02-07

Am 7. Februar

  • 1127: Frau Ava, Ava von Göttweig, erste namentlich bekannte deutschsprachige Dichterin †. (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1478: Thomas Morus, englischer Staatsmann, Philosoph und Autor *. Katholischer Märtyrer, Luthergegner. Utopia.
  • „Anfang Februar 1497 ließ Savonarola große Scharen von Jugendlichen und Kindern („fanciulli“) durch Florenz ziehen, die im Namen Christi alles beschlagnahmten, was als Symbol für die Verkommenheit der Menschen gedeutet werden konnte. Dazu zählten nicht nur heidnische Schriften (oder solche, die von Savonarola dazu gezählt wurden) oder pornographische Bilder, sondern auch „Luxusgegenstände“ wie Gemälde, Schmuck, Kosmetika, Spiegel, weltliche Musikinstrumente und -noten, Spielkarten, aufwändige Möbel oder teure Kleidungsstücke. Teilweise lieferten die Besitzer diese Dinge auch selbst ab, sei es aus tatsächlicher „Reue“ oder aus Angst vor Repressalien. Am 7. Februar 1497 und am 17. Februar 1498 wurden all diese Gegenstände auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoriaverbrannt. Der Maler Sandro Botticelli warf einige seiner Bilder selbst in die Flammen.“ (Wikipedia)
  • 1529: Baldassare Castiglione, italienischer Höfling und Schriftsteller †. „so erwidere ich, daß alles, was die Männer begreifen können, auch von den Frauen begriffen werden kann und daß, wohin der Verstand des einen dringt, der der anderen auch dringen kann.“ Schrieb auch Liebessonette.
  • 1603: Bartholomäus Sastrow, deutscher autobiographischer Schriftsteller † in Stralsund. Geboren 1520 in Greifswald. Bürgermeister von Stralsund.
  • 1637: Mit dem Ende der großen Tulpenmanie in den Niederlanden kommt es zum ersten „Börsencrash“ der Geschichte. Der Handel stoppt gänzlich, die Preise fallen um über 95 %. Vgl. Bertram Reinecke: Andreas Gryphius im Jahre 1638, als er sahe, wie sie zu Holland Tulipan for Gold genommen… In: Sleutel voor de hoogduitsche spraakkunst. Roughbook 019 (2012)
  • 1775: Johann Diederich Gries, deutscher Übersetzer (Tasso, Ariost) *. „Lieber gute Übersetzungen als mittelmäßige Gedichte“
  • 1802: Johann Nepomuk Vogl, österreichischer Schriftsteller *. Balladen. Schnadahüpfeln. Ein Beitrag zur österreichischen Volkspoesie (1860)
  • 1809: Frederik Paludan-Müller, dänischer Schriftsteller *
  • 1823: Ann Radcliffe, britische Schriftstellerin †. (* 1764). Ode to Terror, 1810. Pionierin des Gothic Novel und „erste Poetin der Liebesromane“ (Walter Scott). Schrieb auch Gedichte (Textkette)
  • 1834: Estanislao del Campo, argentinischer Dichter und Journalist *
  • 1841: Hermann Menge, deutscher Altphilologe, Bibelübersetzer (Menge-Bibel) *
  • 1864: Vuk Karadžić, Serbischer Dichter, Philologe, Sprachreformer † (* 1787). Propagierte ein Großserbien „überall, wo serbische Sprache gesprochen wird“, also Kroatien und Bosnien eingeschlossen. Volkslieder der Serben. Metrisch übersetzt und historisch eingeleitet von Talvj. 1825 ff. – Serbische Volkslieder. Aus dem Serbischen. Teile einer historischen Sammlung. Gesammelt und hrsg. von Vuk Stefanović Karadžić. Übersetzt von Talvj. Ausgewählt und mit einem Nachwerot versehen von Friedhilde Krause. Reclam, Leipzig 1980.
  • 1867: Laura Ingalls Wilder, US-amerikanische Schriftstellerin (Our little Farm) *. „If I would have been an Indian, I think I would have scalped more white folks“
  • 1889: Ludwig Winder, österreichischer Schriftsteller und Literaturkritiker *. Gehörte zum „Prager Kreis“. Sein Theaterstück „Die Frau ohne Eigenschaften“ diente Robert Musil zur Vorlage für seinen Roman.
  • 1904: Emil Rosenow, deutscher Schriftsteller, Reichstagsabgeordneter †
  • 1904: Ernst Ginsberg, deutscher Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Theaterleiter *. Litt an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). „Als er sich schon nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen konnte, diktierte er seiner Pflegerin noch, mit Hilfe des Morsealphabets, mit den Augenlidern Gedichte.“ (Wikipedia)
  • 1910: Max Bense, Physiker, Philosoph, Schriftsteller *. Theoretiker der Konkreten Poesie. Stuttgarter Gruppe. „Bense bekannte sich ausdrücklich dazu, Rationalist und Atheist zu sein; er entwarf eine Informationsästhetik, die darauf angelegt war, ihre Urteile auch statistisch zu fassen und empirisch zu begründen. Er liebte es, im Radio und im Fernsehen diskussionsfreudig aufzutreten, rhetorisch kühn zu pointieren und sich auch essayistisch an eine breitere Öffentlichkeit zu wenden. Er war einer der führenden Köpfe in der Literatur- und Kunstszene der ›experimentierenden‹ Avantgarde jener Jahre, veranstaltete Ausstellungen und Lesungen und schrieb selber ›experimentelle Texte‹. CDU-Politiker in Stuttgart fühlten sich von ihm so provoziert, dass sie der TH Stuttgart eine zweite Philosophie-Professur bewilligten, unter der Auflage, dass sie mit einem christlich orientierten Philosophen zu besetzen sei. (So kam Robert Spaemann nach Stuttgart, dem freilich nur allzubald von der Universität München ein größerer Wirkungskreis mit Erfolg angeboten wurde). Helmut Kreuzer (Lyrikzeitung)
  • 1925: Herbert Eisenreich, österreichischer Schriftsteller *
  • 1929: Alejandro Jodorowsky, chilenischer Regisseur, Schauspieler und Autor *. „1975 begann Jodorowsky mit der Arbeit an der Verfilmung von Frank Herberts Roman Der Wüstenplanet. Nach Jodorowskys Ideen sollte der Film zehn Stunden lang sein und sah Orson Welles, Salvador Dalí und Gloria Swanson als Darsteller vor. Die Filmmusik sollte von Pink Floyd und der französischen Musikgruppe Magma, jeweils eine der beiden Bands sollte eines der Herrscherhäuser repräsentieren, die Ausstattung von HR Giger stammen. Als sich die Geldgeber aus dem Projekt zurückzogen, wurde David Lynch mit der Verfilmung beauftragt.“ (Wikipedia)
  • 1935: Heinz Czechowski, deutscher Lyriker * (Lyrikzeitung)
  • 1937: Doris Gercke, deutsche Krimi-Schriftstellerin (Bella Block) * in Greifswald
  • 1938: Friedrich Karl Barth, deutscher Pfarrer und Liedautor *
  • 1940: Christopher John Arthur, britischer Philosoph und Autor *. „Er vertritt die sogenannte „Homologiehypothese“ („Homology Thesis“), nach der sich die dialektischen Methoden von Marx und Georg Wilhelm Friedrich Hegel von der Form her gleichen, aber auf unterschiedlichen ontologischen Ebenen befinden. Die reale Bewegung des Austausches, wie sie Marx in Das Kapital darstellt modelliere demnach die selbstbewegenden Gedankenformen aus Hegels idealistischer Theorie.“ (Wikipedia)
  • 1940: Julius Wahle, österreichischer Literaturwissenschaftler †. Leiter des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar. Mitarbeiter an der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken. 1933 als Jude zum Austritt aus der Goethe-Gesellschaft gezwungen.
  • 1941: Kevin Crossley-Holland, englischer Dichter, Kinderautor *
  • 1947: Ruth Aspöck, österreichische Schriftstellerin *. Gedichtet. Prosaische Lyrik (1995)
  • 1948: Friedrich Ach,  fränkischer Mundartautor *
  • 1955: Alban Nikolai Herbst, deutscher Schriftsteller *
  • 1957: Lioba Happel, deutsche Schriftstellerin  *
  • 1969: Alma Rogge, deutsche Schriftstellerin †
  • 1971: 66 % der Schweizer stimmen für die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen auf Bundesebene.
  • 1972: Walter von Sanden-Guja, deutscher Schriftsteller, Naturforscher, Fotograf †
  • 2008: Frank Geerk, deutscher Dichter †

Lyrikkalender 6-2017

Am Sonnabend, 4.2.

Wintermitte. Aßmann von Abschatz, Bellman, Ulrike von Levtzow, Jacques Prévert, Dietrich Bonhoeffer, Neal Cassady u.a. hier

Am Sonntag, 5.2.

Hans Fallada (70. Todestag), Lou Andreas-Salomé (80. Todestag). Runebergtag in Finnland u.v.a. hier

Am Montag, 6.2.

Nationaler Tag der Samen. Zwei politische Antipoden haben an diesem Tag Geburtstag: Der Pole Julian Ursyn Niemcewicz (* 1757) schrieb ein verschwörungstheoretisches Buch über eine organisierte „jüdische Verschwörung“ gegen Polen. Der deutsche und jüdische Schriftsteller Saul Ascher (* 1767) schrieb gegen die mit Namen wie Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahr verbundene völkische und antisemitische Ideologie an und bemerkte hellsichtig, dass nach der Verdammung der Philister und Juden nun „Indier, Mohammedaner, Chinesen und ungläubige Barbaren an die Reihe kommen“. Mehr hier

Am Dienstag, 7.2.

Botticelli verbrennt seine pornographischen Bilder. Baldassare Castiglione glaubt, daß alles, was Männer begreifen, auch Frauen begreifen können. 66% der Schweizer stimmen ihm 450 Jahre später zu. Max Bense, Alejandro Jodorowsky und viele andere hier.

Am Mittwoch, 8.2.

Prešerentag (Slowenien). France Prešeren, Samuel Butler, Arndt von Rügen? Eva Strittmatter und Austin mehr hier

Am Donnerstag, 9.2.

Der größte tschagataiische Dichter, der wichtigste moderne japanische Dichter, der Erneuerer des englischsprachigen Theaters und wichtigste irische Dichter… und andere Koryphäen und Kuriositäten hier Plus: 90. Geburtstag von Rainer M. Gerhardt

Am Freitag, 10.2.

Geburtstag Bertolt Brechts und des ersten Trobadors Wilhelm IX. von Aquitanien („Ich mach ein Lied aus reinweg nichts“). Außerdem von Giuseppe Ungaretti, Boris Pasternak und Margarete Hannsmann. Und der 180. Todestag Alexander Puschkins. Mehr hier

02-06

Am 6. Februar

Nationaler Tag der Samen (die in Norwegen, Schweden, Finnland und Rußland leben) (Lyrikzeitung)

