„Matthias“ BAADER Holst. Untergrundpoet, Punk, Anarchist, Vagant, Dadaist, radikaler Künstler, Rebell. Das alles irgendwie. Und das alles irgendwie nicht.
Ein sicherlich singulärer Vorfall, der eine Symbiose mit seinen Texten eingegangen war und sie als Klangform der eigenen Unangepasstheit unters Volk schlug. Ein performender Dichter mit asketischem Körper, ungezügeltem Intellekt und dem Machtapparat einer Sprache, die nicht leicht mit ihm zu teilen war. Den Kopf kahl rasiert wie einer, der das Äußere ganz von sich abschneiden will. Ein Nosferatu-Typ, auratisch, mit einer hohl klingenden, dunklen Orakelstimme. Eine wie der Dadaist Johannes Baader „charismatische Begnadung“. / scheinschlag , 24.3.01
neben der Vitrine mit seinem Taufhäubchen wird die Novalis-Stiftung zur Taufe gebracht werden. Für Gabriele Rommel ist dies ein weiterer Schritt in ihrer zehnjährigen Bestellung von Novalis’schem Neuland. 1992 hat die habilitierte Germanistin blutenden Herzens die Universität Leipzig verlassen und ist nach Wiederstedt gezogen. Hier fand sie das Schloss als eine Baustelle, die sie in Gummistiefeln betrat. Ihr erster Arbeitstisch stand beim Bestattungsunternehmer Wahrlich neben der Kammer, in der sich die Leichenwäscher umzogen. Novalis, sagt die blonde, entschiedene Frau, sei heute im Mansfelderland die letzte Möglichkeit, Identifikation zu schaffen. / NZZ 23.3.01
Die Tusculum-Ausgabe der Liebeskunst von Ovid als Taschenbuch / Burkhard MüllerBerliner Zeitung 24.3.01
Neue Bücher über Arthur Rimbaud bespricht The New Republic
with runes and riddles and an illiterate herdsman told by an angel to make his own song in praise of God. This first named English poet, Caedmon, had the virtue of reluctance. Commanded by his angel to sing, he replied that he did not know how. „Yet you could,” said the angel. So Caedmon sang — nine heart-felt lines, strongly stressed, simple in thought and feeling, a variation on the Lord’s Prayer beginning „Nu scolon herigean heofonrices Weard” (Now praise we country heaven’s Warder). The Old English is strange to us, but said aloud slowly it still has the power to make the hairs prickle in the nape of the neck. As Michael Schmidt remarks, repeating the tale as told by Bede, Caedmon was thus not only the first English poet, but the first inspired poet in English. Schmidt’s The Story of Poetry is going to be a four-volume history of English verse. / The Times Onlinespecial 14.3.01
In der New York Review of Books schreibt Charles Simic über James Merrill („Miraculous Mandarin“) und JAMES FENTON über Philip Larkin: It is often casually said of Larkin’s poetry that it expresses common experience, that it has its origin in the commonplace, or even—I have seen this in newspapers—that the famous catchphrases that have been drawn from it („What will survive of us is love,” „Books are a load of crap,” „Life is first boredom, then fear,” „They fuck you up, your mum and dad”) express a common point of view. But what strikes us most about Larkin is not the commonness but the singularity of the point of view. /
Den Darmstädter Leonce und Lena-Wettbewerb für Nachwuchslyriker haben am Samstag Sabine Scho aus Hamburg und die Frankfurterin Silke Scheuermann gewonnen. Sie teilen sich das Preisgeld von 15 000 Mark. Der Leonce und Lena-Preis sei entgegen der Tradition geteilt worden, weil kein Autor herausgeragt habe, sagte Jury-Moderator Wilfried Schoeller. Jedes der vorgetragenen Werke habe Schwächen aufgewiesen. Einige Juroren hätten sogar erwogen, gar keinen Preis zu verleihen. Die ausgezeichneten Lyriker hätten jedoch gute Anlagen und könnten ihren Weg gehen. (dpa) Berliner Zeitung 26.3.01 Silke Scheuermann erhält ihn, so die Begründung der Jury, „in Anerkennung der Eigenständigkeit ihres Tonfalls, einer Melodik ironischer Melancholie, die genau gefügt ist und dennoch die Dinge fast wie beiläufig zu umfassen weiß“.
Und die Leonce-und-Lena-Preisträgerin Sabine Scho wird geehrt „für ein vielstimmiges, vielperspektivisches, hochkomplexes lyrisches Sprechen, das zeigt, was Lyrik zuallererst ist: ein schönes Spracherweiterungsprogramm. Auf bravouuröse Weise löst die Autorin die große alte Aufgabe der Dichtung, ein äußerst zufälliges in ein einzigartiges Leben zu verwandeln“.
Der Preis trifft zwei Dichterinnen, die während des Wettbewerbs auch durch die Art ihres Vortrags aufgefallen waren. Silke Scheuermann gab der Melodik ihrer Gedichte, die vom Wortklang ebenso getragen wird wie vom Rhythmus, durch ein tastendes Singen und hauchige Töne einen einzigartigen Reiz. Und Sabine Scho erinnerte in den eigenwilligen rhythmischen Setzungen, mit denen sie ihre rätselvollen Gedichte gliederte, an die raffinierte Vortragskunst Thomas Klings, der mit Sabine Scho einen Gedichtband herausgeben wird.
Die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise (je 5000 Mark) gehen an Hendrik Rost für „sachlich-zerebrale Lyrik“ und ein „poetisches Parlando“, das sich „lakonisch und ironisch“ gibt. An Mirko Bonné wird „die inhaltliche und sprachliche Engführung von Alltag und Pathos“ gelobt, Maik Lippert für den „plebejischen Mutterwitz eines hemdsärmeligen Barden“. Es wird nicht wenige Zuhörer geben, die an seiner Stelle lieber Anja Utler für ihre sehr präzisen, streng durchkomponierten lyrischen Miniaturen ausgezeichnet hätten. / Darmstädter Echo 26.3.01
Frankfurter Anthologie der FAZ am 24.3.: Ludwig Harig über Novalis; Alle Menschen seh ich leben – Auf der gleichen Seite schreibt Lothar Müller zum 200. Todestag (Novalis als romantischer Enzyklopädist) Außerdem eine Besprechung des Astralis-Buches von Sophie Vietor (über einen sensationellen Handschriftenfund aus dem Nachlaß von Stefan Zweig) – In der NZZ schreibt Karl Heinz Bohrer und in der Süddeutschen Harro Zimmermann über den Dichter.
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Die Aufmerksamkeit richtet sich damit auf eine schützenswerte, weil aussterbende Gattung. Statt die Poesie jedoch als «Essenz der Kultur» heilig zu sprechen, bringen verschiedene Projekte sie im täglichen Leben wieder zur Geltung.
Zum UNESCO Welttag der Poesie muss man sich wohl auf das Verschwinden dieser Literaturgattung gefasst machen. Der nächste Schritt wird sein, sie zum Weltkulturerbe zu ernennen: Ankor Wat, Quedlinburg, Gizeh, Poesie. Man erinnert sich an Erzählungen der Großeltern, die etwas von Birnen im Havelland murmelten, und staunt über staatlich geschützte und alimentierte Dichter, die in mutigen Städten als Stadtschreiber hausen. Nicht füttern, warnt ein Hinweisschild – wenn doch, dann höchstens mit ein wenig Käse und Rotwein. / Netzeitung 21.3.01
Über die Exilgedichte des chinesischen Lyrikers Bei Dao schreibt die Süddeutsche am 21.3.
stellt ihre Autoren Angelika Janz und Richard Anders während der Leipziger Frühjahrsmesse im Gohliser Schlößchen vor. Angelika Janz liest aus dem in Vorbereitung befindlichen Lyrikband „Unter Strom im Frühlicht“. Richard Anders liest Gedichte und poetologische Texte unter dem nicht zufällig an André Breton erinnernden Titel „Wolkenlesen“.
