118. Vielfalt und Aufklärung

Ohne die Lyrikanthologien von Axel Kutsch wäre das literarische Leben im deutschen Sprachraum deutlich ärmer. Lyrik erreicht seit jeher ihre Leser vorzugsweise über Sammelbände, und immer wieder leisten diese zusätzlich Erweckungsdienste für junge Autorinnen und Autoren, die hier Vorbild und Meister entdecken und hoffentlich auch die Erkenntnis, daß fast noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Lyrik ist nie homogen, resultiert sie doch aus zahllosen Stimmen und Stilen, die hier eine Reihe von Berührungspunkte aufweisen, dort aber auch kaum eine Ähnlichkeit aufweisen. Den 50.000 ernsthaft um eigene Lyrik bemühten Autoren stehen vielleicht 500 Lesern gegenüber, die Lyrikbände käuflich erwerben – und zwar jeweils nur den besten eines Jahrgangs. Gottfried Benn hat behauptet, von seinen Einnahmen aus der Lyrik habe er die Kosten für seine Zündhölzer bestritten. Um Geld kann es also nicht gehen.

Die Stimmenvielfalt in »Versnetze_eins« bis »Versnetze_fünf« erscheint wichtiger als die Auslese. (…)

Die gegenwärtige deutschsprachige Lyrik ist von einer ungeahnten Produktivität und Vielfalt. In den letzten Jahren haben sich unzählige neue Stimmen gemeldet – mit sehr unterschiedlichen Ansätzen und nicht selten in einer intensiven Auseinandersetzung mit der lyrischen Überlieferung.In den Traditionslinien, die Axel Kutsch in »Versnetze_eins« bis »Versnetze_fünf« aufzeigt, geht es um die Rückkehr zur Aufklärung.  Axel Kutsch stimmt dem zu, aber nicht zu derselben Art von Aufklärungsliteratur. Einfach mit Aufklärung oder Klassik weiterzumachen geht gerade dann nicht, wenn man besonders stark damit sympathisiert. Das ist ein großer Gedanke Ezra Pounds: »Um etwas wieder zu tun, muß ich es neu machen. « / Matthias Hagedorn, Fixpoetry

Bücherliste

  • Axel Kutsch (Hrg.): »Versnetze_eins« bis »Versnetze_fünf«Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart. Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008 – 2012.
  • Axel Kutsch, Fegefeuer, Flamme sieben, edition bauwagen, Itzehoe 2005.
  • Axel Kutsch, Stille Nacht nur bis acht, Silver Horse Edition, Marklkofen 2006.
  • Theo Breuer, Wortlos und andere Gedichte, Silver Horse Edition 2009.
  • Wolf Doleys, Enfant perdu, Edition Lichtenberg, Odenthal 1995.
  • Holger Benkel, meißelbrut und andere gedichte, Ziethen–Verlag, Oschersleben  2009.
  • Peter Engstler, Strophen eins, Medien Streu, Ostheim/Rhön 2009.
  • Peter Ettl, Inseln – Isole, Silver horse Edition, Marklkofen 2009.
  • Andreas Heidtmann (Hg.), Poet, 9. Ausgabe, Poetenladen, Leipzig 2010.
  • Matthias Kehle, Fundus, Silver Horse Edition, Marklkofen 2009.
  • Shafiq Naz (Hg), Der deutsche Lyrikkalender. Jeder Tag ein Gedicht, alhambra publishing, B-Bertem 2012.
  • Stephanie Neuhaus, Schattenfluss, Edition Das Labor, Mülheim an der Ruhr 2009.
  • Francisca Ricinski, Zug ohne Räder / Trenul fara roti, lyrische Prosa, rumänisch und deutsch, Nachwort von Theo Breuer, Editura Fundatiei Culturale Poezia, Iasi/Rumänien 2008.
  • A. J. Weigoni, Dichterloh, LYRIKEDITION 2000, München 2005.
  • A. J. Weigoni, Gedichte, Doppel–CD, Tonstudio an der Ruhr, Mülheim an der Ruhr 2008.

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