Leseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 15-21 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
20
A Womans face with natures owne hand painted, Haste thou the Master Mistris of my passion, A womans gentle hart but not acquainted With shifting change as is false womens fashion, An eye more bright then theirs, lesse false in rowling: Gilding the obiect where-vpon it gazeth, A man in hew all Hews in his controwling, Which steales mens eyes and womens soules amaseth. And for a woman wert thou first created, Till nature as she wrought thee fell a dotinge, And by addition me of thee defeated, By adding one thing to my purpose nothing. But since she prickt thee out for womens pleasure, Mine be thy loue and thy loues vse their treasure.
Einige Anmerkungen zum Text:
1 painted a) gemalt b) geschminkt
2 Master Mistris Malone 1780 verbessert master-mistress
3 acquainted: „Quaint“ war damals ein Slangausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan: „thou hast a womans heart but not a quaint“. Das Wortspiel erscheint nicht so fernliegend, da das Sonett ab V. 11 auf die Pointe des „hinzugefügten“ Teils hinausläuft. Nicht einmal George konnte das mitübersetzen. – Wer keine Fußnoten liest, liefert sich den Entscheidungen irgendwelcher Vordenker aus.
4 shifting change: weiblicher Wankelmut ist ein Gemeinplatz der Zeit.
5 Dein Auge ist heller als ihrs und weniger bereit, nach anderen „zu rollen“.
6 Gilding, vergolden ist bei Shakespeare selten eindeutig positiv
7 man in kleiner Blick in die Welt der Konjekturen und Emendationen: Beeching 1904 verbessert: maiden. Mackail verbessert: native. Kommentar in einer modernen Ausgabe (Signet Classic Shakespeare Serie 2001):
7 hue … controwling: hue bedeutete ursprünglich Form, Gestalt, dann Gesichtsfarbe, dann Farbe generell. a) ein Mann, dessen Schönheit alle anderen bezaubert b) ein Mann in Form, der fähig ist, jede Farbe anzunehmen, auch die einer Frau c) daß er alle Gesichtsfarben (erröten, erbleichen) annehmen kann.
8 Which entweder maskulin, also a man who oder Neutrum: a hue which…
10 fell a dotinge begann sich zu verlieben
11 addition zunächst auf das zusätzliche Teil, Penis, bezogen; kann vielleicht auch hinzugefügten sozialen Status mitbedeuten. (Burrow)
13 prickt thee out a) dich auswählte b) dich mit einem prick, Penis ausstattete
14 In der hier verwendeten Originalschreibweise steckt grammatische Mehrfachlesbarkeit a) thy loves (do) use their treasure b) thy love’s use (is) their treasure. Burrow kommentiert: „Strained? Maybe. But Shakespeare is in the Sonnets still the poet of Venus and Adonis, urging his readers to make it lewd, to stray towards the ‚bottom grass‘. Local mobilities of sense shift the reality from which the poems seem to spring. The only way to grasp the circumambient reality is to grasp hold of the totality of the poem’s possible senses.“ A.a.O. S. 130. Deshalb greift die Frage zu kurz, ob Shakespeare homosexuell war. Es geht um das Spiel der Möglichkeiten. In Sonett 136 wird es auf die Spitze getrieben, indem der Name des Dichters, „Will“, spielerisch eingeführt wird in der Mehrfachbedeutung a) und b) der Geschlechtsorgane beider Geschlechter, c) des sexuellen Begehrens und d) der Person namens Will. In diesem Sonett (wird lange dauern, bis wir dahin kommen) kommt Will in Klein- und Großschreibung sowie im Plural insgesamt siebenmal vor, sechsmal allein im ersten Satz und am Schluß eingesammelt in der Phrase „for my name is Will“. Moderne „Normalisierung“ in Orthographie, Grammatik und Interpunktion beschneidet eben die Deutungsmöglichkeiten, auf die es den Sonetten ankommt. (Man sieht unschwer, daß die erst 1904 vorgenommene „Konjektur“ maiden hue für man in hue in Vers 7 dem bewußten oder vielleicht auch unbewußten Bestreben nach Verkürzung der nun als heikel empfundenen Ambiguität dient. Bloß nicht fragen, ob gleichgeschlechtliche Liebe mitgemeint sein könnte!). Philologie ist Politik!
„20 beschreibt seine weiblichen Züge (Master Mistris of my passion) und unterstreicht das durch weibliche Reime“ (Plessow). „Weibliche Reime treten oft in sexuell suggestiven Momenten auf, wie in Hero and Leander II. 555-8.“ (Burrow 2002)
Deutsche Fassung von Stefan George:
Ein frauenantlitz das Natur selbsthändig Gemalt – hast du · Herr-Herrin meiner minne · Ein zartes frauenherz · doch das nicht ständig Den wechsel sucht nach falscher frauen sinne. Ein aug so hell wie ihrs doch nicht so hehlend · Jed ding vergoldend worauf es sich wendet · Ein mann in form · den formen all befehlend · Der mannes aug und weibes seele blendet. Du warst als frau gedacht als erst dich schaffte Natur · doch sie verliebte sich beim werke · lndem durch zutat sie dich mir entraffte Tat sie ein ding bei – nicht für meine zwecke. Doch da sie dich erlas zu weibes labe · Sei mein dein lieben · ihnen liebes-gabe-
Quellen
Am Sonntagabend der neue Tatort, einerseits ein Krimi mit Leiche und Ermittlern, andererseits,
der Titel „Land in dieser Zeit“ sagt es schon, versucht der gestrige „Tatort“ ein Kurzporträt Deutschlands des Jahres 2016 zu sein. Eine Art subjektive Momentaufnahme dessen, was gerade alles Deutschland ausmacht.
Das kann natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit haben, aber für die Autoren zählen dazu: deutsches Liedgut, Geflohene, hessisches Lokalkolorit, die Neue Rechte, Chormusik, Drogendealer, Molotow-Cocktails, Kakao aus Offenbach, defekte Autos und ein Gedichte rezitierender Chef-Ermittler. / web.de (mit den üblichen Anti-Merkel-und-Medien-Kommentaren professioneller WirrsinddasVolk-Kommentarposter)
Man weiß, daß Fernsehkommentare Opern mögen und arrogante Kunstprofessoren verachten. Den Gedichte rezitierenden Chef würde ich freilich aus der Bestandsaufnahme Deutschland 2016 herausnehmen, wo gibts denn sowas? Vielmehr bilden Gedichte eine dritte dramaturgische Ebene, nicht „aristotelisch“-abbildend sondern brechtisch verfremdend. Alle paar Minuten unterbrechen Gedichte die Handlung und zeigen einen Jandl rezitierenden Chefermittler, der seinen verdutzten Kollegen nahtlos mitten in der Besprechung aus einem Büchlein ziemlich gekonnt Sprechgedichte vorträgt. „Glotzt nicht so romantisch!“
Dann gibt es die Volkslieder, die die volksfrohen Maiden im Chor mitsingen. Und noch ein Gedicht.
Die Stunde kommt da man dich braucht
Dann sei du ganz bereit
und in das Feuer das verraucht
wirf dich als letztes Scheit
Ein Lied von Friedrich Gundolf – etwas das Joseph Goebbels und Sophie Scholl gefällt. Und den „Identitären“ von heute. Deutschland eben.