Donnerstag, 22.3., 20.00 Uhr Gohliser Schlößchen, Leipzig
Angelika Janz, geboren 1952 in Düsseldorf, lebt jetzt in Aschersleben (Vorpommern). Sie ist Autorin (Lyrik und Prosa) und bildende Künstlerin mit zahlreichen Ausstellungen. Ein bevorzugter Aufenthaltsort liegt für sie zwischen den Stühlen: sei es im Grenzbereich der Künste (visuelle Poesie, Bild-Text-Arbeiten, Fragmenttexte, Performance, Hörspiel) , sei es im Spannungsfeld zwischen ihrer West- (Rheinland) und Ost-Heimat (Vorpommern). Sie arbeitet im Landkreis Ucker-Randow seit Jahren an sozialen und kulturpolitischen Aufgaben und verarbeitet ihre west-östlichen Wahrnehmungen in Gedichten und Prosa (Barackenleben, Die Implodierten).
Richard Anders, geboren 1928 in Ortelsburg (Ostpreußen), lebt in Berlin. Prägend für sein literarisches Schaffen wurden – nach erster Bekanntschaft mit surrealistischer Literatur und Kunst in den 40er Jahren – Begegnungen mit Hans Henny Jahnn (50er Jahre) und André Bretons Surrealistenkreis (60er Jahre). 1998 erhielt er als erster Preisträger den Greifswalder Wolfgang-Koeppen-Preis. Er schreibt Gedichte, Prosa (autobiographischer Roman, Kurzprosa), Essays für Zeitschriften und Rundfunk und übersetzt aus dem Englischen und Französischen. In der Edition des Wiecker Boten erscheint: Wolkenlesen. Essays und Rezensionen über Surrealismus und hypnagoge Bilder.
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wehen von irgendwo her. Und einen Schlusspunkt setzen sie selten.
Wie so oft in der Sparte Lyrik, gilt es ein Bändchen anzuzeigen, dessen äussere Eigenschaft das Adjektiv schmal bezeichnet. Im vorliegenden Fall handelt es sich nicht nur um ein schmales, sondern zugleich auch um ein schönes Buch: Das Atelier Bodoni in Frauenfeld hat Ingrid Fichtners „Das Wahnsinnige am Binden der Schuhe“ im Handpressendruck produziert. Die individuelle Gestaltung gibt auch den unscheinbaren unter den Gedichten einen Rahmen, in dem sie sich entfalten können. Denn Platz braucht diese Lyrik – bedingt durch ihr hervorstechendstes Merkmal, offene Ränder zu haben. / Philipp Gut , Tages Anzeiger 21.3.01
Spricht man von sorbischer Literatur, so fällt der Name Kito Lorenc. Er ist ihr Hirn und, was er ungern zeigt, ihr Herz. «Man kann die Heimat gar nicht zu viel lieben» heisst ein Poem voller mokanter Reimereien. Es steht im schattig blauen handgehefteten Auswahlband «An einem schönbemalten Sonntag. Gedichte zu Gedichten» und zählt auf, was es an dieser Heimat so alles zu lieben gibt, «den Lurch in der Furch», den «Laich in ihrem Teich», «den sauren Regen . . . ohne zu überlegen», daneben «beim Heimspiel ins Reimziel» sogar «ihre Fussballelfen . . . um fünf vor zwölfen»
Kito Lorenc: An einem schönbemalten Sonntag. Gedichte zu Gedichten. Mit einem Nachwort von Christian Prunitsch und Original-Holzschnitten von Christian Thanhäuser. Edition Thanhäuser, A-4100 Ottensheim 2000. 54 S., Fr. 90.-.
/ Beatrice von Matt NZZ 20.3.01
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Ulrike Draesners reicher Gedichtband „für die nacht geheuerte zellen“ Die Poetisierung des Banalen, besser: die Befreiung des Poetischen aus dem Banalen gelingt Draesner mit Leichtigkeit und Genauigkeit, eben mit „exakter Fantasie“. Die epilierten Haare verwandeln sich zu Hieroglyphen der Natur; man erinnert sich an Büchners Woyzeck, der die Pilzringe auf dem Feld zu verstehen versucht: „Wer das lesen könnte.“
Am erstaunlichsten an diesem Gedichtband ist wohl die Variierungsfähigkeit Draesners. Die düstere Tom-Waits-Großstadt-Ballade findet sich wie das nachdenkliche Landschaftsgedicht, Lyrik über die Eltern wie ein „fußballgedicht“, Neun-Zeiler wie Vier-Seiter, Witz wie Wut, Durchgeistigtes neben Leiblichkeit. / FR 21.3.01 Rolf-Bernhard Essig
Vorsicht, bissige Stille, was knarrt
sind nur ein paar verzogene Jahresringe,
die Königssuite einer Bruchbude ist hier,
und jeder Tag hat vierundzwanzig Überstunden.
Türschild ist ein im Dezember 2000 entstandenes, bislang unveröffentlichtes Gedicht des 1960 geborenen Walle Sayer, der so überhaupt nicht in die Schablonen bundesrepublikanischer Wirklichkeiten passt. Wohl deswegen sind ihm bereits eine ganze Reihe literarischer Preise verliehen worden, denn die saturierten Niemandslandwohlstandsbildungspolitiker mögen es, wenn statt ihrer der eine oder andere ein wenig aus der Reihe tanzt: alter ego? Wer weiß… / Theo Breuer, Titel , Magazin für Literatur, Film und Crossover
Karel Hynek Mácha, der Heine der Tschechen, mit einer Auswahl aus Prosa, Poesie und Tagebüchern
Mácha, in Prag geboren, wuchs in kleinen Verhältnissen auf. 1829 veröffentlichte er – noch auf Deutsch – seinen ersten Gedichtband, beeinflusst von der Lektüre Goethes, Schillers, aber auch der fantastischen Romantiker. Im darauf folgenden Jahr erheben sich die Polen gegen die russische Vorherschaft. Nach Niederschlagung ihres Aufstandes unterstützt Mácha in Prag flüchtige Freiheitskämpfer. Er lässt sich von ihnen und den Werken der polnischen Romantiker politisch wie ästhetisch inspirieren. Mácha begreift sich als national gesinnter Schriftsteller. Die Pflege der Volkssprache wird ihm zur vorrangigen Aufgabe. Er vertieft und erweitert sie, spielt vor allem in der Lyrik mit ihren Doppeldeutigkeiten – und ist so ein Vorläufer der literarischen Moderne. Den Heine der Tschechen nennt ihn Klabund. / Süddeutsche Zeitung 20.3.01
Am 17. März ist in St. Petersburg der Dichter und Essayist Viktor Kriwulin im Alter von 56 Jahren gestorben. Die Stadt an der Newa war für Kriwulin mehr als nur Wohnort – er trat während der siebziger und achtziger Jahre als eine der wichtigsten Figuren im literarischen Untergrund von Leningrad auf; in den neunziger Jahren engagierte sich Kriwulin in der Petersburger Demokratiebewegung, der auch die 1998 ermordete Abgeordnete Galina Starowojtowa angehörte. Es mutet wie eine körperliche Metapher der stabilitas loci an, dass Kriwulin seit seiner frühen Kindheit an einer Knochenkrankheit litt und deshalb an Krücken gehen musste – als ob das Schicksal sicherstellen wollte, dass der Dichter seine Stadt nicht verlassen konnte. / NZZ 20.3.01
Frankfurter Anthologie der FAZ am 24.3.: Ludwig Harig über Novalis; Alle Menschen seh ich leben – Auf der gleichen Seite schreibt Lothar Müller zum 200. Todestag (Novalis als romantischer Enzyklopädist) Außerdem eine Besprechung des Astralis-Buches von Sophie Vietor (über einen sensationellen Handschriftenfund aus dem Nachlaß von Stefan Zweig) – In der NZZ schreibt Karl Heinz Bohrer und in der Süddeutschen Harro Zimmermann über den Dichter.
Betreten erbeten. Heute ist UNESCO Welttag der Poesie.
Die Aufmerksamkeit richtet sich damit auf eine schützenswerte, weil aussterbende Gattung. Statt die Poesie jedoch als «Essenz der Kultur» heilig zu sprechen, bringen verschiedene Projekte sie im täglichen Leben wieder zur Geltung.
