Teure Lyrik

Unverschämt billig ist dieser Titel, erhältlich bei Amazon bei buchhandel.de (also aufs Konto der Lieblings-Buchhandlung in der Nähe):

Cloudpoesie. Dichtung für die vernetzte Gesellschaft

Cloudpoesie zeigt, was passiert, wenn das Gedicht seine gedruckte Form verliert, wenn es sich vom Schreibtisch aufmacht ins Mediale, Dialogische, zu Leuten und Künsten. Ist Poesie neu denkbar im permanenten Flow der Zeichen, Kontexte und Horizonte?

Erschienen am 12. Oktober 2016, hg. von KOOK e.V.
Ergebnis einer Workshop-Performance mit Andreas Bülhoff, Martina Hefter, Georg Leß, Katharina Schultens, Andreas Töpfer, Charlotte Warsen, bearbeitet von Tristan Marquardt
ca. 100 Seiten auf dem Smartphone, mit GIFs
ISBN 978-3-944543-34-5

Man fühlt sich ermuntert und stöbert*) ein wenig auf der Buchhandelsseite. „Lyrik“ ist keine eigene Kategorie, das sind nur Sachen wie Krimi und Thriller, Ratgeber oder, ach da versteckt sie sich: Romane und Literatur. Klickt man das an, kann man verfeinern zu: „Lyrik und Dramatik“, spezieller gehts aber nun wirklich nicht.

Gibt man „Lyrik“ im Suchfeld ein, erscheinen 43,596 Treffer. Allerdings nicht sehr „treff“sicher. Die ersten Titel sind Dramen und Prosa von Dürrenmatt, Schirach, Goethe und Brecht, bevor die ersten Verdächtigen im Fach Lyrik auftauchen: Ringelnatz und Rilke. Ich verfeinere zu „Lyrik“ + „E-Books“ und erhalte nur noch 14,390 Treffer. Auch hier wenig spezifisch. Titel wie „Alles nur weil ich dich liebe“, „Die Versuchstierpflegerin. Meine Ausbildung“  oder“Die Liga der Loser“ verheißen nicht unbedingt Gegenwartslyrik. Tatsächlich scheinen die meisten Titel englische zu sein, was okay ist, aber vielleicht kann man das Kategoriensystem noch verfeinern? Ist es wirklich nicht vertretbar, „Deutsche Gegenwartslyrik“ oder „Polnische Klassik“ zu verschlagworten?

Ich blättere mich ein wenig durch und werde schon auf der zweiten Seite fündig:

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Ein stolzer Preis. Der Verlag der Oxforder Universität muß vermutlich seine unterbezahlten Autoren subventionieren lassen. Von uns Lesern. Wie viele werden sie wohl davon verkaufen?

288 Seiten soll das e-Buch haben. Man erfährt:

This volume presents the most authentic Greek text of the 154 authorized poems ever published, together with a new English translation that conveys the accent and rhythm of Cavafy’s individual tone of voice.

Nur den Namen des Übersetzers nicht. Das ist leider im digitalen Zeitalter weithin Standard. Ich kann nicht von jedem Buchhändler verlangen, daß er alle Namen und Titel kennt, aber wenn der Verlag schon teure Bücher anbietet, kann man etwas mehr Sorgfalt beim digitalen Beschreiben und Verschlagworten erwarten. Schon oft (!) habe ich Bücher nicht bestellt, weil die Anzeige des Verlages auf Kleinigkeiten wie Namen der Übersetzer oder Angaben zum Inhalt wie „Unveränderter Nachdruck“, „dritte, leicht erweiterte Ausgabe“… allzu oft verzichtet.

Ich blättere weiter. Auch das wäre interessant, aber nie zu dem Preis:
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Zu dem Rimbaudband erfährt man außer dem Preis nur:

Titel: Collected Poems
Aus der Reihe: Oxford World’s Classics
ISBN/EAN: 9780191605406
Seitenzahl: 384
Produktform: E-Book

Zweisprachig dann vermutlich nicht, Name der Übersetzer Nebensache, haben sie wenigstens die Gedichte in Prosa dabei? (Buchhändlerin blickt ratlos; zu Recht.)

Der Preis ist schon in Ordnung, kauft eh keiner. Soll wahrscheinlich auch nicht; ich vermute, solche Verlage lehnen das e-Buch eigentlich ab und gestalten den Preis so, daß man es nicht kauft.

Irgendwann taucht ein deutschsprachiger Titel auf:

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Der Preis ist in Ordnung, 6 € weniger als das gedruckte Buch. Ich hätte es dafür gekauft, nicht nur wegen des Preises, sondern weil die Regalfläche knapp ist.

Liebe Verlage, mehr gute e-Bücher zu vernünftigen Preisen!

Lieber Buchhandel, verlange bitte von den Verlagen seriöse Annoncen!

Ende des Wunschkonzerts. Und nun zurück nach oben: das Schnäppchen muß man haben!

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