85. Meine Anthologie 19: Anneliese Hager, Nebel

Nebel

Nebel ist blaue Sprache
vom Meer an einsame Ufer gespült
Schritte sind fremdes Laub –
Kette am gleitenden Fuß.

Nichts ist mehr nah –
aus fernen Gewässern
steigen Gesichte
Fetzen aus Dunst
milchige Streifen
scheuchen die Nacht und fallen
zurück in den Schlamm.

Stunden fliehen
über den eigenen Kreis.

Fremde Schiffe – tote Zeichen
im verbrannten Nebel –
Leuchtspur unter schwarzem Himmel.

1956.

Aus: Anneliese Hager: Die rote Uhr und andere Dichtungen. Hg. von Rita Bischof und Elisabeth Lenk. Zürich: Arche Verlag, 1991, S. 64.

83. Falsche Freude

Die Imitation von Harmonie, die durch die Anhäufung gleichlautender Buchstaben entsteht, ist eine schlichte und gewöhnliche Täuschung. Ich bin überzeugt davon, dass der Hang zu solchen Täuschungen der Freude geschuldet ist, die sich beim Erleben dieser Harmonie in der Dichtung einstellt. Versteht ein Mensch etwas, das er für unbegreiflich hielt, so freut er sich. Diese Freude ist nichts anderes als der Wunsch, ein für unbegreiflich gehaltenes Werk mit Erfolg zu durchdringen, sich auf eine Ebene mit dem Autor zu stellen, letztlich also sich selbst zu gefallen. / Orhan Veli Kanık: Fremdartig. Einleitung zu dem Gedichtband diesen Titels (1941), den er  gemeinsam mit Oktay Rifat und Melih Cevdet Anday verfaßte. In: Mark Kirchner (Hrsg.): Geschichte der türkischen Literatur in Dokumenten. Wiesbaden: Harrassowitz 2008, S. 145f.

82. Goethe, Klopstock und Matthisson

und viele andere, von Franz Schubert vertont, gibt es auf das-Lied.org. Gesungen von Peter Schöne (Bariton) und Boris Cepeda (Klavier). Und zwar kostenlos zum Download.  Riesenprojekte, die sich Plattenfirmen kaum noch trauen, entstehen auch mal unabhängig einfach so.

81. „Göthe, Klopfstok und Mathißon“

Ulrich Eisenlohr nimmt Schuberts sämtliche Lieder auf

Das Grundproblem jeder Gesamtedition ist die Frage, wie man die einzelnen Werke gruppiert. Hermann Prey hat die Lieder in seinem Konzertzyklus streng chronologisch aufgeführt. Der Pianist Graham Johnson entschied sich bei seiner Einspielung fürs englische Label Hyperion, die Lieder thematisch zu gruppieren. Laux und Eisenlohr gingen stattdessen von den Textdichtern aus – und folgen damit Schubert selbst. Für ihn hatte sein Freund Spaun 1816 in einem Brief an Goethe folgenden Plan formuliert: „Eine auserwählte Sammlung von deutschen Liedern (…) wird aus acht Heften bestehen. Die ersten beiden enthalten Dichtungen Euer Exzellenz, das dritte enthält Dichtungen von Schiller, das 4te und 5te von Klopfstok [sic!], das 6te von Mathißon, Hölty, Salis etcetc., und das 7te und 8te enthalten Gesänge Ossians, welche letztere sich vor allem auszeichnen. Diese Sammlung nun wünscht der Künstler Euer Exzellenz in Untertänigkeit weihen zu dürfen …“

berichtet Kultiversum und liefert gleich noch eine recht umfängliche Darstellung vom Leben des Komponisten dazu

80. Dichterfrühling

Der 12. Printemps des Poètes, „Dichterfrühling“, findet vom 8.-21. März in ganz Frankreich statt. Er steht unter dem Motto „Couleur femme“, „Weibliche Farbe“, im Zeichen der Lyrik von Frauen, die jahrhundertelang verkannt war. „Die Lyrik kann nicht ohne die Unterstützung des Staates auskommen, eines Staates, der sich für die Vielfalt der Gesellschaft einsetzt“, sagt der Minister für Kultur und Kommunikation Frédéric Mitterrand.

