Leseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 29-35 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
29
VVHen in disgrace with Fortune and mens eyes, I all alone beweepe my out-cast state, And trouble deafe heauen with my bootlesse cries, And looke vpon my selfe and curse my fate. Wishing me like to one more rich in hope, Featur’d like him, like him with friends possest, Desiring this mans art, and that mans skope, With what I most inioy contented least, Yet in these thoughts my selfe almost despising, Haplye I thinke on thee, and then my state, (Like to the Larke at breake of daye arising) From sullen earth sings himns at Heauens gate, For thy sweet loue remembred such welth brings, That then I skorne to change my state with Kings.
Einige Anmerkungen zum Text:
Deutsche Fassung von Stefan George:
Quellen
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Thomas Kunst, Aloysius Bertrand, Charles Baudelaire, Salomon Geßner, Aborigenee, Bertram Reinecke, Kurt Drawert, Philipp Nikolayev, Trumps Wall, Uljana Wolf, Breyten Breytenbach, Renga for Obama, Shakespeare und mehr. Lesen!
Die Themen in dieser Ausgabe
Thomas Kunst
Und in Frankreich? Das Dictionnaire de la poésie française von Jacques Charpentreau (2006) schießt den Vogel ab mit mehr als 6 Seiten. Das poème en prose leite sich üblicherweise von Aloysius Bertrand (1842), Charles Baudelaire (1862) und Max Jacob (1917) her. Man könne auch auf Fénelon (1699), Parny (1787), Rabbe (1835), Guérin (1840) und andere verweisen. Folgen zahlreiche Beispiele und differenzierte Hinweise zur Geschichte und Poetik der Form. Eine schöne Formel: „Kürze. Intensität. Unmotiviertheit (gratuité).“ (Maurice Chapelan). Und der Hinweis auf unterschiedliche Meinungen: „Prosa ohne Rhythmus“ (Baudelaire). – „Rhythmisierte Prosa“ (Paul Fort). Im übrigen fehlen Autoren aus anderen Sprachgebieten praktisch ganz. / Hier gehts zum Artikel
Ali Cobby Eckermann hat soeben erfahren, dass sie den Windham-Campbell-Preis gewonnen hat, eine der höchstdotierten Auszeichnungen der Literaturwelt. 165 000 US-Dollar. Für die Dichterin, die gemeinsam mit ihrer Adoptivmutter in einem Wohnwagen lebt, ist es eine lebensverändernde Summe. (…)
Ali Cobby Eckermann ist eine von acht Preisträgern und Preisträgerinnen in diesem Jahr. Jede und jeder von ihnen erhält 165 000 US-Dollar. Der Preis wird seit 2013 von der Yale University verliehen – in Erinnerung an den Autor Donald Windham und seinen Lebenspartner Sandy M. Campbell. Das Besondere: Die nominierten Autoren haben für gewöhnlich keine Ahnung, dass sie überhaupt im Rennen um diese Auszeichnung sind. Die meisten erfahren von dem Preis erst, wenn sie ihn gewonnen haben. So wie Ali Cobby Eckermann.
Sie ist die erste Gewinnerin des Windham-Campbell-Preises in der Kategorie Lyrik, die in diesem Jahr zum ersten Mal ausgelobt wurde. Für die Aborigine-Dichterin bedeutet der Preis aber viel mehr als nur finanzielle Sicherheit. „Es fühlt sich so an, als würde diese Auszeichnung auch die Geschichte meiner Familie würdigen“, sagt sie dem Guardian. Eine Geschichte, die das gewaltige Unrecht widerspiegelt, das den Aborigines in Australien widerfahren ist. (…) In der Begründung der Jury heißt es: „Ali Cobby Eckermann konfrontiert sich mit der gewalttätigen Geschichte von Australiens Gestohlenen Generationen und findet eine Sprache für ganze Stammbäume von unaussprechlichem Trauma und Verlust.“ / Julian Dörr, Süddeutsche Zeitung
„Ich bin das Unglück von beiden Seiten seiner / Wirkungsgeschichte“: Wer mit solchen Versen die poetische Vermessung der Welt beginnt, der hat wenig Aussichten auf die Leichtigkeit des Seins. Wie viele große Lebensbücher der Moderne entfaltet Kurt Drawerts Langgedicht „Der Körper seiner Zeit“ den Versuch eines gefährdeten Ichs, den Abgrund der eigenen Existenz auszuleuchten. Ein zersprungenes Subjekt besichtigt den „Scherbenhaufen“ des eigenen Lebens und topografiert mithilfe poetischer Ortserkundungen die eigene Misere.
(…) Dieses Oszillieren zwischen den verschiedenen Polen der Existenz, diese gegenläufigen, oft paradoxal gefügten Versbewegungen, die sich aus einer Negativität heraus ins Offene tasten, bilden auch in seinem neuen Buch die Grundfigur seines Schreibens. In „Der Körper meiner Zeit“ erprobt Drawert eine lyrische Form, an die sich die Gegenwartsdichtung – mit den aufregenden Ausnahmen von Paulus Böhmer und Ann Cotten – kaum noch herantraut. / Michael Braun, Tagesspiegel
Kurt Drawert: Der Körper meiner Zeit. Gedicht. C.H. Beck, München 2016. 210 Seiten, 21,95 €.
Der südafrikanische Dichter und Anti-Apartheid-Kämpfer Breyten Breytenbach wird mit dem Internationalen Zbigniew-Herbert-Preis ausgezeichnet, teilte die Jury in Warschau mit. Breytenbach wurde 1939 in der Kapprovinz geboren. Weil seine Ehe mit einer Frau aus Vietnam als „Mischehe“ verboten war, verließ er Südafrika und ging nach Paris. Bei einer illegalen Einreise in sein Heimatland wurde er verhaftet und zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Auf Druck des französischen Präsidenten François Mitterand wurde er 1982 freigelassen. Breytenbach schreibt in mehreren Sprachen, darunter Afrikaans, seine Muttersprache, die heute bedroht ist. Der Preis wird am 25. Mai in Warschau vergeben. / franceinfo
Despite the Trump administration’s threats to deport undocumented immigrants and Trump’s campaign promise to rescind Obama’s Deferred Action for Childhood Arrivals (DACA) program, which allows certain undocumented individuals deferred deportation, [Juan Felipe] Herrera said he will remain an employee of the Library of Congress. He spoke at Emory Sunday, Feb. 19, reading poems about deportation and immigration in the 12th season of the Raymond Danowski Reading Series.
He condemned the “border machine,” the institutions that enforce the U.S.-Mexican border such as detention centers, border patrol, police and the necessitation of being “approved” to cross into the U.S. in an interview with the Wheel. / The Emory Wheel
Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.
I sometimes hear folks say they cannot judge the quality of a poem in a foreign language. This good admission assumes they can judge the quality of a poem in their own language. An admirable certainty!
Philip Nikolayev
Aus der Serie: Positiv Kritisieren
Das Literaturzentrum Neubrandenburg stellt in einer neuen Lesereihe führende deutsche Lyrikerinnen der Gegenwart vor. Als Erste wird an diesem Mittwoch Jana Hensel („Zonenkinder“) erwartet, wie eine Sprecherin des Literaturzentrums am Montag sagte. Die 40-Jährige lese und diskutiere unter dem Motto „Das verspielte Papier“ über die Kunst des Dichtens. Die neue Lyrik-Reihe soll die Distanz zum Gedicht verringern helfen und wird von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten gefördert.
Als weitere Schriftsteller werden im Mai Nadja Küchenmeister („Unter dem Wacholder“) und im Juni die bereits ausgezeichnete Lyrikerin Uljana Wolf („Kochanie ich habe Brot gekauft“) erwartet. Im zweiten Halbjahr lesen die aus Bremen stammende Nora Bossong und die aus Anklam stammende Judith Zander. Alle Autorinnen leben in Berlin. / Ostsee-Zeitung
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Meine Lektüren hatten Züge nichtlinearen Lesens. Auch das spiegelt »Sleutel« wieder. Dass gerade die Montage aus unveränderten Fremdversen mich so reizt, liegt daran, dass hier noch Neuland betretbar ist: Man kann heute die rein mechanischen Prozesse dem Rechner überlassen, über Volltextsuchen etc. Man kommt so zu Ergebnissen, die sich vorhergehende Dichter nicht vorstellen konnten. Gleichwohl bleibt es eine recht langwierige Arbeit: Man muss für ein kürzeres Gedicht oft 70 bis 90 Stunden am Rechner sitzen. / Mehr
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geht weiter mit Sonett #28:
HOw can I then returne in happy plight
Deutsch von Otto Gildemeister:
Wie soll ich denn wohl wieder fröhlich werden
Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen
In Frankreich findet vom 4.-19. März zum 19. Mal der Printemps des Poètes (Frühling der Dichter) statt. Thema in diesem Jahr: Afrique(s). – Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt. 7.-18.3. lit.Cologne – Am 11. März 1812 Gleichstellung jüdischer Bürger in Preußen. Am 11. März 1700 wird in Schweden der Schwedische Kalender eingeführt, mit dem Ziel, ihn langsam an den Gregorianischen Kalender anzupassen. In Schweden ist das Datum der 1. Märzschwed., der Tag davor war der 28. Februarjul.. Am 12. März 1712 wechselt Schweden zurück zum Julianischen Kalender. In Schweden ist das Datum der 1. Märzjul., der Tag davor war der 30. Februarschwed..
14. März ist Pi-Tag. Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich. der glanze heldenplatz zirka versaggerte in maschenhaftem männchenmeere / drunter auch frauen die ans maskelknie zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick. – Nach dem römischen Kalender die Iden des März. Der 16. März ist Tag der Bücherträger in Litauen (mehr unter Geburtstage am 16. März). Am 17. März 1951 Probeaufführung der Oper Die Verurteilung des Lukullus von Paul Dessau mit dem Text von Bertolt Brecht. St. Patrick’s Day.
Der Lyrikwettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise findet am 17. und 18. März 2017 in der Centralstation Darmstadt statt.
