„Die Gedichte der Lyrikerin Frederike Frei leben von ambivalenten Wortsymbiosen“, schreibt Judith Görs, Märkische Allgemeine:
Dass Lyrik nicht zwingend in monotonen Vortragsräumen gelesen werden muss, bewies Schriftstellerin und Wortkünstlerin Frederike Frei am Sonntag im eigenen Garten. „Das hier ist erst einmal ein Probelauf“, stellte sie klar und bat um rege Kritik am Konzept. „Ich will im nächsten Jahr eine größere Veranstaltung im Garten planen. Dann sollen auch Bilder von Surrealisten in den Bäumen hängen.“ Die anwesenden Lyrikliebhaber, viele von ihnen schon mit den Gedichten der Wahlpotsdamerin vertraut, konnten sich im Schatten zweier Apfelbäume ihre Favoriten aus dem aktuellen Gedichtband „Echt Himmel das Blau heute“ und früheren Bänden vorlesen lassen.
Im lockeren Ambiente die eigenen Gedichte zu präsentieren, liegt gerade für Frederike Frei nahe. Denn die gebürtige Brandenburgerin findet die Sujets für ihre Lyrik nicht selten in Blumen, Bäumen oder gar Kräutern. Zu jeder Blume in ihrem Garten kann sie mittlerweile eines ihrer Gedichte vortragen. Kraftvoll und bilderreich ist ihre Wortwahl, ihre Metaphorik und Symbolik unvermittelt, aber treffend – manchmal sogar humoristisch.
Beim Nationalen Eisteddfod, einem jährlich stattfindenden Fest der Literatur, der Musik und des Gesangs in Wales, wird in diesem Jahr kein Preis verliehen. Für den Wettbewerb waren nur sieben Texte in walisischer Sprache eingereicht worden, was die Jury unerwartet und enttäuschend fand. Den Texten fehlten Vision, Gedanken und Gespür für Ordnung und Klarheit. Es sei wichtig, den hohen Standard vergangener Wettbewerbe zu halten. / Wales Online 10.8.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
For over forty years, Mark Vinz, of Moorhead, Minnesota—poet, teacher, publisher—has been a prominent advocate for the literature of the Upper Great Plains. Here’s a recent poem that speaks to growing older.
Cautionary Tales
Beyond the field of grazing, gazing cowsthe great bull has a pasture to himself,monumental, black flanks barely twitchingfrom the swarming flies. Only a few strands ofwire separate us—how could I forgetmy childhood terror, the grownups warningthat the old bull near my uncle’s farmwould love to chase me, stomp me, gore meif I ever got too close. And so Iskirted acres just to keep my distance,peeking through the leaves to see if he stillwas watching me, waiting for some foolish move—those fierce red eyes, the thunder in the ground—or maybe that was simply nightmares. It’sgetting hard to tell, as years themselves keepgaining ground relentlessly, their hot breathon my back, and not a fence in sight.
Auf einer Berliner Theaterpremiere, die einerseits eindrucksvoll und andererseits so verstörend war, dass, als der Schlussapplaus vorüber war, auch professionelle Verfertiger von Meinungen und Urteilen sich erst mal ein Getränk holen und dann, im Gespräch mit den anderen, langsam sich herantasten mussten an die Frage, was genau man da jetzt gehört und gesehen habe (was ja eher für als gegen Stück und Inszenierung sprach) – auf dieser Premierenfeier, neulich, bstand da, breitbeinig auf dem sicheren Boden seiner Werte und Überzeugungen, auch der Außenminister und Kanzlerkandidat, lächelte, gratulierte dem Autor und machte, durch Mimik und Körpersprachev, deutlich, dass er jedenfalls nicht verstört, ratlos, unsicher war. Er schien nicht einmal zu ahnen, dass eine gewisse „étrangeté“ in der Kunst, ein Fremdsein vor einer Inszenierung, die es ihren Zuschauern ja nicht einfach machen wollte, ihm viel besser gestanden hätte. Die Schriftstellerin Julia Franck, so erzählt sie es auf der Internetseite der Initiative „Steinmeier wird Kanzler“, hat dem Kandidaten einen dicken Band voller Lyrik geschenkt – womöglich traut sich Steinmeier ja bei der Lektüre, wenn keiner ihm zuschaut, ein wenig ratlos zu sein. / Claudius Seidl, FAS 9.8.
(früher Poetry Nation) ist eine 1972 gegründete britische Lyrikzeitschrift, die sich der zeitgenössischen Poesie und der Tradition der „angloamerikanischen und europäischen Modernen“ verschrieben hat. Sie verficht das Werk der New York School (John Ashbery, Frank O’Hara und andere) und der „Antipodeans“ (Les Murray, Judith Wright, Bill Manhire u.a.); sie verteidigt das Experimentelle und beobachtet die Lyrik Europas, Asiens, beider Amerika und Afrikas. Dichter wie Andrew Motion, Blake Morrison, Sophie Hannah, Sujata Bhatt, Sinead Morrissey und Jane Yeh hat sie früh veröffentlicht. Die Onlineausgabe ist Abonnenten vorbehalten, aber in einer „Free Tour“ kann man Beiträge als Pdf herunterladen, darunter Gedichte von Sinéad Morrissey, Robert Minhinnick und John Peck, Editorials verschiedener Ausgaben, Interviews mit Jeremy Treglown und Michael Longley, Artikel über die Poesie der Bibel, über Anna Achmatowa in Übersetzung, Besprechungen (Alison Brackenbury – Four Corners of Earth; Grevel Lindop – Purity Of Intent) und als Special Features: Eavan Boland – Six Poets (Rose Ausländer, Elisabeth Langgässer, Else Lasker-Schüler, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Ingeborg Bachmann); David Gervais – Mythology without Myth; Walt Whitman and the Civil War). Die Website enthält die ersten 6 Ausgaben und alle neuen seit Nr. 117 (1996).
Tages- und Zeitungsgedichte von Marina D’Oro und Ursula Teicher-Maier
„ich ist eine / andere ein spiel / der sinne und ideen“ (Marina D’Oro)
„das Wort ist ein Hohlraum, bewohnbar im Fallen“ (Ursula Teicher-Maier)
Die Wirklichkeit ist ein alter Hut. Dass jeder sich eine Welt erfindet ein Chapeau Claque. Wer ihn aufsetzt, muss nicht altmodisch sein. Die Sprachvirtuosin Marina D’Oro und die Lichtenbergpreisträgerin Ursula Teicher-Maier entdecken unter diesem Kleidungsstück, wie sich die Welt täglich anders gewandet. Ihr Kleid heißt für Dichterinnen naturgemäß Gedicht.
Die Lyrikerinnen aus Frankfurt und Darmstadt schneidern auf ganz unterschiedliche Weise. Laut oder leise, weit oder eng, aber nie konventionell. Ihre neue Lyrikkollektion zeigen sie am 29. August um 20 Uhr.
Die Lesung findet in der „Kunstfabrik“ im Bahnhof Wixhausen statt: Bahnhofstraße 2, zu erreichen mit der S 3 oder mit dem Bus, Linie WX ab Darmstadt-Arheilgen Hofgasse (Straßenbahnendstation) Richtung Weiterstadt-Gräfenhausen Hessenwaldschule.
Kunstfabrik bhf 2
Bahnhofstraße 2
64291 Darmstadt-Wixhausen
Kontakt: Marina D’Oro, Telefon (0 69) 77 93 71
Der chilenische Schriftsteller, Kritiker und Journalist Alfonso Calderon Squadritto starb am Sonnabend im Alter von 78 Jahren. Calderón war Mitglied der Chilenischen Sprachakademie seit 1981 und wurde 1998 mit dem Nationalpreis für Literatur ausgezeichnet. Er ist Vater der Dichterin Teresa Calderón. Außer Gedichtbänden wie “Primer Consejo a los Arcangeles del Viento” (Erster Rat an die Erzengel des Windes, 1949), “El Pais Jubiloso” (Jubelland, 1958, “Isla de los Bienaventurados” (Insel der Gesegneten, 1973) und “Poemas para Clavecin” (Gedichte für Cembalo, 1978) veröffentlichte er den Roman “Toca esa Rumba Don Azpiazu” (Spiel diese Rumba, Don Azpiazu, 1970), Tagebücher, Memoiren und Anthologien. / Latin American Herald 9.8.
