Schlagwort: Meinolf Reul

Ohne Tiere

Mit ihrem Gedichtbuch Venice singt (2015) wurde Sonja vom Brocke einem breiteren Lyrik-Lesepublikum bekannt. Ihr Debüt war 2010 das bemerkenswerte (doch bei seiner Veröffentlichung weitgehend unbemerkt gebliebene) Bändchen Ohne Tiere, das Texte von abstrahierender Reduktion und kieselhartem Gestus enthält, wie sie einem in Venice…

„Pöbel mal, Lyriker!“

Aus ‭Bertram Reineckes Essay in dem in Kürze erscheinenden Band „Mara Genschel Material“ „Ich habe noch nie einen bedeutenden Lyriker getroffen, der nicht sehr umgänglich war“, sagt mir ein nicht nur bedeutender Lyriker [1], sondern auch einer, den ich selbst schätze. Und in der…

95. Neu bei lyrikkritik

Bücher und Rezensionen, die man nicht verpassen sollte: Kürzlich starb der hochverehrte slowenische Dichter Tomaž Šalamun. Eine wunderbare Hommage an den Dichter gibt es von M. Rinck und N. Broemmer, rezensiert von Meinolf Reul. Eine alte Rezension zu seinem Buch „4 Fragen der Melancholie“ findet sich im Archiv…

94. Es sind Gedichte

… es sind politische Gedichte, mit der Betonung auf „Gedichte“, d. h. sie stehen auf der Seite der Komplexität und des gewitzten Kalküls, sind keine platten Spruch-Bekenntnis-Sachen. / Meinolf Reul, Fixpoetry, über Kai Pohl Solanum nigrum antichoc Moloko+ 2013 · 96 Seiten · 15,00 Euro…

93. Lea Schneider

Meinolf Reul zitiert Jury und Verlag und kommentiert: Vielleicht ist es, nach erster oberflächlicher Lektüre, vorschnell geurteilt: Mir scheint, dass Invasion Rückwärts – trotz der zahlreichen, gleichsam auf dem Silbertablett servierten Dinge des Lebens / Referenzen auf eine äußere Lebenswirklichkeit – eigentlich ein Beispiel…

52. Hasenhass

Zu den Eigenarten der Bücher Monika Rincks zählt es, dass der Leser das Gefühl hat, nach ihrer Lektüre schlauer zu sein als vorher, mag er auch nicht aus allem klug werden. Rincks jüngste Veröffentlichung (nach dem feinen, mit dem Peter Huchel-Preis ausgezeichneten Band Honigprotokolle)…

7. Lesekränzchen

Meinolf Reul schreibt in seinem Blog Denkmuff: Beim letzten Lesekränzchen ernteten die zwei von mir herumgereichten Hefte der Referenzfläche von Mara Genschel vor allem irritierte, ratlose, befremdete und belustigte Blicke. Ob nicht in Wahrheit ich sie hergestellt hätte, wurde ich gefragt. Später, nachdem ich meine untenstehende Kritik verschickt…

104. Wortaufbewahrung

Zentral der zehnteilige Zyklus „das schwarzbuch die farbfotos“, für den Wenzel beim diesjährigen Lyrikpreis Meran ausgezeichnet wurde. Ein Album in Worten, in dem in dokumentarischer Präzision eine kleine Welt fortlebt, die über Jahrhunderte für die Region zwischen Ruhr, Lippe und Emscher prägend war. Gute…

46. Flegeln in Elegien

Warum überhaupt eine Elegie? „[W]as wollen wir von Elegien, außer sie näher / kennenlernen, ihren Kajal umkurven, voller Empathie“, fragt (ohne Fragezeichen) das lyrische Wir, das an wenigen Stellen von einem lyrischen Ich abgelöst wird, das aber ungreifbar bleibt: „Ich, weißt du wer das…

107. Stolterfoht, der Listige

Der Lyrikvortrag als Leistungsschau, oder anders: Die Lyrik als Betrieb ist das Thema von Stolterfohts „Radioessay“, wie der produzierende Südwestrundfunk das Stück keck klassifiziert. Stolterfoht, der Listige, nimmt die sportive Komponente des „Schauwettbewerb[s]“ beim Wort und prägt seinem „fiktiven Feature“ (Verlag) konsequent das Vokabular…

103. Warum sollte man auch sonst Gedichte lesen?

Es ist eine Weile her, dass mich ein Gedichtband so herausgefordert hat wie Ames’ Alsohäute (was, um das Rätsel gleich aufzulösen, die phonetische Schreibweise von „Also heute“ ist – „also“ substantiviert: „mein Also“). Thomas Klings geschmacksverstärker war auch so ein furioser Angriff gegen das Glatte. Glattheit als ästhetische…