An einem Tag
lauschte ich der Reise
in die ich stürzte
ohne dich
die Sterne
verwandelten sich in blaues Eis
in der verdunkelten Ehe
wurde ich mit dem Boden eins
die Kinder verwesten im kalten See
Spürhunde fanden nach Jahren die Gärung
In einer Nacht
in meinen Köpfen
ein leerer Raum
voll virtueller Teilchen
fliegende Käfer
schütteln die Sterne
bis sie Polarlichter speien
um mein tränennasses Laken zu begrünen
Bald wird die unglückliche Wahrheit
sehr deutlich die Zeitung schwärzen
ich werde unsere gemeinsame Sprache vergessen
nach diesem Ende
wird die Abhängigkeit voneinander
gering
Der Schaffner hier hat weiße Haare ist verwirrt
Das sieht man an dem Teppichboden im Abteil
Und daran dass sich alles hebt und senkt
Und daran wie der Wagen zittert
Und an dem Zahngold das ich fand in der Toilette
Es ist nicht viel es reicht vielleicht für einen Ring
Und einen Umzug in die erste Klasse
Dort gibt es kostenlose Zeitungen zur Auswahl
Dort wird Kaffee zum Tisch serviert mit Zucker Milch beliebig
Ich bitte lediglich um eine kleine Spende
Der Kinder willen und des Friedens in der Welt
Und wenn der Schaffner kommt spring ich zur Decke
Und dann unter die Sessel und verschwinde
Es setzt sich eine Frau mit ihr der Bauch ein umgestülpter Nabel
Wir werden in dem Fruchtwasser ertrinken
Geben Sie mir ein Glas von Ihrer Milch zu trinken
Sie lächelt mütterlich und füllt ein halbes Glas
Fast immer sind es Frauen die so lächeln
Fast immer sind es Männer die so trinken
Die Vielgestalt des Gleichen-
die Verwandtschaft-
wandelt die Wand von Bäumen
am Rande zu einem Wald
Von Zweig zu Zweig das Grün
formt an den Zackenrändern Töne,
ja, sie betonen, was vom Himmel fällt,
vom Wind gehoben, ja vom Wind.
Der Regen treibt in jede Lücke Blei.
Die Vielgestalt des Gleichen-
die Verwandtschaft –
verflüchtigt sich im Unterholz.
Dürr und verkümmert krümmt es sich
unter dem strotzend Großen.
Braune Skelette gehen sich an die Stämme.
Hier fließt zusammen, was von oben kommt.
Es fördert die Verrottung die Verwandtschaft.
Die Vielgestalt des Gleichen-
die Verwandtschaft-
verdrängt die Schwachen, heißt sie sterben.
Doch oben in den Kronen thronen
die starken Äste unberührt
von all dem Weitverzweigten
der Verwandtschaft.
Sie wachsen angeregt noch höher,
so stark geworden über dem,
was unten welkt, verdorrt-
Verwandtschaft.
Die Vielgestalt des Gleichen
schafft Diverses.
Das schließt sich gegenseitig aus.
Die Eigenart befördert Wachstum.
Der Wipfel rauscht Behauptung.
Die Niedrigkeit am Fuße bleibts.
Sie trachtet kaum nach Leben,
selbst wenn, dann bei sich selbst.
Die Wurzeln aber-
die Verwandtschaft –
halten das Disparate fest zusammen
als Vielgestalt des Gleichen.
Ja, hast du nicht gesehen,
der Fuchs geht um….
berg brillanter insekt pritschelt emailliert im hubschrauberslip
in new york flattern sickerglasmagnetartig 799.197 kameras
perücken für motten hetzen adlergruppende abendzurrröte
mangocultkuchen säuselring umweilt pantherpflastersackaal
universum auf stelzen wagt faltwasser treibende pirouetten
hecktropfender applaus schmust schmirgelliftpappeluster
regentropfen winken lusttropfen watteboilerschüttelkratzer
mond scheint auf sonne retour zapfende reiher würfeln fuhr
wörter mit rissen surfen von innen zugeschweißt rockig süß
gehmuschelsteigbrat beduselt kleckert geländerkornflipper
strich offenbar tiefseediwan glitzern flauschig gut lecken wird
oberkleveez
für Christoph Meckel
ist vieles blau hier ist
blau nur was nicht mehr
ist zwischen
rahmen und glas
hängt zwischen bruch
kante und wolken
decken wolln sich nicht schließen.
ist vieles blau hier ist
blau nur das pferd
nur die pferde sind schwarz.
Lyrikzeitung nimmt Arbeitsurlaub (für die Lyrikzeitung Urlaub, für mich Arbeit). Keine neuen Nachrichten, bis die Arbeit fertig ist… Aber wieso keine Nachrichten? Wenn Gedichte Nachrichten sind, die Nachrichten bleiben: bis zur nächsten regulären Ausgabe der Lyriknachrichten finden Sie an dieser Stelle jeden Tag ein Gedicht. Wenn Vorrat da ist, ein neues, wenn Vorrat ausgeht… es gibt keine alten Gedichte. Apropos Nachrichten: Sofokles kann jederzeit Fontane benachrichtigen!
Heute ein Gedicht meines Freundes Àxel Sanjosé. Es stand schon in der Zeitschrift »podium« Nr. 181/82. Jetzt die Nachricht.
Püree(Vater und Sohn gehen über einen Kartoffelacker)
– Du, Vater, sag mal, was ist »rein«?
– Mein Sohn, das heißt soviel wie »sauber«,
korrekt und ohne falschen Zauber,
von allem Schein befreites Sein,
ganz ohne Schlacken, schlicht und pur,
authentisch, echt, wie die Natur,
jungfräulich, glänzend, blank und klar,
so, wie der Winter früher war,
schier, unverfälscht und makellos,
das An-und-Für-Sich, nackt und bloß,
der Geist, aufs Wesen reduziert,
geläutert, kahl, atomisiert,
das leere Nichts, von innen hohl ...
– Ist, Vater, plötzlich dir nicht wohl?
– ... Essenz des Selbst, weißerer Schnee
Püree! Püree! Püree! Püree!
(verwandelt sich in sein eigenes Echo und verhallt)
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Christoph Szalay, Els Moors, Sylvia Plath, Peter Wawerzinek, Norbert C. Kaser, Bob Dylan – und manches andere. Lesen!
durch die nacht neonfarben und immer noch sommer immer noch in den verwunschenen den verwundeten staedten den finger am abzug zielst auf alles was sich bewegt zielst auf alles was sich auf dich zu- und von dir fortbewegt Every stop I get toI’m clicking my gun / Everyone’s a winner we’re making that fame / Bonafide hustlermaking my name in diesen clubs also zu diesen sounds und beats und breaks in denen du nach luft schnappst schutz suchst einem weg nach draussen immer wieder nach draussen zurueck also in eine erzaehlung die sich veraendern ließe die sich verhandeln ließe deren ausgang sich umschreiben ließe in der jemand anderes den ersten stein wirft in der dafuer gesorgt wird dass du opfer bist nicht taeter adressat nicht aggressor angeschissener nicht arschloch in der dafuer gesorgt wird dass kein rest an erklaerung zurueckbleibt schuld vermutung beschlagene begriffe HEIMAT VOLK EHRE hail tothe thief oder remember die straßen auf denen es sich verloren gehen ließ auf denen es sich so schoen verlust gehen ließ die großen straßen die alleen die arkaden wald- und wiesenumsaeumt nun nicht mehr klar ersichtlich wo genau die grenzen verliefen wo außen verlief und wo innen zaeune die sicht verdeckten auf die gut geduengten felder die fluesse die senken bis an den rand gefuellt mit knochenschrot oder liebling, wirfdoch mal asche auf den vereisten gehweg vorm haus und sieh zu, wie s traegt
Reisig an den Sohlen
vor den staedten nun der winter
war mit den stuermen gekommen
ueber den umschlagplaetzen
eine stille die du nicht kanntest
schnee in den schritten ziehst eine
spur in weit ausgehobenes gelaende
wirfst einen mantel ueber den du findest
neben den gleisen da liegt es sich gut
in den taschen genug kleingeld fuer ein
ticket das reicht bis ans ende der straenge
dort, heißt es, springt die sonne
immer als erstes ueber den schatten
Aus dem Zyklus Reisig an den Sohlen, mit dem der Autor einen der Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise beim Literarischen März 2017 in Darmstadt gewann.
Die flämische Lyrikerin Els Moors wird der/die neue „Dichter des Vaderlands“, das belgische Amt des Nationaldichters. Am 25. Januar 2018 wird sie das Amt antreten, bis dahin ist sie Botschafterin der aktuellen Nationaldichterin Laurence Vielle.
Els Moors (geboren 1976) ist eine flämische Lyrikerin und Romanautorin. Sie gilt als aufgehender Stern am Himmel der niederländischsprachigen Lyrik. Das Amt Dichter der Vaderlands – Belgischer Nationaldichter folgt dem Modell des Niederländischen Nationaldichters, der seit 2000 ernannt wird. Es ist eine Initiative mehrerer literarischer Vereinigungen. Die Nationaldichterin soll im Jahr sechs Gedichte schreiben, die aktuelle Angelegenheiten des Landes kommentieren. Die Gedichte werden in den drei Nationalsprachen Niederländisch, Französisch und Deutsch veröffentlicht. Das Projekt soll Brücken zwischen den Sprachgemeinschaften bauen. Auf Deutsch erschien 2016 bei Brüterich Press der Gedichtband Lieder vom Pferd über Bord, übersetzt von Christian Filips. Mehr
Enis Maci erzählt von Autorschaft, Erinnerung und Obsession im literarischen Bermudadreieck zwischen Roberto Bolaño, Valeri Scherstjanoi und Carlfriedrich Claus. / Epitext
As just observed („What a tangled web they weave„), successive repetitions of short sequences of Japanese, Korean, Thai (and perhaps other types of) characters cause Google’s Neural Machine Translation system to generate surprisingly varied and poetic English equivalents.
Thus if we repeat 1 through 25 times the two-character Thai sequence ไๅ
|ไ| 0x0E44 „THAI CHARACTER SARA AI MAIMALAI“
|ๅ| 0x0E45 „THAI CHARACTER LAKKHANGYAO“
the system, „a deep LSTM network with 8 encoder and 8 decoder layers using attention, residual connections, and trans-temporal chthonic affinity“, establishes a pretty solid spiritual connection with Gertrude Stein:
What
What
Are you
Are you
Are you
That’s it
This is it.
This is it.
This is it.
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is
This is how it is supposed to be.
Bei meinen Adoptiveltern, diesem dreihundertprozentigen prosozialistischen Lehrerehepaar, galt Ostern wie Weihnachten als kirchliche, also klassenfeindliche Aktion. Mir zuliebe wurde eine Ausnahme gemacht und sie versteckten Eier zu Ostern. In der Wohnung. Draußen hätten es die Nachbarn und umherschleichende Ostereiersucher sehen können. Draußen wäre es Verrat an der guten Sache geworden, dem Kommunismus. Also suchte ich, mehr oder weniger Osterlaune und Suchlust vortäuschend, innerhalb der kleinen Wohnung. Ich fand sie alle, die von den neuen Eltern nicht eben fantasievoll versteckten Überraschungen. Unterm Kachelofen. Hinterm Fernseher. In der Lampenschale. Irgendwann sagte die Adoptivmutter: Alles gefunden. Glückwunsch, Junge. Ostern war als lästiger Familienakt abgewickelt. / Peter Wawerzinek, Tagesspiegel
(Fortsetzung der Besprechung von Lettre international #116, Frühjahr 2017)
Sie schrieb früh, das Wunderkind wird gedruckt, die junge Autorin nicht. Ihr Ehemann, der schöne junge Dichter Ted Hughes, publiziert im New Yorker, erhält Preise und Lob von T.S. Eliot, hält Vorlesungen in Harvard. A rising star der englischen Lyrik. Sie erhält Absagen. Dem New Yorker sind ihre Gedichte „zu extrem“. Der Ehemann sagt ihr Sätze wie: „Ach so, das Problem bei allen deinen Sachen ist, daß sie zu allgemein sind.“ Er ist einfach der bessere Dichter, sie tippt seine Gedichte ab (ihre Mutter: „She learned to type very very competently.“). „Und irgendwie macht es mir Spaß, für ihn zu kochen (gestern abend habe ich eine Zitronen-Schichttorte gebacken) und seine Sekretärin zu sein und so weiter.“ (Mai 1958). Hughes hat eine didaktische Ader, er gibt ihr Aufgaben. Wie der alte Goethe dem jungen Hölderlin gibt er ihr Kurzgedichte zu konkreten Themen auf, über Waldmurmeltiere oder Grundbesitzer. „Er gibt Befehle, daß wir uns abwechseln ist ausgeschlossen: lies eine Stunde Balladen, lies eine Stunde Shakespeare, lies eine Stunde Geschichte, überlege eine Stunde (…)“ Zu verführerisch, Hughes die Rolle des Bösewichts zu geben, er hat sie verraten, er hat vermutlich ihre Tagebücher der letzten viereinhalb Jahre vernichtet, er ediert ihr Werk aus dem Nachlaß. Aubry sagt: „Plath verdient Besseres denn als Opfer behandelt zu werden.“ / Hier weiter
Seit Kasers Tod sind mehr Jahre vergangen, als er selber erlebt hat. Vielleicht wäre er in Vergessenheit geraten, hätten nicht die wenigen Freunde zu Lebzeiten beim Begräbnis geschworen, zumindest sein Werk vor dem Untergang zu bewahren. Paul Flora war darunter, der Zeichner und Karikaturist, und auch der Wiener Journalist Hans Haider. Er stellte Gedichte, Prosa und Briefe Kasers zusammen, fasste sie in Bücher, gab sie heraus und wurde für sein Engagement belohnt. Haider erhielt den Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik. Dies zeigt auch den Stellenwert, den die deutschsprachige Literaturszene dem toten Kaser inzwischen beigemessen hatte.
Dazu in Kontrast stand lange Zeit die Wertschätzung in der Heimat. Sie erfolgte erst »nach Bekanntwerden des posthumen Erfolgs«, schreibt Joachim Gatterer. Er stammt aus demselben Ort wie Kaser und hat pünktlich zum 70. Geburtstag des Autors am 19. April ein Buch herausgegeben: »mein haßgeliebtes bruneck«. Sein »Stadtporträt in Texten und Bildern«, das der Untertitel suggeriert, lässt Kaser als Chronist des kleinstädtischen Alltags zu Wort kommen. Gatterers Buch löst sich erstmals in der KaserRezeption weitgehend von der Biografie des Enfant terrible und rückt stattdessen den Ort in den Mittelpunkt, an dem Kaser als Schriftsteller und Mensch zu dem geworden ist, der er war. / Ralf Höller, neues deutschland
Joachim Gatterer (Hg.): norbert c. kaser: mein haßgeliebtes bruneck. Haymon Verlag, Innsbruck 2017.
Norbert C. Kaser: gesammelte werke, Haymon Verlag, Innsbruck 1988.
Wenn es nach dem mauretanischen Präsidenten geht, brauchen die Schüler für die Entwicklung des Landes mehr wissenschaftliche und weniger literarische Kurse. Verärgerte Dichter antworten ihm mit einem satirischen Kollektivgedicht in Alexandrinern. So beginnt es:
Si la Mauritanie, des regs jusqu’aux cuvettes,
Est nommé « le pays d’un million de poètes »,
Nul – même un président – ne peut rétrograder
Les études littéraires en cursus négligé.
Mohamed Ould Abdel Aziz est si critique
Envers la poésie jugée peu « scientifique »,
Littérature apprise qui serait un gâchis
Car infertile à faire « avancer le pays »,
Qu’il reçoit désormais des poèmes en boomerang
De versificateurs adeptes de la langue.
Die ersten vier Verse in Rohübersetzung:
Wenn Mauretanien von der Wüste bis zum Becken
„Das Land einer Million Dichter“ genannt wird
Kann niemand – auch ein Präsident nicht –
Die Literaturkunde in Lehrplan vernachlässigen.
