Alfred Kolleritsch 85

Der Steirer Alfred Kolleritsch, Herausgeber der „manuskripte“, feiert heute in seiner Stadt, Graz, den 85. Geburtstag. In der „Presse“ referiert Norbert Mayer ein Gespräch über große Literaten und das Dichten als sinnliche Erfahrung. Ausschnitt:

Die Germanistik in Graz erwies sich zu seinem Missfallen in den Fünfzigerjahren noch immer als deutschnational: „Das waren Unterjochungssysteme, mit wenig Bezug auf die moderne Literatur.“ Bis zur Pensionierung unterrichtete er Deutsch und Philosophie am Akademischen Gymnasium. „Ich habe mit den Schülern fröhlich Literaturgeschichte betrieben, natürlich auch die moderne.“

In den „manuskripten“ aber herrschte Avantgarde, die von reaktionären Kreisen vor allem am Anfang angefeindet wurde. Es gab den Vorwurf der Pornografie, ein Prozess drohte, das Unterrichtsministerium verbot die Verbreitung eines Heftes, persönliche Angriffe gegen den Lehrer Kolleritsch folgten.

(…)

Das Gesicht des Dichters hellt sich auf, wenn er an jene denkt, die mit ihm in Graz aufgebrochen sind, um die Literatur zu erobern. Er freut sich über neue Generationen, denen er beim Durchbruch hilft: „Es gibt immer wieder Wellen. Mit den Wienern gab es früh eine Blüte der experimentellen Lyrik. Dann hat Thomas Bernhard viele geprägt. Er war ein Zyniker. Wichtig war auch Werner Schwab, dessen erstes Buch ich zu Residenz vermittelt habe.“ Von den Jüngeren lobt er Andreas Unterweger, Valerie Fritsch, Eva Schmidt, Thomas Stangl, Clemens Setz . . . Es wird eine lange Aufzählung.

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