Bloomsday ist der Tag, an dem die Handlung von James Joyce‘ Roman Ulysses spielt. Heute ist Bloomsday (damals haben sie das Buch verboten, heute feiern sie ihn alljährlich). Hier eine passende – wahre – Geschichte, die wie erfunden klingt und viel von Lyrik handelt.
Als John Sifton vom geheimen amerikanischen NSA PRISM-Programm erfuhr, das die weltweite Bespitzelung aller Kommunikationskanäle vorsieht oder ermöglicht, richtete er einen Server in Peschawar in Pakistan ein (er ist Menschenrechtsaktivist und arbeitet für Human Rights Watch), der ihm Passagen aus James Joyce‘ Finnegans Wake per Mail zuschickte. Als Antwort schickte er Auszüge aus Gedichten von Gerard Manley Hopkins zurück.
Er glaubte dem Freund, der ihm von dem Projekt erzählt hatte, nicht so recht und wollte es ausprobieren. Keine gute Idee, sagt er heute – nachdem er angeklagt wurde. „Sein Haus an eine Anwaltsfirma überschreiben ist eine demütigende Erfahrung“, sagt er. Er sei kein Edward Snowden. Die Vorstellung, daß CIA-Analytiker in Joyce‘ chaotischem phonetischem Singsang kodierte al-Kaida-Botschaften suchten, beflügelte seine Vorstellung:
Tark’s bimboowood so pleasekindly communicake with the
original sinse we are only yearning as yet how to burgeon. It’s
meant milliems of centiments deadlost or mislaid on them but,
master of snakes, we can sloughchange in the nip of a napple
solongas we can allsee for deedsetton your quick.
Er antwortete in Hopkins’ alliterativem Ton mit den originalen Pausen- und Akzentstrichen, durchaus geeignet, CIA-Dekodierer in den Wahnsinn zu treiben:
Óur évening is over us; óur night ‚ whélms, whélms, ánd will end us.
Only the beak-leaved boughs dragonish ‚ damask the tool-smooth bleak light; black,
Ever so black on it.
Joyce:
. . . .The spearspid of dawnfire totouches ain the
tablestoane ath the centre of the great circle of the macroliths of
Helusbelus in the boshiman brush on this our peneplain by Fan-
galuvu Bight whence the horned cairns erge, stanserstanded,
to floran frohn, idols of isthmians. Overwhere. Gaunt grey
ghostly gossips growing grubber in the glow. Past now pulls.
Cur one beast, even Dane the Great, may treadspath with
sniffer he snout impursuant to byelegs. Edar’s chuckal humuristic.
Unwahrscheinlich, daß seine Emails kontrolliert würden, glaubte er, da er keinerlei Kontakte zu Al-Kaida-Kurieren hatte. Und wenn doch, würden sie mit einfacher Googlesuche die literarischen Quellen herausfinden. Doch es kam anders.Vielleicht war es diese Passage von Seite 261 aus Finnegans Wake, die ihn hineinzog:
Terror of the noonstruck by day,
cryptogam of each nightly bridable. But, to
speak broken heaventalk, is he? Who is he?
Irgendwann tauchten die CIA-Agenten O’Brien und Bloom (sic!) auf. O’Brien legte ihm die Mail mit den Stichwörtern “terror” und “cryptogam” vor und eine weitere:
Lét life, wáned, ah lét life wind
Off hér once skéined stained véined variety ‚ upon, áll on twó spools;
párt, pen, páck
Now her áll in twó flocks, twó folds—black, white;
‚ right, wrong; reckon but, reck but, mind
But thése two; wáre of a wórld where bút these ‚ twó tell, each off the óther;
of a rack
Where, selfwrung, selfstrung, sheathe- and shelterless, ‚
thóughts agaínst thoughts ín groans grínd.
O’Brien sah angewidert drein, als er ihn aufforderte, das zu erklären.
„Es ist ein Gedicht“, sagte er. Es handele von der in richtig und falsch geteilten Welt. Davon, wie der Konflikt von richtig und falsch in unseren Gedanken fortbesteht.