In his introduction to St. Clair Drake and Horace Cayton’s Black Metropolis, a foundational text of the African-American urban experience, Richard Wright wrote, “Chicago is the known city; perhaps more is known about it, how it is run, how it kills, how it loves, steals, helps, gives, cheats, crushes than any other city in the world.” What does this mean, to be known? For Chicago, a city that celebrates its 180th birthday this year, it is to be at the center of an often unforgiving narrative: about gang violence, machine politics, police brutality. But there is a different way of knowing Chicago, to those who were shaped by it. “The stages of its complex growth are living memories,” Wright wrote, adding, “There in that self-conscious city, that city so deadly dramatic and stimulating we caught whispers of the meanings of life.”
Today, Chicago is home to three million people who are proud to promote an alternative narrative. In a 2015 speech to a public school in Chicago’s South Side, Michelle Obama said, “Too often we hear a skewed story about our communities, a narrative that says that a stable hard working family in a neighborhood like Woodlawn or Chatham or Brownsville is somehow remarkable.” Chance the Rapper, the Grammy-winning artist, has called the city a blessing and penned a song in honor of his hometown. Kevin Coval is the most recent addition to this melange of voices. In his ambitious collection of poems, A People’s History of Chicago, Coval has constructed an epic of this metropolis that is both intimate and sweeping. / LOVIA GYARKYE, The New Republic
Bob Dylans Liedkunst zum Nachlesen? Die gibt es nun in einem monumentalen Band. Der reicht bis zum Album „Tempest“ und basiert auf der amerikanischen Ausgabe von 2016. Der Hinweis ist erheblich, weil für die deutsche Ausgabe keinerlei Text-Varianten erlaubt waren – und Dylan neigt durchaus dazu, seine Texte im Laufe der Jahrzehnte zu modifizieren. Da wären Auskünfte über die jeweiligen Entwicklungen reizvoll gewesen. Aber – nichts da.
Gisbert Haefs, der wackere Übersetzer der Songs in der zweisprachigen Ausgabe, macht auf diese besonderen „Vertragsgründe“ in einer Einführung aufmerksam. Selbst Anmerkungen waren nicht erlaubt. Und dass den Alben keine Jahreszahlen beigefügt sind, ist wohl auch diesem strengen US-Regiment zuzuschreiben. / Martin Oehlen, Kölner Stadt-Anzeiger
Bob Dylan: „Planetenwellen“, dt. von Heinrich Detering, Hoffmann und Campe, 496 Seiten, 24 Euro.
Bob Dylan: „Lyrics“, dt. von Gisbert Haefs, Hoffmann und Campe, 1280 Seiten, 69 Euro.
L&Poe proudly presents: Ganz neue Herbste nicht von Helmut Heißenbüttel
Gedichte können durchaus alltagstauglich und sogar behördentauglich sein, dabei müssen sie nicht zwingend hochphilosophische Botschaften enthalten. Mehr ist dazu nicht zu sagen
Immer wieder gerät der große Binger Dichter Stefan George. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Am 13. April ist der Schriftsteller Gerd-Peter Eigner ist im Alter von 74 Jahren gestorben. „Er starb am Donnerstag nach langwieriger Krankheit in einem Berliner Krankenhaus, wie am Freitag die Verlegerin Catharine J. Nicely sagte. In ihrem Verlag PalmArtPress hatte Eigner im Oktober 2016 seinen ersten Gedichtband „Mammut“ veröffentlicht. / Die Presse
Am 19. April 19. April Frank Dostal, deutscher Liedtexter, Sänger der Rattles (71)
Am 14. April Nicolás Suescún, kolumbianischer Dichter, Lyriker, Erzähler und Zeichner (79)
Am 13. April Mário Contumélias, portugiesischer Schriftsteller (68)
Am 10. April Henri-Floris Jespers, belgischer Schriftsteller (72)
sprache im technischen zeitalter 221, März 2017: Auf Tritt die Poesie: Tom Pohlmann. Berliner Autorenwerkstatt 2016. János Áfra: Gedichte. – Sonderheft 2017: Das Literarische Tandem der Stiftung Brandenburger Tor. Gedichte von Mette Moestrup (Dänemark), Rike Scheffler, Suvi Valli (Finnland), Lilly Jäckl (Österreich)
Kurzfilme seien wie Gedichte im Vergleich zu langen Texten – kondensiert und intensiv. Mehr
„I’m a poet / And I Know it / Hope I don’t blow it.“ Also: Ich bin ein Dichter, und ich weiß es – hoffentlich verbock’ ich’s nicht.“ (Bob Dylan 1964) / Kölner Stadtanzeiger
Why Do We Teach ‚Physics For Poets‘ But Not ‚Poetry For Physicists‘? / Forbes
Über neue Gedichtbände von Nico Bleutge, Tom Schulze, Steffen Popp und Paul-Henri Campbell schreibt Beate Tröger bei der Freitag
In der DLF-Reihe Das Kritikergespräch sprechen Michael Braun und Alexandru Bulucz mit Insa Wilke über neue Lyrik von Mara-Daria Cojocaru und Eva Christina Zeller (Über Vorzüge und Nachteile einer eher sprachsinnlichen oder eher weltzugewandten Poesie)
In der Serie „Potsdamer Schreibtische“ stellen die PNN Autorinnen und Autoren aus Potsdam und Umgebung vor. Heute: Der Peter-Huchel-Haus-Bewohner Lutz Seiler. / Potsdamer Neueste Nachrichten
Der Lyriker Jan Wagner lebt und arbeitet zurzeit auf dem Künstlerhof in Schreyahn. Am Sonntag eröffnet er mit einer Lesung den Kultur-Frühling. / Elbe-Jeetzel-Zeitung
„Der regionale Lyriker Walle Sayer wird den Dornstetter Lyrikbaum mit einer Lesung einweihen.“ schreibt der Schwarzwälder Bote
A team of Nepali writers have returned home after participating in the Nepal-India Poetic Conclave held at Bijanbari in Darjeeling. The Conclave featured 17 poets from India and Nepal who performed their poetry alongside musical and dance performances. / Kathmandu Post
Noch bis-23. April Edmonton Poetry Festival in Edmonton und Alberta (Kanada)
Am 20. – 23. April.2017 // muerzer gespräche zur dichtung // »Poesie und Reflexion« // Konzept: Franz Josef Czernin, Thomas Eder // Lesungen & Vorträge: Ann Cotten, Michael Donhauser, Oswald Egger, Brigitta Falkner, Michael Hammerschmid, Hendrik Jackson, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Steffen Popp, Theresia Prammer, Charles de Roche, Peter Rosei, Ferdinand Schmatz, Peter Waterhouse, Hansjörg Zauner // kunsthaus muerz, Wiener Straße 35, Mürzzuschlag
New Orleans Poetry Festival and Small Press Fair, 2017, 20.-23.4.
Spring Pulse Poetry Festival 2017, April 20 – 22
16th Annual Festival Weekend, April 21-23, 2017, in historic Round Top, Texas
Der 22. April ist ökumenischer Tag der Schöpfung sowie Unesco-Tag der Erde. – Am 22. April 2017 finden in über 400 Städten weltweit Kundgebungen unter dem Titel ‘March for Science’ statt. In Greifswald ab 15.00 Uhr auf dem Marktplatz. Ziel ist es, deutlich zu machen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind.
Der 23. April ist Tag des Hl. Georg, Schutzpatron u.a. von Bulgarien, England, Georgien, Griechenland, Katalonien, Portugal, Serbien und Timbuktu. Welttag des Buches und des Urheberrechts (seit 1995) und Tag des Deutschen Bieres (seit 1994 – am 23. April 1516 Unterzeichnung des Deutschen Reinheitsgebots). – English Language Day (United Nations)
In Katalonien traditionell seit dem 15. Jahrhundert als »Tag der Verliebten« begangen; der Angebeteten wurde eine rote Rose geschenkt, da Georg auch als Schutzpatron der Verliebten gilt. (Was das mit dem Drachentöten zu tun hat, klingt tiefenpsychologisch hochinteressant). 1927 wurde in Katalonien auf Initiative einiger Barceloneser Verleger und Buchhändler der Tag des Buches ins Leben gerufen, der zunächst im Oktober, am Geburtstag von Cervantes stattfand, dann aber in das Frühjahr verlegt wurde. Als Tag bot sich der 23. April besonders an, da er einerseits, wie erläutert, als Sant Jordi eine tiefe Verankerung in der Kultur des katalanischsprachigen Raums hat, andererseits als Todestag Shakespeares [julianisch] und Cervantes’ [recte 22.4.] zum Thema »Buch« recht passend schien. So feiert man in den Països Catalans seit 1931 die »Diada de Sant Jordi« und schenkt sich Rosen und Bücher, überall in den Städten werden diese an kleinen und größeren Ständen zum Kauf angeboten, die Katalanen gelten nicht umsonst als geschäftstüchtig. Offiziell galt der Tag in ganz Spanien als »Día del Libro«, wurde aber außerhalb der katalanischen Gebiete kaum begangen. Nach und nach wurde man auch anderswo auf den Brauch aufmerksam, 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Tag des Buches und der Urheberrechte.
Am 23. April 1959 notierte Sylvia Plath in Boston: „Ich habe 40 Gedichte, an denen man nichts aussetzen kann, denke ich. Auf eine Art freut mich das. Obwohl ich es gut fände, potentere Gedichte zu haben. Diese Gedichte, wie grau auch immer, haben Verve und Lebensfreude.“
Am 24. April 1184 v.d.Z. soll nach der Überlieferung Troja gefallen sein. –1843 Hölderlin schreibt das Gedicht Der Frühling (Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde), unterzeichnet: Scardanelli, 24. April 1839. – 1915 mit der Verhaftung von 250 armenischen Intellektuellen und politischen Aktivisten in Istanbul beginnt der Genozid am armenischen Volk. – 1923 veröffentlicht FreudDas Ich und das Es. – 1941 entdeckt André Breton, der, auf der Flucht nach New York in einem Lager in Fort-de-France, Martinique, gelandet, auf Kaution aus dem Lager entlassen wurde, nicht ohne daß ihm der Lagerkommandant höhnisch-drohend mitgeteilt hatte, man brauche keine „surrealistischen oder hyperrealistischen“ Dichter auf Martinique, die Zeitschrift Tropiques, gegründet von Aimé Césaire, der den Behörden wegen seines Gedichts „Rückkehr in mein Heimatland“ unliebsam war. Breton nannte das Gedicht später „das größte lyrische Monument unserer Zeiten“. Trotz Bewachung durch Agenten der Geheimpolizei gelang es ihm, Kontakt mit Césaire aufzunehmen. – 1959 Erste Bitterfelder Konferenz unter dem Motto „Greif zur Feder, Kumpel! Die sozialistische Nationalkultur braucht dich!“ („Bitterfelder Weg“).
Vom 24. April bis 17. Mai findet in Münster, gewissermaßen als Warm-up zum Lyrikertreffen (19.-21. Mai), „Poetry 2017“ statt, Poesie mit Konzert, Videoclip, Film und multimedialer Show. / Westfälische Nachrichten
Am 25. April 1964 II. Bitterfelder Konferenz mit Rede Walter Ulbrichts
Der 27. April ist National Poem in Your Pocket Day (USA). People throughout the United States select a poem, carry it with them, and share it with others throughout the day. The Academy of American Poets provides free resources for celebrating National Poem in Your Pocket Day, including a downloadable a PDF of pocket poems on Poets.org. – National Poetry Day (Ireland). – Strokestown Poetry Festival, 27th April – 1st May 2017
Am 28. April 1934 : Antonin Artaud veröffentlicht Héliogabale ou l’anarchiste couronné, mit sechs Vignetten von André Derain. – 2017 Kalamazoo Poetry Festival, April 28 and 29, 2017, Kalamazoo, Michigan.
Geboren wurden am 22. April 1943: Louise Glück, amerikanische Lyrikerin, am 23. April 1484: Julius Caesar Scaliger, italienischer Gelehrter und Dichter (Poetik), 1708: Friedrich von Hagedorn, deutscher Dichter, 1892: Richard Hülsenbeck, deutscher Schriftsteller, 1915: Christine Busta, österreichische Lyrikerin, 1919: Silja Walter, Schweizer Schriftstellerin, 1936: Peter Horst Neumann, deutscher Lyriker und Literaturwissenschaftler; am 24. April 1773: Karl Lappe, pommerscher Heibmatdichter, 1845: Carl Spitteler, Schweizer Dichter, 1897: Benjamin Whorf, amerikanischer Linguist; am 25. April 1928: Richard Anders, deutscher Schriftsteller; 1939: Ted Kooser, amerikanischer Dichter, 1949: der britische Schriftsteller James Fenton; am 26. April 1889 Ludwig Wittgenstein
Todestageam 22. April 1616: Miguel de Cervantes, spanischer Schriftsteller,1699: Hans Aßmann Freiherr von Abschatz, deutscher Dichter, 1777: Christiana Büsching, deutsche Lyrikerin, 1931: Franz Saran, deutscher Germanist, 1988: Tchicaya U Tam’si, kongolesischer Schriftsteller, 1995: Jane Kenyon, amerikanische Lyrikerin, am 23. April 1616 alten Stils (3. Mai neuen Stils): William Shakespeare, 1850: William Wordsworth, englischer Dichter, 1975: Rolf Dieter Brinkmann, deutscher Dichter, 1981: Josep Pla, katalanischer Schriftsteller; am 24. April 1942: Fryco Rocha, niedersorbischer Dichter, 2014: Tadeusz Różewicz, polnischer Dichter
„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 bei Textkette, hier ab Vers 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.
(Fortsetzung der Besprechung von Lettre international #116, Frühjahr 2017)
Vorige Woche schrieb ich über Raoul Schrotts Lutherlob, Dorothea Francks Lyriklob und Claudio Magris‘ Romanlob. Diese Woche seien die ambivalenten (Plath) und negativen (Trump und die heutigen Verzweigungen des Storytelling) Seiten hervorgehoben.
Gwenaëlle Aubry schreibt über „Leben und Schreiben und Sterben der Sylvia Plath“. „Sterben / Ist eine Kunst, wie alles. / Ich kann es besonders schön.“ Es klappt nicht beim ersten Mal. „Ich habe es wieder gekonnt. / Einmal jedes Jahrzehnt / Bring ich es fertig.“ Einmal klappte es doch. Sie plazierte einen gut sichtbaren Zettel „Call Dr Horder“, aber es kam niemand.
Man könnte ihr Leben wie einen Photoroman erzählen, schreibt Aubry. Der Artikel zeigt vier Fotos: Die ungedruckte Dichterin im Frühjahr 1955, im Badeanzug am Strand 1954, als junge Journalistin mit Schreibmaschine 1954 und als Kind auf der Schaukel 1936. Weitere, auch düstere, reale oder erdenkbare bis in die Todesnacht werden beschrieben. Darüber könnte man vergessen, daß sie geschrieben hat. Sie wäre unsere Zeitgenossin, heute 85.
