Kategorie: Europa

Vor Gericht

Johann Wolfgang Goethe Kein Opfer, keine elende, bemitleidenswerte Existenz, sondern eine selbstbewußte junge Frau, das ist selten auch in der Literatur des Sturm und Drang. Dieses Gedicht wagte Goethe erst 1815 zu veröffentlichen, versteckt in einer Werkausgabe zwischen zwei scherzhaften erotischen Gedichten. VOR GERICHT… Continue Reading „Vor Gericht“

Sommer

Heute Auszüge aus der Beschreibung eines Sommermorgens durch den schottischen Dichter James Thomson (etwa 11. September 1700 Ednam, Roxburghshire – 27. August 1748 Richmond upon Thames). Thomson wurde oft ins Deutsche übersetzt, darunter von Geßner und von Brockes. Später geriet er in Vergessenheit. Erst… Continue Reading „Sommer“

Erdolchte Taube

Guillaume Apollinaire ist ein bunter Hund, geboren in Rom, mit zwei deutschen Vornamen: Wilhelm Albert, der Rest des Namens Polnisch mit einem kleinen französischen „de“: Włodzimierz Apolinary de Wąż-Kostrowicki. Glaubt man den verschiedenen Wikipedia-Versionen, wird alles noch komplizierter: Guillaume Albert Vladimir Alexandre Apollinaire de Kostrowitzky… Continue Reading „Erdolchte Taube“

L&Poe 21 | September 2017

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser, seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tageszeitung, jetzt als Magazin mit Nachrichten aus der Welt der Poesie und der Poesie der Welt. Poetry is news that stays news, sagt Pound. Heute zwei Schwerpunkte. Vor 150 Jahren starb… Continue Reading „L&Poe 21 | September 2017“

Slave to the rhythm

Hansens Flaschenpost Kolumne von Dirk Uwe Hansen. Er unterrichtet an der Universität Greifswald. Zuletzt erschien: wolkenformate. Frankfurt/Main: gutleut, 2016 „It’s all in the rhythm” — oder so ähnlich, ich zitiere aus dem Gedächtnis: Dieser Satz von Edith Sitwell gehört zu meinem großen Fundamentalwahrheiten. Es ist immer zuerst… Continue Reading „Slave to the rhythm“

Bei seiner Entlassung aus dem Kerker der Inquisition

Fray Luis de León (1527 – 23. August1591) BEI SEINER ENTLASSUNG AUS DEM KERKER DER INQUISITION Mißgunst hielt mich hier und Lüge hinter Kerkerwand gefangen, doch den Weisen nachzuhangen lernt ich, die dem Weltgefüge in die Einsamkeit entgangen. Glücklich, wer nach Tages Frieden sich am… Continue Reading „Bei seiner Entlassung aus dem Kerker der Inquisition“

o himmels blau

Sommergedichte nannte ich die Rubrik mal. Da der Sommer fast vorbei ist oder zumindest pausiert, suche ich an diesem grauen Tag was Passendes zu – Sommerblau. Blumen. Kornfeld. Sowas. Wer hat am 21. August Geburtstag? Bartholomäus Sastrow aus Greifswald, Jens Christian Djurhuus, färöischer Bauer… Continue Reading „o himmels blau“

Der Blinde geht durch die Welt

Jakub Deml (20. August 1878 Tasov, Tschechien, damals Österreich-Ungarn – 10. Februar 1961 Třebíč) Der Blinde geht durch die Welt Vielleicht erweckt es den Anschein, als könnte ich sehen,           denn im Grunde genommen geh ich wie andre Leute        … Continue Reading „Der Blinde geht durch die Welt“

Sonett in Góngoras Manier

Federico García Lorca SONETT IN GONGORAS MANIER, DARIN DER DICHTER SEINER LIEBE EINE TAUBE SCHICKT Vom Turia will ich dir dies Täubchen schicken mit seinem milden Aug und weißen Flaum, still hingegossen ruht’s im Lorbeerbaum, läßt tief ins Schwelen meiner Liebe blicken. Sein Unschuldsglanz,… Continue Reading „Sonett in Góngoras Manier“

Alma Johanna Koenig

Gebet an einen Glücksgötzen Kleiner, peruanischer Glücksgötze an der Wand, gieße noch einmal die Gaben in meine hohle Hand. Kleiner, peruanischer Glücksgötze, der nach mir glotzt, gib, daß noch einmal die Tafel von Freuden des Festes strotzt. Kleiner, peruanischer Glücksgötze, der nach mir grinst,… Continue Reading „Alma Johanna Koenig“

Aus: Nordlicht

Sahst du noch nie den Fall der Leoniden? Wenn Sterne lautlos durch den Äther zittern Und ringsum sich beim Sturze noch zersplittern, Erkennst du doch den großen Wunsch nach Frieden? Blick auf die Vögel! Ziehen sie nach Süden, So scheinen sie, vereint, kein Arg… Continue Reading „Aus: Nordlicht“

Der Schwarze in der Zuckerplantage

Von Matthias Claudius Weit von meinem Vaterlande Muß ich hier verschmachten und vergehn, Ohne Trost, in Müh‘ und Schande; Ohhh die weißen Männer!! klug und schön! Und ich hab‘ den Männern ohn‘ Erbarmen Nichts getan. Du im Himmel! hilf mir armen Schwarzen Mann! Dieses… Continue Reading „Der Schwarze in der Zuckerplantage“

Morgendliche Rede an den Baum Griehn

Bertolt Brecht (10. Februar 1898 Augsburg – 14. August 1956 Ost-Berlin) Morgendliche Rede an den Baum Griehn 1 Griehn, ich muß Sie um Entschuldigung bitten. Ich konnte heute nacht nicht einschlafen, weil der Sturm so laut war. Als ich hinaus sah, bemerkte ich, daß… Continue Reading „Morgendliche Rede an den Baum Griehn“

»Den speisest du, den du, den ich.«

Die Drei Drei Reiter nach verlorner Schlacht, Wie reiten sie so sacht, so sacht! Aus tiefen Wunden quillt das Blut, Es spürt das Roß die warme Flut. Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum, Und spült hinunter Staub und Schaum. Die Rosse schreiten sanft… Continue Reading „»Den speisest du, den du, den ich.«“

Das Lineament erfüllter Gier

Drei kurze Stücke aus Notizbüchern von William Blake, der am 12. August 1827 starb. Was ists das Männer von den Fraun begehren? Das Lineament begierigen Gewährens. Was ists das die Fraun von Männern begehren? Das Lineament begierigen Gewährens. ** Von einer Frau erwünscht ich… Continue Reading „Das Lineament erfüllter Gier“