93. Grenzen sind Straßen

Im Umfeld der Vorbereitungen für den Auftritt der katalanischen Kultur als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2007 wurde vom Institut Ramon Llull (dem katalanischen Kulturinstitut) ein Buchprojekt über die Verbindungen zwischen der deutsch- und der katalanischsprachigen Kultur ins Leben gerufen. Herausgegeben von Arnau Pons und Simona Škrabec sind unter dem etwas seltsamen Titel „Grenzen sind Straßen“ zwei Bände mit je über 450 Seiten erschienen (parallel dazu jeweils die katalanische Fassung), in denen über 150 Fachleute aus zahlreichen akademischen Disziplinen in kurzen, meist vier- bis sechsseitigen Beiträgen einzelne Aspekte dieser ungleichen Beziehung beleuchten.

Jetzt hat auch die Vertretung der Regierung von Katalonien in Deutschland den Titel auf ihrer Website angekündigt, was ich zum Anlass für diesen Hinweis nehme.

Die Bände bieten Exkurse in Literatur, Film, Kunst, Architektur, Tanz, Musik, Philosophie, Soziologie, dazu einige geschichtliche und sprachwissenschaftliche Kurzdarstellungen. Leser können dank der Kürze der Texte (die nicht nur thematisch recht unterschiedlich ausfallen) und der reichen Bebilderung wie in einem Magazin blättern und aus dem rezeptionsgeschichtlichen Mosaik das eine oder andere über diese seltsame Geschichte mitten aus Europa erfahren.

Es ist auch viel Lyrik zu finden, so etwa Beiträge über Ausiàs March, Jacint Verdaguer, Joan Maragall, Carles Riba, Salvador Espriu, Agustí Bartra, Joan Vinyoli, Gabriel Ferrater, Vicent Andrés Estellés, Joan Brossa, Miquel Martí i Pol, Maria Mercè Marçal, Andreu Vidal oder Feliu Formosa, aber auch über den Einfluss Goethes, Hölderlins, Novalis’, Rilkes, Brechts, Celans und anderer auf die Dichtung in Katalonien, den Balearen und València. Darüber hinaus gibt es jeweils einen Überblick über die Lyrik-Übersetzungen aus dem Katalanischen ins Deutsche und umgekehrt, verstreut sind auch Gedichte der meisten eben genannten sowie weiterer Autoren zu finden. Es kommt nicht von ungefähr, dass in dieser Aufzählung die meisten bedeutenden katalanischsprachigen Lyriker zu finden sind, denn die Rolle der deutschen Dichtung als Bezugspunkt ist bis an den heutigen Tag besonders spürbar.

Die Bände sollten in jeder romanistischen Institutsbibliothek stehen und hoffentlich auch in Staats- und Stadtbibliotheken, die etwas auf sich halten.

Arnau Pons, Simona Škrabec (Hrsg.): Grenzen sind Straßen. Verbindungen zwischen der deutschen und der katalanischen Kultur. 2 Bde. Institut Ramon Llull, Barcelona 2008 u. 2009, 464 u. 488 S.

 /àxel sanjosé

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