gibt die taz unter Rubriken wie: „Der Film in einem Satz“, „Darum geht‘s“,“Der beste Moment“ und unter „Diese Menschen mögen diesen Film“ lesen wir:
Wer “I’ll Be There” über Bob Dylan mochte und sich gerne noch einen xten Handlungsstrang mit einer comichaften Bebilderung von Dylans “Subterranean Homesick Blues” gewünscht hätte.
Das Ensemble der Akademie für gesprochenes Wort feiert am Freitag, 26. Februar, um 19.30 Uhr den hundertsten Geburtstag von Max Bense.
Die Sprecher Florian Ahlbohrn, Daniel Zinnöcker, Julia Katterfeld, Sarah Stuckenbrock und Nina Lentföhr verbinden Benses Texte in einer Collage mit den Texten seiner Zeitgenossen Helmut Heißenbüttel und Reinhard Döhl. In Stuttgart
Les chants de Maldoror
Tal des Moloch, Narr des
Alls. Rote Mordschande
der Scham – o rasend toll
des roten Dolchs Alarm.
Aus: Aus zerstäubten Steinen. Texte deutscher Surrealisten. Aachen: Rimbaud, 1995, S. 86.
Les chants de Maldoror: Gedichtsammlung von Lautréamont (eigtl. Isidore-Lucien Ducasse), 1847-1870. Deutsch bei Rowohlt (Die Gesänge des Maldoror)
Manchmal ist das Alltägliche mir zuviel. Da warf mir vorhin mein Computer meinen Chablis-Text, Thema Gedichte, auf den Monitor. – – – – Chablis ist eine Gemeinde in der Region Burgund (Frankreich). Der dort angebaute Wein ist fruchtig, trocken und von einer erfrischenden Säure. Chablis hat meist eine grün-goldene Farbe. – Chablis war auch der Nick eines online-Freundes. Meine Zeilen über LYRIK an Chablis setze ich hier drunter.
*
In einem Punkt hast du Spürsinn gezeigt, Chablis und ins Schwarze getroffen. Du „rügst“ die Zeilen
Orangen sind in der Orangerie,
Spargel in Buntblechdosen.
Der Fürst hat um ein Gedicht gebeten.
Huldvoll hält es die Maitresse
in den von Sünde durchscheinenden Händen.
– Ja, diese Zeilen sind ein Fremdkörper. Ich habe sie, aus anderem Zusammenhang, ins Gedicht hinein genommen. Das ist ein bekanntes Verfahren. Man nennt es Montage. – Der Fremdkörper tritt durchaus zum vorangegangen Teil des Gedichts in Beziehung. Um einen solchen Sprung mitzumachen, ist der Leser gefordert, beweglich zu sein. Er hat ja bereits unterschiedliche Gedanken und Bilder mitgedacht. Er hat den Titel „Eine Straße für uns“ aufgenommen. Dann kam das Drehkreuz, die Wiederholung. Die Tretmühle, das Laufrad. („Und täglich grüßt das Murmeltier“, Filmkomödie mit Phil Connors).
– Die Chausseebäume, die verschrumpelnden Äpfel, oder sind es alte Männer, die da baumeln? Es gibt auch köstliche Dinge, wie Spargel, in Buntblechdosen. Oder jene Geliebte des Fürsten, die um ein Gedicht gebeten hat. Auch für sie mag es (in all den Wiederholungs-Sünden) ein Verlangen, eine Sehnsucht geben nach „eingefangenem Licht“, und wenn, – in einem Text.
– Eine Zeile des Gedichts „umfängt“ etwa das, was man in einem Atemzug sagen kann. Deshalb, Chablis, sind Satzzeichen wie Komma und Punkt am Ende einer Gedichtzeile unnötig. Die folgende Zeile hat ja ihren eigenen neuen Anhub (Atemwechsel). Möglicherweise bist du durch und durch eine prosaische Natur. Man muss, Chablis, um der Lyrik zu begegnen, sich loslassen können. Gedichte sind Gebilde, in denen Worte (auch durch ihre Nachbarschaft) in einer ganz eigenenWeise heran strömen, wobei sie durch Rhythmus, im Tempo (oder in Verzögerung) Bedeutungs-Ebenen schaffen. Ein Gedicht, im Voranschreiten, kann sich entfalten und dabei quasi „sich selbst aufladen“. Es wird zum Träger energetischer Phänomene, die auf den Leser übergehen. Dabei ist das Gedicht oft wie eine Partitur, die erst der Leser, in einem sinnlichen Prozess und in eigenem Zutun des produktiven Assoziierens zum Klingen bringt. Eine Aneignung.