  • 1620: Elisabeth von Baden-Durlach, deutsche Spruchdichterin * („Wer sich viel wissenschafft zu lernen wil bequemen / der muß die züchtigung zu leiden sich nicht schämen“)
  • 1639: Daniel Georg Morhof, deutscher Literaturhistoriker *. Erkannte das Genie der jung verstorbenen Dichterin Sibylla Schwarz. (Lyrikwiki)
  • 1753: Évariste de Parny, französischer Dichter * († 1814)
  • 1757: Julian Ursyn Niemcewicz, polnischer Dichter, Freiheitskämpfer, Politiker *. Emigrierte nach Deutschland, Amerika und Frankreich. Schrieb ein Buch über eine organisierte „jüdische Verschwörung“ gegen Polen.
  • 1767: Saul Ascher, deutsch-jüdischer Schriftsteller *. „1811 beschrieb er die Berliner romantisch-nationalistische Christlich-deutsche Tischgesellschaft, die in ihrem Vereinsstatut eine Mitgliedschaft von Juden oder Jüdischstämmigen grundsätzlich ausschloss. Dabei brachte er im Hinblick auf antisemitische Publikationen Clemens Brentanos die Befürchtung zum Ausdruck, dass nach der Verdammung der Philister und Juden nun „Indier, Mohammedaner, Chinesen und ungläubige Barbaren an die Reihe kommen“.“ (Wikipedia) Wirkte gegen die antifranzösische und antisemitische Volkstumsideologie mit den Wortführern Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn. Seine Schrift Germanomanie wurde beim Wartburgfest der Burschenschaften verbrannt.
  • 1778: Ugo Foscolo, italienischer Dichter * († 1827)
  • 1843: Frederic William Henry Myers, englischer Dichter und Philologe, Mitbegründer der Society for Psychical Research * († 1901)
  • 1845: Ernst Eckstein, deutscher Schriftsteller *. 1874 bis 1882 Herausgeber der Leipziger Deutschen Dichterhalle, einer wichtigen Zeitschrift der gründerzeitlichen Lyrik, in der Felix Dahn, Emanuel Geibel, Karl Gutzkow und Paul Heyse publizierten
  • 1854: Ulrich Volkhausen (Pseud. Korl Biegemann), lippischer Mundartdichter *
  • 1860: Bruno Wille, deutscher Philosoph, Journalist und Schriftsteller *. Mitglied des Berliner Naturalistenvereins und des Friedrichshagener Dichterkreises. Mitgründer der Freien Volksbühne. Freidenker und Sozialist. Einsiedler und Genosse. Soziale Gedichte nebst einem Vorspiel. Berlin 1890. – Hölderlin und seine heimliche Maid. Roman. Dresden 1921.
  • 1864: John Henry Mackay, deutscher Philosoph und Schriftsteller schottischer Herkunft, Anarchist * († 1933)
  • 1872: Alfred Mombert, deutscher Schriftsteller *. Visionärer Dichter, Seher, Kosmiker. „während meiner Lebensperiode sah oder las ich drei Juden, die ich als genial bezeichnen würde: Weininger, Else Lasker-Schüler, Mombert“ (Gottfried Benn)
  • 1880: Alexander von Bernus, Schriftsteller, Alchemist *. In England aufgewachsen. 1.000 Gedichte. Versspiele und Kurzprosa, übersetzte englische Lyrik ins Deutsche
  • 1882: Anne Spencer (eigentlich Annie Bethel Spencer), US-amerikanische Schriftstellerin *. Die erste Afroamerikanerin, deren Gedichte in die Norton Anthology of American Poetry aufgenommen wurden.
  • 1886: Sergio Corazzini, italienischer Dichter *. Gedichte in römischem Dialekt u.a. Piccolo libro inutile (Kleines, nutzloses Buch; 1906)
  • 1890: Ernst Wilhelm Lotz, deutscher Lyriker *. Und schöne Raubtierflecken … (Gedichte) (1913). Hart stoßen sich die Wände in den Straßen. Am 26.9. 1914 in Frankreich gefallen. (Textkette)
  • 1902: Sophie Sichart von Sichartshoff, deutsche Dichterin †
  • 1915: Kavi Pradeep, indischer Dichter und Liedermacher * († 1998)
  • 1916: Rubén Darío, nikaraguanischer Dichter † (* 1867) (Lyrikzeitung)
  • 1919: Takashi Yanase, japanischer Dichter und Illustrator * († 2013)
  • 1923: Adolf Heyduk, tschechischer Dichter †
  • 1924: Paolo Volponi, italienischer Schriftsteller *
  • 1926: Lothar Zenetti, deutscher Theologe und Schriftsteller *. Gedichte, Kirchenlieder. „Gemeinsam mit Albert Mangelsdorff reiste er in die USA und brachte von da die Idee zu lebendigeren, zwanglosen Gottesdiensten mit, die mit Jazz- oder Beatmusik gestaltet werden sollten.“ (Wikipedia)
  • 1929: Geraldo Holanda Cavalcanti, brasilianischer Schriftsteller, Übersetzer und Diplomat *.  Präsident der Academia Brasileira de Letras 2014.
  • 1931: Heinz Kahlau, deutscher Lyriker * († 2012). 20 Gedichtbände, in hohen Auflagen verbreitet. (Lyrikzeitung)
  • 1932: Ernst Herhaus, deutscher Schriftsteller * († 2010) (Lyrikzeitung)
  • 1933: Letzte Sitzung der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie unter Leitung Heinrich Manns. Man beschließt, daß gegenwärtig kein zwingender Grund für das „Erstarken der Kulturreaktion“ gegeben sei. Man müsse abwarten und wachsam bleiben.
  • 1935: Bruno Hillebrand, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller *. Sehrreale Verse. Gedichte. (S.Fischer Verlag) Frankfurt a.M. 1966. Reale Verse. Gedichte. (S. Fischer Verlag) Frankfurt a.M. 1972. Hrsg. Gottfried Benn. Gesammelte Werke in der Fassung der Erstdrucke.
  • 1943: Bogislav von Selchow, Schriftsteller, Teilnehmer am Kappputsch gegen die Weimarer Republik † (* in Köslin). Deutsche Gedanken, Gedichte 1920. Von Rotz und Treue, Gedichte 1921. Wächter der Schwelle, 1930. 1933 Aufruf von 48 Persönlichkeiten: Wählt Hitler
  • 1945: Otto Thörner, deutscher Pädagoge und Heimatdichter †
  • 1954: Maxwell Bodenheim, US-amerikanischer Schriftsteller *
  • 1959: Dermot Bolger, irischer Schriftsteller, Herausgeber und Verleger (Raven Arts Press / New Island Books) *.
  • 1960: Aris Fioretos, schwedischer Schriftsteller und Übersetzer (Hölderlin, Serner, Waterhouse) *
  • 1985: Inger Hagerup, norwegische Lyrikerin †
  • 1995: James Merrill, amerikanischer Dichter u. Dramatiker † (* 1926) (Lyrikzeitung)
  • 2005: Armin Müller, deutscher Schriftsteller und Maler †
  • 2008: Dieter Noll, deutscher Schriftsteller † (Die Abenteuer des Werner Holt)
  • 2011: Andrée Chedid, libanesisch-französische Schriftstellerin †
  • 2014: Maxine Kumin, US-amerikanische Dichterin † (* 1925) (Lyrikzeitung)

02-09

  • 1441: Mir ʿAli Schir Nawāʾi, türkischer Dichter, Linguist und Maler am Hof der Timuriden in Herat. * († 1501). Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter der tschagataischen Sprache. „In Tadschikistan und Usbekistan wird Nawā’ī heute als Volksheld gefeiert, bei ersteren vor allem wegen seiner Tätigkeit als Bauherr und Kunstförderer, bei zweiteren wegen seiner tschagataischen Dichtung. Er gilt vielen als der größte turksprachige Dichter aller Zeiten und wird gleichgesetzt mit Dichtern wie Yunus Emre.“ (Wikipedia)
  • 1769: Susette Gontard, Geliebte des Dichters Friedrich Hölderlin *
  • 1777 (230. Geburtstag): Louise Brachmann, deutsche Schriftstellerin *. Lebte ab 1787 in Weißenfels, wo sie Novalis kennenlernte, der die Veröffentlichung einiger Gedichte in Schillers „Horen“ und seinem Musenalmanach vermittelte.
  • 1783: Wassili Andrejewitsch Schukowski, russischer Dichter und Übersetzer (deutsche u. englische Balladen, Odyssee) *. Ab 1841 in Deutschland. Als Kunstsammler Förderer Caspar David Friedrichs.
  • 1789: Franz Xaver Gabelsberger,  Erfinder der Stenografie * Hier sein berühmtestes Gedicht in seiner Kurzschrift.
  • 1803: Jean François de Saint-Lambert, französischer Dichter und Philosoph † (* 1716)
  • 1842: Johann Diederich Gries, deutscher Übersetzer †
  • 1848: „Wegen Handgreiflichkeiten zwischen der Bevölkerung und der studentischen Leibgarde seiner Konkubine Lola Montez verfügt der bayerische König Ludwig I. die sofortige Schließung der Universität München und fordert alle Studenten zum Verlassen der Stadt auf. Dies löst tags darauf starke Proteste in der Stadt aus.“ (Wikipedia)
  • 1857 (vor 160 Jahren): Dionysios Solomos, griechischer Dichter und Übersetzer † (* 1798). Gilt als griechischer Nationaldichter und schrieb den Text der Nationalhymne. (Lyrikzeitung)
  • 1867 (150. Geburtstag): Natsume Sōseki, japanischer Schriftsteller * († 1916). Schrieb Romane, Haiku, Kanshi, Märchen. Gilt vielen als der größte neuere Autor Japans.
  • 1874: Amy Lowell, US-amerikanische Dichterin * († 1925) (Lyrikzeitung)
  • 1898: Jūkichi Yagi, japanischer Dichter * († 1927)
  • 1906: Paul Laurence Dunbar, US-amerikanischer Schriftsteller † (*1872). Schrieb im „Negerdialekt“ der Südstaaten, im regionalen Dialekt des Mittleren Westens und in konventionellem Englisch.
  • 1923: Brendan Behan, irischer Dichter und Dramatiker * († 1964). Schrieb Englisch und Irisch und gilt weithin als einer der größten irischen Autoren aller Zeiten. In seiner Jugend Freiwilliger in der IRA. 1939-47 fast durchgehend in Haft. Erneuerer des englischsprachigen Theaters.
  • 1927 (90. Geburtstag): Rainer Maria Gerhardt, deutscher Schriftsteller, Verleger und Übersetzer *. Übersetzte und edierte Ezra Pound,  William Carlos Williams, Basil Bunting, T.S. Eliot, Robert Creeley, Aimé Césaire, Henry Miller. Zeitschrift „Fragmente“. Literarisch isoliert und finanziell ruiniert nahm er sich 1954 das Leben. (Lyrikzeitung)
  • 1931: Thomas Bernhard, österreichischer Schriftsteller * († 1989) (Lyrikzeitung)
  • 1944 : Alice Walker, amerikanische Schriftstellerin *
  • 1979: Allen Tate, amerikanischer Dichter † (* 1899)
  • 1996: August Kühn, deutscher Schriftsteller †
  • 2009: Kazys Bradūnas, litauischer Dichter †
  • 2012: Dimitri T. Analis, griechischer Schriftsteller und Diplomat † (Lyrikzeitung)

02-04

Am 4. Februar

  • (ungefähre) Wintermitte
  • 1447: Lodovico Lazzarelli, italienischer Dichter ± († 1500)
  • 1505: Mikołaj Rej, polnischer Dichter * († 1580) (Lyrikzeitung)
  • 1508: Conrad Celtis, deutscher Dichter in lateinischer Sprache † (* 1459) (Textkette | Lyrikzeitung)
  • 1646: Hans Aßmann Freiherr von Abschatz, deutscher Barocklyriker *
  • 1713: Anthony Ashley-Cooper, 3. Earl of Shaftesbury, englischer Politiker, Philosoph und Schriftsteller *
  • 1740: Carl Mikael Bellman, schwedischer Dichter * († 1795) (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1799: João Baptista da Silva Leitão de Almeida, Visconde de Garrett, portugiesischer Schriftsteller und Politiker *
  • 1804: Ulrike von Levetzow, Goethes letzte Liebe  (naja, nimmt man an) * (Marienbader Elegie)
  • 1848: Jean Aicard, französischer Dichter * († 1921)
  • 1849: Jean Richepin, französischer Dichter * († 1926)
  • 1892: E. J. Pratt, kanadischer Dichter * († 1964)
  • 1900: Jacques Prévert, französischer Dichter und Chansonnier * († 1977) (Lyrikzeitung)
  • 1902: Charles Lindbergh, US-amerikanischer Pilot * (1927 erste Alleinüberquerung des Atlantik. Sprecher des America First Committee, von Hitler mit einem Orden geehrt. Brechts Hörspiel „Der Ozeanflug.
  • 1906: Dietrich Bonhoeffer, deutscher Pfarrer, Widerstandskämpfer, wurde 1945 kurz vor Kriegsende hingerichtet * (Von guten Mächten wunderbar geborgen)
  • 1908: Julian Bell, englischer Dichter * († 1937)
  • 1914: Alfred Andersch, deutscher Schriftsteller und Rundfunkredakteur *. Gründungsmitglied der Gruppe 47. 1976 löste das Gedicht Artikel 3 (3)  (über die Notstandsgesetze) einen Skandal aus.
  • 1916: Gavin Ewart, britischer Dichter * († 1995)
  • 1921: Carl Hauptmann, deutscher Schriftsteller †
  • 1921: Lotfi Zadeh, US-amerikanischer Informatiker, Vater der Fuzzy Logik *
  • 1926: Katharina Zitelmann, deutsche Schriftstellerin †
  • 1933: Durch die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes durch Reichspräsident Paul von Hindenburg werden die Grundrechte der Weimarer Verfassung, insbesondere Versammlungs- und Pressefreiheit eingeschränkt. Reichsinnenminister Wilhelm Frick erhält weitreichende Vollmachten.
  • Der Nazi Bernhard Rust wird Reichskommissar und kommissarischer Leiter des preußischen Kulturministeriums, damit auch Kurator der Akademie der Künste.
  • 1936: Radium als erstes radioaktives Element synthetisch hergestellt (Majakowski: Dichten ist wie Radium gewinnen)
  • 1939: Edward Sapir, US-amerikanischer Ethnologe und Linguist †
  • 1950: Charlot Strasser, Schweizer Psychiater und Schriftsteller †. Gedichte von einer Weltreise und andere Lieder Zürich, Rascher, ca. 1909
  • 1968: Neal Cassady, amerikanischer Schriftsteller, Beatnik † (* 1926).
  • 1970: Louise Bogan, US-amerikanische Dichterin † (* 1897)
  • 1970: Norman Ohler, deutscher Schriftsteller *. 1995 veröffentlichte Ohler die Geschichte des stummen Detektivs Maxx Rutenberg aus New York im Internet, als vermutlich der erste Hypertext-Roman in deutscher Sprache im WWW. Als Buch Die Quotenmaschine.
  • 1974: Ozaki Kihachi, japanischer Schriftsteller †
  • 2007: Ilya Kormiltsev, russisch-englischer Dichter und Übersetzer † (* 1959)
  • Across the Universe Day.2008 wurde der Beatles-Song Across the Universe, codiert als MP3, von der Madrider Deep-Space-Antenne abgestrahlt, er wird die 2,5 Billiarden Kilometer entfernte Polarstern-Region im Jahr 2439 erreicht haben.

