L&Poe ’17-12

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Ulrich Koch, Ganz neuer Herbst, Literarischer März, Popp und Schulz, Kolbes Attacke, Afrika, Daniel Heinsius und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Ulrich Koch

RATIONALHYMNE
(für Czechowski, Zieger und die anderen)

Nach dem ersten Kuß wollte ich mich nie mehr waschen.
Glücklich bin ich nur noch mit unreinen Reimen.
Es läßt sich einrichten, dann gilt es auszuhalten.
Das ewige Ableben macht irgendwann müde.

Ich habe Sehnsucht nach den Eltern
am Vorabend meiner Geburt,
die schlafende Schönheit, der schlafende Hund.
Stehe Tag und Nacht am Fenster. Über mir,

eine dunkle Wolke, hängt mein Land.
Stille füllt mir warm den Mund.
Meine Linke ist ein Kätzchen, meine Rechte ein Rüde.
Der Mond geht auf, ich gehe geduckt.

Im Dunkeln lauf ich nach Haus, Schnee unterm Schuh.
Wer hat mir ins Gesicht gespuckt.
Der Sonne klatsche ich Applaus, an den Händen Blut.
Ganz zu Beginn sind wir flüssig,

dann fangen wir an zu verlanden und,
allem überdrüssig, das Geliebte zu hassen
und das Schöne zu steinigen.
Das Maul schrumpft, die Lippen wandern

Richtung Mitte, auf Grund laufen die Worte
und kippen ins Leere. Einige reden einfach weiter,
andere stranden. Werft mich nicht zu den meinigen.
Legt mich zu den andern.

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Literarischer März

Andra Schwarz gewinnt in Darmstadt den Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik (€8000), die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise (€4000) gehen an Jan Skudlarek und Christoph Szalay.

Ganz humorfrei ging es im Gespräch über Andra Schwarz zu, die junge Lyrikerin, die am Ende vom Leonce-und-Lena-Preis völlig überrascht wurde. Es ist ja auch ein ernstes Thema, das sie anschlägt. Der Zyklus „Gespinste aus Luft“ erzählt in konzentrierten Versen die Begleitung eines sterbenden Menschen, den Abschied, seine Gegenwart auch nach dem Tod. Je öfter man ihn liest, desto mehr wird man berührt von der leisen Präzision, mit denen Schwarz ihre feinen Bilder formt. Jan Koneffke findet darin einen Hauch von Magie, wenn die Stimme des Todes als kosmische Erfahrung auftaucht. Auf welcher Ebene von Konkretion und Abstraktion der Text wahrgenommen wird, bleibt dem Leser überlassen, befindet Ulrike Draesner – dieser Zyklus funktioniere auf beiden Ebenen. Am Ende wird die Jury ihre Entscheidung in einem einzigen Satz begründen, der allerdings mehrere Dutzend Wörter zählt. / Darmstädter Echo

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Popp und Schulz

Roman Bucheli begeistert:

Sowohl Steffen Popp wie Tom Schulz gehören einer jüngeren Autorengeneration an und bedienen sich ganz selbstverständlich der unterschiedlichsten Formen; sie sind nicht um jeden Preis avantgardistisch und schrecken dennoch nicht vor sprachlichen und formalen Experimenten zurück. Sie spielen mit dem Material und bleiben erst recht ganz nah an den Dingen.

Als ginge es in ihren Gedichten immer und ausschliesslich nur darum: die Welt fassbar zu machen. Also beugen sie sich mit ihren Instrumenten, mit Wort und Vers, über die Dinge. Unter solchem Vergrösserungsglas vollzieht sich dann ein magisches Geschehen: Wir sehen die Welt neu und anders – und lernen ganz nebenbei auch etwas über die Funktionsweise der Sprache: Sie lässt uns ins Herz der Dinge und der Wörter schauen. / Neue Zürcher Zeitung

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Lyrikempfehlungen 2017

Eine Initiative der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett und des Hauses für Poesie

Welche Gedichtbücher sind besonders bemerkenswert, interessant, überraschend? Die Liste mit den diesjährigen Lyrik-Empfehlungen ist jetzt unter www.lyrik-empfehlungen.de veröffentlicht. 22 Gedichtbände wurden aus den Neuerscheinungen von Anfang 2016 bis März 2017 ausgewählt.

Zum Welttag der Poesie am 21. März werden die Lyrik-Empfehlungen in mehr als 60 Buchhandlungen und Bibliotheken deutschlandweit präsentiert. Veranstaltungen finden am 24. März auf der Buchmesse Leipzig und am 19. April im Haus für Poesie in Berlin statt.