Zum UNESCO Welttag der Poesie muss man sich wohl auf das Verschwinden dieser Literaturgattung gefasst machen. Der nächste Schritt wird sein, sie zum Weltkulturerbe zu ernennen: Ankor Wat, Quedlinburg, Gizeh, Poesie. Man erinnert sich an Erzählungen der Großeltern, die etwas von Birnen im Havelland murmelten, und staunt über staatlich geschützte und alimentierte Dichter, die in mutigen Städten als Stadtschreiber hausen. Nicht füttern, warnt ein Hinweisschild – wenn doch, dann höchstens mit ein wenig Käse und Rotwein. / Netzeitung 21.3.01
Über die Exilgedichte des chinesischen Lyrikers Bei Dao schreibt die Süddeutsche am 21.3.
Die Literaturzeitschrift „Wiecker Bote“ stellt ihre Autoren Angelika Janz und Richard Anders während der Leipziger Frühjahrsmesse im Gohliser Schlößchen vor. Angelika Janz liest aus dem in Vorbereitung befindlichen Lyrikband „Unter Strom im Frühlicht“. Richard Anders liest Gedichte und poetologische Texte unter dem nicht zufällig an André Breton erinnernden Titel „Wolkenlesen“.
Donnerstag, 22.3., 20.00 Uhr Gohliser Schlößchen, Leipzig
Angelika Janz, geboren 1952 in Düsseldorf, lebt jetzt in Aschersleben (Vorpommern). Sie ist Autorin (Lyrik und Prosa) und bildende Künstlerin mit zahlreichen Ausstellungen. Ein bevorzugter Aufenthaltsort liegt für sie zwischen den Stühlen: sei es im Grenzbereich der Künste (visuelle Poesie, Bild-Text-Arbeiten, Fragmenttexte, Performance, Hörspiel) , sei es im Spannungsfeld zwischen ihrer West- (Rheinland) und Ost-Heimat (Vorpommern). Sie arbeitet im Landkreis Ucker-Randow seit Jahren an sozialen und kulturpolitischen Aufgaben und verarbeitet ihre west-östlichen Wahrnehmungen in Gedichten und Prosa (Barackenleben, Die Implodierten).
Richard Anders, geboren 1928 in Ortelsburg (Ostpreußen), lebt in Berlin. Prägend für sein literarisches Schaffen wurden – nach erster Bekanntschaft mit surrealistischer Literatur und Kunst in den 40er Jahren – Begegnungen mit Hans Henny Jahnn (50er Jahre) und André Bretons Surrealistenkreis (60er Jahre). 1998 erhielt er als erster Preisträger den Greifswalder Wolfgang-Koeppen-Preis. Er schreibt Gedichte, Prosa (autobiographischer Roman, Kurzprosa), Essays für Zeitschriften und Rundfunk und übersetzt aus dem Englischen und Französischen. In der Edition des Wiecker Boten erscheint: Wolkenlesen. Essays und Rezensionen über Surrealismus und hypnagoge Bilder.
Ingrid Fichtners Gedichte wehen von irgendwo her. Und einen Schlusspunkt setzen sie selten.
Wie so oft in der Sparte Lyrik, gilt es ein Bändchen anzuzeigen, dessen äussere Eigenschaft das Adjektiv schmal bezeichnet. Im vorliegenden Fall handelt es sich nicht nur um ein schmales, sondern zugleich auch um ein schönes Buch: Das Atelier Bodoni in Frauenfeld hat Ingrid Fichtners „Das Wahnsinnige am Binden der Schuhe“ im Handpressendruck produziert. Die individuelle Gestaltung gibt auch den unscheinbaren unter den Gedichten einen Rahmen, in dem sie sich entfalten können. Denn Platz braucht diese Lyrik – bedingt durch ihr hervorstechendstes Merkmal, offene Ränder zu haben. / Philipp Gut , Tages Anzeiger 21.3.01
Ulrike Draesners reicher Gedichtband „für die nacht geheuerte zellen“
Die Poetisierung des Banalen, besser: die Befreiung des Poetischen aus dem Banalen gelingt Draesner mit Leichtigkeit und Genauigkeit, eben mit „exakter Fantasie“. Die epilierten Haare verwandeln sich zu Hieroglyphen der Natur; man erinnert sich an Büchners Woyzeck, der die Pilzringe auf dem Feld zu verstehen versucht: „Wer das lesen könnte.“
Am erstaunlichsten an diesem Gedichtband ist wohl die Variierungsfähigkeit Draesners. Die düstere Tom-Waits-Großstadt-Ballade findet sich wie das nachdenkliche Landschaftsgedicht, Lyrik über die Eltern wie ein „fußballgedicht“, Neun-Zeiler wie Vier-Seiter, Witz wie Wut, Durchgeistigtes neben Leiblichkeit. / FR 21.3.01 Rolf-Bernhard Essig
TÜRSCHILD
Vorsicht, bissige Stille, was knarrt
sind nur ein paar verzogene Jahresringe,
die Königssuite einer Bruchbude ist hier,
und jeder Tag hat vierundzwanzig Überstunden.
Türschild ist ein im Dezember 2000 entstandenes, bislang unveröffentlichtes Gedicht des 1960 geborenen Walle Sayer, der so überhaupt nicht in die Schablonen bundesrepublikanischer Wirklichkeiten passt. Wohl deswegen sind ihm bereits eine ganze Reihe literarischer Preise verliehen worden, denn die saturierten Niemandslandwohlstandsbildungspolitiker mögen es, wenn statt ihrer der eine oder andere ein wenig aus der Reihe tanzt: alter ego? Wer weiß… / Theo Breuer, Titel , Magazin für Literatur, Film und Crossover
In der Weltkultur hat sich Afrika im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts langsam, aber sicher seinen Platz erobert. Nun sind es die Afrikaner selbst, die auf Grund religiöser Differenzen die einheimischen Werte torpedieren und zerstören. Der nigerianische Lyriker und Journalist Obi Nwakanma berichtet aus eigener Erfahrung
Eine neue Furie ist in Afrika am Werk: ein religiöser Fundamentalismus, der sich aus Armutund Verelendung, aus der Bedrohung durch Gewalt und tödliche Krankheiten – Aids, Ebola,Tuberkulose – nährt. In ihrer Verzweiflung stürzen sich die Menschen in extreme Glaubensformen, die sie im Extrem leben – um den Preis, die eigene Vergangenheit auszulöschen. Wenn ich heute mein Heimatdorf besuche, verspüre ich eine Art Fremdheit, eine Leere, einen kalten und unfreundlichen Lufthauch – als hätten unsere Vorfahren tatsächlich ihre heiligen Stätten verlassen, und uns damit. /NZZ 20.3.01
Conradys Gedicht-Sammlung ist Band des Jahres
Weßling (rpo). Der Kölner Germanistikprofessor und Herausgeber Karl Otto Conrady hat das Gedichtband des Jahres 2001 geschrieben. Die Sammlung „Das große deutsche Gedichtbuch“ist der Gedichtband des Jahres.
Die Redaktion „Das Gedicht“ hatte im Zeitraum von Herbst 1999 bis Frühjahr 2001 rund 600 Neuerscheinungen im Bereich der deutschsprachigen Gegenwartsdichtung ausgewertet, teilte der in Weßling bei München beheimatete Herausgeber Anton G. Leitner am Montag mit.
„Der Neue Conrady“ versammelt mehr als 2000 Gedichte aus über 1000 Jahren, vom berühmten „Wessobrunner Gebet“ bis hin zum Liebesgedicht „Kleine Einladung“ des 1974 geborenen Slam-Poeten Bastian Böttcher. Die im Düsseldorfer Artemis & Winkler Verlag erschienene Anthologie (1307 Seiten, DM 78,–) lädt nach Meinung der Lyrik-Experten zu einer „poetischen Zeitreise ein und vermittelt einen plastischen Eindruck vom nahezu unermesslichen Formen- und Perspektivenreichtum unserer Lyrik“./ Neuß-Grevenbroicher Zeitung 19.3.01
Neu aufgenommen sind u.a. Ch. W. Aigner, Wilhelm Bartsch, Marcel Beyer, Thomas Böhme, Zehra Cirak, F.J. Czernin, Roza Domascyna, Anne Duden, Jan Faktor, Franzobel, F. Ph. Ingold, Kito Lorenc, Heiner Müller, Said, Werner Söllner, Peter Waterhouse, Unica Zürn.
