85. Jendryschiks Publizistik

Eröffnet wird der Sammelband von einer 1999 verfassten Entgegnung auf zwei den Osten – selbstverständlich ahnungslos – abqualifizierende „Spiegel“-Aufsätze. Man versteht heute nicht mehr so ganz, warum ausgerechnet die Auslassungen einer alten publizistischen Krawallschachtel wie Matthias Mattussek so viel Energieabfuhr wert sein sollten. Aber Jendryschik gelingen aus diesem Anlass auch einige gut fundierte Beobachtungen, die unter anderem die DDR weniger als Mitläufergesellschaft denn als eine „Verweigerungssozietät“ begreifen und ein ausgeprägtes „Hierarchie- und Anpassungsbewusstsein“ im Westen ausmachen, was ja tatsächlich so ist.

Man liest das jedenfalls lieber als ein Statement vom Dezember 1989, in dem Jendryschik öffentlich über die DDR-Bürger nachdenkt: „Und was haben wir den Menschen anzubieten, die nicht strategisch-verantwortlich zu denken gelernt haben, nicht allgemein-solidarisch…“ Hier wird, DDR-typisch, über Erwachsene wie über Kinder gesprochen, die nur auf den Erziehungsberechtigten aus dem DDR-Schriftstellerverband warten. Das winkt man durch. Genauso wie Jendryschiks Pöbelei gegen den Kollegen Adolf Endler („diesen Armleuchter“), weil dieser ein auf ihn von Jendryschik verfasstes, in vieler Hinsicht glückloses Gedicht („Gelegentlich A. E., Polemiker“) zu Recht gar nicht glücklich fand. / Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung

 

Manfred Jendryschik

Gelegentlich A. E., Polemiker

Wenn, sage ich, der Kommunismus kommt
ach eines schönen Tags, um diese Ecke
er auf uns zu, sitzt Eddi kopflos da
mit seinen Worten, wen soll er jetzt verdreschen
die Beamten sind doch alle abgehaun, der Erste
Arbeitslose, faul saufend. Das lügst du!

schreit er aus der Zukunft her, fuchtelnd
die Arme, noch mmer, denk ich
dieser alte Ton, unwandelbar der Mann

In: Manfred Jendryschik, Die Ebene. Halle-Leipzig: Mitteldeutscher Verlag 1980, S.72

84. Very Bad Poetry

August 18: National Bad Poetry Day

mehr hier

83. Goddesaung

Bei Facebook entdeckt:

fitzgerald kusz
brecht-haiku

affm brecht seim groob
am dorotheenstädter friedhof
bläihä di goddesaung

Brecht starb am 14.8. vor 55 Jahren.

(Interessant, daß ich als Nordeutscher das zu verstehen glaube, während Robert Schindel sagt: „Letzte Zeile für Wiener wie mich unverständlich. Erbitte Übersetzung!“ Ergo: Weißwurst ist auch nicht der einzige Äquator. Oder gilt der eh nur für Deutschland?)

82. Palais.Poesie (im Park hinter Japan)

Schaut man sich die gegenwärtige Lyrikszene an, gibt es durchaus Grund zu frohlocken. In der Wirtschaft würde man sagen: Die Branche boomt. Ein Massenphänomen ist sie allerdings trotzdem nach wie vor nicht: Wenn von einem Lyrikbändchen mehr als 300 Exemplare verkauft werden, ist das sozusagen ein Mega-Bestseller.

Nun gehören Rezitationen von Gedichten zumindest in unserem Kulturkreis normalerweise nicht zur Eventkultur, die größere Räume finden könnte – Ausnahme von der Regel: ein Poetry-Slam, der alles andere als unter einem blau blühenden Romantikverdacht steht und bei dem eher laut gerappt als leise und bedeutungsschwanger geraunt wird. Die Schwierigkeiten mit der Lektüre von Lyrik beginnen – ausgerechnet – nicht selten in der Schule, wo Pennälern Lyrik als kultureller Lebertran erscheint, der nicht schmeckt, den man aber wohl oder übel schlucken muss.

„Palais.Poesie“ nennt sich das poetische Sommervergnügen, bei dem ein halbes Dutzend Dichter dem wandelnden, sitzenden oder liegenden Zuhörer im Park des Japanischen Palais’ ihre neuesten Gedichte vortragen.  / Christian Ruf, Sächsische Zeitung

Am Donnerstag lesen Patrick Beck, Kerstin Polzin und Dieter Krause, am Mittwoch Anne Seidel, Undine Materni und Volker Sielaff.

Palais.Poesie, 18, bis 24. August, jeweils 20 Uhr, Park hinter Japan. Palais

81. Die Jury des 19. open mike ist benannt

Die Autoren Kathrin Schmidt, Tilman Rammstedt und Felicitas Hoppe sind die Juroren des Literaturwettbewerbs open mike 2011. Sie küren beim öffentlichen Finale im November in Berlin die drei besten deutschsprachigen Nachwuchsautoren. Es werden drei Preise vergeben, einer davon für Lyrik. Die Preise sind mit insgesamt 7.500 EUR dotiert.

In diesem Jahr nutzten mehr als 700 junge Autoren ihre Chance zum Start in den Literaturbetrieb und sandten ihre Texte zum 19. open mike ein, 120 von ihnen bewarben sich mit Lyrik.
Sechs Lektoren aus renommierten deutschsprachigen Verlagen wählen nun aus den anonymisierten Einsendungen bis zu 22 Nachwuchsautoren aus, die am 5. und 6. November beim Finale in Berlin an den Start gehen und ihre Texte dem Publikum und der Jury präsentieren. Die Wettbewerbstexte erscheinen im November als Anthologie im Allitera Verlag.

Traditionell lesen am Vorabend des Wettbewerbs mit Rabea Edel und den Debütanten Sebastian Polmans und Konstantin Ames Preisträger der letzten Jahre aus ihren Werken.

Der open mike ist der wichtigste deutschsprachige Nachwuchs-Literaturwettbewerb, die Lesungen haben Kultstatus. Verleger, Lektoren und Agenten finden während des open mike „ihren“ literarischen Nachwuchs. Zahlreiche bekannte Schriftsteller wie Karen Duve, Kathrin Röggla, Terézia Mora, Zsuzsa Bánk, Jochen Schmidt, Tilman Rammstedt, Markus Orths, Ariane Grundies, Rabea Edel, Jörg Albrecht und Judith Zander begannen ihre Laufbahn beim open mike.

Weitere Informationen unter www.literaturwerkstatt.org und www.crespo-foundation.de

Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.

Fr 4.11.2011, 20 Uhr
Leben und Schreiben nach dem open mike
Es lesen: Rabea Edel, Sebastian Polmans und Konstantin Ames
Ort: WABE
Danziger Str. 101
10405 Berlin

Sa 5.11. – So 6.11.2011
19. open mike
Internationaler Wettbewerb junger
deutschsprachiger Literatur
Ort: WABE
Danziger Str. 101
10405 Berlin

80. Daligramm

Wer im tiefsten Inneren spürt, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben, sucht irgendwann einen Weg, dieses Gefühl nach außen zu tragen. Manche schreiben dann Briefe, Gedichte oder komponieren Lieder. Der spanische Künstler Salvador Dalí fand einen anderen Weg. Eines Tages entwarf er für Gala, jene Frau, die ihn als Muse und Geliebte so inspirierte wie niemand anderes auf der Welt, ein Liebes-Alphabet, das „Daligramm“.  / gala.de

79. Österreichische Szene

Wie schon am Samstag berichtet, hat ein Brucker Funktionär der Sozialistischen Jugend (SJ) auf Facebook eine Art Gedicht gepostet, in dem er eine überaus rabiate Art des Klassenkampfes propagiert und – unter anderem – die Reichen schlachten möchte. … Der Freiheitliche Jungpolitiker legt sehr strenge Maßstäbe beim politischen Gegner an, er sieht in dieser Causa sogar den Verfassungsschutz gefordert. / Kleine Zeitung

Dieser habe auf einer Facebook-Seite einen Reim mit „Reiche abschlachten“ und ihre „Gründe an Obdachlose verpachten“ gepostet. / Der Standard

Hier findet man mit ein wenig Suche den Text und Volkes Stimme

 

78. Refus global

Der Dichter und Journalist Paul-Marie Lapointe starb am Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren. Er veröffentlichte etwa 10 Gedichtbände, einige davon wurden zu Klassikern der Literatur von Québéc. Sein Werk ist vom europäischen Surrealismus beeinflußt. Er wurde u.a. mit dem Preis des Generalgouverneurs von Kanada (1972) und dem Léopold-Sédar-Senghor-Preis (1998) ausgezeichnet. Mit 19 veröffentlicht er den Gedichtband Le Vierge incendié (vielleicht etwa: Das reine Abgebrannte / Das abgebrannte Reine; La vierge ist die Jungfrau). [der einzige, französische Wikipediaartikel sagt, das Buch wurde anfangs kaum gelesen, wurde aber nach 1970 eine der wichtigsten Quellen der neuen Poesie.] Im gleichen Jahr (1948) erschien das Manifest „Refus global“ (Globale Verweigerung) [von Paul-Émile Borduas und der Gruppe der Automatisten, darin wurden die zentralen Werte in Frage gestellt und die Unbeweglichkeit der damaligen Gesellschaft Québécs kritisiert]. / Philippe Teisceira-Lessard, La Presse Canadienne, Montréal

Das Werkverzeichnis von Wikipedia (ein paar Übersetzungen ins Englische, Deutsch ist nicht dabei):

  • Paul-Marie Lapointe (ill. en couverture : reproduction lithographique d’un dessin de Pierre Gauvreau), Le Vierge incendiéSaint-Hilaire, Mithra-Mythe,coll. « Poèmes », 1948, 106 f. ; 20 cm.

    (en) Paul-Marie Lapointe (trad. Jean Beaupré et Gael Turnbull — Édition bilingue), Six PoemsToronto, Contact Press, coll. « A Mimeograph », 1955.

  • Paul-Marie Lapointe, Choix de poèmes : Arbres, Montréal, Éditions de l’Hexagonecoll. « Les Matinaux » (no 12), 1960, [35] p. ; 20 cm.
    • Paul-Marie Lapointe (ill. cinq sérigraphie de Roland Giguère), Arbres, Montréal, Éditions Erta, 1978, [23]p., [5]f. de planches : ill. en coul. ; 40 x 29 cm.
      Édition de luxe, tirage limité à 77 exemplaires signés par l’auteur et l’illustrateur.
  • Paul-Marie Lapointe, Pour les âmes : Poèmes, Montréal, Éditions de l’Hexagone, 1966, 19 cm, 71 p.
  • Paul-Marie Lapointe, Le Réel absolu : poèmes 1948-1965, Montréal, Éditions de l’Hexagone, 1971, 19 cm, 270 p.
    Paul-Marie Lapointe reçoit le prix du Gouverneur général (1972), pour ce recueil.
  • Paul-Marie Lapointe, Tableaux de l’amoureuse, suivi de Une, unique; Art égyptien; Voyage & Autres poèmes, Montréal, Éditions de l’Hexagone, 1974, 19 cm, 101 p.
  • Paul-Marie Lapointe (ill. lithographies de Gisèle Verreault), Bouche rougeOutremont, L’Obsidienne, 1976, [18]f., [14]f. de planches : ill. ; 16 cm.
    Édition de luxe, tirage limité à 100 exemplaires signés par l’auteur et l’artiste.
  • (en) Paul-Marie Lapointe (trad. D. G. Jones, préf. D. G. Jones), Terror of the Snows: Selected PoemsPittsburgh (PennsylvanieÉtats-Unis), Pittsburgh, University of Pittsburgh Press, coll. « Pitt Poetry Series », 1976.
  • Paul-Marie Lapointe (ill. Betty Goodwin), Tombeau de René CrevelOutremont, L’Obsidienne, 1979, [1] f. de pl. : ill. ; 28 cm, 93 p. (ISBN 2920118013).
    Édition de luxe, en cahiers dans un emboîtage; tirage limité à 300 exemplaires : 27 exemplaires illustrés de 7 gravures originales de Betty Goodwin, numérotés à la main et signés par l’auteur et l’artiste, et 273 exemplaires comportant le texte de l’ouvrage et un dessin de l’artiste et signés par l’auteur.
  • Paul-Marie Lapointe, Écrituresvol. 1 et 2, Outremont, L’Obsidienne, 1980 (ISBN 2920118005).
    Tirage de 1000 exemplaires, en 2 volumes, dans un coffret illustré par Gisèle Verrault. L’édition de luxe comprend 9 encres en couleurs ([4] f. de planches dépl. dans le t. 1, et [5] dans le t. 2) de Gisèle Verreault et les pages de garde de ces exemplaires – reliées toile par Vianney Bélanger – sont ornées de 4 encres de l’artiste. Une autre éd.ition de luxe comprend seulement la reliure toile et les encres aux pages de garde — Édition de luxe limitée à 50 exemplaires et édition de luxe illustrée de 9 encres en supplément, limitée à 40 exemplaires, tous signés par l’auteur et l’artiste. Édition courante : 900 exemplaires.
  • (en) Paul-Marie Lapointe (trad. D. G. Jones), The 5th SeasonToronto, Exile Editions, 1985, xiv, 97 p. ; 23 cm. (ISBN 0920428878).
  • Paul-Marie Lapointe (préf. Robert Melançon), Pour les âmes, précédé de Choix de poèmes : Arbres, Montréal, Éditions de l’Hexagonecoll. « Typo » (no 77), 1993, 18 cm., 118 p. (ISBN 2892950899).
  • Paul-Marie Lapointe, Le Sacre : Libro libre para tabarnacos libres. Jeux et autres écritures, Montréal, Éditions de l’Hexagonecoll. « Poésie », 1998(ISBN 2890065855).
  • Paul-Marie Lapointe, Espèces fragiles, Montréal, Éditions de l’Hexagonecoll. « Poésie », 2002 (ISBN 2890066827).
  • Paul-Marie Lapointe, L’espace de vivre : poèmes, 1968-2002, Montréal, Éditions de l’Hexagonecoll. « Rétrospectives », 2004, 19 cm, 634 p. (ISBN 2890067246).

