Wolfgang Hilbig lebt und läßt sich zum 60. gratulieren
Hilbig wurde am 31. August 1941 im thüringischen Meuselwitz geboren und wuchs bei seinem Großvater im Bergarbeitermilieu auf; der Vater war bei Stalingrad gefallen. Nach einer Lehre als Bohrwerkdreher arbeitete Hilbig als Heizer und versuchte sich, etwa in einem „Zirkel schreibender Arbeiter“, als Lyriker, ohne freilich eine Gelegenheit zur Publikation zu bekommen. Hilbigs erstes Buch, der Lyrikband „abwesenheit“, erschien 1979 im S. Fischer Verlag und brachte dem Autor eine Geldstrafe von zweitausend Mark und Untersuchungshaft ein, weil er „vorsätzlich entgegen den gesetzlichen Bestimmungen einen Devisenwertumlauf durchgeführt“ habe. Was in diesen Gedichten stattfand, war tatsächlich die Ummünzung einer lyrischen Tradition, die damals weder in der DDR noch im heruntergestimmten Kammerton westdeutscher Autoren hoch im Kurs stand: der expressionistischen Dichtung, die dem Poeten die doppelte Rolle des Sehers und Schmerzensmannes zugedacht hat – „die verwirrung / in worte zu kleiden hab ich / das schreiende Amt übernommen“, heißt es im Gedicht „Bewußtsein“. / FAZ 31.8.01
Thomas Kling lebt, erhält den Ernst-Jandl-Preis und lädt nach Hombroich ein
Für L&Poe ist Klingmonat. Diesmal in der Neuß-Grevenbroicher Zeitung (Lyrik siedelt nicht immer im Zentrum! Wir schlagen mal, im Ernst, vor: Basel (Schweiz), Lana (Südtirol), Hombroich (NRW). Über zwei dieser exzentrischen Orte gibt der Artikel übrigens Auskünfte):
„Sechs Lyriker aus vier Ländern an der Raketenstation. Thomas Kling bittet zum Experiment
Thomas Kling wohnt hier, nicht nur deshalb ist Hombroich eine gute Adresse für Lyrik. Zwei Abende lang bietet sich auf der Raketenstation der Museum Insel die seltene Gelegenheit, intensiv zeitgenössische Lyrik von großer Ausstrahlungskraft kennenzulernen. Kling ist gewissermaßen Gastgeber und hat in enger Abstimmung mit dem Veranstalter, dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich, die sechs Kollegen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und – man staune (? – mg) – England ausgewählt.“Hier die Daten:
Hombroich: Literatur IX 2001, Freitag, 7. September, 19.30 Uhr: Anja Utler, Oswald Egger, Marcel Beyer; Samstag, 8. September, 19.30 Uhr: Michael Hofmann, Kurt Aebli, Anne Duden.
Also wer kann: hinfahren! / NGZ 30.8.01
Beat Brechbühl bedauert, daß er die Alpen nicht rechtzeitig abgesägt hat
«Schade, dass ich die Alpen (sowie die Kirchtürme) / – wie dies in meiner Jugend dringend war: – / nicht bodennah flach abgesägt habe.» Dieses Bedauern formuliert Beat Brechbühl in einem lyrischen Traum vom Meer, den er unter dem Titel «Jede Nacht und nächste Stunden» in seinen jüngsten Gedichtband aufgenommen hat. / St. Galler Tagblatt 24.8.01
Verbotene Blume
Die Gazette präsentiert zum 180. Geburtstag von Charles Baudelaire ein verbotenes Gedicht, hier die erste Strophe
Das Geschmeide
Die teure Frau war nackt, und weil mein Herz sie kennt,
Trug sie am Leibe nur ihr klingendes Geschmeide.
Und Siegerblick gab ihr die Flitterpracht; so brennt
Des Mohren Sklavin, ist sie einmal frei vom Leide. / Die Gazette 27.8.01
Sappho
Throughout history, Sappho has been labeled a genius, a pervert, a lovely blushing maiden, a homely bluestocking, a nymphomaniac, an uptight schoolmistress, a solitary, a diva, a cult leader, an abandoned lover, an irresistible seducer, the „Tenth Muse,“ a mother, a feminist, a victim, a masochist and a sadist.
With „The Sappho Companion,“ British critic Margaret Reynolds has collected bits and pieces of all these Sapphos into a single, diverting volume. / Salon.com 1.8.01
Ur-Avantgardist
Taz besucht Amerikas Ur-Avantgardist Charles Henri Ford (93)
Die gute Dame [Gertrude Stein ] war Ford ohnehin wohlgesinnt. Seine 1929 begründete Zeitschrift Blues, die moderne Dichter wie Ezra Pound und William Carlos Williams veröffentlichte, lobte Stein als „youngest and freshest of all the little magazines which died to make verse free“. Schulabbrecher Ford, der die leider nur kurzlebige Zeitschrift ausgerechnet aus dem tiefsten amerikanischen Hinterland, seinem Geburtsort Columbus in Mississippi, publizierte, schrieb damals kurzerhand alle wichtigen Vertreter der Moderne an und bat mit Erfolg um deren Zeilen.