Der Printemps des Poètes wurde vor 12 Jahren von Jack Lang zusammen mit dem Schriftsteller Jean-Pierre Siméon begründet. Er beginnt am 8. März, Frauentag, und endet am Welttag der Poesie, am 21.3. / tv5

79. Meine Anthologie 18: e.e. cummings, seeker of truth

seeker of truth

follow no path
all paths lead where

truth is here

-e.e.cummings

wahrheitssucher

folge keinem pfad
pfade führen (nach) wo

wahrheit ist hier

Dies kleine Gedicht gehört zu den eher unübersetzbaren. Die deutsche Fassung ist nur eine Orientierungshilfe – und kann leider auf einen Kommentar in der dritten Zeile nicht verzichten. Man lese – „Die Schüler bereiten das Auftreten der Lehrer vor“ – im vorigen Gedicht (Hölderlin) das „wo“ und „wenn“ der Zeilenenden in der zweiten Strophe.

© (Für KOmmentar und Nachdichtung) Michael Gratz 2000.

78. Meine Anthologie 17: Friedrich Hölderlin, Hälfte des Lebens

Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm‘ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

StA, Band 2, Seite 117.

77. Meine Anthologie 16: Lawrence Raab: The Questions Poems Ask

The Questions Poems Ask

Watching a couple of crows
playing around in the woods, swooping
in low after each other, I wonder
if they ever slam into the trees.

There’s an answer here, unlike
most questions in poems,
which are left up in the air.
Was it a vision or a waking dream?

You decide, says the poet.
You do some of this work,
but think carefully.
Some people want to believe

poetry is anything
they happen to feel. That way
they’re never wrong. Others yearn
for the difficult:

insoluble problems, secret codes
not meant to be broken.
Nobody, they’ve discovered,
ever means what he says.

But rarely does a crow
hit a tree, though other, clumsier birds
bang into them all the time, and we say
these birds have not adapted well

to the forest environment.
Frequently stunned, they become
easy prey for the wily fox,
who’s learned how to listen

for that snapping of branches
and collapsing of wings,
who knows where to go
and what to do when he gets there.

Aus: Lawrence Raab , The Probable World. New York: Penguin Putnam Inc., 2000.(Gefunden als Poem of the day von Poetry Daily/ Poetry Archive, 25.4.2000)

Welche Fragen das Gedicht stellt

Während ich ein paar Krähen beobachte,
die im Wald herumspielen, einander
jagen, frage ich mich, ob sie dabei
jemals an die Bäume stoßen.

Darauf gibt’s eine Antwort, anders
als auf die Fragen, die sonst in Gedichten
gestellt werden – in Lüften schwebend.
War es eine Vision oder ein Wachtraum?

Entscheide du, sagt der Dichter.
Das ist dein Anteil an dieser Arbeit,
aber überlege es dir gut.
Manche Leute möchten glauben,

daß Poesie etwas ist,
das sie halt so fühlen. Auf diese Weise
liegen sie nie falsch. Andere streben
das Schwierige an:

unlösbare Probleme, Geheimsprachen,
nie zu entschlüsseln.
Niemand, haben sie herausgefunden,
meint was er sagt.

Doch selten stößt eine Krähe
an den Baum, während es anderen, schwerfälligeren Vögeln
jedesmal passiert, und wir sagen,
diese Vögel haben sich nicht gut

an das Leben im Wald angepaßt.
Benommen vom Schlag, fallen sie
dem schlauen Fuchs zur Beute,
der gelernt hat, auf das Knicken

der Zweige zu horchen,
das Knacken der Flügel,
der weiß, wohin er geht
und was er dort tun soll.

© (Für Auswahl und Nachdichtung) Michael Gratz 2000.