Geburtstage haben am 11. März 1544: Torquato Tasso, italienischer Dichter, 1654: Heinrich Georg Neuss, deutscher Kirchenlieddichter, 1860: Emil Ertl, österreichischer Schriftsteller, 1907: Georg Maurer, aus Rumänien stammender deutscher Lyriker, 1915: Karl Krolow, deutscher Lyriker, 1955: Nina Hagen, deutsche Sängerin, Songwriterin, deutsche Godmother of Punk, 1959: Dejan Stojanović, serbisch-amerikanischer Dichter; am 12. März 1607: Paul Gerhardt, deutscher Kirchenlieddichter, 1703: Ladislaus Amade von Várkonyi, ungarischer Dichter, 1821: Hermann Hettner, deutscher Literaturhistoriker, 1863: Gabriele D’Annunzio, italienischer Dichter, 1912: Irving Layton, kanadischer Dichter („tell it like it is“), 1922: Helga Goetze, deutsche Künstlerin, Schriftstellerin und politische Aktivistin, 1922 (95. Geburtstag): Jack Kerouac, amerikanischer Schriftsteller, 1942: Shabnam Shakeel, pakistanischer Dichter, 1943: Mina Assadi, persische Lyrikerin; am 13. März 1395: John Barbour, schottischer Nationaldichter, 1479: Lazarus Spengler, deutscher Hymnenschreiber, 1822: Moritz von Strachwitz, deutscher Dichter, 1863: Richard Zoozmann, deutscher Dichter und Anthologist, 1883: Takamura Kōtarō, japanischer Lyriker, 1884: Oskar Loerke, deutscher Dichter, 1891: Felix Aderca, rumänischer Dichter, 1897 (120. Geburtstag): Jeghische Tscharenz, armenischer Dichter, 1899: Jan Lechoń, polnischer Dichter, 1900: Giorgos Seferis, griechischer Dichter, 1906: Fritz Adam, deutscher Lyriker, 1912: Olga Nikolajewna Anstej, russische Schriftstellerin, 1913: Sergei Michalkow, russischer Dichter („Der Hase im Rausch“), 1925: Inge Müller, deutsche Lyrikerin, 1927: Georges Badin, französischer Dichter, 1933: Gero von Wilpert, deutscher Literaturwissenschaftler, 1941: Mahmoud Darwisch, palästinensischer Dichter, 1960: Jurij Andruchowytsch, ukrainischer Schriftsteller, 1962: Seyhan Erözçelik, türkischer Dichter; am 14. März 1801: Kristian Jaak Peterson, estnischer Dichter, 1823: Théodore de Banville, französischer Dichter, 1844: Arthur O’Shaughnessy, englischer Dichter, 1854: Alexandru Macedonski, rumänischer Dichter, 1862: Emil Beurmann, Schweizer Malerpoet, 1879: Albert Einstein, deutscher und amerikanischer Physiker, 1887: Ernst Goll, österreichischer Dichter, 1925: John Wain, englischer Dichter, 1934: Volker von Törne, deutscher Lyriker, 1938: Angus MacLise, amerikanischer Musiker (Velvet Underground) und Dichter, 1972: Irom Chanu Sharmila, indische Dichterin; am 15. März 1816: Wolfgang Müller von Königswinter, patriotischer Dichter, 1830: Paul Heyse, deutscher Dichter, der erste deutsche Nobelpreisträger, 1900: Wolfgang Schadewaldt, deutscher Altphilologe, 1916: Blas de Otero, spanischer Lyriker, 1930: Andreas Okopenko, österreichischer Schriftsteller, 1939: Robert Nye, englischer Schriftsteller, 1956: Kurt Drawert, deutscher Schriftsteller, 1959: Ben Okri, nigerianischer Schriftsteller; am 16. März 1581: Pieter C. Hooft, niederländischer Dichter, 1585: Gerbrand Bredero, niederländischer Dichter, 1744: Nicolas-Germain Léonard, französischer Dichter, 1759: Bengt Lidner, schwedischer Dichter, 1797: Alaric Alexander Watts, englischer Dichter, 1839: Sully Prudhomme, französischer Dichter, erster Nobelpreisträger für Literatur, 1846: Jurgis Bielinis, litauischer Bücherschmuggler; schmuggelte litauische und lettische Bücher in diese Länder, als das in Rußland verboten war. Sein Geburtstag wird in Litauen als Tag der Bücherträger begangen. 1865: Aspazija, lettische Lyrikerin und Frauenrechtlerin, 1875: Percy MacKaye, amerikanischer Dichter, 1883: Ethel Anderson, australische Schriftstellerin, 1892 (125. Geburtstag): César Vallejo, peruanischer Dichter, 1898: Jakob Haringer, deutscher Schriftsteller, 1908: René Daumal, französischer Dichter, 1920: Tonino Guerra, italienischer Lyriker, 1937 (80. Geburtstag): Huschang Golschiri, iranischer Schriftsteller, 1966: Dirk von Petersdorff, deutscher Literaturwissenschaftler und Lyriker; am 17. März 1781: Ebenezer Elliott, englischer Dichter, 1820: Jean Ingelow, englische Dichterin, 1867: Patrice Contamine de Latour, spanischer Dichter, 1914: Aida Tsunao, japanischer Dichter
Todestage am 11. März 1982: Edmund Cooper, englischer Schriftsteller, 1982: Horace Gregory, amerikanischer Dichter und Übersetzer; am 12. März 1582: Andreas Ellinger, neulateinischer Dichter, 1648: Tirso de Molina, spanischer Dichter, 1898: Zacharias Topelius, finnlandschwedischer Dichter, 1916: Marie von Ebner-Eschenbach, österreichische Schriftstellerin, 1930: Alois Jirásek, tschechischer Schriftsteller („Böhmens alte Sagen“), 1947: Winston Churchill, US-amerikanischer Schriftsteller („Der Amerikaner“) 1953: Itō Shizuo, japanischer Lyriker, 1990: Philippe Soupault, französischer Dichter, 1991: William Heinesen, färöischer Dichter, 2006: Jurij Brězan, sorbisch-deutscher Schriftsteller, 2008: Erik Ågren, finnlandschwedischer Schriftsteller, 2010: Ernst Herhaus, deutscher Schriftsteller, 2015: Ada Jafri, pakistanischer Dichter, 2016: Rafiq Azad, bangladeschischer Dichter, am 13. März 1711: Nicolas Boileau, französischer Schriftsteller, 1812: Johannes le Francq van Berkhey niederländischer Naturforscher, Dichter und Maler, 1851: Karl Lachmann, deutscher Philologe, 1895: Louise Otto-Peters, deutsche Schriftstellerin, Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung, 1941: Elizabeth Madox Roberts, amerikanische Schriftstellerin, 1943: Stephen Vincent Benét, amerikanischer Schriftsteller, 1975: Ruth Schaumann, deutsche Schriftstellerin, 1976: Max Tau, deutsch-norwegischer Schriftsteller, Lektor und Verleger, 1975: Ivo Andrić, jugoslawischer Schriftsteller; am 14. März 1672: Johann Wilhelm Simler, Schweizer Dichter, 1673: Salvator Rosa, italienischer Maler und Dichter, 1803: Friedrich Gottlieb Klopstock, deutscher Dichter, 1891: Théodore de Banville, französischer Dichter, 1962: Will Vesper, deutscher Schriftsteller, Anthologist und Hitlerverehrer, 1976: Martha Saalfeld, deutsche Lyrikerin, 1984: Hovhannes Schiraz, armenischer Dichter, 2013: Aramais Sahakyan, armenischer Dichter; am 15. März 1723: Johann Christian Günther, deutscher Dichter, 1870: Matthäus Friedrich Chemnitz, deutscher Dichter, 1937: H. P. Lovecraft, amerikanischer Schriftsteller, 1963: Mouloud Feraoun, algerischer Schriftsteller, 1970: Tarjei Vesaas, norwegischer Schriftsteller, 1989: Muhammad Jameel Didi, maledivischer Dichter und Politiker, 1996: Wolfgang Koeppen, deutscher Schriftsteller; am 16. März 1741: Jean-Baptiste Rousseau, französischer Schriftsteller, 1798: Aloys Blumauer, österreichischer Schriftsteller, 1862: Josef Christian Freiherr von Zedlitz und Nimmersatt, österreichischer Dichter, 1865: Aspazija, lettische Dichterin, 1874: Heinrich Schaumberger, deutscher Schriftsteller, 1898: Aubrey Beardsley, britischer Künstler und Dichter, 1902: Narcisse Quellien, bretonischer Dichter, 1921: Paul Boldt, deutscher Lyriker, 1945: Börries von Münchhausen, deutscher Dichter, 1962: Zenzl Mühsam, deutsche Anarchistin, 1968: Gunnar Ekelöf, schwedischer Dichter, 2000: Pavel Prudnikau, weißrussischer Dichter, 2012: Yoshimoto Takaaki, japanischer Lyriker, 2014: Yulisa Pat Amadu Maddy, sierraleonischer Schriftsteller, 2016: Alexander Esenin-Volpin (Jessenin-Wolpin), sowjetischer Dichter, Mathematiker und Dissident. Am 17. März 1680: François de La Rochefoucauld, französischer Aphoristiker, 1906: Konrad Beyer, deutscher Dichter und Literaturwissenschaftler, 1959: Galaktion Tabidse, georgischer Lyriker, 2000: Jack Davis, australischer Dramatiker und Lyriker
Lyrik im Spiegel? Wenigstens ein kleiner Skandal sollte dabei sein. Im Notfall auch, wenn er 2000 Jahre her ist. Vorteile der Zweisprachigkeit. Gebraucht wird eine Geschichte der österreichischen Literatur, die die zweisprachigen Slowenen, Ungarn, Tschechen berücksichtigt. Im 17. und 18. Jahrhundert waren viele Lissaboner Intellektuelle afrikanischen Ursprungs. Die Deutschen sollten als Chance begreifen, dass nun auch das Türkische eine deutsche Sprache geworden ist. Der ewige Problemall Nobelpreis, Peter Paul Zahl als Provokation, Benn als Liebhaber. Dies und viel mehr hier.
Prosagedicht / poème en prose. Eine Spurensuche mit drei Überraschungen
Von Michael Gratz
Vor Wikipedia benutzte man Lexika. Gero von Wilperts lange Zeit kanonisches Sachwörterbuch der Literatur (1. Ausgabe von 1955) kennt weder Gedicht in Prosa noch Prosagedicht oder Poème en prose. Ein kurzer Eintrag zu Prosarhythmus bezieht sich ausschließlich auf Prosa, die er dann Kunstprosa nennt. Da der Begrff (heute?) meist aus der französischen Literatur bekannt ist, schaue ich in Das kleine Lexikon der Weltliteratur von Hermann Pongs (1954). Leider vergeblich. Aber Baudelaire kennen die wenigstens? Ja. Viel über die „berühmten ‚Fleurs du Mal‘ (Blumen des Bösen), 1857, die das Böse verherrlichen wie das Gute; frei von Bindungen der Humanität, ‚Poésie absolue‘ über dem Abgrund des ‚Ennui‘, der Leere.“ Naja. Hätte so auch in der frühen DDR gesagt werden können. In den 50er Jahren waren sie gar nicht so weit auseinander… Am Schluß noch die knappe Nennung: “ ‚Poèmes en Prose‘, 1869, Zauber freier Prosa (Bertrand).“ Erst der sehr kurze Eintrag über Aloysius Bertrand sagt dann: „Der unscheinbare Begründer des französischen Prosagedichts. Vorläufer Baudelaires.“ Irgendwie interessant, aber für den Lexikographen auch wieder nicht.
Vierzig Jahre später im „Killy“ ist nichts besser, im Gegenteil. Nicht einmal Prosa und Prosarhythmus.
Otto F. Best: Handbuch litearischer Fachbegriffe (1972): Fehlanzeige, ebenso wie Friedrich/ Killy: Fischer Lexikon Literatur (1965) und Haremberg Literaturlexikon (1989/1997). Kein Thema für die deutsche Germanistik?
Erst im von Claus Träger herausgegebenen Wörterbuch der Literaturwissenschaft aus dem VEB Bibliographisches Institut Leipzig (1986) werde ich fündig:
Poème an prose [franz., Prosagedicht]: in der franz. Literatur Sammelbegriff für Formen, die zwischen künstler Prosa und dem regelmäßigen Vers stehen; meistens handelt es sich um Gebilde, die sich vor allem in bezug auf Rhythmus und Klang lyr. Ausdruck nähern. Gelegentlich wird auch – namentlich verallgemeinernd – wie in anderen Sprachen bzw. Literaturen ebenfalls (dt., russ. usw.) von „prose poétique“, von poet. oder lyr. Prosa gesprochen (↑ Prosa, ↑ Prosarhythmus). Im engeren Sinn bezeichnet es eine äußerlich prosahaft erscheinende Form, die inhaltlich wie gestalterisch (Rhythmus, Klang, versähnl. Struktur, Alliteration, Binnenreime usw.) durch poet./lyr. Elemente geprägt ist (NOVALIS, Hymnen an die Nacht, Fassg. 1800). In Frankreich entstand das P. im Zusammenhang mit den romant. Versuchen, sich von überkommener Regelhaftigkeit zu befreien und neue Möglichkeiten des künstler. Ausdrucks zu finden. Zu hoher Vollendung wurde es von Ch. BAUDELAIRE entwickelt; er verfaßte ab 1857 etwa 50 Prosagedichte, die nach seinem Tode unter dem Titel Petits Poèmes en Prose (1869) herausgegeben wurden. J. Papenbrock
Bertrand fehlt, aber zumindest ist die Form als Fakt der Weltliteratur und namentlich der französischen (bis hin zur französischen Originalform des Terminus) anerkannt.
Ich versuchs noch im Metzler Literaturlexikon, 2. überarb. Aufl. 1990:
Prosagedicht [nach frz. poème en prose], frz. literar. Gattung: lyr. Aussage in formal geschlossener, kunstvoll strukturierter und klangl.-rhythm. ausgestalteter Prosa, die den Eigenbewegungen einer dichter. Aussage adaequater und ungebrochener als metr. gebundene Formen Ausdruck verleihen soll ; oft in kurze Absätze (Lautréamont: »Gesänge«) gegliedert; steht zwischen ↗︎rhythm. Prosa und ↗︎freien Rhythmen (↗︎vers libre). Geschaffen von A. Bertrand (»Gaspard de la nuit«‚ 1826—36, hrsg. 1842) in Weiterentwicklung der romant. poet. Prosa etwa F.-R. de Chateaubriands und entsprechend der romant. Tendenz zur Vermischung und Entgrenzung der Gattungen; aufgegriffen von A. Rabbe und M. de Guérin (»Centaure«‚ 1835, »La bacchante«‚ 1836), jedoch erst durch die Bertrand-Rezeption Ch. Baudelaires (»Petits poèmes en prose«, 1869 posthum: 50 P.e) breiter bekannt; gepflegt u. a. auch von Lautréamont (»Les chants de Maldoror«, 1869), A. Rimbaud (»Les illuminations«, entstanden 1872, »Une saison en enfer«, 1873, z. T. P.e), F. Ponge oder Saint-John Perse, auch v. O. Wilde. Das P. blieb aber als Gattung nicht unumstritten (P. Verlaine, Th. de Banville). Für die dt. Literatur schlug U. Fülleborn (erstmals 1966) die Bez. vor für entsprechende Dichtungen seit der Vorromantik und Romantik, die z. T. als Prosahymnen, -idyllen, -elegien‚ Skizzen oder poet. Prosa bezeichnet worden waren (S. Geßner, Ch. M. Wieland, der junge Goethe, Jean Paul, A. v. Arnim), und die seit 1900 bis zur Gegenwart immer häufiger auftreten (F. Nietzsche, »Zarathustra«‚ Expressionisten, Dadaisten, Kafka, B. Brecht, E. Lasker-Schüler, G. Trakl, H. Heißenbüttel, P. Handke, Sarah Kirsch u.a.).
Frz. P. : Texte: Chapelan, M: Anthologie du poème en prose. Paris 1959.
Lit. : Bernard, S: Le poème en prose de Baudelaire jusqu’à nos jours. Paris 1959. — Rauhut, E: Das frz. P. Hamburg 1929.
Dt. P. : Texte: Fülleborn, U./Dencker, K. P. (Hrsg.): Dt. P.e des 20. Jh.s. Mchn. 1976. – Dies.: Dt. P.e vom 18.Jh. bis zur letzten Jh.wende. Mchn. 1985.
L: Simon, J.: The Prose Poem. New York 1987. — Fülleborn. U: Das dt. P. Zu Theorie u. Gesch. einer Gattung, Mchn. 1970.
Die beiden letzten retten die Ehre der Gattung Literaturlexikon. Wie steht es im Ausland? Das Penguin Dictionary of Literary Terms & Literary Theory von Cuddon (rev. Preston), 1. Aufl. 1977, 5. 1998 hat einen Eintrag prose poem und verweist auf Bertrand als „offenbar einer der ersten Schriftsteller, die es als kleinere Gattung (minor genre) etablierten. Bertrand habe Baudelaire und die Symbolisten und Surrealisten beeinflußt.
Und in Frankreich? Das Dictionnaire de la poésie française von Jacques Charpentreau (2006) schießt den Vogel ab mit mehr als 6 Seiten. Das poème en prose leite sich üblicherweise von Aloysius Bertrand (1842), Charles Baudelaire (1862) und Max Jacob (1917) her. Man könne auch auf Fénelon (1699), Parny (1787), Rabbe (1835), Guérin (1840) und andere verweisen. Folgen zahlreiche Beispiele und differenzierte Hinweise zur Geschichte und Poetik der Form. Eine schöne Formel: „Kürze. Intensität. Unmotiviertheit (gratuité).“ (Maurice Chapelan). Und der Hinweis auf unterschiedliche Meinungen: „Prosa ohne Rhythmus“ (Baudelaire). – „Rhythmisierte Prosa“ (Paul Fort). Im übrigen fehlen Autoren aus anderen Sprachgebieten praktisch ganz.