Der in Indonesien sehr populäre Lyriker und Dramatiker Rendra ist tot. Er starb bereits am Donnerstag im Alter von 73 Jahren an Herz- und Nierenproblemen. …
Nur knapp entging der Dichter, der sich stets gegen das autokratische Suharto-Regime (1967-1998) engagiert hatte, 1978 auf offener Bühne einem Anschlag. Wenige Tage danach kam der unbequeme Mann für mehrere Monate ins Gefängnis. Sein Theater hatte jahrelang Auftrittsverbot.
«Weltliche Gesänge und Pamphlete» heißt einer der wenigen deutschsprachigen Bände mit Rendras expressionistisch anmutenden Versen. / Neckarquelle online
Bei Radio F.R.E.I:
Aus neutraler Sicht von Albert Jörimann „Jan Wagner“
Ich kenne Herrn Jörimann nicht, sein Stil ist gewöhnungsbedürftig, aber wer spricht oder plaudert sonst noch über in der Zeitung abgedruckte Gedichte?* Hier der Schluß seines Textes:
Im gleichen Kästchen findet die FAZ noch Raum für ein zweites Gedicht mit dem Titel «Ohio», von dem ich nur noch zwei Auszüge zitiere: «Die ersten trockenen Blätter schweben herab,/als brenne irgendwo eine Bücherei.» – Spontan fühle ich mich von dem Bild angesprochen, da ich wie die meisten Menschen die Bücher noch nicht mit einem Kindle-Reader lese bzw. vielleicht gerade wegen der entsprechenden Zukunft eine gewisse Bücher-Nostalgie pflege, neben all den anderen Assoziationen wie Bücherverbrennungen oder der brennenden Bibliothek aus dem Namen der Rose; und dennoch bleiben bei genauer Lektüre Zweifel hängen, ob Laubblätter im Herbst wirklich nicht einfach fallen wie von weit, sondern als ob irgendwo eine Bücherei brennen; wenn mans ganz genau besieht, vielleicht doch eher von weit –
Und dann schließt das Gedicht wie folgt: «Im Norden liegen die großen Seen/Und der Wind geht durch bis nach Chile.» – Dies nun ist ein absolut unlyrisches Ende. Der Herr Autor schöpft diesen Spruch aus dem Klassenzimmer oder aus der Bücherei oder dem Internet, aber offensichtlich nicht aus dem Quelltopf der persönlichen Erinnerung, Beobachtung oder Amalgamierung. Das ist übelstes Plattdeutsch. Der Wind geht durch bis nach Chile – so kann mans nicht machen.
Trotzdem: Jan Wagner gibt die [sic] Vermutung, dass Lyrik auch im Jahr 2009 und, wer weiß, sogar im Jahr 2010 noch möglich wäre, nicht allzu viel, aber doch immerhin etwas neue Nahrung.
*) Welche Zeitung druckt sonst noch regelmäßig Gedichte ab? Die FAZ hats bzw. tuts!
Über den Start der Aktion „Poesie in die Stadt“ mit Beteiligung verschiedener Literaturhäuser berichtet mvregio und die Schweriner Volkszeitung. Auf Plakaten werden u.a. in Rostock chinesische Gedichte gezeigt.
Unbeachtet hätten sie viele Jahre lang in seinen Tagebüchern gesteckt, die Gedichte, die der Poet (und Maler) Bruno Epple aus dem Brunnen der Vergangenheit ans Licht gefördert hat und nun bescheiden „Gedichte nebenbei“ nennt. / Walter Neumann, Südkurier
Bruno Epple: „Gedichte nebenbei“. Im Auftrage des Autors hergestellt und gedruckt im Sommer 2009 in einer Auflage von 250 bei Druckerei Zabel Radolfzell am Bodensee. 15 Euro. Infotel.: 07735-2095.