77. Uninspiriert

Der 62jährige Dichter Bei Dao trat überraschend beim Qinghai Lake Poetry Festival auf, das am 9.8. eröffnet wurde. Mehr als 20 Jahre war er nicht in China, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt beim Begräbnis seines Vaters 2001.

Der Pionier eines neuen Genres der chinesischen Lyrik am Anfang der 80er Jahre wurde bei dem Besuch von Fans umlagert.

In einem Exclusivinterview für die Nachrichtenagentur Hsinhua sagte er, verglichen mit den 70er und 80er Jahren sei die heutige chinesische Literatur uninspiriert. „Das ist nicht nur in China so, sondern überall in der Welt, aus vielerlei Gründen wie konsumorientierter Materialismus, Suche nach Unterhaltung und Informationsschwemme in neuen Medien. All dies hinterläßt Blasen in Sprache und Literatur“, sagte er. Er verwies darauf, daß es früher klare Grenzen zwischen „gewöhnlicher“ und „ernsthafter“ Kultur gab, während heute die gewöhnliche Kultur die ernsthafte wie ein schwarzes Loch aufsauge. Viele Autoren sähen sich leider gezwungen, ihre Schreibstandards herunterzuschrauben, um sich der herrschenden Kultur der Gewöhnlichkeit anzupassen.

In der chinesischen Lyrik gebe es auch andere Gründe, so das Fehlen eines konstruktiven Systems. „Die Lyrik braucht gute Ratgeber, und ein guter Kritiker ist ein guter Ratgeber, der eine Gruppe gutausgebildeter Leser anleiten oder formen kann, indem er die Dichter entschlüsselt und analysiert.“ / China Daily 13.8.