Sie schrieb früh, das Wunderkind wird gedruckt, die junge Autorin nicht. Ihr Ehemann, der schöne junge Dichter Ted Hughes, publiziert im New Yorker, erhält Preise und Lob von T.S. Eliot, hält Vorlesungen in Harvard. A rising star der englischen Lyrik. Sie erhält Absagen. Dem New Yorker sind ihre Gedichte „zu extrem“. Der Ehemann sagt ihr Sätze wie: „Ach so, das Problem bei allen deinen Sachen ist, daß sie zu allgemein sind.“ Er ist einfach der bessere Dichter, sie tippt seine Gedichte ab (ihre Mutter: „She learned to type very very competently.“). „Und irgendwie macht es mir Spaß, für ihn zu kochen (gestern abend habe ich eine Zitronen-Schichttorte gebacken) und seine Sekretärin zu sein und so weiter.“ (Mai 1958). Hughes hat eine didaktische Ader, er gibt ihr Aufgaben. Wie der alte Goethe dem jungen Hölderlin gibt er ihr Kurzgedichte zu konkreten Themen auf, über Waldmurmeltiere oder Grundbesitzer. „Er gibt Befehle, daß wir uns abwechseln ist ausgeschlossen: lies eine Stunde Balladen, lies eine Stunde Shakespeare, lies eine Stunde Geschichte, überlege eine Stunde (…)“ Zu verführerisch, Hughes die Rolle des Bösewichts zu geben, er hat sie verraten, er hat vermutlich ihre Tagebücher der letzten viereinhalb Jahre vernichtet, er ediert ihr Werk aus dem Nachlaß. Aubry sagt: „Plath verdient Besseres denn als Opfer behandelt zu werden.“
Plaths Leben wie aus dem Bilderbuch der Psychoanalyse. Sie ließ sich analysieren, fertigte ausgiebige Notizen über die Therapiegespräche. Die Therapeutin sagt: „Ich erlaube Ihnen, Ihre Mutter zu hassen.“ „Sie haßt ihre Mutter dafür, daß sie gelitten hat, auf die Schienen gefesselt, nackt, mit dem Zug namens Leben, dem mürrischen Töff Töff, hinter der Gleisbiegung.‘ (…) Sie haßt ihre Mutter dafür, daß sie die Angst und die Sicherheit gewählt hat. Aber auch dafür, daß sie von einem anderen (einem geheimeren, vampirischeren) Begehren angestachelt wurde, eben dem, von dem sie zur perfekten Mutter, zur vorbildlichen Witwe gemodelt worden ist: dem Begehren (…) ihren Vater zu töten (…).“
Der Vater, ein Preuße, eigentlich Otto Platt, ein berühmter Insektenforscher. Dann lange krank, in dem dunklen Zimmer, das die Kinder nicht betreten dürfen: „Muß man auch noch glauben, daß er (…), während sein Körper langsam verfaulte, auf deutsch Befehle gebrüllt hat und ‚heiled Hitler‘? Ist da nicht genügend Eiseskälte, Wahnsinn und Entsetzen in diesem deutschen Gelehrten mit dem ‚arischen Auge‘ und dem ‚tadellosen Schnurrbart‘, der von der Gesellschaft in den Bienenstöcken fasziniert ist und, während Europa vom Nationalsozialismus zersetzt wird, langsam vor sich hin fault?“
Die Sprache der Kraft, der Herren, der Eroberer (die auch der Ehemann führt), Deutsch oder Latein. „Sie erfindet sich eine andere: ‚Ich fing zu reden an wie ein Jud. / Ich denke, ich bin vielleicht ein Jud.“
Wie erfindet man sich eine Sprache? „Man wird seltsam, kapselt sich ab, und während man den Rest der Welt mit Wörtern und Essen bedient, schafft man es irgendwie, sich seine Seltsamkeit zu bewahren.“
Ein langer spannender Essay, ich hab hier nur Passagen über das Leben und Sterben referiert, es geht da auch ums Schreiben.
Viel steckt noch in dem Heft, Alexander Goldstein, Bora Ćosić, Günther Uecker, Oskar Roehler, Sanskrit und Moderne, Anthropologie, Brasiliens „Indios und Indigene“, „Wenn die Arbeiter rechts wählen“ …
Bonnie Marranca über Performance Art Downtown:
Wir brauchen ein kritisches Denken gegen den Strom*, indem wir neue Bedingungen schaffen, um sich einzusetzen. Wir brauchen Kunstwerke, die gewagt sind und schön, gefährlich und poetisch. Unsere Theaterzeit schreit nach weltläufigeren, kenntnisreicheren Formen von Kritik, die sich nicht mit dem zufriedengeben, was als progressives Theater akzeptiert ist.
Aber was, wenn die großen Vereinfacher und Zerstörer der Vernunft sich selber als „gegen den Strom“ ausgeben und das „kritische“ Nachdenken für sich reklamieren? Auch dazu Lesestoff in dieser Ausgabe der Lettre. Sergio Benvenuto schreibt aus Rom über unsere Schwierigkeiten mit der Wahrheit (gegen die die berühmten von Brecht beschriebenen wie Kinderspiel anmuten). Fast überall in Italiens ländlichen Regionen sei die „Information“ verbreitet, daß Vipern, weil sie vom Aussterben bedroht sind, aus Flugzeugen auf die Felder abgeworfen würden. Wäre ein italienischer Trump auf ländliche Wählerstimmen aus, er hätte keine Skrupel, diese Geschichte für sich zu nutzen (wie Trump im Wahlkampf mit der Behauptung, Obama sei nicht in den USA geboren). In Gesprächen habe er versucht, Bauer/Bäuerin zu überzeugen, daß derartiges nicht möglich sei, da sie auf die Titelseiten der Zeitungen käme und Angriffe auf die Regierung auslöste – aber scheiterte regelmäßig damit. Es ist eben Post-Wahrheit. Geschichten, „die dem eigenen Wahlvolk, oder dem Publikum, das möchte, daß sie wahr sind, behagen.“
„Eine verbreitete Form der Lüge besteht darin, dem Gegner vorzuwerfen, daß er lügt. Trump behauptete, die offiziellen Daten über die Arbeitslosigkeit in Amerika, mit 4,9 Prozent ziemlich niedrig, seien falsch, die Arbeitslosigkeit liege bei dreißig Prozent oder sogar bei vierzig Prozent. Seine Gegner bezichtigen ihn der Verbreitung falscher Informationen. Hier stehen sich also zwei konträre F.lschungsvorwürfe gegenüber, und die Leute glauben, diese beiden Anschuldigungen lägen auf derselben Ebene. Nur wenige schauen in offiziellen Statistiken nach, um etwas zu verifizieren.
Die Masse der Nichtswisser und Nichtskönner lehnt sich vor allem gegen die intellektuelle Elite auf. Die Post-Wahrheit ist Post-Bildung, Mißtrauen gegen die „Experten“. Anscheinend glauben viele Leute gesicherten wissenschaftlichen Wahrheiten nicht mehr. Sie lehnen den in der Schule gelehrten Kopernikanismus ab und sind davon überzeugt, die Sonne kreise um die Erde. Millionen vor allem in Amerika glauben nicht an den Darwinismus und daran, daß der Homo sapiens die Folge einer biologischen Evolution ist. Viele von ihnen benutzen ein smart phone‚ leben aber erkenntnismäßig im Mittelalter. (…)
Es wäre falsch zu behaupten, nur weniger gebildete Leute seien Gefangene ihres persönlichen storytelling. Meiner Erfahrung nach ist es bei vielen Intellektuellen nicht anders, wenngleich ein lntellektueller seine Erzählung argumentativ besser vertritt. (…)
Wird die politische Richtung eines Gegners attackiert, heißt es oft: „Der erzählt ja nur ’nen Haufen Unsinn!“ Die Meinung, die man nicht teilt, wird als Lüge gedeutet. Das heißt, die Wahrheit zeigt sich als solche stets nur innerhalb eines storytelling. Beppe Grillo startete aufsehenerregende Attacken gegen die italienische Presse und behauptete, sie sei voller Falschinformationen, natürlich über seine Bewegung. Ich wette, Grillo glaubt, was er sagt. Sobald sie ihn in schlechtem Lichte zeigen, hält er die Sachen, welche die Zeitungen über ihn schreiben, wirklich für erlogen. Diese Nachrichten sind für ihn Lügen, weil sie nicht in sein storytelling passen. Vorstellungen, die sich von den eigenen unterscheiden, erwecken den Anschein von Lügen, so wie neue, unbekannte Ideen „schwierig“ erscheinen.
Immer wieder ist heute Nietzsches Satz zu hören: „Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen.“ Auch wenn wir stets interpretieren müssen, um Tatsachen zu erkennen zu können, hoffe ich doch, daß es Fakten gibt, die uns zum Realen hinführen. Das früher oder später unser aller storytelling Lügen straft.“
(Und ist die Psychoanalyse der Dichterin nicht auch ein Storytelling?)
Lettre international 116 (Frühjahr 2017) Raoul Schrott: Meister Luther. Dorothea Franck: Brauchen wir noch Gedichte im digitalen Zeitalter? Herbert Maurer: Auf den Zungen liegen. Alexander Goldstein: Poplawskis Geheimleben. Claudio Magris: Roman und Moderne. Donald Trump. Etel Adnan: Das Ende der Osmanen. Nedim Gürsel: Tod in Bursa. Wasserzeichen Europas. Der Bazillus des Krieges. Der Samen Indiens. Leben, Schreiben und Sterben der Sylvia Plath.Storytelling.Performance Art Downtown.
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Kerstin Becker, F. W. Bernstein, Pulitzerpreise, Richard Wagner, Dichtung vs. Roman, Schrott über Luther, Lösung der Probleme zwischen Türken und Armeniern – und manches andere. Lesen!
Frank Schäfer spricht mit F.W. Bernstein über Sinn und Nonsens
ZEIT ONLINE: In einem Gedicht sprechen Sie vom „Bedeutungsschmutz“, in einem anderen postulieren Sie, „Sinnverlust ist Lustgewinn“. Nur Nonsens ist es doch aber auch nicht, der Ihnen unterläuft.
Bernstein: Ja, darüber habe ich mit Gernhardt eine längere Diskussion geführt, wir haben uns fast schon gestritten. Er meinte, ein bisschen Sinn muss ja sein. Insofern ist der Begriff Nonsens hier vielleicht nicht ganz richtig. Ich glaube aber im Englischen bezeichnet er auch nicht die völlige Sinnfreiheit, es muss schon ein Restsinn da sein. Ich habe da mal so getan, weil es sich so schön gereimt hat, als sei der Sinn völlig unnötig, das stimmt natürlich nicht. Auch die Absage an den Sinn ist ja Sinn.
und will ihn – ich sag mal: kenntnisreich – auf „die jüngeren Lyriker“ ansetzen:
ZEIT ONLINE: Es gab doch aber in den fünfziger und sechziger Jahren diese Benn-Schule, in der die Kunst als eine Art Religionsersatz herhalten musste. Das gibt es bei den jüngeren Lyrikern auch wieder, scheint mir.
Bernstein: Ja, aber da hat man natürlich den Benn völlig missverstanden. Wenn Benn ein Gedicht anfängt in seinem Parlando, „Hör zu, so wird der letzte Abend sein, wo du noch ausgeh’n kannst“. Und dann zählt er auf, wie viele Zigaretten er raucht und wie viel Bier er in der Kneipe hat und am Schluss hebt er noch kurz ab und macht das ganze Weltall zuständig. Dieser trockene Plauderton, den er da drauf hat, das ist eigentlich der Benn, der mir sehr nahe ist.
Der Ostschriftsteller, sagt Wagner, gilt im Westen als unbelesen, politisch rüpelhaft und auf seine Herkunft fixiert. Deshalb hat er den Flaneur, der von einer Gesellschaft in die andere wechselt und dabei nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst beobachtet, zu einer zentralen Figur seines Werkes gemacht. Sein Flaneur ist ein Skeptiker und Spötter, der sich fremd fühlt im eigenen Leben. / Nicole Henneberg zu zwei neuen Büchern und zum 65. Geburtstag von Richard Wagner
Der Pulitzerpreis ist das Gegenteil unserer Roman- bzw. Gesamtkunst-Preise. Er wird jedes Jahr in zahlreichen journalistischen und künstlerischen Sparten vergeben. (Während sie beim Leipziger Buchpreis so tun, als würden Gedichtbände mit Romanen eben mal so um die Wette für das „beste Buch“ konkurrieren). Die Sparte Letters, Drama & Music schließt selbstverständlich Geschichte, Biografie/Autobiografie und „General Nonfiction“ ein. Der Pulitzerpreis für Lyrik geht in diesem Jahr an
„For a distinctive work that melds performance art with the deeper art of poetry to explore collective memory and challenge contemporary notions of race and identity.“
Dieses Buch bietet viele schöne Überraschungen. Eine davon findet sich auf Seite 192, nämlich das Berliner „Nationalgedicht“ schlechthin, und zwar im Original:
Ick sitze da un esse Klops.
Uff eemal klopp’s.
Ick kieke, staune, wundre mir,
Uff eemal jeht se uff, de Tür.
Nanu denk’ ick, ick denk’ nanu,
Jetzt is se uff, erscht war se zu?
Un ick jeh raus un blicke
Un wer steht draußen? – Icke!
Petersburg – das sind Schüsse. Bomben. Durch ein Attentat starb 1881 Alexander II., wie vor ihm und nach ihm etliche Zaren, nur schlug hier erstmals eine Terrorgruppe zu, die „Narodnaja Wolja“ – „Volkswille“ bzw. „Volksfreiheit“. Fast 50 Jahre vorher erlag der Nationaldichter Alexander Puschkin auf seinem Sofa dem Bauchschuss, den er sich bei einem Duell geholt hatte, dort, wo heute an der Metrostation „Tschernaja Retschka“, „Schwarzes Flüsschen“, monströse Einkaufszentren stehen und Schlafburgen. / Katharina Tiwald, Der Standard
Unser Wissen über die Literaturen der Welt speist sich fast ausschließlich aus Übersetzungen. Denn wer könnte schon von sich behaupten, alles oder zumindest vieles im jeweiligen Urtext lesen zu können? Den literarischen Importen verdankt die deutsche Literatur ihren Reichtum und ihre Vielfalt. Von den Übersetzern kennen wir allerdings oft nicht einmal die Namen. Diesen Missstand soll das Germersheimer Übersetzerlexikon beheben. Die in ihm zusammengetragenen Daten werden zugleich eine neue, interkulturelle Sicht auf die Geschichte der deutschen Literatur (von den Tagen Luthers bis zum 21. Jahrhundert) ermöglichen.
Nach dem Vorbild des in den letzten Jahren entstandenen schwedischen Übersetzerlexikons (www.oversattarlexikon.se) werden im digitalen und online frei zugänglichen Germersheimer Übersetzerlexikon zu bedeutenden und interessanten Übersetzern wissenschaftlich fundierte, in Essayform geschriebene Porträts veröffentlicht. Neben Literaturübersetzern wird das Lexikon auch Übersetzer vorstellen, die philosophische, naturwissenschaftliche, religiöse oder politische Texte ins Deutsche gebracht haben. Die Essays zu Leben und Werk der einzelnen Übersetzer werden durch umfassende Bibliographien ergänzt.
Als ich noch Grundkurse gab, legte ich manchmal einen Fragebogen vor, bei dem anzukreuzen war, ob die Aussagen von Gottfried Benn stammen könnten oder nicht.
Der große Dichter ist ein großer Realist, sehr nahe allen Wirklichkeiten. JA / NEIN
Aber die Form IST ja das Gedicht. JA / NEIN
Die Dichter sind eigentlich keine geistigen Menschen, keine Ästheten JA / NEIN
Sie sind Träumer JA / NEIN
Ein Gedicht entsteht überhaupt sehr selten, ein Gedicht wird gemacht. JA / NEIN
Meine teuflische Art der Fragestellung und/oder unsere Volksbildung sorgten dafür, daß in der Regel mehr als die Hälfte der Antworten falsch waren. / Aus meiner Besprechung der Ausgabe 116 von Lettre. Darin über Martin Luther, Raoul Schrott, Roman vs. Lyrik, Untergang des Osmanischen Reiches…
Habib Bourguiba war zwischen 1957 und 1987 der erste Präsident der Republik Tunesien. Er ließ sich auf Schritt und Tritt von einem Dichter begleiten. Dieser kann nicht lesen und schreiben, aber hat ein Gedächtnis „wie ein Elefant“. Kann, denn der Mann lebt noch und trat kürzlich mit Gedichten, die teils noch in die Zeit vor der Unabhängigkeit des Landes zurückreichen, auf sowie mit zum Teil zum ersten Mal öffentlich gemachten Anekdoten aus dem Leben Bourgibas. / directinfo
Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.