– Du hast versucht, Chablis, dem Verstehen des Gedichts näherzukommen, indem du die Zeilentrennung aufhebst. Damit zerstörst du die zarte Gestalt der Lyrik. Ein Gedicht ist ein kurzer Text in einem zerbrechlichen Gehäuse. Und doch hat das Gedicht Kräfte, ja vibrierende Energie in sich. Ezra Pound hat gesagt, ein Gedicht müsste bis zum Äußersten mit Sinn „geladen“ sein.
– Ich bin dir dankbar, Chablis für deine Stellungnahme. Erst im Austausch werden wir den Dingen näherkommen. Ich fürchte aber, dass du meinem Text nicht locker genug gegenüber trittst. Da schlingt sich ein Wortband in den Raum. Es bläht sich durch die Stube, flattert aus dem Fenster, Wände und Grenzpfähle gibt es nicht mehr. Die Leser empfangen Laute, Bedeutungskörper, Signale, Zeichen. Je sinnlicher die Zeichen sind, je bunter, je schwingender sie sich zu einem Dauerton formen, der lauter Variable hat, um so eher taucht der Leser ein. – So ein Eintauchen ist wie eine Schwimmstunde in der „Ursuppe“. Unser Zwischen-, unser Unter- und das Unbewusstsein, sie werden angesprochen.
– Deine Assoziationen zeigen, dass du nicht nur schnupperst, Chablis, – sondern anbeißt. Es zwickt und zwackt dich. Du fühlst Leerstellen. Da sind Löcher und Nischen im Text und niedliche Nebenhöhlen mit zauberhaften Erotik-Geistern. Ein Wassermann mit Schwarzenegger-Figur tritt aus der Wand und alles ist nicht mehr so, wie in einem Büro, einem Raumschiff, einer Feinstahlküche oder bei einem Stehempfang.
– Ein Gedicht, Chablis, kann in sechs Zeilen „eine Welt“ enthalten.
– Ja, der Kontext, in dem Worte stehen. Moderne Interpreten sind da schnell bei der Hand. So sehen sie bei Shakespeare in seinem 329-Zeilen-Poem „A Lover’s Complaint“ in einem grossen „O“ am Anfang einer Zeile schon das Zeichen für Öffnung, für Lustwünsche. Das führt mich zu einer erstaunlichen Gabe des Gedichts, nämlich bei aller Kürze in wenigen Worten eine Welt, eine dramatische Lebens- oder Liebes-Realität hinzustellen.
– Erich Fried mochte ein Gedicht Rilkes (Nonnen-Klage) besonders, in dem es heißt
„Denk, so kann es vergehn / das Leben / im täglichen Schalle, / ist nicht jede wie jede / wenn nicht irgendein Biß / eine Schramme zurückläßt?“
– Interessant ist, dass man sich oft an einzelnen Gedichten stört, sie aber nicht ganz zur Seite schiebt. So musste ein Redakteur immer wieder böse Leserbriefe beantworten. Er solle keine Sachen mehr von Robert Walser bringen. Man ärgere sich, hieß es, und beim nächsten Mal könne man dann doch nicht davon lassen, sie zu lesen. –
– Robert Walser kam aus Biel (Schweiz), er starb 1956 in Herisau. Seine Bücher werden bei Suhrkamp ständig nachgedruckt. Nobelpreisträger schrieben über ihn. – Hier ist eins seiner Gedichte. Viele hielten es für „übergeschnappt“. Mich reißt es hin.
Was fiel mir ein?
Wie kühl ist mit der Zeit das Herz
mir geworden! Habe ich den Schmerz vergessen,
der eigentlich das Sonnigste des Lebens ist,
woran ich mich erquickte, wie ich noch an keinem
Vergnügen hing? Wann ging die feine Stäubung
dem Schmetterling in mir verloren?
Wann fing es an, wann, wo begann, was mich
entfärbte?
(Robert Walser)
Und damit ENDE, Chablis
/ Wilhelm Fink, Hamburg – www.unterholz.com
Erst war die Blume – dann ihr Bild – dann wurde das Gedicht gesucht. Das Bild: Adonisröschen in der Ruine der Marienkirche, Efes (Ephesos) am 16.2. 2010. In dieser Kirche soll im Jahre 431 ein Konzil die Frage diskutiert haben, ob Maria Gottesmutter oder bloß Christusmutter ist – die Gottesmutterpartei siegte. Ganz in der Nähe das große Theater, in dem der Aufstand der Goldschmiede gegen die von Paulus betriebene Christianisierung („Groß ist die Diana der Epheser„) stattfand.
