelpfad

2009 Dez 143. Kritikkritik

167. Pop-Poet Jochen Distelmeyer über seine öffentliche Resonanz, Gesellschaftskritik an sich und das künstlerische Ich

Jochen Distelmeyer, ehemals Kopf von „Blumfeld“, der gewiss nicht erfolgreichsten, aber wohl einflussreichsten deutschen Bands der post-89 Jahre, gilt als „der“ Pop-Poet unter Deutschlands Songschreibern. Ohne seine Lyrik und seine Band „Blumfeld“, die ihren Namen einer Kurzgeschichte Franz Kafkas aus dem Jahr 1915 über einen in die Jahre gekommenen Junggesellen verdankt, hätte es für Gruppen, Texter und Musiker, wie „Ich+Ich“, „Ja, Panik“, „Silbermond“ oder „Jan Delay“, wie immer man deren musikalischen Qualitäten auch bewerten will, kaum Platz im deutschen Musikbusiness gegeben.

Mitte der Neunziger Jahre hat sich der Musikstil von Blumfeld gewandelt. An die Stelle krawallig daherkommender politischer Aufgeregtheiten ist mehr düsterer Gefühlskram und Beschaulichkeit, aber auch mehr Gelassenheit und Leichtigkeit des Seins getreten.

Jochen Distelmeyer: Das stimmt überhaupt nicht! Auf den Platten vorher war es auch schon so. Es waren vielleicht andere Stücke, aber die Sachen, die du da angesprochen hast, waren immer schon Teil davon. Ich bin da eigentlich nur meinem Flow gefolgt. Auf den Platten, die folgten, hat es ja doch auch immer härtere und ungestümere Geschichten gegeben. Ich habe nicht versucht, mich von irgendetwas abzugrenzen.

Du hast dich also nicht abgegrenzt von Subversion oder Dissidenz, weil es keinen grundsätzlicheren Ort für Kritik am Konsum, am Kapitalismus oder der Massengesellschaft, mehr für dich gab oder so?

Jochen Distelmeyer: Ob das vorher so stark war, weiß ich gar nicht. Ich würde auch nicht sagen, dass ich mich da abgegrenzt habe.

War „Blumfeld“ denn überhaupt eine „linke“ Band?

Jochen Distelmeyer:

Nein, würde ich nicht behaupten. Wir sind vielleicht als Einzelpersonen einer bestimmten politischen Auffassung gefolgt. Aber als Band oder mit unseren Platten haben wir uns eigentlich nie als Sprachrohr irgendwelcher Bewegungen oder Strömungen gesehen. Als Einzelpersonen haben wir vielleicht Sachen unterstützt, die wir für richtig gehalten haben.

/ Telepolis

166. Dennis Brutus gestorben

Der südafrikanische Lyriker Dennis Brutus ist tot. Er starb nach Angaben seines amerikanischen Verlags Haymarket Books am Samstag im Alter von 85 Jahren in seinem Haus in Kapstadt. Brutus kämpfte über Jahrzehnte hinweg mit Worten gegen das System der Rassentrennung in Südafrika. Mitte der 1960er Jahre war er zusammen mit Nelson Mandela auf Robben Island inhaftiert. …

Im Gefängnis entstanden die Gedichtbände „Sirens, Knuckles, Boots“ sowie „Letters to Martha and Other Poems from a South African Prison“. Darin verarbeitet er seine Erfahrungen auf sehr persönliche Weise. Nach seiner Freilassung emigrierte Brutus 1971 in die USA, wo er bis 1983 um die Anerkennung seines Asyls kämpfen musste. An der Northwestern University und der University of Pittsburgh lehrte er Literatur und Afrika-Wissenschaft. / Kleine Zeitung 27.12.