Ein zweites Lexikon: Dictionnaire de Poétique et de Rhétorique von Henri Morier (1. Aufl. 1961, 2. 1975). Hier gibt es einen langen Eintrag prose cadencée, prose poétique et poème en prose (Rhythmische Prosa, poetische Prosa und Prosagedicht). Erwähnt wird, daß rhythmische Prosa bereits Griechen und Römern bekannt war und daß man Rousseau als Erfinder der „musikalischen Prosa“ bezeichnet habe. Folgen zwei Abschnitte „Das große Prosagedicht“ und „Das kleine Prosagedicht“. Das große Gedicht in Prosa wird auf Fénelons Télémaque (1699) zurückgeführt, vollständig Die Abenteuer des Télémaque, ein aufklärerischer und didaktischer Roman, der die Geschichte der Odyssee weitererzählt. Fénelon selber spricht von „epischer Prosa“, das verweist auf den poetischen Ursprung der Epen und zugleich auf die Überlebtheit der Versdichtung in der Neuzeit. So gesehen entspricht die Prosaform dem aufklärerischen Impetus. Mit dem „kleinen Gedicht in Prosa“ bei Bertrand und Baudelaire hat das nicht viel zu tun, darauf zielt wohl das Stichwort Unmotiviertheit bei Chapelan.
Die Wurzeln des kleinen Prosagedichts werden in der Romantik gesehen. Um 1840 hätten drei Dichter, Alphonse Rabbe, Aloysius Bertrand und Maurice de Guérin, die Idee entwickelt. Die Idee habe in der Luft gelegen. Romantik und Prosagedicht hätten diese sechs Gemeinsamkeiten: 1. Sinn für Harmonie, 2. für Mischung der Gattungen, 3. die Menge oder Zahl (nombre), 4. für Bewegung, 5. Freiheit, 6. Idealisierung. Viele interessante Details folgen, bis in die Gegenwartsliteratur des 20. Jahrhunderts, zu Camara Laye, ein guineischer Autor, der eigentlich Laye Camara heißt, wenn ich der deutschsprachigen Wikipedia folge.
Auch in diesem Buch fehlen Verweise auf Autoren aus anderen Sprachen völlig (obwohl man bei Stichworten wie Romantik oder Mischung der Gattungen an die deutsche Romantik denken könnte, die ja tatsächlich via Madame de Staëls Deutschlandbuch die französischen Autoren beeinflußt hat.
Ich fasse das bisherige zusammen: das Prosagedicht scheint eine vorwiegend französische Gattung zu sein, deren Tradition auf Fénelon und im engeren Sinn auf Bertrand zurückgeht, die Bezeichnung poème en prose scheint Baudelaire eingeführt zu haben.
Erste Überraschung
Das ist etwa der common sense, also unbedingt hinterfragbar. Denn tatsächlich gibt es einen Eintrag Poème en prose bereits in der berühmten Encyclopédie von Diderot und d’Alembert. Im Dezember 1765 erschien Band 12 der Encyclopédie: Parlement – Potytric. Darin steht:
Poeme en prose, (Belles – Lettres.)
genre d’ouvrage où l’on retrouve la fiction & le style de la poésie, & qui par – là sont de vrais poëmes, à la mesure & à la rime près; c’est une invention fort heureuse. Nous avons obligation à la poésie en prose de quelques ouvrages remplis d’avantures vraissemblables, & merveilleuses à la fois, comme de préceptes sages & praticables en même temps, qui n’auroient peut – être jamais vû le jour, s’il eût fallu que les auteurs eussent assujetti leur génie à la rime & à la mesure. L’estimable auteur de Télémaque ne nous auroit jamais donné cet ouvrage enchanteur, s’il avoit dû l’écrire en vers; il est de beaux poëmes sans vers, comme de beaux tableaux sans le plus riche coloris. (D. J.)
Gedicht in Prosa,
eine Art von Werken, in denen sich die Erfindung und der Stil der Poesie wiederfindet und die als solche echte Gedichte sind, nur ohne Versmaß und Reim; das ist eine höchst glückliche Erfindung. Wir verdanken der Poesie in Prosa einige Werke voller zugleich wahrscheinlicher und wundersamer Abenteuer, ebenso weise wie brauchbare Beispiele, die vielleicht nie das Licht des Tages erblickt hätten, wären die Autoren verpflichtet gewesen, ihr Genie dem Reim und Versmaß zu unterwerfen. Der schätzenswerte Autor des Télémaque hätte uns niemals dieses bezaubernde Werk geschenkt, hätte er in Versen schreiben müssen; es gibt gute Gedichte ohne Verse so wie es Bilder gibt ohne reiche Farbigkeit.
Soweit so gut. Halten wir fest, die Bezeichnung poème en prose wurde nicht im 19. Jahrhundert von Baudelaire geprägt, sondern im 18. von den Aufklärern. Ja, sie beziehen sich auf Fénelon, den Autor des Télémaque. Aber ist ein didaktischer Roman in Prosa wirklich ein echtes Gedicht?
Zweite Überraschung
An dieser Stelle des Nachdenkens stieß ich auf die Tatsache, daß die Macher der Enzyklopädie nicht nur Fénelons Roman kannten, sondern tatsächlich kürzere poetische Stücke. Viele Jahre vor Goethes Werther gab es einen deutschsprachigen Autor, der in zahlreichen Ausgaben ins Französische, Englische, Italienische und Portugiesische übersetzt wurde. Seine Bücher waren in Prosa verfaßt, mit Bezeichnungen wie: Gedicht in fünf Gesängen. Idyllen. Ländliche Gedichte. Hirtengedichte. Poetischer Hirtenroman. Zwischen 1760 und 1840 ein europäischer Starautor. Der berühmte Mann hieß Salomon Geßner, ein Schweizer, der heute im französischen, englischen und auch im deutschen Sprachraum weitgehend vergessen ist. (Die Überraschung für mich war nicht, daß Geßner Prosagedichte schrieb, die kannte ich; sondern daß die Enzyklopädisten ihn kannten). „Geßner – ein Vergeßner“, reimte Ulrich Berkes, Herausgeber einer Auswahl von Idyllen bei Reclam Leipzig (1980). Das Kind Mozart spielte in seinem Haus, Goethe machte einen Anstandsbesuch. Vielleicht weiß man heute am ehesten noch, daß er der Gründer der Zürcher Zeitung war (1780), aus der später die Neue Zürcher Zeitung wurde. Hier eine unvollständige Aufstellung von Übersetzungen in europäische Sprachen.
La mort d’Abel,: poëme, en cinq chants
Published 1760 by J.H. Schneider
Idylles et Poëmes champêtres de M. Gessner
traduit de l’allemand par M. Huber
Published 1762 by J. M. Bruyset in Lyon
Rural poems
Translated from the original German, of M. Gesner.
by Salomon Gessner
Published 1762. Printed for T. Becket, and P.A. de Hondt in London
Select poems from M. Gessner’s Pastorals
By the versifier of Anningait and Ajutt.
Published 1762 by printed for the author, and sold by J. Newbury in London
Rural poems
Translated from the original German, of M. Gessner.
by Salomon Gessner
Published 1763. Printed for Peter Wilson in Dublin
Daphnis
a poetical, pastoral novel. Translated from the German of Mr. Gessner, the celebrated author of the Death of Abel. By an English gentleman, … To which is prefixed, a prefatory discourse on the origin and use of pastoral poetry.
Published 1768 by sold by J. Dodsley, T. Cadell, W. Owen, G. Kearsley, J. Wilkie, and W. Nicoll, and W. Davenhill in London
Contes moraux et nouvelles idylles
de Diderot et Salomon Gessner.
Published 1773 in Zuric .
Vol. 2 has title: Œuvres de Salomon Gessner, traduits de l’allemand.
Illustrations and plates by Gessner.
„Contes moraux“ by Diderot (v.1, p. [1]-58) comprise „Les deux amis de Bourbonne“ and „Entretien d’un pere avec ses enfans.“
Pastoraes: Traduzidas em Portuguez
Published 1778 by Na officina que foi de A. Alvares Ribeiro
Oeuvres complettes de Gessner.
Published 1780 by Cazin in Paris
I nuovi idillj di Gessner
in versi italiani, con una lettera del medesimo sul dipingere di paesetti.
Traduzione del P. Francesco Soave.
Published 1792 by Nella stamperia di G. Storti in Venezia .
Oeuvres de Salomon Gessner.
Published 1795 by chez Dufarc in Paris
Œuvres completes de M. Gessner.
Published 1796 by Chez Patris … Gilbert … in Paris
Translated by M. Huber. Cf. t.p., v. 2 and 3.
Idyls, or pastoral poems; to which is annexed, a letter to M. Fuessli, on landscape painting. Translated from the German of Solomon Gessner, …
Published 1798 by printed for W. Mudie, and Arch. Constable. And John Murdoch, Glasgow in Edinburgh
Œuvres de Salomon Gessner …
Published 1799 by Chez A.-A. Renouard in Paris. 4 Bd.
The works of Solomon Gessner
from the German. With some account of his life and writings.
Published 1802 by T. Cadell, junr. and W. Davies in London .
Table of Contents
1. Preface by the translator. The death of Abel. Letter on landscape painting.
2. Idylls. Miscellanies. the first navigator.
3. Daphnis. Evander Alcimna. Erastus. The deluge. The wish.
Select idylls
or, Pastoral poems.
by Salomon Gessner
Published 1809. Printed for Longman, Hurst, Rees and Orme, by W. Savage in London .
Oeuvres complètes.
Nouv. éd.
by Salomon Gessner
Published 1812 by L. Duprat-Duverger in Paris
Il maestro di miniatura a guazzo ed all‘ acquerello
opera dedicata alle dame, con quattordici figure
Published 1822 by P. e G. Vallardi in Milano
Œuvres completes de Gessner …
Published 1836 by Decourchant in Paris
Manche der Prosagedichte sind verhüllend in englische Blankverse übersetzt oder in artige französische Verse. Zu fremdartig schienen diese Texte den Übersetzern, als daß man sie formgetreu übersetzen könnte. Der Übersetzer der Rural Poems gibt ein Beispiel. Übersetzer X übersetzt in jetzt beliebte, sagt der Kritiker Y, „prosaische Verse“ oder „poetische Prosa“ etwa so:
The sprightly lark, mounting aloft, hails with her chearful note the new-born day
Während das Original schlicht so lautet:
Wie froh singet die kleine Lerche in der hohen Luft!
Erklärend fügt Y hinzu, daß der bombastische Ton der „Übersetzung“ vermutlich daher rühre, daß der Übersetzung nicht das Original, sondern eine französische Übersetzung zugrundelag. Und doch traut sich auch der kritische Übersetzer nicht, die Gedichte in ebenso konzise und einfache Prosa zu übersetzen. Wenn er die Prosa ganz in „geschmeidiger fließende Verse“ übersetzte, wäre es dem Ohr des englischen Lesers wohl annehmbarer, aber es bliebe wenig Ähnlichkeit mit dem Original; aber wenn er eine exaktere Übersetzung in Prosa fertigte, würde er wahrscheinlich nicht nur den Dichter, sondern auch den Leser verlieren: wörtlich „keine Hoffnung, einen einzigen Leser zu gewinnen“. Also wählt er einen Mittelweg und übersetzt teils in Prosa, teils in mit Assonanzen gespickte Blankverse. Das zweite Gedicht der Idyllen etwa, Milon, besteht bei ihm aus zwei Seiten Blankversen und einem Schlußabsatz von neun Zeilen Prosa. Bei anderen ist der Prosaanteil etwas höher. Immerhin bekommt der Leser einen wenn auch abgemilderten Eindruck vom Original. Seine Übersetzung aber mögen die beurteilen, so der Übersetzer abschließend, die in beiden Sprachen gleich kompetent seien und einen Sinn für deutsche wie für englische Poesie haben.
Das Vorwort der ersten französischen Ausgabe der Idyllen von 1762 sagt, die italienischen und französischen Idyllendichter scheinen zu glauben, daß Schäfer nur über Liebe reden. Geßner sei vielleicht der erste, der die Schäfer als wirkliche Menschen mit allen dazugehörigen Bedürfnissen und Leidenschaften schildere. Nichts Menschliches sei ihnen fremd, sie seien arm, sie würden alt, und beides mache sie umso interessanter. Es würde ihn nicht wundern, wenn man ihn in Frankreich dafür tadeln würde, daß er zu sehr ins Detail ginge. In den Augen der Deutschen seien diese Details gerade sein Verdienst. Voltaire habe in seinem Essay über epische Dichtung geschrieben, daß von allen polierten Nationen die Franzosen am wenigsten poetisch seien. Er, der Übersetzer, wolle nicht entscheiden, was der Grund dafür sei und ob die Deutschen sensibler oder die Franzosen vernünftiger seien. Die Übersetzung ist jedenfalls durchweg in Prosa.
Die Wirkung Geßners auf die französischen Dichter war ungeheuer. Anscheinend war sein Name und Ruhm zu Baudelaires Zeit vergessen; aber Baudelaires Anreger und namentlich Aloysius Bertrand kannten ihn gut. Dann geriet er in Vergessenheit.
Wieso Geßner nicht in dem Enzyklopädieartikel erwähnt wird, kann ich nicht erklären. Zu spekulieren wäre, daß zwar Diderot, wie nachweisbar, Geßner kannte und schätzte und möglicherweise deshalb einen Artikel über den Terminus wünschte; aber er schrieb nicht alle Artikel selber. Louis de Jaucourt übernimmt den Artikel, aber offensichtlich kann er wenig damit anfangen. Ihm fällt nur der fast 70 Jahre frühere Fénelon mit seinem Télémaque ein. Aber stimmt das auch?