Eine „Lange Nacht der Poesie“ mit Volker Panzer und Gaesten
Mainz (ots) – Aus Anlass des UNESCO Welttages der Poesie gibt es am Mittwoch, 21. März 2001, von 0.00 bis 2.30 Uhr ein ZDF-„nachtstudio“ der besonderen Art: „Die Stimme kommt zum Text“ heißt es dann bei Volker Panzer und seinen Gästen, die gemeinsam die „lange Nacht der Poesie“ bestreiten. Die Veranstaltung, Lyrik-Lesungen, Performances und Diskussionen über Poesie, zeichnet das ZDF bereits am Samstag, 17. März 2001, ab 20.00 Uhr im glasbedeckten Atrium im Hauptstadtstudio Unter den Linden vor Publikum auf. Zu Gast sind Lautpoeten, experimentelle Dichter, Wortkünstler und Slamer aus Deutschland, der Schweiz, den USA, Holland und dem Irak: Oskar Pastior (Deutschland), Adolf Endler (Deutschland), Gerhard Rühm (Deutschland), Monika Lichtenfeld (Deutschland), Christian Uetz (Schweiz), Michael Lentz (Deutschland), Sapphire (USA), Uwe Kolbe (Deutschland), Amal Al-Juburi (Irak), Jan Off (Deutschland), Serge van Duijnhoven (Holland), Valerie Scherstjanoi (Deutschland), Hilde Kappes (Deutschland), Die modernen Formen der Lyrik haben sich geweitet und geben nicht nur Raum für Worte und Laute, sondern auch für körperbetonte Ausdrucksweisen. Über die theoretischen Hintergründe dieser Entwicklung und die Auswirkungen für die Lyrik in der Zukunft diskutiert Volker Panzer mit Michael Lentz (Lyriker), Oskar Pastior (Lyriker), Thomas Wohlfahrt (Leiter der LiteraturWERKstatt Berlin), Claudia Schmölders (Kulturwissenschaftlerin, Humboldt Universität, Berlin) und Reinhart Meyer-Kalkus (Literaturwissenschaftler, Wissenschaftskolleg Berlin). „Die lange Nacht der Poesie“ ist – wie schon im Vorjahr – eine Gemeinschaftsveranstaltung von ZDF, DeutschlandRadio Berlin und der LiteraturWERKstatt Berlin.
Peter Ruzickas erste Oper. Die Zwei-Stunden-Oper, die am nächsten Sonntag an der Semperoper in Dresden uraufgeführt wird, ist Abschluss und Krönung von Ruzickas rund 30-jähriger intensiver Auseinandersetzung mit Celans verstörender Poesie. Qualvoll suchte dieser Heimatlose, der sich 1970 in Paris das Leben nahm, Halt in der Sprache, Poesie für das Unfassbare, Unvergessbare des Holocaust. Peter Ruzicka war 20, als er nach Tönen für die „Todesfuge“ tastete. Wenig später traf er den zermürbten Dichter in Paris. „Damals war ich sehr jung, ein Parsifal, und Celan schien mit seinen Gedanken schon in einer anderen Welt. Doch das wortlos-wortreiche Gespräch, das wir führten, hat mein Leben geprägt.“ / Die Welt 18.3.01
bespricht Christiane Zintzen:
Paul Celan zwischen Trauerarbeit, Infamie und Idolatrie: Aus Distanz betrachtet, erweist sich die Rezeption seines Werkes als Spiegelbild der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Seit immer mehr Privates öffentlich wird, ist das Interesse am Dichter neu erwacht. Eine kürzlich erschienene Dokumentation zeigt die ganze Niedertracht der «Goll-Affäre» auf, während sich mit Jean Bollack und Otto Pöggeler wieder einmal zwei Exegeten einen Kampf um die «wahre» Interpretation liefern.
Und konstatiert: Celans Dunkel leuchtet auch weiter – trotz oder gerade wegen der Fackelträger seiner Erhellung. / NZZ 17.3.01
Mehr Celan 1 / 2 /
wie einfach wie schrecklich. Nirgends sonst hat Storm, als Lyriker häufig sentimental und konventionell, die Konventionen lyrischer Rede vom Tod so radikal durchbrochen – mit sprachlich konventionellen Mitteln. Mancher lyrische Bastler und Neutöner muss davor erblassen.
Storms Gedicht, das Gedicht eines Hypochonders und Melancholikers, ist 1864 ohne markanten biographischen Anlass entstanden und 1868 veröffentlicht worden. Das sagt nicht, dieses Gedicht sei kein Erlebnisgedicht. Auch der hypochondrisch imaginierte Tod kann erlebt werden. 1888, zwanzig Jahre später, ist Storm an Magenkrebs gestorben.“ / Gerhard Kaiser, NZZ 17.3.01
Wenn wir nun die Meßlatte von Adonis´ Dichtung und ihres – an Hölderlin und Heidegger geschulten – Selbstverständnisses an die dürftige Zeit … anlegen, so äußert sich deren Armut und Armseligkeit ebendarin, daß Pathos und Vision unglaubwürdig, ja verächtlich geworden sind. (Schreibt Stefan Weidner über den syrischen Dichter. / FAZ 17.3.01
„When Wordsworth wrote his poem , most daffodils weren’t golden ? they were a very pale straw yellow, nearly white ? and many had a red rim round the cup in the middle,“ she says.
„The most prolific was called the Lent Lily ? Narcissus pseudo narcissus ? and it grew wild. We have always assumed this was the one Wordsworth saw. These days, growers will tell you they don’t bother with them because they don’t live long in a vase, are papery and floppy and they don’t sell.“
But the poem may be responsible for the choices daffodil breeders have made since it was written, because it became so well-known so quickly it affected the way people thought daffodils should look. / The Independent 3.3.01
In der Frankfurter Anthologe vom 17.3. erinnert Marcel Reich-Ranicki daran, daß er vor 40 JahrenTucholsky nachdrücklich gelobt hat und gesteht ein mögliches Fehlurteil. (Also auch darin unschlagbar, Donnerwetter) FAZ 17.3. – Reinhard Lauer bespricht: Thun, Nyota: „Ich – so groß und so überflüssig.“ Wladimir Majakowski – Leben und Werk. Grupello Verlag, Düsseldorf 2000
Ein wenig versteckt – auf den Berliner Seiten der FAZ – berichtet Annett Gröschner von ihrer Zeit bei der Prenzlauer-Berg-Zeitschrift Sklaven resp. Slavenaufstand (die inzwischen zum Gegner geworden ist, siehe Zeitschriftenschau ). / FAZ 17.3.01
Das neue Gedicht: Peter M. Gräf über ein Gedicht des irakischen Lyrikers Sargon Boulus / Die Welt 17.3.01
Der paradigmatische Text hierfür sind einige berühmte Verse vom Schluss der Achten Pythischen Ode: „Eintagswesen! Was ist wer, was ist wer nicht? Eines Schattens Traum / ist der Mensch. Doch wenn Glanz, von Gott gegeben, sich einstellt, / dann ist strahlendes Licht bei den Männern, und lieblich ihre Lebenszeit.“ Was Wunder also, dass kein Gedicht so häufig erwähnt wird wie dieses – die Antithese zwingt griechischen Pessimismus und griechische Hoffnung auf engsten Raum zusammen.