Verlagsstatistik

  • roughbooks, Suhrkamp  je 3
  • Brüterich, Hanser, kookbooks, Matthes & Seitz,  je 2
  • Droschl, hochroth, Jung und Jung, Kleinheinrich, Limmat, Maro, Wallstein, Verlagshaus Berlin je 1

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Kolbes Attacke

Kolbe eröffnet sein Thema mit einer kaum beachteten Attacke gegen den Lyrikbetrieb, welchen er „Jahrmarkt der Innovationen“ nennt. Und, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, trennt er die „Hersteller von deutsch-sprachigen Gebilden, welche en gros und en détail üblicherweise Gedichte genannt und in vielen recht ansehnlichen Büchern verbreitet werden“ von jenen Poeten, die zum Wesensgrund ihres Schreibens gelangen. / Kristian Kühn über Uwe Kolbes am 7. Februar 2017 im Lyrik Kabinett gehaltene Münchner Rede zur Poesie, Signaturen

Uwe Kolbe: Dämon und Muse – Temperamente der Poesie. Münchner Reden zur Poesie. Hrsg. von Holger Pils und Frieder von Ammon. München (Stiftung Lyrik Kabinett) 2017. 33 Seiten. 12,00 Euro.

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Nachtrag zum Welttag der Poesie

Bei uns ist ja nicht viel los, aber englischsprachige Medien lassen was springen zum festlichen Anlaß. Eine kleine Blütenlese:

  • 30 Dichterporträts vom Life Magazine – Pound, Eliot, St. Vincent Millay, Sandburg usw. … http://time.com/4700914/poets-portraits-life-magazine/
  • Three Latin American Jewish Poets bei Forward: Juan Gelman, Alejandra Pizarnik und Elizabeth Schön!
  • 5 Indigenous poetry collections to read on World Poetry Day bei cbc.ca
  • 28 of poetry’s most powerful lines ever written. Featuring selected works from the likes of T.S. Eliot, Neruda, Margaret Atwood, Walt Whitman, and Wilfred Owen / Independent
  • Jamaica’s poet laureate, Mervyn Morris, is in the Cayman Islands to participate in local events in connection with Tuesday’s World Poetry Day. Cayman Compass
  • the best twitter poems
  • 5 young British spoken word poets to listen to today beim Evening Standard
  • Joshua Idehen, a Nigerian-British poet, tells Focus on Africa’s Bola Mosuro what this day means for him before sharing his own poem – „Black Says“. BBC World
  • 10 all time favourite English poets bei India today
  • In Indien gratuliert der Premierminister (ich habs gelesen, aber den sehr aggressiven Link wieder entfernt!) (hier kann man risikofreier über seine Gedichte lesen)
  • World Poetry Day would be observed across the globe including Pakistan on March 21 with the aim of supporting linguistic diversity through poetic expression. The Nation
  • Pamela Anderson Observes World Poetry Day with Anaïs Nin
  • 19 things that rhyme with Trump to help inspire you this World Poetry Day

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In New York

Auf der Heimfahrt vom Büro lese ich in der U-Bahn ein Gedicht von Billy Collins mit dem Titel „U-Bahn“. Es lautet: „Während du schnell durch den Untergrund rauschst/mit einem Lied in den Ohren/oder verloren im Labyrinth eines Buchs/denke an die, die hinabstiegen/ins widerspenstige Gestein/um ein Loch durch Granit zu bohren/den Weg frei zu machen für dich/wo nur Dunkel und Fels war/denke daran, wenn du aufsteigst zum Licht.“ / Handelsblatt

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Die marokkanische Poesie

Die marokkanische Poesie zeigt eine unglaubliche Originalität, genährt vom Geist der Innovation, sagt der Dichter Khalid Haji anlässlich des Welttages der Poesie. Sie schritt von Engagement und Experiment zu einer Erneuerung der Formen, ja zu einer hybriden Art des Schreibens, das die anderen Künste wie die Malerei einbezieht. Er bezog sich auf Dichter wie Kacimi, Aïssa Ikken, Binebine und Loakira, welche seiner Meinung nach eine neue Form des Schreibens entwickelten, das Erzählgedicht (poème récit), das etwas anderes als eine poetische Erzählung (récit poétique) sei.

Die marokkanische Poesie nehme einen prominenten Platz in der Kunstszene ein, im Vergleich mit den westlichen Ländern und der arabischen Welt, argumentiert er; sie orientiere sich am kulturellen Reichtum des Zadschal (Zaǧal, zajal) und Malhun, den Rededuellen in einigen Amazigh[Berber]-Regionen und an geschriebener Poesie auf Arabisch, Französisch, in marokkanischen Dialekten und Amazigh. / MAP Express

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Sudan: Widerstand durch Poesie

Yousra Elbagir schreibt darüber, wie die jungen Dichter Sudans die nationale Tradition des lyrischen Widerstands wiederbeleben. Präsident Omar al-Bashirs Regierung führt ein strenges Regime über die Medien und kulturellen Institutionen, wo staatliche Wettbewerbe und Publikationen die einst blühende Lyrikszene zu verdrängen suchen. Schwere Polizeipräsenz in der Hauptstadt behindert die einstmals spontanen poetischen Ausbrüche auf den Straßen Khartums und dem historischen Campus. Aber der Druck erzeugte Gegenwehr. Intime Veranstaltungen und Onlineforen blühten auf „wie Rosen aus Beton“. Über Mailinglisten lädt man zu Spoken-word-Veranstaltungen mit arabisch- und englischsprachigen Dichtern ein. Die Szene überlebte Kontrollen, Drohungen und Überwachung durch Sicherheitsorgane.

