73. Hate Poetry

Am 15. Februar feiert die „Hate Poetry“ im „Hebbel am Ufer“ in Berlin ihren dritten Geburtstag. Neben Kazim werden acht weitere Journalisten mit Migrationshintergrund, wie das neudeutsch heißt, auf der Bühne sitzen. Sie werden Leserbriefe vorlesen und vor dem Publikum darum wetteifern, wer die absurdesten Beschimpfungen erhalten hat. In der Kategorie „Sehr geehrte Frau Fotze, lieber Herr Arschloch“ geht es um Anreden, in der der „Spiegel“-Journalist beispielsweise „Kazim, du Karzinom“ aufzubieten hat. Hassschreiben in epischer Länge finden in „Die große Oper“ ihren Platz.

„Man merkt, dem Publikum bleibt das Lachen am Anfang schon im Hals stecken“, sagt Kazim. „Aber am Ende ist es eine Riesengaudi für alle.“ Seit Jahren würden er und die „Hate Poetry“-Kollegen von rassistischen Lesern beschimpft. „Diese Briefe zu kriegen ist furchtbar. Kein Mensch freut sich darüber. Aber wir wollen mit dieser Scheiße nicht alleine bleiben.“ Das Verlesen der Schreiben vor Publikum „hat eine unglaublich therapeutische Wirkung, das sagen die Kollegen genauso“. Gleichzeitig sei die „Hate Poetry“ eine politische Veranstaltung. „Wir beziehen klar Position gegen diese Leute“, sagt der Journalist. „Wir lachen sie aus.“

Kazim erhält Mails wie diese: „Für einen Gast in Deutschland sind Sie aber ganz schön unverschämt!“ Oder auch diese: „Deutsch sein beginnt mit dem Namen. Jemand, der Hasnain Kazim heißt, kann niemals Deutscher sein!!!“ Kazim wurde in Oldenburg geboren, ist deutscher Staatsbürger und diente als Offizier in der Bundesmarine. „Ich glaube schon, dass es in Deutschland einen latenten Rassismus gibt“, sagt er. Auf einen Pegida-kritischen Kommentar bei „Spiegel Online“ habe er insgesamt 1700 Mails erhalten – darunter 900 hasserfüllte.

(…) Bei der Polizei anzeigen würde er Schreiber nie, sagt Kazim – auch wenn er oft Briefe erhalte, „die einem nahegehen, wo man schluckt“. Zum Beispiel die Mail eines Lesers, der sich dort selber als „ein Pegida-Fan“ bezeichnet und Kazim vor wenigen Tagen schrieb: „Wir Deutschen sollten mit euch Muselmanen das Werk fortsetzen, das wir mit den Juden begonnen haben! Mit dir zuerst! Ich freue mich, dir mal zu begegnen, wenn du als Rauch aus dem Schornstein wehst!“ Kazim postete das Schreiben auf seiner Facebook-Seite. Darunter fügte er hinzu: „Und mit solchen Leuten soll man einen Dialog führen?“ / Passauer Neue Presse

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