Pindar. Menschenlos und Wende der Zeit. Verlag C.H. Beck, München 2000. XVIII und 1 094 S., 98 Mark. / Berliner Zeitung 17.3.01
Netzeitung-Antholigie: Jürgen Theobaldy, Ein Orakel in der Nähe / NZ 17.3.01
In der Süddeutschen vergleicht Alexander Menden die Bahandlung des Schweins in deutscher und englischer Dichtung (Töten, töten. Dichter können das Schweineschlachten auch feiern) / SZ vom 17.03.2001
Libellen als „blaue Nadeln der Luft“ und der Bergmann ein „Metzger am Bullen Fels“: Solche Metaphern kann man nur bei Johannes Kühn entdecken · in seinem jüngstem Lyrikband „Mit den Raben am Tisch“, der eine Summe seines bisherigen Schaffens zieht: In elf Abteilungen enthält er 180 Gedichte, die meisten eine Auswahl aus den 13 bisher publizierten Gedichtbänden, darunter aber auch 46 neue, bislang noch nicht in Buchform publizierte Gedichte. Zu ihr gehören unter anderem Naturbilder, Tageszeitimpressionen, Tierbetrachtungen und Beobachtungen von Menschen im Alltag, Exzerpte des Gasthaus-Zyklus oder Eindrücke aus der Arbeitswelt. …
Nachdem die Resonanz auf seine frühen Gedichte ausblieb (dem ersten Gedichtband von 1955 folgte erst 1970 ein zweiter), resignierte Kühn, zog sich zurück und verstummte ab 1980 völlig. Dass es dabei nicht blieb, hat man der Initiative und Rührigkeit seiner engen Freunde Benno und Irmgard Rech zu verdanken, die ihm den Weg zum „Nachruhm zu Lebzeiten“ ebneten, indem sie seine Gedichte auf dem Speicher in gestapelten Kartons aufstöberten, sichteten und zur Edition auswählten. Mit dem neuen Buch liegt im Hanser Verlag nun bereits der fünfte Kühn-Titel vor · und weitere werden folgen
Johannes Kühn: Mit den Raben am Tisch. Ausgewählte und neue Gedichte, Carl Hanser Verlag München, 208 Seiten, 28 Mark. Johannes Kühn liest Gedichte und ein Märchen, Gollenstein Hörbuch 2000, CD, 70 Minuten, 24 Mark. / Walter Buckl, Donaukurier 16.3.01
Was alt ist, ist neu Lyrikerin Inger Christensen über Zweifel an der Dichtung
Ich bin keine Sterndeuterin, ich bin eher eine Handwerkerin. Die Dichtung ist ja auch nur eine Stimme unter den vielen Stimmen der Welt. Und sie ist auch kein Medium, das besonders geeignet ist, auf Probleme aufmerksam zu machen. Aber man kann ja hoffen, dass Dichtung vielleicht ein Gesamtgefühl der Zustände erfahrbar machen kann. Dann und wann hat man den Eindruck, dass aus den vielen Punkten der Vergangenheit, aus den vielen Schichten des Lebens heraus etwas ausgedrückt werden kann, wovon man kaum etwas weiß. Ich glaube vor allem, dass man gerade deswegen schreibt, weil die Unlesbarkeit der Welt vorhanden bleibt. Man schreibt weiter. Während des Schreibens denkt man, dass man etwas entdeckt hat, man denkt, alles wird klar werden. Aber eigentlich ist es ja so, dass man nur schreibt, weil man weiß, dass alles unlesbar ist und bleibt. Man liest die Welt, um weiter zu lesen, und dabei bleibt immer dieser Rest. Über die Zukunft der Menschheit dagegen lässt sich überhaupt nichts sagen. Aber in jedem Moment gibt es eine Konstellation von Gedanken und Ausdrücken, die den Einzelnen auf die Spur von etwas bringen kann, das der Zukunft eine Form gibt. SZ vom 15.03.2001 Münchner Kultur
Anja Utler und Silke Scheuermann sind, 1973 geboren, die jüngsten Teilnehmerinnen, Mirko Bonné, Jahrgang 1965, der älteste. Außerdem werden Thomas Heinold, Thomas Klees, Maik Lippert, Hendrik Rost, Sabine Scho, Volker Sielaff und Jan Wagner zum öffentlichen Wettbewerb nach Darmstadt eingeladen. Am 23. und 24. März lesen sie ihre Gedichte in der Centralstation, wo die Veranstaltung zum ersten Mal ausgetragen wird; „eine publikumsfreundliche Ortswahl“, hofft Peter Benz. Der Raum wechselt, der Ablauf bleibt. Zur Eröffnung am Freitag (23.) um 17 Uhr wird der Lyriker Thomas Kling als Ehrengast gewürdigt, der Kritiker Hubert Winkels wird eine Laudatio auf den Dichter halten. Danach lesen die Kandidaten in einer Reihenfolge, die durchs Los bestimmt wird. Im Anschluss an jeden der Auftritte diskutiert die Jury öffentlich. Die Entscheidung darüber, wer am Samstagabend die 15 000 Mark des Leonce-und-Lena-Preises erhält und welche Autoren sich die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise (insgesamt ebenfalls 15 000 Mark) teilen, fällt in nichtöffentlicher Sitzung. Wieder hat Wilfried F. Schoeller die Leitung der Jury und die Moderation der Veranstaltung übernommen. Der Jury gehören die früheren Preisträger Dieter M. Gräf und Raoul Schrott an, außerdem die Kritikerin Sibylle Cramer, der Lyriker und Herausgeber Anton G. Leitner sowie die Übersetzerin und Lyrikerin Ilma Rakusa./ Darmstädter Echo 15.3.01
Rafaela Chacon Nardi ist in Havanna im Alter von 75 Jahren gestorben. Ihr erster Gedichtband war 1948 unter dem Titel «Viaje al sueño» (Reise zum Traum) erschienen. Ihre Werke wurden ins Englische, Französische und Russische übersetzt. (sda) Neue Zürcher Zeitung, Ressort Feuilleton, 14. März 2001
Spricht man von sorbischer Literatur, so fällt der Name Kito Lorenc. Er ist ihr Hirn und, was er ungern zeigt, ihr Herz. «Man kann die Heimat gar nicht zu viel lieben» heisst ein Poem voller mokanter Reimereien. Es steht im schattig blauen handgehefteten Auswahlband «An einem schönbemalten Sonntag. Gedichte zu Gedichten» und zählt auf, was es an dieser Heimat so alles zu lieben gibt, «den Lurch in der Furch», den «Laich in ihrem Teich», «den sauren Regen . . . ohne zu überlegen», daneben «beim Heimspiel ins Reimziel» sogar «ihre Fussballelfen . . . um fünf vor zwölfen»
Kito Lorenc: An einem schönbemalten Sonntag. Gedichte zu Gedichten. Mit einem Nachwort von Christian Prunitsch und Original-Holzschnitten von Christian Thanhäuser. Edition Thanhäuser, A-4100 Ottensheim 2000. 54 S., Fr. 90.-.
/ Beatrice von Matt NZZ 20.3.01
Alles umsonst, alles unsagbar. Karel Hynek Mácha, der Heine der Tschechen, mit einer Auswahl aus Prosa, Poesie und Tagebüchern
Mácha, in Prag geboren, wuchs in kleinen Verhältnissen auf. 1829 veröffentlichte er – noch auf Deutsch – seinen ersten Gedichtband, beeinflusst von der Lektüre Goethes, Schillers, aber auch der fantastischen Romantiker. Im darauf folgenden Jahr erheben sich die Polen gegen die russische Vorherschaft. Nach Niederschlagung ihres Aufstandes unterstützt Mácha in Prag flüchtige Freiheitskämpfer. Er lässt sich von ihnen und den Werken der polnischen Romantiker politisch wie ästhetisch inspirieren. Mácha begreift sich als national gesinnter Schriftsteller. Die Pflege der Volkssprache wird ihm zur vorrangigen Aufgabe. Er vertieft und erweitert sie, spielt vor allem in der Lyrik mit ihren Doppeldeutigkeiten – und ist so ein Vorläufer der literarischen Moderne. Den Heine der Tschechen nennt ihn Klabund. / Süddeutsche Zeitung 20.3.01
Am 17. März 2001 ist in St. Petersburg der Dichter und Essayist Viktor Kriwulin im Alter von 56 Jahren gestorben. Die Stadt an der Newa war für Kriwulin mehr als nur Wohnort – er trat während der siebziger und achtziger Jahre als eine der wichtigsten Figuren im literarischen Untergrund von Leningrad auf; in den neunziger Jahren engagierte sich Kriwulin in der Petersburger Demokratiebewegung, der auch die 1998 ermordete Abgeordnete Galina Starowojtowa angehörte. Es mutet wie eine körperliche Metapher der stabilitas loci an, dass Kriwulin seit seiner frühen Kindheit an einer Knochenkrankheit litt und deshalb an Krücken gehen musste – als ob das Schicksal sicherstellen wollte, dass der Dichter seine Stadt nicht verlassen konnte. / NZZ 20.3.01