The poet must be both Casanova and St. Anthony,
He must be Adonis, Nero, Hippolytus, Heathcliff, and Phaedre,
Genghis Kahn, Genghis Cohen, and Gordon Martini
Dandy Ghandi and St. Francis,
Professor Tenure, and Dizzy the dean and Disraeli of Death.
…
Hence the poet must be, in a way, stupid and naive and a little child;
Unless ye be as a little child ye cannot enter the kingdom of poetry.
Hence the poet must be able to become a tiger like Blake; a carousel like Rilke.
Aus: Delmore Schwartz (1913-1966) – Apollo Musagete, Poetry, And The Leader Of The Muses
Zwanzig Morde, so glauben die Familien, hinter denen der „tiefe Staat“ steckt: die Netzwerke und Todesschwadronen selbsternannter Vaterlandsschützer, die in den Katakomben der Republik nisten, seit diese 1923 geboren wurde. Eine solche Schau der Solidarität unter den Opfern hat es noch nie gegeben. Vom 1948 erschossenen Schriftsteller Sabahattin Ali bis zum 2007 ermordeten Hrant Dink: Die Familien der Hinterbliebenen zogen zum Gerichtssaal, eine wandelnde Anklage gegen 60 Jahre tiefer Staat. „Wir sind die tiefe Familie“ von Hrant Dink“, sagte Filiz Ali, Tochter von Sabahattin Ali: „Wir sind eine Familie, die ständig wächst, weil wir in einem Land leben, in dem ständig Leute umgebracht werden.“ Und dann: „Wir wollen nicht mehr wachsen.“
Zum Beispiel Sabahattin Ali. Dichter. Ermordet 1948. Er übersetzte E.T.A. Hoffmann ins Türkische. Schrieb ein satirisches Gedicht über Republikgründer Atatürk. Wurde verhaftet. Freigelassen. „Auf der Flucht“ erschossen. / Kai Strittmatter, SZ 10.2.
Drei dichtende Stimmen, die in der BRD der 70er und 80er aufwuchsen. Zwei in Bremen, eine in Frankfurt/Main. Inzwischen: Zwei Frauen, ein Mann & zwei Bremer in Berlin. Alle haben eigene Gedichtbände veröffentlicht. Eine macht außerdem in Schals, eine schreibt lebenspraktische Romane, eine(r) Artikel & Songs.
NIKOLA RICHTER
“denn ich hole meinen freund von der bushaltestelle ab, wir weinen zur begrüßung und pinkeln zwischen autos in der nebenstraße. und wenn einer sagt, das ist doch mal wieder kein gedicht, dann sag ich nix, aber pass mal auf, denn hier ist das leben, hier”
Nikola Richter, geboren 1976 in Bremen. Lebt in Berlin. Nach dem Studium Stipendien-, Praktika- und Jobmarathon. Mitbegründerin der Berliner Lesebühne visch & ferse und Initiatorin des literarischen Hinterzimmer-Salons. Als Online-Redakteurin konzipiert sie Blogs für Kulturveranstaltungen. Sie veröffentlicht Erzählungen und Lyrik, arbeitet als Theater- und Hörspielautorin. Sie publizierte den Lyrikband »roaming« und die Storys »Schlussmachen auf einer Insel«, im Fischer Taschenbuch Verlag erschien »Die Lebenspraktikanten«. Aktueller Gedichtband: „die do-re-mi-maschine“ (Lyrikedition 2000, München 2009).
Links:
http://www.fischerverlage.de/autor/Nikola_Richter/17604
http://www.allitera.de/Richter,+Nikola:die+do-re-mi-maschine_Lyrikedition+2000_978-3-86906-076-7_t.html
http://hinterzimmer-salon.blogspot.com
http://www.blogmacherei.de
JULIA MANTEL
“auf dem weg / mir schuppen / zu holen / auf der haut / die ohne unterlass / altert / rütteln passanten / kastanien / von den bäumen / riecht es links / nach gegrilltem / fleisch / feiert der himmel / sein blau ohne / wolken”
Julia Mantel wurde Mitte der Siebziger in einem Vorort von Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur Umzug in den Norden und Studium der “Angewandten Kulturwissenschaften” in Lüneburg. Seit 2000 konzentriert sie sich auf Lyrik und Kurzprosa. Teilnahme an der Literaturwerkstatt von Kurt Drawert (Zentrum für junge Literatur, Darmstadt). Publikationen in zahlreichen Anthologien, unter anderem im Eichborn und Verbrecher Verlag. Heute lebt sie als Autorin, Strickkünstlerin und Sprecherin in Frankfurt am Main. Aktueller Gedichtband: „New Poems“ (Fixpoetry).