„Es sieht aus wie Code“, sagte O’Brien. „Wer würde denn sonst so schreiben?“
„Nun, eine Art von Code“ – Sifton lächelte matt. „Es sind Tricks, Wortspiele.“
„Sie geben also zu, daß es ein Code ist“, sagte O’Brien mit Stirnrunzeln. „Sie wollten darauf hinweisen, indem Sie ‘cryptogam’ schrieben.“
„Nein, nein“, sagte Sifton.
„Was ist der Code? Was bedeutet das auf gut Englisch? Dieses ‘selfwrung, selfstrung, sheathe- and shelterless?’ – was bedeutet der Scheiß?“
Er wollte ernsthaft antworten: „Es geht darum, wie wir uns in Gedanken selber foltern. Da ist so ein Gestell… wo die Gedanken sich stoßen.“
„Sie schreiben über Abu Ghraib, über Folter. Geht es um Rekrutierung?“
Siftons Blick fiel auf die antwortende Passage aus Finnegans Wake:
Remember Bomthomanew vim vam vom
Hungerig. Hoteform, chain and epolettes, botherbumbose. And
I’ll be your aural eyeness.
– und er verlangte einen Anwalt.
Da fingen seine Probleme erst an. Zu seinem Erstaunen fragten sie mehr nach Hopkins als nach Joyce. Bei einem Verhör sollte er das Wort „dapple“ erklären:
For earth ‚ her being has unbound, her dapple is at an end,
astray or aswarm, all throughther, in
throngs; ‚ self ín self steedèd and páshed—qúite
Disremembering, dísmémbering ‚ áll now.
„Es bedeutet Kontrast“, sagte er wie ein enthusiastischer Student. „Farbzusammenstellung. Wie grün, rot und blau. ‘Dapple is at an end’ bedeutet, es wird dunkel und man kann die Farben nicht mehr sehen.“
Special Agent O’Brien schrieb auf: “dapple = contrast.”
Und ‘pashed’?”.
“Das heißt ‘broken’.”
Er schrieb es auf. Sifton wurde mulmig, als er seine Notizen las:
“End of right and wrong. Breaking. Dismembering.” Das letzte Wort zweimal unterstrichen.
Siftons Anwälte hatten viel Mühe, ihn da rauszuboxen.
(Die originale Geschichte hat noch weit mehr Feinheiten!)
Die neuesten Gedichte von Alireza Behnam passen vielleicht nicht so recht zum Jubel über Rouhanis Sieg auf Irans Straßen, sind aber gleichwohl gültig. http://www.dissidentblog.org/en/articles/songs-will-disappear-one-oneHier weitere Kostproben von seiner Homepage http://alirezabehnam.tripod.com/id4.htmlMein Lieblingsgedicht ist natürlich „Von den Bäumen des Tempels zu Babylon hängend“ in der kongenialen Übersetzung von Steffen Popp bei lyrikline
American novelist J.D. Salinger includes one of Issa’s 20,000 haiku in his 1961 book, “Franny and Zooey.”
O snail
Climb Mount Fuji,
But slowly, slowly
Haiku is one of the more structured yet approachable forms of poetry.
Haiku consists of 17 “on,” roughly equivalent to syllables in English, arranged in a 5-7-5 “on” structure, and normally written as one vertical line. Traditionally, the poems are characterized by their close reference to nature; the specific reference to a season, either directly or using a seasonal symbol such as snow, falling leaves, migrating birds or flowers; and by the intentional vagueness of meaning.
(…)
According to haiku historian R.H. Blyth, Issa’s poems reflected his focus on simple aspects of nature. The snail was the focus of 54 poems, the toad 15; about 200 poems focused on frogs, more than 200 on fireflies, 150 on mosquitoes, 100 on fleas, and the cicada got about 90 poems.
big field
my New Year’s walk
follows holes made by canes
/ Frank Daniels, The Tennessean
Dominik Dombrowski und Bertram Reinecke
beim 1. Münchner Poesie=Marathon im Einstein Kultur, Einsteinstraße 42, am 29. Juni um 19 Uhr.
