Arktischer Traum

Phänomene wie Fremde, Dunkelheit, Frost, Warten auf neues Leben sind stets noch in ihrer Lyrik gegenwärtig, in wortstarker Wortlosigkeit wird ein ergreifendes Sehnen nach unerfüllbarer Harmonie spürbar. Dorothea Grünzweig beschwört den arktischen Traum als Symbol des Einsseins mit sich und der Vergangenheit, mit der Zukunft, mit der Umgebung, den Menschen.
Die Suche nach der totalen Harmonie durchscheint Dorothea Grünzweigs neue Lyrik. In diesem Punkt ist sie eine Romantikerin durch und durch. Je gelöster diese Suche sie macht, desto leichter scheinen ihre Worte komponiert, desto deutlicher nähern sie sich dem Klang eines für sie typischen Wortgesanges. / Landeszeitung für die Lüneburger Heide 7.1.02

Höre, Israel

„Als wir verfolgt wurden / war ich einer von euch / Wie kann ich das bleiben / wenn ihr Verfolger werdet?“ So begann Erich Fried 1967 „Höre, Israel“, ein Gedicht, das um die Ereignisse des Sechstagekrieges kreiste und heftige Kontroversen auslöste: Ein Jude ging hart ins Gericht mit der Politik des jüdischen Staates. Es ist vor allem die politische Seite des Dichters, die den Darmstädter Schauspieler Rolf Idler immer wieder fasziniert hat, und mit Frieds Lyrik hat er die kritische Haltung gegenüber Israel entdeckt – eine Kritik, wie sie während Idlers Jugend in Deutschland nicht geäußert wurde, ein „Schuldreflex“, wie der Schauspieler heute denkt. / Darmstädter Echo 7.1.02

Poema del dia

Poema del dia: 24.000 Leser
„Ya somos 24,000 los lectores del poema del día“, steht in dem täglichen kostenlosen Newsletter in spanischer Sprache, zu finden auf http://www.poesie.com

Edward Lear’s Complete Verse

Intolerant, censorious, punitive, violent in spirit and deed, „they” are the majority, the great army of law-abiders and well-behavers, against whom the „Old Men” and other eccentrics of these rapid narratives are forever pitted. The fate of the Old Man of Whitehaven, who „danced a quadrille with a Raven”, is typical:

But they said – „It’s absurd, to encourage the bird!”
So they smashed that Old Man of Whitehaven.

„They” appear so frequently and anonymously, that we forget to ask who „they” are, accepting them as one of the givens of life, as inescapable as the weather. Today, when the limerick is expected to build to a blatant pay-off in its final line and has become, in effect, the poetic form that „they” love best, the taste for Lear’s treatment of it may have been all but lost. / Christopher Reid Times Literary Supplement 12/20/01

Edward Lear
THE COMPLETE VERSE AND OTHER NONSENSE
Edited by Vivien Noakes
566p. Allen Lane The Penguin Press. £20 .

A poem a day…

WASHINGTON — Billy Collins , the nation’s new poet laureate, came up with a plan Friday for getting young people interested in poetry: Have someone read out a poem a day in high schools.
His „Poetry 180“ will come up with 180 poems, one for each day of a school year. The first 64 are published on Collins‘ new Web site, with the rest promised as he obtains the permission of poets and publishers.
Most will be works by American poets, poems that, like Collins‘, are easy to understand on first reading. But a little note of explanation will be added to some with a recommendation that it be read before the poem itself. / Deseret News 6.1.02

Lyrik auf der Raketenstation

Grund für den Besuch ist … das jüngst eingerichtete „Fellowship Literatur“. Jedes Jahr sollen zwei viel versprechende Autoren, ausgesucht von Thomas Kling , Dichter und eine Art Hausherr der Raketenstation, für jeweils drei Monate eingeladen werden, hier zu leben und zu arbeiten. Als Fellows des jetzt sich warm laufenden Jahres 2002 sind Marcel Beyer und Oswald Egger im Gespräch. Den Anfang aber hat nun eine junge Lyrikerin aus Regensburg gemacht: Anja Utler . / Kölner Stadtanzeiger 5.1.02

Anja Utler: „aufsagen“,Gedichte, Bunte-Raben-Verlag 1999, circa 6 Euro.

Das Teufelszeug die Wörter

Haufs, der mit Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass und Peter Rühmkorf , aber auch mit Jürgen Becker oder dem früh verstorbenen Nicolas Born wichtige Generationserfahrungen teilt, war immer ein leiser, daher oft übersehener Einzelgänger des Literaturbetriebs. Diese Auswahl belegt nun nicht allein, was für ein hellhöriger und umsichtiger Spracharbeiter er ist, sondern ebenso, über welche Bandbreite von Formen er verfügt: von der Popballade bis zur Naturlyrik. …
Die Zeitfühligkeit schärft die Wahrnehmung, wie die Wetterfühligkeit. Doch woran mag es liegen, dass schließlich Sprachmüdigkeit eintritt? An den Mühen des Lakonischen, des andauernden Understatements, des leise-präzisen Redens? „Das Teufelszeug die Wörter reicht nicht aus“, schreit der Dichter am Ende enttäuscht und zornig auf, obwohl er es doch weit damit gebracht hat. /KURT OESTERLE, Süddeutsche 5.1.02 / s.a. Jochen Zwick, NZZ 15.1.

ROLF HAUFS: Aufgehobene Briefe. Ausgewählte und neue Gedichte. Zusammengestellt und mit einem Nachwort von Christoph Buchwald. Carl Hanser Verlag, München und Wien 2001. 150 Seiten, 14,90 Euro .