Abwärts! Nr. 17. 3. Jahrgang. November 2016. 5 €
Eine Art Sonderausgabe zum Tod, überschrieben mit der Heiner Müller variierenden Zeile: Der Tod bleibt ein Irrtum. Beiträge zum Tod von Norbert „Knofo“ Kröcher (Bert Papenfuß, Knobi, Silka Teichert, Jürgen Schneider), Brigitte Schulz (Annette Gröschner), Klaus M. Rarisch (Robert Wohlleben), Frank Hörnigk (Kristin Schulz).
Robert Wohllebens Nachruf auf Klaus M. Rarisch, der bereits am 20. Juli vorigen Jahres in Berlin im Alter von 80 Jahren starb, ist überschrieben „5,85 Sonette per annum“ und beginnt so:
Ein unruhiger Geist mußte Ruhe geben. Klaus M. Rarisch war in erster Linie Lyriker, im Lauf der Zeit mehr und mehr bis schließlich einzig auf die Gedichtform Sonett spezialisiert. Seine Gedichte waren oft ebenso kämpferisch scharf in der Diktion wie seine Rezensionen und Stellungnahmen. Zelebritäten wie Heinrich Böll, Günter Grass, Marcel Reich-Ranicki, Wolf Biermann, Ulla Hahn flickte er am Zeuge. Mit dem als Substrat, was Marcel Reich-Ranicki in seinem FAZ-Artikel Das Ende der Gruppe 47über deren Abschiedstreffen in Saulgau schrieb, verfaßte Rarisch die nach Cefalù verlegte Kontrafaktur Das Ende der Mafia — Sizilien 1977, Namen des Personals der Lokalität angepaßt: Giovanni Giudice, Grasso, Gioacchino Imperatore, Federico Radezza, Marcello Ricco-Randellone. Das Ganze im Stil der späten Phantasus-Dichtung von Arme Holz, also mit reichlich Fiorituren. So müssen dem als früherem Treffensort erwähnten Gasthaus „Pulvermühle“ erst noch „Explosivklause“ und „Dynamitbaude“ vorangehen. (Ich machte 1981 nur allzugern — und grinsend — den Meiendorfer Druck Nr. 8 daraus: alle Buchstaben einzeln mit meinen „Signier-Stempeln“ aufs Papier gebracht, klebstoffliche Mittelachsmontage auf einem ausgehängten Stallfenster als Lichttisch.)
Andrerseits ging es ihm darum — ich zitiere mich: –, „mit blanker Schreibmaschine gefährdete Posten literarischer Rechtlichkeit freizukämpfen (zu entsetzen, im militärischen Verstande), — vorzugsweise, wenn Arno Holz tangiert ist“. Die Beziehung zu diesem Dichter begann, als Rarisch — wie er mir erzählte — als Junge beim Durchstreifen Berliner Ruinenkeller auf dessen Gesamtausgabe von 1924/25 stieß. Mithin nur konsequent, daß er später, nach dem Tod der Dichterwitwe, für eine Weile mit der Verwaltung des literarischen Nachlasses von Arno Holz betraut war und dessen ungefüges, zweibändiges Verstheater Die Blechschmiede zu einem Hörspiel kondensierte, von Heinz von Cramer für den Bayerischen Rundfunk inszeniert und von der Akademie der Darstellenden Künste (Frankfurt) als „Hörspiel des Monats“ Oktober 1979 ausgezeichnet. Auch für andre trat er ein: etwa für die ins Exil getriebenen Dadaisten Richard Huelsenbeck und Walter Mehring wie für vergessene Sonettdichter.
Bert Papenfuß versieht sein Gedicht oddech & orewoet, ursprünglich aus dem Konvolut der Rumbalotte-Rockoper (für die sich aus mir unverständlichen Gründen kein Theaterschwein interessiert), mit so poetischen wie philologischen sowie ausgreifenden Kommentaren und Fußnoten mit Bezügen auf polnisch-tschechische, alt-, mittel- und neuniederländische und russische Wörter. Ein Zitat:
Was hat mich an den religiösen Schwärmern der frühen Neuzeit gereizt? Ich habe in ihnen – z.B. Quirinus Kuhlmann (…) – ein Äquivalent zu heutigen (gestrigen) Punks, Autonomen und sonstigen Sozialrebellen gesehen. Mich hat nie ihre Religiosität interessiert, Spiritualität ist mir brenne – sondern ihre Abgefahrenheit. (…) Kuhlmanns Kühlpsalter ist purer Rock’n’Roll.
Zwei Wikis sind besser als ein Wiki. Und manchmal reichen sie nicht aus.
Über den dänischen Schriftsteller Leif Panduro (1923-1977) lese ich in der deutschen Wiki:
Bis 1976 war er Mitglied der Dänischen Akademie (Det Danske Akademi).
In der englischen:
In 1971 he was awarded with the Grand Prize of the Danish Academy and five years later he became a member of the Danish Academy.
Rein oder raus? Oder haben beide recht? Lassen wir die dänische Fassung entscheiden:
Leif Panduro modtog bl.a. Herman Bangs Mindelegat i 1966, De Gyldne Laurbær i 1970 og Det Danske Akademis Store Pris i 1971, han blev i 1976 medlem af Det Danske Akademi.
Auf Deutsch
Leif Panduro erhielt unter anderem den Herman-Bang-Gedächtnispreis 1966, den Goldenen Lorbeer 1970 und den Großen Preis der Dänischen Akademie 1971; 1976 wurde er Mitglied der Dänischen Akademie.
Ach, verstehe. Vermutlich ein Fehler der automatischen Übersetzung. Jede Sprache sucht sich andere Seme aus der gemeinsamen Wurzel aus. Das Wort bleiben stammt von einem untergegangenen germanischen Verb līban „haften, klebrig sein“. Aus dieser Familie stammen auch leben, Leim sowie die Zahlwörter elf und zwölf und die Namen Detlev und Olaf. Olaf bleibt, aber im Dänischen heißt bliver „werden“. 1976 ist er Mitglied geworden*, schon 1977 starb er.
*) werden ist etymologisch auch interessant. Verwandt mit altindisch vártati (dreht), lateinisch vertere (kehren, wenden, drehen, „Vers“ ist ein Verwandter). Nur wer sich wandelt „bleibt“.
Der Internationale Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma verleiht in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Sparkasse Muldental 2017 den Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis. Das Preisgeld, das von der Stiftung der Sparkasse Muldental gestiftet wird, beträgt 3.000,- €. Der Preis hat den Charakter einer Zuwendung. Ein Rechtsanspruch auf den Preis besteht nicht.
Die Preisverleihung findet im Rahmen einer festlichen Veranstaltung am 3. Dezember 2017 statt, in Erinnerung an den 6. Dezember 1801, jenem Tag, an dem Johann Gottfried Seume seinen Spaziergang nach Syrakus von Grimma aus begann.
Berücksichtigt werden nur literarische Arbeiten, die in deutscher Sprache verfasst wurden und dem Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma spätestens am 30. Juni 2017 übermittelt werden (es gilt der Poststempel).
Elektronische Textformen können nicht berücksichtigt werden!