2014 erregte ein Video mit dem Vortrag eines Gedichts von Miss Elhassan weltweite Aufmerksamkeit. Darin reagierte sie auf die Äußerung eines sudanesischen Professors, der im Fernsehen die „mangelnde Schönheit“ der Frauen in seinem Land beklagte. In dem Gedicht heißt es: „Offenbar sind wir nichts als hübsche Gesichter in einer Ausstellung, zum Kaufen und Verkaufen … Hübsche Gesichter wie Hirschgeweihe an der Wand aufgehängt.“

Jedesmal wenn das Video auf Whatsapp, Facebook und Twitter geteilt wurde, belebte sich der soziale Dialog, der sonst von Politikern und Professoren monopolisiert wird. Das knüpft an die Rolle von Lyrik im Zweiten Weltkrieg an, als sudanesische Truppen unter britischem Kommando und motiviert von der Aussicht auf Unabhängigkeit gegen die Achsenmächte kämpften. Die berühmte Dichterin und Sängerin Aisha Al-Falatiya ermunterte die Soldaten mit ihren Gesängen, in denen sie die Macht Hitlers und Mussolinis mit einer „fremden Münze ohne Wert auf unserem Markt“ verglich. Heute setzen Dichter wie Al-Saddig Al-Raddi Gedichte im Widerstand gegen die Arabisierungspolitik des Regimes ein. / BBC

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Hörspielfestival Horchposten II

Modellpositionen 6.3.-4.4.2017 in der Alten Schmiede

Nach einem äußerst hörenswerten Auftakt mit Produktionen von Robert Schoen präsentiert am Dienstag, dem 28.3., um 19 Uhr der Westdeutsche Rundfunk (WDR) unter dem Titel Hörspiel akut sein Programm in der Alten Schmiede. Mit dem Experimental-Labor Hörspielstudio ab den 1960ern (später: Studio Akustische Kunst) unter der Leitung von Klaus Schöning kam dem WDR als Förderer und Initiator eine eminent wichtige Rolle in der Entwicklung der radiophonen Kunst zu. In der Alten Schmiede stellt die WDR-Hörspielredakteurin Isabel Platthaus exemplarische Produktionen vor. Mit ihr spricht Elisabeth Zimmermann, Redakteurin des Ö1-Kunstradios.

Über das Hörspielfestival

Von 6. März bis 4. April widmet sich die Alte Schmiede Modellpositionen des zeitgenössischen Hörspielschaffens:
Mit HORCHPOSTEN II (Nachfolgeprojekt von Horchposten I im März 2016) lenkt die österreichische Autorin und Hörspielregisseurin FALKNER den Blick auf die Institutionen, die die Kunstform Hörspiel tragen, ermöglichen und fördern. An vier Abenden werden Hörspielredaktionen öffentlich-rechtlicher Sender porträtiert, die mit ihren Produktionen die zeitgenössische Hörspielästhetik wesentlich prägen. Zudem werden studentische Hörspielprojekte vorgestellt. Exemplarische Hörspielproduktionen werden zur Gänze oder in Ausschnitten zu hören sein und verbinden sich mit Gesprächen der RedakteurInnen, HörspielmacherInnen und -kritikerInnen über Gegenwart und Zukunft einer Kunstform, die sich trotz schwindender finanzieller Mittel und der schwindenden öffentlichen Aufmerksamkeit beständig weiterentwickelt hat und zu den essenziellen literarischen Ausdruckformen zählt.

Als Epilog zum Hörspielfestival wird am 20. April der soeben erschienene Band der Werkausgabe radiophone poesie von GERHARD RÜHM präsentiert. Rühm hat in über 50 Jahren Hörspielschaffen die Entwicklung einer radiophonen Kunst maßgeblich mitgeprägt.


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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche aus diversen – meist digitalen – Postmappen und Kladden. Mal anonym, mal namentlich.

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Ganz neue Herbste (Mehr ist dazu nicht zu sagen)

Die Toten interessieren sich nicht für uns? Werch ein Illtum! L&Poe proudly presents: Helmut Heißenbüttel als L&Poe-Beiträger!

