Modergrün aus Dantes Hölle

Goethe konnte mit Dante nicht viel anfangen. Kleine Auswahl von Dantebezügen in Goethes Werk:

Modergrün aus Dante’s Hölle
Bannet fern von eurem Kreis,
Ladet zu der klaren Quelle
Glücklich Naturell und Fleiß.

Aus: Zahme Xenien III, Weimarer Ausgabe Bd. 3, S. 281, V. 756-759

Eine Anmerkung nennt den satirischen Hintergrund. Zu einer Berliner Ausstellung hatte der junge Maler Julius Schoppe ein Gemälde eingereicht, das abgelehnt wurde. Goethe beschreibt es so: »Lebensgroße Figur mit grüner Haut. Aus dem enthaupteten Halse sprützt ein Blutquell, die Hand des rechten, ausgestreckten Armes hält den Kopf bei den Haaren, dieser, von innen glühend, dient als Laterne, wovon das Licht über die Figur ausgeht.«

Weimar, den 23. Juli 1824.

Welch hoher Dank ist dem zu sagen,
Der frisch uns an das Buch gebracht,
Das allem Forschen, allem Klagen
Ein grandioses Ende macht.

Aus: Nachlaß. Zahme Xenien VIII, Weimarer Ausgabe Bd. 5-1, S. 113

Man nimmt an, daß sich das Gedicht auf den Dante-Übersetzer Streckfuß bezieht, der ihm im Juli 1824 seine Übersetzung des „Inferno“ übergeben hatte. Das Lob klingt zwiespältig.

Voß contra Stolberg. 1820.

Voß contra Stolberg! ein Proceß
Von ganz besonderm Wesen,
Ganz eigner Art; mir ist indes,
Das hätt‘ ich schon gelesen.
Mir wird unfrei, mir wird unfroh
Wie zwischen Gluth und Welle,
Als läs‘ ich ein Capitolo
In Dante’s grauser Hölle.

Aus: Gedichte. 5. Teil. Nachlaß, Invectiven. Weimarer Ausgabe 5-1, S. 186

Voß hatte Stolberg heftig angegriffen („Wie ward Friz Stolberg ein Unfreier“). Goethe hatte zumindest Mitleid mit Stolberg (der kurz nach der Polemik starb, Goethe schloß nicht aus, daß die Attacke dazu beigetragen habe).

Albertine stand vor sich hinschauend, einzeln, kaum bemerkt; jene erholten sich, nahmen sich zusammen, der Schade war geschehen, man war denn doch genötigt, sich wieder in den Wagen zu setzen, und in der Hölle selbst könnten widerwärtig Gesinnte, Verratene mit Verrätern so eng nicht zusammengepackt sein.

Aus: Wilhelm Meisters Wanderjahre – Kapitel 10 (Schluß)

Noch ein Stück über Kunstgespräche, das auch unabhängig von Dante nicht unaktuell sein mag:

Viel schlimmer aber war es, wenn Dante zur Sprache kam. Ein junger Mann von Stande und Geist und wirklichem Anteil an jenem außerordentlichen Manne nahm meinen Beifall und Billigung nicht zum besten auf, indem er ganz unbewunden versicherte, jeder Ausländer müsse Verzicht tun auf das Verständnis eines so außerordentlichen Geistes, dem ja selbst die Italiener nicht in allem folgen könnten. Nach einigen Hin- und Widerreden verdroß es mich denn doch zuletzt, und ich sagte, ich müsse bekennen, daß ich geneigt sei, seinen Äußerungen Beifall zu geben; denn ich habe nie begreifen können, wie man sich mit diesen Gedichten beschäftigen möge. Mir komme die »Hölle« ganz abscheulich vor, das »Fegefeuer« zweideutig und das »Paradies« langweilig; womit er sehr zufrieden war, indem er daraus ein Argument für seine Behauptung zog: dies eben beweise, daß ich nicht die Tiefe und Höhe dieser Gedichte zum Verständnis bringen könne. Wir schieden als die besten Freunde; er versprach mit sogar einige schwere Stellen, über die er lange nachgedacht und über deren Sinn er endlich mit sich einig geworden sei, mitzuteilen und zu erklären.

Leider war die Unterhaltung mit Künstlern und Kunstfreunden nicht erbaulicher. Man verzieh jedoch endlich andern den Fehler, den man an sich bekennen mußte. Bald war es Raffael, bald Michelangelo, dem man den Vorzug gab, woraus denn am Schluß nur hervorging, der Mensch sei ein so beschränktes Wesen, daß, wenn sein Geist sich auch dem Großen geöffnet habe, er doch niemals die Großheiten verschiedener Art ebenmäßig zu würdigen und anzuerkennen Fähigkeit erlange.

Aus: Italienische Reise. Zweiter römischer Aufenthalt: Störende Naturbetrachtungen

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