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diese lyrik ist, zunächst einmal, geprägt von einem tonfall der unbedingtheit und motiven der körperlichkeit, wobei vor allem die affinität zu auge, mund, hand und blut auffällt. »Um die Seele eines Dichters zu durchschauen, muß man in seinem Werk diejenigen Wörter aufsuchen, die am häufigsten vorkommen. Das Wort verrät, wovon er besessen ist.« schrieb baudelaire, »Es gibt nur einen Tempel in der Welt, und das ist der menschliche Körper.« novalis. »Das Gedächtnis des Körpers freilegen« nennt birgitt lieberwirth eine ihrer absichten. dies meint, die eigene erfahrung, bis zurück zum erleben der kindheit, das die seelische und ideelle konstitution maßgebend prägt, im schildern und deuten von körperlichem nachzuvollziehen. »wie ich geworden bin, lieg ich / Mir auf dem Handteller« heißt es in >Triptychon 1<. notwendig entsteht eine metaphorik des anatomischen als mittel und medium der selbstanalyse. kinder, die im frühesten alter beine, füße, arme und hände wie gegenstände und dinge als körperteile betrachten, verfremden, indem sie ein ganzheitliches gespür haben, noch unmittelbar natürlich, ohne es zu wissen, erwachsene solcherart meist bloß in augenblicken jähen leidens, weitgreifender freude oder ausgelebter phantasie. plutarch beschrieb, wie seine tochter, bevor sie zweijährig starb, ihre amme dazu bewegen wollte, die brust auch unbelebten gegenständen und spielsachen zu geben, damit diese genauso mit milch genährt werden wie sie selbst. (…)
die einfühlung in die dinge bildet für birgitt lieberwirth ebenso ein kontinuum ihres schreibens wie die beschreibung seelischer und psychischer zustände und prozesse anhand von wahrnehmungen der profanen wirklichkeit. die sublime weihe der dinge entspricht der intention eines ideell orientierten poetisierens der realen außenwelt, wie wir sie innerhalb der deutschen literatur besonders ausgeprägt in der romantik finden. / Holger Benkel bei KuNo über die Lyrikerin Birgitt Lieberwirth
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