Martina Weber erhält für ihre Lyrik das erste Frankfurter Autorenstipendium.
In der Begründung der ersten Jury des Stipendiums heißt es: „Ihre Gedichte leben von einer hohen sprachlichen Präzision und Anschaulichkeit. Sie greift die lange Tradition der Naturlyrik auf und führt sie selbstbewusst fort zu sehr eigenständigen und immer zeitgemäßen Ergebnissen. Aus jedem Gedicht spricht ein ausgeprägtes Formbewusstsein und zugleich die Freude an der sinnlichen Begegnung mit Natur.“
Die Stadt Frankfurt am Main hat in diesem Jahr erstmals ein Autorenstipendium ausgelobt, um die Verlagsstadt für Autorinnen und Autoren attraktiver zu machen. Die Stadt fördert Autorinnen und Autoren bei Vorhaben im Bereich Prosa oder Lyrik, ohne damit Auflagen zu verbinden. Die Höhe des Stipendiums beträgt 12.000 Euro.
Das Arbeitsstipendium will die Autorin nutzen, um bis Ende des Jahres ihren ersten Lyrikband fertigzustellen. / Poetenladen 6.8.
Wenn der 1934 geborene Niederländer Rutger Kopland in diesem Jahr den Sprung von der Kandidatenliste für den Literaturnobelpreis auf die Siegertreppe schaffen sollte, sage niemand, er kenne diesen Autor nicht. Von den 13 Gedichtbänden, die der emeritierte Professor für Psychiatrie veröffentlicht hat, ist vieles in fast alle Weltsprachen übersetzt worden. Jetzt wird die bislang fehlende Übertragung ins Deutsche endlich nachgeholt. Die Auswahl macht neugierig auf mehr. Wie Kopland die Spannungen zwischen Ratio und Abgründen des Unbewussten in prägnanten elegischen, traurigen, aber nie larmoyanten Versen auf den Punkt bringt, wird zum Leseerlebnis. Koplands in Bildern, Gerüchen und Geräuschen konzentrierte Gedanken über Leben und Tod, Zeit, Liebe und Abschied, Menschen und Tiere leben von der präzisen Betrachtung paradoxer Verhältnisse und Verhaltensweisen. Je klarer und genauer die in lapidare Verse gesetzten Wahrheiten über das Wesen von Glück, Einsamkeit, Liebe und Verlorenheit sind, umso mehr bewahren sie Geheimnisse der Schöpfung. In Koplands Gedichten triumphiert das Rätsel über jegliche Erkenntnis. / Die Welt 6.8.
Rutger Kopland: Dank sei den Dingen. Aus dem Niederländischen von Mirko Bonné und Hendrik Rost. Hanser, München. 96 S., 14,90 €.
Außerdem Kurzrezension von
Alberto Szpunberg: Der Wind ist manchmal wie alle. A. d. Span. v. Juana und Tobias Burghardt. Edition Delta, Stuttgart. 161 S., 17,50 €.
Die Darmstädter Jury wählte Anna Louisa Karschs Liebesgedichte „Die Sapphischen Lieder“ (Wallstein-Verlag) zum Buch des Monats August.
Seit 1952 vergibt in Darmstadt eine unabhängige Jury aus Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern regelmäßig den Titel „Buch des Monats“ an ein neu erschienenes Werk, mit dem Ziel, auf dessen besondere literarische Qualität öffentlich aufmerksam zu machen.
Im August 2009 sind dies „Die Saphhischen Lieder“ der 1791 verstorbenen schlesischen Dichterin Anna Louisa Karsch, die in die Literaturgeschichte als „deutsche Sappho“ einging. Die Liebesgedichte waren, wie der Wallstein-Verlag mitteilt, zum großen Teil bisher unveröffentlicht. Bei dem 326 Seiten langen Werk handelt es sich um eine gebundene, textkritische Ausgabe mit Illustrationen. Der Preis beträgt 29,90 Euro
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