Gary Snyder, amerikanischer Lyriker mit Wurzeln in der Beat Poetry, ist wahrscheinlich nicht der beste Zeuge, wenn es darum geht, die Meilensteine des digitalen Zeitalters zu reflektieren. Er ist 79 Jahre alt und lebt am Fuße der Sierra Nevada in Nordkalifornien. Und doch haben sich seine Welt und die der frühen Computerhersteller, wie Mr. Job, in Zeit und Raum überlappt.
Er ist passionierter Macintosh-Nutzer, obwohl er, wie er selbst sagt, mit allem schrieb, was so zur Hand war.
In der New York Times vom 22.1. seine Macíntosh-Ode „Why I Take Good Care of My Macintosh“,
In der Mitteldeutschen Zeitung / Elbe-Kurier berichtet CORINNA NITZ über eine Veranstaltung mit der Schriftstellerin Eva Zeller, die in Wittenberg bei Christian Lehnert zu Gast war. Worum es ging:
Zum Beispiel um autobiografisches Schreiben. Man müsse die Freiheit haben, gelebtes Leben so darzustellen, „dass es wieder lebendig wird“, erklärte Zeller unter Hinweis auf Goethes Werk „Dichtung und Wahrheit“. Oder um den Arzt und Dichter und „Sprachverführer“ Gottfried Benn, den sie einmal so verehrte, dass sie beim eigenen Schreiben immer „gebennt“ hat. Auf die Frage, ob das Etikett der christlichen Autorin, das ihr nicht nur, aber auch wegen ihrer geistlichen Lyrik anhaftet, ihrem Selbstverständnis entspricht, hob sie die Schultern. Das sei mit erbaulicher Erwartung verbunden, die sie nicht bedienen könne. Ganz abgesehen „von der Distanz zwischen Literatur und Kirche, die zum Katholischwerden ist, weil die katholische Kirche ein vitaleres Verhältnis zur Sprache hat“. Für sie selbst sei der Glaube denn auch ein Sprachereignis, und die Bibel habe sie nicht nur gelesen, um sie zu lesen. Vielmehr habe sie „das unverschämte Glück, am Tropf dieser Worte zu hängen“.
Von Uwe Wittstock, Die Welt 22. Januar 2010:
Der große jiddische Dichter Abraham Sutzkever ist im Alter von 97 Jahren in Tel Aviv gestorben. Er zählte zu den jüdischen Schriftstellern des 20.Jahrhunderts, deren Leben durch Vertreibung und Verfolgung in kaum vorstellbarem Maße gezeichnet war und die ihre Zuflucht nicht zuletzt in der Sprache fanden. Bei Wilna geboren, wurde Sutzkever während des Ersten Weltkriegs im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie erstmals vertrieben und lebte bis 1920 im sibirischen Omsk.
Abraham Sutzkever: Wilner Diptychon (Wilner Getto 1941 – 1944 / Gesänge vom Meer des Todes), 2 Bände im Schuber, Ammann Verlag, Zürich, 34,95 Euro.
„Geh über Wörter wie über ein Minenfeld“. Campus, 389 S., geb., 34,90 €.
Mehr:
Spiegel 21.1. (Jiddische Lyrik-Legende) / NZZ 22.1. (Stefana Sabin) / faz.net / Haaretz („one of the greatest Jewish poets to have lived“ / „the greatest poet who ever lived in Israel“) / NZZ 21.1. / Hilpoltsteiner Zeitung / Der Standard 21.1.
Vgl. L&Poe
2009 Dez #33. Minenfeld
2009 Nov #112. «Wilne schtot fun gajst un tmimes»
2009 Aug #40. Ammann hört auf
2009 Aug #5. Dantes Allegorie und die wirkliche Hölle
2009 Jul #31. Poesie aus der Hölle
2008 Jul #47. Grünbeins Essays
sagt Peter von Matt im Tagesanzeiger, 21.1. Nämlich die Kultur : Kulturkritik … auch Lyrik. Und zwar auch ohne die Printmedien. (Überleben die’s auch?):
Seit die Printmedien in der Krise stecken, gehört es zu den Lieblingsbeschäftigung der Kulturkritik, ihren Untergang zu beklagen und darin eine Krise der Kultur insgesamt zu wittern. In diesem Sinne befragte gestern die Sendung «Kulturzeit» auf 3Sat den Literaturprofessor Peter von Matt zum Thema. Statt Kulturpessimismus bekamen die Journalisten aber eine gewohnt intelligente Analyse der Situation zu hören. So anerkannte von Matt zwar, dass der Raum für die klassischen Medien enger würde. Das sei aber weder das Problem des Publikums noch der Kultur selbst. Das Bedürfnis nach Kulturkritik sei nämlich nach wie vor da, nur hätten sich sowohl die Bedürfnisse wie auch die Informationskanäle verändert.