http://www.unvermittelbar.de/
http://www.fixpoetry.com/autoren/julia_mantel.html
LUTZ STEINBRÜCK
“verwaiste Maschen / in geklärter Luft blähen sich Hosenbeine auf / einen Stoß mehr oder weniger / halten sie aus, hier / wächst hartes Holz / wo sich die Engel als Insekten tarnen / ist die Sonne verpixelt und wortkarg / holen die Felder ihre Andenken heim”
Lutz Steinbrück (Berlin), geboren 1972 in Bremen, lebt als Journalist (taz, Tagesspiegel, FR, Berliner Literaturkritik), Musiker (Band: Nördliche Gärten) und Autor (Lyrik, Drama) in Berlin. 2008 erschien sein Lyrikband Fluchtpunkt:Perspektiven im Lunardi Verlag (Berlin). Veröffentlichungen in den Zeitschriften Belletristik und außer.dem sowie online im Poetenladen, bei Lyrikmail und anderswo.
http://www.lunardi-verlag.de/index.php?id=10001&b_id=7
http://www.poetenladen.de/lutz-steinbrueck.htm
http://www.myspace.com/noerdlichegaerten
18. Februar 2010
Einlass: 20h
Buchhandlung Leseglück
Ohlauerstr. 38
10999 Berlin/Kreuzberg
www.leseglueck-berlin.de
In ihrem Film „Black Bus“ porträtiert die israelische Regisseurin Anat Yuta Zuria zwei junge Frauen, die in einer ultraorthodoxen Gemeinde aufgewachsen sind und ihr den Rücken kehren:
Ich habe einen interessanten muslimisch-feministischen Ausdruck gefunden. Dort war die Rede von „Geschlechterapartheid“. Das fand ich passend. Die Frauen sind Menschen zweiter Klasse. Sie haben nicht die gleichen Rechte. Sie können keine Gesetze machen, keine Führungspositionen einnehmen. Sie dürfen sich nicht ausdrücken, weder in der Lyrik noch im Gesang. Sie sind Menschen zweiter Klasse. Es ist ungerecht. / DLR 15.2.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
A poem is an experience like any other, and we can learn as much or more about, say, an apple from a poem about an apple as from the apple itself. Since I was a boy, I’ve been picking up things, but I’ve never found a turtle shell until I found one in this poem by Jeff Worley, who lives in Kentucky.
On Finding a Turtle Shell in Daniel Boone National Forest
This one got tired
of lugging his fortress
wherever he went,
was done with duck and cover
at every explosion
through rustling leaves
of fox and dog and skunk.
Said au revoir to the ritual
of pulling himself together. . .
I imagine him waiting
for the cover of darkness
to let down his hinged drawbridge.
He wanted, after so many
protracted years of caution,
to dance naked and nimble
as a flame under the moon—
even if dancing just once
was all that the teeth
of the forest would allow.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by Jeff Worley, whose most recent book of poems is Best to Keep Moving, Larkspur Press, 2009, which includes this poem. Reprinted from Poetry East, Nos. 62 & 63, Fall, 2008, by permission of Jeff Worley and the publisher.
Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Das Buch ist etwas älter, die Rezension von Carola Gruber aber frisch. Hier einige Ausschnitte:
Ein Dokument dieser anhaltenden Expansionsbewegung der Narratologie ist der von Jörg Schönert, Peter Hühn und Malte Stein vorgelegte Band Lyrik und Narratologie (2007).
Eine Grundannahme der Autoren ist, dass lyrische Texte – ähnlich wie dramatische Texte – Reduktionsformen des Erzählens sind, deren »Reduktionsgrade im Anlegen möglicher Vermittlungsebenen« variabel sind.
Die Herausgeber verzichten bei der Textauswahl auf »offensichtlich narrative Gedichte wie Balladen und Romanzen oder wie Verserzählungen« (S. 2). Ihre These lautet: Auch nicht offenkundig erzählende Gedichte, also »lyrische Texte im engeren Sinne« (S. 2), weisen strukturelle Analogien zu Prosaerzählungen auf (S. 2). Auch wenn die Strukturanalogie »zwischen Lyrik und Erzählliteratur […] als potentiell zu verstehen« sei, treffe sie doch für »eine erstaunlich große Zahl von Gedichten« zu (vgl. S. 2 f.). Und zwar für »Vertreter des Kanons deutschsprachiger Lyrik« (S. 13) – so lautet der Anspruch der Textauswahl.