Nachruf: Monthly Revue /

165. Vic Chesnutt ist tot

Der große amerikanische Folk-Songwriter Vic Chesnutt hat sich am 25.12. in Athens, Georgia das Leben genommen. Er war 45 Jahre alt. Seit einem schlimmen Autounfall mit 18 Jahren war er an einen Rollstuhl gefesselt. Ende der 80er Jahre wurde er von Michael Stipe, dem Sänger von R.E.M., entdeckt. / qobus.com 26.12.

Mehr: npr / Rolling Stone /

Vgl. L&Poe 2007    Nov    #7.    Ortsanrufungslyrik

164. Lyriker in Reykjavik

Ein Lyriker in Reykjavik hat es nicht leicht. Das liegt zum einen Teil an den wenig lyrikfreundlichen Bedingungen, die Reykjavik zu bieten hat, zum anderen daran, dass es Lyriker generell nicht leicht haben. Aber Sturla Jãn, der einer von Islands bekannteren Lyrikern ist, kann das nicht viel anhaben. Er findet es ein „gutes Gefühl“, „allein in einem großen Wohnblock in Reykjavik zu wohnen und zahlreiche Werke jenes literarischen Genres veröffentlicht zu haben, von dem die meisten Mieter wohl noch nicht einmal wussten, dass man es in Geschäften kaufen konnte“. Und dennoch nagen Zweifel an Sturla Jãn. Hat er die lyrische Form mit seinen Beiträgen bereichert? Sollte er nicht die „verschlissenen Lumpen“ der Poesie eintauschen gegen den „maßgeschneiderten Anzug“ der Prosa? So reift in ihm der Gedanke, sich dem Roman zuzuwenden – oder sagen wir, dem „Gedicht in freiem Vers“, wie sich „Der Botschafter“ im Untertitel nennt. Man hat Sturla als – wie üblich – einzigen Vertreter seines kleinen Landes zu einem Lyrikfestival nach Litauen eingeladen, und die vorauseilende Unlust hat ihn veranlasst, einen kleinen Vorabverriss der Veranstaltung zu formulieren. Der Versuch hat in ihm die Kräfte des Prosaschriftstellers geweckt. Nun soll ein Roman entstehen, wenn auch einer, dessen vorherrschendes Thema die Lyrik ist, ihre Voraussetzungen, ihre Herstellung, ihre Verbreitung und ihre Wirkung. / CHRISTOPH BARTMANN, SZ 21.12.

BRAGI ÓLAFSSON: Der Botschafter. Gedicht in freiem Vers. Aus dem Isländischen von Tina Flecken. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009. 368 Seiten, 19, 95 Euro

163. Die Suche nach dem Grab von García Lorca wurde eingestellt

Der Verbleib der sterblichen Überreste des berühmtesten spanischen Dichters des 20. Jahrhunderts, Federico García Lorca, bleibt ein Mysterium. Bislang hieß es, sie lägen in einem Park der neun Kilometer von Granada entfernten Ortschaft Alfacar. Dem hat die andalusische Regionalregierung am Freitag wiedersprochen: Die archäologischen Grabungen der vergangenen Wochen hätten zweifelsfrei bestätigt, dass an diesem Ort niemals Tote beerdigt worden sind. „Dort ist nichts, und da war nichts“, sagte Andalusiens Justizministerin Begona Álvarez. Im Bericht heißt es, dass „kein noch so kleiner Knochen, kein Zahnstück“ gefunden worden sei. / SZ 19.12.

In einem Artikel für El País erinnerte der granadinische Dichter Luis García Montero daran, aus wie vielen unerträglichen Gerüchten, Diffamierungen und Fehlinformationen sich der Konflikt um die Gebeine Lorcas genährt hat – und vor allem, welch „armseligen Verdächtigungen“ dessen Hinterbliebene ausgesetzt waren, weil sie sich jahrelang gegen die Exhumierung gesperrt hatten. / JAVIER CÁCERES, SZ 21.12.

