Noch Einmal Lyrik von Jetzt

Im Großen und Ganzen herrscht eine melancholische, ja fast elegische Grundstimmung in dieser Anthologie, und es scheint, wie Mirko Bonné es formuliert, „Herbst im nervösen Jahrhundert“ zu sein. Neben dem ewigen lyrischen Thema der Liebe wendet sich die jüngste Lyrikergeneration in einem erstaunlichen Maße der Natur und dem archaischen Landleben zu: Da glitzern die Libellenflügel, zwitschern die Vögel, pflügen die Bergbauern den Acker, und bei Sabine Schiffner „grasen Kühe“ und „das stroh liegt schon lange in ballen da im herbstwind“. Kein Spur zeigt sich hier von Rebellion und Aufbruch, vielmehr scheint man der entzauberten (Medien-) Welt den Rücken zu kehren und in der Natur sowie im Natürlichen dem Geheimnis und dem Mythos hinterher zu spüren. …
Auf höchstem Niveau – sowohl im Hinblick auf Form, Rhythmus wie Variationsbreite, Sprachgewalt und (Hinter-) Sinn – präsentiert sich in Lyrik von Jetzt der Hamburger Nicolai Kobus. In „der dichter“ stellt er die Intention des Rilke-Klassikers „Der Panther“ ironisch-philosophisch auf den Kopf: „man wirft dir fleisch tagtäglich durch die stäbe / zu fressen hast du also, und warum / wünscht du dir, dass es keine stäbe gäbe? / die freiheit bringt dich doch nur um.“ / Karsten Herrmann, titel-Magazin, 22.9.03

Björn Kuhligk/Jan Wagner: Lyrik von Jetzt. DuMont 2003. Gebunden. 420 Seiten. 14,90 Euro. ISBN 3-8321-7852-X

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