Dominik Dombrowski aus Bonn wird nicht nur aus seinem Gedichtband „Finissage“ lesen, sondern auch die Form des Erzählgedichts sowie der Erlebnisdichtung allgemein mit dem amerikanischen Poetikansatz der Beatgeneration, vor allem aber mit Raymond Carver, den er übersetzt hat, vergleichen. Dombrowski stellt seine Lesung unter das Motto: „Diese Seele ist ein Hund, der an einem alten Knochen nagt …“
Bertram Reinecke aus Leipzig, ohnehin in seinen Arbeiten gern die Geheimnisse der lyrischen Arbeitsverfahren umreißend und das Publikum aus einer Zitatenkammer auf die „Wasserzeichen der Poesie“ (Enzensberger) aufmerksam machend, sagt zum Thema des Abends: „Jede Gewohnheit lässt sich in ihrer Regelhaftigkeit als Theorie fassen. Wohin auch immer der Hase seine Haken schlägt, der Igel Theorie lauert schon dort.“
Der „Münchner Poesie=Marathon“ als neue Veranstaltungsreihe will kein gebildetes Publikum zur Kurzweil anregen, sondern Zeichen setzen für einen literarischen Diskurs. Ähnlichkeiten in ihrer Verborgenheit, Poeten in ihrer ganzen Schaffenskraft sollen dadurch vorgestellt und Abgrenzungen überwunden werden.
Dichten, Dichten, Dichten – das ist die Leidenschaft unserer Schreiberlinge, die jede Woche wieder auf’s Neue die Tasten qualmen lassen und um den ersten Platz auf dem Gedichtespiel-Treppchen kämpfen. Aus fünf vorgegebenen Worten, die manch einer vielleicht nicht einmal in einen sinnvollen Satzen einfügen könnte, schaffen die Internet Poeten jedes Mal wieder lyrische Meisterwerke, die sie mit Reimen, Versmaß und rhetorischen Figuren schmücken.
Internet-Poeten veranstalten eine Lesung in Mülheim | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/kultur/literatur/internet-poeten-veranstalten-eine-lesung-in-muelheim-id8063603.html#1704965827
Thomas Pigor ist ein deutscher Kabarettist, Liedermacher, Buchautor und Komponist. Seit Ende der 1970er-Jahre ist er als Musikkabarettist mit verschiedenen Bühnenprogrammen unterwegs. Seine Texte beziehen sich vorzugsweise auf aktuelle Ereignisse und er gilt als einer der Erneuerer des deutschen Chansons.
Baut den Palast der Republik wieder auf!
Text und Musik: Thomas Pigor
Wegen Schinkel kam noch kein Tourist nach Berlin
Die wolln hier alle nachts um die Häuser ziehn
Die wollen kucken ob noch irgendwo die Mauer steht
Und ob hier wirklich der vielzitierte Zeitgeist weht
Man lockt doch niemand hinterm Ofen hervor
Mit den doofen Droschken am Brandenburger Tor!
Baut den Palast der Republik wieder auf
Das wär die absolute Härte
Baut den Palast der Republik wieder auf
Das sag ich als Tourismusexperte
Das wär der absolute Hammer für Berlin
Und schickt die Droschken zurück nach Wien!
Der verspätete Triumph der alten kalten Krieger
Schlossneubau heisst die Ästhetik der Sieger
Denn alles was für die die DDR repräsentiert
Gehört in deren Augen ausradiert
Die Mauer ein Symbol für die Teilung weltweit
Bekannt, abgetragen nach kürzester zeit
Wie der Palast der Republik trotz Protesten
Von den Politsaubermännern aus dem Westen
In ihrer biedermännischen Geschichtsvergessenheit
In ihrer westberliner Droschkenseligkeit
Liessen sie die Abrissbirnen bollern
Und was haben sie zu bieten? Hohenzollern!