Lettre International 115

Die europäische Kulturzeitschrift erscheint in ihrem 115. Heft mit den Schwerpunkten

  • Trumps Amerika
  • Über Grenzen
  • Digitale Verunsicherung
  • Kunstkonzepte
  • Lebenswege
  • Östliches Gelände

Roger Friedland schreibt angesichts der Wahl Donald Trumps über Staat und Geschlecht. Die Erotisierung der Macht und die Verheißungen des Patriarchats. Bei der US-Wahl sei es um das Geschlecht des Staates gegangen. „Donald Trump hatte sich als erigierter Phallus beworben, als sexuell aggressiver Mann, der die Regeln verletzen, unsere Feinde zerschmettern und Amerika wieder stark machen könne. (…) Die Leute haben seinen Schwanz gewählt. Nie zuvor hatte ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat die Länge seines Penis verteidigt, geschweige denn in einem Rededuell in bester Sendezeit versichert, seine kleinen Hände ließen nicht darauf schließen, daß auch alles andere klein sei. ‚Ich garantiere Ihnen, es gibt da kein Problem. Glauben Sie mir!‘, schoß er in einem Streitgespräch des Vorwahlkampfes zurück. (…) Auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner skandierte die Menge nicht ‚Yes, we can‘, sondern ‚Yes, you will‘.“ (S. 7)

Timothy Snyder rät in 20 Vorschlägen „zur Bewahrung der Freiheit in der Unfreiheit„, angesichts dieser Wahl ein Zeichen zu setzen. Hier stark verkürzt einige dieser Vorschläge:

  1. Gehorchen Sie nicht schon im voraus.

[In der öffentlichen Debatte geschieht es längst, ich meine nicht seine Anhänger]

6. Gehen Sie glimpflich mit unserer Sprache um. Meiden Sie Phrasen, die jeder drischt.Überlegen Sie sich ihre eigene Ausdrucksweise, auch wenn es nur darum geht, auszudrücken, was Ihrer Ansicht nach jeder sagt. (Benutzen Sie das Internet nicht vordem Schlafengehen. Halten Sie Ihre Gerätschaften vom Schlafzimmer fern und lesen Sie was.)

9. Ermitteln Sie selbst. Versuchen Sie selbst auf etwas zu kommen. Gehen Sie den Dingen selbst auf den Grund. Verwenden Sie mehr Zeit auf lange Artikel.

12. Übernehmen Sie Verantwortung für das Gesicht der Welt. Achten Sie auf Hakenkreuze und all die anderen Zeichen von Haß. Schauen Sie nicht weg und gewöhnen Sie sich nicht an sie. Entfernen Sie sie selbst und setzen Sie somit selbst ein Zeichen.

Und Masha Gessen plädiert für hartnäckigen Widerstand (und kritisiert Obama und Clinton, die nach der Wahl resigniert und konziliant redeten – als hätte Trump all das, was er im Wahlkampf sagte, nicht so gemeint).

Martin Burckhardt denkt über das Verschwinden des Intellektuellen im Posthistoire nach. Der Intellektuelle habe sich aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Im Posthistoire werden die Visionäre durch Manager ersetzt, fleißige Arbeitsgruppen nähmen die Rolle der Gründerväter ein. Jede Vernunfttätigkeit, die dem pragmatischen Prinzip widerspreche, stehe als l’art pour l’art und Orchideenwissenschaft unter Generalverdacht.

„Können wir also, schlußendlich, den Tod des Intellektuellen ausrufen? Ja und nein. „Ja“ deswegen, weil die Repräsentationsfunktion des Großschriftstellers oder Großphilosophen ausgedient hat, zerschellt ist an einer Welt, in deren Inneres man nicht mehr vordringen kann, jedenfalls nicht, solange man das Geheimnis ihrer Ordnung ignoriert: den Code der Simulation. Schon von daher sind Rundumschläge à la Enzensberger („Schmeiß dein Handy weg!“) Zeugnisse einer gründlichen Satisfaktionsunfähigkeit — stürmt man hier unbewaffnet auf einen Gegner zu, der sich um derlei Kampfgeschrei nicht bekümmert, so wenig wie sich die Windmühlen um Don Quixotes Ehrbegriff sorgen. Weiß er sich dennoch nicht anders zu helfen, regrediert der Intellektuelle zum Ritter von der traurigen Gestalt. Ein Zurückgebliebener, der vielleicht bei Kirchentagen oder im Heimatmuseum seine besorgte Zuhörerschaft findet, aber der Herrschaftsgrammatik verlustig gegangen ist: jenes Codes, über den sich die Ordnung der Dinge (und damit die Welt) fügt. Hatte Julien Benda den „Verrat der Intellektuellen“ im Partikularismus und in der Parteinahme verortet, könnte man im Schriftverlust die entscheidende Ursache für den Bedeutungsverlust des Intellektuellen sehen. Indes ist die Agraphie keineswegs eine Zwangsläufigkeit. Dort nämlich, wo das Verhältnis zur Herrschaftsgrammatik nach wie vor existiert, gibt es Anlaß, die Frage nach dem Tod des Intellektuellen mit einem entschiedenen „Nein“ zu beantworten. „Nein“ deswegen, weil die Funktion des Intellektuellen — also seine Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen — sich keineswegs erübrigt hat. Ganz im Gegenteil. Sie ist um so nötiger, als sich die Schrift nicht mehr zwischen Buchdeckeln einhegen läßt, sondern im Begriff ist, die ganze Welt zu erobern.“ (S. 35)

Noch zwei Splitter.

Wie fatal sich die Abwesenheit eines kritischen Bewußtseins auswirkt, macht die Debatte über die Digitalisierung deutlich, die, politisch begriffen, vielmehr dem Code der Simulation hätte gelten müssen: jener Herrschaftstechnik also, welche die überkommenen repräsentativen Institutionen schleift und ersetzt. Daß die Debatte über die NSA—Überwachung lediglich eine Forderung nach „Datensouveränität“ produziert hat (was immer das ist), aber jede ernsthafte Diskussion, wie die Digitalisierung den Charakter des Politischen überhaupt affiziert, eine Leerstelle geblieben ist, läßt auf einen fatalen Mangel an intellektueller Geistesgegenwart schließen. Das Ausbleiben dieses längst überfälligen Diskurses (der darüber hinaus auch klären müßte, inwiefern sich dieser Prozeß in den Lauf unserer geschichtlichen Überlieferung einfügt) bewirkt, daß man sich blind und bewußtlos in sein Schicksal ergibt, metaphorisch gesprochen: daß die sozialen Systeme in den Selbstfahrermodus übergehen. (…)

2. (…) die Universalisierung der Schrift ermöglicht selbst dem Analphabeten, das in der Maschine inkorporierte geistige Navigationssystem für sich nutzbar zu machen. Folgt man den Anweisungen der Benutzeroberfläche, wird man in eine Welt der Gespenster entführt, ein Spektrum von Möglichkeiten, das Jahr für Jahr an Verführungskraft zunimmt. Dabei führt die Skalierungslogik des Netzes dazu, daß, neben dem Konsum, vor allem die starken Gefühle, Ressentiment, Gruppenzugehörigkeit, Angst und Indolenz verstärkt werden — als habe man das Internet erfunden, um die Existenz von Geistern und paranormalen Aktivitäten beweisen zu können. (…)

Wie zu Zeiten der Reformation, da Luthers Lehre die Gläubigen aus dem katholischen Vermittlungsprozeß löste und sie in eine Gottesunmittelbarkeit hinein katapultierte, fühlen sich die User durch die Maschine ermächtigt, elektrisiert, mag sich ein jeder einreden, der Größte zu sein.

Gewiß handelt es sich hier um ein Phantasma — dennoch belegt die Rede von der postfaktischen Weltsicht, daß die Ablösung vom Realitätsprinzip zum Massenphänomen geworden ist. Wo jede Fremdheit mit einem Copy-and-paste assimiliert werden kann, muß der Hinweis auf das kryptische Innere der Schrift wie Spielverderberei wirken, eine ebenso übellaunige wie hinterhältige Erinnerung an jene Alterität, welche die glänzende Oberfläche doch vergessen machen will.

In Anbetracht dieser abgründigen Selbstermächtigungslogik versteht man den Intellektullenhaß, ja, die tiefe Verachtung, die sich in der Internationale der Katzenvideoliebhaber breitgemacht hat. Denn zuvorderst geht es darum, die innere Natur der Sache nicht zur Kenntnis zu nehmen, sie statt dessen als Wunschmaschine für alle erdenklichen Begierden zu instrumentalisieren.

Was es sonst noch gibt. Darknet. Literarisches Erzählen in Zeiten des Internets. Harold Pinter zu Shakespeare. Goethes italienische Reise. Bora Ćosić. Ostukraine. Kunst von Valérie Favre. Lange Gedichte von Vicente Huidobro und Yang Lian. Jakob der Fatalist. … Viel Lesestoff, Denkstoff.

Dichter, die Welt ignoriert euch, weil eure Sprache zu winzig ist, zu sehr klebt
an eurem mittelmäßigen Ich, feiner ist als euer Konfekt. Ihr habt den Sinn für das Ganze verloren,
vergessen, wie das schöpferische Wort heißt.
(…) Als Spezialist, Dichter,
ist es dein wichtigstes Spezialgebiet, Mensch zu sein, ganz Mensch. Es geht nicht darum, deine Arbeit
zu verneinen, doch deine Arbeit ist die eines Menschen und nicht die einer Blume.

Vicente Huidobro: Total. Lettre 115, S. 93

 

Inhaltsverzeichnis

02-05

Am 5. Februar

Heute ist Runebergtag. Und der 80. Todestag von Lou Andreas-Salomé und der 70. von Hans Fallada.