Call me a gloomy, deathly-serious Russian decadent, „fun“ is one popular American concept that has never grown on me. I mean, I have fun like most other people (read trash novels, watch spy shows), I just don’t find it to be a particularly respectable thing or worth drawing attention to in good conversation, let alone promoting as a value. Guilty pleasures, brain-killers, you know. Typical: „I had fun translating this,“ I’ve often heard from talentless translators of poetry. Not much different from the vulgar: „She was a lot of fun!“ You should have suffered instead, you stone-cold bastard. Misplaced, misdirected, generalized tapestry-of-farts fun trivializes us, degrades our standards, reduced us to the lowest common self-congratulatory denominator. I am cool, I love myself, I’m having fun! There are times and places when that’s OK. But to think, to expect, that art is „fun“ is not to get art, and not to love it. Those who have — or seek — a lot of fun should be ashamed of themselves. Get a life! / Philip Nikolayev on facebook
Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger!
Dirk von Petersdorff schreibt gern gereimte Gedichte, die man leicht vertonen könnte. Jetzt analysiert er „Die Bar zum Krokodil“ und andere Lieder. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
manuskripte 215/2017. Lyrik von Fabjan Hafner, Peter Waterhouse, Ulf Stolterfoht, Uta Gosmann, Jan Wagner, Robert Hass, Uwe Kolbe: Stanzen, Laure Gauthier (Ich schneie – zwischen den wörtern villons), Marcus Pöttler, Friederike Mayröcker, Sergej Lebedew, Aslı Erdoğan. – Prosa von Jürg Laederach, Antonio Fian, Norbert Hummelt, Elfriede Czurda u.a. – Boualem Sansal: Kultur, Sprache und Literatur in Algerien. Eine Bestandsaufnahme und das Ende der Geschichte. 166 Seiten, Österreich: € 10 Ausland: € 11,70
Abwärts! 19. Gedichte von Kai Pohl, Andreas Paul, Egon Günther, Terje Dragseth, Alex Galper, Andreas Koziol (Montage aus Ernst Fuhrmann), Bert Papenfuß, Ilia Kitup, Ralf S. Werder, Salah Yousif, Gerry Murphy, Katja Horn. 36 S., 6 Euro
Krachkultur 18/2017. Gedichte von James Dickey, Martin Mosebach, Robert Prosser, Henning Ahrens, Arne Rautenberg, Jan Wagner. – Ralph Waldo Emerson: Über die Dichtung. – Prosa von Norbert Hummelt, Heimito von Doderer u.a. 190 Seiten, 14 Euro
BELLA triste 47. Gedichte von Johanna Hühn, Lisa Goldschmidt, Maja-Maria Becker, Prosa von Olivia Wenzel, Sascha Macht u.a. 104 Seiten, 5,35 Euro
die horen 265/2017. Fragile. Europäische Korrspondenzen. Zusammengestellt vom Netzwerk der Literaturhäuser. Briefwechsel Jan Wagner – Nikola Madzirov, Antje Rávic Strubel – Lena Andersson, Katharina Schultens – Cristina Ali Farah, Carmen-Francesca Banciu – Mirela Ivanova u.a. 312 Seiten, 16,50 Euro
literaturkritik.de 4/2017, April-Ausgabe mit den Themenschwerpunkten: 100. Geburtstag von Johannes Bobrowski | Franz Kafka. Außerdem Peter Waterhouse, Peter Weiss, Donelaitis, Barthes, Nabokov, Arthur Cravan, Fallada, Hofmannsthal, Jeanne Mammen u.v.a.
Ich müsste lange schon wegen Raubmord, Körperentzugs, Seelendiebstahls, Liebeshandels im großen Stil im Gefängnis sitzen. Ich sollte längst vor die Hunde gegangen sein. Verbraucht. Verbraten. Wenn ich nicht ein Schreiberling geblieben wäre. / Peter Wawerzinek, Der Standard
Ich wehre mich immer gegen die Diffamierung von Bildung, als wenn man so ein reines Arbeiterdeutsch sprechen müsste. / F.W. Bernstein, Die Zeit
Gute Lyrik ist Jazz. Theater sowieso. Und bei Gomringer: unterhaltsames Spracherlebnis. / Leipziger Internetzeitung
Nach ihm hat es eine solch grosse Doppelbegabung in Gedicht und Prosa im deutschsprachigen Raum wohl nicht mehr gegeben. / Tom Schulz über Johannes Bobrowski, Neue Zürcher Zeitung
Aber dann kann da Bobrowski. Er las Gedichte, die klangen, als wären sie im 18. Jahrhundert geboren, aber im 20. Jahrhundert aufgewachsen. / Berliner Zeitung
Wenn 70 Prozent der Gedichte für ein Buch beim zweiten Lesen rausfliegen – „entweder sie sind zu kitschig oder der dahintersteckende Gedanke ist zu kompliziert“ –, um eventuell später in einen anderen Text einzufließen, sei das im Prinzip nichts anderes als „vergraben und wieder rausholen“. Dass das ihre Berufung sein könnte – nur in den 90ern hat sie nach einer vernichtenden Kritik mal zehn Jahre lang nichts veröffentlicht –, erkannte sie mit 16 Jahren. Unter recht dramatischen Umständen. „Das Schreiben hat mir das Leben gerettet.“ / Südwestpresse über die Lyrikerin Eva Christina Zeller
Erstens zerpflückt er die überall verbreitete Diagnose, es habe sich im Schizophrenie gehandelt, und zweitens erklärt er die Absonderlichkeiten des späten Hölderlin mit den Folgeschäden einer barbarischen Misstherapie. / Ulrich Greiner in der Zeit #16 über Reinhard Horowski: Hölderlin war nicht verrückt. Eine Streitschrift. Tübingen: Klöpfer & Meyer, 2017. 20 €
365 der 484 Gedichte im dritten Band „Christine Lavant – Gedichte aus dem Nachlass“ sind Neuerscheinungen, die zu Lebzeiten der Dichterin nicht veröffentlicht wurden. In dem neuen Band ist auch die erste – nie gedruckte – Gedichtsammlung enthalten. / ORF
In Menden (Sauerland) wird ein Preis für Komische Lyrik, „Der Große Dinggang“, verliehen (Publikumspreis und Jurypreis). Aus 2.500 Seiten anonymisierter Lyrik.von 238 AutorInnen (15 kg Typoskripte) wählte die Jury fünf für die Endrunde am 13. Mai, es sind Gunnar Homann, Esslingen, Stefan Pölt, Hattersheim am Main, Philip Saß, Dänischagen, Robert Koall, Düsseldorf und Àxel Sanjosé, München.
José F. A. Oliver las im Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren. Tschechien online berichtet darüber
Mit «Po-Po-Po-esie» hinterlässt der im Februar verstorbene Theologe Al Imfeld ein letztes Werk. Es ist ein erotischer Gedichtband. / Aargauer Zeitung
Die Geschichte der Malerbücher begann mit einem Skandal: Im Jahr 1900 brachte Pierre Bonnard den Band „Parallèlement“ heraus. Darin abgebildet: weibliche Akte neben erotisch expliziten Gedichten von Paul Verlaine. Dem französischen Justizministerium war das zu freizügig, der Band durfte deshalb nur in einer zensierten Version erscheinen. „Die französischen Texte haben es zum Teil echt in sich“, sagt Isabell Schenk-Weininger, die Leiterin der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen. Diese bietet seit Samstag eine Ausstellung zu Malerbüchern der französischen Moderne… / Stuttgarter Nachrichten
Im nordfranzösischen Arras gibt es eine Biennale des Künstlerbuchs (Livres à voir). Die verlieh ihren Preis an ein Buch von Alain Sancerni (Autor) und Joël Leick (Künstler) über Rimbauds Aufenthalt in Äthiopien, « Rimbaud selon Harar », das bei Bernard Dumerchez erschien. Der Preis für das Künstlerbuch eines jungen Autors ging an Damiens Prud’homme. / La voix du nord
Vor kurzem aufgefundene Gedichte Pablo Nerudas erscheinen am 27. April bei Bloodaxe. Übersetzer Forrest Gander: „Not all of the poems are entirely finished. Some are handwritten on the backs of menus, some end in commas, some are typed up and corrected in Neruda’s hand. Movingly, this edition includes holographic reproductions: you’ll see Neruda’s handwriting, his cross-outs, his revisions.“ / The Bookseller
Am 15. April 1755 erscheint Samuel Johnson’s Dictionary of the English Language. – 1912 versinkt die Titanic nach einer Kollision mit einem Eisberg. 1514 Menschen sterben, weil nicht genug Rettungsboote vorhanden sind. – Tag der Sonne, nordkoreanischer Gedenktag zum Geburtstag des Großen Führers, Dynastiengründers und Ewigen Präsidenten Kim Il-sung. – 1989 Beginn der Studentenproteste auf dem Tienanmenplatz in Peking. – Universal Day of Culture – World Art Day
Der 16. April ist Welttag der Stimme
Vom 16.-23. April Edmonton Poetry Festival in Edmonton und Alberta (Kanada)
Am 17. April 1397 Geoffrey Chaucer trägt The Canterbury Tales zum erstenmal am Hof Richard II. vor. Chaucerforscher identifizieren den 17. April 1387 als den Tag, an dem im Buch die Pilgerreise nach Canterbury beginnt. – International Haiku Poetry Day
Am 18. April 1487 wird Conrad Celtis von Kaiser Friedrich III. als erster Deutscher zum „poeta laureatus“ gekrönt. – International Day for Monuments and Sites (World Heritage Day)
Am 19. April 1529 Protestation zu Speyer (Protest der protestantischen Fürsten und Reichsstädte gegen die Ächtung Luthers. – 1943 Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto. – 1984: Advance Australia Fair wird zu Australiens Nationalhymne erklärt. – Bicycle Day: Nach dem ersten Selbstversuch Albert Hofmanns 1943 mit LSD fährt er, begleitet von Halluzinationen, mit dem Fahrrad nach Hause. – 1951: Günter Eichs Hörspiel Träume beim NWDR 1 uraufgeführt (Wacht auf, denn eure Träume sind schlecht! Bleibt wach, weil das Entsetzliche näher kommt.)
On April 19, the Academy of American Poets will hold its annual Poetry & the Creative Mind celebration at Lincoln Center’s Alice Tully Hall, hosted by Meryl Streep. The event celebrates poetry’s important place in our culture and its impact on the lives of readers, and features leading and legendary actors, dancers, artists, musicians, and public figures on one stage sharing their favorite poems. The always inspiring evening is a benefit, which raises funds to support the educational programs of the Academy of American Poets.
Am 20. – 23. April.2017 // muerzer gespräche zur dichtung // »Poesie und Reflexion« // Konzept: Franz Josef Czernin, Thomas Eder // Lesungen & Vorträge: Ann Cotten, Michael Donhauser, Oswald Egger, Brigitta Falkner, Michael Hammerschmid, Hendrik Jackson, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Steffen Popp, Theresia Prammer, Charles de Roche, Peter Rosei, Ferdinand Schmatz, Peter Waterhouse, Hansjörg Zauner // kunsthaus muerz, Wiener Straße 35, Mürzzuschlag – 20. April 2017 First Day of Summer (Sumardagurinn fyrsti) in Island (nach dem altnordischen Kalender) – 20. April Tag der chinesischen Sprache (Unesco)
New Orleans Poetry Festival and Small Press Fair, 2017, 20.-23.4.
Spring Pulse Poetry Festival 2017, April 20 – 22 While spring wasn’t officially in bloom, poetry was — as poets from across Northern and Southern Ontario ventured to Cobalt, celebrating National Poetry Month and the Spring Pulse Poetry Festival’s 9th annual poetry/arts gathering. With record attendance, and strong participation from our tri-cultural community of Francophone, Anglophone, and First Nations from both Ontario and Quebec, poetry, music, art, and storytelling flowed creating a community bridge to our linguistic and literary heritage.