Die eingereichten Texte dürfen in ihrer Entstehung höchstens fünf Jahre zurückliegen, somit sind nur Texte ab 2013 zugelassen. Das Stichjahr ist 2017. Bei Textzusammenstellungen ist glaubhaft zu versichern, dass die Texte tatsächlich nicht älter als fünf Jahre sind; fehlt dies, gilt der Text als nicht eingereicht.
Die Texte können bereits publiziert worden sein; die Ausstattung bereits publizierter Bücher findet aber bei der Bewertung durch die Jury keine Berücksichtigung.
Dem eingereichten Text ist ein kurzer Lebenslauf der Verfasserin / des Verfassers beizulegen. Auf bereits erhaltene Auszeichnungen soll im Lebenslauf verzichtet werden.
Der Text hat folgende Anforderungen zu erfüllen:
a) Gesellschafts- und kulturkritischer Ansatz, dem Geiste Seumes folgend
und
b) inhaltliche und sprachliche Qualität.
Nur vollständige Vorschläge [Text und Lebenslauf] können berücksichtigt werden. Anonyme Eingaben werden nicht berücksichtigt.
Die Vorschläge sind einzureichen beim
Internationalen Johann-Gottfried-Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma
Vereinssitz:
Museum Göschenhaus
Schillerstraße 25
04668 Grimma
Die Satzung und weitere Informationen zum Johann-Gottfried-Seume-Literaturpreis können unter www.seumeverein-arethusa.de eingesehen werden.
Grimma, im Januar 2017
Für den Vorstand
Thorsten Bolte (Seume-Verein „ARETHUSA“ e. V. Grimma – Mitglied des Vorstandes)
Internationaler Johann-Gottfried-Seume-Verein
„ARETHUSA“ e. V. Grimma
Vereinssitz:
Göschenhaus Grimma-Hohnstädt
– Seume-Gedenkstätte –
Schillerstraße 25 • 04668 Grimma
Tel. / Fax 0 34 37 – 91 11 18
(Unter den Siegertiteln waren Gedichte von Andreas Reimann und Helga M. Novak)
In Großbritannien eine kleine Kritikerschlacht um die Krimiserie Sherlock – in Versen. Mark Gatiss —Mitautor von Sherlock, – antwortet einem Kritiker auf der Leserbriefseite des Guardian in einem Gedicht, dessen 1. Strophe lautet:
To an undiscerning critic
Here is a critic who says with low blow
Sherlock’s no brain-box but become double-O.*
Says the Baker St boy is no man of action –
whilst ignoring the stories that could have put him in traction.
Die gleichfalls gereimte Antwort des Kritikers Ralph Jones erschien nicht beim Guardian (wo man vielleicht genug davon hatte), sondern bei Shortlist. Hier die letzte Strophe:
I’m saying that Holmes and his love of a mystery
Look terribly close to being BBC history.
Enough on this point though, I think I might bore you.
It’s time I unveiled the code I wrote for you.
Why not go back and check the first word on each line?
Using the title, tell me what you divine.
Lesen Sie die komplette bisherige Debatte mit Kommentar hier.
*) OO: 007 (der Kritiker hatte der Serie vorgeworfen, in Richtung James Bond zu driften)
Sprache im technischen Zeitalter
Ausgabe 220, Dezember 2016.
Titelthema: Die DDR in der Literatur nach 1989
Spritz fragte 3 Autoren, die in der „ehemaligen“ DDR aufgewachsen sind und einen aus der „ehemaligen“ kleineren Bundesrepublik. Kathrin Gerloff hatte in den 80er Jahren in Leipzig Journalistik studiert. Nicht dabei, sondern danach sei sie in eine Denkblockade geraten. Es habe 1986 „eine spürbare Aufbruchsstimmung“ gegeben, eine kurze „Zeit der Euphorie dank Gorbatschow“, „die aber sehr schnell wieder zusammengebrochen war“. Von da an habe „eine fürchterliche Lähmung und Verzweiflung“ geherrscht. Von „außen“, ob räumlich oder zeitlich, mag das verwundern. 1986, war das nicht der Zeitpunkt, an dem Gorbatschows Perestroika allmählich Fahrt aufnahm? Wie ich mich erinnere, steigerte sich die (nicht Euphorie sondern) Hoffnung von Jahr zu Jahr. Honeckers DDR verfiel in Winterstarre, um so unabweislicher schien mir, daß dieses System nicht mehr viel Zeit hatte.
Andere Frage: „Hatten Sie Zugriff auf Westliteratur?“ Antwort: „Ich hatte keinen Zugriff.“ Wie bitte? Fuhren nicht andere zum Beispiel aus Rostock oder Greifswald nach Leipzig, weil die Deutsche Bücherei alle deutschsprachigen Bücher sammelte? Nur ein Teil davon stand im Lesesaal, sogar ein paar Zeitschriften wie „Akzente“ oder „Sprache im technischen Zeitalter“, das meiste stand im Depot und mußte in einem speziellen Lesesaal gelesen werden, wenn man ein Papier vorweisen konnte, auf dem stand, daß man zu wissenschaftlichen Zwecken Zugang zu „spezieller Forschungsliteratur“ benötigte. Mein Dozent in Rostock schrieb dem Studenten auf Wunsch gern einen solchen Giftschein (auf Kopfbogen bitte). Vielleicht ist das der Schlüssel, „auf Wunsch“. Vielleicht waren Journalistikstudenten ideologisch so „gefestigt“, daß sie den Wunsch nicht hatten? Ich staune. Sie spricht selbst davon: „Wir hätten wissen können, ich hätte wissen können. Ich habe es nicht gewusst, weil ich mich verweigert habe, weil ich nichts in mein rundes Weltbild hineinlassen wollte. Ich hatte alle Voraussetzungen. Ich war alt genug, ich war klug genug, ich glaube sogar, mein Umfeld hätte mir nicht allzu viele Steine in den Weg gelegt. Ich habe es trotzdem nicht getan.“ – Die Autorin erzählt später, wie sie nach der Wiedervereinigung mit einem „klassischen westdeutschen 68er“ zusammengezogen ist. Er hatte 12000 Bücher, sie etwa 2500. Sie hätten beschlossen, Dubletten auszusondern, aber es gab keine. Da begann das große Nachholen.
Nadja Küchenmeister wird mehr nach Literatur befragt. Sie warnt: „Doch sollte man den autobiographischen Signalen [in ihren Gedichten] nicht auf den Leim gehen.“ Und spricht über die Rolle von Zitaten, „Fremdsprache“ im eigenen Gedicht.
Ingo Schulze zum Thema Westlektüre: „Die Bibliotheken waren ziemlich gut. Wer sich für etwas interessierte, konnte sich schon belesen, auch jenseits des Offiziellen.“
Und auch ein Satz von Thomas Lehr sei zitiert: „Als ich Westdeutscher war – so märchenhaft muss man das jetzt sagen – hat mich einfach gute Literatur interessiert und es war für mich gleich, woher die kam.“ Märchenhaft trifft es schon.
Hans Christoph Buch gibt Proben aus frühen Briefen von und an Nicolas Born. Buch an Born: „Ich habe ein Gedicht geschrieben: ‚Gib das Rauchen auf, Mao! / Geh aufs Land, / Bau Dämme, züchte Vieh, / Schreib Gedichte, schwimm ein bisschen. / Du brauchst die Bombe nicht, Mao. / Marx war ein Westler: / Schieß nicht auf mich! / Komm, wir trinken ein Bier‘ (…) Vielleicht kannst Du’s als Loseblattlyrik verkaufen.“
Born an Buch: „Liebe Buchs, es ist hier alles sehr groß und erstaunlich. Der arme amerika-unkundige Born steht am Empire State Building und sagt zu jedem Passanten Guten Tag. Wo ist die unselige Rothaut, die Manhattan für 24 $ verkaufte? Ich suche nach Spuren von Frank O’Hara. Euer Born.“
Die Gedichte im Heft (von Urweider) habe ich ebenso überblättert (später, später!) wie die in der aktuellen Ausgabe von „Sinn und Form“ (dazu nächste Ausgabe L&Poe). Bis ich zum Schluß kam. Matthias Göritz stellt ein Langgedicht von Chigozie Obioma aus Nigeria vor und zitiert in der Einleitung Hendrik Rost: „Ein politisches Gedicht ist auf jeden Fall ein Gedicht, das ich verstanden habe, wenn ich es lese.“ Vielleicht ist es das. Ich kam mir ein bißchen wie Brecht vor, als er die Gedichte von 400 feinsinnigen (bürgerlichen) Dichtern verwarf und stattdessen ein Gedicht aus einer Sportzeitung auszeichnete. Ich habe das Gedicht aus Nigeria, aus Biafra, 1968 und heute, auf einen Ritt durchgelesen und es hat mir etwas mitgeteilt, das mir wichtig war.
Am 1. September 2001 druckt die taz Notizen von Klaus Siblewski zu Telefongesprächen mit Ernst Jandl. Am 4. 10. 1998 ein immer aktueller Vorschlag:
Ob ich ihm mein Ohr leihen könnte, ein Ohr und vielleicht noch ein Stück meines Verstandes und die Hälfte von meinem Herzen dazu: Er schlage vor, mir vor, sämtliche österreichischen Tageszeitungen müssten für einen Abdruck seines Gedichts „16 jahr“ gewonnen werden, wider die Hetzerei gegen Ausländer. Das sei sein Beitrag zu den bevorstehenden Wahlen. Was ich davon hielte?
Klaus Siblewski: „Telefongespräche mit Ernst Jandl“, Luchterhand Verlag, München 2001, 190 Seiten, 18,50 Mark
Da war 9/11 noch 10 Tage hin. Drei Wochen später schreibt Frank Schirrmacher in der FAZ, und es klingt wie eine Drohung:
Bushs Auftritt (gemeint ist die Rede vor dem Kongreß) wird die westliche Kultur verändern. / FAZ 22.9.01
Hoffentlich müssen wir nicht nächste Woche solch einen Satz über Trump lesen.
und ruft begeistert in Hombroich über die Sprache Anne Dudens aus:
Was für ein schönes Deutsch!
/ Jörg Zimmer, Neuß-Grevenbroicher Zeitung 11.9.01
Kling ist zwar in der Bundesrepublik aufgewachsen, das Epizentrum seines lyrischen Schaffens liegt indessen anderswo. Konrad Bayers oder H. C. Artmanns Wien lockte ihn stärker als Berlin oder die deutsche Provinz; der Üppigkeit des Barock konnte er mehr abgewinnen als dem Innerlichkeitstaumel der Gruppe 47; das Spröde der Dadaisten war ihm lieber als der Bilderrausch der Expressionisten. Früh schon machte er sich – mit Lust – am Material zu schaffen: Er zersetzte, was im Mundraum morsch geworden war, und fügte anderseits zusammen, was ihm an Sprachbruchstücken von allen Seiten her zufiel. Benns Forderung nach dem Kalthalten des Materials machte er sich zu eigen; zugleich erprobte er, in der Tradition eines Hugo Ball oder Ernst Jandl, die Rückführung des Gedichts in gesprochene Sprache.
Die Technik des harten Schnitts hatte Kling einst bei Friederike Mayröcker gelernt; in seiner Lyrik hatte er sie mit beeindruckender Virtuosität ausgeübt; und nun arrangiert er das Material der Literaturgeschichte nach dem gleichen Prinzip.
(…) Thomas Kling hat einen Hang zum Holzschnittartigen. Das kommt seiner Polemik zugute: Rilke gilt ihm als «Nervenfaun» und Enzensberger als «Intelligenzler im Ruhestandsalter»; er belächelt Hofmannsthals «dünn-aristokratisches Schwammerlsüppchen» und Ingeborg Bachmanns «artifizielle Schneewittchenhaftigkeit»; die Lyrik der fünfziger Jahre hält er für «ein angestrengtes Waten in Vierfruchtmarmelade», während er andernorts das «insgesamt Verdruckste der deutschsprachigen Nachkriegslyrik» herausstellt. So räumt Kling mit einem Federstrich ab. / Roman Bucheli, NZZ 6.9.01
Thomas Kling: Botenstoffe. DuMont-Verlag, Köln 2001. 250 S., Fr. 36.-./
Frage: Ein beliebtes Gesellschaftsspiel unter deutschen Dichtern ist derzeit das „Avantgarde-Bashing“. Von Hans Magnus Enzensberger bis Dirk von Petersdorff ertönen die Hasstiraden auf die Helden der „ästhetischen Moderne“. Sie treten dagegen offensiv als Verteidiger der Avantgarde auf. Sind denn die von ihnen gepriesenen Dada- und Surrealismen nicht schon längst tote Materie der Literaturgeschichte?
Antwort: Abgesehen davon, dass der Surrealismus bei deutschen Autoren nie reüssieren konnte – uns fehlt da offenbar ein Organ – ist der Dadaismus, allein was die Bühnenwirksamkeit von dichterischer Sprache anbelangt, von enormer Wirksamkeit. Man denke an die Poetry-Slams heute, die ohne das, was ich als ,Frühe Performance‘ bezeichne, gar nicht denkbar wären. Immer, wenn der Mainstream zu stark wird, kommen so Leute wie die Dadaisten und pusten mal kurz durch. Enorm erfrischend für die Sprache. Die Harmlosen sind ja auch in der Poesie immer wieder stark gewesen, wie zur Zeit eben auch. Nur: Muss ich mir das bieten lassen? Keineswegs. Einer muss den Müll runterbringen. / Rheinpfalz 1.9.01
Was [im Lateinunterricht] gut geht, sind die Lyrik Catulls und die Epigramme Martials, die Germania des Tacitus und die Liebeskunst des Ovid , Petrons Gastmahl des Trimalchio und selbst die Satiren des langatmigen Frauenhassers Juvenal, wenn man die Stücke einigermaßen geschickt aussucht. Alle diese Autoren und Bücher haben zwei Dinge gemeinsam: Sie bescheren, ohne Vorlauf, schon nach relativ kurzen Lesestrecken das befriedigende Gefühl, sich etwas Neues, Ganzes angeeignet zu haben; und sie besitzen ein starkes stoffliches Interesse. Es bleibt nach der Übersetzung, so wackelig sie sein mag, eine lohnende Sache in der Hand, ein selbst geschürftes Nugget. Denn Lesen heißt hier unbedingt: übersetzen.
Ich habe es nahezu unmöglich gefunden, in einem solchen Kurs die Oden des Horaz zu lesen, die immer als sein Hauptwerk gegolten haben. Auch sie besitzen zwar die erforderliche Kürze; aber es bleibt, abgelöst von ihrer Ursprungssprache, nichts von ihnen übrig. Noch der nicht minder formbewusste Catull belohnt es einem, wenn man nur einigermaßen kapiert, was los ist. Horaz nicht; er ist nur im Lateinischen vorhanden.
(Und das, obwohl Nietzsche, der auch tot ist, gesagt hat: Was Horaz im Lateinischen geleistet habe, das könne man im Deutschen nicht einmal wollen.) / Burkhard Müller, Berliner Zeitung 1.9.01
Immerhin bin ich aber auch noch mit dem alten Ezra Pound zu Tisch gesessen und habe ihm in die Jahrhundertaugen geblickt. Wo gibt es solche Augen in Dichterköpfen noch heute? In den Spoletiner Gassen blieben wie angewurzelt die Frauen stehen, hoben ihre Kinder in die Höhe und zeigten ihnen voller Andacht den spazierenden Pound: „Ecco poeta“. / Klaus Geitel, Die Welt 1.9.01
Nevfel Cumart, dunkle Haare, dunkle, leuchtende Augen. Gelernter Zimmermann, studierter Islamwissenschaftler, Schriftsteller von Beruf, Herkunft türkisch. Ein Wanderer zwischen zwei Kulturen. Einer, der seine Erlebnisse und Empfindungen in Poesie umwandelt, der seit vielen Jahren Lyrik auf Deutsch schreibt. Ein Dutzend Gedichtbände hat der 37-Jährige, der in Deutschland geboren ist, bislang veröffentlicht. Lyrisches über Heimat, Vergangenheit, Zukunft, aber auch über die Liebe. …
Der Kulturspagat sei schwierig, aber inzwischen sei es für ihn müßig, sich zu fragen, was er sei, antwortet Cumart. „Ich bin ein Mensch, der von beiden Kulturen beeinflusst ist.“ Wichtig sei nicht, Türke oder Deutscher, sondern menschlich und höflich zu sein. / Frankfurter Rundschau 28.09.2001
dichtet auf Deutsch:
Ausgewandert
aus meiner Sprache
aus meinem Ich
aus meiner Heimat
sprachlos
ichlos
heimatlos
unleserlichGenauso wenig sprachlos, wie knapp 50 weitere Autorinnen und Autoren, die es unter den 400 000 in Deutschland lebenden Griechen gibt. 26 von ihnen, die mit ihrer Prosa und Lyrik, oft in beiden Sprachen, oft im Selbstverlag, manchmal in renommierten deutschen und griechischen Verlagen, den Balanceakt zwischen zwei Kulturen meistern, hat die Fotografin Papoulias in sensiblen Schwarz-Weiß-Porträts eingefangen.
Die Fotodokumentation „Ich schreibe. Griechische Autorinnen und Autoren in Deutschland.“, mit deutschen und griechischen Texten, ist bis zum 11. November im ersten Stock des Historischen Museums, Saalgasse 19, zu sehen. /Monika Cieslik, FR 29.9.01
Ich schließe meinen Reflex auf Jandls Letzte Gedichte mit einem Hinweis auf „wahnsinniges gedicht“, das in seiner Art noch einmal über alles Gedruckte hinausweist, indem es den Horizont für das Nicht-Gesagte – für immer im Kopf des Dichters Verschlossene – und mit ihm zu Grabe Getragene öffnet. „weder durch flüstern, sprechen, schreien / heulen, tränen spritzen / noch spucken, schlucken, husten, kotzen / die nase schneuzen, in der nase bohren / ohrenausblasen, ohrenschmalz entfernen“ sei es bislang aus seinem Kopf herausgekommen und je in die Form von Schrift gelangt: „es fraß ihm das gehirn auf; / wahnsinn dankt“.
Ernst Jandl : Letzte Gedichte. Hrsg. von Klaus Siblewski. Luchterhand Verlag, München 2001, 18,50 DM. / Kurt Riha FR 18.9.01
Der algerische Schriftsteller Rachid Boudjedra sprach in St. Gallen
Wenn Poesie heute lästig ist, obwohl sie sich doch immer rarer macht, so liegt das nach Ermessen von Rachid Boudjedra daran, dass sie durch ein dickes störendes Rauschen aus Daten des Realen hindurch die Welt bis ins Mark trifft. Dieses Rauschen erlaube es widersinnigerweise, sich im Realen einzunisten, nicht um die Realität, sondern das Bewusstsein wiederherzustellen. «Wir haben jetzt also einen komplexen Text (das Gedicht), der die Welt, anstatt sie künstlich zu vereinfachen, in ihrer Kompliziertheit und ihrer Mehrdeutigkeit wiedergibt.» / Tagblatt 25.9.01
is vital, visceral, immediate and delightfully lyrical. Yes, she lived in Greenwich Village in the 20’s and in Paris in the 30’s; yes, she was a self-described nymphomaniac, a colossal celebrity, the recipient of dozens of honors. But the best of her liveliness and her passion she poured into her poetry, which is still the truest record of the lovely light shed by a candle burning at both ends.
/ The New York Observer 27.8.
A Jordanian poet, Musa Hawamdeh, says the authorities in Amman have seized copies of a book containing a controversial poem by him.
Mr Hawamdeh told the BBC that the authorities confiscated the books after Jordanian Islamists described him as an apostate and called for the death penalty if he doesn’t repent.
Islamists say the poem, entitled ‚Joseph‘, contradicts the story of Joseph as it is told in the Quran, but Mr Hawamdeh says the poem is purely metaphorical. The controversy follows the trial in Lebanon this year of the songwriter Marcel Khalife for using words from the Quran in his songs. / From the newsroom of the BBC World Service 24.3.00
Tadeusz Rozewicz, Poland’s leading poet, fashions gold from unlikely amalgams in his new anthology Recycling. James Hopkin applauds his warm irony and self-effacing voice
…Indeed, Rozewicz employs language stanzas (in German, English, Latin) as much for their authenticity as for their musicality. Myriad linguistic registers jostle for contention, too, from the gutter press to Goethe. Though harmonised by his warmly ironic, self-effacing voice, these disparate elements ’speak in accents of tin and rust/ they buzz and hiss‘ as an earlier poem, ‚Warmth‘, promises. / The Observer Sunday September 2, 2001
„In der Schweiz wird gegenwärtig wenig für Lyrik getan. Was in anderen Ländern und Sprachregionen einen hohen Stellenwert hat, tut man hierzulande schnell ab mit dem Hinweis, wir seien kein „poetisches Volk“. Diese Qualifikation ist ungefähr so hochstehend, wie wenn es heissen würde, wir seien kein technisch begabtes Volk und demnach fürs Autofahren so ungeeignet, daß man das gar nicht braucht. Kurz, wir möchten etwas aufbauen, das einen lebendige, innovative Tradition geben könnte, wenn der Start gelingt. Zu den Voraussetzungen gehört, daß es in der Schweiz, in diesem Fall insbesondere der Ostschweiz, nicht schadet, mit der Zeit als eine Art geistiger Kernpunkt für moderne Lyrik/Literatur zu gelten“ (Beat Brechbühl, Schriftsteller, Verleger und Mitorganisator der Frauenfelder Lyriktage)
Die Verächterin „zweckfreier“ Lyrik (also die taz)
so begann ich im September 2001 eine Nachricht,
druckt heute ein Gedicht mit einem Zweck (der obendrüber steht). Autor ist Klaus Theweleit. Hier der Schluß:
Wer all das „realisiert“ haben möchte
In Eisen, Stein, Beton, Farbe, Blech
In Kommissionsvoten & Regierungsbeschlüssen
Soll auch verewigt werden
In Tafeln auf dem Platz
In einer Liste Neuerer Täter
Unschuldiger Täter
Die nichts taten
Als an das Gedenken zu denken
Das sie den ermordeten Juden zu geben bereit waren
In einem Mahn- und Denkmal großen Stils.
Damit dieser leidigen Angelegenheit
Nun endlich Genüge getan wäre
Nach Zwangsarbeiter-„Entschädigungs“-Modell –
„Und keine weiteren Ansprüche, bitte,
Aus Amerika oder sonst woher“
Sonst lassen wir das Ding
Noch platzen.
*****
Im Wort Israel
Steckt eine Antwort
die das Wort sich selber gibt:
Israel is real
Unsere Realität dagegen
Liegt im Unverwirklichten
Liegt im Bleibenlassen
Dessen was Bleiben will
Und sehen, ob es hier leben kann
Unbe(ob)achtet.
„Glossolalia itself, Wacker concedes, is not a language, for it lacks tenses, grammar, and syntax. But neither is glossolalia nonsense. We are best off understanding the phenomenon of speaking in tongues partly as an involuntary physiological process that takes control of believers, but also partly as a process that believers consciously know how to enter and to leave. And speaking in foreign tongues–well, that, he suggests, may have happened because „ideology dictated behavior.“ If you were convinced that the Lord was about to make his appearance in the world, you could speed up the process of saving souls in foreign lands by convincing yourself that you spoke the languages that they used. / Alan Wolfe, The New Republic 27.8.01
Heaven Below: Early Pentecostals and American Culture
by Grant Wacker
(Harvard University Press, 364 pp., $35)
Mit dem Erscheinen der Bände 7 und 8 legt die Frankfurter Ausgabe nun – kurz vor Schluss – endlich vor, was nicht nur der Auffassung des Herausgebers nach, als ihr Herzstück gelten muss und einem frühen Plan nach ihr erster und einziger Gegenstand hätte sein sollen: nämlich die Edition des lyrischen Spätwerks von Hölderlin, insbesondere des als Homburger Folioheft bezeichneten umfangreichen Manuskripts. Unter dem lapidaren, das leicht missdeutete Beiwort „vaterländisch“ bewusst auslassenden, Titel Gesänge findet man nun jene viel interpretierten Texte, auf die sich der Ruhm Hölderlins seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet hat: zum Beispiel die Gedichte „Der Rhein“, „Germanien“, „Patmos“, „Der Einzige“, „Friedensfeier“, „Andenken“, „Mnemosyne“.
Man findet diese Texte einmal in ihren handschriftlichen Zusammenhängen, wie sie im Faksimile erscheinen (Band 7) und dann in einer chronologischen Edition (Band 8), die die Gesamtheit dessen, was Sattler als das Integral des von Hölderlin intendierten Gesangs versteht – das heißt auch all das, was in der Stuttgarter Ausgabe in der Rubrik „Pläne und Bruchstücke“ untergebracht oder in den Varianten behandelt wurde – in 288 Segmente gliedert und gleichberechtigt in einen vermuteten Entstehungszusammenhang stellt. / FR 1.9.01
Originalton Verlagsanzeige: „Das Resultat unterscheidet sich so grundlegend von den bisherigen Ausgaben, dass ein neuer Anfang mit Hölderlin zu hoffen (…) ist.“
Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke. Frankfurter Ausgabe. Historisch-kritische Gesamtausgabe, herausgegeben von D.E. Sattler. Band 7 / 8: Gesänge I / II. Verlag Stroemfeld / Roter Stern, Frankfurt am Main 2001, zusammen 1024 Seiten, je Band 224 DM.
Die Rostocker Literaturzeitschrift Risse widmet ihr Sonderheft erstmals einem lebenden Autor und Künstler: dem Greifswalder Jürgen Landt aus Anlaß seines 60. Geburtstags am 31. Mai 2017. Unter dem Motto „Das Spektrum – Die Welt des Jürgen Landt“ gibt es Prosa, Lyrik und visuelle Texte, Grafiken und Zeichnungen sowie einen Blick auf Installationen und Aktionen. Wolfgang Gabler und Urs Bumke schreiben über Jürgen Landt.
Risse. Zeitschrift für Literatur in Mecklenburg und Vorpommern. Sonderheft 8/ 2016. Auf Kipe. Der Künstler Jürgen Landt. 7,50 €
Felix Philipp Ingold, in: NZZ 2017-01-12
„Die Blüten der Poesie sind überall verstreut“
Wassily Kandinsky als Wortkünstler
Doppel- und Mehrfachbegabungen waren in der künstlerischen Moderne Russlands nichts Ungewöhnliches. Wladimir Majakowskij und Jelena Guro haben sich als Wort- und Bildkünstler einen Namen gemacht, Michail Matjuschin und Mikolajus Ciurlionis sind gleichermassen als Maler und Komponisten hervorgetreten. Noch vielfältiger waren die Talente, die Wassily Kandinsky für seine künstlerische Arbeit nutzen konnte: Als diplomierter Wirtschaftsjurist hatte er sich schon früh auch in andern Disziplinen kundig gemacht (Folkloristik, Philosophie), bevor er sich in den späten 1890er Jahren der Malerei zuwandte und gleichzeitig die Dichtung des zeitgenössischen russischen Symbolismus für sich entdeckte.
Bereits ab 1885 hatte Kandinsky auch selbst Gedichte geschrieben, zunächst in seiner Muttersprache, später dann ̶ zwischen Jahrhundertwende und Weltkrieg, als er in Bayern lebte ̶ vorzugsweise auf Deutsch. Bis in die 1930er Jahre blieb er als Dichter aktiv. „Die Blüten der Poesie“, so lautet einer seiner ersten Verse, „sind überall verstreut.“ Eine illustrierte Auswahl lyrischer Texte liess er 1912 unterm Titel „Klänge“ in München erscheinen, eine schmale Publikation, die nachmals bei Expressionisten und Dadaisten als Pionierleistung respektvollen Widerhall fand. In solchem Verständnis belobigte unter andern Hugo Ball den Maler Wassily Kandinsky im Zürcher Cabaret Voltaire (1917) als einen „Dichter unerreichter Verse“, der sich gleichermassen durch höchste Vitalität und höchste Spiritualität auszeichne.
