74. Mexikos Beste

Die mexikanische Literaturzeitschrift Letras Libres veranstaltete [im Jahr 2005] eine Umfrage unter ihren Lesern nach den 10 besten lebenden Dichtern des Landes. 283 auswertbare Antworten gingen ein (immerhin deutlich mehr als bei einer Umfrage einer bayrischen Lyrikzeitschrift in den 90ern, die damals als Agenturmeldung lief und die als Tatsache vermeldete, Benn habe Brecht überholt). Die Mexikanern fragten nur nach Lebenden, es kamen auch unseriöse oder veralbernde Antworten, es passierten Fehler (einer der vermeintlich Lebenden war schon 13 Jahre tot), und es gab Dichter die sich selber vorschlugen sowie organisierte Manipulationsversuche. Am Ende aber hatten sie eine Liste der 10 Besten:

1 José Emilio Pacheco
2 Eduardo Lizalde
3 Alí Chumacero
4 Gabriel Zaid
5 Rubén Bonifaz Nuño
6 David Huerta
7 Ramón Xirau
8 Francisco Hernández
9 Homero Aridjis
10 Coral Bracho

6 Comments on “74. Mexikos Beste

  1. lieber axel kutsch, natürlich bestreite ich nicht die kennerschaft der von ihnen genannten lyriker und kritiker. meine skepsis gilt dem marktschreierischen ton, in dem eine umfrage mit 57 teilnehmern zur „liste der jahrhundertlyriker“ hochstilisiert wurde. zum vergleich: 283 mexikaner (ich gehe davon aus und der artikel unterstützt meine annahme, daß die leser dieser literaturzeitschrift auch vorwiegend lyriker und kritiker sind, also auch experten) wählen die 10 besten mexikanischen dichter und aus den voten von 57 deutschen stellt man gleich 2 „jahrhundertlisten“ der je 100 (!) „wichtigsten“ dichter der deutschen und der weltlyrik. mindestens mathematisch wenig belastbar!

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    • Lieber Michael Gratz, bei der Umfrage der bayrischen Lyrikzeitschrift konnte jeder Juror je zehn deutschsprachige und fremdsprachige Dichter des 20. Jahrhunderts für die Plätze eins bis zehn nominieren. Für den ersten Platz gab es zehn Punkte, für den zweiten neun Punkte usw. Vielleicht kann man auch diesem Verfahren einen gewissen Aussagewert attestieren. Aber ich meine, man sollte solche Hitlisten nicht zu ernst nehmen. Da dürften unsere Ansichten vermutlich nicht weit auseinander liegen.

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  2. Kurz vor der Jahrtausendwende lud die Redaktion dieser bayrischen Lyrikzeitschrift nicht ihre Leser, sondern über 50 Lyriker, Herausgeber, Literaturwissenschaftler und Übersetzer aus dem deutschen Sprachraum ein, ihr die Dichter zu benennen, deren Werke sie am meisten schätzen. Fast alle beteiligten sich an der Abstimmung, insgesamt 57, unter anderem Heinz Ludwig Arnold, Hans Bender, Ulrike Draesner, Robert Gernhardt, Thomas Kling, Michael Lentz, Friederike Mayröcker, Oskar Pastior und Joachim Sartorius. Bei der „Liste der deutschsprachigen Jahrhundertdichter“ ergab sich diese Reihenfolge von eins bis zehn: Benn, Celan, Brecht, Rilke, Trakl, Bachmann, Jandl, Eich, Mayröcker, Enzensberger. Die „Liste der internationalen Jahrhundertdichter“ (eins bis zehn): Pound, Apollinaire, Mandelstam, Christensen, Ungaretti, Neruda, W. C. Williams, Achmatova, Heaney, Eliot. Über Sinn oder Unsinn solcher Abstimmungen kann man natürlich geteilter Meinung sein. Aber es waren nicht die unbedarftesten
    Juroren, die sich an dieser Aktion der bayrischen Lyrikzeitschrift beteiligten.

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  3. José Emilio Pacheco ist vor ziemlich genau einem Jahr gestorben. Ansonsten verwundert mich einmal mehr die Lyrikleidenschaft der Mexikaner.

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