So unsterblich seine lyrischen Zeilen auch sind: Rilke wars nicht. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

(Für den angekündigten Beitrag  „Wie eine Gattung entsteht“ muß ich in Leipzig noch recherchieren)

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Gestorben

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Neue Zeitschriften
  • Abwärts! 18. 4. Jg., Jan. 2017. 5 Euro. – Ulrich Zieger: Armut und Mittellosigkeit. Nachrufe von Henryk Gericke auf Fan Gadget, Ian Curtis, Joe Strummer, Bob Marley, John Peel u.a. Musiker. Robert Mießner über Gil Scott-HeronGedichte von Tone Avenstroup, Bert Papenfuß, Andreas Paul, Andrej Oponenko, Kai Pohl, Jazra Khaleed, Ronald Galenza, Asta Olivia Nordenhof, Steve Dalachinsky. Jürgen Schneider über Fidel Castro, Elsmann-Papenfuß und Jürgen Link

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Kurz gesagt
  • „Keiner braucht es so richtig, keiner will es so richtig, keiner mag es so richtig und doch ist es immer da“, sagt Michael Krüger über das Gedicht. / NDR
  • Die Massen können die Moral lesen, aber um Gottes willen, lasst sie nicht unsere Poesie verderben. Oh ihr Dichter, stolz wart ihr doch schon immer; seid noch mehr: werdet geringschätzig! / Stephane Mallarmé, DLF
  • To read poetry, to return to a space for second thoughts, for complexity, for empathy, for words that are not defensive or aggressive or divisive or belittling, renews a faith in language and stillness, and a courage in the possibilities of protest, of “speaking truth to power”. Poetry is always a form of political intervention, since it creates a reader who is interested in other people, in relations between experience and truth. / Nick Laird, Guardian

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Kurz berichtet
  • Ausschreibung zum Dresdner Lyrikpreis 2018 hier
  • Ausschreibung zum Caroline-Schlegel-Preis: Am 9. September 2017 wird zum siebenten Mal von der Stadt Jena der Caroline-Schlegel-Preis im Genre Feuilleton und Essay verliehen. Bis zum 30. Juni können Manuskripte eingesandt werden. Hauptpreis 5.000 € , Förderpreis 2.500 €. Romantikerhaus Jena
  • Der Stuttgarter Gemeinderat hat am 16. März dem Vorschlag der Jury zur Verleihung des 18. Johann Friedrich von Cotta-Literatur- und Übersetzungspreises 2017 an den Schriftsteller Peter Stamm und die Übersetzerin Petra Strien zugestimmt. Der Preis ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert. Die Preisträger erhalten je 10.000 Euro. Der Preis wird seit seiner Gründung im Jahr 1978 als Preis für Autoren und Übersetzer verliehen. / stuttgart.de
  • Zum ersten Mal seit Etablierung der neuen Abiturprüfung in Frankreich vor über 20 Jahren steht eine Frau auf der Leseliste für Literatur. Für die Prüfungen 2018 müssen die Schüler den Roman La Princesse de Montpensier von Madame de Lafayette lesen. / Guardian
  • Mehr als 200000 Amerikaner, unter ihnen Jasper Johns, Rosanne Cash, Art Spiegelman, Hanya Yanagihara, Salman Rushdie und Neil Gaiman, forderten den Kongreß auf, den Entwurf des Bundeshaushalts zurückzuweisen. Dieser sieht die Streichung der Regierungsproramme NEH (National Endowment for the Humanities) and NEA (National Endowment for the Arts) vor. Sie machen nur 0,03% der föderalen Ausgaben aus, mit denen Literatur, Forschung, bildende Künste, Tanz, Theater, Museen und Kunsterziehungsprogramme unterstützt werden. „Wenn man diese lebenswichtigen Institutionen abschafft, schwächt man Amerikas Statur als Heimat für freie Denker und einen der globalen Führer geisteswissenschaftlicher Forschung“, heißt es in der Erklärung. / PEN America
  • Warum amerikanische Lyrik gegen Populismus hilft, untersucht die Süddeutsche Zeitung
  • Die Sängerin Patti Smith hat in aller Stille das rekonstruierte Haus Rimbauds in Roche gekauft. In diesem Ardennendorf hat Rimbaud „Ein Aufenthalt in der Hölle“ geschrieben. Le Journal des Arts
  • Der marokkanische Dichter Mohamed Bennis erhielt in der palästinensischen Botschaft in Rabat die Medaille für Kultur und Kunst des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas. / Medias24
  • Nur fünf Gedichte sind von ihm überliefert, über sein Leben weiß man so gut wie nichts. Doch spricht uns der hellenistische Dichter Phalaikos in diesen acht Versen über einen Schiffbruch auf dem Mittelmeer aus dem Herzen. Schreibt Frieder von Ammon in der Frankfurter Anthologie
  • Kevin Young wird neuer Lyrikredakteur (poetry editor) des New Yorker. Er löst Paul Muldoon ab, der nach 10 Jahren zurücktritt. Kevin Young ist Lyriker und leitet seit 2016 das Schomburg Center for Research in Black Culture. Sein letzter Gedichtband “Blue Laws: Selected & Uncollected Poems 1995-2015” kam auf die Longlist des National Book Award 2016. / New York Times
  • Der Brunel International African Poetry Prize (£3000) wird von der Brunel University London und Commonwealth Writers getragen und ist offen für afrikanische Dichter weltweit. Auf der Shortlist 2017 stehen die nigerianischen Dichter Saddiq Dzukogi, Rasak Malik Gbolahan, Kechi Nomu und Romeo Origun sowie Sahro Ali (Somalia) Leila Chatti (Tunesien), Kayo Chingonyi (Sambia), Yalie Kamara (Sierra Leone), Richard Oduour Oduku (Kenia) und Nick Makoha (Uganda). / Daily Trust
  • Is Pakistan Still A Poetic Country? fragt die Huffington Post