1931 siedelt er nach Paris und von dort nach Marokko über, wo er in Tanger „Nightwood“, das Manuskript seiner Freundin Djuna Barnes abtippt. „Von Rechtschreibung verstand die Gute erschreckend wenig“, erinnert sich Ford an das Buch, das wie kein anderes radikal mit der realistischen Erzählweise des amerikanischen Romans brach. Von 1940 bis 1947 gibt Ford, wieder zurück in New York, View heraus, die erste amerikanische Avantgardezeitschrift, mit Texten und Kunst von Exilkünstlern wie André Breton, Max Ernst, Marcel Duchamp und Yves Tanguy. Aber auch Henri Miller, Albert Camus, Jean-Paul Sartre und Jean Genet finden Einlass. So werden mit View Surrealismus und Existenzialismus erstmalig in den USA vorstellig. / taz 30.8.01
Literaturlandschaft Südtirol
Die renommierten literarischen Aktivitäten in dem Städtchen zwölf Kilometer südlich von Meran haben sich – unterstützt von der Südtiroler Landesregierung – seit 1978 kontinuierlich entwickelt. Treibende Kraft war der Lyriker Oswald Egger, unter Zuzug später von Alma Vallazza. Aus einer Buchhandlung konstituierte sich der «Verein der Bücherwürmer», und gleichzeitig wurde eine exquisite Buchreihe mit überregionalem Anspruch lanciert, «edition per procura», in der nicht nur aktuelle Literatur, sondern auch Rimbaud und Mallarmé, Blake und Zwetajewa Platz fanden. Der Verlag hat auch ein Standbein in Wien («Session Wien») und pflegt den Austausch mit anderen bibliophilen Verlagen, etwa der Zürcher Edition Howeg. Eine «Ortschaft für die Poesie» schuf Egger mit dem alle zwei Jahre verliehenen internationalen «N.-C.-Kaser-Lyrikpreis», nicht zuletzt aber mit den Veranstaltungen, vor allem den «Kulturtagen Lana». Diese schaffen weithin Verbindungen, «quere Meridiane» – wie der Initiant sich ausdrückt. Der Geschäftsführer Robert Huez, Verfasser einer Dissertation über Kaser, betreut diesen ganz besonderen literarischen Ort mit Hingabe und Humor, wirkt ganz terre à terre, führt vor, was man «mit Beharrlichkeit und Glück» aufgebaut hat: «Der Prokurist», Editionsreihe und Literaturzeitschrift, «Abmarsch», die neue «Sammlung für Poesie als Übersetzung», das jedermann zugängliche «Archiv für Poesie», eine Spezialbibliothek auch in Sachen Poetologie, den Veranstaltungsraum «Secession Lana». / NZZ 18.8.01
Strassburg – eine Stadt zwischen zwei Kulturen
Die französische Nationalhymne, «La Marseillaise», trägt ihren Namen zu Unrecht. Entstanden ist sie 1792 in Strassburg; ihr Autor, der junge Offizier Rouget de l’Isle, hatte sie ursprünglich «Le Chant de guerre de l’Armée du Rhin» betitelt. Dass der blutrünstige Ohrwurm später nach den revolutionären Hitzköpfen aus dem Süden benannt wurde, entbehrt dennoch nicht einer gewissen Logik. Die Elsässer und insbesondere die Strassburger mögen grosse Kriegsmänner hervorgebracht haben, als Umstürzler kann man sie nicht bezeichnen. Ihre inoffizielle Landeshymne beschreibt einen Menschen, der unzufrieden zwischen zwei Stühlen sitzt: «Dr Hans im Schnokeloch / Hett alles was er will / Un was er hett des will er nitt / Un was er will des hett er nitt . . .»
…
1870 erkennen sich die meisten Elsässer in den Versen des Dichters Karl Friedrich Hartmann wieder: «Ein Frankenherz und deutsche Sprach / Sind dem Alsaten keine Schmach / Wie’s auch der Fremde deute.» Nicht zuletzt spielen Elsässer eine Rolle als kulturelle Vermittler: mit Übersetzungen von Goethe und Heine ins Französische, Rousseau und Chateaubriand ins Deutsche und der Gründung internationaler Buchhandlungen. / Marc Zitzmann NZZ 13.8.01
Im August 2001 starben
Mit dem Deutschlandradio sprach der französische Dichter Alain Lance über seine Erinnerungen an die DDR – und an Iran. Zitat:
„Im Iran habe ich eine neue Beziehung zur französischen Lyrik entwickelt. Wichtig war auch die Bedeutung der Lyrik in diesem Land. Oft ist es mir passiert, dass ich mit einem iranischen Lyriker-Freund in einem Café war und der Kellner kam und hat den Lyriker erkannt – und gleich auswendig ein Gedicht von ihm vorgetragen.“
Am 2.1. starb der englische Künstler, Kunstkritiker und Schriftsteller John Berger in Paris im Alter von 90 Jahren.