76. Traurige Nachricht

Das französische Chanson, die schöne Unbekannte, der man noch ungescheut das Wort Poesie anhängen kann, hat seine Flügel verloren: die Allain Leprests. Die traurige Nachricht wurde zuerst von dem Musikjournalisten Gilles Médioni per Twitter verbreitet und später von einem Regionalsender bestätigt: der Sänger und Textautor Allain Leprest nahm sich in der Nacht von 14. zum 15.8. in Antraigues-sur-Volane (Ardèche), der Heimat seines großen Freundes Jean Ferrat, das Leben. Ferrat war am 13.3. 2010 gestorben. / purepeople.com (frz)

75. Poetry Foundation Announces Library Open House

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, will host an open house to celebrate the expanded hours and programs of its library. Festivities include readings by local poets of favorite poems from the library collection, poetry fortune-telling, poetry recording sessions, and a scavenger hunt. Wine and light refreshments will be served.

The Poetry Foundation Library houses the organization’s 30,000-volume collection—including books dating back to 1916—which had previously been in storage at Chicago’s Newberry Library. The noncirculating collection is now open to the public at the Poetry Foundation’s new home.

The first floor of the Poetry Foundation Library houses single-author volumes of poetry as well as a children’s area filled with more than 3,000 volumes of poetry books written for young people. The second floor contains anthologies and prose, including criticism, literary history, and biography.

The library’s special collections feature some notable volumes, including W.B. Yeats’s 1939 Cuala Press edition of On the Boilerand Louis Zukofsky’s 1956 collection Some Time. According to Poetry Foundation librarian Katherine Litwin, “The collection contains an amazing number of first- and limited-edition titles. As we continue to inventory the collection, we will undoubtedly discover many more treasures.” The Californians by Robinson Jeffers, published 95 years ago, currently ranks as the library’s oldest book, and a 1935 edition of The Dream Keeper by Langston Hughes features Hughes’s inscription to Poetry’s founding editor Harriet Monroe.

More highlights from the special collections include a first edition of Delmore Schwartz’s Vaudeville for a Princess, an early version of The Sleeping Fury by Louise Bogan, and a first U.S. edition of Ariel by Sylvia Plath.

The Poetry Foundation Library will extend its hours this fall and expand its children’s programming. The library, now open to the general public on Tuesdays and Thursdays from 11 a.m. until 4 p.m., will also be open Fridays from 11 a.m. to 4 p.m. as of September 9. Beginning September 14, the library will be open on Wednesdays exclusively for young patrons and their guardians from 10 a.m. to 5 p.m., when librarians will be on hand to help young people with poetry-related homework and projects. Also on Wednesdays, and beginning September 21, the library will host Poemtime, an event introducing children age five and under to poetry through fun, interactive games.

The Poetry Foundation is open to the public from 11 a.m. until 4 p.m. Monday through Friday.

For more information about this and other Poetry Foundation events, please visit www.poetryfoundation.org/events.

74. poeTon

Am 20. August 2011 werden erstmals zwei Veranstaltungen der poeTon-Reihe der Stadt Nordhausen in Limlingerode stattfinden. Den Vortragsreigen beginnt um 15.00 Uhr der Lyriker Thomas Spaniel, der 1963 in Nordhausen geboren wurde. …

In diesem Jahr erschien der sechste Gedichtband mit dem Aufmerksamkeit erweckenden Titel: „die irren kurse einer sterbenden fliege“. / Neue Nordhäuser Zeitung

73. 2 Arten von Dichtern

(Lyikwiki Labor)

Nach der Begabung unterscheidet Scaliger 2 Arten von Dichtern. „Daß sie sich durch ihre Begabung unterscheiden, sagen sowohl Platon als auch Aristoteles. Die einen würden nämlich als solche geboren, die anderen dagegen, von Geburt unempfindlich oder gar roh und ungeeignet, würden von Raserei erfaßt und so von der gemeinen Sinnenwelt abgezogen; dies sei Götterwerk, und die Götter bedienten sich ihrer als Diener.“ [1]

Deshalb nenne Platon sie im „Ion“ „Mittler“ und Diener der Götter. [2] Scaliger betont, daß dies Platons Aussagen im „Staat“ über die Dichter, die keinen Platz im Staat haben, weil sie lügen, relativiere. Wenn Platon einige Schriften der Dichter verdamme, brauche man deswegen nicht auf die übrigen zu verzichten, die Platon selbst häufig zitiert. [3] Die Dichter riefen also die Musen an, „damit sie von Raserei erfüllt vollbringen, was ihre Aufgabe ist.“ A.a.O. Von diesen „Gottbegeisterten“ habe er 2 Arten festgestellt. „Der ersten kommt jene göttliche Kraft vom Himmel herab von selbst und unvermutet zu Hilfe, oder einfach auf einen Anruf hin…“ [4] Er erwähnt auch, daß Hesiod sich selbst zu dieser Gruppe zähle. [5] Homer aber werde allgemein ebenfalls dazugezählt.