  • 146 v. Chr.: Der Dritte Punische Krieg endet mit der Eroberung von Karthago durch die römischen Truppen.
  • 1589: Esteban Manuel de Villegas, spanischer Dichter * († 1669)
  • 1622: Martin Behm, deutscher Schriftsteller und Verfasser von Kirchenliedern †.
    Wie lieblich ist der Maien
    aus lauter Gottesgüt,
    des sich die Menschen freuen,
    weil alles grünt und blüht!
    Die Tier sieht man jetzt springen
    mit Lust auf grüner Weid,
    die Vöglein hört man singen,
    die loben Gott mit Freud.
  • 1664: Christen Aagaard, dänischer Dichter †
  • 1679: Joost van den Vondel, niederländischer Dichter und Stückeschreiber †
  • 1790: Wilhelmine Karoline Friederike Apranzow, deutsche Schriftstellerin *. Dichtungssprösslinge (1814). Die Rückkehr aus dem Freiheitskampfe (1814)
  • 1804: Johan Ludvig Runeberg, finnlandschwedischer Dichter, Nationaldichter Finnlands * († 1877). Sein Geburtstag ist Runebergtag, da ißt man Runebergtorte.(Lyrikzeitung)
  • 1808: Carl Spitzweg, Maler und Poet († 1885) (Der arme Poet)
  • 1848: Joris-Karl Huysmans, französischer Schriftsteller *
  • 1862: Ignaz Franz Castelli, österreichischer Dichter und Dramatiker †
  • 1894: Henriette Hardenberg, expressionistische Dichterin *. 1916-30  Ehe mit Alfred Wolfenstein
  • 1903: Maekawa Samio, japanischer Lyriker *
  • 1914: William S. Burroughs, US-amerikanischer Schriftsteller der Beat Generation * (Lyrikzeitung)
  • 1916: Hugo Ball eröffnet das Zürcher Cabaret Voltaire, in dem später der Dadaismus erfunden wurde
  • 1933: B.S. Johnson, englischer Dichter und Kritiker († 1973)
  • 1936: K. S. Nissar Ahmed, indischer Dichter (Kannada), Akademiemitglied *
  • 1937: Lou Andreas-Salomé, deutsch-baltische Psychoanalytikerin und Schriftstellerin † (80. Todestag). Schön gesagt: „Die Art ihrer persönlichen Beziehungen zu prominenten Vertretern des deutschen Geisteslebens – in erster Linie zu Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud – war und ist bis heute Gegenstand unterschiedlicher Interpretationen.“ (Wiki)
  • 1941: Banjo Paterson, australischer Schriftsteller † (* 1864)
  • 1947: Hans Fallada, deutscher Schriftsteller † (70. Todestag) (Lyrikzeitung) Programm des Falladafestivals in Greifswald 3.-5.2.)
  • 1951: Emil Beurmann, Schweizer Dichter, Zeichner und Maler †
  • 1968: Arne Seidel (Ahne), deutscher Schriftsteller und Lesebühnenautor *. Seit 1995 gehört Ahne zum Stamm der Berliner Lesebühne Reformbühne Heim & Welt, die jeden Sonntag im Kaffee Burger veranstaltet wird, und seit 1997 zu den Surfpoeten.
  • 1971: Mondlandung der Apollo 14
  • 1972: Marianne Moore, US-amerikanische Schriftstellerin † (* 1887) (Lyrikzeitung)
  • 1978: Mir Ghulam Muhammad Ghubar, afghanischer Politiker, Dichter und Schriftsteller †

Leseecke 23

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

23

AS an vnperfect actor on the stage,
Who with his feare is put besides his part,
Or some fierce thing repleat with too much rage,
Whose strengths abondance weakens his owne heart;
So I for feare of trust, forget to say,
The perfect ceremony of loues right,
And in mine owne loues strength seeme to decay,
Ore-charg’d with burthen of mine owne loues might
O let my books be then the eloquence,
And domb presagers of my speaking brest,
Who pleade for loue, and look for recompence,
More then that tonge that more hath more exprest.
    O learne to read what silent loue hath writ,
    To heare with eies belongs to loues fine wit.

Einige Anmerkungen zum Text:

Who with his feare … part der vor Lampenfieber seinen Text vergißt

repleat voll von

for feare of trust a) fearing to trust b) fearing to be trusted

6 loues right manche Herausgeber lesen loves rite (wobei die Mehrdeutigkeit verlorengeht)

9 books Sewell 1725 liest: looks

10 presagers Boten

Deutsche Fassung von Eduard Saenger:

23
Dem schlechten Spieler auf der Bühne gleich,
Der ängstlich in der Rolle stockt und irrt,
Oder dem Rasenden, der zornesbleich
Aus überspannter Kraft zum Schwächling wird:
Also vergeß auch ich im Liebeswerben,
Von Zweifeln bang, der Liebesbräuche Pflicht;
Im Rausch der Liebe glaub ich hinzusterben,
Erdrückt von meiner Liebe Vollgewicht.
Laß meine Bücher für mich Rede stehen,
Die stummen Künder der bewegten Brust,
Die Liebe flehn und nach Belohnung sehen,
Mehr als die Zunge, die sonst zielbewußt.
Entsiegle nur, was Liebe stumm geschrieben:
Mit Augen hören, das ist feinstes Lieben.

Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

Rückblende L&Poe Dezember 2001

Der Dichter Christian Saalberg lebt und begeht seinen 75. Geburtstag:

Doch es war vor allem die surreale Lektüreerfahrung, die Saalberg „unmerklich veränderte, zu einem anderen Menschen machte“. Allerdings sah die Kunstironie des Nachkriegsschicksals für Deutschland kaum mehr die surreale Strömung vor (obwohl oder gerade weil sich alle horriblen und abstrusen Erfahrungen ebenso abstrus und horribel abbilden lassen). Und dennoch arbeitet sich Saalberg nun schon vier Jahrzehnte bruchlos an den surrealen Gedankenbrüchen ab. Dass er dabei immer wieder überrascht vor seinen eigenen Werken steht, kann der verstehen, der seine Texte kennt. Doch „man schreibt auch, um zu wissen, was in einem steckt“, sagt Saalberg. …
Saalbergs Texte feiern die Welt als ein Rätsel, dessen Lösung kein Sanktnimmerleinstag je offenbaren mag und dem nur ebenso gelassen wie respektlos entgegenzutreten ist. Dies tut der Dichter gern mit großen Worten, die sich über subtile Umwege wieder mit ihrer eigenen Suggestivkraft paaren, um dann ein Paradox als Wahrheit auszuspucken. Etwa im Gedicht: DIE WAHRHEIT DAUERT. Dreifach legt / der Mittag hiervon Zeugnis ab / schweigend, brennend, regungslos. / Bevor der Sämann kommt, ist schon / der Schnitter da, vor dem Stern die / Finsternis, das Nein vor dem Ja.
Heute feiert Christian Saalberg seinen 75. Geburtstag; man kann nur wünschen und hoffen, dass Stadt, Land und Fluss wissen, was sie an diesem Mann haben. / Max Drathmann, Kieler Nachrichten 10.12.01

Geträumte Gedichte

Ulrike Draesner träumt manchmal Gedichte. Halbwach, erinnert sie sich an die Abfolge langer und kurzer Zeilen. Sie weiß auch: Es war ein schönes Gedicht. „Aber die Wörter sind weg“, sagt sie. „Es ist wie eine Berührung mit einer inneren Quelle. Ich könnte die Struktur aufzeichnen, sie bleibt als inneres Bild.“ Sie könnte in diese Form sogar ein Gedicht hineinschreiben. Doch das geträumte Gedicht wäre es nicht.

Monika Rinck wacht nachts des öfteren auf mit dem Gefühl, „einen großartigen Gedanken“ zu haben. Sie macht sich eine Notiz. Aber gelegentlich staunt sie am nächsten Morgen. Neulich, erzählt sie, „hatte ich dann neben meinem Bett einen Zettel: Es gibt 41 Gründe, warum Deutsche Sozialhilfe beziehen“. Ganz gewiss gehört Humor dazu, solche Fehlzündungen zu ertragen und trotzdem weiterzumachen. Aber es ist wohl nicht so, dass man (oder frau) einfach aufhören kann mit dem Gedichte-Schreiben. Träume wie diese bezeugen gerade die Antriebe aus dem Unbewussten. / Mehr im Kölner Stadtanzeige r, 28.12.01

Wolkenlesen

Richard Anders lebt und schreibt in der NZZ über hypnagoge Literatur:

Dass hypnagoge Halluzinationen Autoren zu literarischen Werken inspirieren können, ist oft bezweifelt worden. Ein Hauptgrund ist, dass sie sich jeder sprachlichen Festlegung entziehen, wie es Edgar Allan Poe in seinen «Marginalien» beklagt: «Doch gibt’s da auch noch Phantasien von exquisiter, zartester Feinheit, die man nicht als Gedanken bezeichnen kann und angesichts deren mir’s bisher unmöglich gewesen, das passende Sprachkleid zu finden.» Samuel Taylor Coleridge wurde bei der Niederschrift seines im Opium-verstärkten Wachtraum (?) «empfangenen» Gedichtes «Kubla Khan» durch Besuch gestört. Danach war alles gelöscht, und das Gedicht blieb Fragment. / Richard Anders , NZZ 22.12.01

(Der Beitrag steht in einem Dossier der NZZ zum Thema Schlaf und ist die Zusammenfassung eines umfangreichen Essays, der 2002 als Hauptbeitrag eines Essaybandes im Verlag des Wiecker Boten erscheint. ( «Wolkenlesen. Über hypnagoge Halluzinationen, automatisches Schreiben und andere Inspirationsquellen» )

Liebeswahn

Der Wahn, den Lavant hier beschwört, ist – psychiatrisch gesprochen – ein Liebeswahn. Auch für ihn gibt es – ebenso wie für den Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik – eine reale Erfahrung im Leben der österreichischen Autorin. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass Lavant die „Aufzeichnungen“ so angstvoll zurückhielt. Sich und den geliebten Mann wollte sie schützen – nicht vor der Wahrheit, sondern vor dem Geifern der Öffentlichkeit. So schloß sich Lavant, die vielen Lesern eher als Lyrikerin bekannt ist, mit ihrem Schreiben vom Leben der selbsternannten Normalen aus und konnte zugleich nur durch ihr Schreiben als einer „Not-wendigkeit“ im Leben bleiben. Die „Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus“ sind ein faszinierendes und bestürzendes Zeugnis dieses fundamentalen Konflikts. / Gabriele Michel Donaukurier , 30.11.2001

Christine Lavant : Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus, Otto Müller Verlag, Salzburg-Wien, 160 Seiten, 29,50 Mark.

« Die Dichter haben immer Recht »

Da zögerte sogar Stalin:

Ossip Mandelstam (1891-1938) war der Dichter, der die sittliche Konstante der Poesie entdeckt hat, und es ist verblüffend zu sehen, wie lange das «Jahrhundert der Wölfe» (Nadeschda Mandelstam) gezögert hat, ihn zu vernichten. Noch im Juni 1934 warnt Bucharin Stalin brieflich: «Die Dichter haben immer Recht. Die Geschichte steht auf ihrer Seite», und der lenkt ein, nachdem er sich bei Boris Pasternak telefonisch versichert hatte: «Er ist doch ein Meister, nicht wahr?» Es folgen, verhältnismässig milde nach den «Epigrammen gegen Stalin», drei Jahre Verbannung nach Woronesch. / Gregor Wittkop, Basler Ztg 1.11.01

Extrem subjektiv

Die FAZ lobtThomas Klings “ Sprachspeicher “ als „extrem subjektives, geschmäcklerisches und autoritäres Korrektiv zum herkömmlichen Lyrikkanon“.

Gestorben

Der „Dichter der Négritude“ Léopold Sedar Senghor ist im Alter von 95 Jahren in Paris gestorben. Er war nicht nur ein großer Dichter, sondern auch „einer der wenigen afrikanischen Staatsoberhäupter, die freiwillig zurücktraten“, schrieb die Frankfurter Rundschau.

Als Beispiel für die Senghorsche Vision einer universellen Kultur kann das Gedicht «New York» gelten, in dem es heisst: «New York! Ich sage dir: New York lass schwarzes Blut zufliessen deinem Blut / Dass es die Stahlgelenke dir mit Lebensöl entroste / Dass deinen Brücken es den Schwung von Kruppen schenke und die Biegsamkeit der Lianen. / Da kommen die uralten Zeiten zurück, die wiedergefundene Einheit, Versöhnung von Löwe, Stier und Baum.» / Heinz Hug, NZZ 22.12.01
(Außerdem schreibt in der NZZ Marc Zitzmann über die „heikle Liebe“ zwischen Senghor und Frankreich).
Zum Tod des Dichters und Staatsmanns schreiben heute auch die taz („Ein schwarzes Athen“) und die FAZ („Ja, Herr, verzeihe Frankreich“ und „Marabu des Worts“).