Er hinterlässt auch diesen Gedanken: „Was mich mehr als irgendetwas sonst mit meinem eigenen Tod aussöhnt, ist das Bild eines Ortes: eines Ortes, wo deine Gebeine und meine bestattet, unbedeckt zueinander geworfen sind. Sie sind dort wild durcheinander gestreut. Eine deiner Rippen lehnt an meinem Schädel. Ein Mittelhandknochen meiner linken Hand liegt innerhalb deines Beckens. Die hundert Knochen unserer Füße liegen verstreut wie Kies. Es ist seltsam, dass dieses Bild unserer Nähe, wo es sich doch auf nichts als Kalziumphosphat bezieht, ein Gefühl des Friedens verleihen soll. Doch das tut es. Mit dir kann ich mir einen Ort vorstellen, wo es genügt, Kalziumphosphat zu sein.“ / Frankfurter Rundschau
Eine entscheidende Wende in Bergers Leben und seiner schriftstellerischen Tätigkeit trat ein, als er sich entschloss, in einem Bergdorf in der Haute-Savoie Wohnsitz zu nehmen. Dort lebte er in engem Kontakt mit der Bevölkerung. Aus der darauf folgenden intellektuellen Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Bauerntums entstand schliesslich im Zeitraum von 15 Jahren die bemerkenswerte Trilogie «Into Their Labours», die ihm 1991 den Petrarca-Preis eintrug.
Der erste Band, «Pig Earth» (1979, dt. «Sau-Erde»), ist in fünf Prosatexte gegliedert, die mit ebenso vielen Gedichten alternieren. Mit grossem Respekt wird vom bäuerlichen Alltag berichtet, von Kälbern, die geboren, und Schweinen, die getötet werden, von Heu, das mühsam eingebracht werden muss. Im Vordergrund aber steht die Arbeitsamkeit skeptischer Männer und verbitterter, jedoch unabhängiger Frauen. / Neue Zürcher Zeitung
Süddeutsche Zeitung / Tagesspiegel / Die Zeit / Die Welt / FAZ / Deutschlandfunk / Die Presse / New Republic / Guardian / New York Times
John Berger in L&Poe
Leseecke ist eine Rubrik, die sich der Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 15-21 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
19
DEuouring time blunt thou the Lyons pawes, And make the earth deuoure her owne sweet brood, Plucke the keene teeth from the fierce Tygers yawes, And burne the long liu’d Phaenix in her blood, Make glad and sorry seasons as thou fleet’st, And do what ere thou wilt swift-footed time To the wide world and all her fading sweets: But I forbid thee one most hainous crime, O carue not with thy howers my loues faire brow, Nor draw noe lines there with thine antique pen, Him in thy course vntainted doe allow, For beauties patterne to succeding men. Yet doe thy worst ould Time dispight thy wrong, My loue shall in my verse euer liue young.
Einige Anmerkungen zum Text:
1 DEuouring devour verschlingen, fressen, wegraffen, verzehren, vernichten. Ovid Metamorphosen 15.234: tempus edax rerum, Zeit, die die Dinge verzehrt blunt stumpf machen pawes paws, Tatzen
3 plucke (pflücke) ziehe heraus keene scharf yawes jaws Kiefer, Maul
4 Phaenix phoenix, mythischer Vogel, der über 500 Jahre lebt, dann verbrennt und aus der Asche aufersteht
5 fleet’st vorbeieilst
8 hainous heinous, fürchterlich, abscheulich, gräßlich
14 euer liue in manchen Ausgaben aus Gründen des Metrums zu live ever verbessert
Deutsche Fassung von Dorothea Tieck:
19
Zeit, Würgerin, bezwing des Löwen Mut,
Die eignen Kinder schling’ die Erd’ hinab.
Brich du des nie gezähmten Tigers Wut,
Und stürz den Phönix in das Flammengrab.
Bring wechselnd trüb’ und heitre Jahreszeiten.
Mach, Flüchtige, daß deinen Zorn empfinde
Die Welt, mit ihren eiteln Lieblichkeiten;
Nur hüte dich vor einer schweren Sünde:
Oh! rühr nicht an des Freundes zarte Wangen,
Drück auf die schöne Stirne nie dein Siegel.
Laß ungekränkt im Jugendreiz ihn prangen,
Dem künftigen Geschlecht ein Schönheitsspiegel.
Doch tu dein Ärgstes, Zeit. Trotz deinen Mühen
Soll des Geliebten Lenz im Verse blühen.
Die Redaktion schreibt zum neuen Heft:
Mit Léonce Lupettes Übersetzung eines Gedichts von Reynaldo Jiménez und Lupettes Essay dazu endet unsere in Kooperation mit Daniel Graf entstandene inter_poems-Reihe. Sie war nicht zuletzt eine Rückgewinnung der Lyrik für den Merkur, in dem sie lange kaum vorkam. Wir versprechen: Diesmal bleiben wir dran.
