Lyrikzeitung & Poetry News

12. Mai 2012

36. Edward Lear 200

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — Schlagworte: , , , , — lyrikzeitung @ 07:48

“Der kuriose Herr, der die Nonsense-Literatur, das Limerick-Gedicht erfunden hat” wurde am 12.5. vor 200 Jahren geboren:

“Es war einst ein Alter aus Wick,
der sagte: “Ticktick ticketick”,
tschickabuh tschickabix -
und sonst sagte er nix, der lakonische Alte aus Wick.”

Eine der scharfsinnigsten Analysen dieser Limerick-Gedichte hat Klaus Reichert gegeben. Das psychisch Derangierte, das in den Gedichten zum Ausdruck komme, werde lakonisch auf sich selbst zurückverwiesen.

“Daher kommt es, dass die Gestalten Lears die verzweifelte Stumpfheit von Irren haben; nicht mehr ansprechbar sind; in ihren Tick sich hüllen wie in einen Königsmantel; aber es ist der Mantel eines vertriebenen Königs, und er haust dort, wo es gleich ist, ob einer lacht oder weint.” / Christian Linder, DLR

Vom Irren kommen wir auf den Iren: Lesen Sie in der NZZ, daß der Autor

für sein humoristisches Talent einen irischen Ururururururgrossvater verantwortlich machte

There are two Lears in English Literature: King and Edward. One veered off into madness. The other — Edward, born 200 years ago Saturday — veered off into “nonsense, pure and absolute,” as he put it. / Verlyn Klinkenborg, New York Times

Vogelstudien Edward Lears

1. Mai 2012

1. Bücher hinter der Glasscheibe

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien, USA — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 01:56

Auch Selbstverlags-Plattformen schießen weiter aus dem Boden, als wäre der Menschheit damit gedient, dass noch mehr nichtlektorierte Bücher das Licht der Welt erblickten. Leben kann davon ohnehin niemand; der amerikanische Durchschnittsautor erzielt im Jahr derzeit sechstausend Dollar, in England sieht es genau so mau aus.

„Die aktuelle Idee, Bücher hinter eine Glasscheibe zu stecken“, so George Lossius von der Firma Publishing Technology, „wird in fünf bis sieben Jahren nicht mehr funktionieren.“ Der technologische Wandel werde sich weiter beschleunigen, die Verleger hätten auf ihn bisher viel zu ängstlich reagiert. Sie starrten auf Amazon wie auf einen Todesstern. / faz.net

14. April 2012

49. Tintern Abbey

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 19:43

My pick for National Poetry Month is the great Romantic poet William Wordsworth’s “Tintern Abbey.” One of the richest and most iconic poems in the English language, “Tintern Abbey” is long, difficult to classify, strange and sublime, magical and marvelous. / Priscilla Gilman, fox news

Read more: http://www.foxnews.com/opinion/2012/04/14/paradise-lost-and-found-in-wordsworth-tintern-abbey/#ixzz1s2NxkM4s

25. März 2012

111. Er schreibt Gedichte

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 10:52

Ich schreibe nach wie vor Gedichte. Die sind nicht so gut, wie ich es mir wünsche, und hoffentlich nicht so schlecht, wie ich fürchte. / Die Welt sprach mit Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe.

17. März 2012

74. Ausschluß für die Meinungsfreiheit

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 01:48

Ausgerechnet ein Gedicht beendet vorerst die Uni-Karriere eines Literaturstudenten.

Diesmal keine Nachricht aus China oder irgendeiner arabischen oder afrikanischen Diktatur, sondern aus England:

Denn damit störte der Doktorand Owen Holland eine Rede des englischen Wissenschaftsministers an der Cambridge Universität. Jetzt hat ihn ein universitäres Gericht deswegen suspendiert. In zweieinhalb Jahren darf er an die Elite-Uni zurückkehren. Wenn er dann noch will.

Im Unterschied zu diesen Ländern geht es hier aber nicht um die Unterdrückung der Meinungsfeiheit, sondern um das genaue Gegenteil. Wirklich:

Kurz [nach dem Vorfall]  veröffentlichte die Uni ein Statement: Sie bedauere es sehr, dass eine kleine Gruppe Demonstranten den Minister von seiner Rede abgehalten habe. Die Uni schätze die Meinungsfreiheit. Die freie Rede sei ein fundamentales Prinzip der Uni. “Die Aktion der Demonstranten verletzte dieses Prinzip.”

Und wer die Prinzipien der Uni verletzt, dem droht Strafe, wie der Doktorand Owen nun erfahren musste.

/ spiegel.de

12. März 2012

49. StAnza: Ein Fest des Gedichts in all seinen Formen

Einsortiert unter: Schottland — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 02:54

Berliner Dichterin liest auf StAnza, dem internationalen Gedichtfestival in Schottland.