Seit kurzem liegt nun, erstmals aus Kandinskys literarischem Nachlass ediert, der gesamte Restbestand seiner russisch- und deutschsprachigen Gedichte in Buchform vor, all jener Texte mithin, die nicht in die „Klänge“ eingegangen oder erst in spätern Jahren entstanden sind. Mehrheitlich handelt es sich dabei um Prosagedichte oder knapp gefasste versifizierte Dialoge, die von Beginn an einen prägnanten Personalstil erkennen lassen. Im Vergleich mit den „Klängen“ sind die hier versammelten Dichtungen zumeist knapper gefasst, entschiedener pointiert, mehr dem Absurden zugewandt, vorab jedoch in weit höherem Mass lautspielerisch angelegt.
Bereits in den frühsten, noch russisch verfassten Texten erweist sich Kandinsky – zwanzig, dreissig Jahre vor Dada – als ein souveräner Wort- und Buchstabenakrobat, der Witz und Hintersinn frappant zusammenführt. So zum Beispiel in einem Sechszeiler, der aus lauter Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben U gefügt ist. Daraus resultiert eine Klangqualität, die übersetzerisch naturgemäss nicht einzuholen ist. Doch auch wenn in der deutschen Fassung die Lautstruktur nicht adäquat zum Tragen kommt, tritt um so deutlicher Kandinskys lyrischer Nonsense hervor: „… Gans gluckste mit giftigem Essig … Schlange ass gegen Abend getöteten Guppy … Ungetüm schlug um sich mit engem Bügeleisen … Gasse erwürgte getrübt ein Hurra.“ Da scheint selbst die Unsinnspoesie des russischen Futurismus und des französischen Surrealismus vorweggenommen zu sein, zu deren Vorläufern Wassily Kandinsky sicherlich zu zählen ist ̶- etwa mit diesem frühen Kurzgedicht : „Von hier bis dort ist dreieinhalb. | Von dort bis hier vier und ein Achtel. | Autsch! Autsch! | Wozu die Sonne vermessen? | Von hüben bis drüben neunundsiebzig und drei Elftel.“
Mit dem Band „Vergessenes Oval“ wird Kandinskys absurdistische Dichtung nun vollständig zugänglich gemacht. Das ist verdienstvoll und sollte Anlass zu einer umfassenden Würdigung des Malers als Wortkünstler sein. Erschwert wird dies leider – abgesehen vom mikroskopischen Kleindruck grosser Textteile – durch diverse editorische Mängel, in erster Linie dadurch, dass die einzelnen Gedichte nicht datiert und deshalb werkgeschichtlich nicht verlässlich einzuordnen sind. Dass die Originaltexte der neuen deutschen Orthographie angepasst wurden, ist bei einer Archivpublikation schwerlich zu akzeptieren. Unklar bleibt die Quellenlage; auf allfällige Textvarianten wird nicht verwiesen; das Literaturverzeichnis lässt mancherlei Lücken offen, und das Buch muss letztlich ohne Inhaltsverzeichnis auskommen. So sehr diese gravierenden Defizite zu bedauern sind, sie sollten das Interesse und das Vernügen an Kandinskys fabulösen Dichtwerken gleichwohl nicht trüben.
Wassily Kandinsky, „Vergessenes Oval“. Gedichte aus dem Nachlass. Herausgegeben von Alexander Graeff und Alexaner Filyuta. Illustriert von Christoph Vieweg. Verlagshaus Berlin (Edition ReVers #05), Berlin 2016; 99 Seiten.
Als Wladislaw Chodassewitsch 1939 in Paris an Krebs starb, schrieb Vladimir Nabokov: »Dieser Dichter, der größte unserer Zeit, ein literarischer Nachfahre Puschkins in der Linie Tjutschews, wird der Stolz der russischen Dichtung bleiben, solange die letzte Erinnerung daran lebendig ist.« Lange Zeit von Kritik und Literaturgeschichte vernachlässigt, gilt Chodassewitsch heute in Russland und in slawistischen Fachkreisen tatsächlich als einer der bedeutendsten Dichter und brillantesten Chronisten seiner Zeit. Während die Lyrik des Autors in Deutschland relativ gut repräsentiert ist, werden uns jetzt mit dem Band »Nekropolis« wichtige Teile der Prosa Chodassewitschs durch den Mainzer Slawisten Frank Göbler zugänglich gemacht, der die Texte auch exzellent übersetzt hat. / Karlheinz Kasper, Neues Deutschland
Rumi has helped the spiritual journeys of celebrities like Madonna, Tilda Swinton…, some of whom incorporated his work into theirs. Aphorisms attributed to Rumi circulate daily on social media, offering motivation. “If you are irritated by every rub, how will you ever get polished,” one of them goes. Or, “Every moment I shape my destiny with a chisel. I am a carpenter of my own soul.” Barks’s translations, in particular, are shared widely on the Internet; they are also the ones that line American bookstore shelves and are recited at weddings. Rumi is often described as the best-selling poet in the United States. He is typically referred to as a mystic, a saint, a Sufi, an enlightened man. Curiously, however, although he was a lifelong scholar of the Koran and Islam, he is less frequently described as a Muslim.
(…) “The Rumi that people love is very beautiful in English, and the price you pay is to cut the culture and religion,” Jawid Mojaddedi, a scholar of early Sufism at Rutgers, told me recently.
(…) In the twentieth century, a succession of prominent translators—among them R. A. Nicholson, A. J. Arberry, and Annemarie Schimmel—strengthened Rumi’s presence in the English-language canon. But it’s Barks who vastly expanded Rumi’s readership. He is not a translator so much as an interpreter: he does not read or write Persian. Instead, he transforms nineteenth-century translations into American verse.
(…) Jawid Mojaddedi is now in the midst of a years-long project to translate all six books of the “Masnavi.” Three of them have been published; the fourth is due out this spring. His translations acknowledge the Islamic and Koranic texts in the original by using italics to denote whenever Rumi switches to Arabic. His books are also riddled with footnotes. Reading them requires some effort, and perhaps a desire to see beyond one’s preconceptions. That, after all, is the point of translation: to understand the foreign. As Keshavarz put it, translation is a reminder that “everything has a form, everything has culture and history. A Muslim can be like that, too.”/ Rozina Ali, The New Yorker
„Ein fehlendes Stück am Himmel über Damaskus“: unter diese Überschrift hat [der syrische Schriftsteller und Dichter Ra’id] Wahsh seine Selbstmitteilung aus dem syrischen Krieg gestellt. Reale Beobachtungen sind der Kern des Werks. Immer wieder spinnt der Autor tatsächliches Geschehen in phantastischen Allegorien weiter. Aus dieser ungewöhnlichen Vermischung von Realität und Fiktion scheint man eine ungläubige Frage herauszuhören: „Passiert das hier gerade wirklich?“ Vom arabischen Original gibt es bislang keine Übersetzung. Der schmale Band sollte allerdings unsere Beachtung finden.