Piqer Mascha Jacobs bei piqd:
der beste Ort für Fundstücke: Die Website UbuWeb, die der konzeptuelle Autor Kenneth Goldsmith nunmehr seit 20 Jahren füllt. Er sammelt Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern sowie Texte, Soundschnispel, Dokumentationen, Videos und Musik von Underground- und Avantgardekünstlern. Aber auch abseitiges Material von bekannten, zum Kanon gehörenden Künstlern. Wenn man nicht gezielt auf der Suche ist, nach einem Video von Yvonne Rainer, über das man schon so viel gelesen hat, weil es für den minimalistischen Tanz in den 1960er Jahren wichtig war, startet man am besten mit einem Klick auf Recent Additions, um einen Anfang zu machen. Und von da aus landet man etwa bei einer Coverversion von Joseph Beuys „Ja Ja Ja Nee Nee Nee“ von Martin Kippenberger oder klickt auf Fat Boy Slim, hinter dessen Namen sich ein fantastisches Video verbirgt, in dem Christopher Walken in einer einsamen Hotellobby tanzt. / Mehr
poet nr. 21. Literaturmagazin. Hg. Andreas Heidtmann. Leipzig (poetenladen) Herbst 2016. 252 S., 9.80 Euro. Besprochen hier von Alexandru Bulucz. Auszug:
Die Rubrik Lyrik eröffnet der stille amerikanische Poet Keith Waldrop. Fünf der sechs Gedichte übersetzte Jan Kuhlbrodt, eines – „Archipelago“ – Peggy Neidel. Kuhlbrodt folgt dabei mehr dem Sinn als der Wörtlichkeit des Originals. Aus „In the still oft he night, in bed with your only wife“ wird z.B. „In stiller Nacht und monogamen Betten“ (The Still of the Night – In der Stille der Nacht). Oder: Enden alle Strophen des Gedichts „Unlistened“ im Original mit der Zeile „Silence“, enden sie in der Übersetzung mal mit „Ruhig wird“, mal mit „Wird ruhig“. Eine einzige Strophe endet mir „Ruhig“. Das liegt an den im Englischen verwendeten Subjunktionen und Konjunktionen „while“, „though“, „but“, „as“ und „and“ und daran, dass die englische anders als die deutsche Sprache keine durchgängige Verbzweitstellungs-Regel mehr kennt. Trotz solcher und anderer Schwierigkeiten gelingt es beiden Übersetzern, Waldrops Stimme auch im Deutschen zu bewahren. Eine Stimme, die keine Effektheischerei kennt, sondern nur Diskretion, Stille und Zurückhaltung, und die um ihre Endlichkeit weiß. Im Gedicht „Der Wind lacht“ wird die Endlichkeit vom ständig wehenden und sie ignorierenden Wind kontrastiert. Ob zum Lunch, Dinner oder Frühstück: „der Wind lacht“. Und nur angesichts von Episoden der Unendlichkeit befugt uns das Ich, es zu wecken. Ansonsten gilt es: „Nicht stören“.
Nach 50 Jahren werden die Akten des Nobelpreiskomitees der Öffentlichkeit zugänglich. Daraus erfährt man jetzt, daß auf den vorderen Plätzen der Auswahl Yasunari Kawabata, Graham Greene, W. H. Auden und Samuel Beckett standen. Der Japaner erhielt ihn 1968, Beckett 1969, während die beiden anderen nie dran kamen. Ganz vorn standen Nelly Sachs und Paul Celan, und es gab den Vorschlag, den Preis zwischen ihnen zu teilen. Das Komitee zweifelte aber, ob Celans Werk einen solchen Rang habe. Schließlich wurde der Preis zwischen Nelly Sachs und dem israelischen Autor Samuel Josef Agnon geteilt.
Da auch Akademiemitglieder keine Götter und schon gar nicht ohne Fehl und Tadel sind, bleibt mehr als ein Geschmäckle:
Sachs genoss aber Heimvorteil. 1940 vor den Nazis nach Schweden geflohen, war sie schwedische Staatsbürgerin und in der Szene vernetzt. In der Akademie sassen die Freunde Ekelöf und Lindegren, die sie ins Schwedische übersetzt hatten und die ihrerseits von Sachs übersetzt wurden, sowie drei weitere Autoren, deren Werke sie in früheren Jahren ins Deutsche übertragen hatte. Für Befangenheit hatten die achtzehn Akademiker damals kein Sensorium. 1976 zeichneten sie sogar die beiden Akademie-Kollegen Eyvind Johnson und Harry Martinson mit dem Preis der Preise aus – eine Affäre, die zwei Jahre später mit Martinsons Suizid endete. / Aldo Keel, Neue Zürcher Zeitung
Mehr
Zu den Nobelpreisen 1966 Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung / Svenska Dagbladet / Dagens Nyheter
Hilde Domin / Nelly Sachs – Wie ein großes Missverständnis
Frankfurter Rundschau–26. Dez. 2016
Jetzt als vorbildliche Edition zu haben: Die Briefe der so verbundenen und doch so verschiedenen Lyrikerinnen Hilde Domin und Nelly Sachs.
