18. Das Stalin-Epigramm

Eine Besprechung von Uli Hufen, DLF Büchermarkt 2.9., wird so eingeleitet:

Ossip Mandelstam starb einen gnädigen Tod: kurz bevor er für weitere fünf Jahre in ein Arbeitslager sollte. Das Verbrechen des Dichters: Josef Stalin gefiel eines seiner Gedichte nicht. Thrillerautor Robert Littell hat sich an der Geschichte versucht

(Nunja, Todesarten… Mandelstam ist im Lager verreckt. – Sein Verbrechen: Die ein oder zwei stalinkritischen Gedichte gefielen dem Diktator nicht und alle anderen, was schwerer wiegt, verstand er nicht. Was wir nicht verstehen, ist „nicht für uns“, also ist es gegen uns.)

So liest sich Littells Mandelstam:

Dieser nervöse, dickköpfige, lebensfrohe Homo Poeticus, … dieser nervöse Liebhaber (von mir und verschiedenen anderen) ist beim Rezitieren wie verklärt und wird zu einem – zu etwas – anderem. … Unbeholfen fährt er mit der Hand durch die Luft, und die Haltung seines Körpers spiegelt Reim und Rhythmus des Textes und die vielfältigen, darin verborgenen Bedeutungen wider. Den Kopf in den Nacken gelegt, fährt der unverwechselbare semitische Adamsapfel hinter der fast durchsichtig dünnen Haut seiner blassen Kehle auf und ab.

Robert Littell: „Das Stalin-Epigramm“. Roman.
Aus dem Amerikanischen von Werner Löcher-Lawrence
400 Seiten, Arche Verlag (August 2009)

(Der Roman – ich werd ihn garantiert nicht lesen – macht es leichter, über den Dichter zu schwätzen, ohne ihn zu lesen. Wetten, daß alle ihn besprechen werden? – In den 50er/60er Jahren mußte man zu diesem Zweck wenigstens  die Erinnerungen von Mandelstams Witwe Nadeshda lesen: Das Jahrhundert der Wölfe. Das ist immerhin eine Quelle. Die Gedichte und Essays des Dichters – Gespräch über Dante! – muß man lesen. Letzteres ist ein Lesefest für Dichter und Lyrikfreunde und vielleicht sogar eine Verführung zu Dante. Dante und Dada!)

Mehr: Freitag 20.8.

Mandelstam in  L&Poe seit 2001:

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