Kategorie: Tamâhak (Tuaregsprache)
1. Auftakt im Lyrik Kabinett
Das Lyrik Kabinett beginnt die Saison mit einer internationalen Dichterlesung, für die verschiedene Ländervertretungen Münchens zusammenarbeiten und die unter dem Titel „Nachsommer der Dichter“ namhafte Dichter aus fünf Ländern zusammenführt. Es lesen Nanni Balestrini aus Italien, Nora Gomringer als Schweizerin, Ryszard Krynicki für Polen), Petr Halmay für Tschechien und Daniela Seel aus Deutschland. Die Moderation wird Christian Döring übernehmen. Die Lesung findet am Dienstag, den 13. September 2011, um 18.45 Uhr im Schweizer Haus, Leopoldstr. 33 statt. Nach der Lesung lädt Feinkost Farnetani zu einem Empfang ein.
Außerdem findet am Dienstag, den 22. September, nemo, das literarische Rätsel von Bayern 2, wieder live im Lyrik Kabinett statt. Diese öffentliche Präsentation des Rätsels fand beim letzten Mal den hellsten Zuspruch des begeisterten Publikums. Sie wird moderiert von Antonio Pellegrino; diesmal besteht das Rateteam neben Elisabeth Tworek und Andreas Trojan aus Cora Stephan.
85. Tuaregisierung now
Den Tuareg hat Gert Müller ein Buch gewidmet, das erstmals 1997 erschien und heute als Standardwerk und Saharaklassiker gilt. / ORF
Wie Sand im Licht des Mondes. Dichtung der Tuareg [Gebundene Ausgabe]
Gert Müller
127 Seiten
Haymon Verlag 1997 (3. Aufl. 2003)
Aus dem Vorwort: “Bei den Nachdichtungen stand das Bemühen im Vordergrund, wörtlich übersetzte Vorlagen in eine Form zu bringen, die dem europäischen Empfinden zugänglich ist und doch die Identität der Aussage und Liedhaftigkeit der Tuaregpoesie bewahrt.”
Probe:
Einmal tat ich so, als liebte ich dich nicht,
bis man mir sagte, du seiest nicht mehr.
Kennst du den Hügel,
der mein Grab sein wird?
Dort häufe ich Steine auf mein Herz.
Der Wind trägt mir deinen Atem zu
und nimmt meine Sehnsucht mit
zu dir …
(S. 54)
(Wenigstens ein paar Proben wörtlicher Übersetzung hätte man sich gewünscht – gibt es doch längst eine andere Theorie und Praxis des Übersetzens, nach der es, wie schon Benjamin zitiert, nicht darauf ankomme, das Chinesische zu verdeutschen, sondern das Deutsche zu verchinesischen. Und gibt es die Praxis nicht schon längst? Haben nicht die Vorfahren der Deutschen ihre Sprache latinisiert, um Religion und Wissenschaft auszudrücken? So haben die Minnesänger sie arabisiert, woran auch ein deutscher Kaiser auf Sizilien mitwirkte, so hat Opitz die deutsche Dichtung nederlandisiert, andere sie verfranzösischt oder der alte Goethe verpersischt, Hölderlin gräzisiert, Brecht, Eich & andere sinisiert und japanisiert und so jeweils neue Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen, ohne die unsere Dichtung immer noch wie das Hildebrandslied klänge. Tuaregisierung now!)