… Google fragen bringt nichts. Beweis:

Nein, nix Rosanna, nix Wake-up-call und auch nicht Preisvergleich und Heidekinder.
Morgens früh um sechs
kommt die kleine Hex‘;
und bringt die neue Lyrikzeitung. Genauer um, technisch bedingt, 6:02 Uhr. Bis dahin schauen Sie ins Archiv oder lesen den Kindervers weiter!
morgens früh um sieben
schabt sie gelbe Rüben;
morgens früh um acht
wird Kaffee gemacht;
morgens früh um neune
geht sie in die Scheune;
morgens früh um zehne
holt sie Holz und Späne;
feuert an bis elfe,
kocht dann bis um zwölfe
Fröschebein und Krebs und Fisch.
Hurtig, Kinder, kommt zu Tisch!
Freitag ist Dreikönigstag Allan-Poe-Tag L&Poe-Tag!
Der noch im späten 19. Jahrhundert da und dort gepflegte Geniekult geht auf die mythische Vorstellung eines originären Schöpfertums zurück, das ab ovo oder ex nihilo etwas Neues, Niedagewesenes, Unverwechselbares in die Welt bringt. Das solcherart schöpferische Genie tritt in der Funktion eines gottähnlichen Demiurgen auf, der die Wirklichkeit durch eigens geschaffene mögliche Welten mit jeweils eigenem Realitätsstatus ergänzt. Bestätigt wird diese Vorstellung durch die Bezeichnung des Schöpfers als „Autor“, lateinisch auctor (von augere, „mehren“), wovon die Begriffe „Autorschaft“ und „Autorität“ herzuleiten sind: Die Funktion „Autor“ ist also ursprünglich auf ein stetiges autoritatives Hervorbringen von „Neuem“ festgelegt, auf eine permanente Innovationsleistung, durch die die bestehende Welt angereichert, eben „gemehrt“ werden soll. […]
Produktive „Mehrung“ ist nur dann möglich, wenn eine Auslese stattfindet, wenn ihr also eine umsichtige „Minderung“ vorausgeht – wer Neues hervorbringt und durchsetzen will, muss auch auf Vorgängiges verzichten können, um für Neues Platz zu schaffen. Das heisst allerdings nicht, dass alles Überlieferte zu verwerfen ist, wie noch die klassische Avantgarde es gefordert hat, es heisst vielmehr, dass die Überlieferung immer wieder bereinigt, neu bewertet, nachträglich begradigt werden muss, um eine innovative „Mehrung“ überhaupt erst zu ermöglichen und produktiv zu machen.
[…] Im Gegensatz zur natürlichen Evolution der Tier- und Pflanzenwelt erfordert die Evolution der Künste gezielte Eingriffe von aussen, durch die die Struktur- und Formentfaltung in vorbestimmte Bahnen gelenkt wird. Als Vergleich für dieses Verfahren bietet sich die althergebrachte Kulturtechnik des Pfropfens (oder Pelzens) an. Im Akt des Pfropfens verbindet sich die destruktive Geste der Amputation (Stamm, Äste werden gekappt) mit der konstruktiven Geste der Transplantation (fremdes Reis wird an der Schnittstelle eingesetzt). Aus solcher Verbindung, begriffen als „Veredelung“, ergibt sich die geplante „Mehrung“ , und diese wiederum mehrt und differenziert auch die Möglichkeiten der Herausbildung neuer Fruchtformen und -qualitäten. Stamm und Ast verlieren somit an Bedeutung zu Gunsten der gewalthaft (mit dem Pfropfmesser) bewerkstelligten Verzweigung. Die neu applizierten Reiszweige bilden so etwas wie ein nach oben gekehrtes, in unterschiedliche Richtungen weisendes Wurzelwerk, das die Entfaltung der gewachsenen und weiterwachsenden Gestalt wie auch die nachkommende Produktion (des Baums, des Rebstocks usw.) merklich mitbestimmt.
Der „Autor“ als schöpferische Instanz wird damit naturgemäss entmachtet, wird abgelöst durch einen „Generator“, der die Kunstentwicklung voranbringt, indem er die Überlieferung mit technischen Mitteln manipuliert. Das Verfahren entspricht dem antiken Vorbild der Anthologie, die durch das Sampling von Fremdtexten eine eigenständige, von der Autorität eines individuellen Autors unabhängige Werkform konstituiert, und es findet seine aktuelle Anwendung in der vielfältigen Methode des Copy-Cut-and-Paste, bei der überlieferte Materialien – Texte wie Bilder − kopiert, auseinandergeschnitten und mit neuer Intention in neuer Zusammensetzung sowie unter Verwendung zusätzlicher Versatzstücke aufbereitet werden. […]
Mit Blick auf die hybride Kunst- und Literaturproduktion von heute könnte man unter diesem Gesichtspunkt sagen, sie bestehe vorwiegend aus disparaten Pfropfsprossen, die den Stamm und das natürlich herangewachsene Astwerk, auf das sie transplantiert wurden, weitgehend vergessen lassen.
