41. Heute

Heute vor 50 Jahren starb Jean Cocteau im Alter von 74 Jahren in Milly-la-Forêt bei Paris. Cocteau arbeitete u.a. als Journalist, Zeichner, Maler, Buchillustrator, Lyriker, Dramatiker, Romancier, Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler.

Mit Deutschland und der deutschen Sprache verband ihn eine besondere Beziehung. Schon durch sein deutsches Kindermädchen Josephine Ebel, die aus Essen stammte, lernte er die deutsche Sprache kennen und lieben. Durch sie wurde er auch mit Goethe und Kleist bekannt. Um die Übertragung seiner Schriften ins Deutsche bemühten sich so bekannte Dichter wie Rilke oder Celan. So soll Rilke kurz vor seinem Tod mit der Übersetzung des »Orphée« begonnen haben und Celan übertrug den Essay Der Goldene Vorhang ins Deutsche. Cocteau selbst schrieb auch einige Gedichte in deutscher Sprache, beispielsweise dieses

Blut

Wir haben mehr Blut als wir denken.
So schnell macht die Liebe nicht tot!
Viel Schmerzen kann uns die Liebe schenken,
Unser Blut aber bleibt noch sehr lange rot.
Und wenn wir gar kein Blut mehr haben,
Wenn man uns in die Grüfte tut;
Und sind wir noch so lang vergraben,
Für Schmerzen bleibt noch etwas Blut.

Seine deutschen Gedichte wurden erstmals von Klaus Mann 1934 in der Exilzeitschrift „Die Sammlung“ veröffentlicht.

Über seinen letzten Film Le testament d’Orphée sagte er kurz vor Abschluss der Aufnahmen: „…die außerordentliche Bedeutung dieses Films. Nach vierzig Jahren der Suche handelt es sich um das erste Experiment einer Transmutation der Worte in Handlungen. Um eine Ordnung von Handlungen wie die Ordnung der Worte in einem Gedicht. Der Film ist ein getätigtes Gedicht ohne eine Spur von poetischem Verb.“ In Statistenrollen tauchten einige seiner prominenten Freunde wie Pablo Picasso, Lucia Bosé und Luis-Miguel Dominguín auf (ca. 1:10:00). Die Hibiskusblüte, der „wahre Star des Films“ (Cocteau), ist ab 0:19:44 zu sehen.

Fernsehtip
Sonntag, 13. Oktober 2013:
20.15-21.45 arte
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Fantasyfilm, Frankreich, 1946
21.45 arte
Cocteau Marais – Ein mythisches Paar

*****

An diesem Tag im Jahr 1958, vor 55 Jahren, starb der Dichter Johannes R. Becher. In seiner Jugend war der Sohn eines Münchner Richters einer der wildesten expressionistischen Dichter, er wurde nacheinander Mitglied der USPD, dann des Spartakusbundes, aus dem die KPD wurde, aus der er dann austrat und Christ wurde und nach 3 Jahren wieder in die Partei eintrat. Er wurde Multifunktionär, überlebte Hitlers und Stalins Terror, nach dem Sieg über Nazideutschland flog er nach Ostberlin, gründete den Kulturbund, holte viele Emigranten in das östliche Deutschland, in der DDR wurde er Kulturminister, nach der Niederschlagung des Aufstands in Ungarn, nach welcher Ulbricht die Reformkommunisten ins Zuchthaus steckte, übte er Selbstkritik, versteckte seine kritischsten Gedichte so gut, daß manche erst 1990 wahrgenommen wurden, und trat von seinem Amt zurück.

Im Jahr 1950 führte er ein öffentliches Tagebuch, das er im Jahr darauf veröffentlichte. Neben viel Parteichinesisch stehen dort erstaunliche Sätze, die kein anderer damals in der DDR veröffentlichen konnte. Zum Beispiel über Generationen:

Jede Zeit muß sich auch ihre Vergangenheit neu schaffen.

***

… In Zeiten mit rasch sich veränderndem Positionswechsel muß beinahe jede Generation einen neuen, eigenen Standpunkt sich erobern gegenüber dem Gesamtkomplex der menschlichen Vergangenheit. Natürlich ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen, und so schleppt jede Generation ihren Aberglauben mit sich herum, das heißt unüberarbeitetes, mechanisch übernommenes Erbe, meist aus Namens- und Begriffsballast bestehend, der niederzieht und in ein Abgelebtes zurückholen möchte, ein oft unwiderstehlicher Sog ins Veraltete zurück, eine stumpfe, träge Altertumsmasse.

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