Probleme mit dem „Neger“ nicht nur aber auch auch bei den Linken. In der Süddeutschen Zeitung erinnert sich Thomas Steinfeld:

Als Léopold Senghor 1968 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wurde, hatte diese Auszeichnung von vornherein etwas Paternalistisches: Dieser Afrikaner, der da, Goethe zitierend, von Wilhelm Lübke in der Paulskirche geehrt wurde, wurde als gelungener Empfänger des eigenen moralischen Engagements gefeiert, als idealer Adressat eines protestantischen Normenkatalogs. Vor der Paulskirche verteilte der SDS Flugblätter, in denen Senghor als „sensibler Poet“ beschimpft wurde, dessen „lyrisierendes Geschwätz die weißen Werte der Faschisten als schwarze Kultur der Neger verkauft“. Unter einem guten Afrikaner wollte man sich den Chef einer Guerillatruppe vorstellen. / Süddeutsche 24.12.01

Ein Gedicht von Osama bin Laden

bringt die taz vom 15.12.

Ich war Zeuge, dass sie gegen die scharfe Klinge
stets Schwierigkeiten gegenüberstanden und zusammenstanden . . .
Wenn die Dunkelheit über uns kommt und wir von einem scharfen Zahn gebissen werden, sage ich . . .
“Unsere Häuser waren mit Blut überflutet und der Tyrann
schreitet frei in unseren Häusern“…
Und vom Schlachtfeld verschwanden
das Leuchten der Schwerter und der Pferde . . .
Und über Klagerufe hören wir jetzt die Schläge von Trommeln und Rhythmus
Sie stürmen seine Festungen
und rufen: „Wir werden unsere Angriffe nicht beenden,
ehe ihr nicht unsere Länder befreit.“

Franz Fühmann sei

einer der wenigen DDR-Dichter, die überdauern werden, hat im Zusammenstoß mit Leben und Lyrik Trakls den eigenen poetischen Sinn entdeckt und den ideologischen Sumpf trockengelegt, dessen Opfer er vor und nach 1945 geworden war. Das Protokoll seines verzweifelten Bildungsromans mit Georg Trakl hat er 1982 in der Bundesrepublik unter dem Titel „Der Sturz des Engels“ publiziert. Das Buch wurde viel gelobt, ging aber in der Flut der Neuerscheinungen unter. Jetzt hat es Klaus Löwitsch unter dem Titel „Offenbarung und Untergang“ (Vertrieb: Aktivraum). / Gert Ueding. Die Welt 17.12.01

Was Gedichtbände abwerfen,

ist mehr als mager. Eine dreitausender Auflage gilt hier schon als hoch. Im Schnitt um die fünf Prozent erhält der Autor als Anteil von jedem verkauften Exemplar. Den Verkaufspreis des „Apollo“ von knapp 20 Mark gesetzt, wäre das eine Mark. Bei drei Jahren Produktionszeit (1998 war Thomas Rosenlöcher in Wiepersdorf, dort entstanden die ersten Ideen) käme man bei vollständig verkaufter Auflage auf ein Jahresgehalt von tausend Mark. So eine Rechnung macht keiner auf, aber sie würde jeden Angestellten eines Sozialamtes zu Tränen rühren. / Dresdner Neueste Nachrichten 17.12.01

Thomas Rosenlöcher: Am Wegrand steht Apollo, Insel Verlag Leipzig, 19,80 Mark

Aus dem Hermeneuterion

Hansens Flaschenpost

Aus dem Hermeneuterion
Vom Scheitern und Gelingen beim Übersetzen

Von Dirk Uwe Hansen (Greifswald)

Übersetzen ist leicht. Da gibt es die Wörter und es gibt das Zwischen-den-Wörtern. Beides muss der Übersetzer nur in einer anderen Sprache spiegeln oder sichtbar machen (obwohl: Auf den weißen Flecken zwischen dem „Spiegeln” und dem „Sichtbarmachen” ist wahrscheinlich Platz für fünf bis fünfundzwanzig literaturwissenschaftliche Sonderforschungsbereiche, aber hiervon vielleicht später mehr).
Manchmal ist es das wirklich. Leicht. Natürlich nicht in dem Sinne, dass ich einmal nicht um halb drei Uhr nachts aus dem Bett springen muss, um eine neue Version zu tippen, und dann um halb fünf noch einmal, um die ursprüngliche Version wiederherzustellen. Aber doch in dem Sinne, dass ich mich tatsächlich davon überzeuge, dass es ein deutsches Gedicht geben kann, das einem griechischen angemessen genug ist, um als dessen Übersetzung zu gelten, und dass ich dieses Gedicht finden und aufschreiben kann.
In diesem Sinne leicht ist das Übersetzen von Gedichten für mich häufig dann, wenn das Zwischen-den-Wörtern mir klar zu sein scheint. Dann muss ich, wie ein Regisseur, dem ein guter Plot vorliegt, nur noch ein Ensemble geeigneter Wörter zusammensuchen und sie mit etwas diplomatischem Geschick dazu bringen, im Sinne dieses Plots miteinander zu agieren. Ich idealisiere. Aber manchmal klappt das wirklich so.
Aber wenn die Wörter sich vordrängeln, und ich, noch ehe ich weiß, was auf der Bühne passieren soll, mit dem fertigen Ensamble konfrontiert bin, dann wird die Sache schwierig. Denn auch wenn ich brav griechische Vokabeln gelernt habe, und mir auch eine Reihe von Wörterbüchern zur Verfügung stehen: Da werden aus harmonischen Paaren erbitterte Gegner, die, kaum in der Zielsprache angekommen, wie Eteokles und Polyneikes einander an die Gurgel gehen, oder aus erbitterten Gegnern harmonische Langweiler, die einander müde anschnarchen, oder die Ensemblemitglieder kümmern sich überhaupt nicht umeinander und erfinden jeder für sich neue Handlungen.

Ἡ παλίουρος ἐγώ, τρηχὺ ξύλον, οὖρος ἐν ἕρκει.
τίς μ‘ ἄφορον λέξει, τὴν φορίμων φύλακα;

Ein relativ schlichtes Epigramm des Dichters Geminos, von dem nichts weiter bekannt ist als die zehn Epigramme, die in der Anthologia Graeca unter seinem Namen überliefert sind. Ein eher trockener Busch brüstet sich darin mit seiner Funktion als bewahrende Hecke um einen Garten voller fruchtbarer Pflanzen. Ein hellenistisches Genrestück, nach dem Zeitgeschmack ganz hübsch. Der Reiz des Gedichtes liegt in den Assonanzen: οὖρος, der äußere Rand der Hecke, klingt in dem Namen παλίουρος bereits an, es häufen sich kratzige r-Laute, die fruchtbaren Pflanzen und ihr Wächter werden durch Alliteration verbunden…
Die „Handlung” des Gedichtes fällt also nicht weiter ins Gewicht, dafür kommt es zwischen den Wörtern es zu einer Menge von interessanten Interaktionen. Dummerweise aber kennen wir den Paliurus inzwischen als Christdorn.

Ich, der Christdorn, bin ein struppiges Gewächs, äußerer Rand der Hecke.
Wer will mich unfruchtbar nennen, mich, den Wächter der Nutzpflanzen?

So spielt das Ensemble in der Übersetzung den Plot eher lustlos und ohne die manieristische Lust an Lautwiederholungen herunter und, was noch schlimmer ist, die unspektakuläre Heckenpflanze bringt noch einen religiösen Hallraum zum Schwingen, der Geminos gewiss nicht interessiert hat und der dem kleinen Gedicht mehr schadet als nützt.
(Hätte ich das Ganze vielleicht dadurch aufpeppen können, dass ich eine andere Pflanze wähle? Hainbuche? Tuja? Eibe? Bestimmt, besonders die hanebüchene Hainbuche hätte mich gereizt. Allein, bei der Übersetzung der griechischen Anthologie rechne ich mit Lesern, die sich tatsächlich für antike Erwähnungen des Christdorns interessieren, und habe mich das nicht getraut.)

Es kann natürlich auch anders kommen. In Katerina Angelaki-Rookes Gedicht „In den Himmel des Nichts mit leichtem Gepäck” gibt es diese drei wunderbaren Zeilen:

Αναρωτιέμαι τι άλλους συνδιασμούς θα εφεύρει η ζωή
ανάμεσα στο τραύμα της οριστικής εξαφάνισης
και το θαύμα της καθημερινής αθανασίας.

Schlicht, fast alltäglich formuliert das Ganze und doch binden τραύμα und θαύμα hier durch ihren Gleichklang die zweite und dritte Zeile, das Verschinden und die Unsterblichkeit, untrennbar aneinander. Wie schön! Wie schön auch, dass genau das in der Übersetzung ganz von allein eintritt, auch wenn „Wunder” und „Wunde” soweit ich sehe, etymologisch so wenig verwandt sind, wie τραύμα und θαύμα.

Ich frage mich, welche weiteren Kombinationen
das Leben sich ausdenken wird,
zwischen der Wunde des endgültigen Verschwindens
und dem Wunder der täglichen Unsterblichkeit.

Hier das gesamte Gedicht auf Griechisch und in der deutschen Übersetzung von Jorgos Kartakis und mir:

Στον ουρανό του τίποτα με ελάχιστα

Από την κλειδαρότρυπα κρυφοκοιτάω τη ζωή
την κατασκοπεύω μήπως καταλάβω
πώς κερδίζει πάντα αυτή ενώ χάνουμε εμείς.
Πώς οι αξίες γεννιούνται κι επιβάλλονται πάνω σ΄αυτό
που πρώτο λιώνει: το σώμα.
Πεθαίνω μες στο νου μου χωρίς ίχνος αρρώστιας
ζω χωρίς να χρειάζομαι ενθάρρυνση καμιά ανασαίνω
κι ας είμαι σε κοντινή μακρινή απόσταση
απ΄ό, τι ζεστό αγγίζεται, φλογίζει…
Αναρωτιέμαι τι άλλους συνδιασμούς θα εφεύρει η ζωή
ανάμεσα στο τραύμα της οριστικής εξαφάνισης
και το θαύμα της καθημερινής αθανασίας.
Χρωστάω τη σοφία μου στο φόβο΄
πέταλα, αναστεναγμούς, αποχρώσεις τα πετάω.
Χώμα, αέρα, ρίζες κρατάω΄ να φεύγουν τα περιττά,
λέω να μπω στον ουρανό τού τίποτα με ελάχιστα.

In den Himmel des Nichts mit leichtem Gepäck

Ich betrachte das Leben heimlich durchs Schlüsselloch,
spioniere ihm nach, vielleicht verstehe ich dann,
warum es immer gewinnt
während wir verlieren.
Wie die Werte entstehen und dem aufgezwungen werden,
was als erstes schmilzt, dem Körper.
In meinem Verstand bin ich tot ohne eine Spur von Krankheit,
ich lebe ohne irgendeine Ermutigung zu brauchen, ich atme,
auch wenn ich in naher-weiter Entfernung bin von dem,
was warm berührt wird, was entzündet …
Ich frage mich, welche weiteren Kombinationen
das Leben sich ausdenken wird,
zwischen der Wunde des endgültigen Verschwindens
und dem Wunder der täglichen Unsterblichkeit.
Meine Weisheit verdanke ich der Angst.
Blütenblätter, Seufzer, Farbtöne,
die werfe ich fort,
Erde, Luft, Wurzeln behalte ich;
fort mit dem Überflüssigen, sage ich,
auf dass ich in den Himmel des Nichts gehe
mit leichtem Gepäck.

L&Poe ’17-04

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Hefter, Shakespeare, Huygens, Close vs. Far Reading, 1 Million und Zehntausend Dichter, Das Volk in Greifswald steht auf, der Sturm im Wasserglas bricht los; das Verb koeppen (wie jazzen oder rocken) und manches andere. Lesen!

Als Ganzes lesen    

Die Themen in dieser Ausgabe

[✺]

Das neue Gedicht

Martina Hefter

Pflegeheimkatze Lucy spaziert durch die Gänge des Pflegeheims

Die Klänge kenn ich: Scherz,
Bluff, Schwärze, Pech, Kram,
Muff, Schmutz, Rotz, Kotz,
Krach, Cäsch, Träsch, Zeug, Kois, Gong,
Pfiff, Korsett, Kammer, Kapern.