[…] Die Evolution von Kunst und Literatur, aber auch die individuelle Werkentstehung in bildhafter Analogie zur Technik der Pfropfung zu sehen, mag als Anregung dienen für die Ausarbeitung einer historischen Poetik zwischen Natur und Kultur. So wäre womöglich eine interdisziplinäre Position zu erschliessen, von der aus eine Vielzahl poetologischer Fragestellungen in neuer Perspektive angegangen und erhellt werden könnten.
Felix Philipp Ingold, „Die Kunst des Pfropfens“ (Auszug), in VOLLTEXT, 2016, H. IV.
Das war die Lyrikzeitung 2016. See you soon!
Ianina Ilitcheva wurde am 4. Dezember 1983 in Angren, Usbekistan geboren. Sie kam mit einer schweren, seltenen Hautkrankheit auf die Welt, weswegen sie 1991 mit ihrer Mutter nach Österreich zog, da hier die Behandlungsmöglichkeiten fortgeschrittener waren. Allerdings ließ sie sich nie von ihrer Krankheit limitieren – ganz im Gegenteil: sie lebte unablässig radikal empfindsam, hungrig und selbstbestimmt, war stets auf Suche nach dem Schaumkraut am Wegesrand. (…)
2015 erschien, basierend auf ihrer Diplomarbeit an der Akademie der Bildenen Künste, ihr transmediales Buchprojekt 183 Tage, in welchem sie sich versuchsartig mit Isolation, sozialem Begehren und den Abläufen kreativer Prozesse auseinandersetzte. Im gleichen Jahr drehte sie mit Felix Hermann und Jakob Defant in Marroko und Wien den experimentellen Dokumentarfilm Rohdiamanten. Und als @blutundkaffee war sie seit einigen Jahren eine lyrische Ikone, der schönste Geist der deutschprachigen Twitteria – übertriebener Pathos, hohler Zynismus und Blasiertheit waren ihr dabei aber fremd; alles geschah mit dieser bitterernst funkelnden Leidenschaft, die so viele von uns in ihren Bann zog. (…) / Rick Reuther, Sprachkunst
Der Lyriker und Essayist Jochen Winter erhält den mit 10 000 Euro dotierten Literaturpreis der A und A Kulturstiftung. Der 1957 in Schwetzingen geborene Autor, der in Paris und Sizilien lebt, hat Gedichtbände („Spuren im Unermesslichen“, 2012), Essays über das symbolische Denken und die Natur und eine Abhandlung über Giordano Bruno veröffentlicht. Die Preisverleihung findet am 2. Februar 2017 im „Roten Salon“ der Berliner Volksbühne statt. Die Laudatio hält Sebastian Kleinschmidt. / Süddeutsche Zeitung 22.12.
FR druckt russische Gedichte über den Krieg in Tschetschenien
Die modernen Maßnahmen der Zensur sind subtil: Auf einen neuen Fall macht jetzt die britische Zeitschrift Index on Censorship aufmerksam. Sie veröffentlichte russische Gedichte zum Krieg in Tschetschenien, die praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem kleinen Moskauer Verlag erschienen sind. In unserer Reihe „Unterdrückte Wahrheiten“, die ein Kooperationsprojekt zwischen der FR, der Heinrich-Böll-Stiftung und Index on Censorship ist, dokumentieren wir einige von Uta Ruge ausgewählte und übersetzte Gedichte sowie eine Einleitung des britischen Lyrikers Richard McKane. / FR 29.6.01
Van Hoddis
Immer wieder in Sanatorien und Kliniken eingeliefert, bei Pflegefamilien in Thüringen, von 1922 an in Privatpflege bei einer Gastwirtsfamilie in Tübingen, entmündigt, in die Universitäts-Nervenklinik eingewiesen und 1933, als seine Familie nach Palästina auswandert, in die „Israelitische Heilanstalt“ in Bendorf Sayn bei Mainz verbracht, wird Jakob van Hoddis am 30. April 1942 mit hundert weiteren Patienten und den Mitarbeitern der Anstalt in den Distrikt Lublin verschleppt und bald darauf, wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor, ermordet.
„Manchmal, wenn er sich im Garten befindet, springt er plötzlich auf irgendein Tier (Ameise, Schmetterling etc.) zu und begrüßt dasselbe durch sechs- bis siebenmaliges steifes Verbeugen oder durch Abnahme des Hutes“, kann man in der Göppinger Krankenakte lesen, in der – wie in allen anderen, die das umfangreiche Ausstellungsbuch versammelt – der Dichter Jakob van Hoddis nur noch Pat. (Patient) heißt. / ERNEST WICHNER Süddeutsche 29.6.01
„all meine pfade rangen mit der nacht. jakob van hoddis, hans davidsohn (1887-1942)“. Ausstellung in der Stiftung „neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“. Bis 31. August 2001. Vom 16. September bis 11. November 2001 in den Räumen der ehemaligen „Israelitischen Heilanstalten“ in Bendorf Sayn, . Katalog: Stroemfeld Verlag, Frankfur/M. 2001. 256 Seiten, 40 Mark.
