Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Wilhelm Busch (* 14. April 1832 in Wiedensahl; † 9. Januar 1908 in Mechtshausen) Aus: Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter (1883) Erstes Kapitel Wie wohl ist dem, der dann und wann Sich etwas Schönes dichten kann! Der Mensch, durchtrieben und gescheit, Bemerkte schon seit alter Zeit, Daß ihm hienieden allerlei… Continue Reading „Der verhinderte Dichter“
Ursula Krechel (* 4. Dezember 1947 in Trier) Die Frau mit dem grausamen Mund Die Frau mit dem grausamen Mund durchmißt die Messe, mißt, wägt ab, handelt trägt einen falschen Namen, der richtig ist zwischen den Visitenkarten von Wölfen fehlt ihre Karte, aber ihr Ruf bleibt. Spricht sie,… Continue Reading „Ihr Mund spricht“
Salvador Espriu (* 10. Juli 1913 in Santa Coloma de Farners; † 22. Februar 1985 in Barcelona) SO EINFACH, DASS ES DIR NICHT GEFALLEN WIRD Müde so vieler Verse, die nicht Gesellschaft leisten — der rühmenswerten Verse von exzellenten Meistern —‚ müde der Staatsaktionen… Continue Reading „So einfach, dass es dir nicht gefallen wird“
Zum 120. Geburtstag des französischen Schriftstellers Raymond Queneau, der vor allem als Oulipot bekannt wurde (Stilübungen; Zazie in der Metro; Hunderttausend Milliarden Gedichte) ein Auszug aus seinem surrealistischen Frühwerk. Raymond Queneau (* 21. Februar 1903 in Le Havre; † 25. Oktober 1976 in Neuilly-sur-Seine bei… Continue Reading „Es ist verboten nicht zu träumen“
Joseph von Eichendorff (* 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; † 26. November 1857 in Neisse, Oberschlesien) Zwielicht Dämmrung will die Flügel spreiten, Schaurig rühren sich die Bäume, Wolken zieh’n wie schwere Träume – Was will dieses Grau’n bedeuten? Hast ein Reh… Continue Reading „Hüte dich, bleib‘ wach und munter!“
Thomas Brasch (* 19. Februar 1945 in Westow, North Yorkshire; † 3. November 2001 in Berlin) CHLEBNIKOW 1 Neben den Werkhallen stehen die Drehbänke auf dem Schrottplatz. Am Fenster die Losung: Automaten treten zur Arbeit an. Aber eine Schreibmaschine bleibt eine Schreibmaschine, sagt der Dichter R. Mit Maschine oder Federkiel nur:… Continue Reading „Haltet die Formen rein, sagt der Zeitungskritiker“
Zum 85. Geburtstag von Elke Erb ein Stück aktueller Lektüre Aus: Ich bin in Straßburg geborenNotizen zu Arp Aus: Elke Erb. Poet’s Corner 3. Berlin: Unabhängige Verlagsbuchhandlung Ackerstraße, S. 14 / 18
Juan Ramón Jiménez (* 24. Dezember 1881 in Moguer, Andalusien; † 29. Mai 1958 in San Juan, Puerto Rico) ACH, NATUR, wer doch aufheben könnte deinen großen nackten Leib, wie die Steine, die wir als Kinder aufhoben, und darunter fände dein Geheimnis, klein und unendlich! Aus dem Spanischen von Fritz Vogelgsang, aus: Juán Ramón… Continue Reading „Ach, Natur!“
Theo Breuer Sei gefühllos! Johann Wolfgang Goethe ∙ Dritte Ode draußen die ringelblumen drinnen das brausausen das schwindeln geneigte geschöpfe ∙ gleichmütig ∙ gelassen — nicht schwer, langweilig ist mir mein zeit und neuerlich fieses schwindsaubrauseln ist das die hälfte ich lebe taumle —… Continue Reading „draußen die ringelblumen“
Rainer Malkowski (* 26. Dezember 1939 in Berlin-Tempelhof; † 1. September 2003 in Brannenburg) Mitten in einen Vers Mitten in einen Vers über die Vergeblichkeit menschlicher Beziehungen klingelt das Telefon. Sollen wir kommen? fragen die Freunde. Ja‚ rufe ich erleichtert, ja! Und der Vers bleibt auf dem Schreibtisch liegen, wo er eine… Continue Reading „Mitten in einem Vers“
Vergangenes Jahr starb Friedrich Christian Delius im Alter von 79 Jahren. Heute wäre sein 80. Geburtstag. Dazu ein Gedicht aus den 60er Jahren vorigen Jahrhunderts. Friedrich Christian Delius (* 13. Februar 1943 in Rom; † 30. Mai 2022 in Berlin) Armes Schwein Um zwei Uhr nachts stürmten wir das Haus des namhaften… Continue Reading „Da haben wir also doch wieder einen Fehler gemacht“
Franz Grillparzer (* 15. Januar 1791 in Wien; † 21. Januar 1872 ebenda) KUSS Auf die Hände küßt die Achtung Freundschaft auf die offne Stirn‚ Auf die Wange Wohlgefallen, Selge Liebe auf den Mund; Aufs geschloßne Aug die Sehnsucht In die hohle Hand Verlangen, Arm und Nacken die Begierde; Übrall sonst… Continue Reading „Kussgedicht“
Jürgen Landt (* 1957 in Loitz, Kreis Demmin, lebt in Greifswald) Landt wurde 1983 aus der DDR ausgebürgert und übersiedelte nach Hamburg. Über den Roman „Sonnenküsser“ schrieb Mathias Schnitzler in der Berliner Zeitung: Dieser Roman ist maßlos‚ roh, brutal. Er ist wahrhaftig. Und er ist gut. Eine derartig getriebene, aggressionsgeladene und… Continue Reading „Ich will nicht“
Sylvia Plath (* 27. Oktober 1932 in Jamaica Plain bei Boston, Massachusetts; † 11. Februar 1963 in Primrose Hill, London) Kind Dein klares Auge ist das einzig vollkommen Schöne. Ich möchte es mit Farben füllen und Enten, Dem Zoo des Neuen, Über dessen Namen du nachsinnst — April-Schneeglöckchen,* lndianerpfeife,** Kleiner Halm ohne Knitterfalte, Teich,… Continue Reading „Kind“
Eva Strittmatter (* 8. Februar 1930 in Neuruppin; † 3. Januar 2011 in Berlin) Sie war schon 43, als ihr erster Gedichtband erschien. Er kam mit dem Geruch des lange Verbotenen oder wenigstens Zurückgehaltenen. Ich las ihn damals gleich und mehrmals. Obwohl ich vor allem bei den nachfolgenden Büchern mehr und mehr… Continue Reading „Ich“
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