PETER HUCHEL (1903-1981)

IN SEINEN BRIEFWECHSELN. Zwischen den Zeilen – der Lyriker und die DDR:

Von 1925 bis 1977 reichen die Briefe von und an Peter Huchel, welche eindrücklich die Selbstbehauptung eines Dichters in schwieriger Zeit dokumentieren: Im Zentrum steht seine Zeit als Redaktor der Zeitschrift „Sinn und Form“ und der mit seiner Entlassung einsetzenden Schikanen des DDR-Regimes. / Der Landbote (Winterthur) 21.1.01

Huchel und die DDR

PETER HUCHEL (1903-1981) IN SEINEN BRIEFWECHSELN. Zwischen den Zeilen – der Lyriker und die DDR

Von 1925 bis 1977 reichen die Briefe von und an Peter Huchel, welche eindrücklich die Selbstbehauptung eines Dichters in schwieriger Zeit dokumentieren: Im Zentrum steht seine Zeit als Redaktor der Zeitschrift „Sinn und Form“ und der mit seiner Entlassung einsetzenden Schikanen des DDR-Regimes. / Der Landbote (Winterthur) 21.1.01

„Von wenigen betrauert, von keinem vermißt“

Tomas Fitzel: Die innere Apparatur des menschlichen Selbst. „Von wenigen betrauert, von keinem vermißt“. Jacob Michael Reinhold Lenz zum 250. Geburtstag:

Im Winter 1988/89 stürmten zwei Studenten der Theaterwissenschaften aus dem Zuschauerraum hinauf auf die Bühne des Berliner Schiller Theaters und sprachen schon während ihres Laufs einen Text: „Was ihr Tugend nennt, ist Schminke, womit ihr Brutalität bestreicht. Ihr seyd wunderschöne Masken mit Lastern und Niederträchtigkeiten ausgestopft wie ein Fuchsbalg mit Heu, Herz und Eingeweide sucht man vergeblich.“ / FR 20.1.01

Pflasterstein

Neuausgabe des „roten Pflastersteins“: Das surrealistische Gedicht. (3. korr. u. erw. Auflage 2000)

Die neue Ausgabe hat (bei gleicher Ausstattung und gleichem Format) etwa 400 Seiten mehr als die erste und zweite von 1985/86. Zwei der ursprünglich drei Herausgeber haben die ursprüngliche Anthologie bis S. 1387 unverändert übernommen (von Maxime Alexandre bis Unica Zürn) und ihr unter Fortlassung des Nachwortes von Petr K. einen „Annex 2000“ angefügt, nun von Rudolf Altschul bis Aleksandar Vuco . Mit dabei  u.a. Richard Anders, K.O. Götz, Johannes Hübner und Lothar Klünner sowie Autoren aus den USA, Italien, Serbien, Chile, Kanada und zahlreichen weiteren Ländern.

Aus der Vorbemerkung zum „Annex“ von Heribert Becker

„namentlich mit der beinahe explosionsartig angeschwollenen Sekundärliteratur in Form von Dissertationen, akademisch-professoralen Abhandlungen usw. ist weltweit ziemlich viel universitärer Müll unters Publikum gebracht worden. Das Resultat ist eine weitgehende Verzerrung und Verwässerung der surrealistischen Ideen. (…) Im Endeffekt läuft all das auf die Vereinnahmung des Surrealismus durch die bürgerliche Kulturindustrie hinaus. Ein Heer von Museumsleitern und Galeristen, Kunst- und Literaturhistorikern, Kritikern, Feuilletonisten, Jungakademikern usw. arbeitet oft eher bewußt als unbewußt daran, vor allem führende bildende Künstler des Surrealismus aus ihrer Verwurzelung in dieser Bewegung herauszureißen, einer Bewegung, die eine radikal antikapitalistisch-antibürgerliche, ja die gesamte abendländisch-christliche Kulturtradition in Frage stellende revolutionäre Bewegung war und ist.“

Ein Muß für „Einsteiger“ ebenso wie für Besitzer der Originalausgabe. Bei Zweitausendeins für DM 50. 1888 Seiten Poesie – gar mit Sprengkraft? (Unter dem Pflasterstein).

 

Klaus Podak: „Behaltet euren Himmel für euch!“

Das traurige Leben des Jakob Michael Reinhold Lenz, der einer der bedeutendsten Poeten des Sturm und Drang war. Verrückt war er am Ende wirklich. Vorher wild, verwegen, hassvoll, sehr liebebedürftig, arm, rücksichtslos und selbstzerstörerisch./ Süddeutsche Zeitung 20.01.2001

Das neue Gedicht

Franz Baermann Steiner : „Der vergebliche Liebhaber“ (Von Günter Kunert) / Die Welt 20.1.01

Was die Online-Welt nicht brachte

„Ausgerechnet die „Welt“ sollte sich nicht mit journalistischen Steinen aus dem Springer-Glashaus an der Steinigung Joschka Fischers beteiligen. Immerhin war es vor allem die Hetze in Springers „Bild“-Zeitung, die in Westberlin eine Stimmung in der Bevölkerung aufheizte, ohne die der junge Nazi Bachmann wohl kaum seine drei Kugeln in den Kopf von Rudi Dutschke geschossen hätte.“

Wolf Biermann, Liedermacher und Kommentator, in einem Beitrag für „Die Welt“ vom 19.1.

2001 Jan

Friederike Mayröcker wird Ehrendoktor

Die österreichische Dichterin Friederike Mayröcker bekommt am 7. Februar von der Universität Bielefeld die Ehrendoktorwürde verliehen. Bielefelds Germanistik ist ein Zentrum radikaler und experimenteller Literatur. Am 3. Februar strahlt der Westdeutsche Rundfunk ihr neues Hörspiel „Couvert der Vögel“ aus, eine Funkinszenierung von Klaus Schöning, in der neben der Autorin auch Gerhard Rühm als Sprecher im Einsatz war. Ebenfalls im Februar erscheint im Suhrkamp-Verlag ihr „Requiem für Ernst Jandl “ mit nach dem Tod des Gefährten im Juni 2000 geschrieben Prosatexten, Kommentaren zu Jandl-Gedichten und jüngster Lyrik. Der Bayerische Rundfunk und der ORF senden dieses Requiem („ich will nicht mehr weiden“), das die „Presse“ zu Allerseelen in ihrem Spectrum abgedruckt hat, in einer Funkfassung zu Jandls Todestag im Juni. /Die Presse | Wien 19.1.01


„Poesie und Literatur überschreiten

auch die Grenzen zwischen den Staaten.“ Zu DDR-Zeiten hat der aus Dresden stammende Lyriker, Dramatiker und Romancier VolkerBraun (61) immer wieder Kritik am real existierenden Sozialismus geübt. Im vergangenen Jahr erhielt er den Georg-Büchner-Preis. Wolf Scheller sprach mit ihm über die Situation des ostdeutschen Schriftstellers in der vereinten Republik. / Frankfurter Neue Presse 18.01.2001


Nazim Hikmet wird rehabilitiert:

ISTANBUL (SN, AFP). Der türkische Dichter Nazim Hikmet (1902-1963) erhält im Jahr 2002, hundert Jahre nach seiner Geburt, posthum wieder die türkische Staatsbürgerschaft, die ihm 1959 aberkannt wurde. Das gab die Nazim HikmetGesellschaft für Kunst und Kultur in Istanbul bekannt. Der Dramatiker und Lyriker, der wegen seiner kommunistischen Gesinnung mehrmals verurteilt wurde und 1951 aus der Türkei floh, gilt als der bedeutendste türkische Dichter und Erneuerer der türkischen Literatur des 20. Jahrhunderts. / Stuttgarter Nachrichten 18.1.01


Keine Gedanken, nur Steine.

„Die Uhr“ – Ein Gedichtband von Kurt Aebli /NZZ 18.1.01

Kurt Aebli ist der Steinmetz unter den zeitgenšssischen Lyrikern, der zudem lieber sammelt, als sich die Steine gefügig zu machen. Als solcher steht er etwas im Abseits der modischen Schauplätze, auf denen sich die Lyriker derzeit mit Vorliebe aufhalten. DursGrünbein flaniert in mythischen Gefilden; Raoul Schrott oder Lavinia Greenlaw stehen im Metapherngestöber der Naturwissenschaften; Thomas Kling bildet die Nachhut der Wiener Gruppe. Dieser Gedankenfracht hält Aebli seine „Steine“ entgegen: kurze, einfache Gedichte, scheinbar formlos, der Materie verbunden, ihrem Material verpflichtet.


Neuausgabe des „roten Pflastersteins“

Das surrealistische Gedicht. (3. korr. u. erw. Auflage 2000)

Die neue Ausgabe hat (bei gleicher Ausstattung und gleichem Format) etwa 400 Seiten mehr als die erste und zweite von 1985/86. Zwei der ursprünglich drei Herausgeber haben die ursprüngliche Anthologie bis S. 1387 unverändert übernommen (von MaximeAlexandre bis Unica Zürn) und ihr unter Fortlassung des Nachwortes von Petr K. einen „Annex 2000“ angefügt, nun von Rudolf Altschul bis Aleksandar Vuco . Mit dabei jetzt u.a. Richard Anders, K.O. Götz, Johannes Hübner und Lothar Klünner sowie Autoren aus den USA, Italien, Serbien, Chile, Kanada und zahlreichen weiteren Ländern.

Aus der Vorbemerkung zum „Annex“ von Heribert Becker

Ehrendoktorin

Die österreichische Dichterin Friederike Mayröcker bekommt am 7. Februar von der Universität Bielefeld die Ehrendoktorwürde verliehen. Bielefelds Germanistik ist ein Zentrum radikaler und experimenteller Literatur. Am 3. Februar 2001 strahlt der Westdeutsche Rundfunk ihr neues Hörspiel „Couvert der Vögel“ aus, eine Funkinszenierung von Klaus Schöning, in der neben der Autorin auch Gerhard Rühm als Sprecher im Einsatz war. Ebenfalls im Februar erscheint im Suhrkamp-Verlag ihr „Requiem für Ernst Jandl “ mit nach dem Tod des Gefährten im Juni 2000 geschrieben Prosatexten, Kommentaren zu Jandl-Gedichten und jüngster Lyrik. Der Bayerische Rundfunk und der ORF senden dieses Requiem („ich will nicht mehr weiden“), das die „Presse“ zu Allerseelen in ihrem Spectrum abgedruckt hat, in einer Funkfassung zu Jandls Todestag im Juni. /Die Presse | Wien 19.1.01

Gestorben

Gregory Corso, a Candid-Voiced Beat Poet, Dies at 70 / New York Times January 19, 2001

A poetry-free presidency

The lack of a poet at Bush’s Inauguration is a bleak omen of his administration’s attitude toward culture — but then again, what poet would agree to appear? … Think of Robert Frost reciting „The Gift Outright“ from memory at JFK’s Inauguration on Jan. 20, 1961. How remarkable that was… 
By David Lehman / Salon.com 19.1.01

Volker Braun

„Poesie und Literatur überschreiten auch die Grenzen zwischen den Staaten.“ Zu DDR-Zeiten hat der aus Dresden stammende Lyriker, Dramatiker und Romancier Volker Braun (61) immer wieder Kritik am real existierenden Sozialismus geübt. Im vergangenen Jahr erhielt er den Georg-Büchner-Preis. Wolf Scheller sprach mit ihm über die Situation des ostdeutschen Schriftstellers in der vereinten Republik. / Frankfurter Neue Presse 18.01.2001

Nazim Hikmet wird rehabilitiert

ISTANBUL (SN, AFP). Der türkische Dichter Nazim Hikmet (1902-1963) erhält im Jahr 2002, hundert Jahre nach seiner Geburt, posthum wieder die türkische Staatsbürgerschaft, die ihm 1959 aberkannt wurde. Das gab die Nazim Hikmet Gesellschaft für Kunst und Kultur in Istanbul bekannt. Der Dramatiker und Lyriker, der wegen seiner kommunistischen Gesinnung mehrmals verurteilt wurde und 1951 aus der Türkei floh, gilt als der bedeutendste türkische Dichter und Erneuerer der türkischen Literatur des 20. Jahrhunderts. / Stuttgarter Nachrichten 18.1.01

Steinmetz

Kurt Aebli ist der Steinmetz unter den zeitgenössischen Lyrikern, der zudem lieber sammelt, als sich die Steine gefügig zu machen. Als solcher steht er etwas im Abseits der modischen Schauplätze, auf denen sich die Lyriker derzeit mit Vorliebe aufhalten. Durs Grünbein flaniert in mythischen Gefilden; Raoul Schrott oder Lavinia Greenlaw stehen im Metapherngestöber der Naturwissenschaften; Thomas Kling bildet die Nachhut der Wiener Gruppe. Dieser Gedankenfracht hält Aebli seine „Steine“ entgegen: kurze, einfache Gedichte, scheinbar formlos, der Materie verbunden, ihrem Material verpflichtet. / NZZ 18.1.01

Keine Gedanken, nur Steine. „Die Uhr“ – Ein Gedichtband von Kurt Aebli 

ENRITSUDAHL

Stephan Krass porträtiert den Dichter Oskar Pastior und erzählt, wie er zu seinen Kunstwörtern kommt: „ENRITSUDAHL lautet so eine Zauberformel aus diesem Geheimalphabet, bei deren Nennung sich die Türen zum Elementar-Reich der Buchstaben öffnen. In dem Kunstwort ENRITSUDAHL bildet die Letternfolge die Häufigkeitsverteilung der Buchstaben ab, wie sie in der Sprache gebraucht werden. Das E führt die Hitliste des Alphabets an, das R kommt vor S, und das A, mit dem alles beginnt, liegt abgeschlagen auf Platz neun.“ (Perlentaucher) / Neue Zürcher Zeitung 17.1.01

(In der gleichen Ausgabe auch ein Gedicht von Pastior: wollflauschmantel)