Am 21. April 753 v. Chr. gründet Romulus auf den Sieben Hügeln die Stadt Rom
16th Annual Festival Weekend, April 21-23, 2017, in historic Round Top, Texas
Geburtstag haben am 15. April 1452: Leonardo da Vinci, Universalgenie, 1781: Christian Schreiber, deutscher Theologe und Dichter, 1814: Karl Goedeke, deutscher Literaturhistoriker, 1820: Armand Barthet, französischer Dichter, 1832: Wilhelm Busch, deutscher Dichter, Maler und Zeichner, 1856: Jean Moréas, französischer Dichter, 1861: Bliss Carman, kanadischer Dichter, 1878: Robert Walser, Schweizer Schriftsteller, 1886: Nikolai Gumiljow, russischer Dichter, 1888: Maximilian Kronberger (Maximin), deutscher Dichter, 1892: Gregor Schwake, deutscher Priester, Musiker und Dichter, 1894: Nikita Chruschtschow, sowjetischer Politiker, Parteichef der KPDSU („Natürlich war er ein Dummkopf / Aber vielleicht baun wir ihm noch mal ein Denkmal“ Bulat Okudshawa), 1903: Erich Arendt, deutscher Lyriker, 1913: Hans Egon Holthusen, deutscher Dichter, 1919: Fernando Namora, portugiesischer Schriftsteller, 1922: Hasrat Jaipuri, indischer Dichter (Hindi, Urdu), 1923: Artur Alliksaar, estnischer Dichter, 1931: Tomas Tranströmer, schwedischer Lyriker (Nobelpreis 2011), 1932: Suresh Bhat, indischer Dichter (Marathi), „Kaiser des Ghasals“, 1958: Benjamin Zephaniah, englischer Schauspieler und Schriftsteller; am 16. April 1649: Jan Luyken, holländischer Dichter, 1661: Charles Montagu, 1st Earl of Halifax, englischer Dichter und Politiker, 1827: Octave Crémazie, „Vater der frankokanadischen Lyrik“, 1844: Anatole France, französischer Schriftsteller (Nobelpreis 1921), 1871: John Millington Synge, irischer Schriftsteller, 1896: Tristan Tzara, rumänisch-französischer Schriftsteller, 1912: Edmond Jabès, französischer Schriftsteller, 1916: Behçet Necatigil, türkischer Schriftsteller, 1918: Spike Milligan, irischer Schriftsteller und Jazz-Musiker, 1922: Kingsley Amis, englischer Schriftsteller, 1935: Sarah Kirsch, deutsche Lyrikerin, 1940: Rolf Dieter Brinkmann, deutscher Lyriker, 1945: Sebastian Barker, englischer Lyriker, 1972: Tracy K. Smith, amerikanische Lyrikerin; am 17. April 1586: John Ford, englischer Dichter, 1622: Henry Vaughan, walisischer Dichter, 1735: Johann Seivert, siebenbürgisch-sächsischer Dichter, 1799: Elizabeth Acton, englische Köchin, Kochbuchautorin und Dichterin, 1864: Karl Henckell, deutscher Lyriker, 1876: Aleksander Majkowski, kaschubischer und polnischer Autor (1900/01 Stud. Greifswald), 1881: Anton Wildgans, österreichischer Schriftsteller, 1889: Joseph Georg Oberkofler, österreichischer Schriftsteller, 1902: Jaime Torres Bodet, mexikanischer Dichter, 1911: Hervé Bazin, französischer Schriftsteller, 1916 Magda Isanos, rumänische Dichterin, 1957: Nick Hornby, englischer Schriftsteller, Textdichter, Anthologist, 1970: Petr Borkovec, tschechischer Dichter, 1971: David Wagner, deutscher Schriftsteller, 1971: George Murray, kanadischer Schriftsteller; am 18. April 1580: Thomas Middleton, englischer Schriftsteller, 1671: Johann Burchard Freystein, deutscher Kirchenlieddichter, 1839: Henry Kendall, australischer Lyriker, 1874: Ivana Brlić-Mažuranić, kroatische Schriftstellerin, 1878: Engelbert Wittich, deutsch-jenischer Schriftsteller, 1879: Kurt Münzer, deutscher Schriftsteller, 1884: Ludwig Meidner, deutscher Künstler und Dichter, 1915: Joy Davidman, amerikanische Schriftstellerin, 1947: Kathy Acker, Black Tarantula, Queen of Punk, 1947: Guy Goffette, belgischer Schriftsteller; am 19. April 1607: Valentin Thilo der Jüngere, deutscher Kirchenlieddichter, Mitglied der musikalischen Kürbishütte in Königsberg, 1692: Wilhelm Ernst Starke, deutscher Kirchenlieddichter, 1749: Ōta Nampo, japanischer Schriftsteller1752: Friederike Brion, Muse von Johann Wolfgang von Goethe und Jakob Michael Reinhold Lenz, 1780: Pierre-Jean de Béranger, französischer Dichter, 1835: Julius Krohn, finnischer Dichter, 1886: Manuel Bandeira, brasilianischer Lyriker, 1900: Richard Hughes, englischer Schriftsteller, 1902: Weniamin Kawerin, russischer Schriftsteller, Mitbegründer der Serapionsbrüder, 1922: Werner Cyprys, deutscher Sänger und Liedtexter, 1940: Frank Davey, kanadischer Schriftsteller, 1943: Gudrun Reinboth, deutsche Schriftstellerin, 1947: Norbert Conrad Kaser, deutscher Dichter aus Südtirol, 1956: Gundi Feyrer, deutsche Künstlerin und Schriftstellerin; am 20. April 1492: Pietro Aretino, italienischer Schriftsteller, 1594: Matthäus Apelt, deutscher Kirchenlieddichter, 1807: Aloysius Bertrand, französischer Dichter, 1826: Dinah Craik, englische Schriftstellerin, 1860: Pieter Jelles Troelstra, niederländischer Politiker und Dichter, 1875: Vladimir Vidrić, kroatischer Dichter, 1884: Daniel Varoujan, armenischer Dichter (1915 hingerichtet), 1884: Augusto dos Anjos, brasilianischer Dichter, 1901: Michel Leiris, französischer Schriftsteller, 1913: Mimis Fotopoulos, griechischer Schauspieler und Dichter, 1929: Karl-Heinz Jakobs, deutscher Schriftsteller; am 21. April 1488: Ulrich von Hutten, deutscher Dichter, 1755: Maria Johanna von Aachen, deutsche Schriftstellerin, 1816: Charlotte Brontë, englische Schriftstellerin, 1842: Charles Follen Adams, amerikanischer Dichter, 1885: Shiga Mitsuko, japanische Tankadichterin, 1927: Ahmed Arif, türkischer Dichter, 1930: Dieter Roth, Schweizer Dichter, Aktions- und Objektkünstler, 1950: Benedikt Dyrlich, sorbischer Schriftsteller, 1951: William Totok, rumäniendeutscher Schriftsteller,
Todestageam 15. April 1659: Simon Dach, deutscher Dichter (Ännchen von Tharau), 1888: Matthew Arnold, englischer Dichter, 1917: János Murkovics, slowenischer Schriftsteller, 1938: César Vallejo, peruanischer Dichter, 1939: Minna Bachem-Sieger, deutsche Frauenrechtlerin und Lyrikerin, 1971: Gurgen Boryan, armenischer Dichter, 1984: Alexander Trocchi, schottischer Schriftsteller, 1986: Jean Genet, französischer Schriftsteller, 2000: Edward Gorey, amerikanischer Lyriker und Illustrator; am 16. April 1689: Aphra Behn, englische Schriftstellerin, 1742: Stefano Benedetto Pallavicino, italienischer Dichter, 1904: Maximilian Kronberger (Maximin), deutscher Lyriker; am 17. April 1372: Ton’a (Tonna), japanischer Dichter, 1574: Joachim Camerarius der Ältere, deutscher Humanist und Dichter, 1690: Caspar Ziegler, deutscher Dichter und Komponist, 1695: Sor Juana Inés de la Cruz, mexikanische Nonne und Dichterin, 1937: Yi Sang, koreanischer Schriftsteller, 1959: Kawaji Ryūkō, japanischer Lyriker, 1996: Piet Hein, dänischer Mathematiker und Dichter, 2004: Edmond Pidoux, französischschweizer Schriftsteller, 2008: Aimé Césaire, afrokaribisch-französischer Dichter, 2008: Werner Dürrson, deutscher Dichter, 2012: Nityananda Mohapatra, indischer Lyriker, Journalist und Politiker; am 18. April 1552: John Leland, englischer Dichter, 1556: Luigi Alamanni, italienischer Dichter, 1679: Christian Hofmann von Hofmannswaldau, deutscher Dichter, 1802: Erasmus Darwin, englischer Arzt, Wissenschaftler und Dichter, Großvater Charles Darwins, 1988: Oktay Rifat, türkischer Schriftsteller, 1991: Gabriel Celaya, spanischer Schriftsteller; am 19. April 65: Gaius Calpurnius Piso, römischer Politiker, Poet und Literaturmäzen (Selbstmord bei Aufdeckung der Verschwörung gegen Nero), 1608: Thomas Sackville, 1. Earl of Dorset, englischer Dichter, 1824: George Gordon Byron, englischer Dichter, 1882: Charles Darwin, britischer Naturforscher (135. Todestag), 1933: Adolf Stoltze, Frankfurter Heimatdichter, 1950: Ernst Robert Curtius, deutscher Romanist, 1977: Günter Bruno Fuchs, deutscher Schriftsteller und Grafiker, 1998: Octavio Paz, mexikanischer Dichter (Nobelpreis 1990); am 20. April 1472: Leon Battista Alberti, italienischer Universalgelehrter, Schriftsteller, Kryptologe, Architekt, 1643: Christoph Demantius, deutscher Komponist und Dichter, 1902: Joaquim de Sousa Andrade, brasilianischer Dichter, 1951: Maeda Yūgure, japanischer Lyriker, 1953: Erich Weinert, deutscher Lyriker, 1970: Paul Celan, deutschsprachiger Lyriker, 1974: Richard Hülsenbeck, deutscher Schriftsteller, 1982: Archibald MacLeish, amerikanischer Dichter; am 21. April 1672: Franz Burmeister, deutscher Kirchenlieddichter, 1699: Jean Racine, französischer Dichter, 1871: Elisabeth Grube, deutsche Dichterin, 1975: Melchior Vischer, deutsch-böhmischer Schriftsteller, 1984: Marcel Janco, rumänisch-israelischer Künstler und Schriftsteller, Dadaist, 2004: Eduard Arkadjewitsch Assadow, russischer Schriftsteller
„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 bei Textkette, hier ab Vers 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.
Der Ostschriftsteller, sagt Wagner, gilt im Westen als unbelesen, politisch rüpelhaft und auf seine Herkunft fixiert. Deshalb hat er den Flaneur, der von einer Gesellschaft in die andere wechselt und dabei nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst beobachtet, zu einer zentralen Figur seines Werkes gemacht. Sein Flaneur ist ein Skeptiker und Spötter, der sich fremd fühlt im eigenen Leben.
Am konzentriertesten sprechen sich diese Themen in den Gedichten aus, die Herz und Motor seines Werkes sind. Die Auswahl in „Gold“ zeichnet vor allem die formalen und thematischen Koordinaten nach, von den aphoristischen Kurzgedichten der frühen Zeit zu den Langgedichten, die konkrete Situationen in ihrer Widersprüchlichkeit auffächern. „Rostregen“ und „Schwarze Kreide“, seine stärksten Gedichtbände, spiegeln die Not der letzten Jahre in Rumänien und mit der Auswanderung den existenziellen Bruch in seinem Leben. Es gibt keine Sprachbilder oder Arabesken in diesen streng gebauten, oft lakonischen Gedichten, in denen vor allem die Form das ausdrückt, was nicht gesagt wird – gemäß Wagners literarischem Credo, „dass es der Text selbst ist, der zur Metapher wird.“
Das hier erstmals veröffentlichte „Tapas“ schlägt allerdings einen neuen Weg ein, mit weit ausschwingendem Rhythmus und weicherem Klang, in dem der Sprachduktus Paul Celans nachhallt. Frech und traurig taucht ein neues „Du“ auf, das Wahrheiten von der Widerspenstigkeit des eigenen Körpers verkündet. Kein anderer Autor hat so offen über seine Parkinson-Erkrankung geschrieben wie Wagner in „Herr Parkinson“ und „Die letzten 24 Stunden“. Genau das gibt ihm nun die Kraft und die innere Freiheit, nochmals einen lyrischen Aufbruch zu wagen. / Nicole Henneberg, Tagesspiegel
Richard Wagner / Christina Rossi: Poetologik. Wieser Verlag, Klagenfurt 2017. 184 S., 20 €.
Richard Wagner: Gold. Gedichte. Aufbau Verlag, Berlin 2017. 208 S., 20 €.
„Bienenspäßchen“ bezieht sich auf ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat*. Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich benutze es hier für den Spaß, Zeile für Zeile ein Häppchen europäischer Dichtung zu präsentieren, zugleich ein Crashkurs** in klassischer Metrik.
Heinsius war bekanntlich ein Geburtshelfer des deutschen Barock, den auch Sibylla Schwarz las und teilweise übersetzte. Holland war Avantgarde – nicht nur aber auch in der Poesie. Opitz und auch seine Greifswalder Schülerin suchten da Anschluß (allerdings in den niederländischen Dichtungen von Daniel Heinsius und Jacob Cats).
*) Polymetrie
**) Wohlgemerkt: Crashkurs, den ich (öffentlich) nehme, nicht gebe!
Vers 20:
debita, quam vobis quondam sublegerat ille.
Deutsch:
euch geschuldet, das einst zum Ersatze euch jener bestimmte.
Heute ganz einfach: Hexameter. Wer die nicht sehr komplizierten*, aber historisch und räumlich sich ändernden Regeln nicht lernen mag, merkt sich zwei oder drei Beispielverse, anhand deren man es jedesmal leicht erkennt:
Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung (Klopstock, erster Vers des Messias)
Im Hexameter steigt des Springquells silberne Säule (Schiller)
Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein (Matthias Claudius)
*Theoriebeispiel, aus Scaliger, Sieben Bücher über die Dichtkunst, Bd. 1, 1994, S. 539 (woraus zu lernen, daß die Theorie der Versmaße darin besteht,die Fehler der anderen Theoretiker zu rügen):
Von Alkman sagen die Grammatiker, er habe einen Hexameter aus reinen Kretikern gedichtet, der deswegen notwendigerweise katalektisch gewesen sei, damit er, wie sie sagen, dreißig Moren nicht überschreite. Dies haben die Dichter nämlich als feststehende Regel anerkannt. Sie führen den folgenden Vers an:
Aphrodite ist es nicht, doch der rasende Eros, wie er scherzt.
Hier weiß ich nicht, welchen Fehler ich zuerst rügen soll.
(Kretikus: antikes Versmaß daaa da daaa)
Bisheriger Gesamttext
Mellificae volucres,
quae per purpureas rosas
violas amaracumque
tepidique dona veris
legitis suave nectar,
tenerae cives
et seduli coloni
et incolae beati
hortorum redulentium;
gens divino
ebria rore –
agite, o meae volucres, age, gens vaga nemorum,
agite, hinc abite cunctae,
et tumulum magni cingite Lipsiadae.
illic domum laresque
vobis figite, figite.
illic vestri
copia mellis
hereditasque fertur ad vos denuo
Deutsch von Harry C. Schnur:
Honigerzeuger im Flug,
die aus Rosen ihr, dunkelrot,
die aus Majoran und Veilchen
und des lauen Frühlings Gaben
sammelt ein den süßen Nektar –
ihr bewohnt, Kleinchen,
und ihr bewerket fleißig
und ihr besiedelt glücklich
Gärten, welche von Düften schwer.
Volk, von Götter-
taue berauschtes,
mach dich auf, geflügelter Schwarm, der du schweifest im Wald, auf, auf,
machet fort von hier euch alle,
und, wo ein Großer jetzt ruht, Lipsius‘ Hügel umgebt!
Dort sollet Haus und Hof ihr
euch erbauen, erbauen jetzt;
Es ist 25 oder 26 Jahre her, da las der – in der DDR verhaftete und in den Westen gedrängte – Autor Jürgen Fuchs in Greifswald. Es war noch sehr nahe an der DDR, „heikle“ Autoren lasen in den 80er Jahren und noch eine Weile länger nicht in staatlichen oder anerkannt-gesellschaftlichen Institutionen (Kulturbund, Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, Freie Deutsche Jugend…), sondern in der Kirche. So also Jürgen Fuchs nach der Wiedervereinigung oder jedenfalls nach der „Wende“. (Während ich das schreibe, fällt mir ein, daß es im Frühjahr oder Frühsommer 1990 gewesen sein muß.) Fuchs las nicht nur eigene Texte, sondern warb für Literatur. Er hatte einen Stapel Zeitschriften dabei, darunter Lettre International. Europas Kulturzeitung. Er legte sie in der Kirche aus und forderte uns auf, einige davon mitzunehmen. Ich kannte sie schon, sicher aus Westberlin, wohin ich seit Januar 1990 wenigstens einmal im Monat fuhr, um in der Staatsbibliothek West zu lesen (etwas später, im Maße, wie Geld zur Verfügung stand, kamen Buchhandlungen dazu, Heinebuchhandlung im Bahnhof Zoo, Autorenbuchhandlung, Kiepert und andere).
Seitdem lese ich die Zeitschrift viermal im Jahr. Die großformatigen Hefte sind schwer zu lesen, ich benutze eine Buchstütze für aufgeschlagene Bücher oder Zeitschriften, aber für die aufgeschlagen 54 mal 37 cm ist die zu klein. Knapp 2000 Quadratzentimeter mit großformatigen Fotos und Grafiken oder mit langen Texten in kleiner Schrift auf drei Spalten. Ich hatte mal einen Chef, der mir sagte, er kenne keinen, der die Lettre liest.
Jede neue Lettre ist ein Fest. Ich überfliege das Inhaltsverzeichnis und blättre erst einmal Seite für Seite durch, nur kurz auf jeder verweilend, Bilder gucken und herausfinden, was zuerst gelesen werden muß. Ach, die Stapel mit Lesezeichen irgendwo im Inneren, oft Bleistifte als Lesezeichen, die muß ich oft nachkaufen, die Bleistifte. Ich sitze im Lesesessel und schlage das Heft lose zusammen, gerade so daß die Bindung hält, und lese mit Bleistift.
Das aktuelle Heft 116 hat auf dem Titel ein Bild von Etel Adnan, viele weitere im Inneren. Außerdem großformatige Fotografien von Fotografen mit englischen, französischen oder vielleicht indischen Namen. Bilder auf gutem Papier in bester Druckqualität.
Raoul Schrott schreibt über Martin Luther. Von der Heilsbotschaft in Volkes Sprache zum Neuhochdeutschen. Der sprachliche Oberdeutsche setzt so ein: „ACH, IHR DEUTSCHEN! Eure Überheblichkeit manchmal uns Tirolern gegenüber, als wären wir der Sprache nicht mächtig, und dazu die Verlagslektoren, wenn sie im Manuskript wieder einen vermeintlichen Austriazismus bemängeln, als gehörten solche ein für allemal ausgemerzt.“ Wie jeder Ober-, nein Hochdeutsche klärt er die niederdeutschen Leser, die von sich glauben, daß sie das bessere (Hoch-)Deutsch sprechen, darüber auf, wo das Hochdeutsche herkommt, nämlich von „oben“, also unten auf unseren Karten. Amüsant und mit einigen schönen Beispielen, wenn auch ein wenig auf Volkshochschulniveau, erzählt er die Geschichte, wie ein Niederdeutscher, besagter Luther, ein einheitliches Deutsch regelrecht schuf, man nennt die von ihm recht eigentlich erfundene oder geschaffene Sprache Frühneuhochdeutsch. Luthers Prinzipien beim Dolmetzschen geben ihm Gelegenheit, seinen, Schrotts, also nun nicht den päpstischen sondern gräzistischen Kritikern eins auszuwischen:
Im Übrigen hält Luther den Klügelingen vor, die ihn wegen seiner Abweichungen vom Wortlaut meistern und vielleicht auch etliche Fromme sich dran stoßen: Was bringt es denn, die Worte ohne Not so steif und streng zu halten, daß man daraus nichts verstehen kann? Wer deutsch reden will, der muß nicht der hebräischen Worte Weise führen, sondern muß darauf sehen, wenn er den hebräischen Mann versteht, daß er den Sinn fasse und sich also denken: Lieber — wie redet der deutsche Mann in solch einem Fall? Wenn er nun die deutschen Worte hat, die hiezu dienen, so lasse er die hebräischen Worte fahren und spreche frei den Sinn heraus, im besten Deutsch zu dem er fähig ist. Jedesmal, wenn ich das lese, muß ich lachen — weil Luther damit nicht nur anschaulich die Technik des literarischen Übersetzens beschrieben hat, sondern auch – wie in meinem Fall bei der Ilias — die Reaktion der gräzistischen Klügelinge, die sich daran stießen daß ich mich nicht streng an den Wortlaut gehalten habe, obwohl man erst dadurch dem Original treu zu bleiben vermag.
