Er hatte den Text nach Behördenangaben im August 2007 auf einer rassistischen Website eingestellt. Gegen eine Kaution von 25.000 Dollar wurde der Mann aus dem US-Staat Kentucky am Freitag auf freien Fuss gesetzt, er steht aber in der Wohnung eines Angehörigen unter Hausarrest. Bei einer Verurteilung drohen ihm 15 Jahre Haft. BaZ
Einem besonders schweren Fall der Aufschieberitis sitzen wir in Nicholson Bakers neuem Roman „Der Anthologist“ gegenüber. Paul Chowder heißt er. …
Nun könnte er ja Gedichte schreiben. Er ist ja Lyriker. Ein mittelmäßiger zwar, aber einige ganz gute Gedichte hat er geschrieben. Sagt er. Und vor allem könnte er endlich das Vorwort zu seiner Anthologie mal endlich anfangen, die „Rhyme only“ heißen soll und aus albernem Reimschinden in der deutschen Version als „Reim allein“ firmiert. Eine Anthologie, die an die wunderbare Macht des Reimens nach einem Jahrhundert der Prosagedichtanarchie erinnern soll. / Elmar Krekeler, Die Welt 20.2.
Die spanische Regierung will den Dichter Miguel Hernández förmlich als Opfer der Franco-Diktatur anerkennen. Hernández wurde vor 70 Jahren als „Verräter“ verhaftet, weil er die republikanischen Francogegner unterstützt hatte, und starb mit 31 Jahren im Gefängnis. In diesem Jahr wird der 70. Geburtstag des Dichters mit einer Reihe von Veranstaltungen begangen.
Er wurde zum Tode verurteilt, die Strafe wurde dann in 30 Jahre Haft umgewandelt, aber der Dichter starb wenig später an nicht behandelter Tuberkulose.
Viele seiner bewegendsten Gedichte entstanden im Gefängnis, darunter das berühmte „Wiegenlied von der Zwiebel“. / BBC News, Madrid, 19.2.
3 Zeilen aus seinem Gedicht „Ich rufe die Dichter“ evozieren die mächtige spanischsprachige Dichtung des vorigen Jahrhunderts, in die er seinen Namen eingeschrieben hat. Ein Aufruf zu einem Dichtertreffen:
Sprechen wir: Federico, Vicente, Pablo, Antonio,
Luis, Juan Ramón, Emilio, Manolo, Rafael,
Arturo, Pedro, Juan, Antonio, Leon Felipe.
Reden wir über Wind und Ernte.
Aus: Miguel Hernández: Der Ölbaum schmeckt nach Zeit. Gedichte. Berlin: Volk und Welt 1972, S. 146f (Deutsch von Erich Arendt und Katja Heyek-Arendt)
In L&Poe:
2002 Feb # „two nightingales dueling“
2005 Okt #114. Leben und Sterben des Dichters Miguel Hernández
Mauern
Ohne Rücksicht, ohne Mitleid, ohne Schamgefühl
Haben sie große, hohe Mauern errichtet um mich.
Und hier sitze ich nun ohne Hoffnung.
Ich denke nur an das eine, wie dieses Schicksal den Verstand mir verzehrt.
So viel hatte ich draußen zu tun. Warum gab ich
Nicht acht, als sie diese Mauern errichteten?
Ich habe die Maurer nicht gehört — kein Geräusch.
Unmerklich haben sie mich aus der Welt gemauert.
1897
Konstantinos Kavafis: Das Gesamtwerk. Griechisch / deutsch
Herausgegeben und übersetzt von Robert Elsie.
Mit einem Nachwort von Marguerite Yourcenar
Ammann Verlag 1997
ISBN 3-250-10305-5
Walls
With no consideration, no pity, no shame,
they have built walls around me, thick and high.
And now I sit here feeling hopeless.
I can’t think of anything else: this fate gnaws my mind –
because I had so much to do outside.
When they were building the walls, how could I not have noticed!
But I never heard the builders, not a sound.
Imperceptibly they have closed me off from the outside world.
Constantine P. Cavafy, tr. George Barbanis
Χωρίς περίσκεψιν, χωρίς λύπην, χωρίς αιδώ
μεγάλα κ‘ υψηλά τριγύρω μου έκτισαν τείχη.
Και κάθομαι και απελπίζομαι τώρα εδώ.
Αλλο δεν σκέπτομαι: τον νουν μου τρώγει αυτή η τύχη·
διότι πράγματα πολλά έξω να κάμω είχον.
Α όταν έκτιζαν τα τείχη πώς να μην προσέξω.
Αλλά δεν άκουσα ποτέ κρότον κτιστών ή ήχον.
Ανεπαισθήτως μ‘ έκλεισαν από τον κόσμον έξω.