So konzentriere sich die öffentliche Debatte heute zunehmend auf die Highlights. Dennoch sei die Bandbreite kultureller Produktionen nicht schmäler, sondern eher breiter geworden. Und wofür in den Feuilletons kein Platz sei, dafür biete sich heute das Internet an. Als Beispiel führt von Matt die Lyrik an. Diese sei zwar inzwischen aus den Feuilletons verschwunden, habe aber im Internet eine neue Heimat gefunden, wo sie ihr Publikum findet und sie rege diskutiert wird. «Kulturkritik verschwindet nicht, sondern diversifiziert, verschiebt, verstreut sich.»
Gomringers Werke sind nicht nur im deutschsprachigen Raum in jedem Schulbuch zu finden, sondern werden auch international wie beispielsweise in China und Russland veröffentlicht. Gleichzeitig hat sich der Sohn einer bolivianischen Halbindianerin und eines Schweizer Kaufmanns als Kulturvermittler in der ganzen Welt einen Namen gemacht. Denn trotz seines großen Erfolgs wollte Gomringer seinen Lebensunterhalt nie ausschließlich mit Lyrik bestreiten. / BR, Studio Franken
Hier nenne ich mit Entschiedenheit, aus der Ferne aufgeschnappt, drei junge Stimmen der haitianischen Poesie: Bonel Auguste (geboren 1973), James Noël (1978), Farah Martine Lhérisson (1970).
Die beiden ersten habe ich zufällig durch Internetpublikationen entdeckt, durch Flüsterpropaganda, namentlich aus der Feder des Kritikers und Schriftstellers Lyonel Trouillot (siehe seine aktuelle Chronik aus Port-au-Prince bei lePoint.fr). / Patrice Beray, mediapart.fr
(beigefügt je ein Gedicht der Autoren)
1985 suspendierte ihn der Vatikan endgültig von der Ausübung des Priesteramtes. Er bemühte sich jedoch nie um eine Rückgängigmachung dieser kirchlichen Sanktion. Ein berühmtes Zitat Cardenals: „Das Evangelium hat uns radikalisiert, ich bin durch das Neue Testament zum Marxisten geworden.“ …
Cardenal sitzt als zorniger alter Mann daheim im Schaukelstuhl und grantelt vor sich hin. Nicaragua habe sich unter Ortega in eine Diktatur verwandelt, schimpft er. „Es ist nichts geblieben von der Revolution!“, klagt Cardenal, der heute seinen 85. Geburtstag feiert. / Kurier 20.1.
Mit Fug kann man von N Scott Momaday sagen, daß die Literatur der Indianer (Native Americans) ohne seine Bücher nicht das wäre, was sie heute ist. Sein erster Roman „House Made of Dawn“ brachte ihm den Pulitzer Prize 1969. Als bevorzugte Berufsbezeichnung würde er „Dichter“ wählen. Lyrik ist für ihn die Königin der Literatur. Schon als Kind wollte er Schriftsteller werden – wie seine Mutter. In der Schule fing er an, Gedichte zu schreiben, und er tut es bis heute. Lyrik, sagt er, ist das Beste, was man mit Worten anfangen kann. / Santa Fe Reporter 20.1.
1956 trug Allen Ginsberg ein Gedicht über Sex, Drogen, Religion und Wahnsinn. Es wurde zum Kampfschrei der Avantgarde und brachte ihm einen Prozeß wegen Obszönität. Jack Kerouac und Lawrence Ferlinghetti waren anwesend. Ginsberg war 29 Jahre alt. Die spätere Choreographin und Filmemacherin Yvonne Rainer, damals noch Teenager, erinnert sich: „Ginsberg war ziemlich betrunken, glattrasiert, in schwarzem Anzug und kragenlosem weißem Hemd. Er hielt ein Glas Rotwein in der Hand und sprach und sang sein Gedicht.“ / B Ruby Rich, Guardian 19.1.
Howl
Production year: 2010
Country: USA
Directors: Jeffrey Friedman, Rob Epstein
Cast: Alessandro Nivola, James Franco, Jeff Daniels, Jon Hamm, Mary-Louise Parker
Philip Gross, Professor für Creative writing an der University of Glamorgan in Pontypridd (Wales) gewinnt den diesjährigen TS Eliot Poetry Prize (mit £15,000 ein ganzes Stück besser dotiert als unser Huchel) für den Band „The Water Table“.