In der Weltkultur hat sich Afrika im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts langsam, aber sicher seinen Platz erobert. Nun sind es die Afrikaner selbst, die auf Grund religiöser Differenzen die einheimischen Werte torpedieren und zerstören. Der nigerianische Lyriker und Journalist Obi Nwakanma berichtet aus eigener Erfahrung
Eine neue Furie ist in Afrika am Werk: ein religiöser Fundamentalismus, der sich aus Armutund Verelendung, aus der Bedrohung durch Gewalt und tödliche Krankheiten – Aids, Ebola,Tuberkulose – nährt. In ihrer Verzweiflung stürzen sich die Menschen in extreme Glaubensformen, die sie im Extrem leben – um den Preis, die eigene Vergangenheit auszulöschen. Wenn ich heute mein Heimatdorf besuche, verspüre ich eine Art Fremdheit, eine Leere, einen kalten und unfreundlichen Lufthauch – als hätten unsere Vorfahren tatsächlich ihre heiligen Stätten verlassen, und uns damit. / NZZ 20.3.01
Eine „Lange Nacht der Poesie“ mit Volker Panzer und Gaesten
Mainz (ots) – Aus Anlass des UNESCO Welttages der Poesie gibt es am Mittwoch, 21. März 2001, von 0.00 bis 2.30 Uhr ein ZDF-„nachtstudio“ der besonderen Art: „Die Stimme kommt zum Text“ heißt es dann bei Volker Panzer und seinen Gästen, die gemeinsam die „lange Nacht der Poesie“ bestreiten. Die Veranstaltung, Lyrik-Lesungen, Performances und Diskussionen über Poesie, zeichnet das ZDF bereits am Samstag, 17. März 2001, ab 20.00 Uhr im glasbedeckten Atrium im Hauptstadtstudio Unter den Linden vor Publikum auf. Zu Gast sind Lautpoeten, experimentelle Dichter, Wortkünstler und Slamer aus Deutschland, der Schweiz, den USA, Holland und dem Irak: Oskar Pastior (Deutschland), Adolf Endler (Deutschland), Gerhard Rühm (Deutschland), Monika Lichtenfeld (Deutschland), Christian Uetz (Schweiz), Michael Lentz (Deutschland), Sapphire (USA), Uwe Kolbe (Deutschland), Amal Al-Juburi (Irak), Jan Off (Deutschland), Serge van Duijnhoven (Holland), Valerie Scherstjanoi (Deutschland), Hilde Kappes (Deutschland), Die modernen Formen der Lyrik haben sich geweitet und geben nicht nur Raum für Worte und Laute, sondern auch für körperbetonte Ausdrucksweisen. Über die theoretischen Hintergründe dieser Entwicklung und die Auswirkungen für die Lyrik in der Zukunft diskutiert Volker Panzer mit Michael Lentz (Lyriker), Oskar Pastior (Lyriker), Thomas Wohlfahrt (Leiter der LiteraturWERKstatt Berlin), Claudia Schmölders (Kulturwissenschaftlerin, Humboldt Universität, Berlin) und Reinhart Meyer-Kalkus (Literaturwissenschaftler, Wissenschaftskolleg Berlin). „Die lange Nacht der Poesie“ ist – wie schon im Vorjahr – eine Gemeinschaftsveranstaltung von ZDF, DeutschlandRadio Berlin und der LiteraturWERKstatt Berlin.
So ganz an die Präzision seiner Lyrik – Kirsten liest auch ein paar Gedichte aus dem Buch „Wettersturz“ – kommt die Prosa allerdings nicht heran. Da geht es auch um das Bewahren bedrohten sächsischen Wortschatzes. Aber die Metaphern sind genauer, etwa zu Beginn des Gedichts „Erdlebenbilder“: „geboren zu Klipphausen, zwei morgen wind / hinterm haus“ … Wie er die DDR überstanden habe? Nun, sagt Kirsten, er sei halt als Naturdichter abgestempelt gewesen, als ungefährlich. Natur ist tatsächlich seine Leidenschaft, wenngleich eine tragische: „Es gibt keine mehr“, sagt Kirsten. Nur noch bearbeitete oder zerstörte Natur.“ Ein bisschen von der alten, echten Natur hat er in seinen Texten bewahrt./ Hannoversche Allgemeine 13.3.01
Der Autographenkatalog 617 des Auktionshauses Stargardt verzeichnet für die Auktion vom 20. und 21. Februar 1979 unter der Nr. 201 lakonisch: «Eigenhändiges Gedichtmanuskript mit Titelzeichnung. 18 S. folio. Auf Kartonblättern, in schlichtem Pergamentband mit rotem Rückenschild». Das schmale Werk aus Papier, Tinte und Buntstift war einst ein selbst gefertigtes Verlobungsgeschenk Else Lasker-Schülers für die Bankierstochter Lucie von Goldschmidt-Rothschild
Hebräische Balladen in der Handschrift von Else Lasker-Schüler. Hrsg. v. Norbert Oellers. Jüdischer Verlag im Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2000. 61 S., Fr. 33.-. . / Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung , 13. März 2001
… die ersten sechs Bände der neuen Sammlung Luchterhand, die in diesen März-Tagen ausgeliefert werden, sind ausschliesslich Lyrik-Titel – und der Editionsplan für 2001 und 2002 kündigt neben Klassikern des Hauses (Jandl und Christa Wolf) weitere Lyrik-Originalausgaben an! In ihrer äusseren Gestalt, dem asketisch strengen Weiss des Umschlags, auf den ein Zitat aus dem jeweiligen Band gedruckt ist, knüpfen die Bände an alte Luchterhand-Traditionen an. Aus dem Programm der alten Sammlung Luchterhand hat man Auswahlbände der JahrhundertpoetenWilliam Butler Yeats und Pablo Neruda neu aufgelegt, nebst einer klugen Sammlung mit Gedichten des russischen Unglücksdichters Sergej Jessenin, dessen Werk bislang im Luchterhand-Schwesterverlag Volk & Welt erschienen ist. – Neben diese drei Dichter der klassischen Moderne treten drei prägnante Temperamente der lyrischen Gegenwart mit Originalausgaben: Die experimentierfreudige Lyrikerin Ulrike Draesner legt nach ihren sehr eigenwilligen Shakespeare-Übersetzungen neue Gedichte vor («für die nacht geheuerte zellen»), die erneut ihren kühnen Umgang mit dem Formenrepertoire der Tradition bezeugen. Der Dichter Norbert Hummelt ist auf seinem Weg zur romantischen Wiederverzauberung der Welt noch einen Schritt weiter gegangen – und erprobt beim Entziffern der «Zeichen im Schnee» einen hohen Sehnsuchts-Ton. Die Portalfigur bei der Eröffnung der neuen Sammlung Luchterhand ist der tote Ernst Jandl, an dessen «künstlichem Baum» sich die Reihe einst emporrankte. Mit den «Letzten Gedichten» dieses grossen, verzweifelten Dichters, der in minimalistischer Lapidarität und oft obszöner Selbstanklage die Vernichtung des eigenen Werks heraufbeschwört, beginnt – vielleicht – eine neue Ära des literarischen Taschenbuchs. Michael Braun, Basler Zeitung 13.3.01
ist Trägerin des diesjährigen Apollon- Grigorjew-Preises für russischsprachige Lyrik. Die Autorin konnte die mit 25 000 Dollar dotierte Auszeichnung – die höchste ihrer Art in Russland – für den im letzten Jahr erschienenen Gedichtband «Der vierte Schlaf» im Moskauer Puschkin-Museum entgegennehmen. In deutscher Übersetzung wurde Wera Pawlowa erstmals vonder Zeitschrift «Akzente» (Heft 1, 2000) mit einer umfangreichen Lyrikauswahl vorgestellt. Id. /NZZ 13. März 2001
Die Bekundungen von Zeitgenossen lassen zusammen mit den vielen eingestreuten Texten des Dichters ein eindringliches Gesamtbild von seiner Eigenart entstehen. Heym, der an Baudelaire und Rimbaud anknüpfte, verband seine neuartige Großstadtlyrik mit kühnen Sprachbildern, verwendete dabei aber traditionelle Mittel wie den Reim und Vierzeiler mit fünfhebigen Jamben. Gerade dieser Kontrast von Inhalt und Form bewirkt jene kunstvolle Verfremdung, die von der frühen Kritik nicht gleich bemerkt wurde, heute aber evident und als besondere Qualität des Dichters anerkannt ist.