Kennen heißt, man weiß unterscheiden,
Furunkel und Delle, dunkel und hell.
Man kennt, dass man stirbt.

Stirbt heißt, auf einem Kissen driftet man
raus aus seinem Schnauf.

Weiß nicht, was beim stirbt passiert,
aber kenn den Ton, er verästelt sich,
klatscht hin und rück und zu und auf,
da liegt wer zwischen Kloß und Klotz,
Stick und Sick.

Was ich wirklich weiß, weiß nicht.
Irgendwas wird stimmen.
Davon werd ich dann wissen.

Zum Beispiel, Wind ist, wenn Pfiff durch Spalte fizt.
Wind fitzt durch vieles, das ergibt einen Griff,
er packt mich babyleicht.
Überall rein quetscht er mich.

Überall ist alles,
aber ich hab gelernt
unterscheiden,
wo was nah an mir
und wo s fern ist.

Wie sie was weiß
sieht anders aus als
wie sie was nicht weiß.
Wie sie was nicht weiß: Sie schrumpft
ein Stück in sich zurück, steht dann hölzern in eim Eck.

Wenn sie was weiß, siehts aus, als strample sie
lange Zeit auf einem Fleck, pfeile dann durchs Fenster.

Sie weiß von was.
Ich spürs, als spürte ich in Höhlen
nur Luft, nicht den dunklen Druck.

Ich sprüh seltsamen Duft
unter die Leute, sie sitzen hier, was wissend
was ich vom Schnuppern her weiß,
sie driften auf Kissen, und sie umgibt: Ich.

Ich spinne. Ich spinne nicht.

Ich pritschle in einer Pfütze
mit Nass in Wanne. Da kommt die Frau, streichelt mich,
ihre Hand langt an Dings, wo Nass raus,
ich fang an, nach was zu fangen,
fang, fang, fang, fang, fang.
Ein Tag fasst viel Gefangenes.

Sie säuselt manchmal, sie verstehe, was ich sage.

Was verstehen ist: Nachts hör ich
draußen diese stachligen Tiere, sie schuffeln zum Müll,
ich versteh, ich muss nicht hin, nicht in ihren Kreis springen.
Die Tierchen, nicht mein Friss.
Spalten mich nicht in lieb sein oder Biss.
Ich bin so ein Tierchen nicht.

Jedoch die Frau – auf flachen Füßen
sie schlängelt sich um was,
das es in den Zimmern hier gibt,
nicht als Ding, es ist eine Luft.

Immer denkt sie an das, von dem ich weiß,
es ist ein Wort, das in jede Luft einen Kasten stellt.
Es klingt kloßig, wie Brot.

Keine Borte ziert den Topf, in dem was kocht,
das Tod bringt.

Da ist es schon.
Das ist alles.

Aber was ist alles? Ich weiß, wie sie eine Schleife um den Tisch geht.
Ich weiß, wie sie ein Rund um diese Stelle dreht.
Wo jeder Mittag anhält,
der Sittich im Käfig umfällt.

Sie umrundet dieses Rund.
Tut ihr das gut, wie mir guttut ausgedehntes Dehnen
mitten in der Nacht? Ist das Love, in der sie immerzu tobt?
Ich krieg mit, dass sie mich lobt,
weil ich Whiskas runterschlinge,
Bildchen bin für das,
wovor sie allmählich wegpennt.

Wach doch auf. Schluck was!
Immerzu döst du auf Kissen.
Wie könnt ich dich erfrischen,
soll ich Tupfer setzen auf dein Kinn?
Hallo, mein Mim-Mim, wollen wir ausloten
die Kraft unserer Pfoten?

So dumm dachte ich, als ich klein war.
Mein Flausch, er zog aus meinem Denken
den letzten Biss.

Und der Tag ploppte in seine Blüten,
man musste nur nach Fliegen springen,
bisschen spielen.
Spielen aber tat man sowieso.

Und spielen hilft nichts.
Ich setz mich jetzt auf jemands Bauch,
spende einen guten Blick.
Ich bin mehr als ein Tierchen, weiß ich.
Und jemand stirbt auch.

Der Mittag rast viel schneller voran, als ich dachte.
Wie alt ich bin? Dreihundertachtzig.
Wie alt die andern hier?
Wie sie so liegen auf ihren Pritschen,
sind keine Anfänge zu sehen.

Fährt ein LKW vorbei,
wirbelt kein Lärm sie auf,
sie nehmen alle Geräusche hin.
Sie sind so alt wie Wind.

Mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin. Aus einem 2018 bei Kookbooks erscheinenden Buch.

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Euphrasia. Augentrost

Augentrost – das ist mal ein Buchtitel! Dabei ist es gar keine Neuschöpfung, denn Constantijn Huygens schrieb seine Euphrasia schon 1647. Der Titel ist übrigens schnell erklärt: Der Augentrost (Euphrasia officinalis) ist eine Wiesenpflanze, seinen Namen hat er aufgrund seiner angenommenen Heilwirkung. Das muss uns aber nicht weiter beschäftigen, denn hier geht es ja um Literatur. Um ein Trostgedicht, das aus eher privatem Anlass entstand (und zunächst auch noch nicht über 1000 Verse umfasste): Huygens, der selbst (manchmal) eine Brille trug, schrieb es als Trost für eine Freundin (die im Text als „Parthenine“ auftaucht) und offenbar den Verlust eines Auges zu beklagen hatte. Aber, wie das Nachwort wiederum ganz richtig bemerkt, es ist mehr als ein Trostgedicht (ich würde sogar sagen: Es ist gar kein Trostgedicht mehr …), es ist ein richtiger Narrenspiegel, der die ganze Gesellschaft – die Dichter übrigens ausdrücklich eingeschlossen – aufspießt. / mehr bei mathiasmader.de

Constantijn Huygens: Euphrasia. Augentrost. Übersetzt und herausgegeben von Ard Posthuma. Leipzig: Reinecke & Voß 2016. [ohne Seitenzählung]. ISBN 9783942901222
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Far Reading

Reading may be passé, what about Close reading?

Close reading ist Bad old days, beziehungsweise, schreibt Marjorie Perloff, heutige Studenten wissen vielleicht gar nicht mehr, was das ist. Ihre Lehrer mögen eine ferne Erinnerung haben. Und fährt fort:

But would a far reading, then, be better than a close one? Well, not exactly, but perhaps reading is itself passé, what with the possibility that a given poem or novel could serve as an exemplar of this or that theory, in which case one might only have to focus on a particular passage. In the case of T. S. Eliot’s “Gerontion,” for example, one need only discuss the speci¤cally anti-Semitic passages so as to demonstrate Eliot’s racism.

Perloff, Marjorie.
Differentials : poetry, poetics, pedagogy / Marjorie Perloff.  (Modern and contemporary poetics) 2004
The University of Alabama Press
Tuscaloosa, Alabama

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Gestorben
  • Der französische Dichter Hubert Lucot starb in der Nacht vom 17. zum 18. in Paris im Alter von 81 Jahren / Le Monde
  • Am 21. der amerikanische Dichter und Aktivist Mark Baumer (33)
  • Am 22. starb der indische Dichter und Songwriter Naqsh Lyallpuri (88)
  • Am 24. starb die israelische Schriftstellerin Hedwig Brenner  in Haifa (* 27. September 1918 in Czernowitz)
  • Am 25. starb der amerikanische Oulipot Harry Mathews (geboren 14. Februar 1930 in New York City)  in Key West, Nachricht in Vorbereitung
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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #22: MY glasse shall not perswade me I am ould, deutsch von Stefan George: Nicht glaub ich meinem spiegel ˙ ich sei alt. Im übrigen bin ich der Meinung, Shakespearejahr hin oder her, daß wir experimentelle Übersetzungen von Shakespeares Sonetten, oder von Gedichten Puschkins Byrons Shelleys Mickiewicz‘ Villons usw. usf. … brauchen. Àxel Sanjosé hatte im vergangenen Mai darauf hingewiesen. Ich weiß ja nicht, ob jemand diese Sonette in Wochenhäppchen mitliest, jetzt wo das Shakespearejahr 2016 passé ist. Am liebsten experimentelle Übersetzungen mit mehreren Varianten einzelner Gedichte: wie es sie von Chlebnikow (Ausgabe Peter Urbans bei Rowohlt 1985), Petrarca (Poesiealbum 178/ 1982) oder Gertrude Stein (bei Arche 1993) gab. Aber das ist lange her, wen interessiert sowas heute?

Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

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10.000 Irish Poets

Patrick Kavanagh estimated that the standing army of Irish poets at any one time is least 10,000 strong; I was aware that while I might make nine friends among the ranks for my inclusion of their poems with my own, I would surely make 9,991 enemies. / Paula Meehan über den Auftrag, 10 Gedichte aus Irland auszusuchen, The Irish Times

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1 Million Dichter

Rechnet man die geschätzte Gesamtzahl der gegenwärtig in China schreibenden und veröffentlichenden Lyrik-Autoren auf die Gesamtpopulation des Riesenreiches hoch, so kommt man auf ein frappierendes Ergebnis: Momentan gibt es mehr als eine Million lyrischer Dichter unter den ungefähr 1,3 Milliarden Chinesen, ein stupender Prozentsatz, der vermutlich von keinem anderen Lyrik-Land der Welt oder nur noch von Island erreicht wird. / Benjamin Rossi, Neue Zürcher Zeitung

Chinabox. Neue Lyrik aus der Volksrepublik. Hrsg. Lea Schneider. Edition Polyphon. Verlagshaus Berlin, 2016. 390 S., Fr. 32.90.

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Haft wegen Kritik an Erdoğan

Der türkische Dichter Yılmaz Odabaşı wurde am Mittwoch zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt, weil er in einer Kolumne im Jahr 2015 den Präsidenten beleidigt haben soll. Mehr

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Meine Tweets der Woche
  • Rayse a glas to freedam
    Sum thinge thei kan nevir take awaye
    Reckon nat of what thei telle thee (Chaucer Doth Tweet ‏@LeVostreGC)
  • I was raised Catholic, became Episcopalian & found out later my family was Jewish. I stand ready to register as Muslim in . (Madelaine Albright, ehemalige US-Außenministerin)
  • Birdes, mountaynes, ravens, whales, watirfalles, deserts, cliffes, fisshe, oliphaunts, sharkes, rayne, fyre, wynde, starres, moon, sun. (Chaucer Doth Tweet ‏@LeVostreGC)

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Neue Zeitschriften
  • Sinn und Form 1/2017. (Fortsetzung) Erinnerung ist vielleicht das Schlüsselwort für die Vornehmheit dieser Zeitschrift. Nicht die Niederungen der Gegenwart sind ihr Feld, sondern die durch Erinnerung beschworene große Zeit. Erinnerungen von und an Yves Bonnefoy, Elisabeth Borchers, Giorgos Seferis, Mopsa Sternheim, Jean Améry. Berkewicz erinnert sich an Wolfgang Koeppen. Was für ein Elternhaus:

    Koeppen kannte ich von Kindesbeinen, im Elternhaus wurde er vorgelesen, und für die Prosaverse gab’s dort ein Flügelwort: „Koeppen“. Koeppen wie Jazzen wie Rocken.

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Kurz gesagt
  • Dichter lieben die Katzen: weil sie Einzelgänger sind. Man weiss nie so recht, was sie den ganzen Tag eigentlich machen. / Walle Sayer. Die Aargauer Zeitung berichtet über den Träger des Basler Lyrikpreises
  • Auch als Autorin trat Gudrun Ensslin immer wieder in Erscheinung: zunächst vor allem von Gedichten, die aber bisher nicht gefunden wurden. Sie vermute, dass diese von der Familie von Günter Eich aufbewahrt würden, an den Ensslin sie damals geschickt habe, so Ingeborg Gleichauf.