Der ursprünglich aus Cornwall stammende Autor hat sich gegen hochklassiger Mitbewerber, unter ihnen zwei frühere Preisträger, durchgesetzt. Nicht einen Augenblick habe er damit gerechnet, sagt er. Er sei schon hoch erfreut darüber gewesen, daß er es auf die Shortlist gebracht hat. „Ich bewundere die 9 anderen Autoren und bin froh darüber, daß ich Autor war und nicht Juror.“ Der Erfolg sei eine große Ermutigung für ihn. Es bedeute, daß seine Arbeit gelesen werde, gründlicher gelesen – was die Lyrik am meisten brauche, seien gute Leser. / Karen Price, Western Mail 20.1.
Sie war die erste Diva der deutschsprachigen Literatur, und da es Stars zwar nach wie vor, das Modell der Diva assoluta aber offenkundig nicht mehr gibt, dürfte sie auch die einzige bleiben: Ingeborg Bachmann, am 25. Juni 1926 in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt geboren, im Jahr 1950 an der Universität Wien im Fach Philosophie promoviert und seit dem Frühjahr 1953, als sie für ihre Gedichte den Preis der Gruppe 47 gewann, mit dem Ruf der auratischen Seherin und Künderin moderner Dichtkunst behaftet.
Mondän, solange sie nicht ihres Amtes als lyrische Pythia waltete, attraktiv und eigenwillig in Auftreten wie Auffassungen, mit einer Neigung zur Ausschweifung wie zur Hysterie, dann wieder betörend in ihrer ostentativen Hilflosigkeit. Bei ihrer ersten, wegen schamhaften Flüsterns nur schwer verständlichen Lesung vor der Gruppe 47 war sie im Jahr 1952 ohnmächtig vom Stuhl gesunken und musste in ihrem Zimmer von hilfsbereiten Herren versorgt werden – der «Mythos Bachmann» war geboren. / kultiversum
Der Greifswalder Verein pom-lit im Falladahaus startet diese Woche eine neue Reihe. An jeweils einem Donnerstag im Monat wird künftig Literatur in vielerlei Form präsentiert. Diese Woche beginnen wir aus aktuellem Anlaß mit der Vorstellung der vergangene Woche in Freiburg/ Breisgau gewählten Peter-Huchel-Preisträgerin Friederike Mayröcker. Jurymitglied Michael Gratz stellt im Falladahaus den Peter-Huchel-Preis und das von der Jury als besten Gedichtband des Jahres 2009 ausgewählte Buch „dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif*. Gedichte 2004 – 2009“ (Suhrkamp) vor.
Donnerstag, 21.1.
20:00 Uhr
Falladahaus, Steinstraße 59 (Eingang über den Hof)
Eintritt 2 Euro
*) „und Greifswalds Vogel ist Greif“ heißt eine Zeile aus einem Gedicht der Huchelpreisträgerin Elke Erb: na bitte!
„Aktivste Denktätigkeit verbindet sich hier mit tiefster Stille und Leerheit. (…) Von dieser Wahrheit aus gesehen ist die Bewegung des ganzen Universums von keiner größeren Bedeutung als das Surren einer Mücke oder das Schwenken eines Fächers.“
Daisetz Teitaro Suzuki: ‚DIE GROSSE BEFREIUNG‘ (1958)
G&GN-INSTITUT Berlin-NewCologne, Januar 2010 / Wie erst jetzt bekannt wurde, konnte Tom de Toys bereits am 5.12.2009 nach zwei Jahrzehnten sein Lochismuß-Projekt vollenden dank der Niederschrift des letzten 16.Teils des Zyklus‘ sogenannter „transreligiöser Lochgebete“. Dadurch nähert sich seine Vision der diesjährigen Fertigstellung einer „Fastgesamtwerkausgabe“ von 1111 ausgewählten Gedichten ab 1986 in 4 Bänden unter dem Titel „LOCHiSMUß LEiCHTGEMACHT“ tatsächlich einer sinnvollen Realisierbarkeit, die seit der ersten Planung im Jahre 2000 immer wieder verschoben werden mußte. Der Hauptgrund dafür lag einerseits im ständig mißglückten Versuch, das erhoffte „allerletzte“ Gedicht zu schreiben (erste Symptome dieser manischen „A-version“ traten bereits 1994 auf), andererseits aber auch an den speziellen Lebensumständen, unter denen De Toys seinen „lochistischen“ Ansatz einer neurosoziologischen Poetologie für das 23.Jahrhundert quasi nebenbei entwickelte – man könnte fast von einem „holEistischen Hobby“ sprechen; denn während sich angebliche „Berufslyriker“ gerne brav an das Fabrizieren netter Gedichte