76. Meine Anthologie 15: Kito Lorenc: Ostereiermalen

Ostereiermalen

Zum Beispiel können wir ewig lange
dasitzen und Eier bemalen zu Ostern.
Feder, Wachs und Flamme – mythisches
Requisit, Tönung der Zwiebel, Farbe
des Grases, der Rinden verschieden
gefiltertes Schwarz, gekeltertes Grün –
wir zaubern, behende in Händen
wendend das Urei elementar, punktieren
mit Impulsen den Ei-Äquator,
ketten die Serien der Wolfszahnreihen
meridional, blendende Kompaßnadeln,
am magischen Kraftfeld gerichtet
hin zu den Blickpolen, wo die Rosetten
der Sonnen uns zweisam verstrahlen
unter den Augen, bezaubert vom Mysterium
der federführend Zeichnenden, der
Ackerbauer-Ahnen Myriaden. So
bannen wir die Wiederkehr der Zeiten,
die Symmetrie der Ereignisse,
das Gleichgewicht der Generationen,
die Proportionalität der Geschichte,
die starre Harmonie der Welt
(die Wölfe sollen nicht kommen,
die Sonnen sollen scheinen) –

und tun dann das einzig Vernünftige:
Wir haun ihn auf zu Ostern, diesen
steinzeitlichen Dämonenkult-Fetisch,
entkleiden ihn seiner schönen Schale
und verdauen den Inhalt.

Nun geschieht die erstaunliche Verwandlung –
es kommt zur Auferstehung des Eies:
Ungestümer pickt uns das Herz gegen die Rippen,
in unsern Hälsen hockt ein lockrer Hahnenschrei,
fröhlicher brechen wir aus den Eierschalen
hinter den Ohren, wir brechen aus
in das berühmte Ostergelächter:
Sehn wir nicht aus wie aus dem Ei gepellt –
wir, der einzig göttliche Hahnentritt
am Sonnendotter, raketenschnäblig schon
zerhacken wir die Schalen des Himmels,
Menschheit kriecht aus dem Ei.

(1967)

Aus: Kito Lorenc, Wortland. Gedichte aus zwanzig Jahren. Leipzig: Reclam 1984, S. 36f.

75. Institute Issues Recommendations for Improving Access to Poetry

Study to improve distribution of poetry in new media develops recommendations for poets, publishers, and literary organizations

CHICAGO — The Poetry Foundation is pleased to announce the first report of the Harriet Monroe Poetry Institute (HMPI). In 2009, the Institute convened a panel of poets, publishers, and experts from the fields of media, law, and technology to examine issues related to the access of poetry on the Internet and related new media. As a result of the study, the HMPI has released a white paper intended to help poetry come more effectively into new-media outlets so that it will be more accessible to various audiences.

The white paper’s recommendations are intended for use by poets and others in the poetry community as a tool to help them rethink their relationship to copyright and fair use and thus to develop permissions practices that allow the greatest possible access to poems while still protecting the rights of creators. The report also includes recommendations intended to help the poetry community use new media for poetry education. The full report is available for free download at www.poetryfoundation.org/institute.

In order to maintain the value of accessibility as a top priority, the report provides a list of questions that poets and rights-holders can ask themselves when making licensing and permissions decisions. Also included in the report are specific recommendations for poets who may need advice in handling their wills and estates and a list of action items for poets and other members of the poetry community who are interested in lobbying for greater commitment and access to poetry from political and educational establishments. Finally, the report recommends that leading poets and poetry organizations work together to create a central online portal or aggregating website through which educators and others interested in learning more about poetry can find the best existing poetry websites. This last recommendation reflects a chief concern of the HMPI’s inaugural report, the need for poets and poetry organizations to work together to achieve common goals.

“The report is also meant to inspire substantive community action,” noted Katharine Coles, HMPI director. “For example, the Center for Social Media, in a spin-off project, is working with the poetry community to create a Best Practices for Fair Use in Poetry document, while the University of California at Berkeley College of Law is working with the HMPI to develop a clinic related to fair use of poetry in education, with a focus on electronic media.”

A policy forum dedicated exclusively to issues of intellectual and practical importance to poetry, the Institute, named for Poetry magazine founder Harriet Monroe, has as its purpose to convene interested parties to identify issues and champion common solutions for the benefit of poets and the art form of poetry.

