Kategorie: Abu Dhabi
36. “Dichten für Millionen”
Tausende fühlten sich berufen, aber nur 48 sind auserwählt: Diese 48 Dichter aus allen Teilen der arabischen Welt treten nun gegeneinander an, über 15 Wochen in einer Art künstlerischem KO-Verfahren, bis einer oder eine übrig bleibt. Der kuwaitische Dichter Seyad Ibin Nahit hat eine der früheren Runden von “Sha’ir al miliun” gewonnen – und ist seitdem ein gefeierter Lyriker. …
Neu an dem diesjährigen Wettbewerb: Bei den Kandidaten zählt fortan auch ihre Körpersprache. Denn auch die ist wichtiger Bestandteil ihrer Ausdrucksfähigkeit. Einer, darin so stark ist wie wenig andere, ist der palästinensische Dichter Tamim al Baruti. Auch er nahm an dem Wettbewerb, fiel aber durch – wegen eines winzigen Grammatikfehlers. Denn auch auf korrekte Grammatik kommt es an in diesem Wettbewerb, da sind die Veranstalter streng. Aber Baruti ist seit seinem Auftritt ein echter Lyrik-Star in der arabischen Welt. / Kersten Knipp, DLF
40. Dichter-Casting in Abu Dhabi
Dem besten Dichter winkt bei dieser Show ein Gewinn in Höhe von einer Million Dirham (205 000 Euro). Die Gedichte müssen in klassischem Arabisch verfasst und vorgetragen werden. Das ist bei der ebenfalls sehr beliebten zweiten Lyrikshow des emiratischen Senders anders – die Teilnehmer von «Dichter für Millionen» tragen ihre Verse im Dialekt vor. In den beiden Shows, die seit drei Jahren ausgestrahlt werden, hat noch nie eine Frau gewonnen. / Borkener Zeitung
100. Stiftung Wort
Ein Buch für eine Million Leser – so wenig wird jedes Jahr für die arabischen Leser übersetzt. Die Stiftung Kalima (“Wort”) will deshalb mit finanzieller Unterstützung der Kulturbehörde von Abu Dhabi jährlich mindestens 100 Titel übersetzen – aus dem Chinesischen, dem Urdu, dem Hindi und aus europäischen Sprachen. Silke Lode sprach mit Mustafa al-Slaiman, der mit Deutsch den größten Programmbereich von Kalima betreut.
Al-Slaiman: Jeder Text hat seine Eigenarten, mit denen man sich anfreunden muss. “Diana” von Joachim Sartorius war ein solcher Text, ein Liebesgedicht. Da heißt es: “Ich habe den Rücken der Welt im Wasser gesehen.” Der Rücken als Ganzes ist in der arabischen Literatur unerotisch. Die Schulter oder der Fuß sind wesentlich erotischer. Nur anschauen oder den Blick sogar etwas zurücknehmen klingt in der arabischen Poesie verführerischer als anfassen. Das sind Details, aber wenn man “Diana” wörtlich übersetzt, bleibt nichts mehr von der Erotik.
43. Millionen für Dichter
Die saudische Dichterin Hissa Hilal errang in der Endausscheidung des populären arabischen Lyrikwettbewerbs von «Abu Dhabi TV»«Dichter für Millionen» den dritten Platz. Dafür erhielt sie das Preisgeld von drei Millionen Dirham (rund 611 000 Euro).
Als sie in einer früheren Folge der Sendung ein Gedicht gegen fanatische Religionsgelehrte vortrug, die junge Männer zu Selbstmordattentaten anstacheln, tauchten in Islamistenforen im Internet Todesdrohungen auf. / MdZ 8.4.
Sieger wurde ein Dichter aus Kuwait, Nasser al-Ajami, Platz 2 ging an Falah al-Mowraqi, ebenfalls Kuwait.
Mehr: Voice of America /
120. Das Böse aus den Fatwas
Die mutigen Gedichte einer saudischen Hausfrau gegen “böse” extremistische Fatwas muslimischer Geistlicher haben ihr Todesdrohungen eingebracht, aber sie könnten ihr auch den 1,3-Millionen-Dollar-Lyrikpreis des Emirati-Fernsehens bescheren.