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Kurz berichtet
  • Der diesjährige Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim (Landkreis Northeim) geht an die 34-jährige Berliner Autorin und Dichterin Nora Bossong. Sie verbinde in ihren Texten spielerisch Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Neuaufbruch, so die Jury. Das sei eine „reizvolle und preiswürdige Interpretation von Sprache als dramaturgischem Werkzeug“, um menschliche Irrungen und Wirrungen abzubilden. / NDR
  • Barbara Köhler erhält den Alice Salomon Poetik Preis 2017,  Mo, 30.1., 19 Uhr, Haus für Poesie, Kulturbrauerei, Berlin.
  • So wird an diesem Abend in Eisenach Lyrik von Mahmoud Darwish, Ghadah Al-Samman, Ounsi Al-Hadj und Malek arabisch und deutsch rezitiert. Musikalisch verbinden sich Oud- mit Gitarrenklängen. / Mehr

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Max-und-Moritz-Universität

Wenn die Uni stur bleibt und die Landesregierung nicht vor organisiertem und selbstinduziertem Volkszorn einknickt, können sie ja ihre Stadt in Ernst-Moritz-Arndt-Stadt umbenennen, damit ihre „Identität“, von der auf einmal alle posaunen, gewahrt bleibt. Deutschland 2017. Wohin auswandern. / Kommentar von Michael Gratz zu Diskussionen um den Namen der Universität Greifswald hier.

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Lyrikkalender

Kalendarium heißt ab jetzt Lyrikkalender und ist prallvoll hier. Viel passiert Ende Januar/ Anfang Februar: Serendipity wird erfunden, Dichter sterben und werden geboren, Hölderlin schläft mit geladener Pistole unterm Kopfkissen. Adolf Hitler nutzt die ersten Tage nach der „Machtergreifung“, um Fakten zu schaffen. George Forestier wird bejubelt und fallengelassen. Der Dichter Schickele pfeift darauf, ob er deutscher oder französischer Staatsangehöriger ist.

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Rückblende: November 2001

Anfang des Monats starb Thomas Brasch, Ende George Harrison. Große Verlage setzen auf Mainstream. Celan paßte nicht nach Wien. Der heutige Leser? Alles soll sofort kapiert werden, leicht verstanden, flüchtig aufgenommen, rasch vergessen. Wer Gedichte schreibt, hat ´nen Stich (Annerose Kirchner). Wenn Erich Fried vom „Bumsen“ schreibt, so übersetzt sie es mit „elste nüe Woort“ (das eklige neue Wort). Friedrich Rückerts Liedertagebuch ist das größte geschlossene Poesiewerk des Neunzehnten Jahrhunderts. Türkische Literatur, Suaheliliteratur und noch viel mehr hier.

Lyrikkalender 5-2017

Sonnabend, 28. Januar

Serendipity, Sömmering, Hölderlin, John McCrae, Akiko Baba, Hitler u.v.a.

hier

Sonntag, 29. Januar

Emanuel Swedenborg, Salis-Seewis, Poe, Ernst Moritz Arndt, Edward Lear, Anacker, Paul Celan u.v.a.

hier

Montag, 30. Januar

Franz Brümmer, Karl Bleibtreu, Hitler, Brautigan & Bloody Sunday

hier

Dienstag, 31. Januar

Rodolphe Töpffers Proto-Comics, Griechenmüller, Georges Forestier, Dorothea Tanning

hier

Mittwoch, 1. Februar

Nur noch 333 Tage bis Jahresende. Conrad Celtis, Kosegarten, Handrij Zejler,  Otto Julius Bierbaum

hier

Donnerstag, 2. Februar

Lichtmeß, JamesJoyce, Gostan Zarian, Daniil Charms

hier

Freitag, 3. Februar

Ettenhueber, Siegfried Schmid, Marie von Najmájer,

hier

Rückblende L&Poe November 2001

Gestorben

Am 3. November 2001 starb Thomas Brasch mit nur 56 Jahren. Die NZZ schreibt

« Die Wetter schlagen um: Sie werden kälter. Wer  vorgestern noch Aufstand rief, ist heute zwei Tage älter.»  In dem Gedicht «Und der Sänger Dylan in der  Deutschlandhalle» mokiert sich der Autor über die  «brüllende Meute», die dem Barden die Höhe der Gage  und fehlendes Engagement vorhält; die «dürren  Studentinnen mit dem Elend aller Trödelmärkte der Welt  in den Augen» finden nicht die Sympathie eines erklärten  Hedonisten, für den zunächst die artifizielle Zuspitzung  zählt und nicht die political correctness. Womöglich war  er darin sogar seiner Zeit voraus …  / Martin Krumbholz, NZZ   5. November 2001

Im November starben auch

  • 3. November Luis Alfredo Arango, guatemaltekischer Lehrer und Schriftsteller
  • 4. November Jewgeni Chramow (69), sowjetischer und russischer Übersetzer und Dichter
  • 5. November Sawaki Kin’ichi, japanischer Schriftsteller (82)
  • 10. November Ken Kesey, US-amerikanischer Schriftsteller und Aktionskünstler (66)
  • 15. November Ain Kalmus, estnischer Schriftsteller und Theologe (95)
  • 15. November Jan Rabie, südafrikanischer Schriftsteller (81)
  • 19. November Fritz Fröhlich, österreichischer Maler und Lyriker (91)
  • 22. November Reimar Gilsenbach, deutscher Schriftsteller, DDR-Umwelt- und Menschenrechtsaktivist (76)
  • 25. November David Gascoyne, englischer Dichter, Übersetzer und Theoretiker des Surrealismus (85)
  • 25. November Riaz Ahmed Gohar Shahi, aus Pakistan stammender Sufi-Autor (60)
  • 26. November Nils-Aslak Valkeapää, finnischer Musiker und Schriftsteller  (geb. 1943)
    29. November George Harrison, 58, Mitglied der Beatles
Raum für Untrendiges?

Während grosse Verlage mehr und mehr das Risiko scheuen, sogenannte schwierige Literatur zu veröffentlichen, und auf Mainstream, sprich Gutverkäufliches, setzen, entstehen Nischenverlage, deren Ehrgeiz just darin besteht, sich um Entlegenes, Untrendiges zu kümmern. Zu einer dieser löblichen Neugründungen gehört die Edition Korrespondenzen des Wieners Franz Hammerbacher, der schon mit seinem ersten Programm hohe inhaltliche und gestalterische Qualität beweist und ein klares Verlagsprofil erkennen lässt. / Ilma Rakusa, NZZ 1. 11.2001

Celan in Wien

Es fehlt durchaus nicht an Anerkennung für seine dichterische Begabung, auch nicht an Respekt und Hilfsbereitschaft, aber der Preis für sein Mitmischen in den Wiener Künstlerkreisen, deren Aufbruchselan etwas eigentümlich Nachholendes und Anachronistisches anhaftet, ist eine gewisse Selbstverrenkung: In Wien wird zwanghaft das Kaffeehaus zurückerobert und in einem verspäteten, umso lauteren Bekenntnis zum Surrealismus der Anschluss an die internationale Moderne gesucht. Also verkauft Celan seine Lyrik als surrealistisch und verfasst zusammen mit dem Maler Edgar Jené das großsprecherische Manifest „Eine Lanze“ (das Anagramm der Namen der beiden Verfasser): „Wieder wird ein großer Hammer geschwungen und wen soll er zermalmen, wenn er niedersaust? Ein Geschöpf, den Menschen nicht mehr ähnlich, eine Mißgeburt aus Sodom, Methusalems letzten Sproß, gezeugt mit seiner Todesstunde: den Surrealismus.“ Celan wird diesen Ton nicht lange durchhalten. Wie später in der Gruppe 47 war er auch in Wien ein Fremdkörper… / IJOMA MANGOLD über die Ausstellung Displaced. Paul Celan in Wien  FR 28.11.01

Schnelllese-Zeiten

Günter Kunert über Probleme mit Gedichten in Schnell-Lesezeiten

Wahrlich, ich lebe in Zeiten, da die Dichter wenig gelten. Vorbei die gute alte schlechte Zeit, während welcher man noch einander Gedichte vorlas, von ihren Worten bewegt oder erregt, zumindest im Einklang, in seelischer Übereinstimmung mit den Sprachgebilden. Und ganz unauffällig fand bei derlei gemeinsamen Unterhaltsamkeiten auch etwas statt, dass man mit einem trockenen Begriff „Belehrung“ nennen könnte. Nämlich Belehrung über das wundersame Wesen der Sprache.

Zeilen prägten sich dann einem ein. Verse blieben im Gedächtnis, Intonation und Rhythmus weckten die Aufmerksamkeit für Genauigkeit. In einem weitaus umfassenderen und auch strengerem Maße forderte die Dichtung, die Lyrik, etwas vom Leser oder Zuhörer, was ihm oft die Prosa nicht abverlangte. Nämlich sich um Verständnis für verbale Bilder zu bemühen und ihre Hintergründigkeit, manchmal auch ihre Rätsel zu ergründen.

Ich weiß, der heutige, auf Hurtigkeit gestrimmte Leser besitzt nicht mehr, was früher kostenlos vorhanden war, und zwar die Muße, um sich mit einem sprachlichen Kunstwerk zu befassen. Alles soll sofort kapiert werden, leicht verstanden, flüchtig aufgenommen, rasch vergessen.  (Laudatio auf Heinz Czechowski , Nordwest- Zeitung 26.11.01)

Kommentar der Lyrikzeitung 2001: Aber woher weiß er das, übrigens? …

Kommentar der Lyrikzeitung 2017: Naja…

EIN AUTOR AUS RUSSLAND: Ewige Fragen

Popo-selig, wer erkennt:
Durch Hipperbeln popotent!
Wer ob der Hippnose witzelt,
Wird von Popo scharf bespitzelt.
Hippopot, ganz Hippospot,
Tritt ihn eigenhändig tot.

,,Hippopotamos“ (zu Deutsch: Flusspferd) heißt das Gedicht, aus dem diese Zeilen stammen. Der Russe Wjatscheslaw Kuprijanow hat es geschrieben. / Frankenpost 24.11.01

Ein Spruch

»Wer Gedichte schreibt, hat ´nen Stich«, räumt die Geraer Lyrikerin Annerose Kirchner vor dem Bergaer Publikum ganz freimütig ein. / Ostthüringer Zeitung 23.11.2001

Grobes auf Plattdeutsch?

Der Gedicht-Titel „Entmystifizierung des Sex“ klingt bei Marlies Jensen viel lieblicher: ¸“Mit den Holthamer op dat sööte Geheemnis“ ist gleichzeitig der Buchtitel. Drastisches vermeidet sie: Wenn Fried vom „Bumsen“ schreibt, so übersetzt sie es mit „elste nüe Woort“ (das eklige neue Wort).

Manches akzentuiert sie anders: „Krieg“ nennt sie „Mord und Dootslag“, und die von Fried so geschätzte „innere Ruhe“ wird bei ihr zu „Kehrdiannix“ (Scher dich um nichts). Frei übersetzt sie das „Computerzeitalter“ mit „Tieden vun de Orwellsche Schrievmaschin“ (Zeiten der Orwellschen Schreibmaschine).

Erich Fried, Mit den Holthamer op dat sööte Geheemnis, Agimos Verlag, Kiel, 146 Seiten, 29,90 Mark. / Südwest Presse 23.11.01

Riesenwerk Rückert-Gesamtausgabe

Das „Liedertagebuch“ stelle, so der editorische Bericht der Herausgeber, das „größte geschlossene Poesiewerk des Neunzehnten Jahrhunderts“ dar. Es sei, so Wollschläger bei der Präsentation, ein Werk, das geeignet sei, das Bild, das sich Zeitgenossen und Nachwelt von Rückert gemacht haben, entscheidend zum Positiven hin zu korrigieren. Diese rund 10 000 Verse, die im Schweinfurter Archiv „ruhten“, bis sie vor einem Dutzend von Jahren von den Herausgebern gesichtet und in ihrem Wert erkannt wurden, stellten die „gewichtigere Hälfte von Rückerts Werk“ dar, im Vergleich zu den von Rückert selbst zu Lebzeiten in Druck gegebenen Schriften. / Main-Post 16.11.01

Für den Frieden sind alle, aber

Die Welt 11.11.01 (Interview mit Wolf Biermann)

Jetzt wächst Deutschland zusammen, und wir so genannten Intellektuellen kippen auseinander.

WamS: Nirgends wurde das deutlicher als im Golfkrieg.

Biermann: Da ging es ja auch an die Substanz. Wie auch heute wieder. Klar: Für den Frieden sind wir alle. Aber wenn es dann um das Wie geht, schließen sich die Menschen gegenseitig aus der Menschheit aus, und es entsteht die von Hölderlin besungene stumme, kalte Zwietracht.