machen, vergißt De Toys seine Identität als Lyriker zwischen den Inspirationsschüben absichtlich, um permanent offen zu bleiben für die authentische innere „Urstimme“, die manchmal eher von ganz weit draußen aus dem Universum mit Lichtgeschwindigkeit ins Ohr zu klatschen scheint wie eine unerwartete Zen-Peitsche. Und genau darum geht es ihm eigentlich in all seinen mystisch-materialistischen Gedichten: dem Leser postparadoxe Enttarnungen „geheimnisloser Geheimnisse“ weiterzureichen. Mit einer solchen radikal-spirituellen Intention bedient er nicht gerade das gutbürgerliche Bedürfnis nach Ablenkung vom Alltag durch einen möglichst eventösen Unterhaltungswert ohrenbetäubender Hiphop-Stabreime – das transpersonal-tinnitöse Moment liegt bei seinen Gedichten eher im zen-ähnlichen Selbstverschlucken von vordergründig trivial anmutenden Wörtern, die immer wieder und wieder nur das eine große Thema umkreisen, das sich durch sämtliche Kulturen und Disziplinen der Menschheit zieht: Die Frage nach der SEELE, dem SINN und dem SEIN des Ganzen. Während allerdings Quantenphysiker ganz legal das angebliche Urteilchen Higgs suchen (ohne als psychotisch zu gelten), das von Malewitsch bereits unter schwerem Schluckauf als schwarzes Quadrat identifiziert wurde, begibt sich De Toys an den Rand jenes Loches, das schon von Tucholsky völlig antineurologisch ins Spiel gebracht wurde… Folgen wir ihm doch einfach einmal in diesen „unscharfen“ Grenzbereich und testen die Brauchbarkeit seiner Forschungsergebnisse anhand des erwähnten letzten bilingualen Teils:
Tom de Toys, 5.12.2009
ERWEITERTER SEELENBEGRIFF OHNE SYSTEM
(Extended Expression of Systemless Soul)
[16.TRANSRELIGIÖSES GEBET (16.PRAYER OF TRANSRELIGIOUS HOLeISM)]
i
am
circling
around
my
empty
center
of
gravity
ich
kreise
um
meine
leere
mitte
© 2009 by Trademark POEMiE
Oder lauschen wir der vom Autor selbst produzierten transzentrischen Verfilmung:
Tom de Toys ist einer der wenigen zeitgenössischen deutschen Dichter, der überhaupt eine fundierte eigene Poetologie (unter dem Oberbegriff „Direkte Dichtung“ mit diversen Untergliederungen) betreibt und sogar mit zahlreichen Erfindungen (Quantenlyrik), Entdeckungen (Erweiterte Sachlichkeit), Manifesten (Tiefenpop), Essays (Dr.Egon Denkmal) und parodistischen Pressemeldungen (Samuel Lépo) gegen alle betriebsinternen Anfeindungen bzw. Ignoranzien zu verteidigen weiß. Sein G&GN-Institut (unter der Leitung von Sebastian Nutzlos) synthetisiert seit den 90ern des 20.Jahrhunderts „integrale Informationen“ aus parapsychologischen & neuropolitischen Ebenen des Bewußtseins im Sinne einer ganzheitlichen Fusion hin zum Übermenschlich-Natürlich-Kosmischen – ähnlich wie schon Fritjof Capra in den 70ern Physik und Mystik interdisziplinär zusammendachte bzw. zusammen „schaute“. Am 24.Januar 2010 wird De Toys 42 Jahre alt, feiert allerdings aufgrund seines Ekels vor der katholischen Kirche und ihrem gregorianischen Kalendersystem derlei Anlässe nie und nimmer. Stattdessen eröffnet er am 8.Mai 2137 um 19 Uhr mit einem klassischen Lochismuß-Perhappening seine Ausstellung transrealistischer Zeichnungen in der Neuköllner Galerie „MUSENSTUBE“… Der Leser ist herzlich eingeladen, sich dort ebenfalls zu vergnügen!
Weiterführendes Linklabyrinth:
SÄMTLICHE LOCHGEBETE MIT ZITATEN VON ALAN WATTS: www.HOLeISM.de
ORIGINALQUELLE DES „16.LOCHGEBET“-POETRYCLIPS: www.transZENtrik.de
UNTERSCHIED ZWISCHEN RELIGION & SPIRITUALITÄT: www.praesentOMatik.de
FOTO-DOKUMENTATIONEN VON LOCH-PERHAPPENINGS: www.BEingcOMplete.de
MALEREI DES „INTEGRALEN IMPRESSIONISMUß“: www.TRANSREAListIK.de
ERLÄUTERUNGEN ZUR BEWUßTSEINS-POETOLOGIE: www.DirekteDichtung.de
REDE ANLÄßLICH DER VERLEIHUNG DES 1.NAHBELLPREISES: www.naHbell.de
ALLE MANIFESTE DER QUANTENLYRIK: www.quaNTUmpoETRy.de
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