Dritte Überraschung
Beim Nachdenken über diese Frage machte ich einen erstaunlichen Fund. Jaucourts Enzyklopädieartikel über das Poème en prose von 1765 ist ein hundertprozentiges Plagiat… aus einer 30 Jahre älteren Schrift. 1733 veröffentlichte Jean-Baptiste Dubos Réflexions critiques sur la poésie et la peinture (édition de Paris : P.-J. Mariette). Darin findet sich der komplette Text des vermeintlichen Enzyklopädieartikels. Jaucourt fügt buchstäblich kein einziges Wort hinzu, sondern streicht nur Teile aus. (Tatsächlich werden wenige Verbindungswörter bzw. -buchstaben und zwei Superlative eingefügt). In der folgenden Strichfassung lasse ich nur den Encyclopédie-Text stehen, von Jaucourt hinzugefügte Wörter rot in eckigen Klammern:
des estampes et des poëmes en prose.
je comparerois volontiers les estampes, où l’on retrouve tout le tableau, à l’exception du coloris, aux romans en prose, [genre d’ouvrage] où l’on retrouve la fiction et le stile de la poësie. Ils [et qui par-là] sont des [vrai] poëmes à la mesure et à la rime près. [c’est une] L’invention des estampes et celle des poëmes en prose, sont également [fort] heureuses. Les estampes multiplient à l’infini les tableaux des grands maîtres. Elles mettent à portée d’en joüir, ceux que la distance des lieux condamnoit à ne les voir jamais. On voit de Paris par le secours d’une estampe, les plus grandes beautez que Raphaël ait peintes sur les murs du vatican. Un particulier peut même mettre dans son cabinet, tout l’esprit et toute la poësie qui sont dans des chef-d’ œuvres, dont les beautez sembloient reservées pour les cabinets des princes, ou de ceux qui se sont rendus aussi riches qu’eux en maniant leurs finances. De même nous avons l’obligation à la poësie en prose, de quelques ouvrages remplis d’avantures vrai-semblables et merveilleuses à la fois, comme de préceptes sages et praticables en même-temps, qui n’auroient peut-être jamais vû le jour, s’il eut fallu que les auteurs eussent assujetti leur génie à la rime et à la mesure. Les [estimable] auteurs de la princesse De Cleves et de Telemaque, ne nous auroient peut être donné jamais ces[t] ouvrages, [enchanteur] s’ils avoient dû les écrire en vers. Il est de beaux poëmes sans vers, comme il est de beaux vers sans poësie, et [comme] de beaux tableaux sans un [le plus] riche coloris. Qu’on ne dise point que c’est la partie du coloris qui constituë le peintre, et qu’on n’est peintre qu’autant qu’on sçait colorier. C’est alléguer pour preuve une question que je crois même devoir demeurer sans décision. Expliquons-nous.
Ein Fall für WikiPlag! – 1733 war Geßner gerade einmal 3 Jahre alt und der empfindsame Stil, der bei Rousseau und Diderot einschlug, war noch nicht erfunden. Der findige Enzyklopädist nimmt ein älteres, fern verwandtes Phänomen und … läßt darüber schreiben. Ob das der Grund ist, warum der Enzyklopädieartikel über das Poème en prose nirgends erwähnt wird?
Über Geßner, Bertrand, Baudelaire und die Gattung Prosagedicht ein andermal.
Zum Nachlesen:
Leseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
27
HOw can I then returne in happy plight That am debard the benifit of rest? When daies oppression is not eazd by night, But day by night and night by day oprest. And each (though enimes to ethers raigne) Doe in consent shake hands to torture me, The one by toyle, the other to complaine How far I toyle, still farther off from thee. I tell the Day to please him thou art bright, And do'st him grace when clouds doe blot the heauen: So flatter I the swart complexiond night, When sparkling stars twire not thou guil’st th’ eauen. But day doth daily draw my sorrowes longer, And night doth nightly make greefes length seeme stronger
Einige Anmerkungen zum Text:
Deutsche Fassung von Otto Gildemeister:
Wie soll ich denn wohl wieder fröhlich werden, Da mir des Ruhens Wohltat bleibt verwehrt, Da nie die Nacht wegnimmt das Tags Beschwerden, Da Nacht den Tag und Tag die Nacht beschwert? Die beiden, die doch sonst sich nie vertragen, Schütteln die Hand sich zur Tortur an mir, Der Tag mit Wandern und die nacht mit Klagen, Wie fern ich wandre, ferner stets von dir. Dem Tage schmeichl’ ich vor, wie deine Pracht Ihn schmücke, wann Gewölk am Himmel dunkle; So schmeichl’ ich auch der schwarzwangigen Nacht, Du seist ihr Kleinod, wann kein Sternchen funkle; Doch täglich macht der Tag mein Leiden länger, Nächtlich die Nacht die bange Trauer bänger.
Quellen
Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,
seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In der heutigen Ausgabe: Charles Reznikoff, Fréderic Forte, Richard Duraj, Dirk Uwe Hansen, Monika Rinck, Hedonistische Internationale, Shakespeare und manches andere. Lesen!
Die Themen in dieser Ausgabe
Richard Duraj
passage aus ‚im anflug auf oneirograd‘
[…] kameras filmen. häuserwinkel, himmelblau. regelrecht glasiert im gebet in der kapelle zwischen dorf und dörfern (aller art). immer braut, nie jungfer, gesetzt den fall. auf knopfdruck die pflegekräfte. wo rinder, so große glocken. sind teil eines konvois zum geleit, für diesen pass und die täler dahinter, alpen, allgäu aus dem kataster, -volut, revoltierende zeiger der uhr, denn noch ist jahreszeit: hinterm gebimmel, im hohen gras bei einem bach die querfelder, ein pfad hindurch, steter ausbau der infrastruktur im ausgetretenen. vertreter jeweiliger branchen könnten und dürften, es liegen aber recht eng und krumm bach und pfad, auch beieinander, schüchtern, nach oben hin hoffen, auf dass ich ins wasser steige. gebrochener knochen, ins rollen geratene steine. ein ende der pause wird eingeläutet. schüler wie andere, die sich auf dem hof nach ihrer angenommenen bildung gegenseitig raufen, eine impulsion von allem frei. der übergriff der armhand um einen hals zu boden zieht. wer damit dann angefangen und zuerst. eine warnung als trigger, die antworten darauf auch per weisung, eine milch im gelernten fluss. selfies im ensemble; wir bemühen uns, sie beim namen zu nennen, mit anderen worten im nachhinein nämlich, bis, ja bis sie ziehen an haar von der haut ab, greifen die haut auf, wo keine wäre, wenn, legen frei, puhlten an fasern. erfasstes, es ist als ob im spiel. sie schenken ein saftkonzentrat in ausgespülte becher sich nichts, eine art versanden an ufern im lauf, hecheln, berühren. sie ranzen, in den gebärdeten kreis einer mitte zurück, eine reihe sticker mit botschaft die gereichte sammlung, laben sich am von lauge umhüllten teig und alkolat, schokoladenlikör, lakritze, angeleckt, sie in schlichtem licht an den kanten der schülerkunst, die jahrgänge arrangierten und körper in raten zur stunde öffnen können, sie wie sportlerinnen am ziel nun ruhen. die faxen dick, weil juvenil, zur transmission erzittert halb belangen einer vermittlung, und hast du nicht gesehen, im rasengrund versunken nicht maßstäblich gezeichnet, wo sich spinnen ins netz geht. nächste charge. scheibenwischer von links nach rechts nach links und von mir aus nach rechts abgebogen am früheren sexkino, dem landläufigen, lenker, schlenker, leben, wie sie nicht geführt werden, kavaliere zum aus-weichen allenthalben. von transportern werden dafür waren entladen. wegen eines nach hinten verschobenen endes, als sie im bus sitzen. sich erzählen, was es zu berichten gibt. hörbares hupen. und warten. in kabinen unterdruck, cherubische mutanten. vor ihnen ein gesicht gleich nazcas linien aus ihrer nähe, die gräulich oder bräunlich melierten klippen am nächsten tage vielleicht, zünftiges, das angerichtet, augen, die sich müde nicht öffnen. aus vorsorge um eine dose die hand, die dich im schlaf umfasst, wenn die gastgeber anderweitig und so fort am eigenen fabrikat zum beispiel. er sich servierte. konfliktfrei ein windspiel zu hören, gezwitsch, ein daumen übers display gleitet. zu neunzig grad gefalteter raum, jenseitlich kartenhäuser, stadtstraßen, satter das bleiche, das knopflöchern nach themen geordnet wie die reihe nationalmuseen hernach, demselben trödel tand, kunter-farben, eingeschlossener umtausch, die gefilde unter lustverdacht, der werte. jedem wüstling folgt ein frevelein, steht, dazu der tanz, von fängen eingefangen, schmiere, auch damit. notiz genommen, als röter die ampeln, sodann gelesen, einem verantwortlichen mit eigenem innenleben überreicht. dieser nickte. folgerichtig seine vorläufer wie alle anderen schrecken auch sogleich mit einer verklärung in posturen stracks einverstanden, also, und nach einer skizze wie wirksam erneuert, auf befehl fortlaufend. so den pläsierten ermüden sie krank, wenn liderlich, einem bange. ungewollte gewächse am spalier, anbei natur, die nistet, naturbelassen, die hälse streckt, sich jemand kümmert. auch dann bezeichnend keime, die man nicht los wird. von einer telefonzelle aus anrufungen, dass man sich umsieht. im port von rubacava liegen angelegt hingegen sonstig skelettierte yachten, von einem feuerwerk zum gefeierten wiederholt erhellt, weiter schoner, flügel aufsteigender flieger als kontrast, getränke aus dünnem eis auf spesen, witwer, bald die witwen über die stege zu, auch jeweils, eigenen kähnen, die gedrungen angelegt. es wurde abend. ein angestellter im automatenrestaurant gerade an den schwarzen weißen tasten, die einzeln einschnappenden schlösser, schnappschüsse, die sie ins netz stellen. am ende einer letzten zimmerflucht singende kanarien, vom alten schönen lieben arretiert. aber wer hier geburtstag hatte gestern nacht und sich angenehm unterhielt, ist weitergezogen, dass ich sagen muss, ich, der ich, im gleichen atemzug, wasser zu wasser ließ, gleichwie trompeten herausposaunten mit dem begreifen eines sechzehnjährigen, das lemarchands würfel zu lösen versucht. wie ein nationales pärchen auf wanderschaft durchs viertel zur nächsten sause. treffen, taxidermal camoufliert dem karnalen haut durch einen anstrich uhrzeit, glänzt im lämpchenschein, was nicht ermattet, gemäß den erfahrungen substanzieller altbau drunter, den stätten entlang angeordneter straßen, da penis oder vagina, die warzen am rechten fleck ein bedürfnis dem vernehmen nach, zum genuss am genital-bereich die steigung einer steigerung in verschlossen elterlichen schlafzimmern nicht negativ, ein riecher, eine decke dazu ausgebreitet, ausdauerjagd, zur verwirklichung vom ich losgelöst. besetzung einer nicht unromantischen komödie, so niedliches verhalten als solches deklariert, motiviert die hüften in schwung, kadaver eine oberfläche, arme wie beine sich entfalten; den unterschied macht die entropie: noch gala statt galgen, oder fordern statt fordern. monumente, überzählige einkaufszentren, die die gegend aufwerten und deren böden gäblich poliert werden im angrauen, die scheiben gereinigt vom dienst, der sich um den auftrag einer wartung bemühte, bei pausen sorten kaffee aus isolierkannen über ihre behältnisse in andere, zäh, dass sich ein bizeps wölbte, vor dem hotel metropol totgeholt eine brechstange am parkett, was da drunter anklopfte, vor den auffanglagern für regierungstreue. ihnen eigen eingefplanzt die transistoren, die klüger und schneller und wahrhaft machen, eine berührung ihrer hände an meiner wange weich und warm, wenn sie sich um mich kümmern, um mein zerbrechendes, die nahen lippen küssen, aufs prinzipbild von gewalten dabei zeigen, vor aufflatterndem geflügel mit seinen einzelheiten, versunken im morast dem ungelauschten, auch nur bei ihrer gartenarbeit faul, unverdauende, bessere hauttypen, eine ahnung von ahnen, gräuel verdecken mit laub und reisig, in einbäume sie steigen und unterdrückt von eigenen instinkten driften, schieben ganze fruchtstücke mit der zunge, die substanzgemische zur aufbewahrung. bis ins schlick, an dem wir halten bei reptilien. ein stratojet bricht die schallmauer durch. es rettet sich, wer kann. etablierte raumaufteilung auf den parkbänken den eingewiesenen. wohin sich zu setzen und schwellenländlich grasen mit seinem kleinen anteil an der besucherzahl, wenn wieder in sicherheit. zum fest auf empfehlung die horn- und ein einzelpaar paradeochsen, schön ausgeschmückt getrieben. es verlangt die sonnenmilch ein sich zum ende hin verjüngender lägeriger körper. lichteinfall, hohe absorptionsraten. strahlen der killersatelliten schneiden schneisen zumindest zum schutze des zivilen, wie ich weiß, und umläufig ins gelände. in dubio waldbrand, übernommen native symbole. dem geböte sich einhalt. schweißbad. mit, somit durch die initiierung nächster einstelliger instanzen aufgewacht, im pyjama, nonverbal, umrundete morgenstunden bei royaler färbung. bei gedanken, auf die ich nicht gekommen bin. viskoses in der kälte, das verbrennt. das horn in pulverform unterm stößel, ins wasser gemischt. aus der retorte tropfen. einige zauberworte. noch müssen wir warten gleich einer kahlo bei liebsten beschäftigungen auf den anruf, der uns im austausch einen übergabeort verrät. wer bin ich, dass ich abnehme. mitgeteiltes, ich nenne es sicherlich eine dem menschlichen alltag zugewandte kampfschau, oder maßnahme bei -gabe, chicsal, instagrammatisch, queue in händen. hatte ich hier schon mal was vorbereitet, vorgestellt voll, scheuselig, nahe im kommerziellen aroma der düfte im foyer, die olle karaffe aus ruinen, aus der man sich gestärkt, mit einem hinweis auf den menschenschlag, beugten arme oberkörper über tische. der ganze unflat aus oneirograd hoch sich schwemmt, überspielt, woraufs basiert, die erinnerungen. kleine, kleinere und größere, so nichts nachkommt, übernehmen alle qualitäten. das treibt die bösen zungen mir mit bösren aus, freilichkeit und solcherlei. wusste nicht nichts damit anzufangen, was man vergaß, sich zu notieren, und vergaß. scheiteln einer pracht. zum aufflauen den lodenmantel indikativ enger um mich band, aus dem filmstudio schritt, in dem sie inszenierten, ab zum nebenausgang raus, ins zimmer. erkanntes log, und bloße schlupflider transparent. bekömmliches. vor dem verfasser nicht dieser, jedoch anderer zeilen eine reisegruppe rentnerinnen auf freiem fuß […]
Eine Kolumne von Dirk Uwe Hansen
Ich muss einen Text nicht lieben, um ihn zu übersetzen, aber ich muss ihn respektieren, sonst geht die Sache garantiert schief. Allerdings darf der Respekt nie so groß werden, dass er in Angst umschlägt, denn zu übersetzende Texte sind wie Hunde: Sie können Angst riechen — und dann geht die Sache erst recht schief.