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Lyrikkalender

Vom 6.-31. März findet das Festival: Berlin statt.

23.-26. März Leipziger Buchmesse

Am 25. März 1943 schreibt Paul Celan das Gedicht Schlaflied (für Ruth Kraft) und am 26. März 1968 Warum dieses jähe Zuhause: „einer, der sich in dich stach, / beatmet den Stich, // einer, er war dir der nächste, / geht sich verloren“.

Am 27. März 1843: Friedrich Theodor Vischer besichtigt den geisteskranken Hölderlin in Tübingen. Er schreibt: „ines Tages kam ich zu ihm mit einm Künstler, der ihn zeichnen wollte; zu diesem Zweck veranlaßten wir ihn, Klavier zu spielen. Das tat er gern. Er klimperte Anfänge von Liedern. Plötzlich merkt er, daß man ihn beobachtet, fährt in furchtbarem Zorn, mit verzerrten Zügen auf und überflutet uns mit südfranzösischen Flüchen und Schimpfworten.“ Erinnert sich der Professor für Ästhetik. Andere hingegen bezeugten, daß Hölderlin den Professor „noch mit voller Kraft, förmlich zur Thür hinausgeworfen“ (Schlesier) bzw. „hinter den Ofen“ (A. Keller). – Hölderlin schreibt für die Besucher das Gedicht Der Winter (Wenn sich das Jahr geändert), datiert 27. Januar 1676.

Am 28. März 1799 schreibt Suzette Gontard an Hölderlin: Die Festtage sind überstanden! und das ist mir immer lieb! – 1843: Ludwig Uhland, Adelbert Keller und Chr. Th. Schwab besuchen Hölderlin. Er schreibt das Gedicht Der Winter (Wenn sich der Tag des Jahrs hinabgeneiget). – 1849 verkündet die Frankfurter Nationalversammlung die erste demokratisch beschlossene Verfassung für ganz Deutschland (Paulskirchenverfassung), die aber nicht umgesetzt wird.

Am 29. März 1799 schreibt Siegfried Schmid an seinen Freund Hölderlin: Aber du sollst nicht traurend zürnen mit der Welt, Künstler; froh in deinem inneren Schöpfer sie lassen, wie sie ist… – 1843 schreibt Hölderlin das Gedicht Der Frühling: „Wenn aus der Tiefe kommt der Frühling in das Leben, / Es wundert sich der Mensch, und neue Worte streben / Aus Geistigkeit, die Freude kehret wieder / Und festlich machen sich Gesang und Lieder. (…)“ – 1879 werden Tschaikowskis „Lyrische Szenen“ Eugen Onegin nach Puschkin in Moskau uraufgeführt. – 1947: In Madagaskar beginnt ein Aufstand gegen die französische Kolonialherrschaft, der blutig niedergeschlagen wird. Die Opferzahlen schwanken je nach Quelle zwischen 11.000 und 100.000. Gedenktag in Madagaskar.

Am 30. März 1793 nimmt der französische Nationalkonvent den von Georg Forster, Adam Lux und André Patocki überbrachten Antrag des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents auf Eingliederung der Mainzer Republik in den französischen Staatsverband an. Die „Réunion“ wird aber nicht mehr ausgeführt, da die Rückeroberung durch die Koalitionstruppen begonnen haben. – 1847: Im Toleranzedikt erlaubt Preußens König Friedrich Wilhelm IV. den Austritt aus der Kirche.

Am 31. März 1492 Alhambra-Edikt, nach dem alle Juden in Spanien konvertieren oder auswandern müssen.