Anders, als es der Untertitel des Bandes verspricht, reicht diese Auswahl nicht nur vom 16. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert, sondern mit der Analyse von Ilma Rakusas »Limbo« sogar bis ins 21. Jahrhundert.
… Ein Gewinn für die Lyrikanalyse ergibt sich aus dieser Differenzierung insofern, als dass »Widersprüche zwischen der Äußerung des Sprechers und der Komposition des Textes (die dem abstrakten Autor zuzuordnen ist)« als »unzuverlässiges Erzählen« beschrieben werden können – wo doch die Lyrikanalyse aus Sicht der Autoren des Bandes die Unzuverlässigkeit des Sprechers »noch nicht programmatisch untersucht« hat.
An mehreren Stellen ist dem Band der Prozess einer Begriffsfindung und ‑klärung noch abzulesen. So werden die eingangs vorgestellten Kriterien in den einzelnen Gedichtanalysen nicht streng nach einem einheitlichen Schema abgearbeitet. Und es kommt vor, dass Begriffe in ihrer Problematik erst in einzelnen Beiträgen zu bestimmten Gedichten aufgearbeitet werden wie zum Beispiel der des »lyrischen Ichs« in Malte Steins Analyse von Ingeborg Bachmanns Gedicht »Im Zwielicht«.
Wie es mit dem zweiten Anliegen ist, die besonderen narrativer Strukturen von Lyrik herauszuarbeiten, sei angesichts des schmalen Corpus von lediglich 20 Gedichten dahingestellt. Diese Ergebnisse sind ebenso wie die komparatistischen Überlegungen zum Vergleich englischsprachiger und deutschsprachiger Lyrik sicher mit Vorsicht zu genießen.
Der ganze Text hier
Das Literaturhaus Schleswig-Holstein präsentiert am Donnerstag, 18. Februar 2010, um 17 Uhr den Kieler Schriftsteller Arne Rautenberg, der in Lesung und Gespräch seinen neuen Gedichtband für Kinder vorstellen wird. Zusätzlich zu der Buchpremiere findet vormittags eine Lesung für Schulklassen aus dem Gedichtband statt. / fördeflüsterer
Hoch in den Jahren
Du? – sprichst zu schnell.
Und dann ins tote Ohr.
September 1976
Aus: Elke Erb: nachts, halb zwei, zu Hause. Texte aus drei Jahrzehnten. Leipzig: Reclam 1991, S. 53.
Vor Liebe irr
Ich sah ihr Antlitz an und ward vor Liebe irr.
– Wer starken Wein trinkt, dessen Kopf wird wirr.
Ihr Blick gab jedem Furcht ein, nur ihr selber nicht.
– Das Schwert erschlägt nicht den, der damit sticht.
Ich sah sie weinend an. Ihr Antlitz war voll Wonne.
– Die Wolke weint, darüber steht die Sonne.
Sie war so wohlgestalt. Stets schwebt ihr Bild mir vor.
– Die schöne Melodie bleibt lange noch im Ohr.
Ihr Scheiden schuf mir großes Herzeleid.
– Sobald die Sonne geht, herrscht Dunkelheit.
Aus: Andalusischer Liebesdiwan. Nachdichtungen Hispano-Arabischer Lyrik von Janheinz Jahn. Freiburg i. Breisgau: Verlagsanstalt Hermann Klemm, 1955, S. 31.
Abu Hafs, 12. Jahrhundert, Cordova
Über die andalusischen Dichter jener Zeit schreibt der Herausgeber: „Orient und Okzident fließen in Al-Andalus zusammen. Hier vermischen sich die Völker, denn der Islam kennt keine rassischen Vorbehalte. Araber, Iberer, Goten und Juden tragen, im neuen Glauben geeint, ihr Teil bei zur gemeinsamen hispano-arabischen Kultur, in der sie so völlig aufgehen, daß wir heute nur selten feststellen können, ob die frühen Vorfahren eines maurischen Dichters am Indischen Ozean, am Atlantik, an der Ostsee oder am Toten Meer gelebt haben.“ (A.a.O. S. 29f) – An der Ostsee – voilà!
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