Wenn der Ich-Erzähler auf allen Vieren über den Damaszener Boden kriecht, findet er zwar seinen Personalausweis nicht. Er führt den Leser aber zu einer erschreckenden Frage: sind wir noch Menschen? In Syrien steht nicht nur zur Debatte, wie Bürger noch einem Staat zugehörig sein können, der seine eigenen Städte bombardiert und damit an seinem eigenen Verfall arbeitet. Wahsh zeichnet das Bild eines evolutionären Rückwärtslaufs. Zwischen Trümmern und Straßensperren sinken die Menschen von ihrer Evolutionsstufe herab, beugen sich und entwickeln sich zurück zum Tier. Die Milizionäre des Regimes „bellen“ an Checkpoints und bei Hausdurchsuchungen. Der Erzähler selbst „heult wie ein Wolf“ in der Morgendämmerung gegen das Artilleriefeuer an. Ein Stück Käse der Billigmarke „La Vache qui rit“ gibt ihm Hoffnung. Er verschlingt es und phantasiert, „sich in eine Herde lachender Kühe zu verwandeln“. / qantara.de
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
nur wer sich ändert bleibt sich treu. Mit dem 16. Jahr startet L&Poe als Wochen-Digest. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In den nächsten Wochen werde ich Logo und Leitbegriffe und -motive der alten und neuen Lyrikzeitung erörtern, ich beginne nächste Woche mit „Digest“. Für mich eine spannende (etymologische und Selbst-) Erkundung schon jetzt.
Die Themen in dieser Ausgabe
Nach 50 Jahren werden die Akten des Nobelpreiskomitees der Öffentlichkeit zugänglich. Daraus erfährt man jetzt, daß das Komitee Paul Celan für nicht preiswürdig hielt. Und einiges mehr. Hier.
Wirtschaftlich mag das Goldene Zeitalter der Niederlande vorbei sein, doch literarisch ist es in vollem Gang. Das Land unterstützt seine Lyriker durch viele offizielle Positionen darin, sich als Chronist des öffentlichen Lebens zu engagieren. Neben dem Amt „Dichter des Vaterlands“ leisten sich auch Städte, Vereine, Universitäten und Fernsehstationen gern einen Hausdichter. / Mehr
verhaltenes lied die hände in den taschen werde ich mich gewöhnen an das schmutzige tageslicht an das aschfarbene wasser wie die berge aufwachen die spieler im kaffeehaus wir werden uns küssen mit dem nordwind werde ich mich gewöhnen es gibt da einen trick ich habe nie versucht geige zu spielen (nach orhan veli)
achim wagner
Mit freundlicher Genehmigung des Verf. aus: Achim Wagner: „zwischen grün und halb sechs“. 20 Improvisationen über türkische Poetiken des 20. und 21. Jahrhunderts. hochroth Berlin, 2017. Mit einem Nachwort von Norbert Lange.
Der in seinem „andalusischen Schwarzwalddorf“ im Kinzigtal lebende José F.A. Oliver konnte im Herbst 2013 in der kaiserlichen Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Tarabya wohnen, rund 16 Kilometer vom Zentrum entfernt. José F.A. Oliver schreibt bereits damals: „Der Widerspruch wird vogelfrei. Kritik? Der Staat könnte beleidigt sein […]. Wer zweifelnd hinterfragt, ist hinderlich. Der schläft nicht nur auf Steinen, der wird im besten Falle totbesteuert. Ansonsten weggesperrt“. / Mehr
In dieser neuen Folge, die abwechselnd mit einer weiteren neuen Folge „Ex Libris“ erscheint (nächste Woche: Hadayatullah Hübsch), stelle ich, wie der Name besagt, Anthologien vor. Für den Anfang die erste Anthologie mit neuer Lyrik, die ich je gelesen habe. Es war in den Sixties, noch früher als für Gedichte interessierte ich mich für Musik – natürlich. Nun aber kamen Gedichte dazu. Die Stadt- und Kreisbibliothek Weißenfels, im Sterbehaus des Dichters Novalis, lieferte mir heißen Stoff. Lesen Sie hier.
Bild: Fragment des Schutzumschlags (des ein paar Jahre später gekauften und eigenen Exemplars!)
der französische Dichter Alain Lance über seine Erinnerungen an die DDR – und an Iran. Mehr
ist der beste Ort für Fundstücke im Netz, sagt Piqer Mascha Jacobs bei piqd. Mehr
Der englische Künstler, Kritiker und Schriftsteller John Berger starb am 2. Januar in Paris wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Hier zu Nachrufen.
Nicht der einzige Dichter, der in dem noch sehr kurzen Jahr starb. Die letzten Todesfälle des alten und ersten des neuen Jahrs hier. Mit einem Blick auf gewaltsame Tode.
geht nach längerer Unterbrechung weiter mit Sonett #19: DEuouring time blunt thou the Lyons pawes, deutsch von Dorothea Tieck: Zeit, Würgerin, bezwing des Löwen Mut. Hier alle bisherigen Folgen
Edith Ottschofski über den neuen Gedichtband von Werner Söllner
Werner Söllner: „Knochenmusik“. Gedichte. Mit einem Nachwort von Eva Demski, Edition Faust, Frankfurt am Main, 2015, 92 Seiten, gebunden, 18,00 Euro, ISBN 978-3-945400-19-7
stellt die Huffington Post vor, es sind:
Rebecca Bird, Bryony Littlefair, Lorraine Mariner, Abegail Morley, Mel Pryor
L&Poe ruft den Thomas-Kling-Monat aus. Auch Wolfgang Hilbig lebt und läßt sich zum 60. gratulieren. Beat Brechbühl bedauert, daß er die Alpen nicht rechtzeitig abgesägt hat. Die taz besucht Amerikas Ur-Avantgardist Charles Henri Ford (93). In Lana und Straßburg ist auch was los. Dies und viel mehr hier. Alle bisherigen Rückblenden hier.
des Berliner Schriftstellers Hansjürgen Bulkowski.
so viel Gegenwart war noch nie
Bulkowski wurde 1938 in Berlin geboren. 1964 bis 1969 war er Bibliothekar an der Stadtbücherei Krefeld, seit 1969 freier Schriftsteller in Düsseldorf. Er veröffentlichte Kurzprosa, Lyrik, Essays, Übersetzungen und Hörspiele u.a. in der LCB-Reihe, der Reihe schritte des Wolfgang Fietkau Verlags sowie in Anthologien und Zeitschriften (Rowohlts Literaturmagazin, Tintenfisch, Schreibheft, Litfaß, Sprache im technischen Zeitalter, Signum, neue deutsche literatur, Merkur). 1966–1977 Herausgeber von PRO, blätter für neue literatur (später PRO, ein schriftlicher Vorgang / PRO. Jahrbuch für Mitteilungssysteme), Avantgardistische Literatur- und Kunst-Zeitschrift. Krefeld, Düsseldorf. Seit 2013 versendet er wöchentlich einen Aphorismus als Poetopie per eMail, 2013-16 sonntags in der Lyrikzeitung und von nun an jeden Freitag im L&Poe-Digest.
Mit der Performance „Das Festival des Scheiterns“ präsentiere ich mein bislang wohl radikalstes künstlerisches Experiment: 1 Mensch, 1 Mikrophon, 100 % Improvisation an drei Abenden. Am 11., 12. und 13. Januar stehe ich in der legendären Kunsthalle Bern alleine mitten im Raum und erfinde aus dem Nichts heraus Geschichten. Herzlich willkommen zu dieser Jahresauftaktsbeschwörung. Wird sie gelingen? / Jürg Halter
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