Geburtstage haben am 25. März 1741: Daniel Schiebeler, deutscher Librettist und Dichter, 1808: José de Espronceda, spanischer Dichter, 1842: Antonio Fogazzaro, italienischer Schriftsteller, 1881: Mary Webb, englische Schriftstellerin, 1920: Paul Scott, englischer Schriftsteller, 1926: Jaime Sabines, mexikanischer Dichter und Politiker, am 26. März 1789: Wilhelm Hey, deutscher Schriftsteller, 1819: Louise Otto-Peters, deutsche Schriftstellerin und Journalistin, Frauenrechtlerin, 1820: Julius Karl Arndt, deutscher Kirchenlieddichter, 1829: Théodore Aubanel, französischer Dichter, 1859: A. E. Housman, englischer Dichter, 1865: Max Neal, bayerischer Volksdichter, 1874: Robert Frost, amerikanischer Dichter, 1906: Herbert Günther, deutscher Schriftsteller und Anthologist, 1907: Mahadevi Varma, indischer Dichter, 1911: John Austin, englischer Linguist, 1911: Tennessee Williams, amerikanischer Schriftsteller, 1915: Hwang Sun-won, nordkoreanischer Schriftsteller, 1930: Gregory Corso, amerikanischer Dichter, 1942: Erica Jong, amerikanische Schriftstellerin, 1944: Diana Ross, amerikanische Sängerin, 1944: Reinhold Andert, DDR-Liedermacher, 1954: Dorothy Porter, australische Schriftstellerin; am 27. März 1576: Kaspar von Teutleben, deutscher Dichter, 1592: Jiří Třanovský, slowakischer Hymnendichter, 1665: Benjamin Neukirch, deutscher Dichter und Anthologist,  1679: Domenico Lalli, italienischer Dichter, 1746: Michael Bruce, schottischer Dichter, 1770: Sophie Mereau, deutsche Schriftstellerin, 1797: Alfred de Vigny, französischer Schriftsteller, 1810: Adolf Glaßbrenner, deutscher Schriftsteller, 1814: Charles Mackay, schottischer Schriftsteller, 1822: Henri Murger, französischer Schriftsteller, 1862: Jelena Dimitrijević, serbische Schriftstellerin und Feministin, 1866: Andon Zako Çajupi, albanischer Schriftsteller, 1871: Heinrich Mann, deutscher Schriftsteller, 1883: Marie Under, estnische Schriftstellerin, 1887: Väinö Siikaniemi, finnischer Sportler und Lyriker, 1895: Roland Leighton, englischer Lyriker, 1899: Francis Ponge, französischer Lyriker, 1901: Kenneth Slessor, australischer Dichter, 1903: Xavier Villaurrutia, mexikanischer Schriftsteller, 1909: Valery Marakou, weißrussischer Lyriker, 1910: Ai Qing, chinesischer Dichter, 1911: Veronika Tuschnowa, russische Lyrikerin, 1923: Louis Simpson, amerikanischer Dichter aus Jamaika, 1929: Žarko Petan, slowenischer Schriftsteller, 1938: Hansjörg Schneider, Schweizer Schriftsteller, 1947: Oliver Friggieri, maltesischer Schriftsteller, 1950: Julia Alvarez, amerikanische Schriftstellerin, 1964 Dominik Dombrowski, deutscher Lyriker, 1964 Hartwig Mauritz, deutscher Lyriker; am 28. März 1769: Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt, dänischer Dichter, 1815: Arsène Houssaye, französischer Dichter, 1868: Maxim Gorki, russischer Schriftsteller, 1884: Angelos Sikelianos, griechischer Dichter, 1891: Peter Suhrkamp, deutscher Verleger, 1894: Sylvia von Harden, deutsche Lyrikerin, 1895: Ángela Ruiz Robles, spanische Erfinderin, Pionierin des e-Buchs, 1914: Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller, 1924: Gerhard Fritsch, österreichischer Schriftsteller, 1956: Amanda Aizpuriete, lettische Schriftstellerin; am 29. März 1553: Vitsentzos Kornaros,  griechischer Dichter, 1735: Johann Karl August Musäus, deutscher Schriftsteller, 1863: Georg von Ompteda, deutscher Schriftsteller, 1885: Dezső Kosztolányi, ungarischer Schriftsteller, 1891: Yvan Goll, deutsch-französischer Schriftsteller, 1894: Georg Kuhlmeyer, deutscher Dichter, 1913 R.S. Thomas, walisischer Dichter, 1916: Eugene McCarthy, amerikanischer Politiker und Lyriker, 1933: Jacques Brault, frankokanadischer Dichter, 1936: Renato Arlati, Schweizer Schriftsteller, 1940: Heinz Ludwig Arnold, deutscher Publizist und Herausgeber; am 30. März 1135: Maimonides, spanischer Rabbi und Philosoph (vielleicht auch 6. April), 1613: Johann Sebastian Mitternacht, deutscher Theologe und Dichter, 1798: Luise Hensel, deutsche Dichterin, 1815: Arsène Houssaye, französischer Schriftsteller, 1844: Paul Verlaine, französischer Lyriker, 1891: Josefa Berens-Totenohl, deutsche Schriftstellerin, 1895: Jean Giono, französischer Schriftsteller, 1902: Peeter Sink, estnischer Pfarrer und Lyriker, 1906: Erika Mitterer, österreichische Schriftstellerin, 1914: Bohumil Hrabal, tschechischer Schriftsteller, 1923: Herbert Asmodi, deutscher Schriftsteller, 1923: Milton Acorn, kanadischer Schriftsteller, 1939: Christine Wolter, deutsche Schriftstellerin, 1942: María del Carmen Aquino Rotundo, uruguayische Schriftstellerin, 1970: Tobias Hill, englischer Lyriker; am 31. März 1621: Andrew Marvell, englischer Dichter,  1685: Johann Sebastian Bach, 1809: Edward FitzGerald, englischer Dichter und Übersetzer (Rubaiyat des Omar Khayyam), 1851: Karoline von Arnim, deutsche Schriftstellerin, 1882: Kornei Tschukowski, russischer Dichter, 1914: Octavio Paz, mexikanischer Schriftsteller (Nobelpreis 1990), 1924: Anna Krommer, deutschsprachige Schriftstellerin mit tschechoslowakischen Wurzeln und amerikanischem Paß, die ihren ersten Gedichtband in Israel schrieb, 1933: Nichita Stănescu, rumänischer Lyriker, 1934: Kamala Surayya (Kamala Das), indische Schriftstellerin (Englisch und Malayalam), 1936: Marge Piercy, amerikanische Schriftstellerin, 1959: Markus Hediger, Schweizer Dichter und Übersetzer