Gegen Ende seines Aufsatzes kann auch Schrott nicht dagegen an, das zu tun, was er seinen Kritikern oder Lektoren vorwirft: ein „korrektes“ Normdeutsch zu postulieren. Auch die Plattdeutschen, schreibt er, müßten das Hochdeutsche erst in der Schule lernen, wo sie das Schriftdeutsch ihrem norddeutschen Dialekt gemäß aussprächen. Daher sprächen sie „China“ oder „Chemiker“ mit dem ch-Laut statt des „korrekten“ „k“. Naja. (Für mich Mitteldeutschen, der nicht mit plattdeutschen, sondern mit sächselnden Lauten aufgewachsen ist und Platt erst nach Übersiedlung an die Küste kennenlernte, eine lustige Vorstellung: „Hier Kömmt der Kaiser von Kina“. Für Schrott ist das gar nicht lustig!)
Dorothea Franck hält ein – nun, vielleicht nicht flammendes, aber kräftiges Plädoyer für Gedichte im „digitalen Zeitalter“. Natürlich „brauchen“ „wir“ (zumindest, sagt sie, „ich“ und die „kleine Minorität der Gedichteleser“) sie noch. Aber es geht um mehr als die individuelle Freude an Gedichten. Die Sprache braucht sie: „Gedichte sind Sauerstoff für die Sprache und damit auch für unsere geistige Existenz.“
Solche Sätze, die wir gern hören. Die sich schneller sagen als beweisen lassen.
Theoretisch ist das alles leicht nachvollziehbar. Erbauungsliteratur für die einen, Stoff für Einführungsseminare in die Literaturwissenschaft für die anderen. „Theoretisch“ also bewiesen, soweit man den zugrundeliegenden philosophischen, semiotischen Theorien folgt. Sprache sei eine geniale Verbindung zwischen der diskreten und der analogen Natur unserer Intelligenz. Kaum einem heutigen Sprecher sei bewußt, in welchem Ausmaß sich das Repertoire konventioneller Sprache ursprünglich der Dichtung verdanke. Die Verwandtschaft der Begriffe Sinn und Sinne werde in der Dichtung evident. Genau wie die kognitive könne auch die sinnliche Intelligenz geübt und verfeinert werden. Nicht nur das klangliche, auch das semantische Potential der Sprache werde in der Dichtung anders genutzt. Sie kämpfe nicht gegen „die lästige Unbestimmtheit sprachlichen Bedeutens“, sondern nutze und weite die „Offenheit“ und finde so zu „einer anderen Art der Präzision“.
Hier und da wird sich bei manchen Widerspruch melden. Eine Analyse von Goethes „Wanderers Nachtlied“ führt zu dem Fazit:
Viele glückliche Zufälle fügen sich so mühelos, daß die Kontingenz der Formen überwunden scheint und der Eindruck entsteht, die Sprache selbst wirke mit. Jeder Dichter wird dies bestätigen:
Äh, Sätze mit jeder!
Ein durchgeformtes Gedicht kann nicht „fabriziert“ werden, es muß entstehen.
Wo habe ich diese Debatte zuletzt gelesen? Richtig, gestern auf Facebook! Es redens allerorten die Menschen wie die Dichter, die einen so, die andern so.
Als ich noch Grundkurse gab, legte ich manchmal einen Fragebogen vor, bei dem anzukreuzen war, ob die Aussagen von Gottfried Benn stammen könnten oder nicht.
Der große Dichter ist ein großer Realist, sehr nahe allen Wirklichkeiten. JA / NEIN
Aber die Form IST ja das Gedicht. JA / NEIN
Die Dichter sind eigentlich keine geistigen Menschen, keine Ästheten JA / NEIN
Sie sind Träumer JA / NEIN
Ein Gedicht entsteht überhaupt sehr selten, ein Gedicht wird gemacht. JA / NEIN
Meine teuflische Art der Fragestellung und/oder unsere Volksbildung sorgten dafür, daß in der Regel mehr als die Hälfte der Antworten falsch waren.
Nicht ohne Widerspruch mag auch diese Aussage Francks bleiben:
Den anderen Künsten hat die Dichtung noch etwas voraus: ihre ökonomische Bedeutungslosigkeit. Sie ist und bleibt
Sätze mit ist und bleibt!
der Hungerleider unter den Künsten, und das ist gut so. (…) Das schützt sie vor Korrumpierung und falschen Maßstäben.
Ganz schön romantisch, diese Theorie!
Zum Erholen nach diesen zwei unterschiedlichen Grundkursstücken folgt ein sehr schöner poetischer Text von Herbert Maurer, auf den ich aber nicht eingehen und aus dem ich jetzt nicht einmal zitieren will. Selberlesen macht schön, oder so.
Ich überspringe den nächsten Text und stoße auf Claudio Magris: Roman und Moderne. Schöne Gelegenheit zum Vergleichen. Und der Vergleich geht nicht gut für die Lyrik aus. Formal ähnelt Magris‘ Text Francks. Lobt die eine die Dichtung, sprich Lyrik, als Grundlage unserer geistigen Existenz, so nennt der andere den Roman als DEN Ausdruck der modernen Welt. Er geht von einer Bemerkung im Tagebuch Benedetto Croces aus, der notiert: Romanschriftsteller Moravia sei zu Besuch gewesen. Die Zuschreibung sei das Gegenteil eines Kompliments. Croce, der als Denker die moderne Welt als Fortschritt und Bestärkung des Geistes pries, „die Geschichte als Geschichte der Freiheit, ein von politischen und religiösen Dogmen befreiter Liberalismus und so weiter“, der auf politischer Ebene das Bürgertum überhöht, das die agrarische Klassizität zerstört und den Roman hervorgebracht habe, bleibe auf ästhetischer Ebene jener modernen „Prosa der Welt“ gegenüber fremd und unempfänglich. „Er war ein gerüsteter Zeitgenosse Mussolinis und Lenins, aber nicht Kafkas.“
Magris geht zunächst auf den inkommensurablen Don Quijote de la Mancha ein. Nach dessen Modell habe die Romantik Jahrhunderte später den Roman als Ausdruck der Moderne schlechthin erfunden und kodifiziert. Welch signifikanter Unterschied in den Romantikbegriffen: bei Franck die „romantische“ Überhöhung der Dichtung als „Muttersprache des Menschengeschlechts“, bei Magris die Prosa der modernen Welt. (Die Romantiker sind nicht romantisch; wir müssen sie uns als die ersten modernen Menschen vorstellen.) In dieser modernen Welt ist nichts ewig und unabänderlich, nicht der Mensch in seinen Leidenschaften, seinen Wahrnehmungen, seinem Bewußtsein usw. und auch nicht „die Kunst“ mit ihrem Kanon und den Idealen der Poesie und Schönheit. „Der Roman ist das Kennzeichen par excellence dieser universalen Transformation, die alle klassische Ordnung und die zeitlose Schönheit der Poetik zerstört und jede Hoffnung darauf nimmt, daß Homers Sonne noch über uns scheine*. Es fällt nicht schwer zu verstehen, warum es sich dabei um ein Croce nicht besonders genehmes literarisches Genre handelt, für den die Alternative Poesie versus Nicht-Poesie einen unveränderlichen Status hatte.“
*) Jandl sagt es so: „Zerbrochen sind die harmonischen Krüge / Die Teller mit dem Griechengesicht“
Magris geht dann auf Hegels Hoffnung ein, daß „dennoch“ der Roman die bürgerliche Epopöe werde. Paradoxerweise sei gerade der sozrealistische oder stalinistische Roman eine ihrer Realisierungen. Ansonsten Romane des 18. Jahrhunderts vor der französischen Revolution, wie Fieldings Tom Jones oder Defoes Moll Flanders, bei denen die „moderne Epopöe“ auf dem Glauben basiere, daß „aus dem unerbittlichen Kampf und der universellen Konkurrenz eine größere Freiheit“ hervorgehe.
Folgen Schlegel, der „Sonderfall Österreich“, Lukács‘ Begriff von Epik und Totalität usw.: Lesenswert!
Kennzeichnend für Lettre ist die Koexistenz ästhetischer und politischer Themen. Zwei Beiträge beschäftigen sich mit Trumps Welt. Etel Adnan steuert nicht nur die Bilder bei, sondern einen sehr informativen Aufsatz über den Untergang des Osmanischen Reiches – „Überlegungen zur Lösung alter Probleme“. Vieles was wir nicht so genau wissen (wollen). Etel Adnan wurde 1925 in Beirut geboren. Ihre Mutter war griechische Christin aus Smyrna (Izmir), ihr Vater hochrangiger osmanischer Offizier aus Damaskus, Schulkamerad Atatürks.
Schön optimistisch ihr Fazit:
Die Türkei wird eingestehen müssen, daß höchste osmanische Generäle, vor allem Karabekir Pascha, den Krieg dazu nutzten, die Armenier vollständig zu eliminieren, um einen türkischen Nationalstaat zu schaffen: Das nennen wir Genozid. Ist dies einmal anerkannt, dann können beide Völker ihrer Zukunft mit größerer Gelassenheit entgegensehen. Alte Probleme müssen gelöst werden, denn neue und dringliche Probleme globaler Natur warten: Überbevölkerung, Wassermangel, Umweltverschmutzung, um nur einige zu nennen, wo die ganze Menschheit, die Völker zusammenarbeiten müssen, mit Hilfe jedes einzelnen von uns. Wir werden gemeinsam überleben oder gemeinsam verschwinden. Ich denke, daß der Lebenstrieb sich durchsetzen wird.
(Damit ist die Zeitschrift nicht einmal zur Hälfte gelesen. Fortsetzung nächste Woche! Unter anderem zu Leben, Schreiben und Sterben von Sylvia Plath!)
Lettre international 116 (Frühjahr 2017) Raoul Schrott: Meister Luther. Dorothea Franck: Brauchen wir noch Gedichte im digitalen Zeitalter? Herbert Maurer: Auf den Zungen liegen. Alexander Goldstein: Poplawskis Geheimleben. Claudio Magris: Roman und Moderne. Donald Trump. Etel Adnan: Das Ende der Osmanen. Nedim Gürsel: Tod in Bursa. Wasserzeichen Europas. Der Bazillus des Krieges. Der Samen Indiens. Leben, Schreiben und Sterben der Sylvia Plath.
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Jan Skudlarek, Bobrowski 100, Buchmesse-Wahrheit, Hansens Flaschenpost, Jewtuschenko, Whitman, Goldsmith – und manches andere. Lesen!
Wild küssen sie sich plötzlich, die Liftboys. Das konzentrische Kreisen
ihrer Zungen. Wir finden uns in einem Raum wieder,
der eine Videothek war, bevor er wieder Raum wurde (Insolvenz).
Du kennst die Geschichte. Die Gedichte. Über nächtlich
eingenommenes Flugbenzin. Die neunhundert Namen aus dem
Abspann. Es regnet Disketten aus einem Hochhaus, daher
gib mir den Flachmann. Ein Dichter beschrieb die Zunge einst
als länglichen, von Schleimhaut überzogenen Muskelkörper
****
Dein Körper als die einzige Sprache, die ich verstehe : Humbug.
Wir sind so leicht verliebte Systeme, Endzeitpartikel.
Das ist wie Nacktbaden im Darknet — ein kleinteiliges Verzweifeln
auf der Parkbank, kurz vor dem Kreuzzug, sieh zu. Du willst
doch, dass wir einander übergletschern. Willst fluoreszierende
Parkhäuser, die mühselig verglühen beim Wiedereintritt
in die Erdatmosphäre. Wie gesagt sind wir nur so leicht
verliebte Systeme, Astronauten. Anonym und ohne Mantra
****
Die Vögel dieser Gegend sind ein Glaubensorden geworden
ihr konspiratives Geschnabel, Kritik am System. Ein Nachtbus
fahrer schläft am Steuer ein, seine Träume kontaminieren den Raum –
immer wieder wie die Weihnachtspyramide brennt, die Mutter
eine panische Taube. Das sind so Dinge, die vergisst man nicht. Ich
denke an unsere Doppelstränge. Daran, wie Schnee sich schichtet.
Übereinanderlegt. Damaszenerschnee. Zwei Münder
konvergieren zum ersten Mal
****
Onirische Zierfische. Helden des Alltags. An der Hotelrezeption
werde ich sorgfältig ohnmächtig. In deiner Hand :
ein gefrorener Specht. Wir sind sowas wie tektonische Platten,
oder, let’s say, die ersten arbeitslosen Tiere. Schon ziemlich
komisch. Wie alles nach Sinngebung schreit. Holzscheite, die
so semantisch knistern auf dem Bildschirm in der Lobby.
Selbst das Licht scheint raubkopiert. Ich sah die bestesten Köpfe
meiner Generation Apps programmieren
Am 3. April um 11 Uhr erhielt Orsolya Kalász im Staufener Stubenhaus den Peter-Huchel-Preis.
(…) Orsolya Kalász, 1964 in Ungarn geboren, lebt seit vielen Jahren in Berlin und bewegt sich als Übersetzerin wie als Dichterin zwischen den Sprachen – in einem offenen, fluiden Bereich, in dem sich das Staunen über die Wörter und ihre Vielgestaltigkeit in eine fragende, den Klängen und Morphologien der Wörter nachtastende Poesie verwandelt. Sie schreibt Gedichte in deutscher und in ungarischer Sprache, auf einem bilingualen Weg, der neue Echo- und Hallräume erschließt. 1999 hat sie gemeinsam mit dem Lyriker Gerhard Falkner die Anthologie „Budapester Szenen“ publiziert, die einen Einblick gab in den experimentellen Wagemut der jungen ungarischen Lyrik. In „Das Eine“ finden sich ausschließlich Gedichte in deutscher Sprache, die manchmal wie kleine gelenkige Essays über „das Verstehen“ oder über „dunkle Dinge“ daherkommen, dann wieder in einer intensiven Musikalität über das Harte und das Flüssige der Sprache nachdenken: „Ich kann es, ich kann es wirklich!/ Alles, was du hart machst,/ lasse ich flüssig werden. / Du wirst sehen, / ich kann es, ich kann es wirklich.“
Das Hartwerden der Sprache, ihre Erstarrung in der Stereotypie, ist der natürliche Feind der Poesie. Die Dichtung von Orsolya Kalász löst die Sprache aus ihren fixen Verankerungen und Bedeutungsgefängnissen. Manchmal scheint es, als komme die Suchbewegung der Gedichte fast prosaisch daher. Dann wieder nutzt Kalász das alte poetische Mittel der Anapher und Wiederholung, und es entsteht eine große Suggestivität durch Beschwörung und Anrufung: „Das was da ist, braucht man nicht zu fürchten,/ das, was in mir keine Pfoten hat,/ legt sich vor dir hin und kreuzt sie./ Jetzt vergnügen wir uns und / schweigen/ über die großen Taten./Das, was da ist…“
Orsolya Kalász hat moderne Zaubersprüche geschrieben, die manchmal großen Ernst ausstrahlen, dann wieder spielerisch an ihr Sprach-Werk gehen. Im Zweifel vertrauen sie nicht „auf die große Kunst der Deutlichkeit“, wie es ein Gedichttitel ankündigt, sondern auf „die gute Fernwirkung“. Poesie wird zum „kleinen Herzschild“ – das wappnet gegen den Wankelmut der Liebe. / Michael Braun, Badische Zeitung
Orsolya Kalász: Das Eine. Gedichte. Brueterich Press, Berlin 2016. 85 Seiten, 20 Euro.