Vor dem Finale der Sendung “Millionen-Dichter” am Mittwoch in Abu Dhabis Staatsfernsehen sind alle Augen auf Hissa Hilal gerichtet, die einen traditionellen vom Kopf bis auf die Füße reichenden “Abaya”-Mantel trägt und ihr Gesicht verschleiert.
Sollte sie am 31.3. zur Siegerin gekürt werden, wäre sie die Meisterin der bei Golfarabern besonders geschätzten Lyrik im Beduinendialekt, Nabati.
Aber Hilal hat den Zorn der islamistischen Konservativen in ihrem Land auf sich gezogen, als sie die strikte Trennung der Geschlechter und vernichtende Fatwas gegen die Zulassung von Frauen für reine Männerberufe kritisierte.
Die lautstark vorgetragenen Meinungen der saudischen Mutter brachten ihr Todesdrohungen auf islamistischen Websites wie Ana Al-Muslim, einem Onlineforum, das dafür bekannt ist, daß es Mitteilungen von Al-Qaeda verbreitet, sagte die saudische Tageszeitung Al-Watan.
Ein Forumteilnehmer fragte sogar nach ihrer Adresse in einer unverhüllten Drohung, sie zu töten.
Hilal, die nicht studiert hat, sagte, mit ihren Gedichten wolle sie “den Extremismus bekämpfen, der ein beunruhigendes Phänomen darstellt”. Vor einigen Jahren sei die Gesellschaft offener gewesen. Jetzt sei alles komplizierter geworden. Einige Männer weigerten sich sogar, weiblichen Familienmitgliedern die Hand zu geben, was sie vor Jahren noch taten.
In ihrem Gedicht “Das Chaos der Fatwas”, das sie bei dem populären, im Fernsehen vorgetragenen Wettbewerb vortrug, klagte sie mutig, das “Böse kommt von jenen Fatwas”. / Wissam Keyrouz (AFP), google news
45. Die vier Ziele der Poesie
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben nicht nur Hochhäuser, Knete und Schulden, sondern auch eine Lyrikakademie. Selbige, in Abu Dhabi, hat gerade eine zweite, überarbeitete Version eines Buches herausgegeben,
das Licht auf einen der bedeutendsten Nabati- (volkssprachlichen)Dichter der Neuzeit wirft: Jakub (Yacoub) Al Hatimi. “Yacoub Al Hatimi, His Life and Poetry” von Sultan Al Amimi, dem Direktor der Akademie, behandelt eine symbolträchtige Figur der Lyrik der Emirate sowohl in ihrer volkssprachlichen (Nabati-) als auch klassischen (Fassih-)Gestalt. Das Buch basiert auf dreijährigen Forschungen Amimis, es enthält vier Kapitel.
Das erste Kapitel behandelt Leben und Werk Hatimis und das zweite seine Nabati-Gedichte, die mit Fußnoten und Worterklärungen mitgeteilt werden. Das dritte seine klassischen Gedichte und das vierte solche, von denen man annimmt, daß sie von ihm stammen könnten.
Hatimi wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts geboren und starb am Anfang des 20. Viele seiner Gedichte gingen verloren, weil sie nicht aufgezeichnet wurden und weil Leute starben, die sie auswendig kannten, aber nicht aufschrieben. Seine Gedichte betonen die vier Ziele der Poesie: Lob; Liebe; Weisheit; und Darstellung.
Hatimi spielt in seinen Gedichten drei verschiedene Rollen: die erste ist der Beduinendichter, der in der Wüste lebt, sein Kamel reitet und Wörter benutzt, die die Wüstenlandschaft reflektieren; die zweite ein Dichter am Meer, dessen Welt mit Tauchen und Perlen angefüllt ist; die dritte ein Dichter, der stolz ist auf seine Verse und wie sie eine Flut weiser Sprüche reflektieren, und der stolz darauf ist, Reime und Wörter zu benutzen, die dem Durchschnittsmenschen unbekannt sind, aber die Hellen ansprechen.
“Die Lyrik Hatimis stellt eine wichtige Etappe in der Geschichte der Lyrik der Emirate dar, besonders weil der Dichter vor 100 Jahren starb”, sagte Amimi./ gulf in the media 7.1.