162. Jim Chastain gestorben

Im Alter von 46 Jahren starb in Norman, Oklahoma der Lyriker Jim Chastain. Er veröffentlichte zwei Gedichtbände und die Autobiographie „I Survived Cancer But Never Won the Tour de France”. Am Heiligabend hat der Krebs ihn doch eingeholt. 2001 wurde die Krankheit diagnostiziert, die Behandlung hatte keinen Erfolg und 2004 mußte der rechte Arm amputiert werden. Danach lebte er drei Jahre krebsfrei, bis die Krankheit 2007 wieder ausbrach, der er jetzt erlag.

/ News OK, The Oklahoman 25.12.

Der letzte Eintrag in seinem Blog vom 13.12. lautet:

I’m still alive, but my health has really been slipping in the last two months. Hope to get some posts out soon, but I rarely feel like writing.

161. Alfred Kerr, Entdecker

Bald jedoch wurde Kerr zum leidenschaftlichen Entdecker und Förderer:

„Er hat beispielsweise sich mit Robert Musil hingesetzt, ist mit ihm jede Zeile des „Törleß“ durchgegangen, hat ihm einen Verlag gesucht, und dann eine sehr wichtige Musil-Kritik im „Tag“ geliefert, 1906. Er hat auf die Begabung von Else Lasker-Schüler hingewiesen, als es noch niemandem einfiel, und bis zum Schluss – noch 1945 entdeckte er Vercors, den Dichter der französischen Widerstandbewegung, „Das Schweigen der See“, also er hatte eine wahnsinnige Begabung, andere Begabungen zu finden, und war auch in der Hinsicht sehr großzügig jungen Dichtern gegenüber.“

Kerr „lebte in und mit der Literatur“, wie Günther Rühle im Nachwort dieses sorgfältig edierten Bandes schreibt. Bei der Auswahl der Texte wurde die Herausgeberin Deborah Vietor-Engländer selbst zur Entdeckerin:

„Ich wollte zeigen, dass es einen ganz unbekannten Kerr gibt. Einen Literaturkritiker, nicht – wie man immer denkt – einen Theaterkritiker, denn kaum jemand weiß, dass er Lyrik, Opernlibretti, Reisebücher und dergleichen geschrieben hat. Ich wollte zeigen, dass er ein großer Literaturkritiker war, der sehr viele Entdeckungen gemacht hat, und ein außerordentlich Zukunftsgerichteter Mensch war.“ /Jens Brüning, DLR

Alfred Kerr: „Sucher und Selige, Moralisten und Büßer.Literarische Ermittlungen. Band IV“, S. Fischer Verlag, Frankfurt 2009, 519 Seiten

160. Weihnukka

Wenn man versucht vorurteilslos und ohne Vorbehalte „White Christmas“ noch einmal anzuhören, dann fällt doch der eher nachdenkliche Grundton auf. Der Judaist Irving Saposnik hat unter dem Titel „I’m dreaming of a Jewish Christmas“ einen ganzen Aufsatz geschrieben über „Jüdische Weihnachten mit Irving und Bing“. Er denkt bei „White Christmas“ eher an einen Blues, der von einer „osteuropäischen Traurigkeit geprägt ist, von der Sehnsucht nach einer unwiederbringlich verlorenen Heimat“. An die „Stelle der christlichen Feststimmung tritt ein jüdisches Erinnern“. Und er fährt fort:

„White Christmas“ war ein Lied für alle Amerikaner – es erlaubte den Juden, sich dem Weihnachtsneid hinzugeben, und den Christen, sich mit einem jüdischen Gefühl der Verlorenheit zu identifizieren.