Nina Schneider: Am Ufer des blauen Tages. Georg Heym. Sein Leben und Werk in Bildern und Selbstzeugnissen Verlag Hans-Jürgen Böckel, Glinde, 223 S., zahlreiche Abb., DM 48,– ISBN 3-923793-25-1) / Peter Engel, Bocholter-Borkener Volksblatt13.3.01
Etwas Positives gleich am Anfang: Die Volksbühne in Berlin war richtig gut besucht an diesem 14. Februar, obwohl Rolf Dieter Brinkmann sicher nicht ein Autor des Volkes war und ist. Aber das Konzept der Organisatorin Elettra de Salvo [ www.elettradesalvo.de ], Brinkmann eine Hommage aus Lesung, Vortrag, Hörspiel, Film und Performance zukommen zu lassen, las sich offenbar für viele überzeugend. Und das ein Jahr nach seinem 60. Geburtstag bzw. 25. Todestag – zu spät also? Für Brinkmann ist es nie zu spät. …
Der von Jim Morrison und „The Doors“ besungene und von Brinkmann gerne zitierte Versuch „Break on through to the other side“ wurde demonstriert von einer sich vergeblich gegen biegsame, halbdurchsichtige, aber nicht nachgebende Barrieren drückenden, wälzenden, nackten männlichen Person. Ein schöner Kontrast zur ätherischen wirkenden, weiß gekleideten Di Salvo. Diese wiederum stand im Kontrast zu dem den bösen schwarzen Mann gebenden, sich leider zu häufig selbst inszenierenden und zu selten in Brinkmanns Wortkaskaden vergessenden Blixa Bargeld. Der Durchbruch hätte hier gelingen können, so aber wurde die Performance eher ein zunehmend zäher Mach-uns-den-Brinkmann-Contest.
Den Abschluss der Nacht bildete eine Party, laut Programm getragen von einem „Brinkmann-kompatiblen Soundtrack“, mixed by DJ Rygulla. Auch hier waren viele nur mit dem Kopf dabei, der nickte nämlich im Takt, aber nicht mit dem Bauch, dem Herzen, dem Rest, der völlig unbewegt blieb. Auf diese Weise sahen sie so deplaziert aus, wie Eltern auf der Party ihrer Kinder. – Die Unanpassbaren sterben, und zurück bleiben nur die Zeitzeugen.
Nächste Aufführung: 21. März 2001, Frankfurt/M. im Club U 60311
Jeremy Bartels Olaf Selg André Wunstorf, titel – Magazin für Literatur, Film und Crossover
Many critics, among them the admirably rigorous William Logan (who was inspired by A Gilded Lapse of Time to call Schnackenberg „the most talented American poet under the age of 40”), admired this sprawling tripartite epic of artistic and religious crisis and redemption. To my mind, there was more crisis than redemption. The exhaustingly spun-out sentences, the vatic obscurities („Rumors lash the angel’s robes/Into transitory statues/ Madly overturned/But they disappear without breaking”), the ambitious, rather mandarin (indeed, Eliotic) allusions to great monuments of literature (the Commedia, Osip Mandelstam ) and painting (Mantegna, Piero della Francesca), and to historical personages (Augustus, Herod, Stalin, Tiberius, Constantine)—all this smacked of a poet desperately attempting to break through an agonizingly long case of writer’s block („Years I could only thumb the page/Into featureless velvet…”) by means of sheer excess.
(…)
As small a sound
As a housefly alighting from Persia
And stamping its foot on a mound
Where the palace once was;
As small as a moth chewing thread
In the tyrant’s robe;
As small as the cresting of red
In the rim of an injured eye; as small
As the sound of a human conceived—
A human conceived, an injured eye, a fallen palace: here, before the poem has barely begun, you’re given the whole arc of Oedipus’ story, sketched with almost bleak economy.
The Throne of Labdacus by Gjertrud Schnackenberg
Supernatural Love:Poems 1976-1992 by Gjertrud Schnackenberg/ DANIEL MENDELSOHN, New York Review of Books
At the time of his greatly memorialized death in 1997, Allen Ginsberg was the most famous poet in America, to the digital Gilded Age of the 1990s what Robert Frost had been to the affluent and optimistic Camelot of the 1960s, an elder poet from an earlier age, whose insights and historical signature, acquired over long decades of public and private life, are widely sought and honored. He was an icon, and as such was famous for many reasons, his poetry being only one among them. As the most politically immersed and faithfully outspoken poet in American history, he has long been associated with Left politics and a variety of causes, ecological, aesthetic, sexual, psychological, and, on some occasions, purely rhetorical. As a poet advocating expressiveness and probity in art, he has also long been imitated and quite openly copied by his disciples across these American states. As Helen Vendler wrote in The New Yorker, Ginsberg’s political actions „make him a significant cultural figure, but it is the poetry that makes him a significant literary figure.“ / nowCulture März 2001
Dichter verschiedener Sprachen werden den 2. Unesco-Welttag der Poesie am 21. März in Berlin mit einem Lyrikertreffen begehen. Die Autoren italienischer, amerikanischer, französischer, flämischer, griechischer und deutscher Sprache werden vom 17. bis 21. März in der deutschen Hauptstadt gemeinsam ihre Gedichte übersetzen, teilte die Literaturwerkstatt Berlin mit.
Jeder Schriftsteller hat jeweils zehn Texte vorgelegt, die vorab übersetzt wurden. In Berlin soll jeder Dichter nun mit jedem seiner Kollegen Nachdichtungen erarbeiten. Am Welttag der Poesie, am 21. März, stellen die Autoren ihre Texte vor und berichten über die Erfahrungen der Zusammenarbeit. Die Texte sollen anschließend auch auf der Internetplattform www.lyrikline.org präsentiert werden.
Neben dem Berliner Uwe Kolb e gehören die Autoren Donate Berra (Mailand), Sapphire (Ford Ord/Kalifornien), Phlippe Beck (Straßburg), Bernrad Dewulf (Brüssel) und Kostas Koutsourelis (Athen) zu den Teilnehmern des Lyrikertreffens. Das Internet-Angebot wird durch weitere Autoren wie Günter Saalmann, Lutz Rathenow und Jutta Richter bereichert, die neue Lyrik für Kinder präsentieren. / N 24 , 11.3.01 City-Lyrik in Berlin und Köln
meldet die „Welt“ vom 11.3. so: Wird Lyrik, wie schon von unseren antiken Ahnen, zur Behandlung moralischer und seelischer Haltungsschäden verwendet, geschehen Wunde. Wie erfreulich, dass gleich zwei Städte sich ihren „Lokalneurotikern“ mit Lyrikangeboten nähern möchten: Die Berliner Literaturwerkstatt lädt zum „Lyriktreffen “ ein, (17.-21.3.) und in Köln findet “ lit.Cologne“ statt (21.-25.3.), ein Fest, wie es in Deutschland so noch nicht gefeiert wurde. Mit 60 Dichtern aus 20 Ländern, Stars wie Nick Hornby und Raoul Schrott inklusive.
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He wrote poetry before he wrote songs, and after Linda’s death he produced a torrent of verse. Now his lyrics and poems have been published – although Paul McCartney thinks his words look naked on their own. …
Then, after Linda died, closing their long and passionately close marriage, he wrote poetry in her memory, ‚poetry out of grief and deep emotion‘. Some of those poems are in Paul McCartney’s new book, outpourings of the heart, elegiac love songs and prayers to God. They sit alongside some of the most famous lyrics in the world, since Mitchell persuaded him to gather the past and the present together under the simple title Blackbird Singing: Poems and Lyrics 1965-1999 (it’s not, he says, meant to look like an epitaph on a tombstone; he’s not dead yet).
Recent poems are sandwiched between ‚Yesterday‘ and ‚Hey Jude‘. It’s the first time he has allowed his old songs to be reproduced like this: ‚They look a bit naked, don’t they?‘ And perhaps this marks his growing acceptance of his mythological past, a willingness to embrace what he for many years turned away from. The recent Anthologies, the return last year to the Cavern in Liverpool where he began, and now this splicing together of the Sixties with the rest of his life suggest a moving out of the extraordinary and intimidating shadow.