Todestage am 25. März 1458: Íñigo López de Mendoza, Marquis de Santillana, spanischer Dichter und Politiker, 1625: Giambattista Marino, italienischer Dichter, 1801: Novalis, deutscher Dichter, 1835: Friederike Brun, dänisch-deutsche Schriftstellerin, 1914: Frédéric Mistral, französischer Dichter, Nobelpreis1904, 1960: Anna Ahrens, niederdeutsche Heimatdichterin, 1961: Lorenzo Calogero, italienischer Lyriker, 1969: Max Eastman, amerikanischer Dichter und Aktivist, 1994: Bernard Kangro, estnischer Dichter, am 26. März 903: Sugawara no Michizane, japanischer Dichter, 922: Mansur Al-Hallaj, persischer Mystiker und Dichter (hingerichtet), 1881: Florian Ceynowa, kaschubischer Schriftsteller, Begründer der kaschubischen Schriftsprache, 1892: Walt Whitman, amerikanischer Lyriker, 1931: Otto Keller, schwäbischer Mundartdichter, 1935: Yosano Tekkan, japanischer Lyriker, 1954: Ferdinand Hardekopf, deutscher Schriftsteller, 1969: B. Traven, deutschsprachiger Schriftsteller, 1980: Roland Barthes, französischer Philosoph, 2008: Robert Fagles, amerikanischer Dichter, 2012: Manik Godghate,  indischer Dichter (Marathi), 2015: Tomas Tranströmer, schwedischer Lyriker, Nobelpreis 2011, 2016: Jim Harrison, amerikanischer Schriftsteller, am 27. März 853: Haymo von Halberstadt, Mönch, Bischof und Autor,  1714: Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, deutscher Fürst, Mäzen, Schriftsteller, 1891: Christo Beltschew, bulgarischer Dichter und Politiker (erschossen), 1965 Friedrich Rasche, deutscher Schriftsteller, 1997: Charles Lillard, kanadischer Dichter, 2012: Adrienne Rich, amerikanische Lyrikerin und Feministin; am 28. März 1563: Heinrich Glarean, Schweizer Dichter, 1687: Constantijn Huygens, niederländischer Dichter und Komponist, 1891: Friedrich Stoltze, Frankfurter Heimatdichter, 1929: Katharine Lee Bates, amerikanische Dichterin, 1941: Virginia Woolf, britische Schriftstellerin, 1942: Miguel Hernández, spanischer Dichter, 1967: Berta Lask, deutsche Lyrikerin,  1985: Marc Chagall, russisch-französischer Maler und Dichter, 1994: Eugène Ionesco, französisch-rumänischer Dramatiker: am 29. März 87 v.Ch. Kaiser Wu von Han, förderte die Dichtung und schrieb selbst Gedichte, 1788: Charles Wesley, englischer Dichter, 1826: Johann Heinrich Voß, deutscher Dichter und Übersetzer, 1864: Karl August Timotheus Kahlert, deutscher Dichter und Literaturwissenschaftler, 1888: Gustav Jahn, deutscher Volksschriftsteller, 1939: Tachihara Michizō, japanischer Lyriker, 1982: Carl Orff, deutscher Komponist (Carmina Burana), 2005: Miltos Sachtouris, griechischer Lyriker, 2006: Salvador Elizondo, mexikanischer Lyriker, 2011: Iakovos Kambanelis, griechischer Schriftsteller; am 30. März 1662: François le Métel de Boisrobert, französischer Dichter, 1912: Karl May, deutscher Schriftsteller, 1956: Edmund Clerihew Bentley, englischer Schrftsteller, 1959: Daniil Leonidowitsch Andrejew, russischer Dichter und Mystiker, 1967: Jean Toomer, amerikanischer Schriftsteller, 1986: John Ciardi, amerikanischer Schriftsteller, 2005: Robert Creeley, amerikanischer Lyriker, 2013: Daniel Hoffman, amerikanischer Schriftsteller; am 31. März 1631: John Donne, englischer Dichter, 1855: Charlotte Brontë, englische Schriftstellerin, 1886: Józef Bohdan Zaleski, polnischer Dichter, 1914: Christian Morgenstern, deutscher Dichter, 1980: Vladimír Holan, tschechischer Lyriker, 1995: Roberto Juarroz, argentinischer Schriftsteller