Soweit ist alles klar, aber trotzdem gibt es sicher für jedeN ÜbersetzerIn so etwas wie Angstgegner, und meine kommen hauptsächlich aus dem Bereich „Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten“. Das ist natürlich nicht die Sorte Angst, die vor Rezensenten zittern macht — als gelernter Altphilologe kenne ich die rabies philologorum, die Philologentollwut …
Hier gehts zum kompletten Text
Der biennal vergebene Ernst-Jandl-Preis für Lyrik geht heuer an die deutsche Dichterin, Essayistin und Übersetzerin Monika Rinck. Das gab Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Mittwoch bekannt. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis wird am 1. Juli im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage (30. Juni bis 2. Juli) im steirischen Neuberg an der Mürz vergeben. Drozda würdigte Monika Rinck in der Aussendung als „Meisterin des poetischen Denkens“. „Mit Monika Rincks ganz und gar eigensinnigen und unverwechselbaren Sprachschöpfungen kann man seine Geistesgegenwart trainieren, seinen Blick auf die Gegenwart schärfen und gegen die eigenen Gewohnheiten andenken, also auf höchst amüsante und vergnügliche Weise klüger werden.“ Die Jury* bezeichnete Rincks Werk als „eine große Versuchsanordnung in Sachen Gegenwart“. / Mehr
*) Friederike Mayröcker, Alfred Kolleritsch, Klaus Reichert, Paul Jandl und Thomas Poiss
Jonas Mekas: Where is poetry in your life?
Jim Jarmusch: It’s important to me. I read a lot of poetry. I studied with Kenneth Koch and David Shapiro at the New York School, and I’ve been guided by poets all my life. When I was a teenager in Akron I first discovered the 19th century French poets in translation – Baudelaire, Rimbaud and Verlaine. Parts of my life William Blake has been my guide. I wish someday when I’m gone, someone will consider me a descendant of the New York School of poets, they’ve been my guides because of the sense of humour, the kind of exuberance, you know, of Frank O’Hara –
JM: Yes, Frank O’Hara and Kenneth Koch. They have a humour but there’s also something very real and down to earth. Koch still has to be recognised properly.
JJ: Joe Brainard I love also very much, and Ron Padgett. Ron Padgett wrote the poems for our new film. The character is a poet. / More
Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.
Interesting that the Portuguese and Spanish are called conquerors in South America, and the English and French in North America are called settlers. / Klaus J. Gerken
S.K.: aus den kommentarspalten: „Is this the common sense conference I have been hearing about?“
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Aufruf der Sektion H.i.G.H. (Hedonisten inna Greifswalder Hochschule)
Die Initiative „Ernst Moritz Arndt bleibt“, die sich für den Fortbestand des würdelosen Namenspatronats an der Greifswalder Universität einsetzt, plant für den kommenden Samstag ein weiteres ihrer wutbürgerlichen Protestevents: Auf dem Greifswalder Marktplatz möchte man laut Ankündigung u.a. 2000 Luftballons zu Ehren des Rassisten und Antisemiten Arndt in den Himmel steigen lassen. Wir, die Sektion H.i.G.H., rufen dazu auf, diese Aktion zu sabotieren!
Wir fordern ein Ende der Kundgebungen, die zum Ziel haben, einen Wegbereiter der biologistisch begründeten Judenfeindschaft zurück auf den Ehrensockel einer Universität zu hieven. Wir verurteilen die jüngsten Huldigungen Arndts, die in ihren Formen Anleihen nehmen bei humanistischen und pazifistischen Protestbewegungen. Rosen niederlegen, Menschenkette, Luftballons steigen lassen. Was kommt als nächstes? Ein Sternmarsch? Weiße Tauben? David Hasselhoff auf ’ner Hebebühne? / blog.17vier
Der Dichter Tom Schulz, 1970 in der Oberlausitz geboren, hat ein aufmerksames Ohr für die Unter- und Zwischentöne, die er zum Klingen bringt und denen er mit grosser Gelassenheit, fast Heiterkeit, ihre Dissonanzen und Wider-Sprüche entlockt – und darin ihren eminent politischen Gehalt offenbart. Deshalb auch ist sein poetisches Ich sich seiner Aufspaltung ins vielstimmige poetische „Wir“ bewusst und nicht nur unbedacht hingesagt. / Andreas Kohm, Literatur und Kunst
Tom Schulz
Die Verlegung der Stolpersteine
Gedichte
Hanser Berlin 2017
128 Seiten, € 18.
geht weiter mit Sonett #27:
WEary with toyle, I hast me to my bed,
Deutsch von Stefan George:
Wenn müd der müh ich auf mein lager eile
Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen
In Frankreich findet vom 4.-19. März zum 19. Mal der Printemps des Poètes (Frühling der Dichter) statt. Thema in diesem Jahr: Afrique(s). – Noch bis zum 5: März: StAnza 2017, Scotland’s International Poetry Festival. Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt. Der 6. März ist seit 2012 der Europäische Tag der Gerechten, gewidmet denen, die ihre moralische Verantwortung im Kampf gegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Totalitarismus wahrnahmen. 7. März: 7.-18.3. lit.Cologne. Am 7. März 1987 töten taiwanesische Soldaten im Lieyumassaker 19 unbewaffnete vietnamesische Flüchtlinge (Boat people). Am 8. März 1782 beim „Gnadenhütten-Massaker“ (Gnadenhutten, Ohio) erschlagen amerikanische Soldaten 96 christliche Indianer, die zwischen die Fronten des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges geraten sind. Der 8. März ist seit 1926 Internationaler Frauentag. Am 8. März 1010 vollendete der persische Dichter Firdusi sein Schahnameh (Buch der Könige). 10. März ist Gedenktag für den Aufstand in Tibet 1959.
Geburtstage haben am 4. März 1643: Franz Christoph Frankopan, kroatischer Lyriker, 1743: Salomone Fiorentino, italienisch-jüdischer Dichter, 1798: Sigurður Breiðfjörð, isländischer Dichter, 1819: Georg Zetter, Pseudonym: Friedrich Otte, elsässischer Dichter, 1862: Norman Gale, englischer Lyriker, 1869: Eugénio de Castro e Almeida, portugiesischer Dichter, 1870: Thomas Sturge Moore, englischer Schriftsteller, 1873: Oskar Wiener, deutsch-tschechoslowakischer Schriftsteller, 1876: Léon-Paul Fargue, französischer Dichter, 1879: Josip Murn, slowenischer Lyriker, 1894: František Kubka, tschechischer Schriftsteller, 1901: Jean-Joseph Rabearivelo, madagassischer Dichter, 1927: Jacques Dupin, französischer Dichter, 1935: Edward Dębicki, ukrainisch-polnischer Dichter und Musiker, Roma, 1938: F. W. Bernstein, eigentlich Fritz Weigle, deutscher Lyriker, Grafiker und Satiriker, 1938: Kito Lorenc, sorbisch-deutscher Lyriker, 1949: Wolodymyr Mychailowytsch Iwasjuk, ukrainischer Musiker und Dichter, 1954: Irina Borissowna Ratuschinskaja, russische Dissidentin, Dichterin; am 5. März 1703: Wassili Trediakowski, russischer Dichter, 1800: Georg Friedrich Daumer, Lyriker und Übersetzer (Hafis), von Brahms vertont, Erzieher von Kaspar Hauser, 1807: Karl August Timotheus Kahlert, schlesischer Dichter und Literaturhistoriker, 1871: Rosa Luxemburg, polnisch-deutsche Revolutionärin, 1888: Ramón Otero Pedrayo, spanisch-galicischer Schriftsteller, 1888: Friedrich Schnack, deutscher Dichter, 1895: Franz Richard Behrens, deutscher Expressionist, 1895: Fritz Usinger, deutscher Schriftsteller, 1901: Julian Przyboś, polnischer Dichter, 1922: Pier Paolo Pasolini, italienischer Filmregisseur und Dichter; am 6. März 1475: Michelangelo, italienischer Künstler und Dichter, 1495: Luigi Alamanni, italienischer Dichter, 1619: Cyrano de Bergerac, französischer Schriftsteller, 1663: Francis Atterbury, englischer Dichter, 1755: Jean-Pierre Claris de Florian, französischer Dichter, 1781: Ignaz Franz Castelli, österreichischer Dichter, 1806: Elizabeth Barrett Browning, britische Dichterin, 1839: Olegario Víctor Andrade, argentinischer Dichter, 1841: Viktor Burenin, russischer Schriftsteller, 1909: Stanislaw Jerzy Lec, polnischer Aphoristiker, 1929: Günter Kunert, deutscher Schriftsteller; am 7. März 1601: Johann Michael Moscherosch, Barockschriftsteller, 1715: Ewald Christian von Kleist, deutscher Dichter, 1785: Alessandro Manzoni, italienischer Schriftsteller, 1799: František Ladislav Čelakovský, tschechischer Dichter, 1802: Ludwig Halirsch, österreichischer Dichter, 1864: Wilhelm Arent, deutscher Dichter, 1866: Paul Ernst, deutscher Schriftsteller, 1907: Manuel del Cabral, dominikanischer Schriftsteller („poesía negra“), 1909: Léo Malet, französischer Krimischriftsteller und Dichter, 1936: Georges Perec, französischer Schriftsteller, Oulipot, 1944: Jürgen Theobaldy, deutscher Schriftsteller, 1967: Muhsin al-Ramli, irakischer Dichter, Übersetzer aus dem Spanischen; am 8. März 1607: Johann Rist, deutscher Dichter, 1650: Hans von Assig, deutscher Dichter, 1830: João de Deus, portugiesischer Dichter, 1892: Juana de Ibarbourou, uruguayischer Dichter, 1916: Robert Wolfgang Schnell, Berliner Schriftsteller, 1917: Leslie Fiedler, amerikanischer Literaturwissenschaftler, 1921: József Romhányi, ungarischer Lyriker, 1921: Sahir Ludhianvi, indischer Dichter, 1922: Heinar Kipphardt, deutscher Schriftsteller, 1923: Walter Jens, deutscher Literaturwissenschaftler und Schriftsteller, 1931: Neil Postman, amerikanischer Theoretiker, am 9. März 1814: Taras Schewtschenko, ukrainischer Nationaldichter, 1856: Hermann Iseke, Eichsfelder Dichter, 1859: Peter Altenberg, österreichischer Schriftsteller, 1879: Agnes Miegel, deutsche Balladendichterin, begeisterte Anhängerin des Nationalsozialismus, 1883: Umberto Saba, italienischer Dichter, 1892: Josef Weinheber, österreichischer Lyriker, 1947: Keri Hulme, neuseeländische Dichterin, 1974: Marte Huke, norwegische Lyrikerin; am 10. März 1538: Gregor Bersman, lateinischer Dichter aus Sachsen, 1749: Lorenzo da Ponte, italienischer Dichter und Librettist (Hochzeit des Figaro, Don Giovanni, Cosi fan tutte), 1772: Friedrich Schlegel, deutscher Schriftsteller und Kritiker, 1788: Joseph von Eichendorff, deutscher Dichter, 1810: Samuel Ferguson, irischer Dichter, 1854: Arnošt Muka, sorbischer Schriftsteller, 1861: E. Pauline Johnson, kanadische Lyrikerin, 1886: Karl Bröger, deutscher Arbeiterdichter, 1920: Boris Vian, französischer Schriftsteller, 1923: Zdenka Bergrová, tschechische Dichterin, 1925: Manolis Anagnostakis, griechischer Dichter, 1933: Elizabeth Azcona Cranwell, argentinische Dichterin, 1936: Alfredo Zitarrosa, uruguayischer Sänger und Dichter, 1937: Dieter Schneider, DDR-Schlagertextdichter (Ich geh vom Nordpol zum Südpol zu Fuß), 1967: Omer Tarin, englischsprachiger pakistanischer Dichter
Todestage am 4. März 1872: Johannes Carsten Hauch, dänischer Dichter und Physiker, 1872: Johann Friedrich Raeder, deutscher Kaufmann und Kirchenlieddichter, 1916: Franz Marc („Als der Blaue Reiter war gefallen“), 1963: William Carlos Williams, amerikanischer Schriftsteller („No idea but in things“), 1970: Rodolfo Moleiro, venezolanischer Lyriker, 1977: Anatol E. Baconsky, rumänischer Dichter, 2000: Jón úr Vör, eigentlich Jón Jónsson, isländischer Dichter, 2002: Margarete Neumann, DDR-Schriftstellerin, 2009: Carl Guesmer, deutscher Lyriker, 2014: Mark Freidkin, russischer Dichter, Sänger, Übersetzer; am 5. März 1926: Otto Ernst, deutscher Dichter, 1944: Max Jacob, französischer Dichter, 1953: Josef Stalin, Generalissimus, „Verdienter Mörder des Volkes (Brecht), 1962: Wendelin Überzwerch, Schüttelreimer, 1966: Anna Achmatowa, russische Dichterin, 2014: Leopoldo María Panero, spanischer Dichter, am 6. März 1888: Louisa May Alcott, amerikanische Schriftstellerin, 1912: Heinrich Kämpchen, Arbeiterdichter, am 7. März 322 v. Chr.: Aristoteles, 1553: Wolfgang Dachstein, deutscher Organist und Kirchenlieddichter, 1833: Rahel Varnhagen von Ense, deutsche Schriftstellerin, 1913: E. Pauline Johnson, kanadische Lyrikerin, 1922: Carl Ludwig Schleich, Arzt und Schriftsteller aus Pommern, 1934: Ernst Enno, estnischer Dichter, 1945: Adolf Bartels, völkischer und antisemitischer Schriftsteller und Literaturhistoriker, 1957: Wyndham Lewis, britischer Schriftsteller und Maler, Mitbegründer des Vortizismus, 1975: Michail Bachtin, sowjetrussischer Literaturwissenschaftler, 2014: Ned O’Gorman, amerikanischer Dichter, am 8. März 1841: Christoph August Tiedge, deutscher Dichter („Urania“), 1876: Louise Colet, französische Dichterin, 1890: Hermann Conradi, deutscher Schriftsteller, 1897: Friedrich Emil Rittershaus, deutscher Dichter, 1941: Sherwood Anderson, amerikanischer Schriftsteller, 1986: Hubert Fichte, deutscher Schriftsteller, am 9. März 1589: Paul Dolscius (Dölsch), deutscher Mediziner und Dichter, 1825: Anna Laetitia Barbauld, britische Dichterin, 1831: Friedrich Maximilian Klinger, deutscher Dichter, 1892: Vita Sackville-West, englische Schriftstellerin, 1902: Hermann Allmers, norddeutscher Heimatdichter, 1918: Frank Wedekind, deutscher Schriftsteller, 1947: Jhaverchand Meghani, indischer Dichter (Gujarati), 1994: Charles Bukowski, amerikanischer Schriftsteller; am 10. März 1510: Johann Geiler von Kaysersberg, deutscher Prediger und Schriftsteller, 1819: Friedrich Heinrich Jacobi, deutscher Schriftsteller, 1861: Taras Schewtschenko, ukrainischer Dichter und Maler, 1897: Savitribai Phule, indische Dichterin, 1930: Misuzu Kaneko, japanische Dichterin, 1948: Zelda Fitzgerald, amerikanische Autorin und Tänzerin, 1966: Frank O’Connor, irischer Schriftsteller, 1977: Friedrich Schnack, deutscher Dichter
Neu im L&Poe-Regal:
Viel Lob und ein wenig Kritik auch im März 2002. Peter Geist lobt Grünbein und Drawert. Michael Braun lobt Beyer. Alban Nicolai Herbst lobt Filips. Leipziger Volkszeitung lobt Kuhligk. Neue Zürcher lobt Ilma Rakusa. Wolf Biermann lobt Moses Rosenkranz aus Czernowicz. Kraus spottet über Hofmannsthal. Mosebach kritisiert Schlaffer. Außerdem New Nigerian Poetry, „Getürkte“ Lyrik und viel mehr hier.