(Als ich die Ausstellung in der Neuen Synagoge besuchte, wurden die Taschen kontrolliert und ich mußte mein Schweizer Messer abgeben. Als ein Besucher fragte, was ausgestellt sei, ward ihm Antwort: „Irgendein russischer Dichter“. Deutschland hat sein jüdisches Kulturerbe gründlich entsorgt. Heißt es korrekt „Dichter unbekannt“ oder „Weltende? Kennen wir nicht“?)
Bachmann extrem
Das eine Extrem vertritt Thomas Kling: «Mainstreamkitsch», «Kulissenschieberei», «ein unelegantes Gewuchte von Bildern» oder «klassizistisches Herumfummeln mit Hölderlin» erkennt er in Bachmanns Lyrik und urteilt gnadenlos – Mittelmass. Auf der anderen Extremseite Peter Hamm: Er reiht Bachmann unter seine «Märtyrer, Dichter und Heiligen», für ihn ist ihre Lyrik ein «Singen in der Löwengrube oder ein Singen im Feuerofen, also gleichermassen Todesfurcht wie Zuflucht und Hoffnung auf Erlösung».
Reinhard Baumgart (Hrsg.): Einsam sind alle Brücken. Autoren schreiben über Ingeborg Bachmann, Piper München 2001, Fr. 25.80. Joachim Hoell: Ingeborg Bachmann, dtv Portrait, dtv München 2001, Fr. 17.- / St. Galler Tagblatt 26.6.2001
taz druckt auf der Titelseite den Text eines Songs von John Lee Hooker, der am 21.6. bei San Francisco gestorben ist. Und kündigt auf dem Titel einen Artikel über Ingeborg Bachmann so an: „Am Montag wäre die Poetendiva 75 geworden. Unterhalb des Absoluten hat sie es eigentlich nie gemacht.“
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Hetty won the first prize (£1,000) in the Guardian’s text message poetry competition – from almost 7,500 entries. Two of Britain’s foremost poets, the judges Peter Sansom and UA Fanthorpe assess the creative output from your mobile phones. Online’s competition has inspired first-time and seasoned bards alike. / Guardian
PEN-Präsident, staatenlos
Wie kommt es, dass jemand, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, noch immer nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt? SAID: Ich habe vor vier, fünf Jahren die Staatsbürgerschaft beantragt. Die Bürokratie hat mir aber mitgeteilt, dass ich dafür nicht genügend Geld verdiene. Natürlich hätte ich vor Gericht ziehen können und auch Recht bekommen, weil der Bescheid verfassungswidrig war. Aber ich fand es lächerlich, mich wegen eines Stücks Papier zu streiten. / der iranische Lyriker und deutsche Pen-Präsident Said in der Kleinen Zeitung Online
Glorreiches Erbe
Rein statistisch betrachtet, bringt Griechenland heute die meisten Lyriker Europas hervor. Vermutlich hat auch dies mit den lebendigen Traditionen zu tun – in einem Land, wo Mütter ihre Kinder noch heute ganz selbstverständlich Odysseus, Dionysos oder Iphigenie taufen. „Wenn du alleine unter einem mörderisch blauen oder weißen Himmel umherstreifst“, schrieb Jannis Ritsos einmal, „so legt dir manchmal eine Statue behutsam ihre Hand auf die Schulter.“ Ein schöner Gedanke.
Doch dieses glorreiche Erbe kann auch eine Last bedeuten. Die große Sehnsucht nach dem wahren Griechentum, nach dem originären, dessen Wurzeln sich bis in die Antike zurückverfolgen lassen, verstellt nicht selten den Blick für die Gegenwart. Die Antike muss in der griechischen Gesellschaft noch heute Identität stiften, und Europa scheint am manchen Orten zwischen Athen und Kreta so weit weg wie Australien (wohin viele Griechen als Seefahrer oder auf der Suche nach Arbeit ausgewandert sind). / schreibt die Süddeutsche über eine Ausstellung zu Giorgos Seferis, 7.6.01.