Advisors on the Institute’s new-media project included poets Michael Collier, Wyn Cooper, Rita Dove, Cornelius Eady, Kimiko Hahn, Lewis Hyde, Robert Pinsky, Claudia Rankine, and Alberto Ríos; publishers Kate Gale, Fiona McCrae, and Don Selby; nonprofit administrator David Fenza; computer scientist Rick Stevens; and law professors Jennifer Urban and Monica Youn.

In addition, the HMPI has announced its second project, POETRY ALIVE: Bringing Poetry into Communities, to be published in 2011, which will comprise essays by 10 poets with national and international reputations discussing important programs and vehicles for bringing poetry into specific communities.

In addition to the essays and building from them, the book will include an appendix, which will draw from the strategies discussed in the essays and will serve as a kind of flexible toolkit for people and organizations interested in bringing poetry to their own communities. Poets to be included in the project include Robert Hass, Elizabeth Alexander, Patricia Smith, Luis Rodriguez, Bas Kwakman, Lee Briccetti, Alison Hawthorne Deming, Dana Gioia, Anna Deavere Smith, and Thomas Lux.

For more information on the Harriet Monroe Poetry Institute, please visit www.poetryfoundation.org/institute.

74. Megafusion oder …

… ist’s auch (noch) keine Lyrik sondern zunächst nur eine immerhin recht professionelle Homepage und eine Sammlung ambitionierter Domainnamen wie Lyrikonline.eu und Lyrikzeitschrift.de sei hier mal darauf hingewiesen: Ein Verein soll gegründet werden, der Lyriker zusammenführt, dazu eine Zeitschrift namens Kaskaden. Es geht natürlich nicht um irgendwelche Lyrik, sondern um „anspruchsvolle“. Viel mehr bekommt man dort allerdings nicht heraus. Eine Art lyrische Exzellenzinitiative vielleicht?

Die Köpfe des Unternehmens heißen Gerald Meyer und Sven Klöpping

Gerald Meyer übt verschiedene Berufe aus: Drucker Mediengestalter, Krankenpfleger Computercoach und nicht zuletzt den des Herausgebers. So hat er Zeitungsromane Jules Vernes erstmals in Buchform vorgelegt, sowie ein vergessenes Werk von Arthur Conan Doyle oder eine Anthologie in der sich unter anderem Robernt Gernhard, Zwerenz und Reich Ranicki über den Tod äußern. Auch seine eigenen Texte gelten als undergroundig düster z.B. sein zweisprachig deutsch-polnischer erschienener Band „Abendmahl reloaded“. Eine weitere Leidenschaft gilt veralteten Computerspielen. Hier hat er ein Standardwerk für Retrofreaks herausgegeben. So muss man dann wohl auch den schillernden Text auf der Startseite seiner Homepage verstehen:

– Geri und Freki sind bereits durch eine Einsendung besetzt. Die Verwendung der beiden Wölfe ist also in der ersten Staffel nicht mehr möglich!

– Die Todesgöttin Hel hat sich in der ersten Staffel gegen ihren Vater gewandt!

– Hrymer, der Riese, stirbt in der ersten Staffel! Bitte diese Figur nicht mehr bzw. nur nach Absprache – verwenden!

Auch Sven Klöpping hat sich im SF Underground unter anderem beim Projekt Megafusion einen gewissen Namen gemacht und schreibt über sich: „Sven Klöpping wuchs in NRW heran, arbeitete als Werbetexter in verschiedenen Agenturen in Rheinland-Pfalz, Hessen und BaWü. Seine Jugend verlief alles andere als glanzvoll, er endete schon mit zehn bei den Zeugen Jehovas, mit 13 bei den Punks und mit 16 in der Höheren Handelsschule.“ beginnt seine Biografie und endet „Er lebt jetzt im Schwarzwald und plant, einem Wanderverein beizutreten. Ach ja, FDP-Mitglied ist er auch noch.“ Zwischendurch heißt es: „Etwas interessanter wurde sein Leben, als er aufhörte, schlechte Gedichtversuche zu kleckern und statt dessen mit interessanten surrealen Texten zu klötzeln“

Da mögen die Essentialisten mit den Konstruktivisten streiten: Wird man bei so einem Leben Surrealist oder spitzt ein surrealistischer Autor hier seine Vita zu?