Das niedre Pack, das miese Gesocks…

…schreit ja nur so laut, weil es nichts anderes kann als schreien“, schreibt Hermann Lenz am 25. März 1959 an Paul Celan . „Stampfen wir sie alle in den Abfalleimer, lassen wir sie von der Müllabfuhr wegtransportieren oder blasen sie wie eine Hand voll Asche in den Wind.“

Mit diesem Zitat beginnt Michael Rutschky seine Besprechung von Paul Celans Briefwechsel mit Hanne und Hermann Lenz. / FR 5.1.02

Jacobs´ Gedichte

In der Reihe “ Jacobs´ Gedichte“ geht es um ein Gedicht der jungen Autorin Babette Dieterich , das dort erstmals veröffentlicht wird. Und es geht um das Thema Metaphern: Wie aber spricht man in bildhaften Gleichsetzungen, ohne das Schiff der Dichtung in die seichten Gewässer des „Wie“ und „Als ob“ zu lenken? / Die Welt 5.1.02

Frankfurter Anthologie

Ach ja; die „Frankfurter Anthologie“ der FAZ hat die „Bilder und Zeiten“ überlebt. Am 5.1. im ganz normalen hellgrauen Feuilleton stellt Doris Runge ein Gedicht von Bertolt Brecht. / FAZ 5.1.02

Stunde Null in Kabul

Der Schriftsteller Achmad Ziat Rafat kommt aus Herat, vor drei Tagen traf er in Kabul ein. Hierhin will er seinen Schriftstellerverband verlegen, eine Art Gruppe 47 in Afghanistans Stunde Null. Nie wieder solle das geistige Leben des Landes Opfer totalitärer Herrscher werden, sagt Rafat. „Zeitungen, Verlage, Fernsehsender, Kinos, Theater, Museen und Musiker müssen frei sein.“ … Zwei Bücher hat er geschrieben, Gedichtbände mit einer – hierzulande beachteten – Auflage von je 2000 Exemplaren. Das erste erschien vor 14 Jahren, als der von den Sowjets alleingelassene Machthaber Nadjibulla sich durch relative Toleranz bei den Intellektuellen beliebt machen wollte. Sein zweites Buch ließ Rafat im iranischen Exil verlegen, wo er die vergangenen Jahre verbrachte. / FAZ 5.1.02

Lowell

Alex Beam, the author of Gracefully Insane, probes the rich past of a mental hospital renowned for ministering to prominent, creative, and aristocratic patients

Do you think that Lowell himself—a major poet who was genuinely sick—is part of the reason that the persona of the institutionalized poet took on a certain glamour?

Yes. Plath and Sexton were (to use a pretentious Harold-Bloomian-type word), self-consciously Lowell’s ephebes. He was a mentor to them and to a whole generation of poets. He was really one of the first self-identified public creative geniuses who wrestled with mental illness—mania in his case. / Atlantic Unbound | January 4, 2002

Der Lyriker Charis Vlavianos

Die Gedichte von Charis Vlavianos , einem 44 Jahre alten, in Athen Geschichte und Ideengeschichte lehrenden Griechen, sind offene Gebilde. Die Trennung von Poesie, Philosophie und Alltagsleben kennen sie nicht. Nach „griechischen“ Themen sucht man in ihnen vergeblich. Das hängt zum einen gewiss damit zusammen, dass Vlavianos ein Kosmopolit ist – in Rom geboren und aufgewachsen, hat er in Bristol und Oxford studiert. Zu dem hat er deutliche angelsächsische, im engeren Sinn amerikanische Vorlieben – Walt Whitman, Ezra Pound, Wallace Stevens und John Ashbery , die er allesamt ins Griechische übersetzt hat. / Süddeutsche 4.1.02

Rat des toten Dichters

Ernst Schumacher beschäftigt sich in der Berliner Zeitung (u.a.) mit Edmund Stoibers 1998er Brechtrede in Augsburg und schließt:

    An dieser Stelle höre ich wieder einmal Brecht , wie er mit seiner meckrigen Stimme auf „datschiburgerisch“ aus seinem Stahlsarg auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof uns Nachgeborenen und noch Lebenden zuruft: „Ja, ihr miaßet tatsächli mea vo vorne anfange, aber des soll eich it entmutige!“ („Ja, ihr müsst tatsächlich wieder von vorne anfangen, aber das soll euch nicht entmutigen!“) / BZ 4.1.02

Club der lebendigen Dichter

Willkommen zum großen Gedichtwettbewerb 2002. Wir freuen uns, wenn Sie sich mit Ihrem Gedichte-Beitrag beteiligen. Wie in den Vorjahren winken tolle Preise und eine kostenlose schriftliche Bewertung Ihres Beitrages durch unsere Jury!
Willkommen im Club der lebendigen Dichter!

Wer darf mitmachen?

Jeder, der ein selbst verfaßtes Gedicht in deutscher Sprache einsendet, nimmt am Gedichtwettbewerb 2002 der teil. Der Wettbewerb ist also wieder für jedermann offen, die Teilnahme ist kostenlos. Aufgefordert mitzumachen sind insbesondere auch solche Autoren, die bisher noch nie veröffentlicht wurden.

Thema, Form und Stil des Gedichtes

Thema, Form und Stil des Gedichtes können vom Teilnehmer frei bestimmt werden.

Die Preise

Wie in den Vorjahren werden erneut 6.000 EURO als Geld- und Sachpreise zur Verfügung gestellt. Der erste Preis ist mit 500 EURO dotiert, der zweite Preis mit 300 EURO, der dritte Preis mit 200 EURO. Weitere 200 Preisträger erhalten attraktive Sachpreise.

Einsendeschluss ist der 30. April 2002