Dichter als Mythos
Machmud Darwisch ist einer der letzten Dichter, die selber ein Mythos sind, einer wie Lorca, wie Majakowski, wie Neruda oder Nazim Hikmet. Mit ihnen teilt der palästinensische Lyriker nicht nur die fast abgöttische Verehrung, die er in seinem Volk geniesst, den Status einer Symbolfigur für unzählige Hoffnungen, sondern auch die Poetik: ein Sprecher für das Volk zu sein, gegen die Unterdrückung, für Freiheit und Gerechtigkeit. Machmud Darwisch ist der ungekrönte König unter den königlich verehrten arabischen Dichtern, der populärste von allen, zugleich aber einer, der über der Popularität die Autonomie der Dichtung nicht vergisst. Seit Ende der achtziger Jahre hat sich seine Poetik stark gewandelt, auf volkstümliche und agitatorische Züge verzichtet er ganz, seine Dichtung ist schwieriger geworden, reflektierter und moderner – im Sinne dessen, was bei uns als modern verstanden wird. / Stefan Weidner, NZZ 27.6.01
Machmud Darwisch: Ein Gedächtnis für das Vergessen. Aus dem Arabischen von Kristina Stock. Lenos-Verlag, Basel 2001. 211 S., geb., Fr. 33.80. 27. Juni 2001
Celan übersetzen
Die Basler Zeitung (26.6.) referiert in ihrer Zeitschriftenschau einen Artikel des südafrikanischen Autors J. M. Coetzee in The New York Review of Books, 5. 7. 2001 über die Schwierigkeiten beim Nachdichten von Paul Celan, in dem er die Frage stellt: „Ist es möglich, auf eine Lyrik wie die Celans anzusprechen, ja selbst sie zu übersetzen, ohne sie ganz zu verstehen?“ …
Coetzees Resumé: Celan is the towering European poet of the middle decades of the twentieth century, one who, rather than transcending his times—he had no wish to transcend them—acted as a lightning rod for their most terrible discharges. His unremitting, intimate wrestlings with the German language, which form the substrate of all his later poetry, come across in translation as, at best, overheard rather than heard directly. In this sense translation of the later poetry must always fail. Nevertheless, two generations of translators have striven, with unexampled resourcefulness and devotion, to bring home in English what can be brought. For the work of the new generation we can only be grateful.
Mißratene Gedichte
Wie ein Dichter mit missratenen Kindern, mit vor langer Zeit geschriebenen Gedichten lebe, fragt der Moderator. Rita Dove, amerikanische Lyrikerin: „Ich liebe sie trotzdem.“ Inger Christensen: „Ich werfe sie weg.“ Günter Kunert: „Es sind Vögel, die nicht fliegen können.“ – „Muss ein Gedicht fliegen?“, fragt Iso Camartin nach. Kunert: „Es muss immer in der Schwebe sein.“ Christensen: „Nach dreißig Jahren können diese Kinder nicht mehr fliegen. Aber wenn man so ein Gedicht wieder sieht, dann hüpft es.“ / Martin Z. Schröder, Berliner Zeitung 23.6.01
Wann beginnt Dresden
die Hauptstadt der Poesie zu werden? Wenn sich die ersten Lyrikfans aus der Buchstadt Leipzig mit Schlafsack und wenig Geld in der Tasche nach Dresden aufmachen, nur um das hier zu erleben. / Tomas Gärtner, Dresdner Neueste Nachrichten 15.6.01
Kurz gesagt
Gestorben im Juni 2001
Dies alles verdanke ich Wikipedia.
Ein schlechter Monat für die königliche Familie in Nepal. Wiki englisch meldet unter Todesfälle im Juni
1 – King Birendra, 55, King of Nepal.
1 – Queen Aiswarya, 51, Queen of Nepal.
4 – King Dipendra of Nepal, 29.
König und Königin kamen zusammen mit dem Großteil der königlichen Familie bei einem Massaker ums Leben, das nach offiziellem Bericht der Prinz Dipendra verübt haben soll.
Am 1. Juni 2001 wurde nahezu die gesamte nepalesische Königsfamilie durch Schüsse getötet. Nach dem offiziellen Untersuchungsbericht gilt Kronprinz Dipendra als der Täter. Es bestehen aber erhebliche Zweifel, ob der Tathergang wie im offiziellen Bericht dargestellt, sich auch so zugetragen hat. Nach dem Bericht kam es bei einem gemeinschaftlichen Essen der Königsfamilie im Palast in der Hauptstadt Kathmandu zum Streit. Kronprinz Dipendra habe dann plötzlich das Treffen verlassen, sei kurze Zeit später im Kampfanzug zurückgekehrt und habe aus einer automatischen Waffe um sich geschossen. Dipendra hatte zuvor zwei Gläser Whisky getrunken, Haschisch und eine andere Droge geraucht sowie mit seiner Verlobten Devyani Rana telefoniert. Nach der Tat soll Kronprinz Dipendra auf sich selbst geschossen haben.
Trotz des Tatverdachts wurde Kronprinz Dipendra zum König ernannt. Da er aber im Koma lag, wurde sein Onkel Gyanendra zum Regenten ernannt. Der hatte überlebt, weil er während des Massakers abwesend war. Am 4. starb der amtliche Täter, ohne aus dem Koma erwacht zu sein und der Onkel wurde neuer König. Manche vermuten in ihm den Auftraggeber der Morde. Gyanendra, geboren 1947, war schon einmal 1950-51 König und regierte bis zur Abschaffung der Monarchie 2008. (Die älteste Lyriknachricht aus Nepal stammt aus dem Jahr 2006)
Weitere Todesfälle
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