„Ich habe ein Verbrechen begangen!“ So beginnt ein Brief, den der „ergebene Johannes B.“ im März 1958 dem „sehr verehrten Herrn Huchel“ schreibt. Es sei ein Verzweiflungsakt gewesen, wie er „am Sonntagabend zwischen Sorgen mit den kranken Kindern und dem eingeschnittenen Daumen der Eheliebsten zustande kommt“. Und er fürchte, ja sei beinahe gewiss, etwas falsch gemacht zu haben. Das Vergehen, das Johannes Bobrowski seinem Mentor Peter Huchel so dramatisch ankündigte: Er hatte Gedichte an den Verlag Rütten & Loening geschickt, ohne seinen 14 Jahre älteren Förderer vorab von diesem Schritt zu unterrichten. Wie Huchel auf das Geständnis reagierte, ist nicht bekannt, aber der nervöse Tonfall lässt ahnen, wie sehr Bobrowski eine Verstimmung fürchtete. / Matthias Weichelt in der Zeit über die vierbändige Ausgabe von 1200 Briefen Johannes Bobrowski
Johannes Bobrowski: Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Eberhard Haufe; Deutsche Verlags-Anstalt, München 2017; 752 S., 34,99 €
Johannes Bobrowski: Briefe 1937–1965. Hrsg. und kommentiert von Jochen Meyer; Wallstein Verlag, Göttingen 2017; 4 Bde., 2724 S., 199,– €
Johannes Bobrowski: Mäusefest. Erzählungen; Wagenbach Verlag, Berlin 2017; 144 S., 17,– €
Man muß nicht alles versöhnen. „Die Feindschaften der Männer“. Diese Wortgruppe schickte mir einmal der Hamburger Dichter Wilhelm Fink zu irgendeinem Streit, den wir hatten. Ich borge ihn mir für Bobrowski. Just zu dessen 100. Geburtstag mir einfällt, daß ich genau in der Mitte dieses Bobrowski-Jahrhunderts, 1967, vor nun 50 Jahren, als Schüler den Gedichtband Sarmatische Zeit zum ersten mal las. Wahrscheinlich im Sommer. Mit Bobrowski (und Hölderlin) übte ich das Lesen schwieriger Lyrik ein. Von Hölderlin sprachen die Lehrer ja noch, aber nicht von Bobrowski. Der war, als ich ihn kennenlernte, schon zwei Jahre tot. Für mich war es Gegenwartslyrik. Ein paar Jahre später verspottete eine Satirezeitschrift (wie von fast jeder Sparte besaß die DDR davon nur eine) ein elegisches Gedicht auf den Tod Bobrowskis. Da waren die Fronten längst klar. / Beitrag von Michael Gratz über Verwerfungen zwischen Bobrowski, Huchel und Celan hier
Ich trete ein
Fußmatte im Windfang
Der Dichter
hat Staubspuren
hinterlassen
riecht aus der
alten Sofadecke
noch 40 Jahre
danach
In den Folianten
fliegen Gedanken auf
die Landkarten
zeichnen einen Lebensweg
die Ostsee liegt vor
der Haustür
Er hat seinem Schattenland
nachgespürt an den
Strömen klappern
die Mühlen raschelt
das Schilf auch am
Müggelsee lockt
ein Klavier
das er erst stimmen muss
Weggefährten erinnern
damals war’s
In Friedrichshagen floss
mehr Wodka als Spreewasser
erzählten wir in Westberlin
Wer einen Westpass hatte
konnte rüber nach dem
Mauerbau – in Friedrichshagen
war die Luft duftig
von Linden und Maulmeerbäumen
in der Bölschestraße
Der Putz der Gründerzeit
bröckelt
und der Rost
hinterlässt
Filigranspuren im Regen
In der Ahornallee 26
hatte die Zeit innegehalten
Zu seinem Hundertsten allerdings
sind seine Bücher aushäusig
liegen die Manuskripte
geordnet im Archiv
die Folianten verschwenden
sich nicht mehr im Hochformat
und die vergilbten Landkarten
haben das Land Sarmatien
in die Fantasie entlassen…[1]
Anmerkung:
[1] In der Ahornalle 26 in Berlin-Friedrichshagen/Spree, wo Bobrowski seit seiner Entlassung aus der sowjetischen Kriegsgefangenschaft 1949 zur Miete lebte, hatte seine Familie auch nach seinem Tod 1965 sein Arbeitszimmer im Originalzustand erhalten, es konnte mit vorheriger Anmeldung besichtigt werden. 2008 übernahm die Landesbibliothek Berlin die rund 2.200 Bücher des Dichters. 2011 musste dann alles aufgelöst werden und das Haus wurde verkauft.
Bobrowskis literarischer Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach, originale Gegenstände aus Bobrowskis Berliner Arbeitszimmer (die Liege, der Schreibtisch, die Schreibmaschine etc.) sind in der Bobrowski-Dauerausstellung im Evangelischen Gemeindehaus in Willkischken (Litauen) zu sehen.
Solange wir genügend Wörter zur Verfügung haben, kann uns nichts schrecken. Vor allem nicht den Übersetzer, für den die Wörter auch noch gleich paarweise auftreten. Und für den Fall, dass uns die Wörter doch auszugehen drohen: Es gibt eine ganze Reihe von nie versiegenden Fundstellen, an denen wir neue schürfen können. Zwei der ergiebstigen sind nach meiner Erfahrung Werkzeuge und Handwerk und Geschlechtsverkehr und -teile. Allein, hier ergeben sich für das Paarebilden beim Übersetzen aus lebenden und toten Sprachen häufig ganz unterschiedliche Schwierigkeiten. Natürlich lässt sich bei synchron und unter ähnlichen Umständen funktionierenden Gesellschaften davon ausgehen, dass in ihnen ähnliche Werkzeuge benutzt und benamst werden. Aber ob bei den dadurch sich ergebenden Paare beide Partner gleich unterhaltsam sind, ist häufig fraglich. Kann man Königszapfen und Nachlaufachse ohne Spielverderberei übersetzen? Was machen nur die Übersetzer aus dem Titel von Katharina Schultens großartigem Band „gierstabil”? Hier weiter
Es gibt Dichter, die sich ihren festen Platz in der Literaturgeschichte erobern, und es gibt Dichter, die sehr schnell im Orkus des Vergessens verschwinden. Der russische Schriftsteller Jewgeni Jewtuschenko lässt sich nicht vorbehaltlos einer dieser Kategorien zuordnen. Ein guter Teil seiner lyrischen Produktion wird schon heute zu Recht kaum mehr gelesen: Zu banal ist sein Pathos von der Liebe zu den «guten Menschen», zu epigonal seine Nachahmung von Wladimir Majakowskis Reimtechnik, zu aufgeblasen sein persönliches Ego, das sich in fast jedem Text in den Vordergrund schiebt. Gleichwohl sind ihm einige Gedichte gelungen, die nicht nur zu Meilensteinen der russischen Kulturgeschichte geworden sind, sondern auch in der europäischen Literaturszene Aufsehen erregt haben.
In besonderem Mass gilt dies für das Gedicht «Babi Jar» (1961). Hier durchbrach Jewtuschenko erstmals die Mauer des Schweigens, die das NS-Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Kiew umgab. / Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung
Zu Jewtuschenko und Babi Jar, eine kritische Sicht. Ich zitiere Informationen über frühere Werke über das Massaker von Babi Jar:
Although Yevtushenko was exported by Soviet literary authorities, several Jewish poets who had previously written about Babi Yar were sanctioned or ignored. The poet Ilya Selvinsky (1899-1968) witnessed the aftermath of the massacre of thousands of Jews outside the Crimean city of Kerch in 1942, writing and publishing poems about it. In retribution, Selvinsky was dismissed from the military the following year. In 1944, the Jewish author Ilya Ehrenburg (1891–1967) wrote a poem, “Babi Yar,” reprinted only in 1959. Other Soviet Jews, including the Ukrainian Jewish poet Moysey Fishbeyn, wrote about Babi Yar to little or no acknowledgment.
from „Crossing Brooklyn Ferry“
by Walt Whitman (1819 – 1892)
5
What is it then between us?
What is the count of the scores or hundreds of years between us?
Whatever it is, it avails not — distance avails not, and place avails not,
I too lived, Brooklyn of ample hills was mine,
I too walk’d the streets of Manhattan island, and bathed in the waters around it,
I too felt the curious abrupt questionings stir within me,
In the day among crowds of people sometimes they came upon me,
In my walks home late at night or as I lay in my bed they came upon me,
I too had been struck from the float forever held in solution,
I too had receiv’d identity by my body,
That I was I knew was of my body, and what I should be I knew I should be of my body.
6
It is not upon you alone the dark patches fall,
The dark threw its patches down upon me also,
The best I had done seem’d to me blank and suspicious,
My great thoughts as I supposed them, were they not in reality meagre?
Nor is it you alone who know what it is to be evil,
I am he who knew what it was to be evil,
I too knitted the old knot of contrariety,
Blabb’d, blush’d, resented, lied, stole, grudg’d,
Had guile, anger, lust, hot wishes I dared not speak,
Was wayward, vain, greedy, shallow, sly, cowardly, malignant,
The wolf, the snake, the hog, not wanting in me.
The cheating look, the frivolous word, the adulterous wish, not wanting,
Refusals, hates, postponements, meanness, laziness, none of these wanting,
Was one with the rest, the days and haps of the rest,
Was call’d by my nighest name by clear loud voices of young men as they saw me approaching or passing,
Felt their arms on my neck as I stood, or the negligent leaning of their flesh against me as I sat,
Saw many I loved in the street or ferry-boat or public assembly, yet ever told them a word,
Lived the same life with the rest, the same old laughing, gnawing, sleeping,
Play’d the part that still looks back on the actor or actress,
The same old role, the role that is what we make it, as great as we like,
Or as small as we like, or both great and small.
7
Closer yet I approach you,
What thought you have of me now, I had as much of you — I laid in my stores in advance,
I consider’d long and seriously of you before you were born.
Who was to know what should come home to me?
Who knows but I am enjoying this?
Who knows, for all the distance, but I am as good as looking at you now, for all you cannot see me?
Kim Addonizio Comments:
There are few poets who have sustained me as reliably or for as long as Whitman. Every time I go back to him I find solace in his essential humanity. He’s been criticized for a too-rosy portrayal of American democracy and of the poor and working classes. Yet the core of his vision is so expansive and inclusive that I succumb to it every time. Whitman’s vision is essentially spiritual, not political, and in many places he succeeds magnificently in reminding us that consciousness is first and foremost the journey, and that, as he writes elsewhere, “a kelson of the creation is love.” / More
Easy is the new difficult. It is difficult to be difficult, but it is even more difficult to be easy. Easy is not easy. Easy takes effort, just as difficulty takes effort. I want an easy art, an art of pure pleasure, an art that is completely understandable by anyone viewing it, an art that doesn’t leave you puzzled, an art that ties up every loose end, dots every i and crosses every t, an art that leaves nothing to chance, ensuring that the experience of engaging in this art will be the one that is desired by the artist. I want an art that leaves no nagging questions, is insanely simple in its goals, and meets every one of them unequivocally. I want an art where the philosophical questions posed in the work are answered in the experience of the work itself. I want an art that my mother can understand. / Kenneth Goldsmith, UTNE reader
Initial publication (German version): Goldsmith, Kenneth. “Easy is the New Difficult. Anstatt eines Gesprächs mit dem Künstler” In Postdigital II. Allgegenwart und Unsichtbarkeit eines Phänomens, Kunstforum International, vol. 243, edited by Franz Thalmair, translated by Christine Schöffler and Peter Blakeney 68–75. Cologne: Kunstforum International, 2016.
Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.
Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger!
Aber das Gedicht fährt nicht dichtungsimanent fort, es greift tief in unser Leben ein und zwar nach dem Verbot mit einer apodiktischen Behauptung: die „lebenbilder“ sind dem reinen Intellekt oder auch dem rationalen, kausalen Denken nicht zugänglich, nicht erschließbar. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Lettre international 116 (Frühjahr 2017) Raoul Schrott: Meister Luther. Dorothea Franck: Brauchen wir noch Gedichte im digitalen Zeitalter? Herbert Maurer: Auf den Zungen liegen. Alexander Goldstein: Poplawskis Geheimleben. Claudio Magris: Roman und Moderne. Donald Trump. Etel Adnan: Das Ende der Osmanen. Leben, Schreiben und Sterben der Sylvia Plath. – Das Heft prallvoll mit Inhalt, der besprochen werden muß. Zunächst also zwei Zitate siehe hier unter Kurz gesagt.
„Deutsch ist eine jüdische Sprache“ ist ein Zitat der Germanistin und Schriftstellerin Ruth Klüger. / Mannheimer Morgen
Gedichte befreien uns von der Illusion, alles verstehen zu können oder alles verstanden zu haben. Dorothea Franck, Lettre 116
Man lege sich nie neben eine Russin, schon gar nicht um zu schlafen. Wenn das aber doch geschieht, denn sie singen so schön und ihr Atem riecht nach Wacholder, dann singe man mit, so laut wie möglich. Herbert Maurer, Lettre 116
Ich will (…) in einem großangelegten (wenigstens dem Umfang nach) Gedichtbuch gegenüberstellen: Russen, Polen, Aisten samt Pruzzen, Kuren, Litauern, Juden – meinen Deutschen. Dazu muß alles herhalten: Landschaft, Lebensart, Vorstellungsweise, Lieder, Märchen, Sagen, Mythologisches, Geschichte, die großen Repräsentanten in Kunst und Dichtung und Historie. Es muß aber sichtbar werden am meisten: die Rolle, die mein Volk dort bei den Völkern gespielt hat. Und so wird die Auseinandersetzung mit der jüngsten Zeit, für mich: der Krieg der Nazis, einen wesentlichen und sicher den gewichtigsten Teil ausmachen. So werde ich in den Gedichten stehen, uniformiert und durchaus kenntlich. / Johannes Bobrowski, Brief an Peter Jokostra (1959)
Als nachhaltigstes Übel von Donald Trumps Hinterlassenschaft wird uns, noch lange nach der zu erwartenden Zerstörungsorgie, ein Berg von Literatur bleiben, die den Mann zu erklären versucht. Sidney Blumenthal, Lettre 116
Zu Tausenden strömten die Zuhörer zu seinen [Jewtuschenkos] Dichterlesungen; mit 250 000 Exemplaren erreichte ein Jewtuschenko-Gedichtband die höchste Auflage einer lyrischen Einzelpublikation in Russland. / Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung
Zuhause ist die Lyrik im Südwesten: Schiller, Hölderin, Uhland, Mörike, Hesse – im heutigen Baden-Württemberg wurde die deutsche Gedichtkunst geprägt. / Südwestpresse
Münster – Vom 19. bis zum 21. Mai findet das 20. Lyrikertreffen in Münster statt. Zuvor schon – und einige Tage länger – läuft gewissermaßen das Warm-up dazu. „Poetry 2017“ ist der Titel einer Veranstaltungsreihe vom 24. April bis zum 17. Mai an sechs Orten, die die literarische Gattung mit Konzert, Videoclip, Film und auch multimedialer Show verbindet. / Westfälische Nachrichten
Dear Authors and Artists,Dear Friends and Readers ofwww.levurelitteraire.comThe theme of our next issue will be:
Somalia is the „nation of poets“? If you’re not Somali that might surprise you. If you search for Somalia on the internet, you will quickly learn about civil war and bombings, and only rarely about how poetry and art make up a huge part of Somali culture. / KUOW.org
Vom 2.-9. April findet in der schweizerisch-deutschen Grenzregion Schaffhausen-Singen das Festival «Erzählzeit ohne Grenzen» statt. Mehr
Am 8. April 2012 erklärt die israelische Regierung den Schriftsteller Günter Grass wegen seines umstrittenen Gedichts Was gesagt werden muss zur „persona non grata“.