Auch eine englische Version davon gibt es. Sie beginnt: „Sven Kloepping is a German sci-fi and poetry writer who translates his German sci-fi works for the English speaking readership by himself“

Auf seiner Startseite findet sich ein /eigenes Gedicht/

Wir wünschen viel Erfolg. Man wächst mit der Aufgabe!

73. Valentinstag

Anja Es hat wieder was ausgebrütet, diesmal zum Valentinstag: Ein kleines Programm mit Gedichten und Texten zur Liebe nämlich. Zwischen den Seufzern kann man sich ein Marzipan-Herz in den Mund stecken oder verbissen ein rabenschwarzes Herzchenlakritz zermalmen – Ganz wie beliebt. In Travemünde

72. Meine Anthologie 14: Hertha Kräftner, Dorfabend

Dorfabend

Beim weißen Oleander
begruben sie das Kind
und horchten miteinander,
ob nicht der falsche Wind
den Nachbarn schon erzähle,
daß es ein wenig schrie,
eh seine ungetaufte Seele,
im Halstuch der Marie
erwürgt, zum Himmel floh.
Es roch nach Oleander,
nach Erde und nach Stroh;
sie horchten miteinander,
ob nicht der Wind verriete,
daß sie dem toten Knaben
noch eine weiße Margerite
ans blaue Hälschen gaben …
Sie hörten aber nur
das Rad des Dorfgendarmen,
der pfeifend heimwärts fuhr.
Dann seufzte im Vorübergehn
am Zaun die alte Magdalen:
«Gott hab mit uns Erbarmen.»

Hertha Kräftner: Das Werk. Gedichte, Skizzen, Tagebücher. Eisenstadt: Edition Roetzer, 1977, S. 53 (Burgenländische Bibliothek)

71. Gedichte

Der Verlag Reinecke&Voß gibt auf seiner Seite auch Textproben seiner Autoren. Hier ein Gedicht des Düsseldorfer Lyrikers Torsten Suhling

ein Vorortbahnhof

wir sind elf auf dem bahnsteig elf ausflügler die den letzten zug nehmen

draußen auf der brücke wartet ein mensch es ist dämmerung
anfang september

ich gehe hinaus führe meine füße zwischen gras
rot sticht durch die luft es sind zwei
ein großes und ein kleines

der anhalter auf der brücke ist verschwunden

ich bin zurückgekehrt
licht ist unter dem dach des bahnsteigs es wird größer
immer größer jetzt ist es schwarz draußen

wir sind zwölf der zug ist gekommen der zug fährt ein
jeder kennt seinen heimweg

Weitere Texte hier

Außerdem finden sich dort Gedichte von Winfried Völlger, den die Zeit vom 26.2. 2008 schon vergessen hatte. (Wir nicht)

70. Schreiben ist kein sauberes Handwerk

Davon erzählen die „Autoren“-Filme „Howl“ und „Ghostwriter“ im Berlinale-Wettbewerb

Die Überraschung beim zweiten Wettbewerbsfilm „Howl“ ist seine Vielschichtigkeit. Wie visualisiert man ein Gedicht – noch dazu Allen Ginsbergs „Howl“, das manche als Urquell der Popkultur ansehen? Es gibt Ralf Schmerbergs grandios uneinheitlichen Film „Poem“, wo er zwei Dutzend Gedichte auf völlig unterschiedliche Weise in Szene setzte, und es gibt nun Rob Epsteins und Jeffrey Friedmans „Howl“, der alles auf einmal sein will.

So rezitiert der Schauspieler James Franco als Ginsberg in der Art eines Slam-Poeten sein Gedicht in einer rauchigen Kneipe. Parallel zum Kunstwerk sehen wir Franco/Ginsberg in einem Interview über seine Auffassung der Dichtkunst reden. Parallel dazu sehen wir die teilweise sehr amüsanten Auseinandersetzungen zwischen Ankläger und Verteidiger beim „Howl“-Prozess. Und der vierte Parallelstrang sind animierte Visualisierungen der Gedichtsinhalte

schreibt  Hanns Georg Rodek in /die Welt/

Ein weiterer Artikel zu Howl /hier/