StAnza, Schottlands Internationales Gedichtfestival, findet jeden März in St Andrews statt, und wird das ganze Jahr über durch weitere Veranstaltungen fortgesetzt. Im Jahr 2011 wuchs die Zahl der Festivalbesucher auf über 12.000 Personen. StAnza 2012 findet vom 14. bis 18. März statt.

StAnza hat die in Berlin lebende Lyrikerin und Übersetzerin Catherine Hales für einen Vortrag auf Schottlands internationalem Gedichtfest im März 2012 gewonnen.

Ihre Übersetzungen des deutschen Dichters Norbert Hummelt ins Englische wurden in Berlin Fresco veröffentlicht (Shearsman 2010). Zu ihren weiteren Publikationen zählt auch hazard or fall (Shearsman 2010). Außerdem ist sie verantwortlich für “Poetry Hearings”, ein berliner Festival, das sich der Dichtung auf Englisch widmet.

2012 wurde zu Schottlands Kreativ-Jahr ausgerufen. StAnza beteiligt sich vom 14. bis zum 18. März mit mehr als 90 Veranstaltungen in der stimmungsvollen Atmosphäre des Stadtkerns von St.Andrews: Lesungen, Aufführungen, Gespräche, Diskussionen und Dichtkunst in Verbindung mit bildender Kunst, Musik, Theater und Film. Zu dieser Vielfalt trägt bei, dass die Stadt St.Andrews seit Neuestem zu den Kandidaten für den Preis “Kreative Orte” zählt.  Catherine Hales wird sich wiederfinden in einem internationalen Treffen von über 60 Poeten sowie Malern, Schauspielern, Filmemachern und Schriftstellern. Sie stammen aus Schweden, den Niederlanden, Mazedonien, Südafrika, den USA, Jamaika, Polen, Kanada, Irland, Neuseeland und Palästina.

Festival Direktorin Eleanor Livingstone kommentiert:” Wir begrüßen Catherine Hales bei StAnza und freuen uns, dass unser Publikum Gelegenheit erhält, Dichtungen aus Deutschland zu hören.”

Das vollständige Program finden Sie online auf dem Website des Festivals: http://www.stanzapoetry.org.

29. Februar 2012

128. Schaltjahrgedicht

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — lyrikzeitung @ 18:50

Thirty days hath September,
April, June and November.
All the rest have thirty-one,
Excepting February alone,
And that has twenty-eight days clear
And twenty-nine in each leap year.

(Alter Nursury Rhyme)

Wikipedia weiß:

The rhyme has a long history. A medieval version is found in the 15th-century manuscript Harley 2341, in the British Library:

Thirtey days hath November,
Aprile, June, and September:
Of twyecescore-eightt is but eine,
And all the remnante be thrycescore-eine.
O´course Leap yare comes an´pynes,
Ev’rie foure yares, gote it ryghth.
An´twyecescore-eight is but twyecescore-nyne.

The literal translation of this medieval version would be:

Thirty days has November,
April, June, and September:
Of twenty-eight is but one,
And all the remnant is thirty-one.
Of course Leap year comes and stays,
Every four years got it right,
And twenty-eight is but twenty-nine.

19. Februar 2012

82. Schottlands schöne Lügen

Einsortiert unter: Englisch, Schottland — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 02:44

Die Gemüter haben sich inzwischen beruhigt, aber der Mythos ist derselbe geblieben: Schottland wurde jahrhundertelang von den Engländern niedergehalten, Schottland wäre frei unter einem unabhängigen Parlament in Holyrood (in Anbetracht der feudalistischen Geschichte des Orts eine eher ironisch anmutende Wahl), und der urdemokratische Geist der Schotten würde sich, hätten wir erst einmal unseren eigenen Staat, umgehend manifestieren. Offenbar haben wir stillschweigend beschlossen, dass die lange Geschichte der Demütigung und Unterdrückung schottischer Arbeiter und Bauern das Werk einer fremden Macht ist und nicht dasjenige einer endlosen Folge glühend schottischer, aber gänzlich eigennütziger Politiker und «Unternehmer»; mithin nehmen wir an, die Unabhängigkeit werde auch das Aus für ein System bedeuten, dessen einziger Zweck das Wohlleben einiger weniger auf Kosten aller anderen zu sein scheint. / John Burnside: Schottlands schöne Lügen, NZZ 17.2.