McCartney’s favourite self-penned poem
Her Spirit
Her spirit moves wind chimes
When the air is still
And fills the room
With fragrance of lily
Her eyes blue green
Still seem
Perfectly happy
With nothing
Her spirit sets
The water pipes a-humming
Fat lektronic forces be with ya sound
Her spirit talks to me
Through animals
Beautiful creatures
Lay with me
Bird that calls my name
Insist that she is here
And nothing
Left to fear
Bright white squirrel
Foot of tree
Faces me
With innocent gaze
Her spirit talks to me
Blackbird Singing by Paul McCartney is published by Faber & Faber at £14.99
/ Nicci Gerrard Sunday March 11, 2001 The Observer
Hagen – Die Autoren Brigitte Oleschinski und Jochen Winter sind am Sonntag mit dem Ernst-Meister-Preises für Lyrik der Stadt Hagen geehrt worden.
Am Sonntag nahmen die Berliner Zeithistorikerin und der in Paris lebende Autor die mit insgesamt 25 000 Mark dotierte Auszeichnung entgegen. Mit dem Preis solle das Bemühen der beiden Schriftsteller um die Pflege und Weiterentwicklung der deutschen Sprache und Poesie honoriert werden, hiess es in der Begründung.
Die mit jeweils 3000 Mark dotierten Förderpreise gingen an den Dortmunder Jürgen Wiersch, Helwig Brunner aus Graz und Sabine Scho aus Hamburg. Der Lyrikpreis wird seit 1981 im Andenken an den Hagener Dichter Ernst Meister (1911-1979) vergeben. Die Autoren werden jetzt in zweijährigem Turnus ausgezeichnet. Zuvor war der Ernst-Meister- Preis nur alle vier Jahre verliehen worden. Neu sind auch die Förderpreise für drei Nachwuchslyriker, von denen einer aus Westfalen stammen soll.
/ news.ch 11.3.01 – la (Quelle: sda)
Lyrik auch mal in der taz: Welche Bücher ich gerne verlegen würde(4): Rebekka Göpfert, Leiterin des Literaturprogramms im C. H. Beck Verlag
Hätte ich einen eigenen Verlag und läge der wunderbare Sonnettzyklus „Das Schmetterlingstal/ Sommerfugledalen “ der dänischen Lyrikerin, Essayistin und Romanautorin Inger Christensen nicht bereits in zwei (!) sorgfältig edierten Ausgaben auf Deutsch vor – einmal im Kleinheinrich Verlag zusammen mit einer CD, auf der die Autorin selbst liest (ein Hörgenuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte), und einmal bei Suhrkamp, versehen mit einem hervorragenden Nachwort von Thomas Sparr, in beiden Fällen in der meisterhaften Übersetzung von Hanns Grössel – dann würde ich keine Sekunde zögern und dieses Buch als Haupttitel ins Programm aufnehmen. …
Inger Christensen greift hier den Sonnettkranz auf, eine relativ strenge Zyklusform, die eigentlich aus dem Barock stammt. Der Kunstgriff der Autorin – und darin ist gleichzeitig die Faszination ihres Werkes auf mich begründet – liegt in der Zusammenführung von Logik und Mathematik mit der vermeintlichen Unordnung von Sprache: Sie schafft daraus ein Labyrinth, das seiner ganz eigenen Ordnung gehorcht. Mit unglaublicher Leichtigkeit gelingt es ihr, das Muster des Sonetts plötzlich zum Tanzen zu bringen und vor dem Leser ein eigenes, entferntes, vielleicht schon fast vergessenes Land auferstehen zu lassen.
Inger Christensen schildert einen dänischen Sommer, gefüllt vom Summen der Insekten, vom Duft der Blumen, vom Rauschen eines sanften Windes. Vor diesem Hintergrund erzählt sie uns die Geschichte ihrer Vorfahren, ihrer Großmutter und ihres Vaters, die Geschichte vom Leben, an dessen Ende der Tod steht. Und gleichzeitig – der Rahmen ist hier mehr als nur ein Vorwand – entsteht eine Poetologie, die, wenn man sich einmal darauf einlässt, die Welt neu ordnet und erklärt. Das, was man uns immer zu trennen gelehrt hat, kommt plötzlich neu zusammen: Traum und Wirklichkeit, Chronik und Märchen, Ding und Idee, Chaos und Ordnung. (mit Link auf eine Christensen- Lese- und Hörseite !) / taz 10.3.01
Mehr Christensen 1 /
Wer sich in der Literatur auf Reisen begibt, läuft kaum Gefahr, am Touristenklassensyndrom zu erkranken. Eher droht man, sich in der Weite der Andeutung zu verlieren. Raoul Schrott hält sich an fremden Orten an die Erinnerung und klassische Motive.
iv
ist die erinnerung noch überrascht daß
es so heißt hundert lira auf dem tisch
pallas athene vor dem olivenbaum auf
ihren speer gestützt das jahr die zahl
und die ganze italienische republik
was bleibt ist was die anderen erzählen
im mund gewechselte worte während
ich mit dem kleingeld in der tasche spiele
casa di rosa, anacapri, 14.6.1992
So kurz Raoul Schrotts Gedicht auch ist, es enthält trotzdem wichtige Motive der Lyrik; ein wenig, als sei es eine Parodie, die mit den Möglichkeiten des Genres spielt. Gelungene Dichtung ist jedoch häufig parodistisch, Stimmen und Motive werden übernommen und nachgeahmt. Der Katalysator, den sie dabei durchlaufen, die Person des Dichters, wandelt sie so um, dass das Endprodukt neu und eigenartig ist. Einer Gebrauchsanweisung kommt der Vers gleich: «was bleibt ist was die anderen erzählen» ? aber nur solange, bis man es selbst erzählt hat und darüber ein anderer geworden ist. / Hendrik Rost, NETZEITUNG 10.3.01
Lyrik heiße nicht „quälende Unverständlichkeit“, meint „Die Welt“; vielmehr sei sie kurz und voller Erfahrungen – wie das Leben . Gesagt getan, zwei Welt-Lyrik-Leben-Beiträge:
1. Steffen Jacobs: Ja sicher, ich bin Lyriker. Was ich sage, wird wahr
Die Lyrik kann davon nicht unberührt bleiben. Ihr Gegenstand ist ja das Subjektive, Private, Menschliche. Ebendies erfährt nun im Eiltempo eine Umwertung, wie sie selbst die schärfsten Kritiker der sogenannten „Neuen Medien“ in den achtziger Jahren schwerlich vorausgesehen haben. So ertappe ich mich in letzter Zeit immer öfter bei kulturpessimistischen Gedanken, die mir früher völlig fern lagen. Von Seiten der Medien, denke ich in solch schwachen Momenten, ist ein Dialog mit der Lyrik auf absehbare Zeit wohl nicht mehr zu erwarten. …
Wer glaubt, die magisch-rituelle Herkunft der Lyrik habe mit dem heutigen Lyrikbetrieb wenig zu tun, irrt. Die fruchtbarste Verwendung von rituellen und schamanistischen Elementen habe ich zwar öfter bei Musiker-Poeten als bei Lyrikern gefunden (beim frühen Leonard Cohen oder dem späten Tom Waits). Das Beispiel Peter Rühmkorfs zeigt jedoch, wie gegenwärtig auch Lyrikern die Problematik ist: Rühmkorfs Abhandlung „agar agar zaurzaurim. Zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven“ hält anregenden Lesestoff zur Geschichte der Assonanz bereit. Parallelen finden sich in je individueller Ausgestaltung im expliziten Schamanismus eines Ted Hughes und in der theatralischen Inszenierung des Lautlichen bei Ernst Jandl. / Die Welt 10.3.01
2. Warum Lyrik, Herr Conradi? Verleger-Frage
Die Lyrik flüstert, aber oft trägt Flüstern weiter als jedes Gebrüll. Wer sich der Lyrik öffnet, wird mit einer Intensität belohnt, die andere Literaturformen nur selten aufzubieten vermögen. Denn die Lyrik setzt der allgemeinen Flüchtigkeit textlicher Rezeption eine Präzision entgegen, die zur genauen Lektüre zwingt, und diese Wachheit für jede Nuance des sprachlichen Ausdrucks belohnt sich selbst. Ebd .
3. Es geht nicht ohne Jandl
Friederike Mayröcker: Requiem für Ernst Jandl. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2001. 48 S., 24 Mark.
Zum Neustart der Sammlung Luchterhand erscheint Ende des Monats aus dem Nachlass Jandls „Letzte Gedichte“ (128 S., 18,50 Mark). / Ulrich Weinzierl Die Welt 10.3.01
(mit letzten Gedichten von Jandl)
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