Κωνσταντίνος Π. Καβάφης (1896)
Selected Links:
Kavafis bei Ammann
Kavafis Homepage
Ars gratia artis (Text von Kavafis 1905, english)
Auswahl Michael Gratz 2000.
Die von Wilma Heuken vertonte Lyrik der deutsch-jüdischen Dichterin Mascha Kaléko zieht sich wie ein roter Faden durch die Aufführung. Alltagspoetin, charmant und humorvoll, das schreibende Fräuleinwunder der dreißiger Jahre, deren nie als Lieder konzipierten Gedichte sich in zeitlose musikalische Gesamtkunstwerke verwandeln. Wer Ohren hat zu hören, wird feststellen, dass Three Times A Lady die Fähigkeit hat, Walzer- Swing- Tango- und Klezmer-Elemente zu einer homogenen Einheit zu verschmelzen. / Stuttgarter Wochenblatt
Absage
Rosa und Beige kommen wieder in Mode?
Wie ich Euch hasse mit Hirn und mit Hode!
1969
Aus: Adolf Endler, Der Pudding der Apokalypse. Gedichte 1963 – 1998. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1999, S. 16. Zuvor in: Adolf Endler, Akte Endler. Gedichte aus 25 Jahren. Leipzig: Reclam 1981, S. 88.
LYRIK-DEBÜT
Ann Cotten liest aus: „Fremdwörterbuchsonette“
DO, 25. Februar 2010, 19 Uhr
Als Debüt-Autorin präsentiert Ann Cotten am DO, 25. Februar, ihren Lyrikband „Fremdwörterbuchsonette“. Ute Falkenstein, Geschäftsführerin der bekannten Kultureinrichtung „Pferdestall“ in Bremerhaven, stellt die junge Autorin und ihr Werk vor.
Die Veranstaltung gehört zur Literarischen Woche 2010: „Weibliche Schreibweisen“ in Bremerhaven
Am 19.2. in Michael Brauns DLF-Lyrikkalender ein Gedicht der Übersetzerin und Dichterin Christine Thiemt (geboren 1965):
Das ist der Baum, vor dem uns unsere Mütter
Immer gewarnt haben. Der uns abends nachsteigt,
Mit grünen Lidern winkt und über Zäune klettert.
In seinen Mussestunden hört er Mozart.
Er späht durch Fenster, hinterläßt an Türen
Gelbe Graffiti. Beim Vortrag im Sophiensaal macht er sich
Ganz eigene Gedanken. Lauscht auf unser Atmen
Und wirft uns Blüten hin, Schnee, der nicht schmilzt.
(In: Jahrbuch der Lyrik 2007. Hrsg. von Christoph Buchwald und Silke Scheuermann. Frankfurt, S. Fischer 2007.)
Als seine Gedichte jedoch auf 13 Steinplatten des Museumsquartiers in dicken Lettern zu lesen waren, musste sich der 56-jährige österreichische Schriftsteller und Buchautor Helmut Seethaler erstmals vor Gericht verantworten – wo er am Donnerstag wegen Sachbeschädigung zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt worden ist.
„Schade, dass ich es nicht war“, meinte er dazu, meldete volle Berufung an und beschriftete mit einem Filzstift den Fußboden.
Unmittelbar danach bekräftigte der Wiener „Zettelpoet“, der ein Philosophiestudium abgebrochen hat, er werde seine Texte weiterhin im öffentlichen Raum anbringen – wie er es seit nunmehr 35 Jahren tut. Sogar im Internet tauchen „Literatur Viren“ in Form seiner Gedichte auf. / Wiener Zeitung 19.2.
der beschriftete sessel
ich haben ein sessel
stehn JANDL groß hinten drauf
wenn ich mal nicht wissen
sein ich´s oder sein ich´s nicht
ich mich nur hinsetzen müssen
und warten bis von hinten wer
kommen und mir´s flüstern
Das Gedicht entstand am 27.7.1977 und erschien in dem Band die bearbeitung der mütze (1978). Heute, am 9.6.2000, kam die Nachricht vom Tod des Dichters.
Poetry, like music, is about movement. Both art forms move from one note, or word, to another, trying to catch the essence of the moment. Saxophonist and composer Roy Nathanson has long worked with both words and music, sometimes uniting the two as he did on Sotto Voce (Aum Fidelity, 2006). Subway Moon, however, represents the first comprehensive overview of Nathanson’s work as a poet.