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Bücherbord

Neu im L&Poe-Regal:

  • Fortsetzung folgt: Im Zuge der Moderne. Ein Jahrhundert Litauen 1919-2018. Hrsg. Giedre Jankevičiūte / Nerijus Sepetys. Vilnius: Lithuanian Culture Institute, 2017
  • 100 Jahre litauischer Literatur: Ein Crashkurs. Hrsg. Laurynas Katkus.  Vilnius: Lithuanian Culture Institute, 2017
  • romanian literature for beginners and advanced students in 18 essays and 18 poems. Bukarest: Romanian Culture Institute, o.J.
  • Writers in Exile. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten 1999-2017. PEN-Zentrum Deutschland 2017
  • Elizabeth Bishop: Alles Meer ein gleitender Marmor. Gedichte. Zweisprachig. Hrsg./Ü: Klaus Martens. Heidelberg: Mattes, 2011

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Bienenspäßchen

„Bienenspäßchen“ ist ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat (Polymetrie). Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich kommentiere es Zeile für Zeile – die ersten 17 stehn bereit, nächste Woche geht es weiter mit 18. Etwas für Todesmutige Neugierige.

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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

der Ruf nach Stille erschallt immer lauter

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One Comment on “L&Poe ’17-12

  1. Als sehr aufschlussreich empfinde ich das Abbiegen an der Ausfahrt zum Hain der Eigentlichkeit: „Poeten, die zum Wesensgrund ihres Schreibens gelangen“. Hölderlin, Rilke, Celan zu nennen und sich ansonsten als maßgeblich hervorzutun, kommt dem Betreten von gefährlichen Allgemeinplätzen gleich.

    Als Opponenten der Auserwählten sind jedenfalls die Jahrmarkts-Innovativen ausgemacht. Wofür Uwe Kolbe früher stand, das war ja auch neu und innovativ: Laut opponieren gegen den Mief. Früher waren es die Altstalinisten und Betonköpfe des Politbüros, die Uwe Kolbe in die Quere kamen; heute sind es die die (von Kolbe gescholtenen) Innovativen, die gegen den kalten Pathosmief etwas tun. Innovation, das wird einigermaßen unterschlagen, zahlt sich in diesem Fall selten aus. Von Jahrmarkt ist da keine Spur, weder pekuniär noch von der Stimmung her.

    Wann hat Uwe Kolbe zuletzt ein längeres Gespräch mit dem Teil der Kollegenschaft geführt, der bei einem kleinen unabhängigen Verlag publiziert? Ist es nicht langweilig da oben auf dem Feldherrnhügel, so ganz allein beim Abfeuern von vagen Verdachtsmomenten.

    Es befremdet immens, dass sich Uwe Kolbe, bei einem großen Publikumsverlag unter Vertrag, als spöttischer Dissident und Kritiker eines (marktförmig organisierten) Literaturbetriebs geriert, dem er sein Emporkommen verdankt und an dessen Segnungen er nach wie vor teilhat und an dessen Preisausschreiben er teilnimmt. Manche freilich kapieren Pluralismus nie!

    Müsste er der Schar der Bücherfüllenden nicht herzlich dankbar sein? Ohne sie würden die Stars (Kolbe ist doch ein Star?) vielleicht nur halb so hell glitzern und strahlen, wer weiß? Liscows „Vortrefflichkeit und Nohtwendigkeit [sic] der elenden Scribenten“ wüsste … Etwas mehr Gelassenheit und Rundumblick stünde dem gestandenen Autor Uwe Kolbe besser zu Gesicht.

    Ein Lyriker, noch dazu auf hohem Ross, sollte Allgemeinplätze also lieber meiden. Das Lachen schallt auf Allgemeinplätzen besonders laut. Das Ross bäumt sich mächtig auf … eines „der wenigen lebenden großen“ Rösser „deutscher Zunge“ bäumt sich auf (hoppla) unter dem verdatterten Lyriker, der im Münchner Kabinett schneller als sein Schatten redete.

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