in der Nacht sehnlich den Schlaf erwartet – nichts gemerkt, als er dann kam
Norbert Wehrs Schreibheft ist seit Jahrzehnten verläßliche Informationsquelle in Sachen Weltliteratur. Poetische Kontinente, die es einfach nicht auf Deutsch gäbe. Auch die neue Ausgabe so voll, daß ich wohl zwei Wochen brauche, um alles recht zu bedenken. Immerhin danke ich es dem sog. „Ruhestand“, daß ich so einen Brocken sofort lesen kann. Das waren zwei aufregende Lesetage!
Nummer 88 beginnt mit „Minutenopern“, einem Werk des französischen Dichters Fréderic Forte, mit dem er zum Mitglied der Gruppe Oulipo (Ouvroir de Littérature Potentielle – „Werkstatt für Potentielle Literatur“) wurde. Dagmara Kraus hat sie ins Deutsche geschmuggelt. Beim Schreibheft muß man auch die Anmerkungen über die Autoren mitlesen. Dagmara Kraus über Forte:
Wünschte Lichtenberg sich in seinen Sudelbüchern noch, „einen Finder zu erfinden für alle Dinge“, hat Fréderic Forte mit seinen Opéras-minute (2005) einen ebensolchen Finder erfunden: wenngleich nicht für „alle Dinge“, so doch für ein ganzes Konzeptbuch von (Bild-)Gedichten, die sich aus einer einzigen, fundamentalen Textproduktionsregel bzw. „contrainte“ generieren, der Titel gebenden „Minutenoper“.
Seit Erscheinen des Bandes Mitglied bei Oulipo, umreißt Forte seinen „Finder“ in einem ereignispartiturhaften Kurztext wie folgt: „Auf einem Blatt einen einfachen vertikalen Strich von der Länge 7,62 cm ziehen, der ‚Szene‘ und ‚Kulissen‘ trennt. Sich dazu zwingen, durch das konstante Spiel von Variationen das Potential des so definierten typographischen Raums in 110 Minutenopern zu erforschen. In der zweiten Hälfte des Buches 55 verschiedene feste poetische Formen (etwa Haiku, Quintine, Lai, Algol-Gedicht oder perfektes Rondeau) ‚als Minutenopern fixieren‘.“
Die wesentlich musikalische Idee der Minutenoper bestimmt mithin durchgängig Gestaltung und lnhalt des Buches. Die Kapiteltitel ausgenommen, spielt sich die poetische Handlung auf jeder Seite in verschiedenen, manchmal osmotischen Konstellationen links und rechts des linearen Vorhangs ab. Zu der strengen Zweiteilung kommt hier und da noch ein kleiner Handlungraum hinzu, ein im etymologischen Sinn obszönes Moment des Textes, ein Off, eine Art Orchestergraben in Miniatur. Unter den contraintes, die sich innerhalb einer Minutenoper umsetzen lassen, finden sich zahlreiche oulipotische Glanzstücke verschiedener Autorschaft wie die Grangaudsche Anagrammsestine (poteau) [(Pfeiler)], die zugleich eine der größten übersetzerischen Herausforderungen des Bandes darstellt.
(Der Strich ist im Heft fast 1 Zentimeter länger, was vielleicht daran liegt, daß der deutsche Text immer etwas länger wird als das Original).
Folgt ein Dossier zu Wolfgang Welt: Die Pannschüppe. Roman. Fragment mit Beiträgen von Peter Handke, Frank Witzel und Hermann Lenz. Wolfgang Welt lebte von 1952 bis 2016. Zuletzt arbeitete er als Nachtportier im Schauspielhaus Bochum. Peter Handke gerät ins Schwärmen: „Ausdruck meines Staunens über das, was er mit seinen Sekunden-, Zehntel- und Hundertstelsekundensätzen im Lauf seines oft mehr als schwierigen Lebens geschafft und geschaffen hat (…) Ich lese, habe gelesen und werde lesen Bücher von Wolfgang Welt als eine grundandere Art von Geschichtsschreibung (…) wie eben ich, der Leser, mit ihm, seinen Sekunden, seinen Bruchteilsekundensätzen mitstreune, mitirre, mithasple, mitstolpere, mittapere (…)“. Mini-Leseprobe aus dem Fragment:
Erstaunlicherweise hatten mein Bruder und seine Kumpels einen Buddy Holly- und keinen Beatles-Club gegründet. Die hörten sie zwar auf BFN oder auf Radio Luxemburg, aber sie waren nicht so begeistert wie von dem toten Texaner, von dessen Ableben sie erst überzeugt waren, als auch sie mit den B-Jugend nach Holland reisten und von den Einheimischen erfuhren, daß Buddy Holly tatsächlich ’59 mit dem Flugzeug abgestürzt war. Erst als dem Mummu die 37 Singles, die er von dem Peggy Sue-Sänger hatte, geklaut wurden, löste sich der Verein auf und die Jungs orientierten sich mehr nach Liverpool.
Drei weitere Dossiers folgen. Norbert Lange hat das erste zusammengestellt zu dem amerikanischen Dichter Charles Reznikoff (1894-1976). Abgedruckt wird eine Probe aus dem 500 Seiten langen Gedicht Testimony / Zeugnis. Die Vereinigten Staaten (1885-1915). Rezitativ mit Übersetzungen von Tobias Amslinger, Hannes Becker, Michael Duszat, Rainer G. Schmidt und Claudia Sinnig. Der Titel deutet schon an, daß es sich um eine „objektive“ Lyrik handelt – Objektivismus heißt eine Strömung in der amerikanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts. In meinem Anglistikstudium an der Universität Rostock kamen die objektivistischen Dichter wie Louis Zukofsky oder George Oppen nicht vor, allenfalls William Carlos Williams als einer der Anreger und vor allem Edgar Lee Masters (1869-1950) mit seiner Spoon River Anthology, von der in der DDR 1966 eine Lizenzausgabe erschienen war (Die Toten von Spoon River). Masters zeichnet das Porträt der amerikanischen Provinz anhand von Grabgedichten, wie dies:
Amanda Barker
Henry hat mir ein Kind gezeugt
Und wußte dabei, daß ich Leben nicht geben könnte,
Ohne meins zu verlieren.
So trat ich jung in die Tore des Staubs.
Wandrer, sie glauben im Dorf, wo ich lebte,
Gattenliebe sei es bei Henry gewesen,
Aber ich ruf aus dem Staube dir zu,
Daß er mich tötete, weil er mich haßte.
(Übersetzt von Wolfgang Martin Schede).
HENRY got me with child,
Knowing that I could not bring forth life
Without losing my own.
In my youth therefore I entered the portals of dust.
Traveler, it is believed in the village where I lived
That Henry loved me with a husband’s love,
But I proclaim from the dust
That he slew me to gratify his hatred.
Reznikoffs Großgedicht hat vieles mit Masters gemein, Masters war zweifellos eine Anregung, ebenso wie Carl Sandburg, aber beide waren keine „Objektivisten“. Masters wie Sandburg wollten ein „Porträt“ der Vereinigten Staaten geben, aber beide liefern eine Moral mit, ob bürgerlich-sentimental oder „progressiv“-propagandistisch. Reznikoffs „Porträt“ der USA 1885-1915 ist aus Zeugenaussagen vor amerikanischen Gerichten komponiert. Nur die Namen der Personen und Orte seien verändert, sagt der Autor. (Michael Duszat vergleicht in einem Aufsatz an einem Beispiel Gedicht und Aktenlage).
Hier ein Beispiel aus Reznikoffs Gedicht:
DER SÜDEN / Auszug
HÄUSLICHE SZENEN
1
Es war fast hell, da brachte sie das Kind zur Welt,
sie lag auf der Steppdecke,
die er für sie gefaltet hatte.
Er hob das Kind auf seinen linken Arm
und trug es aus dem Zimmer,
und sie hörte ein platschendes Geräusch.
Als er wiederkam,
fragte sie nach dem Kind.
Er sagte: „Da draußen — im Wasser.“
Er schürte das Feuer
und kam mit einer Ladung Holz
und kam mit dem Kind
und legte das tote Kind ins Feuer.
Sie sagte: „Oh John, bitte nicht!“
Er blieb stumm,
aber wandte sich zu ihr um und lächelte.
(Deutsch von Tobias Amslinger)
Die Zeugenaussagen berichten, was geschehen ist, gesagt und gehört wurde, ohne Vermutungen und Schlußfolgerungen. Roubaud spricht von radikalem Objektivismus. Reznikoff erklärt sein Verfahren im Vergleich mit einer Zeugenaussage vor Gericht. Da könne man nicht sagen: dieser Mensch war fahrlässig, sondern müsse schildern, wie er gehandelt hat. Die Geschworenen im Gericht, die Leser des Gedichts sind es, die Schlußfolgerungen ziehen.
Masters und Sandburg waren ziemlich erfolgreich weit über den kleinen Kreis der Lyrikleser hinaus. Sandburgs Gedichte werden heute spottbillig in Chicagoer Souvenirläden feilgeboten. Anders mit Reznikoff. Er druckte fast alle seine Bücher selber auf einer Druckerpresse im Keller und verkaufte sich schlecht. Obwohl sein „Zeugnis“ alles andere als schwer verständlich ist. Eliot Weinberger nennt Testimony „das am wenigsten faßbare Langgedicht der Moderne“. Unfaßbar! Die meisten Kritiken seien „furchtbar“ gewesen, schreibt Weinberger. Er „belästige und verstöre“, die Gedichte seien „schmutzig und schmerzhaft“, und selbst C.P. Snow, damals und auch in meinem Rostocker Studium ein berühmter Gesellschaftskritiker, der ein Vorwort zum ersten „sichtbaren“ Gedichtband beisteuerte, das war 1962!, meinte, das Werk habe, „soweit ein Goy das beurteilen kann“ (ach ja, vergaß ich zu erwähnen, der Autor war also Jude), „Beiklänge außergewöhnlicher Fremdheit“. Zu groß war der Abstand zu den herrschenden Vorstellungen von Schönheit und Poesie, gleich ob bei Lesern, Literatur- oder Sozial-Kritikern. Weinberger urteilt: „Die größte Nähe zu Testimony – dem gewiß kein amerikanisches Gedicht im Entferntesten ähnelt – mögen in der Literatur merkwürdigerweise die isländischen Sagas haben, die Reznikoff liebte: Szenen des schieren menschlichen Dramas, in der schmucklosesten Weise geschildert“.
Auf Roubauds Aussagen über den Vers bei Reznikoff werde ich in der nächste Folge in Verbindung mit dem Dossier zu drei französischen Dichtern eingehen.
Absolute Leseempfehlung!
(Michael Gratz)
Schreibheft 88, Februar 2017. 200 Seiten, € 13,00
(Hansens Flaschenpost)
Von Dirk Uwe Hansen (Greifswald)
Ich muss einen Text nicht lieben, um ihn zu übersetzen, aber ich muss ihn respektieren, sonst geht die Sache garantiert schief. Allerdings darf der Respekt nie so groß werden, dass er in Angst umschlägt, denn zu übersetzende Texte sind wie Hunde: Sie können Angst riechen — und dann geht die Sache erst recht schief.
