Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ihr lebt, weil ihr geboren wurdet,
In eurer Zeit, ganz ohne Sinn.
Denn eure Spezies ist am Ende,
und euer Dasein ohnehin.
Die Gedichte geben sich naiv und sind das Gegenteil davon: frech wie hingeschnauzt. Es wird alles in diesen Gedichten so kalt, bis es brennt. Der Reim zerrt eine Zeile in die andere, aber dem ganzen Gedicht hält er den Mund zu.
Auch kann der Geisteswissenschaftler eventuell seine geringen mathematischen Fähigkeiten umdeuten zu einer Begabung in einem Sonderreich, zu dem eine instrumentell mathematisch naturwissenschaftliche Denkweise keinen Zugang hätte.
Plötzlich sieht Trienke ihn, den Grummel blühn, und Gert sieht nichts. Trienke bringt ihm bei, was ’ne Harke bzw. ein Grummel ist.
Du liebe Trösterin
Du Sitz der Wonne
Du wohlverpackte Freude Du gläubige Begleiterin
Du wunderbares Röhrchen
Du mächtiges Röhrchen
Du Königin der Wonnen
oh bitte koimm zu mir
Die Säue grunzten dumpf und schwer:
Wir wollen keine Perlen mehr,
Seit man uns vorzuwerfen beginnt,
Perlen, die keine Perlen sind.
Ein Schauer aus zerbrochnen Krähen
ergoss sich über Klein-Irene.
Stets sollte man eine Fontäne
da bauen, wo wir sie auch sehen!
Und mein Traum wies
im Osten ein Feld: Republik
der Gelehrten. Dort, Diotima,
laß uns sein. Sinclair, mein
Präsident!
Sie hatten, Wogen, mich schwimmen gelehrt,
da sie mich überfielen
und wieder auftauchen ließen …
Er skizziert dort eine Linie der bildhaften Poesie, angefangen bei den ersten Schriftdokumenten über Hölderlin, Benn, Brinkmann und Celan bis hin zu Stolterfoht, Egger und ihm selbst. Für den Beginn dieser Traditionslinie führt er uns zurück zu beschrifteten Felsformationen in Kanaan, wobei eine wichtige Pointe hier ist, dass er die bildlichen Qualitäten von Lautschriften herausarbeitet.
Die Schleusen knirschten. Abenteuer brach aus allen Fernen.
Überm Kanal, den junge Ausfahrtwinde wellten, wuchsen helle Bahnen,
in deren Licht ich trieb. Schicksal stand wartend in umwehten Sternen.
In meinem Herzen lag ein Stürmen wie von aufgerollten Fahnen.
Einst, wenn ich satt hab‘ die menschliche Herde,
Und wenn ich nichts Bess’res zu tun haben werde
Und schlecht werd‘ gelaunt sein, weil’s draußen wird regnen,
Werde ich einfach – »das Zeitliche segnen«.
Warum denn ein Sonett? Warum denn ein Haiku? Je weiter außer Kurs eine Form ist, sie mag neu oder im Gegenteil aus der Mode geraten sein, desto eher neigen Lesende zu solch einer Nachfrage und die drängende Nachfrage wird zu einer Quelle des Misstrauens gegen das einzelne Gedicht, welches diese Form verkörpert: Schnell, so beobachte ich, wird ein bloß mögliches Problem in dieser Sache mit einem wirklichen verwechselt.
Als ich mitkriegte, dass ich kein Ge-
dicht mehr hinkriegte, kriegte ich Angst.
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