„Die zweite Art schärfen die Ausdünstungen des Weines, die die Werkzeuge der Seele und den Geist selbst von den stofflichen Teilen des Körpers hinwegziehen. Als solchen bezeichnet Horaz Ennius [6]; als solchen bezeichnen wir Horaz. Über Alkaios und Aristophanes ist dasselbe überliefert. Auch Alkman war von dieser üblen Nachrede nicht frei, und selbst Sophokles hat es dem Aischylos vorgeworfen.“ [7]: ‚Der Wein‘, sagte er, ’nicht er selbst sei der Verfasser seiner Tragödien“[8]. [9]
Quelle:

  • Iulius Caesar Scaliger: Poetices libri septem. Sieben Bücher über die Dichtkunst. Hrsg. Luc Deitz und Gregor Vogt-Spira. Band I. Bücher 1 und 2. Stuttgart-Bad Cannstatt 1994. Erstes Buch („Historicus“), Kap. 2: Der Name „Dichter“, die Herkunft der Dichtung, sowie die Wirk-, Form- und Stoffursache. S. 73-91.

Zitate

  • [1] Scaliger, a.a.O. S. 83
  • [2] Platon, Ion 534 c-e
  • [3] Außerdem zitiere Platon auch häufig „dumme und niedrige Geschichten“: „Es wäre auf jeden Fall richtig gewesen, das ‚Symposion‘ und den ‚Phaidros‘ und andere solche Ungeheuerlichkeiten nie zu lesen.“ A.a.O. S. 83.
  • [4] A.a.O. S. 85
  • [5] In der Theogonie, Vers 22-34, erzählt Hesiod, wie die Musen ihn persönlich unterrichten. Hesiod, Sämtliche Werke. Deutsch von Thassilo von Scheffer, Leipzig: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, 2. Aufl. 1965, S. 3f.
  • [6] Vgl. Horaz, Episteln 1, 19,7.
  • [7] Vgl. Athenaios 10, 428f-429b. „Alkman“ ist ein Versehen Sc.s; gemeint ist Anakreon (429b) (Anm. der Buchausgabe)
  • [8] Scaliger, a.a.O. S. 85.

72. Keine Knete

Die Stadt Baltimore wird dem Edgar Allan Poe Haus auch dieses Jahr keine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Das Haus, in dem Poe mit seiner Familie lebte und in welchem er 1849 starb, gehört der Stadt und erhielt bis 2010 jährlich 85000 Dollar. Nun wird das Geld bereits zum zweiten Mal gestrichen, weswegen das Haus möglicherweise im nächsten Sommer schließen muss.  / SZ 9.8.

Schlimmer ist es in Großbritannien. Hier über Bibliotheksschließungen.

71. American Life in Poetry: Column 334

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

 

Those of us who have gone back home to attend a reunion of classmates may have felt the strangeness of being a vaguely familiar person among others who, too, seem vaguely familiar. Dana Gioia, who served the country for four years as the Chair of the National Endowment for the Arts, is an accomplished poet and a noted advocate for poetry.

 

Reunion

 

This is my past where no one knows me.
These are my friends whom I can’t name—
Here in a field where no one chose me,
The faces older, the voices the same.

 

Why does this stranger rise to greet me?
What is the joke that makes him smile,
As he calls the children together to meet me,
Bringing them forward in single file?

 

I nod pretending to recognize them,
Not knowing exactly what I should say.
Why does my presence seem to surprise them?
Who is the woman who turns away?

 

Is this my home or an illusion?
The bread on the table smells achingly real.
Must I at last solve my confusion,
Or is confusion all I can feel?

 

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Dana Gioia, whose most recent book of poetry is Interrogations at Noon, Graywolf Press, 2001. Poem reprinted from Poetry, September, 2010, by permission of Dana Gioia and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.