Soweit ist alles klar, aber trotzdem gibt es sicher für jedeN ÜbersetzerIn so etwas wie Angstgegner, und meine kommen hauptsächlich aus dem Bereich „Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten“. Das ist natürlich nicht die Sorte Angst, die vor Rezensenten zittern macht — als gelernter Altphilologe kenne ich die rabies philologorum, die Philologentollwut (nein, das ist keine sprichwörtliche Redensart sondern eine Diagnose) zu gut, um mich bange machen zu lassen. Fehler zu machen schreckt mich also nicht, auch wenn Sprichwörter eine reichlich fließende Fehlerquelle sind, und mir der Kater, den man bekommt, wenn man eine Nacht lang versucht hat, in eulenspiegelscher Manier Ärmel an ein Wams zu werfen, wohl vertraut ist. Aber dagegen sind genug Kräuter gewachsen. Für das Neugriechische habe ich ja stets Muttersprachler an der Seite, und im Altgriechischen gibt es wohl kaum ein Wort, das in den letzten Jahrhunderten nicht schon zwei- oder dreimal umgedreht worden wäre, und das Umdrehen in umfangreichen Kommentaren und Lexika dokumentiert, für den Fall, dass sich eine Wendung nicht aus dem Stegreif übersetzen lässt; aus dem Steg-Reif, dem Steigbügel also ohne dafür extra vom Pferd abzusteigen. Und wenn nicht, dann kann man damit auch leben; wenn etwa in einem Fragment aus einer Komödie Menanders gesagt wird: „Das Schwein ist im Gebirge, wie man so sagt…”, dann könnte hier ein Sprichwort gemeint sein: Der Jäger prahlt schon mit seiner Beute, aber das Schwein ist noch lebendig und im Gebirge. Sicher ist das nicht, denn dieses Sprichwort lässt sich erst für das mittelalterliche Sizilien nachweisen. Also sollte auch der Übersetzer die Haut des Bären nicht vorzeitig zu Markte tragen und das Schwein eben in den Bergen lassen.
Angst habe ich vielmehr davor, den Lesern meiner Übersetzung ein Vergnügen vorenthalten zu müssen, das ich als Leser des Originals empfunden habe, und – vielleicht noch schlimmer – sie bevormunden zu müssen, als dürfte man ihnen die Spannung, die aus der Möglichkeit entsteht, den Blick zwischen der mehr oder weniger banalen Bedeutung und der vielschichtigen Formulierung eines Sprichwortes wandern zu lassen, nicht zumuten; als dürften sie nicht selbst entscheiden, ob sie „aus dem Stegreif“ nur als „schnell und einfach“ verstehen, oder ob sie Steigbügel und schnellen Ritt vor Augen und das Schnauben der Pferde im Ohr haben wollen (oder ist der Stegreif schon in tausend schalen Mündern so rundgelutscht, dass wir die heimliche Botschaft so wenig hören wie der Esel die Lyra, sozusagen?).
Ich fühle mich dabei oft wie ein Maler, der versucht, ein Aquarell mit Acrylfarben zu kopieren: Wo im Original durch die obere Farbschicht der übertragenen immer noch die untere Schicht der wörtlichen Bedeutung hindurchleuchtet, muss ich mit dem tumben Spachtel die eine unter der anderen begraben und es bleibt nur eine entweder eindeutig langweilige oder eine fremdartig unverständliche Schicht sichtbar.
Τὼ βόε μοι· σῖτον δὲ τετεύχατον, ἵλαθι, Δηοῖ,
δέχνυσο δ‘ ἐκ μάζης, οὐκ ἀπὸ βουκολίων·
δὸς δὲ βόε ζώειν ἐτύμω καὶ πλῆσον ἀρούρας
δράγματος, ὀλβίστην ἀντιδιδοῦσα χάριν.
σῷ γὰρ ἀρουροπόνῳ Φιλαλήθεϊ τέτρατος ἤδη
κτάδος ἑνδεκάτης ἐστὶ φίλος λυκάβας,
οὐδέποτ‘ ἀμήσαντι Κορινθικόν, οὔ ποτε πικρᾶς
τῆς ἀφιλοσταχύου γευσαμένῳ πενίης.
Wieder ein Genrestückchen aus der Anthologia Graeca (6,40), diesmal zum Thema „Lob der Bescheidenheit” von Makedonios Hypatos. Ein alter Bauer opfert der Demeter zwei aus Brotteig geformte Stiere, weil sein Vermögen für ein größeres Opfer nicht ausreicht.
Zwei Rinder; die haben mir mein Brot verschafft; sei gnädig, Deo,
nimm sie aus Teig geformt an, nicht wie sie aus dem Stall kommen.
Lass die Rinder am Leben, die echten, und fülle mein Land
mit Getreide; so erweist du mir die größte Gegengunst.
Denn dein Pflüger Philalethes lebt schon das vierte
Jahr seiner neunten Dekade,
hat nie korinthische Ernte eingebracht, hat aber auch nie
die bittere, ährenhassende Armut gekostet.
Das Problem ist die „korinthische Ernte”. Korinthisch steht im Griechischen sprichwörtlich für eine besonders reiche Ernte. Das lässt sich im Lexikon nachschlagen. Ich kann also den Farbtupfer, der ja zugleich neben diesem schlichten Bauern und seinem schlichten Opfer das prächtige Korinth dem Leser vor Augen bringt, im Text stehen lassen und in den Fußnoten erklären. Oder ich spachtele eben die aus dem Lexikon entnommene Bedeutung in der Übersetzung darüber („…hat nie besonders reiche Ernte eingebracht…”) und aus ist es mit der schönen Assoziation. Aber man kann ja mit Acrylfarben zwar nicht in Schichten malen, mischen kann man sie aber doch: „…hat nie gelebt wie Gott in Frankreich, hat aber auch nie die Armut kosten müssen.” Natürlich ist eine solche Übersetzung in die Gegenwartsprache verführerisch, macht den Übersetzer ein bisschen stolz und ja, Korinths Image in der Antike (luxuriös, kultiviert und ein bisschen frivol) spiegelt sich sehr schön im Image, das Frankreich in dieser Wendung anhaftet. Oder doch nicht? Hintergehe ich nicht den Leser der Übersetzung, wenn ich ihm den Eindruck vermittle, ein antiker Dichter habe so gesprochen und gedacht wie einer des 19. oder 20. Jahrhunderts? Es ist ein Elend; und ich habe, bevor ich mich für die erste Lösung entschieden habe, bestimmt einen ganzen Nachmittag mit Tupfen, Spachteln, Mischen und wieder abkratzen der Farbschichten verbracht.
Es kann aber auch passieren, dass ich in eine Falle tappe, in der ich mich so wohl fühle, dass ich sie gar nicht mehr verlassen mag. για ανέμους και για νερά (über Winde und Wasser) sagt man im neugriechischen sprichwörtlich für „über dieses und jenes sprechen”. Das wusste ich nicht nur nicht, die Wendung hat mir in dem Gedicht „Es ist untersagt” von Katerina Angelaki-Rooke so gut gefallen, dass ich in der Übersetzung auch dann nicht davon lassen wollte, als meine griechischsprachigen Freunde darauf hingewiesen haben. Der Farbtupfer allein hätte den Leser irregeführt, ihn zuzuspachteln habe ich nicht übers Herz gebracht, so wenig wie neu mischen (von Hölzchen auf Stöckchen kommen?) und am Ende haben wir beide Farbflächen einfach nebeneinander gesetzt.
Hier das ganze Gedicht in der Übersetzung von Jorgos Kartakis und mir, im Anschluss das griechische Original:
Es ist untersagt
Komm nicht näher;
ich kenne diesen Gang in der Dunkelheit,
die sich genauso anschleicht.
Geh nicht auf Zehenspitzen,
denn ich stelle mir deine Fußnägel vor wie kleine Muscheln,
die leuchten an deinem ozeanischen Körper.
Sprich nicht; ich kenne diese Unterhaltung,
angeblich über Winde und Wasser, über dies und das,
in Wahrheit jedoch über die Wesen und wie sie sich fühlen,
wenn du sie berührst.
Denk nicht; ich kenne diese Gedanken,
angeblich an Gott,
der im Tempel deiner Brust wohnt,
in Wirklichkeit aber,
damit du mich fernhältst
von jeder fleischlichen Schlussfolgerung.
Atme nicht mehr;
du sagst mir, dass es nötig ist,
damit du leben kannst.
Ich glaube es nicht; du tust all das,
um mich in Versuchung zu führen,
um mich umzubringen.
Existiere nicht; es gibt kein „Warum“. Einfach so.
Komm nicht näher.
Απαγορευτικό
Μην πλησιάζεις΄
το ξέρω αυτό το βήμα μες στο σκοτάδι
που σιμώνει κι αυτό.
Μη νυχοπατάς΄
γιατί φαντάζομαι τα νύχια των ποδιών σου
να λάμπουν σαν αχηβαδάκια στην άκρη του ωκεάνιου σώματός σου.
Μη μιλάς΄ την ξέρω αυτή την κουβέντα
για ανέμους δήθεν και για νερά
στην ουσία όμως για όντα και πώς νιώθουν αυτά
όταν τ΄αγγίζεις.
Μη σκέφτεσαι΄ τις ξέρω αυτές τις σκέψεις
για το Θεό τάχα
που κατοικεί στο ναό του στήθους σου
στην πραγματικότητα όμως
για να με κρατάς
έξω από κάθε ζωικό συμπέρασμα.
Μην ανασαίνεις΄
πως είναι μου λες απαραίτητο για να ζεις.
Δεν τα πιστεύω εγώ αυτά΄
για να με δαιμονίσεις το κάνεις να με πεθάνεις.
Μην υπάρχεις΄ δεν έχει «γιατί». Γιατί έτσι.
Μην πλησιάζεις.
Diese Seite aus Wrocław/Breslau ist auf Polnisch geschrieben, aber auch wer von der Sprache nichts versteht, kann sie mit Gewinn ansehen. Sie bringt bei uns zu Unrecht kaum bekannte Beispiele konkreter Poesie von Stanisław Dróżdż (1939-2009) aus Wrocław, die man wegen der visuellen Komponente eben sehen kann, bevor man was versteht. Ich rücke hier einige Beispiele ein, bei denen ich die im Bild vorkommenden polnischen Wörter übersetze. Die meisten der ausgewählten Beispiele haben außer mit Wort und Bild auch mit Mathematik zu tun.






Hrsg. von Urs Engeler. 52 Seiten. Einzelheft 6 € (D)
Stephan Broser: Gedichte.
Nicolai Kobus: bildgebende verfahren. studien zur selbstwahrnehmung: Gedichte zu Bildern von Meret Oppenheim, Francis Bacon, Giorgi de Chirico, Andy Warhol u.a. Jedes Gedicht in einer anderen Form, z.B. reimlos, Strophenformen Zwei-, Drei-, Vier, Fünf- u. Mehrzeiler, Terzine usw. Das Gedicht zu Hogarth beginnt mit „eigentlich sollte das hier ein sonett / werden aber mir ist gerade so jazzy / ums gemüt improvisieren das gebot“. Das Gedicht zu einem Selbstbildnis von de Chirico endet so:
(…) und diese frage: was ich lieben
werde wenn den letzten schatten schräg
ich an den lichteinfall gelehnt die schiefe
ebene so träg ins bild gezogen haben werde:
scheiß latein und scheiß zentrale perspektive
Die dazugehörigen Bilder sind nicht mit abgedruckt, aber exakt bezeichnet. Man kann sie aus dem Text imaginieren oder ggf. danach googeln.
S.T. Coleridge: This Lime-Tree Bower My Prison (as published in Sibylline Leaves, 1817) im Original und der Übersetzung von Florian Bissig.
Joseph Joubert (1754-1824), aus den Carnets. Auswahl und Übersetzung Martin Zingg mit einem Essay des Übersetzers. Die für mich bemerkenswerteste Entdeckung dieses wie jede Mütze an vergnüglicher und spannender Lektüre sowie Entdeckungen reichen Heftes. Maurice Blanchot nannte ihn „einen der ersten ganz modernen Schriftsteller (…), da er der Kreislinie das Zentrum vorzog, die Ergebnisse der Aufdeckung ihrer Bedingungen opferte, und nicht schrieb, um Buch an Buch zu reihen, sondern um die Herrschaft über jenen Punkt zu erlangen, aus dem, wie er meinte, alle Bücher hervorgehen und der ihn, hätte er ihn einmal gefunden, der Aufgabe entheben würde, welche zu schreiben.“ Er schrieb fast täglich, veröffentlichte aber kein einziges Buch. In Kenntnis der französischen Literatur würde man ihn für einen Aphoristiker halten und den Moralisten zurechnen, tatsächlich wurden seine postumen Veröffentlichungen lange „Pensées“, Gedanken genannt und in thematische Ordnungen gebracht seit dem ersten Auswahlband, der 1838 in einer Miniauflage von 50 Exemplaren erschien, herausgegeben von seinem Freund und Verehrer Chateaubriand. Aber es sind keine Aphorismen, es fehlt die „Prozedur des Pointierens“ und „jedes Rechthaben- und Verblüffenwollen“. Ich mußte beim Lesen an Wolfgang Koeppen denken, der, seit er Suhrkampautor wurde, kein einziges Buch mehr schrieb und über dessen Schreibunlust oder -unfähigkeit die Kritiker zu Lebzeiten und postum rätselten und orakelten. Von Schreibfaulheit war und ist oft die Rede, aber er schrieb und füllte tausende Seiten mit zumeist geschliffener Prosa, nur er „lieferte nicht“. Joubert schrieb mehrfach von seinem Widerwillen gegen „zu viele Bücher“, die große Zahl nehme ihm die Lust und töte das Vergnügen, und überhaupt sei er, wie Montaigne, „ungeeignet für den fortlaufenden Gedankengang“. Blanchot: „Er schrieb nie ein Buch, er traf lediglich Vorbereitungen, eins zu schreiben“. Erst 100 Jahre nach seinem Tod begann man seine Eigenart zu respektieren und nicht „Gedanken“ zu Themen herauszuziehen, sondern seine Hefte, Carnets, in chronologischer Folge zu edieren, 250 gebundene Notizbücher fanden sich im Nachlaß.
