Minderdichter

Josef Wilms dichtet und komponiert, Lyrik und Lieder, meist in der Nacht. Er schreibt über das Windbruchreh oder die Veilchenschnecke, über den Kahlkopfgeier und den Gelben Hans, über drei Arten Barsche, über Ravel- und Debussy-Etüden oder den vergessenen Dichter Theodor Körner. Mitunter auch von sich: vom Einsiedlerkrebs und seiner unerfüllten Sehnsucht nach der Seeanemone.

(…)

Überhaupt hat Josef Wilms sein Elternhaus kaum je verlassen. Er hat nur wenige Reisen gemacht, 1961 an den Starnberger See ans Grab des Dichters Bonsels, 1995 ins Oderbruch, wo er auf Einladung der Gemeinde Oderberg aus seinen Werken las. Nur in Köln, sagt Josef Wilms resigniert, werde er nicht zur Kenntnis genommen.

„Ich bin halt nur ein Minderdichter“, sagt er. So wurden früher die Bauerndichter genannt, so einer wie der Christian Wagner aus Warmbronn bei Stuttgart, ein Halbgebildeter, der sich anmaßte, Verse zu schreiben, aber eben kein Intellektueller oder Akademiker war. So wie Josef Wilms.

Verdrängtes und Versunkenes, Vergessenes und Bedrohtes, das sind seine Themen: Dichter, die keiner mehr liest, Komponisten, die keiner mehr spielt, Kreaturen, die keiner beachtet. „Für die Menschen Komponiertes/ bleibt oft seltsam unbekannt./ Keine Wissenschaft geniert es,/ wird Bedeutendes verbannt.“ / Rüdiger Heimlich, Kölner Stadtanzeiger

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