Die Klage über ein säkularisiertes Weihnachtsfest, das jeder feiern kann und darf, die alle Jahre wieder geführt wird, kann so neu nicht sein. Michael Blumenthal, der Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, erinnert sich an das Weihnachtsfest in seiner frühesten Jugend in den 20er-Jahren in einer nicht-religiösen jüdischen Familie, und nennt seine Erinnerungen „Wie ich Weihnukka Hitler zu verdanken habe“ (…)

Heilige Nacht

Geboren ward zu Bethlehem
ein Kindlein aus dem Stamme Sem.
seit’s in der Krippe lag,
so freun sich doch die Menschen sehr
bis auf den heut’gen tag.
Minister und Agrarier,
Bourgois und Proletarier –
es feiert jeder Arier
zu gleicher Zeit und überall
die Christgeburt im Rindviehstall.
(Das Volk allein, dem es geschah,
das feiert lieber Chanukah)

Besser als Erich Mühsam in seinem Gedicht über die „Heilige Nacht“ kann man die kuriose Konstellation an Weihnachten aus jüdischer Sicht kaum zusammenfassen: Christen feiern die Geburt eines „Kindleins aus dem Stamme Sem“, eines jüdischen Kindes als die Geburt des Messias, des Christus, wie er in der jüdischen Bibel, im christlichen Alten Testament vorhergesagt wird. Weil Juden diesem Bekenntnis nicht folgen, feiern sie Chanukka.  / Stefan Förner, DLR

159. Bibel – korrekter und poetischer

Der 82jährige kalifornische Lyriker und Übersetzer Willis Barnstone hat ein neues Buch veröffentlicht: „The Restored New Testament – A New Translation With Commentary, Including the Gnostic Gospels Thomas, Mary, and Judas“ (Norton, 1,485 pages, $49.95). Darin versucht er Lyrik und Mystik der Geschichte von Jesus wiederherzustellen und jahrhundertelangen Falschübersetzungen, die die jüdische Herkunft von Jesus aus Nazareth verschleiern sollten, entgegenzutreten. Barnstone veröffentlichte 58 Bücher – Gedichtbände, Erinnerungen, Bibelkommentare und Übersetzungen von Sappho, Johann vom Kreuz und Mao Zedong. / Don Lattin, San Francisco Chronicle 25.12.

Here is a comparison of a familiar verse of the New Testament in the King James Version of the Bible and Willis Barnstone’s „The Restored New Testament“:

When I was a child, I spake as a child, I understood as a child, I thought as a child: but when I became a man, I put away childish things. For now we see through a glass, darkly; but then face to face: now I know in part; but then shall I know even as also I am known. And now abideth faith, hope, charity, these three; but the greatest of these is charity.
1 Corinthians 13:11-13, King James Version

When I was a child I spoke like a child, I thought like a child and reasoned like a child. When I became a man I put an end to childish things. For now we look into an enigmatic mirror. One day we will gaze face to face. Now I know in part, but then I will know in full as I myself was fully known. Now faith, hope, and love remain, these three. Of these the greatest one is love.
1 Corinthians, 13.11-13, „Restored New Testament“

Zum Vergleich die Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984:

13,11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 13,12 Wir  sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. 13,13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Luther in der Fassung von 1534:

Da ich ein kind war / da redet ich wie ein kind / vnd war klug wie ein kind / vnd hatte kindische anschlege / Da ich aber ein man ward / that ich abe was kindisch war. Wir sehen itzt durch einen spiegel inn einem tunckeln wort / denn aber von angesicht zu angesichte. Itzt erkenne ichs stückweise / denn aber werde ich erkennen / gleich wie ich erkennet bin. Nu aber bleibt glaube / hoffnung / liebe / diese drey / aber die liebe ist die grössest vnter inen.

– Und ich bemerke, daß den armen nichtsahnenden Briten eine schöne Stelle über die Liebe vorenthalten blieb. Ich füge den Anfang dieses Kapitels ein, wieder in der revidierten Lutherübersetzung

Wenn ich mit Menschen− und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein
tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 13,2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und  hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 13,3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.

13,4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 13,5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 13,6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;  13,7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

13,8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 13,9 Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 13,10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.