Lyrisches Schamenantum

Es gibt kaum eine andere literarische Gattung, die sich der vermeintlichen Verstehbarkeit der Welt so dezidiert entgegenstellt wie die Poesie. Dutli definiert die Lyrik nachgerade als den «dauernd inszenierten Totalverlust aller Gewissheit». … Bereits im 11. Jahrhundert verfasste der provenzalische Dichter Guilhem IX. einen unerhört modernen Text, der mit den Zeilen beginnt: «Ich mach ein Lied aus reinem Nichts.» Solch kalkulierte Informationsverweigerung lenke die Aufmerksamkeit des Lesers auf das Eigentliche: auf die musikalische Konstruktion des literarischen Gebildes. Dabei diktiere die Sprache selbst den lyrischen Sinn: Der Dichter sei nur ein Troubadour, der das in der Wort- oder Satzstruktur bereits Angelegte «finde». Im Gedicht vereinigen sich Autor und Leser, so Dutli, zu einer magischen Sprachzelebration. / NZZ 10.11.01

Ignoranz

Wie reagiert die deutsche Literaturkritik, wenn die Texte eines Autors, einer Autorin aus der Türkei zu bewerten sind? Ignorant und snobistisch.

/ Monika Carbe NZZ 10.11.01

„Unser Wahn“: Die Krise arabischer Intellektueller

Zweifellos sind  Araber und Muslime ungerechter Behandlung ausgesetzt. Wenn wir aber  nur dies sehen, so bedeutet das, daß wir vom anderen noch gar nichts gelernt  haben.

Schreibt Abbas Baydoun. Der libanesische Dichter wurde 1945 geboren. Er ist Feuilletonchef der Tageszeitung “ As-Safir“ in Beirut.  / Frankfurter Allgemeine Zeitung , 09.11.2001

Wiecker Bote

Oskar Kanehl, Lyriker, Publizist und später Anarchist, war ein ausgesprochener Querdenker, der 1913 von Greifswald nach Wieck zog und Lust bekam, „eine Bombe ins schwarze Ketzernest Greifswald zu werfen“. Am 16. Juli erscheint die erste Ausgabe des „Wiecker Boten“. Das Blatt findet Beachtung, erntet Widerspruch, zieht den Hass der Korpsstudenten und die Missbilligung der Universität auf sich. Die Schrift, dem Expressionismus zugetan, versteht sich als kritischer Beobachter, als „Parteiblatt der Parteiüberwinder“. Kanehl wird 1914 einberufen, der widerspenstige „Wiecker Bote“ verschwindet.

Heute ist das [1995 wiederbegründete] Blatt weniger widerspenstig, aber noch immer kritischer Beobachter seiner Zeit. / MARKUS KOWALZYCK, Ostsee-Zeitung 7.11.01

Kult

Volly Tanner wird alt. Der Underground-Poet geht neuerdings bei Grün über die Straße. Volly Tanner ist schüttere, kränkliche 31; doch dafür hat er etwas geschafft, das an keiner Umrahmung seiner gepflegten Feindbilder notiert ist: Er genießt Kult-Status. / Leipziger Volkszeitung 6.11.01

Suaheli-Literatur

Zwar hatte sich bereits die frühere Swahili-Literatur – die ersten schriftlichen Zeugnisse gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück – mit Politik beschäftigt, doch ausschliesslich in einem affirmativen Sinne. Sexualität dagegen war früher nie ein Thema; das Erscheinen von [des Tansaniers] Euphrase Kezilahabis erstem Roman im Jahre 1971 führte denn auch zu einem Skandal. Zu Diskussionen Anlass gaben auch seine in freien Versen geschriebenen Gedichte, bestimmten doch Reim und Metrum ausnahmslos die traditionelle Swahili-Lyrik. / Heinz Hug, NZZ 1. November 2001

Verschwunden

25 Jahre nach ihrem Tod ist die bedeutende Dichterin Martha Saalfeld, von Elisabeth Langgässer einst als „pfälzische Sappho“ apostrophiert, aus der literarischen Öffentlichkeit so gut wie verschwunden. / Michael Buselmeier, Freitag 45/01

02-01

1. Februar

Nur noch 333 Tage bis Jahresende

  • 1394: Ikkyū Sōjun, japanischer Zen-Meister und Dichter *
  • 1459: Conrad Celtis, deutscher Dichter und Humanist * (Textkette)
  • 1462: Johannes Trithemius, deutscher Abt, Gelehrter und Humanist *  Geheimschriften
  • 1656: Rudolf von Drachenfels, deutscher Verwaltungsbeamter und Gelegenheitsdichter  †
  • 1673: Alessandro Marcello, italienischer Dichter, Komponist und Philosoph *
  • 1720: Schweden schließt im Großen Nordischen Krieg mit Preußen den Frieden von Stockholm. Gegen Zahlung von zwei Millionen Talern erhält Preußen Stettin, Usedom, Wolin und Vorpommern bis zur Peene.
  • 1758: Gotthard Ludwig (Theobul) Kosegarten, deutscher Pastor und Schriftsteller *. Studierte in Greifswald Theologie. Als Rektor der Knabenschule in Wolgast unterrichtete er Philipp Otto Runge.  Pfarrer in  Altenkirchen auf Rügen (Uferpredigten auf den Klippen bei Vitt). 1808 ao. Professor, 1817 ordentlicher Professor für Theologie in Greifswald. Gestorben am 26. Oktober 1818 in Greifswald, begraben in Altenkirchen. (Lyrikzeitung)
  • 1796: Abraham Emanuel Fröhlich, Schweizer reformierter Theologe und Schriftsteller *
  • 1804: Handrij Zejler, sorbischer Dichter, Begründer der modernen sorbischen Dichtung * (Lyrikzeitung)
  • 1824: John Lemprière, britischer Lexikograph †
  • 1851: Mary Wollstonecraft Shelley, britische Schriftstellerin (Frankenstein oder Der moderne Prometheus) †
  • 1874: Hugo von Hofmannsthal, österreichischer Schriftsteller (Wiener Moderne) * (Lyrikzeitung)
  • 1902: Langston Hughes, US-amerikanischer Dichter der Harlem Renaissance * (Lyrikzeitung)
  • 1903: Georg Rendl, österreichischer Schriftsteller *. Das sind die Gedichte. Salzburg 1963
  • 1907: Günter Eich, deutscher Lyriker und Hörspielautor * (Lyrikzeitung)
  • 1910: Otto Julius Bierbaum, deutscher Schriftsteller, Parod- und Antholog-ist †. Über Stefan George und seinen Kreis spottete er „Feierlich sein ist alles! Sei dumm wie ein Thunfisch, temperamentlos wie eine Qualle, stier besessen wie ein narkotisierter Frosch, aber sei feierlich, und du wirst plötzlich Leute um dich sehen, die vor Bewunderung nicht mehr mäh sagen können.“
  • 1918: Muriel Spark, britische Schriftstellerin *
  • 1922: Leili Andre, estnische Dichterin und Schriftstellerin *
  • 1933: Zwei Tage nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler löst Reichspräsident Paul von Hindenburg auf dessen Wunsch den deutschen Reichstag auf. Die „Machtergreifung“ marschiert.
  • 1934: John Schehr, deutscher kommunistischer Politiker, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus †. Nach Verhaftung Ernst Thälmanns Vorsitzender der KPD. In der Nacht vom 1. zum 2. Februar 1934 am Berliner Kilometerberg „auf der Flucht erschossen“. Erich Weinert: John Schehr und Genossen.
  • 1935: Dieter Kühn, deutscher Schriftsteller *
  • 1938: Julian Arendt, deutscher Literat †. Schrieb Chansontexte für Claire Waldoff
  • 1939: Wolfgang Krege, deutscher Autor und Übersetzer (Tolkien) *
  • 1945: Durch kommunistische Volksgerichte wird die politische, militärische und intellektuelle Elite Bulgariens auf Anordnung Moskaus zum Tode verurteilt, darunter 67 Parlamentsabgeordnete, alle Mitglieder der Regierungen zwischen 1941 und 3. September 1944, die Regenten des Zaren (Prinz Kyril, Bogdan Filow und Nikola Michow), neun Staats- und Regierungssekretäre, die Verleger der großen Zeitungen und Zeitschriften, 47 Generäle und Offiziere. (Wikipedia)
  • 1946: Hans Bethge, deutscher Dichter †. Anthologist, Nachdichter orientalischer Lyrik (Lyrikzeitung)
  • 1970: Ernst Waldinger, deutscher Lyriker und Essayist †
  • 1971: Raoul Hausmann, österreichisch-deutscher Künstler des Dadaismus † (der Dadasoph)
  • 1976: Hans Richter, deutscher Maler und Filmkünstler des Dadaismus †
  • 1989: Karel Bodlák, tschechischer Literaturkritiker, Dichter und Lehrer †
  • 2002: Hildegard Knef, deutsche Schauspielerin, Chansonsängerin und Autorin †
  • 2012: Wisława Szymborska, polnische Dichterin und Nobelpreisträgerin † (Lyrikzeitung)

Max-und-Moritz-Universität

Ein Kommentar von Michael Gratz

Seit 20 Jahren wird in Greifswald wieder über den Namen der Universität diskutiert.

500 Jahre lang war die zweitälteste Universität nördlich von Heidelberg überhaupt ohne Personennamen ausgekommen. 1933 erhielt sie den Namen „Ernst-Moritz-Arndt-Universität“ aus den Händen des zuständigen Ministers Hermann Göring. Beantragt hatte die Namensgebung Professor Walter Glawe, Mitglied von DNVP, Stahlhelm und dann NSDAP. Zwischen 1945 und etwa 1954 war der Namenszusatz „Ernst-Moritz-Arndt“ gestrichen, dann führte ihn die SED wieder ein. Professor in Greifswald war immer noch Walter Glawe, jetzt SED.

Vor fünf Jahren kam im Senat nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für eine Namensänderung zustande. Vor zwei Wochen wurde erneut abgestimmt, diesmal waren 24 Senatorinnen und Senatoren für die Streichung, 11 dagegen. Eine klare Mehrheit gegen Arndt und eine knappe Zweidrittelmehrheit, die Namensänderung ist damit beschlossen. Die Landesregierung muß noch zustimmen.

Noch während die Sitzung lief, begann der Aufschrei der Arndtanhänger in sozialen Medien. Einer rief die Greifswalder auf

Wo bleibt der Aufstand der Eingeborenen?

Ihr Greifswalder müsst damit leben, also lauft Sturm und lasst euch nicht so vorführen. #sturmaufbastille

Man sprach von „Hinterhofdemokratie, die jeglicher Legitimation entbehrt“, „Handstreich“ und „Nacht und Nebelnummer“, von „Geschichtsexorzismus“ und „tiefen Gräben zwischen Bürgern und Universität“. Der AfD-Abgeordnete Prof. Weber nannte eine erfundene Zahl von mindestens €300000, die die Umbenennung kosten würde. Alle verbreiten die Zahl weiter, #fakenews. Bald sprang die regionale Ostsee-Zeitung auf den Zug auf. Wie zu DDR-Zeiten während der Biermann-Ausbürgerung druckt sie tagelang Stellungnahmen von Greifswaldern, allesamt gegen die Umbenennung, Zustimmung gibt es anscheinend nicht, nicht bei der Zeitung. Die „Junge Union“ meldete sich zu Wort, die CDU fordert eine Sondersitzung der Bürgerschaft und sogar des Landtags. „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“. Mein Kommentar:

„Die Greifswalder“, schallt es jetzt überall, sind stolz auf den „traditionellen“ (seit 1933) Namen. Da werden sie wohl im Recht sein. Das Ding heißt doch nicht Einsteinuniversität. Diese Stadt, die jetzt lautstark den Aufstand probt und mit Stimmen von CDU und alten Linken der schon gescheiterten Provinzpegida noch einmal die Chance gibt, sich als „mächtige Volksbewegung“ in Szene zu setzen, hat sich den Namen verdient.

Wenn die Uni stur bleibt und die Landesregierung nicht vor organisiertem und selbstinduziertem Volkszorn einknickt, können sie ja ihre Stadt in Ernst-Moritz-Arndt-Stadt umbenennen, damit ihre „Identität“, von der auf einmal alle posaunen, gewahrt bleibt. Deutschland 2017. Wohin auswandern.