Baut den Palast der Republik wieder auf
Berlin ist die Stadt der Moderne
Baut den Palast der Republik wieder auf
Und hängt den Schinkel an die Laterne!
Mit seim historischen Zentrum also Bitte
Macht doch Berlin numma wirklich keine Schnitte
Und das ewige Bohei um Schinkels Stil
Das kommt nicht ran an Paris oder Dinkelsbühl !
Klar das Brandenburger Tor und klar die Museen
Und was von Schinkel steht, lasst es meinetwegen stehn
Aber ein Schlossneubau das ist Disney-like
Wer sowas sehn will, der soll nach Braunschweig!
Das 20. Jahrhundert – die Teilung der Stadt
Das 21. Jahrhundert – was es zu bieten hat
Weiss man noch nicht – der grösste Schatz
Im Zentrum von Berlin ist der Platz
Und es ist tragisch dass man jetzt
Diesen Platz mit historischem Kitsch besetzt
(…)
/ Deutschlandfunk 11.6. (zum Anhören)
Aus einem Gespräch von Paul Jandl mit Friederike Mayröcker, Die Welt 15.6.:
Mayröcker: Ende 2011 habe ich mir gedacht, dass es schön wäre, wenn ich Proeme schreiben könnte. Der französische Schriftsteller Francis Ponge hat das gemacht. Es ist ein Mittelding zwischen Gedicht und Prosa. Ich habe damit begonnen, und dann wollte ich nicht mehr aufhören, ich hänge so sehr daran, dass sich das Buch mit diesen Proemen fast verzögert hätte. Sie waren immer eine Seite lang. Jeden Tag habe ich eine Seite geschrieben. Ponge mit seinen Prosagedichten hat mich sehr beeinflusst, ich liebe ihn sehr.
Die Welt: Zu den Quellen des Wahnwitzes zählt auch die Literatur selbst. Ihre Bücher leben auch in und mit der Sprache anderer Bücher und Autoren.
Mayröcker: Das Buch hat den Titel „Études“, und da habe ich so einen Hang, immer wieder französische Wörter einzufügen, und die wiederholen sich dann auch, zum Beispiel „fleurs“. Natürlich ist das auch sehr beeinflusst durch Jean Genet, der ja fast in Blumen badet, und durch Jacques Derrida. Seit zehn Jahren begleitet er mich, gerade lese ich zum dritten Mal „Das Glas“. Ich lese ihn als Dichter. Er hat mich am Gängelband, sein „Glas“, die „Postkarte“ …
(…)
Die Welt: Ihre literarischen Anfänge in den Fünfzigerjahren mussten fast ohne Öffentlichkeit auskommen.
Mayröcker: Ich habe mich sehr gut mit Andreas Okopenko und H. C. Artmann verstanden. Meine wildesten Zeiten hatte ich, als es bei uns das reine Experimentieren war. Jandl, Okopenko und mich hat ja niemand veröffentlicht. Wir haben zehn Jahre lang für die Schublade geschrieben. Aber was das Wilde betrifft, habe ich das Gefühl, dass ich jetzt noch wilder bin als damals. Jetzt weiß ich, ich muss mit dem Kopf durch die Wand.