Ein paar Kostproben:
Manchmal ist das ungenaue Wort dem genauen vorzuziehen. Es gibt, nach einer Äußerung von Boileau, elegante Dunkelheiten; es gibt majestätische; es gibt sogar notwendige: das sind jene, die den Geist das imaginieren lassen, was ihn die Klarheit nicht sehen lassen könnte.
Geplagt vom verfluchten Ehrgeiz, immer ein ganzes Buch auf eine Seite zu bringen, jede Seite in einen Satz, und diesen in ein Wort.
Es müssen viele Stimmen zusammen in einer Stimme sein, damit sie schön ist. Und verschiedene Bedeutungen in einem Wort, damit es schön ist.
Dinge, die man weiß, wenn man nicht an sie denkt.
Robert Kelly: Gewissheiten. Die Maximen von Martin Traubenritter. Robert kelly: Interview Teil II. Hier zwei der Maximen:
2.
Dichter versuchen immer, Flüsse zu sein, formschön und seicht. Sed stattdessen Ozeane, weit und sehr tief. Und vergesst das Salz nicht.
14.
Wahrheit hängt davon ab.
Leseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.
25
LOrd of my loue, to whome in vassalage Thy merrit hath my dutie strongly knit; To thee I send this written ambassage To witnesse duty, not to shew my wit. Duty so great, which wit so poore as mine May make seeme bare, in wanting words to shew it; But that I hope some good conceipt of thine In thy soules thought (all naked) will bestow it: Til whatsoeuer star that guides my mouing, Points on me gratiously with faire aspect, And puts apparrell on my tottered louing, To show me worthy of their sweet respect, Then may I dare to boast how I doe loue thee, Til then, not show my head where thou maist proue me
Einige Anmerkungen zum Text:
Deutsche Fassung von Dorothea Tieck:
Herr meiner Liebe, dessen heil'ge Banden Mit königlicher Macht mein Herz umschlingen, Dir send' ich diesen schriftlichen Gesandten, Um treue Huldigung dir darzubringen. So große Pflicht kann zwar mein armer Geist Nicht, wie sich's ziemt, geschmückt dir übersenden; Doch deiner Seele Reichthum macht mich dreist. Du selbst wirst huldreich edlen Schmuck ihr spenden. Vielleicht strahlt bald herab mit holder Gunst Ein freundliches Gestirn auf meine Bahn, Das meine Liebe schmückt mit reicher Kunst, Daß ich kann würdig deinem Blicke nah'n. Dann darf ich kühn, wie ich dich liebe, sagen; Jetzt, wo du bist, nicht mich zu zeigen wagen.
Plessow übersetzt den Schlußreim so:
Dann wag ichs, wie ich liebe, stolz zu preisen; noch zeig ichs nicht –– aus Scheu, es zu erweisen.
Quellen
In der Ausgabe der Lyrikzeitung vom 17. gab es einen Bericht über meine fast zwei Begegnungen mit Hadayatullah Hübsch. Teil zwei: ein Gesprächsprotokoll.
Ein nicht geführtes Gespräch mit Hadayatullah Hübsch (Ex Libris – Fundstücke in meiner Bibliothek)
Anmerkung: Alle unter seinem Namen veröffentlichten Worte sind original Hadayatullah Hübsch aus verschiedenen Quellen, höchstens gelegentlich die Zeichensetzung leicht angepaßt und ein winziger Zusatz in eckiger Klammer.
G: Wir sprachen gestern über Rumi. Du meintest, es sei ein westliches Vorurteil, Dichter wie Hafis und Rumi hätten auch über Wein und irdische Freuden geschrieben…
Hübsch: „Trink, was in dem Glas ist“, sagt er und meint damit, dass der Rahmen, das Gefäß, zwar zu beachten, aber nicht über Gebühr zu bewerten sei, dass wir sehen, indem wir die Einheit des anderen …
G (unterbricht): Immer kommt einer der es besser weiß und und sagt was gemeint ist.
Hübsch (lächelt)
G: Was meinst du, war Rumi ein frommer Moslem?
H: Muslim…
G: meinetwegen Muslim, war er?
H: Es gibt keinen Zweifel daran …
G (will unterbrechen, aber H redet weiter)
H: … dass Rumi sich an alle 700 Gebote des Qurâns gehalten hat, dass es gerade dieser Gehorsam dem Gesetz gegenüber gewesen ist, der ihn im Innen und Außen, in Ekstase und Erklärung hat zum Meister werden lassen. Er meint ja eben auch nicht, dass er etwa kein Muslim mehr sei,
G: Na wenn du’s sagst, glaub ich’s mal…
H (einfach weiter): … wenn er bedeutet: „Was ist zu tun, o Moslem?
G (will einwenden)
H: … Ich kenne mich selbst nicht mehr. / Ich bin weder Christ noch Jude,/ weder Perser noch Moslem.“
G: Ah, und damit will er sagen…
H: Was er klar machen will, ist die Bedeutung von Muslim-Sein…
G: Alles klar.
H: Rumi in einem anderen Gedicht:
Es klopfte einer an des Freundes Tor
Wer bist du, sprach der Freund,
wer steht davor?
Er sagte: Ich; Sprach der:
so heb dich fort –
an diesem Tisch ist nicht der Rohen Ort!
Den Rohen kocht das Feuer
Trennungsleid –
Das ist’s, was ihn von Heuchelei befreit!
Der Arme ging auf Reisen für ein Jahr,
Im Trennungsfunken brannt er
ganz und gar.
Reif kam dann der Verbrannte
von der Reise,
Dass wieder er des Freundes Haus
umkreise.
Er klopft ans Tor mit hundertlei Acht,
Dass ihm entschlüpf‘ kein Wörtlein
unbedacht.
Es rief der Freund: Wer steht dort
vor dem Tor?
Er sagte: Du Geliebter, stehst davor!
Nun, da du ich bist, komm,
o Ich, herein –
zwei Ich schließt dieses enge Haus
nicht ein!
Das Haus ist hier sicherlich
G (höhnisch): sicherlich!
H (unbeirrt) … sicherlich zunächst die Kaaba,
G: Zunächst, das ist gut, gefällt mir echt!
H: das Gotteshaus in Mekka, während Mekka für die Erlebnissphäre, den Bewusstseinsrahmen des Reisenden steht.
Die Kaaba ist dabei die Brust des Menschen, die von den Götzen der Heuchelei zu befreien erste und wichtigste Aufgabe des Pilgers ist, nachdem er die Religion vor Allah, Islam, angenommen hat.
Der Stein in der Kaaba ist das Herz des Menschen. Der Geliebte ist das Herz des Freundes. In ihm vereinigt sich der Liebende zu sich, indem er die Geheimnisse und Schmerzen der Liebe zu ihm auf sich nimmt.
G: Sag ich ja, alles ist was andres als es ist, hinter allem steht was Essentielleres, alles steht immer für etwas andres, immer ein Bildchen im andern endlos, nichts darf auch mal selbst sein. Gab es keinen körperlichen Rausch, keinen Sex?
H: Dass er in diesem Bereich der Offenbarung lebt, unterscheidet ihn von den anderen seiner Umgebung. So ist er weder den Elementen verhaftet, noch den Oberflächen, sondern in dem ekstatischen Sein der „Trunkenheit und Lustbarkeit“. Diese Symbole haben nichts zu tun mit jenen Ausschweifungen, die der „Rohen Ort“ sind.
G: Schade eigentlich.
H (erfreut über die Anteilnahme): So werden auch ungewöhnliche Vergleiche von dem islamischen Mystiker in der Reinheit des hinter den Reizen stehenden Erfahrens benutzt, und nicht etwa als Zustandsbeschreibung oder Mitteilung über akute Erlebnisse bloß körperlicher Art. Die Dimension des Zungengenusses wird aufgehoben und durch den Seelengenuss ersetzt. Dabei hat jedes Nahrungsmittel seinen symbolischen, spirituellen Wert und seine moralische Entsprechung, was uns auch einen Grund dafür eröffnet, dass das ‚schweinische Schwein’ als Nahrungsmittel abgelehnt wird und der körperliche Weinrausch als grober und verwirrender Reiz zudem.
G: Da frag ich mich, wie der Wein als Symbol für so erhabene Seelenwerte taugt, wenn man ihn gar nicht kennt. Aber gut, morgen mehr über Rumi und Hafis. Von dem gibts wunderbare Schenkengedichte und Liebesgedichte! – Eigentlich wollten wir über Politik sprechen, über Dschihad.
H: In den westlichen Medien wird dieses quranische Wort „Dschihad“ meist mit „Heiliger Krieg“ übersetzt,
G: Sagen das nicht auch Islamisten ähnlich?
H: … und unwissende, törichte Leute, die aus Ländern stammen, in denen es eine islamische Tradition gibt, haben
G: Lesen die denn westliche Medien?
H: … haben mit ihrem Unverständnis des Qurans diesen „Heiligen Krieg“ zu Terrorismus pervertiert. Ich versichere [dir], daß es im gesamten Quran keinen einzigen Vers, noch einen Hinweis dafür gibt, daß aggressive Gewalt ein Prinzip der Politik sein kann.
G: Und was ist mit Steinigungen von Ehebrechern, Haftstrafen und Auspeitschungen für Leute, Moslems, die „vom Glauben abfallen“ (komischer Ausdruck, als wär der Glauben ein Pflaumenbaum im Herbst)? Was mit Mord an westlichen Karikaturisten und Übersetzern?
H: Weder steht auf Gotteslästerung, noch auf Beleidigung des Propheten Muhammed, Frieden und Segen Allahs seien auf ihm, noch auf Ehebruch die Todesstrafe.“
G: Dein Wort in Gottes Gehörgang, sagt man bei uns.
(sage ich und schäme mich sofort, weil ich vergessen habe, daß er auch einer „von uns“ ist, ein Konvertierter, wie sein Verlag sagt.)
H (lächelt)
G: Aber sag, wie meinst du das mit Büchner, du hast gestern so was angedeutet?
H: Georg Büchner, der, wie kaum ein anderer seiner Zeit, visionär vorausahnte, soll 1837, als er im Schweizer Exil im Sterben lag, der Überlieferung gemäß gesagt haben: „O Deutschland, wenn ich etwas für dich wünschen könnte, dann eine neue Religon.“
G: Ach, wenn das nicht sein frömmlerisches Weib erfunden hatte, weil sie Angst vor Gottes und der Obrigkeit Strafe hatte. Wahrscheinlich hat die doch auch sein letztes Stück deshalb vernichtet?
H (unbeirrt): Für ihn hatte, nimmt man das ihm zugeschriebene letzte Wort ernst, seine Lebensleistung – revolutionäre Umtriebe nach dem Motto: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“ …
G: ja, bekannt …
H: … hatte seine Lebensleistung nur in dem einen Sinn und Bestand, was man in der Epoche der sozialen und technischen Veränderungen am wenigsten gern hörte: Nämlich der Sehnsucht nach einem Lebensweg, der Gott und Welt vereint. Religion, das, was Büchner herbeiflehen wollte …
G: Komm, jetzt überziehst du aber. Erst sagst du korrekt, „der Überlieferung gemäß“ soll, SOLL er das gesagt haben, und zwei Halbsätze behandelst du das als Gewißheit und baust deine Schlußfolgerung drauf, als wär sie Büchners. – Sag mal, hast du was zum Trinken da?
H (lächelt jetzt nachsichtig, und weist mit dem Handrücken nach dem Küchentisch. Ah, er hat sich gemerkt, was mein Lieblingsbier war.)
Wir sprachen nachher noch von Hitler, Büchner, Allah und Deutschland. Als mein Bier aus war, verabredeten wir uns auf morgen. Diesmal wollten wir bestimmt über Literatur sprechen, über seine literarische Karriere vor und nach der Konversion oder, wie er immer sagte, den drei Wundern, die ihn gerettet hätten. Auch über seine Erfahrungen mit Performance und Social Beat. Und über islamische Mystik! Aber diesmal ohne Öffentlichkeit, „bring dein Aufnahmegerät gar nicht erst mit“, ja, darin waren wir uns einig.
Benutzte Literatur von Hadayatullah Hübsch:
Hier kann man mehrere Broschüren, Faltblätter und Bücher von Hadayatullah Hübsch kaufen und zum Teil sich kostenlos schicken lassen oder als Pdf herunterladen.
Für Oper und Ballett geben die Städte des Ruhrgebiets pro Jahr über 150 Millionen Euro aus. Für das Sprech-Theater über 50 Millionen. Und für die institutionelle Förderung der Literatur den vergleichsweise läppischen Betrag von rund 100.000 Euro. Da sind zum einen die seit anderthalb Jahrzehnten nicht erhöhten 50.000 Euro, die der Regionalverband Ruhr (RVR) der Literatur zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen Breckerfeld und Xanten pro Jahr zukommen lässt. 5000 Euro davon gehen an das Literaturbüro in Unna und 45.000 an das mit zwei „vollzeitnahen Teilzeitstellen“ ausgestattete Gladbecker Literaturbüro Ruhr, das davon vor allem den alljährlich verliehenen Literaturpreis Ruhr organisiert. Der ist mit 10.000 Euro für den Hauptpreis und 2555 Euro für zwei Förderpreise dotiert. Und da sind zum anderen die 44.800 Euro pro Jahr, die von der Stadt Dortmund an das dortige Literaturhaus überwiesen werden.
Den wesentlichen Beitrag zur Pflege von Dichtung und Wahrheit, Lyrik und Prosa in der selbsternannten 5-Millionen-Metropole Ruhr aber leisten nach wie vor private Initiativen und Vereine. Von denen gibt es zwar mehr als in den meisten deutschen Großstädten – aber ihre Wahrnehmung reicht selten über die Grenze einer Stadt hinaus. / Jens Dirksen, WAZ
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