5. Februar 2012

22. Kaiserin von Hindustan

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 10:48

1897 gab es schon mal ein 60jähriges Thronjubiläum im British Empire. Die Welt am Sonntag berichtet:

Seit dem Januar 1877 war die Queen [Victoria] zugleich Kaiserin von Indien. Wilhelm, Sohn des preußischen Kronprinzen Friedrich, wurde wieder einmal nur durch Spott Herr seines Neides auf England, das Land seiner Mutter, Victorias Erstgeborener Vicky, und nannte die Großmutter gerne “Kaiserin von Hindustan”. …

Einem Reporter der “Daily Mail” verschlug es die Sprache, wie das imperiale England da so fassbar vor seinen Augen vorbeizog: “Man beginnt zu verstehen wie nie zuvor, was das Empire wirklich bedeutet”, floss es ihm aus der Feder. “Wir schicken einen Boy nach hierhin, einen Boy nach dorthin, und er zähmt die Wilden und bringt ihnen bei, zu marschieren und zu schießen, und er glaubt an sie und stirbt für sie und die Queen. Einfache, dumme, uninspirierte Leute, so nennt man uns, und doch tun wir das für jeden Wilden, dem wir begegnen.”

Ein Echo dieser Worte findet sich in Rudyard Kiplings zwei Jahre später veröffentlichtem berühmtem Gedicht “The White Man’s Burden“, mit dieser Eingangsstrophe: “Weißer, trag deine Bürde, / schick deine Besten fort, / die Söhne in die Fremde / den Eingebor’nen dort / zu dienen, sie versorgen, / die wild und störrisch sind, / die neuen, finst’ren Völker, / halb Teufel noch, halb Kind.” …

Hybris und Nemesis: Das war das Signal für Rudyard Kipling, der in der Welt als Lobsänger des Empire galt, doch der dem diamantenen Jubiläum eines der prophetischsten Gedichte der englischen Sprache widmete, dunkel in seiner Farbe. Eigentlich hatte Kipling “The White Man’s Burden” zu diesem Anlass schreiben wollen, doch legte er das für später beiseite und veröffentlichte stattdessen in der “Times” vom 17. Juli 1897 ein mit “Recessional” überschriebenes Sonett, Schlussgesang gleichsam auf den diamantenen Gottesdienst des Empire.

Mit wuchtigen Worten beschwor er seine Landsleute, nicht dem Hochmut zu verfallen und im Sonnenglanz der Macht christlicher Demut zu entraten: “Gott unsrer Väter, altbekannt, / Herr unsrer überdehnten Schlachtreihen, / unter dessen furchtbarer Hand wir ausüben / Herrschaft über Palme und Kiefer – / Herr Gott der Heerscharen, bleib dennoch bei uns, / dass wir nicht vergessen – dass wir nicht vergessen.” (Übersetzung Gisbert Haefs, Haffmans Verlag). Jede der folgenden Strophen endete mit diesem magischen Refrain: “lest we forget – lest we forget.” Der Dichter ahnte den Untergang, die Strafe: “Fern gefordert schmelzen unsere Flotten; / auf Düne und Festland erlischt das Feuer: / Weh, all unsrer gestriger Pomp / ist gleich dem von Niniveh und Tyros! / Richter der Völker, verschone uns dennoch, / dass wir nicht vergessen – dass wir nicht vergessen!”

2. Februar 2012

9. Tiersprache

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland, Englisch, Großbritannien, USA — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 02:27

Tiere in Gedichten sind ein leidiges und herrliches Thema. Ich denke nicht an Rilkes Panther! Sondern an Gedichte, in denen Tiere selbst sehen, fühlen, sprechen. Nie werde ich vergessen, wie sehr mich Ted Hughes‘ Crow, ein Zyklus von fast 90 Gedichten, innerlich sprachlos ließ vor Aufregung, Staunen und Freude. Die Gedichte fassen das Leben Crows; sie erleuchten, was es heißt, ein Wesen vom Schlag „Krähe“ zu sein.

Oder als ich das Kuhgedicht von Les Murray in Rotterdam hörte. Es nahm mich mit / riss mich hin, wie der australische Dichter das Wortperspektivzoom zunächst in dem schlichten Wort „me“ handhabte, um zum Ende Blick, Kuh und Leben nach oben, geradezu physisch fühlbar über das Dach des Theaters hinaus zu ziehen. Noch nie hatte ich das Wort „sky“ so körperlich begriffen, nie Wolken ohne jede Metapher so verwandelt gesehen.

Tiersprache 1

The Cows on Killing Day 
(Les Murray: New Collected Poems, 2002)
All me are standing on feed. The sky is shining.

All me have just been milked. Teats all tingling still
from that dry toothless sucking by the chilly mouths
that gasp loudly in in in, and never breathe out.

(…)

/ Ulrike Draesner, fixpoetry.com

Ältere Artikel »

Theme: Silver is the New Black. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 242 other followers