Robert Mießner über das Festival „Weißensee 2“ heute in der Zeitung junge Welt, Auszug:
Ein charmantes Motto des Festivals könnte »Das Hündle kam weiter auf drein« (roughbook 028), dem neuen Gedichtband Elke Erbs, entnommen sein. Sie las am Eröffnungsabend: »…wo da hinter der Stadt / die Gegend bloßlag: schwieg das Gemüt / war die Eigenliebe beendet.« »Weißensee 2« ist ein kollektives, multimediales An- und Unterfangen. Viele der präsentierten Texte sind Neuveröffentlichungen: Tone Avenstroups »ineinandersetzung / samstemmelse« (deutsch / norwegisch) ist unlängst bei Distillery erschienen. Sie stellte ihren Band am Mittwochabend mit Band vor: Alexander Krohn (Britannia Theatre, Straßenschaden) und Egon Kenner (Freygang) spielten Akustikgitarre; Ralph Gabriel (Straßenschaden) erkundete die perkussiven Möglichkeiten von Teedosen, Kichererbsen und Küchengeräten. Ebenfalls neu bei Distillery: Katja Horns »Mengenleere« mit Illustrationen von Mareile Fellien. »Leere«, nicht »Lehre«: Manchmal macht ein Buchstabe den Sinn und den Sound. Oder besser: sehr oft. (…)
Der Sonnabend klingt aus mit der »Chronik der Zone Greifswalder Bodden« (roughbook 025): ein kühner Science-Fiction-Wurf ins Jahr 2557 wie eine Rückblende. Die Chronik besteht aus zwei Texten des norwegischen Dichters Øyvind Rimbereid: »St. Petersburg Wasser« und »Solaris korrigiert«, geschrieben im Stavanger Dialekt beziehungsweise einer synthetischen Nordseesprache, von Tone Avenstroup ins Hochdeutsche, von Bert Papenfuß in moderates Berlinisch bzw. eine utopische Ostseesprache übertragen. Papenfuß trägt dies vor gemeinsam mit Ronald Lippok (Tarwater, To Rococo Rot) und Alexander Pehlemann (Zonic). Anschließend Mehrgenerationentanz.
Das Abschlußfest am Sonntag bestreiten Katrin Heinau, Clemens Schittko, Brigitte Struzyk, HEL Toussaint und Ralf S. Werder mit einer Lesung aus Kai Pohls Schock-Edition, deren vierte Folge diesen April erschienen ist.
Eine Stimme von 1905:
Romanlektüre ist zur gesellschaftlichen Mode geworden, beinahe eine Pflicht. Man treibt sie um des Reizes der Spannung willen und weil man zuweilen in die Verlegenheit gerät, vom Inhalte Zeugnis ablegen zu müssen. Ich weiß, daß viele unter höheren Gesichtspunkten lesen, daß sie losgelöst von solchen halb und halb praktischen Interessen vor „Wilhelm Meister“ sitzen; aber warum findet denn nach wie vor die deutsche Lyrik, besonders die gute, keinen Absatz? Storms „Immensee“ und „Schimmelreiter“, Hebbels Dramen, Kellers „Grüner Heinrich“ und „Leute von Seldwyla“, Meyers „Jürg Jenatsch“, Mörikes „Mozart“ werden hundertmal gelesen und wohl auch dreimal gekauft, ehe die lyrischen Schätze der Fünf auf dem Lesetische erscheinen.
Lyrische Andachten: Natur- und Liebesstimmungen deutscher Dichter, gesammelt von Ferdinand Gregori, Leipzig: Max Hesse, 1905, S. 2.
Ausschreibung
Zum zehnten Mal wird im November 2014 der mit 5.000 Euro dotierte Dresdner Lyrikpreis vergeben, ausgelobt durch die Oberbürgermeisterin Helma Orosz.
Bewerberinnen und Bewerber aus dem deutschsprachigen Raum und der Tschechischen Republik können von Verlagen, Herausgebern und Redaktionen von Literaturzeitschriften, Autorenverbänden und literarischen Vereinigungen vorgeschlagen werden. Weiterhin sind Eigenbewerbungen ausdrücklich erwünscht! Von der/dem Bewerberin/Bewerber ist mindestens eine Veröffentlichung entweder in Buchform (auch innerhalb einer Anthologie) oder in einer Literaturzeitschrift nachzuweisen. Ausschließliche Publikationen im Eigenverlag oder im Web werden nicht akzeptiert. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 30. September 2013.
Eingereicht werden sollen mindestens 6 und höchstens 10 selbstverfasste Gedichte in fünffacher maschinen- oder computergeschriebener Ausfertigung und eine knappe biobibliographische Darstellung mit aktueller Anschrift. Da das zweistufige Auswahlverfahren anonymisiert ist, darf auf den Texten nicht der Autorenname erscheinen. Stattdessen muss ein Kennwort auf allen Textseiten sowie auf der gesonderten Biobibliographie angegeben werden.
