86. Schwärmen

Wie – Gedichte? Für die einen komplett unzugänglich, geraten andere ins Schwärmen. Ein Kommentar von Börsenblatt-Redakteur Stefan Hauck.

Die Zahl derer, die sich von den Bildern der Klangzauberer und Sprachmagier verführen lassen, nimmt zu: Es wird öffentlich gelesen, über Poesie debattiert, die Verlage trauen sich wieder zu produzieren… / Börsenblatt für den deutschen Buchhandel #15

Auch NILS KAHLEFENDT schwärmt im gleichen Heft vom Lyrik-Boom:

Poesie-Engpass? Gedichtverknappung? Im Gegenteil: Das Lyrik-Jahr 2010 startet mit starken Auftritten, von toll choreografierten Deüts bis zu spannenden Anthologien.

… Das Lyrik-Jahr beginnt als eines mit starken weiblichen Stimmen, die – eine interessante Tendenz in Poesie und Prosa gleichermaßen zu Hause sind. … Traumwandlerisch sicher choreografiert die ausgebildete Tanzpädagogin Martina Hefter Wörter und Körper in ihrem Lyrik-Debüt »Nach den Diskotheken« (Kookbooks); ihr genauer, häufig ironischer Blick lässt uns die Welt neu sehen. …

Kritiker-Heißsporne wollten für Ron Winklers Verse schon mal eine Popband gründen, und in der Tat lässt er es in »Frenetische Stille« (Berlin Verlag) krachen: »wir spürten die Mischung / aus Revolte und Parkplatz. spürten das / Potenzial der Geisha -Chicas so, wie wir / ihre angeborenen Schmauchspuren spürten. tief / in uns selbst, wo 17Fronten-Kriege tobten.« Wenn die Amplituden von Winklers Metaphernstakkato stärker ausschlagen als in den letzten Büchern, mag das auch seiner intensiven Beschäftigung mit junger amerikanischer Lyrik als Übersetzer und Herausgeber geschuldet sein.

Dass er nicht nur einer der sprachmächtigsten Dichter seiner Generation, sondern auch ein Anthologist mit gutem Händchen ist, stellt Winkler mit einer Sammlung von Ostsee-Gedichten unter Beweis. »Die Schönheit ein deutliches Rauschen« (Connewitzer) versammelt Texte von 5o Autoren der jüngeren Lyrik-Garde; wer als Hühnergott-Sucher glücklos blieb, wird beim Blättern »im Inhaltsverzeichnis der See« (Ulrike A. Sandig) jede Menge toller Entdeckungen machen.

Besprochen wird:

Deutschsprachige Lyrik

    • > Martina Hefter: Nach den Diskotheken. Kookbooks, 80 S., 19,90 Euro
    • > Steffen Jacobs: Die Liebe im September. Wallstein, 86 S., 18 Euro
    • > Nadja Küchenmeister: Alle lichter. Schöffling & Co., 104 S., 16,90 Euro
    • > Marion Poschmann: Geistersehen. Suhrkamp, 126 S., 17,80 Euro
    • > Kathrin Schmidt: Blinde Bienen. Kiepenheuer & Witsch, 90 S., 16,95 Euro
    • > Ron Winkler: Frenetische Stille. Berlin Verlag, 96 S.,18 Euro

Anthologien

    • > Wulf Kirsten (Hrsg.): »Beständig ist das leicht Verletzliche«. Gedichte in deutscher Sprache von Nietzsche bis Celan. Ammann, 1120 S., 79,95 Euro
    • > Christian Maintz (Hrsg.): Komische Liebesgedichte. Kein & Aber, 239 S., 16,90 Euro
    • > Ron Winkler (Hrsg.): Die Schönheit ein deutliches Rauschen.  Ostseegedichte. Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 156 S., 15 Euro (Mai)

Übersetzungen

    • > Georgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen. Deutsch von Valeria Jäger, Uwe Kolbe und Alexander Sitzmann. Droschl, 120 S., 18 Euro
    • > Gwendolyn McEwan: Die T.E. Lawrence Gedichte. Deutsch von Christine Koschel. Edition Rugerup, 160  S., 19,90 Euro
    • > Gerald Stern: Alles brennt. Deutsch von Thomas Pletzinger. Matthes & Seitz, 288 S., 29,90 Euro

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: