127. Geheime Pressemitteilung

Vor mir liegt ein konspirativ eingeflogenes Dokument mit der Überschrift

Pressemitteilung

und der martialischen Drohung:

Die obige Mitteilung ist ausschließlich für den angeführten Adressaten bestimmt. Die unbefugte Verwendung dieser Mitteilung ist verboten und könnte strafrechtlich verfolgt werden. Wer diese Mitteilung irrtümlicherweise erhält, wird gebeten, uns umgehend zu informieren und anschließend diese Mitteilung zu vernichten.

Die Information über irrtümlichen Erhalt sei hiermit gegeben, der „angeführte Adressat“ ist der Pressesprecher des Preises, dessen Namen ich vorsichtshalber nicht nenne (sie finden ihn hier).

Diese kuriose Form der Presseinformation ist die Zuspitzung einer vielerorts zu beobachtenden Tendenz. In der Regel halten Preisvergeber nicht Namen und Geburtsjahr der Kandidaten oder Datum der Preisverleihung geheim, das ist nach meiner Kenntnis hier durchaus singulär: wohl aber verschweigen viele inzwischen die Namen der Jurymitglieder, wie hier bei Huchel.

Die Meraner Jury besteht aus:

Ilma Rakusa, Autorin, Zürich; Hans Jürgen Balmes, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main; Maria Gazzetti, Lyrik Kabinett München; Hans Höller, Universität Salzburg; Jan Wagner, Autor, Hamburg

Aus 350 Bewerbern wählte die Jury diese 9 für das Finale aus:

Marie T. Martin (geb. 82, Freiburg), Daniela Danz (geb. 76, Eisenach), Thomas Kunst (geb. 65, Stralsund), Hartwig Mauritz (geb. 64, Eckernförde), Stefan Heuer (geb. 71, Großburgwedel), Christoph Wenzel (geb. 79, Hamm), Karin Fellner (geb. 70, München), Andrea Heuser (geb. 72, Köln) und Uwe Kolbe (geb. 57, Berlin).

Damit stammen, sagt die Pressemitteilung weiter, zum ersten Mal in der Geschichte dieses Preises alle Finalisten aus Deutschland.

Die Lesungen finden am 4. und 5. Mai 2012 im Pavillon des Fleurs in Meran statt. Die Einführungsrede am Eröffnungsabend (3. Mai) hält der Schriftsteller, Übersetzer, Kulturpublizist und Herausgeber Felix Philipp Ingold. Am 5. Mai werden in Meran wieder drei Preise vergeben: Der Lyrikpreis Meran (8.000 Euro; Südtiroler Landesregierung), der Alfred-Gruber-Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse (3.500 Euro) und der Medienpreis (2.500 Euro) des RAI-Senders Bozen. Der RAI-Sender Bozen wird die Lesungen zeitversetzt in seinem Radioprogramm übertragen.

Und hier die offizielle Pressemeldung

18 Comments on “127. Geheime Pressemitteilung

  1. Uwe Kolbe erhält Lyrikpreis Meran

    Bereits zum zwölften Mal ist am Samstagabend der Lyrikpreis Meran vergeben worden: Der literarische Paradiesgarten von Uwe Kolbe überzeugte die Jury auf ganzer Linie. Der 55-jährige Deutsche erhielt den Lyrikpreis Meran, während sich Christoph Wenzel über den Alfred-Gruber-Preis und Karin Fellner über den Medienpreis freuen durften.
    http://www.stol.it/Artikel/Kultur-im-Ueberblick/Literatur/Uwe-Kolbe-erhaelt-Lyrikpreis-Meran

    Glückwünsche!

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  2. klaus: ja, hat er:

    Aufzählreime
    PASSANTEN, AUFWACHRÄUME UND PASTETEN,
    In Kreisau oder Legnica nur Hunde.
    Der endlose Kokon kann sich verspäten.
    Die Wasser fragmentiert zu jeder Stunde.

    Distanzen sind verzückt, die Parks geräumt.
    Ich habe Torf im Stuhl, es geht zu Ende.
    Mein Chatten wächst, ich hab von books geträumt,
    Die glitten mir wie Durchfall durch die Hände.

    Konturen klar: ich lerne endlich sehen.
    Die Dunkelströme ziehen mächtig weiter.
    In Menlo City treff ich Galilei.

    Die 90er entzüngeln sich im Drehen.
    Die Fachsprachen sind auch nicht viel gescheiter.
    Ich geh kaputt mit meinem ABC.

    / Thomas Kunst, Leipzig

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    • thomas – ich nehme an, dasfür die meisten zu verstehen war, wen ich mit dem neuen krolow meinte!
      hier (stg., Trübingen …) erreicht einen wenig von dem, was du schreibst; es ist kaum bekannt, leider.
      den anderen, gemeinten, inkl seiner, m.E. ,so (formal) ironisch gebrochenen, konstruierten und gedengelten wie damit auch kompensierten sonette (immer noch deutlich getoppt von seinen haikus) , da hatte ich öfters gelegenheit mitzubekommen wie das ankommt und aufgenommen, hininterpretiert und goutiert wird … dementsprechend ich mich fragte, ob er da nicht schon (doppelt) voreingenommen sein müsste/würde. andererseits, wär ja schön, wenn diese immer so netten, freundlichen, so wenig aneckenden wie weit gereisten, „alten meister“ ihrer(s) fächer(s) auch mal größe beweisen würden … aber dann würde wohl ein heutiger bericht an die akademie – vielleicht ncht zwigend anders ausfallen, als bestimmt die rollen getauscht werden oder zumindest in teilen umbesetzt werden müssten. (und manch einer der ersten – inter pares – verlöre seine vormachtstellung und rückte nach hinten ins glied, selbst wenn er namensmäßig für den ersten monat im kalender stünde.)

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      • sah erst danach, dass der kommentar von der lz höchstselbst ist!
        wunderte mich über die prompte reaktion, und wieso er zeit hat grat itzt, da ich wähnte, jetzt es liefe gerade das ding!

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  3. *ursprünglich 25.02.012 – wofür ich 1 anschiss bekommen
    aber worauf ich sehr neugierig wäre, ob & wieviele treffer es bei diesem systemlotto sind!

    –> so würd ich wetten – aber wie bei sportwetten, auch mit paar richtigen liegt man unterm strich öfters falsch:
    Rakusa = Fellner, Martin; Gazetti = Martin, Heuser; Wagner = Danz , Wenzel … alle in dubio pro Kolbe. Balmes: Heuser, Wenzel ; Höller: Kunst, Kolbe.
    (*weiß nicht ob Kunst auch schon >1 sonett im zusammenhang mit wagner geschreiben hat und wie der neue Krolow aufgrud seiner sonette allg. zu ihm steht)

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  4. Darunter 3 Autoren von yedermann. Schön für diesen kleinen feinen Verlag!

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  5. Glückwunsch den Preisträgern, die es verdient haben. Aber ich weiß auch einmal mehr, warum ich mich nicht beworben habe.

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    • aber durch die dresdner verfahrensweise erklärlich: „Die Auswahl durch die Jury erfolgt ohne Ansehen der Person, d. h. die Namen der Einreicher werden den Vor- wie den Hauptjurorinnen und -juroren nicht bekannt gegeben. Zudem muss jede Bewerberin / jeder Bewerber grundsätzlich bereit sein, im Falle ihrer / seiner Nominierung am Tag der Preisverleihung in Dresden vor Publikum zu lesen.“ (ich frage mich nur, wie die anonym vortragen, kann das jemand aufklären?)

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