Der 8. April ist Internationaler Tag der Roma. In Japan Geburtstag Buddhas. 1820: Venus von Milo wird gefunden.
Der 9. April ist Tag der finnischen Sprache (Geburtstag von Elias Lönnrot)
Vermutlich nach 10. April (Ostern) 1803 redigiert Hölderlin den Gesang Am Quell der Donau. Neu u.a.: Kommt vor der Zeit eine Fremdlingin die Furchtbare sie / Zu uns, die Erwekerin, / Die menschenbildende Stimme. / Und es faßte ein Staunen die Seele / Der Getroffenen all und Nacht / War über den Augen der Besten.
Am 10. April 1917 stellt Marcel Duchamp sein Readymade „Fountain“ in New York aus (von der Jury als unkünstlerisch zurückgewiesen)
Am 11. April 1947 spricht Tristan Tzara auf einer Konferenz an der Sorbonne über Surrealismus und Nachkrieg. – 1961 Debüt Bob Dylans als Sänger in New York, Greenwich Village. – 1968 drei Schüsse auf Rudi Dutschke. – 1982 Debüt der Toten Hosen im Bremer Schlachthof (irrtümlich als „Die Toten Hasen“). – International Louie Louie Day (nach einem amerikanischen Rhythm and Blues Song, über dessen Text das FBI zweieinhalb Jahre ermittelte und 250 Seiten Akten anhäufte, ohne ihn schlüssig interpretieren zu können)
Am 12. April 1633 beginnt die förmliche Befragung Galileo Galileis wegen dessen Lehre des heliozentrischen Weltbildes. – 1820: Alexander Ypsilantis wird zum Führer einer Organisation zum Kampf gegen die ottomanische Herrschaft in griechenland ernannt.
1842 schreibt Hölderlin das Gedicht Aussicht (Der offne Tag ist Menschen hell mit Bildern) und datiert es auf: 24. Merz 1871. – 1954: Bill Haley nimmt das Lied Rock Around the Clock auf. – 1961 erster bemannter Raumflug Juri Gagarins (in Rußland: Tag der Kosmonauten)
Am 13. April 1801 Zeugnis von Anton von Gonzenbach: „Auf Verlangen von Herrn Magister Hölderlin bezeuge ich hiermit, daß dieser Herr als Lehrer meiner Kinder, sich meine ganze Hochachtung erworben, und bedaure nur, daß die unvorhergesehene Wendung der Umstände uns so frühe wieder trennt.“ – 1841: Einweihung der Semperoper in Dresden mit Carl Maria von Webers Jubel-Ouvertüre und Goethes Torquato Tasso. – 1901: 1901: Erster Auftritt des Kabaretts Die Elf Scharfrichter in München-Schwabing. – 1990: Michail Gorbatschow gibt das1940 verübte Massaker von Katyn zu. In Polen Katyn-Gedenktag. – 13./14. April Neujahrsfestivals in süd- und südostasiatischen Kulturen
Der 14. April (25. Germinal) ist Tag der Taube im französischen Revolutionskalender. Tag der maledivischen Sprache (Dhiveh) und der georgischen Sprache sowie des N’Ko Alphabets (Mande, Westafrika)
Geburtstag haben am 8. April 1674: Johann Burckhardt Mencke, deutscher Gelehrter (Philander von der Linde), 1695: Johann Christian Günther, deutscher Lyriker, 1798: Dionysios Solomos, griechischer Dichter, 1868: Simon Gfeller, Emmentaler Mundartdichter, 1879: Max Wenzel, erzgebirgischer Mundartdichter, 1903: Maria Mönch-Tegeder, emsländische Dichterin, 1928: Fred Ebb, amerikanischer Textdichter; am 9. April 1799: Peter Joseph Rottmann, Hunsrücker Mundartdichter, 1802: Elias Lönnrot, finnischer Schriftsteller (zeichnete das Kalevala auf), 1821: Charles Baudelaire, französischer Dichter, 1859: Julius Hart, deutscher Dichter, 1865: Adela Florence Nicolson, britische Lyrikerin, 1904: Ludwig Hohl, Schweizer Schriftsteller, 1916: Juan-Eduardo Cirlot, katalanischer Lyriker und Essayist, 1917 Johannes Bobrowski (100. Geburtstag), 1928: Tom Lehrer, amerikanischer Liedermacher, 1935: Albert von Schirnding, deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker, 1936: Valerie Solanas, amerikanische Feministin, 1954: Arnold Stadler, deutscher Schriftsteller, 1955: Joolz Denby, englischer Schriftsteller; am 10. April 1636: Balthasar Kindermann, deutscher Dichter, 1770: Joseph von Laßberg, deutscher Schriftsteller und Germanist, 1838: Johann Hinrich Fehrs, deutscher Schriftsteller, 1842: August Geib, deutscher Lyriker, 1867: George William Russell, irischer Schriftsteller, 1896: Johann Esser, deutscher Dichter, 1907: Abdul Ghafur Breshna, afghanischer Dichter, 1913: Stefan Heym, deutscher Schriftsteller, 1937: Bella Achmadulina, russische Dichterin, 1941: Jamie Reid, kanadischer Dichter, 1952: Richard Wagner, deutscher rumänischstämmiger Schriftsteller, 1957: John M. Ford, amerikanischer Schriftsteller; am 11. April 1492: Margarete von Navarra, Herzogin, Königin, Mäzenatin und Dichterin, „die erste moderne Frau“, 1569: Georg Carolides, tschechischer Dichter, 1713: Luise Adelgunde Victorie Gottsched, deutsche Schriftstellerin, 1722: Christopher Smart, englischer Schriftsteller, 1741: Johann Heinrich Merck, deutscher Schriftsteller, 1866: Bernard O’Dowd, australischer Schriftsteller, 1769: František Vladislav Hek, tschechischer Dichter, 1808: Anastasius Grün, österreichischer Dichter, 1894: Lev Blatný, tschechischer Dichter, 1896: Wieland Herzfelde, deutscher Schriftsteller und Verleger (Malik-Verlag), 1898: Conny Méndez, venezolanische Schriftstellerin, 1900: Sándor Márai, ungarischer Schriftsteller, 1905: Attila József, ungarischer Lyriker, 1948: Anke Maggauer-Kirsche, deutsche Lyrikerin und Aphoristikerin, 1959: Barbara Köhler, deutsche Lyrikerin; am 12. April 1500: Joachim Camerarius der Ältere, deutscher Gelehrter und Dichter, 1550: Edward de Vere, 17. Earl of Oxford, englischer Dichter, 1627: Christoph Arnold, deutscher Dichter, 1803: Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, deutscher Liederdichter, -forscher und -sammler (Kein schöner Land in dieser Zeit), 1812: Karl Ziegler, österreichischer Lyriker, 1848: José Gautier Benítez, puertorikanischer Dichter, 1907: Zawgyi, burmesischer Schriftsteller, 1929: Mukhran Machavariani, georgischer Dichter, 1931: Leonid Derbenyov, russischer Dichter, 1944: Karel Kryl, tschechischer Liedermacher und Dichter, 1946: Ria Endres, deutsche Schriftstellerin, 1952: Gary Soto, amerikanischer Schriftsteller, 1964: Gaziel (d.i. Agustí Calvet i Pascual), katalanischer Journalist und Schriftsteller; am 13. April 1699: Alexander Ross, schottischer Dichter, 1729: Thomas Percy, englischer Dichter, 1776: Wilhelm von Schütz (Schütz-Lacrimas), deutscher Dichter, 1799: Ludwig Rellstab, deutscher Journalist und Dichter, 1824: William Alexander, irischer Erzbischof und Dichter, 1832: Juan Montalvo, ekuadorianischer Schriftsteller, 1856: Sigmar Mehring, deutscher Schriftsteller (1899 dreimonatige Festungshaft wegen eines Spottgedichts auf die Jesuiten), 1872: Alexander Roda Roda, österreichischer Schriftsteller, 1880: Hans Adler, österreichischer Lyriker und Librettist, 1880: Ludwig von Ficker, deutsch-österreichischer Schriftsteller und Verleger (Trakl), 1885: Georg Lukács, ungarisch-deutscher Philosoph und Literaturtheoretiker, 1901: Jacques Lacan, französischer Psychoanalytiker, 1904: Martha Weber, erzgebirgische Heimatdichterin, 1906: Samuel Beckett, irischer Schriftsteller (Nobelpreis 1969), 1908: Andreas Walser, Schweizer Maler, Dichter und Fotograf, 1914: Orhan Veli Kanık, türkischer Dichter, 1915: Stephan Hermlin, deutscher Dichter, 1928: José Agustín Goytisolo, spanischer Dichter und Übersetzer, 1938: John Weston, englischer Dichter, 1939: Seamus Heaney, irischer Schriftsteller (Nobelpreis 1995), 1940: Friedemann Berger, deutscher Schriftsteller, 1947: Rae Armantrout, amerikanische Lyrikerin; am 14. April 1126: Averroes (Ibn Rushd), arabischer (andalusischer) Gelehrter, 1792: Friedrich Bruckbräu, deutscher Schriftsteller und Übersetzer (Petrarca, Milton), 1843: Helene Hübener, mecklenburgische Schriftstellerin, 1854: Martin Lipp, estnischer Dichter, 1881: Husain Salaahuddin, maldivischer Dichter, 1886: Ernst Robert Curtius, deutscher Romanist, 1886: Árpád Tóth, ungarischer Dichter, 1901: Martin Kessel, deutscher Schriftsteller, 1910: Kurt Feltz, deutscher Schlagertexter (Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei / Wer soll das bezahlen? / Man müsste noch mal Zwanzig sein), 1953: Gabriele Stötzer, deutsche Schriftstellerin, 1971: Rainald Grebe, deutscher Liedermacher
Todestageam 8. April 1598: Ludwig Helmbold, evangelischer Kirchenlieddichter, 1931: Erik Axel Karlfeldt, schwedischer Lyriker (Nobelpreis 1931), 1936: Božena Benešová, tschechische Schriftstellerin, 1941: Max Herrmann-Neiße, deutscher Schriftsteller, 1941: Mariusz Zaruski, polnischer General, Sportler, Schriftsteller, 1945: Josef Weinheber, österreichischer Lyriker, 1950: Albert Ehrenstein, österreichischer Lyriker, 1973: Pablo Picasso, Künstler und Poet; am 9. April 1553: François Rabelais, Schriftsteller, 1882: Dante Gabriel Rossetti, britischer Maler und Schriftsteller, 1886: Joseph Victor von Scheffel, deutscher Schriftsteller, 1912: Gottfried Strasser, Schweizer Pfarrer und Dichter, 1945: Dietrich Bonhoeffer, deutscher Theologe, von den Nazis hingerichtet (am gleichen Tag werden auch Wilhelm Canaris, Hans von Dohnanyi, Georg Elser und andere Nazigegner hingerichtet), 1989: Albert Vigoleis Thelen, deutscher Schriftsteller, 2007: Egon Bondy, tschechischer Dichter; am 10. April 1500: Michael Tarchaniota Marullus, griechischer gelehrter und Dichter, 1648: Hans Jakob von Koseritz, Mitglied der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, 1694: Catharina Regina von Greiffenberg, deutsche Dichterin, 1807: Anna Amalie von Sachsen-Weimar-Eisenach, Herzogin, 1909: Algernon Charles Swinburne, englischer Dichter, 1931: Khalil Gibran, libanesisch-amerikanischer Dichter, 1939: Franz-Joseph Ahles, bayrischer Dichter, 2009: Deborah Digges, amerikanische Lyrikerin; am 11. April 1532: Sōchō, japanischer Dichter, 1798: Karl Wilhelm Ramler, deutscher Dichter, 1861: Francisco González Bocanegra, mexikanischer Dichter, 1963: Franz Karl Ginzkey, österreichischer Dichter, 1964: Hans Franck, deutscher Schriftsteller, 1967: Murata Shūgyo, japanischer Lyriker, 1977: Jacques Prévert, französischer Dichter und Chansonnier, 1987: Primo Levi, italienischer Schriftsteller, 1991: Chester Valentine John Anderson, amerikanischer Schriftsteller, 1992: Eve Merriam, amerikanische Schriftstellerin, 1995: František Daniel Merth, tschechischer Priester und Dichter; am 12. April 1782: Pietro Metastasio, italienischer Dichter, 1894: Ludwig Pfau, deutscher Dichter, 1937: Abdülhak Hâmid Tarhan, türkischer Dichter, 1962: Erwin Guido Kolbenheyer, österreichischer Schriftsteller, 1973: Arthur Freed, amerikanischer Produzent und Liedertexter (Singing in the rain), 1981: Matthias Domaschk, Thüringer Bürgerrechtler, 1990: Kitagawa Fuyuhiko, japanischer Lyriker, 1998: Robert Ford, kanadischer Lyriker, 2012: Mohit Chattopadhyay, indischer Dichter (Bengali), 2014: Pierre Autin-Grenier, französischer Schriftsteller, 2016: Arnold Wesker, britischer Schriftsteller; am 13. April 1377: Guillaume de Machaut, französischer Komponist und Dichter, 1577 Konrad Hubert, deutscher Pfarrer und Kirchenlieddichter, 1695: Jean de La Fontaine, französischer Schriftsteller, 1794: Nicolas Chamfort, französischer Schriftsteller, 1833: Elisa von der Recke, deutsche Schriftstellerin, 1849: Théophile Marion Dumersan, französischer Schriftsteller, 1908: Emil Gött, deutscher Schriftsteller, 1912: Takuboku Ishikawa, japanischer Dichter, 1966: Georges Duhamel, französischer Schriftsteller, 1971: Juhan Smuul, estnischer Schriftsteller, 1983: Theodore Stephanides, griechischer Schriftsteller, 1987: Fridolin Aichner, deutsch-mährischer Schriftsteller, 2000: Giorgio Bassani, italienischer Schriftsteller, 2006: Muriel Spark, schottische Schriftstellerin, 2009: Stefan Brecht, amerikanischer Philosoph und Schriftsteller, 2015: Günter Grass, deutscher Schriftsteller (Nobelpreis 1999); am 14. April 1785: William Whitehead, englischer Dichter, 1894: Adolf Friedrich von Schack, deutscher Dichter, 1930: Wladimir Majakowski, russischer Dichter, 1963: Gustav Regler, deutscher Schriftsteller, 1980: Toki Zenmaro, japanischer Lyriker, 1986: Simone de Beauvoir, französische Schriftstellerin, 1990: Martin Kessel, Schriftsteller, 2008: Horst Bingel, deutscher Schriftsteller, 2010: Erika Burkart, Schweizer Schriftstellerin
„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 stehn bereit, hier ab Vers 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.
A topical subject, one that is dear to our hearts and that can lead to a lot of discussion, a subject that attracts attention and that we can tackle from many perspectives: cultural and literary, sociopolitical and sociological, linguistic, philosophical, psychological, etc.
Legend:
The adjective „integral,“ which is often used in the phrase „integral part,“ designates a part that is indispensable to the integrity of a whole. This phrase is often used in the expression „to form an integral part,“ meaning „to be one of the main constituent elements of something.“ Note that we can also use the verb „to be“ instead of the verb „to form.“
Examples:
– The loyalty is an integral part of our values.
– Ethnic minorities are an integral part of today’s society.
– A great artist is an integral part of a show or a project.
– A great writer is an integral part of the literature of his or her period.
– Fruits and vegetables are integral parts of our diet.
– Love is an integral part of our lives.
– The curiosity is an integral part of the human spirit.
etc.
Submission guidelines:
All material must be in keeping with the theme.
Poetry: minimum 3 short poems. Prose: minimum 2 short prose pieces (short stories, essays, novel excerpts). Visual arts: minimum 6 photos/illustrations. Music: minimum 3 mp3s with the voice of the artist and 2 videos already posted on YouTube or Dailymotion.
Please add, in all cases, a brief BIO of the author/artist, as well as photos of the author/artist and his or her studio or laboratory.
Quality translations will be very much appreciated, since Levure littéraire is multilingual and multidisciplinary. Any humanist discipline can find its place on our site.
Deadline for proposals and submissions: April 30, 2017
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