Eine Stimme von 1871 (Rimbaud über die Dichter der Zukunft)
Diese Dichter werden sein! Wenn die unendliche Knechtschaft der Frau gebrochen sein wird, wenn sie für sich und aus sich selbst leben wird, da der – bis dahin scheußliche – Mann sie aus seinem Gewahrsam entlässt, wird sie auch Dichter sein! Die Frau wird Unbekanntes finden! … Sie wird befremdliche, unergründliche, abstoßende, köstliche Dinge finden; wir werden sie ergreifen, wir werden sie begreifen.
Arthur Rimbaud: Prosa über die Zukunft der Dichtung [Die Seher-Briefe]. Berlin: Matthes & Seitz, 2010, S. 31.
Ces poètes seront ! Quand sera brisé l’infini servage de la femme, quand elle vivra pour elle et par elle, l’homme, jusqu’ici abominable, – lui ayant donné son renvoi, elle sera poète, elle aussi! La femme trouvera de l’inconnu ! Ses mondes d’idées différeront-ils des nôtres ? – Elle trouvera des choses étranges, insondables, repoussantes, délicieuses ; nous les prendrons, nous les comprendrons. / zum Gesamttext im Original. Auf deutsch Auszüge (aber nicht diese Stelle) hier
Buchjournal | MDR FIGARO | 13.06.2013 | Zum Nachhören Die MDR FIGARO-Kritikerrunde diskutiert neue Lyrik
Gedichte verdichten die Welt auf ein paar Zeilen – für manche der reinste Horror, andere finden sich genau darin wieder. Im Buchjournal werden vier neue Lyrikbände und ein Buch über Dichter und Gedichte durchleuchtet.
Wies der Lyrik heute geht? Dieser Frage kann immer nur eine Verteidigungsrede folgen. Und die hat das Gedicht gar nicht nötig. Es ist wohl nur so, dass die Leser sich aufteilen in jene, die Gedichte lesen, weil sie sie lieben, und andere, die um Lyrik einen Bogen machen. Gedichte, sagen diese Leser, geben ihnen das, was sie sagen wollen, so vage und spekulativ wider, dass ihre Lesezeit sich verlängern müsste, bevor sie den Sinn verstanden haben. Zum Trost sei den Ungeduldigen gesagt: Diese Strategie ist falsch. Wer glaubt, ein Gedicht verstanden zu haben, hat es nicht verstanden. Dass das Sprechen über Gedichte sehr wohl möglich ist, will das Buchjournal vorführen.
Die Kritiker
Daniela Danz, geboren 1976 in Eisenach, lebt heute bei Erfurt. Ihr erster eigener Gedichtband „Sermunt“* erschien 2004 im Wartburg-Verlag, 2009 folgte „Puntus“** bei Wallstein und zwischendurch schrieb sie den Roman „Türmer“. Zudem diskutieren Ulf Heise, Literaturkritiker für MDR-FIGARO und FIGARO-Literaturredakteur Michael Hametner.
Die besprochenen Bücher
*) Serimunt
**) Pontus
Dass der Text auf dem Papier nur die Partitur der Dichtung sei – darüber besteht beim Berliner Poesiefestival Konsens. Betrachtet man Poesie als Klangkunst, ist das Wort nur noch ein Laut-Ereignis – eine «Befreiung der Sprache von der Bedeutungsklammer» (so hiess es in einer Einführung), die in eklatantem Widerspruch steht zu Ezra Pounds Definition von Dichtung als Sprache, die «bis zum Äussersten mit Bedeutung aufgeladen» sei.* Die Dramatisierung der Laute in Schwitters Ursonate, die Christian Bök im Rekordtempo deklamierte, war ein epochales Ereignis, das unwiederholbar bleibt. Dass der Verzicht auf die Bedeutung nicht ohne weiteres gelingt, zeigte sich in der Performance der «Voice-Artistin» Isabeella Beumer. Bei aller Virtuosität handelte es sich über weite Strecken um chargierende Sprach-Imitation: ein Klamauk, bei dem man ganz genau wusste, wovon hier so wortlos die Rede war.
