134. e.poesie. sound & language II

Das poesiefestival berlin setzt die Reihe e.poesie am 7.6.2010 mit zwei Uraufführungen und zwei Deutschen Erstaufführungen fort.

Zum dritten Mal transformiert e.poesie den Eigenklang der Poesie in neue akustische Räume. Am 7. Juni 2010 präsentiert das poesiefestival berlin eine eigene Auftragsproduktion sowie Arbeiten von Gästen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD der Sparten Literatur und Musik, die auf unterschiedliche Weise die Übergänge von Sprache in Klang, von Klang in Sprache ausloten.

Die Uraufführung der vom poesiefestival berlin selbst in Auftrag gegebenen, audiovisuellen Poesie-Performance „Constellations“ von Mario Verandi erforscht die Möglichkeiten einer neuen, intermedialen Präsentationsform von Lyrik. Die Performance arbeitet sowohl mit fixierten, auskomponierten Elementen wie mit improvisatorischem Material. Als Grundlage dienen vier Gedichte von Monika Rinck. Die Konstellationen des Kosmos, der Gestirne und Planeten spielen ebenso eine Rolle wie die Konstellationen der Sprache selbst. Dabei steht insbesondere Walter Benjamins Begriff der „ewigen Konstellation“ Pate: „Die Ideen verhalten sich zu den Dingen wie die Sternbilder zu den Sternen. Das besagt zunächst: sie sind weder deren Begriffe noch deren Gesetze. (…) Die Ideen sind ewige Konstellationen und indem die Elemente als Punkte in derartigen Konstellationen erfasst werden, sind die Phänomene mitgeteilt und gerettet zugleich“ (Walter Benjamin, Ursprung des deutschen Trauerspiels).

Der argentinische Komponist Marcelo Toledo befasst sich in seiner „Logomaquia“ mit einem Text der rumänischen Dichterin Nora Iuga. Der kurze Auszug aus Iugas jüngstem Roman Hai să furăm pepeni („Lass uns Wassermelonen stehlen“) ist nicht nur Inspirationsquelle für die musikalische Atmosphäre des Stücks, sondern dient auch ganz konkret – durch die Dichterin selbst gesprochen – als elektroakustisches Klangmaterial.

Von Frédéric Pattar kommt das neue Werk „tresse-ébresztés“ für Gitarre und Violoncello zur Uraufführung, dem Texte des ungarischen Dichters István Kemény zugrunde liegen. Und der in Berlin lebende Stimmband-Artist David Moss (BKP-Gast 1991) unternimmt in seiner neuen Arbeit „HYPERGLYPHYX“ den Versuch, aus dem weltweit flottierenden und nicht stillzustellenden informationellen Codegebrabbel mithilfe von Textfragmenten aus Büchern von Kafka, Melville und Steven Pinker sprechend und singend Puls und Rhythmus unserer prälogischen Proto-Sprache zu rekonstruieren.

Programm

David Moss Hyperglyphyx (2010, DE) für Stimme, Elektronik, Objekte / David Moss, Komposition und Performance

Frédéric Pattar tresse-ébresztés (2010, UA) für Gitarre und Violoncello / Text: István Kemény / Kammerensemble Neue Musik Berlin

Marcelo Toledo Logomaquia (2009, DE) für Trompete, Posaune,

Tuba, Schlagzeug und Zuspielband / Text: Nora Iuga / Kammerensemble Neue Musik Berlin

Mario Verandi Constellations (2010, UA) audiovisuelle Poesie-Performance / Text: Monika Rinck / Live-Video: Rainer Kohlberger / Kontrabassklarinette: Theo Nabicht

Eine Koproduktion mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Mit freundlicher Unterstützung von ohrenstrand.net (gefördert durch das Netzwerk Neue Musik und die Kulturverwaltung des Landes Berlin).

Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Mit freundlicher Unterstützung der MARITIM Hotels Berlin.

Mo 7.6.2010, 22.00 Uhr

e.poesie. sound & language II

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10

Mit Mario Verandi Komponist, Argentinien / Monika Rinck Autorin, Deutschland / Theo Nabicht, Kontrabassklarinettist, Deutschland / Rainer Kohlberger Videokünstler, Deutschland / / Frédéric Pattar Komponist, Frankreich / István Kemény Autor, Ungarn / / David Moss Komponist / Performer, USA / / Marcelo Toledo Komponist, Argentinien / Nora Iuga Autorin, Rumänien und dem Kammerensemble Neue Musik Berlin

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