The work derives much of its fascination from the New York City subway. The poems are written on the trains, while moving from one station to another. Like music, they carry the imprint of improvisation, occasionally referencing jazz musicians, as in the opening poem, „Saxophones“: „Lying together under really old stars / we often tell things that already happened / We hope Billie and Lester / Will rent us rooms that won’t be raided / that their silver spoons will cover our eyes / park the bones of our uniforms.“ / Jakob Baekgaard, All about Jazz
Subway Moon
Roy Nathanson
Soft cover; 134 pages
ISBN 978-3-00-025376-8
Buddy’s Knife
2009
Die beiden Suhrkamp-DVDs mit üppigem Booklet, 2009 zu Enzensbergers Achtzigstem erschienen, bieten ein Dutzend Filmdokumente aus fünfzig Jahren: Zunächst ein halbes Dutzend rund zehnminütiger „TV-Dokumente“, darunter eine „Hessenschau“ des Jahres 1960, die Straßenszenen Nachkriegsfrankfurts mit Selbstbekundungen des dreißigjährigen Dichters mischt
Haupt- und Kernstück sind drei ‚abendfüllende‘ Filme, die ihr Entstehen, mehr oder minder vollständig, Hans Magnus Enzensberger verdanken. Am geringsten dürfte sein Anteil an Dagmar Knöpfels „Requiem für eine romantische Frau“ (1999) zu veranschlagen sein, einer halb fiktionalen Dramatisierung der bitteren Liaison Auguste Bußmanns mit Clemens Brentano. Hier zeichnet Enzensberger für das „Treatment“, den Kern des Drehbuchs, verantwortlich. Auch mag ihm zu danken sein, dass der sprachliche Gestus der ‚Kunstperiode‘ akkurat nachgeahmt wird, ohne dem heutigen Zuschauer peinlich künstlich zu scheinen.
Was „Durruti – Biographie einer Legende“ (1972) betrifft, hat Enzensberger „Buch, Regie und Produktion“ besorgt. Lange bevor ‚Zeitzeugen‘-Gespräche zur allerorten grassierenden Mode wurden, hat Enzensberger mit einigen der Weggefährten Buenaventura Durrutis dessen Leben und Wirken rekonstruiert. Seine Leistung ist umso höher einzuschätzen, als Dreharbeiten im Spanien des Generalissimus Franco vonnöten waren.
Im Filmessai „Ich bin keiner von uns“ (2000) führt Ralf Zöller Regie. Das Drehbuch hat der Regisseur gemeinsam mit Enzensberger, seinem Protagonisten, entworfen. Es handelt sich um ein anspruchsvolles, in Teilen stark stilisiertes und hermetisches Stück Filmkunst, das wenig Ehrgeiz zeigt, sich einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. literaturkritik.de
Radolfzell – „Poesie zur freundlichen Erinnerung heißt eine Ausstellung, die ab Dienstag, 23. Februar, in der Volksbank gezeigt wird. Die Vernissage findet um 19 Uhr statt. Im Zentrum steht das Poesiealbum. Walter Binder und Uwe Donath haben das Poesiealbum von Sophie Frick, geborene Sättele, aus der Zeit von 1860 bis 1900 als Grundlage für die Ausstellung genommen. Im Südkurier
Rolf Schwendter, dreifacher Doktor, von 1975 bis 2003 zur Emeritierung Professor für Subkultur-Forschung an der Kasseler Universität, einer, der die Hochschule wie kaum ein anderer mit der Stadt verbunden hat. In der übervollen Kasseler Werkstatt, wo er am Dienstagabend Einblicke in seine Lyrik gibt, zu klopfenden Handbewegungen auf dem Tisch seine Lieder singt, ist der Beginn eher privat bei einem Glas Tee.
1990 hat er mit „Dich singe ich Sozialismus“ eines seiner wohl melancholischsten Gedichte geschrieben, wurde gar mit Walt Whitman verglichen. HNA.de
Duisburg (RP) Mit dem Ruhrgebiet verbindet man heute mehr Schriftsteller denn je. Kaum beachtet allerdings wird die Lyrik, die im Ruhrgebiet geschrieben wurde und wird, nur wenige kennen ihre Traditionen oder jungen Stimmen. Das möchte das Literaturbüro Ruhr e.V. gerne ändern und schrieb deshalb im Sommer 2009 den Gedichtwettbewerb „Traurige Hurras und freche Verse“ aus, an dem sich jeder Teilnehmer mit maximal drei Gedichten beteiligen konnte. Das Literaturbüro wollte aber nicht allein auf das Eintreffen der Gedichte warten, vielmehr wurden Gedichtbände von den späten 50er Jahren bis heute vorgestellt.
Entstanden ist nun die Anthologie „Stimmenwechsel. Poesie längs der Ruhr“. Der Band wird am Freitag, 26. Februar, 20 Uhr, in der Kulturzentrale HundertMeister (Dellplatz 16a) von Gerd Herholz im Gespräch mit einigen der Autoren vorgestellt. Eintritt: 3,50 Euro. In Duisburg
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