Nur in einer der drei Klanginstallationen des Festivals blieb die Bedeutungsebene der Sprache intakt. «Do I know you?» «Share presence!» «Think twice!» Ob diese von Kindern gesprochenen Sätze in Gary Hills Installation «Child’s Play» den Hörer meinen? Die Jahreszahl 1961, so verkündet eine Kinderstimme, lasse sich auch auf den Kopf gestellt lesen. Und das werde erst im Jahr 6009 wieder der Fall sein! «Die Poesie ist nutzlos (deshalb mögen wir sie)», lautete eine der Antworten auf die Frage «Wozu Poesie?» Die Freiheit der Poesie besteht in der Schönheit von Gedanken, die zu nichts nütze sind. / Sieglinde Geisel, NZZ 13.6.
*) Wirklich?
Im Rheintorturm treffen sich am Samstag, 15.06.2013, 20 Uhr, die Autoren Ulrich Koch, Ursula Krechel und Jan Wagner, um den Gästen anhand ihrer neuesten Veröffentlichungen die verschiedenen Stile und Themen zeitgenössischer Lyrik zu verdeutlichen
Futter für Reader & Laptop
Internationale Situationniste (1958-1969) We’re pleased to feauture PDFs of the the Situationist International’s jounal, which was edited by Guy Debord and ran in a series of 12 issues. The journal includes articles and texts by Debord, Mohamed Dahou, Giuseppe Pinot-Gallizio, Maurice Wyckaert, Constant, Asger Jorn, Helmut Sturm, Attila Kotanyi, Jørgen Nash, Uwe Lausen, Raoul Vaneigem, Michèle Bernstein, Jeppesen Victor Martin, Jan Stijbosch, Alexander Trocchi, Théo Frey, Mustapha Khayati, Donald Nicholson-Smith, René Riesel, René Viénet, and many others. This review was a testing ground for discourse and also a means of propaganda. View a documentary about the Situationists and listen to sound works by Guy Debord. You can find Debord’s films here. Thanks to our pals at Monoksop for uncovering this treasure.
The Soundworks of Michael Snow (1975-2002) Michael Snow is considered one of Canada’s most important living artists. A prolific painter, photographer, sculptor, jazz musician, and filmmaker, Snow’s art explores the possibilities inherent in different mediums and practices. He has received many international awards, and his work is shown continually in retrospectives around the world. With each piece, Snow invites us to contemplate and put into question his chosen medium, in an oscillation between what is represented and its process and material. Presented here are soundworks including Music For Piano, Whistling, Microphone And Tape Recorder (1975), Two Radio Solos (1980), The Last LP (1987), Sinoms (1989), and Hearing Aid (2002). See also Michael Snow’s Films in Ubuweb Film.
John Cage & Kenneth Patchen – The city wears a slouch hat (1942), A Radio Play The city wears a slouch hat is one of those Cage works that many know about, but few have actually heard. Commissioned by CBS‘ „Columbia Workshop“ to accompany a radio play by „Beat“ poet/writer Kenneth Patchen–a surreal script centered around a mysterious drifter known as „The Voice“ and his encounters with various characters of the urban landscape. Cage’s music aptly fits Patchen’s texts, scored for „sound orchestra“ of 5 percussionists along with live and recorded sound effects, revealing Cage’s gift for orchestrating the timbres of percussion. One can only imagine what unsuspecting families, seated around the radio for an evening’s entertainment, made of this bizarre script and rambunctious music in 1942.
DV8 Physical Theater Strange Fish (1992)
Václav Havel Antikody (collection of concrete poems, early 1960s)
Eugen Gomringer (ed.) konkrete poesie: deutschsprachige autoren (1972) (Presented by Jerome Rothenberg, mehrsprachig!)
Marcel Duchamp The Essential Writings of Marcel Duchamp (1975)
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